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1923
Dienstag dem 27. Februar
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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Slaül- und Landkreis Kanan a. M
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn. und Feiertage. , Fernsprech-Anschlup Nr. 1387 .
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D. Dole» bäfertal lüden), nger Sa 29761 auf will erftr. 16, it6.
Das Neueste.
— In Oberstein kam es zu schweren Ausschreitungen der Besatzungstruppen.
— In Bochum haben die Franzosen das ganze innere Stadtgebiet vollständig abge- fperrf
— Gegen die Besetzung von Königswinter und Limburg a. L. wurde von der Reichsregierung energisch protestiert.
— Ueber die Freigabe des am Samstag auf dem Bahnhof Hengstei von den Franzosen beschlagnahmten Geldtransports der Reichsbank sind Verhandlungen im Gange.
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I Flugblattpropaganda im Ruhrgebiet.
i Von einem Bewohner des westlichen Industriegebiets in hervorragender Stellung geht uns folgende Darstellung zu:
I 5m Dunkel der Nacht ziehen geschlossene ■ Abteilungen französischer Soldaten durch die stillen Straßen der Ruhrstädte. Ihr Geschäft ist nicht das Waffenhandwerk — dafür gibt es Kauf den menschenleeren Straßen keine Objekte! ( die treiben etwas anderes. Bach links, bald ßrechts lösen sich aus dem Zuge einzelne und ki^ichen an den Haustüren vorbei. Von dem e Blättern, die sie über dem Arm tragen, >verschwinden unter den Haustüren und in die • Briefkästen einzelne Papiere. — Französische xtruppen im Nachtgefecht! Diesmal aber nicht Llnit Maschinengewehren und Bajonetten, die Wchmde friedliche Bevölkerung des Ruhrge- koiets wird mit — Flugblättern von den fran- WIWen Soldaten überfallen!
Manchem französischen Offizier und Solda- W WM die klägüche Rvüe, Lie das trauwlillbe »Heer hier als Flugblattverteiler spielt, selbst ■mit innerer Scham erfüllen. Man kann sie da- nicht bemitleiden, denn ihre Hanswurst- ßiatigkest ist ja schließlich nur Ergebnis der Ent- die durch die irrsinnige Politik des i Herrn Poincare hervorgerufen worden ist. Wer Klanks gegen Zechentürme und Maschinenge- gegen Schornsteine auffährt, kann sich llwßlid) nicht wundern, wenn seine Truppe ? die Kugelspritze der Druckerschwärze köur Bedienung stellen muß.
L^a^ dieses französischen „Kolo- I . charakterisiert sich nicht besser als § die Tatsache, daß man nun durch Flug- Eer die Bevölkerung zu siegen hofft. I "ergißt dabei nur, daß 'im Deutschland der I , dre die Waffe des Flugblatts sehr ab- Ifaf^sm-L^ ist- So dumm, daß das ein- des Jahres 1918 noch mit dem- I " ^wge verfangen könnte, ist heute auch lFnL nfa^te Deutsche nicht mehr. Bittere Er- InnA Ast sehend gemacht! Und wenn dazu IftsimLru begangen wird, diese lilsrmJ!; A ’n den Fenstern der französffchen ! DwEvchhandlungen auszuhängen, wie in i '» stg, dann weiß jeder Mann Bescheid.
