Hanauer S Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M.
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Nr. 55
Dienstag Sen 6. März
1923
Das Neueste.
— Der Reichskanzler wird heute nachmittag im Reichstag eine Regierungserklärung abgeben.
— Im Ruhrrevier sind neue Raubanfälle am französischen Soldaten zu verzeichnen, ebenso neue Bluttaten.
— Südlich von Elberfeld sind starke französische Truppenbewegungen im Gange.
Vor -er neuen Regierungs- erklSrnng.
Die unerwartete Zusammenberufung des Reichstages für den heutigen Nachmittag hat zunächst wie eine politische Sensation gewirkt. Mußte ihr doch die bestimmt in Aussicht genommene Reise des Reichskanzlers nach Süddeutsch- land zum Opser fallen, die gerade im Zusammenhang mit dem neuen Einfall der Franzosen in deutsches Land eine gegebene Gelegenheit für eine politische Kundgebung zu sein schien. Daß dieseGelegenheit nicht benutzt wurde.hat zu allerlei politischen Kombinationen Anlaß gegeben, die teils auf eine angebliche Verstimmung zwischen der Reichsregierung und dem bayerischen Kabinett, teils auf Vermittelungsgerüchte zuruckging. Alle diese Kombinationen gehören indessen in das Reich der Fabel. Die Reichsregierung hat nach wie vor die besten, vertrauensvollsten Beziehungen zu Bayern und dem ganzen Süden und von Vermittlung ist auch bei schärfstem Zusehen immer noch keine Spur zu entdecken. Wie selbst auch auf sozialdemokratischer Seite anerkannt wird, haben wir keine Veranlassung, dazu die erste Hand zu bieten.
Der-rvirkliche Grund für die Verschiebung >èr Kanzlerreise und für die Einberufung des Reichstages war recht einfacher Natur. Die Re- zierung hat das Bedürfnis, ihrem heiligen Zorn lnd ihrer tiefen Empörung über die neue fran- Ksische Brutalität vor allem Volke und vor der Welt in einer möglichst eindringlichen Form Ausdruck zu geben. Gegen schriftliche Verwahrungen stellt sich die französische Regierung taub da die Fälle französischer Rechtsbrüche in die Hunderte gehen, so kann man es verstehen, wenn bei einer neuen Protestnote der deutschen Regierung kaum noch aufgehorcht wird. Deshalb hat die Regierung recht, wenn sie sich von der Tribüne des Reichstages aus Gehör schafft
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und wenn sie den Reichstag einlädt, namens des deutschen Volkes mit in den stammenden Propst einzustimmen, der vorläufig noch unsere einzige Waffe ist. Die Reichstagsdebatte wird ^vielleicht Gelegenheit geben, auf diese Frage Katzer einzugehen. Sie wird ganz bestimmt eine «Übereinstimmung in dem festen Abwehrwillen des gesamten Reichstages zeigen, wobei die Wenigen Rechts- und Linksradikalen nicht weiter mitzählen. Sie wird aber auch zur Erörte- wng her Frage führen, was bisher in dem ^bwehrkampf gegen die Franzosen und Belgier Zfichehen ist und was noch geschehen kann, um mesem Kampf eine schärfere Form zu geben, -darüber kann mancherlei gesagt werden. Es Empfiehlt sich aber für die Presse, damit zurück- auyalteu, lüs der Reichstag und bis die Re- 8'erung gesprochen haben.
