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„Eigentlich weiß Kuno gar nicht, was für einen Schatz er an dir hat. Wie geht es denn diesem antiken Römer?"
Blanda warf ihr Barett auf den Tisch unb setzte sich.
„Er ist ein Barbar, Papa!"
Darauf nahm Dagobert ebenfalls Platz und strich sich den langen grauen Schnurrbart.
, Oho, Kleine, das flinm ja fast nach dem zweiten Akt der Tragödie. Den ersten hätten wir gestern gehabt, denn da kam von Benno ein Telegramm: „Dienst quittiert, trete bei Graf Kasanoff ein." Verdammt lapidar; als was denn? Als Kammerdiener?"
, Er wird Gestütsdirektor in Ungarn und Herrenreiter."
„Na ja, reiten kann der Bengel. Hm — hm . .
Diese Sache mit Benno schien ihn so sehr zu beschäftigen, daß er Blanda fast vergaß. Er warf einen Blick auf seinen Schreibtisch und räusperte sich nochmals.
„Ungelegen komint mir das Ding eigentlich nicht. Dieser Graf soll ja ein Nabob sein, er wird wohl auch die Geldaffäre geregelt haben "
„Ja. das hat er "
„Bon; dann bin ich den Jungen glücklich las!"
„Und mich hast du," sagte Blanda mit einem nervösen Lachen.
Merken ließ er sich noch immer nichts, er fuhr fort den Snob zu markieren, aber seine Augen wurden etwas größer.
„Ich kalkuliere, Kleine, daß du deinem Mann nicht wegqelaufen 1
„Das Recht dazu hätte ich gehabt, aber es Ist schlimmer. Er hat mich vor die Tür gesetzt; wc li ostens moralisch."
„Warum?"
„Wegen eines lächerlichen und unbegründeten Verdachts. Graf Kasanoff . . ."
Dagobert zog eine Grimasse.
„Dieser Graf scheint den Chor in der Tra- c ' ie zu spielen Also gut: lächerlich und un- l: gründet, das glaube ich dir selbstverständlich ohne weiteres. Aber Irrtümer lassen sich doch aufklärcn, Blanda?"
„Das verbietet mir mein Stolz."
Zweite Grimasse.
„Also Scheidung?"
„Der Anwalt gibt wenig Hoffnung," sagte Blanda etwas kleinlauter. „Es langt nicht, ausserdem bin ich vielleicht etwas unvorsichtig gewesen."
„Ich verstehe," sagte Dagobert langsam, „es geht mir allmählich ein Licht auf. Du willst die Ehe mit deinem Mann nicht fortsetzen, aber eine Form, von ihm loszukommen, giM es ebensowenig. Mit andern Worten: ich werde dich bei mir aufnehmen müssen, denn es ist wohl selbstverständlich, daß er unter diesen Umständen keine Alimente zahlen will."
Das war der große Moment, den Blanda mit tragischer Steigerung herbeigelockt hatte. Sie öffnete ihr Handtänqcyen und brachte den Kontrast zum Vorschein.
„Du irrst dich, Papa. Wenn eine moderne Frau mit der Vergangenheit bricht, dann hat sie auch schon für die Zukunst gesorgt; w.r sind nicht mehr unmündige Kinder, die bis an den nächsten Kreuzweg laufen und dann anfangen zu heulen. Hier halte ich meine Zukunft in Händen, und ich denke, sie wird mich unabhängig von meinen. Manne und — von dir machen.'
„Beinahe dramatisch," sagte er ein wenig spöttisch. „Ist das ein Engagement als Kin- lerfräulein?"
„Nein, als Mitglied des L-Theaters in Wien."
„Donnerwetter!"
Er fluchte sonst nie in Damenaesellschast,
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aber setzt fuhr es ihm doch heraus, und dann streckte er die schlanke aristokratische Hand nach dem Papier.