I Patianhn ^5 W6 der französischen Flugpro- I ban^Aw vdendrem ganz minderwertig ist, darf I werden. Es ist in diesen
I ein ,.ch r??Mschen Flugblättern immer nur i stldch^d. dieselbe Walze aufgezogen. „Lügen- kder^câ^^.^^liner Regierung". „Raubritter die Schwerindustrie", „Die deuffche Republik, I soff" /m dieser Gelegenheit erledigt werden I V' »Die Geschichte von 1914 fängt wie- I dieser W»s^ f° einige mißtönige Klänge I Miert,, ,c- Besonders rührend ist die oben I rge um den Bestand des Reiches! |taen'^[^ heißt es in einem wei- I von Lügen und Falschmeldungen, [ erlebt V05 deutsche Volk seit 1914 nicht mehr I deutick?^' sieht von Berlin aus. Wird das I ger' darin ertrinken! Deuffcher Bür- I finb^ün^-0^0^ können ruhig sein, über sie k Aber im JRufjrrenier die Augen geöffnet! I blattvwn^ dieser offiziellen französischen Flug- tz Die boc^"si"vda gibt es noch eine heimliche. I sramölis^dendie »Franzosen unter sich selbst in I der sran^v Sprache. Das sind die Flugblätter I zialichchiaiuchen Kommunisten — ob auch So- i mir n^, chWe ich nicht zu entscheiden. Vor I rheinische Flugblatt, das im links- I an ihr?25 ^chet von französischen Soldaten I Derart .siechen und die belgischen Kameraden i iibertr^oi'den ist. Ein paar Sätze ins deutsche I Mb wâ' ^'Seht Ihr nicht, warum Ihr hier I Euch für den Profit einiger
I gest des Hüttenkomitees (comité des For- k , Ar Firma Schneider-Creusot miß- Snbustrion dw sich die Reichtümer dieses egebietes aneianen wollen?," Ueber
diese innerlich unterhöhlende Propaganda und ihre sichtbaren Wirkungen wäre noch allerlei zu berichten: es. ist bezeichnend, wie viel und wie oft nach derartiger Richtung die französischen Vorgesetzten beide Augen zudrücken. (
Wir Deutschen fürchten die offiziellen französischen Flugblätter nicht und brauchen sie nicht zu fürchten. Das verständnisvolle Grinsen aller Vorübergehenden bei irgendwo unter Bewachung eines französischen Postens angeschlagenen Flugblättern sollte eigentlich auch die Franzosen über die Nutzlosigkeit dieses Vorgehens aufklären. Nichtsdestoweniger haben wir eine Abwehrpropaganda eingerichtet, die zu den französischen Flugblättern den aufklärenden Komentar gibt und besser von Hand zu Hand geht, als die französischen Flugblattkolonnen es vermögen.
Die Peitschenhiebe des Hohnes, die dabei auf die französische Kriegsführung fallen, mögen manchem ehrlichen französischen Offizier nicht angenehm ins Ohr klingen, berechtigt find sie doch!
Alles ist solidarisch.
Amsterdam, 25. Febr. Der Sonderberichterstatter des „Nieuwe Rotterdamsche C o u r a n t" veröffentlicht einen Aufsatz über seine Beobachtungen bei seiner Reise in das R u h r g e b i e t. Was auf ihn den tiefsten Eindruck gemacht, sei die in den Kreisen der Arbeiterbevölkerung gegen die^ Franzosen entstandene ungeheure Erbitterung, die sich bis auf die Führer erstrebe. Die Arbeiter seien unerschütterlich und rücksichtslos in ihrem Haß. Dieser Eindruck bestehe bei den meisten Beobachtern der Lage, auch bei den französischen. Die Arbeiter seien anscheinend schon über den Punkt hinaus, wo sie sich durch Ent- veyrungen noch zermüWven lassen würden. Solche würden sie eher zu Ausbrüchen der Verzweiflung treiben. An der Haltung der Franzosen, besonders der Soldaten, sei zu bemerken, daß sie sich über die Lage klar seien. Man schaudere bei dem Gedanken, was alles geschehen könne, wenn es zu Zusammenstößen käme. Die größte Sorge der noch vorhandenen deutschen Behörden sei, wie man die Leidenschaften der Bevölkerung zügeln könne. Es sei die bedenklichste Seite, daß durch das französisch-belgische Verhaftungs- und Ausweisungssystem die Zahl der Männer, die Autorität genug besitzen, um die Erregung zu zügeln immer geringer werde. Die Franzosen wagen noch nicht, fährt der Berichterstatter fort, dem Haß der Frabrik und der Bergarbeiter zu trotzen, das ist praktisch auch kaum möglich, da die Bergarbeiterkolonien sich über das ganze flache Land verbreiten. Alles ist solidarisch, einschließlich der Polen, letztere teils aus Furcht, teils aus Ueberzeugung. Diesem Strom kann gegenwärtig niemand widerstehen.