-.Inzwischen kann man es der Regierung nur ank wissen, daß sie endlich zu einem Schlage Spione und Verräter in Deutschland aus- W x un& sich damit selbst in den Stand gesetzt ' Den Kampf wirksamer zu führen. Die von ^.gestern veröffentlichte Notverordnung des eichspräsidenten gibt den Behörden endlich e handhabe, in dieses Wespennest zu greifen Stn^ sittlich recht nachdrücklich durch die luierung von warnenden Exempeln Ver- >, ^ ^^ gekaufte Subjekte darüber zu belehren Q ” wir uns im Existenzkampf befinden und Li- ^^rrat in den eigenen Reihen mit L stiften Waffen vorgehen müssen. Bis in -> vesetzte Gebiet reicht die strafende Hand der ^9 allerdings nur schwer. Dafür ist man uon selbst aus dem Posten und hält s Spitzel und Spione vom Leibe. Kenner riäii ^ '6en Verhältnisse wissen davon zu be- apOl “QB nächtlicherweile in der Schar der steb-n °" französischen Agenten Lücken ent- es daß deshalb neuerdings kaum einer .lPu9^ für französisches Geld seine Haut land 3U tragen. In dem übrigen Deutsch- nirht dieses Verfahren der Selbstreinigung Hier hat die Regierung die Strafen ho» m-.^er ^and und wenn es ihr bisher üben -kotigen Paragraphen fehlte, um sie zu ordn>>» ^ sie letzt durch die Ausnahmever- ug bes Präsidenten dazu in den Stand
gesetzt. Mit Frankreich leben wir — diplomatisch gesprochen — nicht im Kriegszustand, obgleich Frankreich die Brandfackel in deutsches Land schleudert. Der Deutsche soll aber wissen, daß wir uns im Kriegszustand tatsächlich befinden. Darüber wird die Notverordnung des Reichspräsidenten allen, die es noch nötig haben, heilsamen Aufschluß geben.*
Wie die „Vossische Zeitung" schreibt, wird die heutige Sitzung des Reichstags, die um 6 Uhr nachmittags beginnt, ausschließlich der Regierungserklärung gewidmet sein, die von dem Reichskanzler Dr. Cuno abgegeben wird. Die Aussprache über die Erklärung soll nach dem Blatte erst am Mittwoch beginnen. Mit der Regierungserklärung soll die Beratung des Haushalts des auswärtigen Amts verbunden sein. Das Blatt nimmt an, daß der Minister des Auswärtigen die Gelegenheit ergreifen wird, um die Ausführungen des Reichskanzlers hinsichtlich der Außenpolitik zu ergänzen. Die Koalitionsparteien werden sich diesmal nicht mit einer kurzen gemeinsamen Erklärung begnügen, sondern jede der großen Parteien wird durch einen eigenen Redner ihren Standpunkt eingehend darlegen. Ob die Debatte mit einer besonderen Vertrauenskundgebung für die Regierung enden wird, soll noch in Beratungen zwischen den Parteien entschieden werden.
Aus dem neuen Einbruchsgebiek.
Darmstadt, 5. März. Heute mittag fanden die am Samstag vereinbarten Verhandlungen der Arbeiterbetriebsräte mit dem PräfidentenderfranzösifchenUn- terkommission statt, der aus Mainz hierher gekommen war. Die Betriebsräte verlangten die Räumung der Lokomotivausbesferungs- werkstätten; das wurde von den Franzosen abgelehnt. Der Präsident forderte vielmehr, daß die Arbeit wieder ausgenommen werde, und zwar sollten die wieder fahrbereit zu machenden Lokomotiven in das besetzte Gebiet nach Mainz gebracht werden als Ersatz für die im Bahnhof Mainz ausgeübte Sabotage. Die Beibehaltung der Besetzung wurde damit begründet, daß man auch in Darmstadt derartige Sabotage befürchte. Die Betriebsräte setzten sich persönlich dafür ein, daß hier keinerlei Sabotage stattfinden soll. Jedoch wurde trotzdem die Aufhebung der Besetzung abgelehnt. Darauf lehnten die Arbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit ab. Zurzeit finden Verhandlungen im Gewerkschaftshaus über weitere Maßnahmen statt.
Heute mittag traf eine Motordraisine aus Mainz kommend mit zwei Offizieren und acht Mann Besatzung im Hauptbahnhof Darmstadt ein. Die Draisine wollte zu dem besetzten Dornheimer Weg, war jedoch versehentlich in den Hauptbahnhof eingefahren. Nach etwa einer Stunde zogen die Franzosen wieder aus dem Hauptbahnhof ab.