„Gib doch mal den Wisch her. Es ist kein erstklassisches Institut, dieses T-Theater, und der Direktor gilt im allgemeinen als Menschenschinder. Aber in einer maison ist er noch nicht gewesen soviel ich weiß, und die Katze im Sack pflegt er mit Vorsicht zu genießen. Das mag eine nette Halsschlinge sein!"
Blanda sagte gar nichts. Sie verfolgte nur mit geheimem Stolz die lesenden Augen ihres Vaters, die merklich größer wurden und endlich ganz ratlos an ihr hängen blieben.
„Sag mal, Kleine, hast du hinter dem Rücken deines Mannes gemimt?"
„Nein, nur einmal unter feinen Augen in einer Wohltätrgkeitsvorstellung."
„Kaff! Kannst du hexen?"
„Vielleicht, ein wenig," sagte sie lächelnd, „als die Tochter des berühmten Dramatikers Ruchmann."
Ueber fein Gesicht ging ein grämlicher Zug und er gab ihr das Papier zurück.
„Das T-Theater hat mein vorletztes Stück abgeiehnt, wenn du es wissen willst."
„Aber dein letztes hat es angenommen," entgegnete sie triumphierend, „und ich soll in der Hauptrolle debütieren."
Diesmal fluchte der Alte nicht, sondern pfiff nur durch die falschen Zähne.
„Schau, schau, also der Schmarren zieht! Das mit der Hauptrolle muß übrigens ein Irrtum sein, denn das ist eine alte Tante. Indessen fange ich doch nun an zu begreifen, man will den Vater mit der Tochter ködern. Ein feiner Trick, ich hätte nicht gedacht, daß der alte Gauner so viel Geld darum ausgibt!"
Er mar ganz ausgewechselt und schlug sich lustig auf die Knie.
„Man sucht mich wieder, der Nachsommer steht vor der Tür, trotz Nebel und Schnee! Es wundert mich nur, daß Wespe noch nicht geschrieben hat, aber vielleicht wartet er noch mehr ab. Einerlei, jetzt wollen wir zu Mittag essen, du muht ja einen Mordshunger haben, Kleine. Zenz!"
Die Magd kam herein und Ruchmann redete in großen Tönen.
„Zenz, was schaffen's heute?"
„Schmarren."
„Sakra, wir haben doch nicht Freitag! Na, einerlei, laufen's gschwind nach der Post und laffen’s sich eine Pulle Sekt geben. Oder besser gleich zwei, es kommt auf eins hinaus."
Dann setzte er leiser etwas von „Anschreiben" hinzu und warf sein Manuskript in die Schublade.
„Heute wird gelumpt, der Teufel mag den Tiroler Krätzer holen! Soll ich deine Sachen heraufschaffen lassen oder bist du nur auf der Durchreise?"
„Ich fahre doch besser heute weiter," sagte Blanda mit einem seltsam wehen Gefühl, und bei sich selbst dachte sie: „Er glaubt mich zu protegieren, und vielleicht ist es doch umgekehrt. Der arme Alte!" —
Ein merkwürdigeres Mittagessen lieh sich wohl kaum denken. Sie aßen Kaiserschmarren, und nichts davor und nichts dahinter, aber sie tranken Sekt dazu. Allerdings aus gewöhnlichen Wassergläsern, wie es denn überhaupt Blanda vorkam, als ob seit ihrer Verheitra- tung vieles hier gewöhnlicher geworden war. Freilich hatte die Villa Adlerhorst immer nur für ein paar Sommermonate zum Aufenthalt gedient, indessen — gegen den schlicht bürgerlichen Haushalt in Berlin war doch ein merklicher Unterschied.
Nur die prächtige Shakespearebüste, das Ehrengeschenk einer Bühnengenossenschaft, schaute noch wunderlich in ihre ^Umgebung
s hinein, «nd sie trug einen sehr welken Lorbeerkranz, von dem die Blätter allmählich herunterfielen.