Von einer Uneinigkeit unter Arbeitern ist nichts bemerkbar. Die unter den gegenwärtigen Umständen unvermeidlichen Zwischenfälle, die sich mit der wachsenden Nervosität der französischen Truppen vermehren, erhöhen die Erbitterung. Die Ausdrücke so- zialistischer Führer sind so scharf, wie ich sie niemals von anderer deutscher Seite gehört habe. Es ist eine neue Erscheinung, daß das Deutschlandlied in den Fabriken populär geworden ist. Ich habe zur Zeit des Krieges Hunderte besetzten Städte besucht, niemals aber habe ich eine Stimmung vorgefunden, wie sie beispielsweise in Essen herrscht. In Bochum wird sie ständig angesparnt, weil dort immer wieder Gelegenheit gegeben ist, um d i e Schlachtopfer der Besetzung zu beklagen. Das beste, was man wünschen könne, sei, daß die Lage so lange wie möglich stationär bleibe. Der kritische Punkt sei die Ernäh- r u n g s l a g e. Die Maßregeln der Franzosen könnten in dieser Beziehung eine Stockung herbeiführen; das würde aber nicht zur Kapitulation, sondern zu einer Katastrophe führen. Es sehe so aus, als ob man noch am Beginn des Kampfes stehe, wie auch der Ausgang fein werde, Geld werde Frankreich nicht erhalten.
Die Jsugenkeurkommiffion ein „Göhrungsfloff".
Paris, 26. Febr. Der Sonderberichterstatter des „I o u r n a l d e s D e b a t s" in Düsseldorf übt am Besetzungssystem eine scharfe Kritik. Nach seiner Ansicht hätten man Anlaß, auf die Kontrolle,der Bergwerke und Fabriken, so wie die Mission Coste sie angefaßt habe, zu verzichten. Die Mission, die nach dem Ruhrgebiet geschickt worden sei. um
einoerichiet worden. Die vorbeisahrenden Autos und Straßenbahnwagen werden angehalten und 6ürchsucht. Den Passanten werden ohne Grund größere Geldbeträge abgenommen.
Trier, 26. Febr. In der Rächt zum Sonntag ist laut „Trierischer Landeszeitungin der Brückenstraße der Dostsekret. Schwacke, der ruhig seines Weges kam, plötzlich von einem betrunkenen Marokkaner durch Messerstiche in den Unterleib schwer ver- letzt worden. Der Täter konnte verhaftet werden. Hierbei ergab ein Zwischenfall, indem eine Ansammlung von Kameraden des Täters diesen zu befreien suchte. Die Polizei verhinderte dies jedoch bis zum Eintreffen der französischen Militärpolizei, wohin der Täter nach der Aufnahme eines Protokolls übergeben wurde.
Die Gewattherrkchafl in Bochum.
Bochum, 26. Febr. Rach einer Derord- nung des französischen Generals müssen alle öffentlichen Lokale ab 8 Uhr abends geschlossen sein. Innerhalb eines bestimmten Bezirkes der Stadt, wahrscheinlich der Innenstadt, ist jeder Verkehr verboten. Rur die dort wohnenden und solche Personen, die sich als Angestellte der öffentlichen Verwaltung von Bochum ausweisen können, dürfen sich hier bewegen. In mehreren Geschäften von Bochum ist der Verkauf von Waren durch die Franzosen verboten worden. Rach Berichten von Reisenden, die heute früh von Bochum kamen, ist die Stadt seit heute vormittag von allen Seiten durch französische Truppen abgesoerrt. Die Mehrzahl der vom Freitag zum Samstagabend festgenommenen Personen ist wieder freigelassen worden. Das Schloß Berge bei Buer einer Eskadron jmr^ösijcher Jäger be- setzt worden. Von einem im Schloß wohnenden Bergarbeiter mit 6 Kindern verlangten die Franzosen die Räumung seiner Wohnung innerhalb von 2 Stunden. Auf der Strecke Dortmund—Hengstei sind die Postsäcke und Postpakete aus dem Postwagen geholt und die Reisenden auf Zigarren und Zigaretten untersucht worden. .