Mannheim, 5. März. Die französische Besatzungsbehörde hat in Ludwigshafen eine allgemeine Verkehrssperre in den Straßen und über die Zugänge zu den Städten, also auch über.die Brücken, von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens verhängt, die bis zum Donnerstag in Kraft bleiben soll. Diese Maßregel scheint als Wiedervergeltung für einen Sabotageakt im Verkehrswesen angeordnet zu sein. Im Verkehr über die Rheinbrücke von Mannheim nach Ludwigshafen ist im übrigen eine weitere Erschwerung erfolgt. Während bisher nur voll beladenen Fuhrwerken eine Abgabe in Höhe von 10 Prozent des Wertes der Ladung verlangt wurde, muß in Zukunft auch von leeren Fuhrwerken eine Kaution in Höhe von 10 Prozent des Wertes des Wagens entrichtet werden.
Heute früh haben die Franzosen auch den Bahnhof Industriehafen besetzt.
Einkreisung der engl.Vesatzungszvne?
Vläktermeldungen aus Elberfeld zufolge find die Franzosen gestern früh nach G r ä f r a t h, von dort nach K r o'n e n b e r g und dann nach Remscheid marschiert. Von Remscheid aus sind die Spitzengruppen nachmittags weiter nach Wipperfürth vorgerückt. Der Vormarsch hat bislang eine Ausdehnung von 25 bis 30 Kilometer. Die Franzosen sind nach einer Meldung der Vofsischen Zeitung durch die neutrale Zone des englischen Gebiets marschiert und haben die in dieser Zone liegenden Ortschaften beseht. Wie das Blatt weiter schreibt, hat es den Anschein, als ob dieser Vormarsch die Verbindung des neubesetzten Gebiets an der Ruhr mit dem Brückenkopf von Koblenz her- stellen soll. Auf diese Weise soll von Wesel
bisBaseleineelnheitNchevonden Franzosen besetzte Grenze mit Zollschranken geschaffen werden.
Besetzung der Station Griesheim.
Griesheim a. M., 5. März. Heute abend nach 7 Uhr drangen französische'Soldaten in das hiesige Stationsgebäude ein. Die Eisenbahner legten daraufhin den Betrieb still. Von Frankfurt aus werden keine Züge mehr in der Richtung nach Griesheim—Nied abgelassen.
Erweiferunst -er Besetzungszone von Appenweier.
Karlsruhe, 5. März. Wie die „Badische Presse" mitteilt, ist nun auch der kleine Ort Ebersweier östlich Windschläg in die BesetzungSzone einbezogen worden. Einquartierung ist bis jetzt noch nicht erfolgt, aber die Ausgänge des Ortes gegen Osten sind durch Posten bewacht und Reiterpatrouillen durchsuchen die Gemarkung in der Richtung Durbach- Ncsselried. Der Zweck der Besetzung ist jedenfalls der, jeden Verkehr zwischen Ortenburg und Appenweier, zwischen Bahnlinie und Gebirge zu stören.
Neue französische Bluttaten.
Rach dem »Berl. Tageblatt" haben die Franzosen auf der Hernerstraße in Bochum einen Arbeiter durch einen Bajonettstich getötet. — Auf der Zeche Westerholt wurde ein Bergmann beim Ueberschreiten der Anschlußgleise zu den Schachtanlagen von dem französischen Posten erschossen. Die Belegschaft der Zeche ist in einen Proteststreik getreten.
Hörde, 5. März. Am letzten Samstag kurz nach 11 Ahr abends wurde in der Hermann- straße der Ingenieur Ewald Dirks in Begleitung feines Freundes ohne jede Veranlassung von einem französischen Soldaten (anscheinend Anierofftzier) durch einen Rev o l- Vorschuß schwer verletzt. Ing. Dirks wurde dem Krankenhaus zugeführt, wo er heute feiner fchwerenÄerlehungerlag. Der Franzose entfloh gleich nach der Bluttat. — Zu gleicher Zeit wurde der Schlosser Heinrich Bangert von einem französischen Offizier mit einem nicht erkennbaren Gegenstand derart ins Gesicht geschlagen, daß Bangert sofort besinnungslos und blutend zu Boden fiel. Erst nach fast einer Stunde kam ec unter ärztlicher Hilfe wieder zur Besinnung. Der Offizier kümmerte sich nicht um den Verletzten.