Der Sekt war gut, aber er schmeckte Blanda wie Essig; sie nippte nur an ihrem Glase, während der Alte wie ein Fallstaff becherte.
Und zuerst wurde er ruhmredig.
„Sie sollen noch was an mir erleben, diese Heuochsen!" sagte er. „Was wird denn heu- zutage geschrieben? Blödsinn oder Schweinerei! Es ist kein Wunder, wenn das Volk in den Kintopp rennt, nicht der Geschmack des Publikums ist verdorben, sondern die Autoren sind wie ausgelaufene Eierschalen, sie sammeln ihre Gedanken aus dem Büchmann und ihre Witze aus dem Meidinger. Aber ich werde es ihnen zeigen!"
Dann, bei der zweiten Flasche, kam die Kehrseite der Medaille, und er wurde sentimental.
„Kindchen, wir schmeißen unsre Perlen vor die Säue. Wer will heute denn noch Kunst und Schönheit? Sie Hetzen sich ab in Schacher und Rechnen, und wenn der Vorhang vor ihnen aufgeht, so sind sie zu müde, um einen vernünftigen Gedanken zu würdigen. Es täte wahrhaftig not. . ."
Das neue Erlösungselixier kam nicht mehr zum Vorschein, denn Dagobert war selbst müde geworden und starrte mit hängender Unterlippe in sein leeres Glas. Da brachte Blanda ihn hinüber nach seinem Arbeitszimmer und bettete ihn zur Mittagsruh auf dem alten Diwan, von dem aus er früher oft genug diktiert hatte, weil ihm das eigenhändige Schreiben zu unbequem gewesen war.
Nun hatte er schon längst den Sekretär abgeschafst, und die Worte wären ihm wohl auch zu zäh von bi— Lippen geflossen, denn als die junge Frau den Schlafenden betrachtete, der doch gar nicht so alt war. da dämmerte ihr die Erkenntnis auf von einer Tragik, die nicht nur aus veränderten Zeitkäufen herauswuchs.
Sie ging nach der Küche, wo die Zenz beim Zichorienkaffee saß, und begann ein vorsichtiges Fragen: ob der Herr sich nicht sehr einsam fühle, besonders wenn die Abende länger würden und das Wandern in den Bergen aufhörte.
„Dös schon weniger," sagte die Magd. „Kraxeln tut der gnädige Herr nimmer, aber wenn es dunkel wird, dann geht er ins Bräu- stübl und sitzt mit den Honoratioren zusammen. Sie haben ihn ja alle gern, und es ist mitunter arg spät, bis er heimkommt."
Also das war es. Ein ehemaliger Ritter vom Geist, der allmählich zum Helden der Bierbank hinabgleitet und vor Gevatter Schuster und Schneider seine Mätzchen macht. Denen kann er heute noch imponieren; aber es wird die Zeit kommen, wo sie ihn rwr= lachen und zum Besten haben, bis sich zuletzt alles von ihm zurückzieht und er einsam hinter seinem Maßkrug in der Ecke sitzt, sich betrinkt und anschrâen läßt, wie es heute mit den zwei Pullen Sekt der Fall war. Er wäre nicht der erste, der so hinabgeht. —
Nun freute Blanda ,ich zum ersten Male, daß Benno den Dienst quittiert und auf eigenen Füßen stand. Und ihre eigene Zukunft bekam ein andres Gesicht.