Wsèisre Aus-ehnuno der Kontrolle.
Essen, 26. Febr. Die Kontrolle, die im Einbruchsgebiek ausgeübt wird, soll sich nunmehr nach Befehlen der Vesakungsbehörden nicht nur auf Kohlen und deren Rebenprodukte sowie metallurgische Waren beschränken. Seit zwei Tagen kontrollieren die Franzosen alle Wagen und lasten keinen Waaen durch. Selbst Umzugsaut ist Heuke festaehallen worden, weil sich ein Küchenherd darunter befand. Die Maß- nahmen stehen im schärfsten Widerspruch zu den anfangs angeordneten Maßnahmen der fran^ol^chen Eisenbabnkommission.
Dortmund, 26. Febr. Die französischen Soldaten ziehen Gräben durch die Straßen, um die Fuhrwerke anzuhalten und zu untersuchen.
Besetzung Ser „FlaschenhSlse" am Rhein.
Koblenz, 26. Febr. Die Franzosen schoben heute ihre marokkanischen Besatzungstruppen in dem Flaschenhals zwischen den Brückenköpfen von Koblenz und Köln bis an die Linie Hennef-Asbach vor und besetzten die Ortschaften U ck e r a t h und Asbach.
Paris, 26. Febr. Der „Temps" gibt folgende „Rechtfertigung" für die Besetzung von Caub, Lorch und Königswinter: Auf Grund des Waffenstillstandsvertrags vom 11. November 1918, bestätigt durch den Versailler Friedensvertrag, halten die alliierten Truppen das gesamte auf dem linken Rheinufer gelegene deutsche Gebiet, sowie die drei rechtsrheinischen Brückenköpfe Köln, Koblenz und Mainz mit einem Radius von 30 Kilometer besetzt. Darauf hätten sich auf dem rechten Rheinufer Schwierigkeiten im Eisenbahnbetrieb ergeben, der auf diesem Ufer sich abwechselnd durch besetztes und unbesetztes Gebiet vollzog. Deshalb hatten die französischen Truppen am Sonntag vormittag die Besetzung vorgenommen, um diesen Schwierigkeiten ein Ende zu machen. — Das „Journal des Debats" sieht den Gewinn dieser neuen Vertragsverletzung nicht nur in der Erleichterung der französischen Versorgung und tn der Verstärkung der französischen Zugkontrolle, sondern auch auf politischem Gebiet. Die Be- setzung von Caub, Lorch und Königswinter werde die bessere Ueberwachung der politischen deutschen Agitation am Rhein ermöglichen.
mit dem deutschen Kohlensyndikat zusammen- zuarbeiten, hätte sich zurückziehen sollen in dem Augenblick, wo das Syndikat seinen Sitz nach Hamburg verlegte. Sie habe es nicht getan und man habe die Ingenieure zur Kontrolle der Produktion an Ork u. Stelle verwenden wollen. Daraufhin seien zahlreiche Zwischenfälle entstanden, besonders Gewalttätigkeiten oder grobe Weigerungen, den Ingenieuren den Zutritt zu den Betrieben zu gestatten oder ihnen die verlangten Auskünfte zu erteilen und auch die unliebsame Offensive gegen den Kaiserhof in Essen. Die Kommission sei heute in den Augen der Deutschen lächerlich; ihre Tätigkeit sei ihr im Prinzip verhaßt geworden. Niemals könnten Kaufleute undJndustrielle zugeben, daß Fremde ihre Nase in ihre Bücher steckten. Im übrigen erscheine auch vom rechtlichen Standpunkte aus eine solche Kontrolle ziemlich zweifelhaft. Sie trüge noch dazu bei, den Franzosen lokale Schwierigkeiten zu machen, wenn die Arbeiter in dieser Angelegenheit gegen sie aufgewiegelt würden und Schwierigkeiten allgemeiner Art obendrein, da die Alliierten Frankreichs auf die Vermutung kommen könnten, daß diese Schnüffelei nur den französischen Industriellen förderlich sein solle. Schließlich und vor allem sei eine derartige Kontrolle unwirksam. Selbst in Frankreich habe während des Krieges die Hüttenkommiffirn dergleichen Vollmachten gehabt. Habe sie praktisch vielleicht sichere Ergebnisse erzielt? Es sei ein wenig naiv, wenn man annehme, daß es der Kontrolle gelingen werde, die Hinterziehung in vollem Umfange aufzudecken. Der Korresvondent meint, die wahre Lösung wäre die. daß man die wirkungslose, vielleicht sogar gefährliche Kommission Coste zurüEgvge. MEl.ân Die
Wirkung bei den Deutschen befürchte, könne man sie unter der B^eichnung „Studienkom- mission" immer noch beibehalten. Die Kommission sei heute nur noch ein Gäh - rungsstoff mehr, während man alles Interesse daran habe, den Frieden zu sichern.