Ein unerhörter Vorfall.
München, 5. März. Ein Vorfall, der besonders niedrig gehängt werden muß, hat sich bei Grinten ereignet. Eine Hebamme, die auf dem Wege zu einer Entbindung war, wurde von zwei französischen Soldaten und einem Offizier überfallen und von dem Offizier verprügelt und mit Füßen getreten. Dann wurde ihr das Haar abgeschnitten. Als sie darauf hinwies, daß sie zu einer Wöchnerin gerufen sei, wurde ihr erwidert: Alle deutschen Frauen mitsamt ihren Kindern könnten ruhig kaputgehen!
WiUs! ©u, -aß Frankreich enna an Rhein un- Ruhr bleibt?
Nein! — Dann gib zum Deutschen Volksopser.
Spenden nimmt unsere Geschäftsstelle an.
Die Huflän-e im Ruhrrevier.
Bochum, s. März. Die Besatzung der Stadt Velbert ist vollständig abgezogen. Stadtbaurst Schmidt in Castrop wurde wegen Nichtbefolgung französischer Befehle verhaftet. In Lennep wurden mehrere junge Leute wegen Abreißens französischer Plakate verhaftet. Die Engländer kontrollieren die französischen Transporte beim Eintritt in die englische Zone sehr scharf. Die Beförderung geschlossener Regimenter ist untersagt. Die Vcrkebrslage hat sich im allgemeinen wenig geändert. Die Zahl der ttohlenzüge, die die Franzosen bisher abfahren konnten, ist außerordentlich gering. In den drei letzten Wochen der Februar konnten insgesamt 1700 Wagen die Grenze passieren. Gestern wurden über Erang 27 Wagen Kohle nach Frankreich befördert. In den beiden letzten Tagen sind eine ganze Reihe von Plünderungen und Ranbüberfalle auf offene Geschäfte und Ladendiebstähle aus der Altstadt und einzelnen anderen Stadtteilen von Essen bekannt geworden. — Die Essener Feuerivehr war den ganzen ~ ag und die ganze Nacht alarmiert, um Hilszpolizei- bünfte zu tun. In der Nacht zum Sonntag wurde ein deutscher Bürger von zwei französischen Soldaten überfallen, ihm die goldene Uhr und seine Larschast von 45 (»00 Mk. adgtnowmen. In Effen-Wtst wnrde das Polizeirevier »er Berliner $trei< »»n den Fran- ;o,en besetzt. Ein in dem Hause wohnender «ericht«. beamter wurde hierbei *en_ den Franzosen erschossen. Die Milchvèrsorgung der Stadt Essen ist durch »en Einbruch auâerordentlich acjährdet. 3nfolae d" Der- '
stopsnng der Bahnhofes gelang es nicht, ausreichende Milchmengen berbeizuschaffen. Außerdem ist die Teuerung so außerordentlich gestiegen, daß er vielen Müttern unmöglich ist, genügend Milch, fit die Säuglinge zu kaufen. Dadurch ist die Säuglingssterblichkeit sehr gestiegen. Dom 1. 1. bis 24. 2. sind in Essen 272 Säuglinge gegenüber 223 im Vorjahre gestorben, was einer Zunahme von 20,88 Prozent gleichkommt. Auch die Zunahme der Tuberkulose ifl erschreckend. Vom 1. 1. bis 24. 2. sind in Essen 186 Todesfälle an Tuberkulose gegenüber 146 im gleichen Zeitraum des Vorjahrs zu verzeichnen, war einer Steigerung von 25,35 Prozent entspricht. Auch auf die Folgen der Auflösung der Schutzpolizei ist hinzuweisen, die bisher auch die Sittenpolizei ausübte. Du unter Kontrolle gestellten Personen erscheinen, weil kein Zwang mehr ausgeübt werden kann, größtcnteilt nicht mehr zur ärztlichen Untersuchung, wodurch du Gefahr einer weiteren Verbreitung der GeschlechtSkrank Heiten zunimmt.