Bei diesem günstigen Anfang ihrer Bühnenlaufbahn konnte es ja gar nicht fehlen, daß sie in ein bis zwei Jahren auf der Höhe war und die Gage einer Primadonna bezog. Mochte das in Wien sein oder anderswo, es war immer ein Zentrum geistigen Lebens, und dann wollte sie ihren Vater zu sich nehmen. Er sollte neu geboren werden und seiner berühmten Tochter Stücke auf den Leib schreiben, die auch feinen eigenen Ruf wieder zur Geltung brachten.
noch einige Wäschestücke ausgebessert, ich in einer Erzählung von Louis-Philippe gelesen. Gegen zehn Uhr erhoben wir uns, um zur Ruhr zu gehen; meiner Gewohnheit gemäss verglich ich meine Taschenuhr mit der Wand- pendule — es fehlten wenige Minuten zur vollen Stunde. Als ich die Decke über mir glättete, hörte ich unten eben die Uhr schlagen; meine Frau, rascher als ich, lag schon im Einschlummern. Ich löschte das Licht und schlief meiner Erinnerung nach sofort ein.
Es konnte kaum eine halbe Stunde vergangen sein, als ich von einem seltsamen Klopfgeräusch erwachte; im selben Augenblicke packte Marianne meinen Arm, daß ich, wäre ich auch nicht selbst so maßlos und unbegründet erschrocken, aus. ihrem harten Griff auf! ihre plötzliche Furcht hätte schließen müssen.
„Was erschreckst du mich so?" fragte Marianne heftig. Ich wies sie ärgerlich zurück: „Erstlich ist es nicht meine Gewohnheit, solche Scherze zu machen," sagte ich, „und zweitens bin ich selbst erschrocken."
Das Gefühl war so sehr nahe und deutlich gewesen, als hätte es direkt an meine Bettstatt, und zwar an das Kopsende oder höchstens an die Wandverschaluug dahinter geklopft. Unser Schlafzimmer liegt im ersten Stock, nach dem Hofe zu, der von einer sehr hohen Mauer umgeben ist. Die Betten stehen darin nebeneinander, mit den Fußenden den Fenstern zugekehrt, die Kopfseiten an der rückwärtigen Wand; hinter dieser Wand befindet sich das geräumige Speisezimmer, das wir nur benutzen, wenn wir Gäste haben. Unter dem Schlafzimmer liegt die Küche, die übrigens über Nacht versperrt ist. Wir pn kinderlos; Gäste hatten wir damals keine, und also stand das Haus vollkom neu leer. Das Dienstmädchen schläft in einer Kammer im Nebengebäude, in dem Vorräte und ähnli hes untergebracht sind.
Wir lagen mit angehaltenem Wem einige Augenblicke still; nichts rührte sich. Marianne hatte sich rasch damit beruhigt, daß uns wohl ein Traum genarrt habe, und schlief bald wieder ein. Ich jedoch konnte nicht so schnell zur Ruhe kommen. Was mich erregte, war nicht so sehr das, daß wir beide das Klopfen gehört hatten und ich an den Zufall eines zweien gemeinsamen Traumes nicht glauben mochte, als vielmehr ein sonderbares Gefühl, das der Wirklichkeit und gleichzeitigen Unpersönlichkeit des Klopfens sicher war. Ich hatte noch niemals, schien mir, ein ähnliches Geräusch gehört, und war ganz und gar dessen gewiß, daß jemand, und unmöglich ein Mensch, im Hause geklopft hatte.
Da sich jedoch das Geräusch nicht wiederholte, schlief auch ich endlich ein — und wurde — es konnten kaum Sekunden vergangen sein — fast unmittelbar, und wieder gleichzeitig mit Marianne, die angstvoll aufge- schrien und mich umklammert i)atte, wach. Es hatte wieder geklopft: wieder so seltsam unwirklich, unpersönlich, an genau der gleichen Stelle — aber ungleich stärker; so schien mir, als wenn der Klopfende selbst angstvoll nach Hilfe begehrt hätte. Ich war der Unfaßlichkeit dieses Geschehens noch bewußter als beim ersten Male, und Marianne teilte diese Empfindung, die ich ihr zu beschreiben versuchte, — mit mir — dennoch, schon um sie möglichst zu beruhigen, stand ich auf, bekleidete mich notdürftig und ging mit einem Licht durch alle Räume des Hauses; fand jedoch, wie ich es erwartet, nichts. Ich sah, zum Ueberfluß, noch aus den Fenstern und legte mich endlich wieder zu Bett. Das Klopfge rausch hatte sich, seit ich erwacht war, nicht wiederholt; durch die Erregung ermüdet, sielen mir die Augen sofort zu.