Die Ruhrakkiv« ist eine „Kriegs- matznahme".
Paris, 26. Febr. Der Landesausschuß der Vereinigung der Reserveoffiziere hat. nachdem Ministerpräsident Poincarè aus Mangel an Zeit den Vorsitz der Vereinigung niedergelegt hatte, den ehemaligen Kriegsminister, Abg. Andre Lefèvre, an seine Stelle gewählt. Der ehemalige Kriegsminister hielt gestern vormittag an den Ausschuß eine Ansprache. in der er erklärte: Ich kann leider nicht an die ewige Dauer des sogenannten Friedens oder Waffenstillstandes glauben. Der Krieg hat nicht 1914 begonnen und ist nicht 1918 zu Ende gegangen. In Wahrheit hat er 1912 auf dem Balkan ange- fanaen: seitdem hat man sich geschlagen und schlägt sich immer noch. Auch diè Besetzung des Ruhrgebiets ist eine Kriegsmaßnahme, obwohl wenig Blut geflossen ist.
(Endlich gibt man in Frankreich offen zu, daß die Beliauptunci von der friedlichen Expedition in? Nnbr- aebiet eine dreiste 2üge war und der Einmarsch lediglich eine KriegSmahnavme darstellt — daß also mit anderen Worten Frankreich den Krieg gegen ein webr- loses Volk weitermbrt und zwar mit Mitteln, die denen der Hunnen in nickt? znrnckstehen. Im übrigen scheint Herrn Lcsèvre der Rubrkrieg noch zu unblutig zu sein, da er sich verpflichtet fühlt, besonders darauf dinzuweisen, daß bisher im besetzten Gebiet zu wenig Blut geflossen ist).
Schwere Ausschreikunqen.
Oberstein, 26. Febr. Am Sonntag abend kam es in den Straßen Obersteins zu schweren Ausschreitungen der Besatzungstrup- pcn. Soldaten mit aufgcpflanztem Bajonett gingen auf die wehrlose Menge vor und schlugen blindlings auf sie ein. Eine Zivilperson wurde durch Bajonettstiche erheblich verletzt, mittete Personen wurden mit den Gewehrkolben niedergeschlagen. Die Erregung der Bevölkerung ist ungeheuer. — In der Rahe der Stadt wurde ein junges Mädchen von Marokkanern über- fallen und vergewaltigt. — heute mittag wurden der Bürgermeister der Stadt, Dergè, und der städl. Syndikus Schwarz ausgewiesen, weil sie angeblich nicht genügend dafür gesorgt hätten, die Vorgänge in den Straßen zu unterbinden. Eine gewaltige Menschenmenge umzäunte die Straßen am Bahnhof und brachte dem scheidenden Bürgermeister Ovationen dar. Die städtischen Beamten sind als Zeichen des Protestes in einen 24stündigcn Proteststreik eingstrelcn. — Zwischen Oberstein I und Idar ist eine militärische Kontrollstelle '
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