Kern Sil cftjtoff für Frankreich und Belgien.
Berlin, 5. März. Die Reparations- fommiffion hatte für den 5. März Der. treter der deutschen Regierung zu einer Besprechung über die Stickstofflieferungen an Frankreich, Italien und Bel- gien eingeladen. Deutscherseits wurde gestern geantwortet, daß die deutsche Regierung sich wegen des Ruhreinfalls nicht in der Lage sieht, Lieferungen an Frankreich und Belgien auszuführen, daß sie daher zu der geplanten Sitzung keine Vertreter entsenden wird, daß dagegen aber unmittelbare Verhandlungen wegen Stickstofflieferungen mit den italienischen Vertretern bereits eingeleitet wären.
Die Echiedsgerichkskomödie.
Paris, 5. März. In Gegenwart des französischen Äustiäministers fand gestern die Generalversammlung des deutsch-französischen gemischten Schiedsgerichts statt. Anwesend waren die neutralen Präsidenten und französischen Richter. Anstelle der deutschen Richter waren die von der ftanzösischen Regierung einberufenen neutralen Ersatzrichter erschienen. C o l r a t sagte in einer Ansprache, daß diese Sitzung ein bedeutsames Ereignis in der Entwicklung des Schiedsgerichts darstelle. Deutschland habe sich unter dem Vorwand der politischen Zweckmäßigkeit geweigert, fernerhin an dem Werke mitzuarbeiten, das der Versailler Vertrag dem Schiedsgericht übertrug. Dieser Vorwand verkenne den Charakter des hohen Gerichtshofes, gegenüber dem niemand sich auf Rücksichten berufen dürfe und für den nur unpolitische Rechtsgründe maßgebend wären. Die Einstellung der Mitarbeit durch die deutschen Richter habe die französische Regierung gezwungen, das in Artikel 304 des Vertrages vorgesehene Verfahren anzuwenden. Hierauf begrüßte Präsident B o t e l l e die neuen Richter, dankte dem Jüstizminister für sein Erscheinen und bat ihn, überzeugt zu sein, daß alle Mitglieder des Gerichts sich der Wichtigkeit ihrer Aufgabe- voll bewußt seien. Die französischen und deutschen Interessen würden Schutz finden. Nach wie vor solle jeder, der vor ihm erscheine, die Ueberzeugung mitnehmen, daß ihm volle Gerechtigkeit geworden sei.
(Anmerkung des Wolffbüros: Die deutsche Regierung erklärte in einer Note vom 23. 2. der französischen Regierung, daß sie den deutsch- französischen gemischten Schiedsgerichtshof in feiner neun Zusammensetzung und seinen Entscheidungen nicht als vertragsmäßig anerkennt. Die Worte des ftanzösischen Iustizministers und die Haltung der neutralen Juristen, die sich anscheinend auf seinen Standpunkt stellten, vermögen hieran nicht zu ändern. Dem französischen Justizminister ist aber zu erwidern, daß die deutsche Regierung eines Vorwandes für ihre Haltung nicht bedarf. Der französische Der- tragsbruch gibt Deutschland ohne weiteres daä Recht, die Erfüllung seiner Verpflichtungen gegen Frankreich einzustellen. Hier war die Einstellung nicht nur Recht, sondern sachliche Not- Wendigkeit. Die deutsche Regierung legte dies in den Noten vom 1. 2. und 28. 2. dar. Es klingt wie bitterer Spott, daß in demselben Augenblick, wo Frankreich zeigt, daß es sich an die wichtigsten Bestimmungen des Versailler Vertrages und an alle Regeln des Völkerrechts, wo sie ihm unbequem sind, nicht im mindesten kehrt, auf sein Verlangen das deutsch-franzö- ische Schiedsgerichte, worin zwar Franzosen, aber keine Deutschen sitzen, sich den Kopf über kleine Probleme des Versailler Vertrages zerbrechen soll, die die französische Regierung do« sein Forum zu bringen für ungefährlich hält.)
Dollar (10 Mr oorma 22300