Nur setzt mit ihm davon zu reden, war «ine Unmöglichkeit, denn wenn er aus seinem bleischweren Schlaf erwachte, dann hatte er Katzenjammer und war grämlich, oder er kam mit seinen Sarkasmen, die allen Lebensmut zerstörten.
Da schrieb Blanda ein paar Abschieds- morte auf einen Zettel und schlich sich aus dem Hause. Vom Gebirge kam der Föhn und m Nebelschwaden in das Tal — unter einem dunklen Himmel fuhr sie nach Süden.
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Blanda hatte den Nachtzug München— Wien benutzt und kam am Morgen des nächsten Tages in der Donaustadt an. Etwas müde und verdrossen, denn ihre Genossin im Schlafabteil war eine alte Jungfer gewesen, die schnarchte und keine frische Luft oertrug. aber der Himmel über Wien war wenigstens leidlich wolkenfrei und konnte als gute Vorbedeutung gelten.
Mit nicht ganz reinem Gewissen ging Blanda in ein erstklassiges Hotel am Ring, denn die Reise hatte sie einen hübschen Batzen gekostet, und der Rest war schon die Prä- numerandogage für den Monat November. Wenn man es richt,g überlegte, dann waren fünfhundert Kronen für die Kaiserstaht ein wahrer Pappenstiel, und lange durfte diese Lumperei nicht dauern; vorderhand aber galt es, nobel aufzutreten, denn der erfahrene : Ruhmann hatte den Direktor des T-Theaters als einen alten Gauner bezeichnet.
Wie hieß er nur gleich?
Blanda nahm den Kontrakt zur Hand — ; sie hatte ihn noch gar nicht ordentlich durchgelesen — und studierte die grobkörnige Unter« ‘ schrist; da stand „Polack", oder so ähnlich, also „ wahrscheinlich ein Tscheche, von der Rasse die ir. den Deutschen immer feindlich gewesen ist — L aber daran ließ sich nun mal nichts ändern.
Die junge Frau machte sich möglichst schick
4 steckte ihre Brillantbrosche vor, die noch aus * Nuchmanns guten Tagen stammte, und nahm 4 einen Fiaker.
Unterwegs passierte sie das Burgtheater, dessen stolze Fassade ihr aus Bildern bekannt war und von dem der Vater immer wi^ von einem Heiligtum gesprochen hatte.
„Wer da anfommt — als Autor oder Z Darsteller — der ist gemacht," pflegte er zu ■ U sagen, aber gestern, bei Schmarren und Sekt, ■ ' war die Redensart nicht mehr gefallen; es j s geht eben überall so im Leben, die Kinder müssen den verlorenen Faden wieder auf- D nehmen.
Die Jucker liefen mit dem Fiaker wie der * Teufel, aber sie muhten lange laufen; das A' Bild von Wien wurde immer vorstädtischer, T nur nicht nach der Villengegend zu, zuletzt v hielt der Wagen vor einer schmalen, in die Häuserzeile eingebauten Front, und der Kut- * scher ließ sich zehn Kronen nebst Trinkgel 8 auszahlen. Es war wieder ein Loch im Budget und ein Riß in der Phantasie, denn dieser schnuddelige eingezwängte Kasten machte wirklich den Eindruck eines Kunstinstituts.
(Fortfetzung folgt )
COOOOOOO
Der Nus.
Von Jo Lherman.
(Nachdruck verboten.)
Ich erinnere mich des Datums: es war der Abend vor Weihnachten, und darum ist es mir im Gedächtnis geblieben. Wir hatten zu Nacht gegessen, etwas Suppe, ein Pilzgericht, dann ein wenig Obst — also durchaus leicht verdauliche Speisen, die ich, um träum« los zu schlafen, bevorzuge. Marianne hatte
Diesmal mußte eine halbe Stunde «et» gangen sein, in der Marianne und ich sehr fest geschlafen zu haben meinen, ehe n beide wieder erwachten: wieder klopfte es. Diesmal aber war das Klopfen von so fürchterlicher Eindringlichkeit, daß es mir kalt über den Rücken lief — und Mariannens Hand, die nach der meinen griff, fühlte sich wie Eis an Das Klopfen war mit dem Augenblick unseres Erwachens jäh verstummt. Es verging eine Minute tödlichen Schweigens. Dann sagte Marianne ler e und entsetzt: „Jetzt muß jemand gestorben sein." Ich hatte in dem Augenblick, da sie ibn schon aussprach den gleichen Gedanken geh'.
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Ich wo: zu dieser Zeit mit einer wissenschaftlichen Arbeit sehr intensiv belästigt und hatte über ihr die Ereignisse jener Nacht, die übrigens weiter ruhig verlaufen war. fast vergessen; auch mit meiner Frau, da wir uns doch keiner Erklärung für sie machen konnten, kaum davon gesprochen, als ich in ersten Tagen des Januar folgenden Brie» erhielt:
„Wer'er Herr!
Ich habe Ihnen die Nachricht zu übermitteln, daß der Unteroffizier Emanuel Kraus aus meinem Zuge in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember gefallen ist.
Ich mache Ihnen diese »Mitteilung auf Grund des ausdrücklichen und wiederholten Wunsches Einanuels, mit dem ich, da wir seit vierzehn Monaten miteinander im Felde standen einigermaßen befreundet, war Er hat mir erzählt, daß er Sie als seinen nächsten, ja sogar einzigen Freund betrachte, und schien, um so mehr, als er hoch keine Angehörigen hat, Ihnen tatsächlich aufs innigste zugetan zu sein. Uebrigens war er sonst recht zurückhaltend und hat außer mit mir mit keinem seiner Kameraden Verkehr gepflogen, genoß jedoch dank seines ruhigen und gleichmäßig . freundlichen Wesens aller Zuneigung. Insbesondere in den letzten Tagen vor seinem Tode war er fröhlicher und lebhafter, wohl darum, weil uns bekannt gegeben worden war daß nur am 24. Dezember von dem hinter uns in Reservcstellung befindlichen Regiment abgelöst werden sollten und denjenigen von uns, die länger als ein Jahr in der Front gekämpft hatten, ohne Aufschub ein mehrwöchentlicher Urlaub in die Heimat bewilligt werden würde.
Ganz unerwartet kam am Abend des 23. der Befehl, wir sollten uns zum Angriff bereit halten: der gegenüberliegende Schützengraben müßte unter allen Umständen genommen werden. Von diesem Augenblicke an war (Emanuel wie verwandelt. Er sprach kein Wort mehr, richtete in vollkommener und ernsthaftester Ruhe seine Sachen zusammen, verbrannte einige Papiere und Briefe, schrieb jedoch keine. Um zehn Uhr wurde das. Signal zum Aufbruch gegeben; Emanuel kam auf mich zu, drückte mir die Hand, bat mich, im Falle ihm etwas zustoßen sollte, Ihnen davon Bericht zu erstatten und fragte mich noch, ob ich Ihre Adresse auch noch wüßte. Mir fiel das weiter nicht auf, denn er hatte mich schon öfters bei solchen Gelegenheiten gemahnt, das ihm gegebene Versprechen, Sie von seinem etwaigen Ableben, einer Verwundung oder Gefangennahme in Kenntnis zu setzen, nicht zu vergessen. Nachträglich allerdings scheint mir, als habe er sein Schicksal vorausgeahnt.
Bis zu den Drahtverhauen vor dem keindlichen Schützengraben blieb er in mei»