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General-Anzeiger / Amtliches Organ für Sladl- und Landkreis Kanan a. M. ^^^^^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernfprech-Aufchluf! Nr. 1987

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Nr. 42

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Gelsenkirchens Waisenkinder auf der Straße. Der Regierungspräsident von Düsseldorf ausgewiesen. Eine neue Bluttat in Bochum.

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Bezugspreis: MonatlichMk.1700. ohne Trägerlohn: Einzelnummer Mk.70..Samstags80. Anzeigenpreise: Die 28 mm breite Zeile Mk. 60.; F i n a n z i n s e r a t e Mk. 75. , Reklame (68 mm breit) Mk. 150., Inserate, auch laufende, werden nur zum jeweiligen Tagespreise berechnet. Otkertengebühr Mk, 40.. Geschäftsstelle: Hammerstraße 9.

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schrift und Erscheinungstage der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet.

Sm Falle höherer Gewalt, Streik usw., hat der Bezieher keinen Anspruchs

auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugsvreises.^ALkj)^^

Auch in der vor uns liegenden Woche wird der Kampf im Ruhrgebiet weitergehen. Wie vorauszusehen war, nimmt er immer erbitterte Formen an. Die Brutalität der Franzosen kennt keine Grenzen, wohl aber die Geduld und Lang­

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mut der westfälischen Bevölkerung, die sich gegen brutale Mißhandlungen mehr und mehr auflehnt. Blutige Zwischenfälle sind die Folge und im Laufe dieser Entwicklung nimmt die Lage mehr un^ mehr das Gepräge eines standes an, der sich namentlich in sisenkirchen und Recklinghausen geltend macht und der, wenn die Dinge so weitergehen, auch einmal über den örtlichen Rahmen hinaus- grsifen und einer allgemeineren Bewegung Platz machen kann. Wir haben selbstverständ­lich kein Interesse daran, daß die Dinge sich in dieser Weise kritisch zuspitzen. Die Waffe, die uns am dienlichsten sein kann, ist der moralische Widerstand. Dessen ist sich die Bevölkerung im Ruhrgebiet auch wohl bewußt und die Mah­nungen zur Besonnenheit fallen dort auf frucht­baren Boden. Wenn es trotzdem zum Blutver­gießen kommt, so trifft dafür die Belgier und Franzosen allein die Verantwortung. Es wird dabei den Unterdrückern aus ihren schlimmen Erfahrungen wohl die Ueberzeugung erwachsen, daß die Ruhrbevölkerung sich nicht freiwillig unterwirft, fonbern daß sie im Widerstande un­bedingt festbleiben wird und sich von ihrem Ziel durch nichts abschrecken läßt.

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' Es wüergM,MMl LWiiel. .daß sich Bel- gien und Frankreich durch ihr brutales Vor- gen die moralische Verachtung der ganzen lt zuziehen und sich mehr und mehr isolieren. Nur in der Rheinlandkommission, die. von jeher von ihrem Geiste beherrscht war, gehen immer noch die übrigen Vertreter mit den Franzosen ourch dick und dünn. Nur so ist auch die Maß­nahme der Rheinlandkommission zu erklären, die den deutschen Grenzzolldienst auflösen und an seine Stelle einen Apparat setzen soll, der sich m der französisch-belgischen Hand befindet. Mit einer solchen Maßnahme war zu rechnen und die Zollverwaltung hat es sicher nicht an den notigen Maßnahmen fehlen lassen, durch die > Ordnung der Rheinlandkommission um Ne Wirkung gebracht werden kann. Der Zweck oer Uebung soll natürlich sein, die dâtschen aollemnahmen in die französisch-belgischen Ta- zu leiten. Aber auch wenn keine Gegen- fnaßnahmen getroffen wären, würde dieses nicht so einfach sein. Die Franzosen Belgier täuschen sich, wenn sie glauben, ne nur ihre Zollinie vorzuschreiben und

^ Beamten in den beutf' Zf Wgen brauchen, um auch die deutsche Zollver- in der Hand zu haben. Daß ihnen kein utscher Zollbeamter den Gefallen tut, in ihre h'Ffc SU treten ist selbstverständlich, ebenso B me deutsche Regierung die Anordnung der Hemlandkommission für null und nichtig er- wird. So werden die Franzosen und trotz der willigen Hilfsbereitschaft der Ko°?-.^^mmission auch hier einen Stoß ins r? suhren. Der deutschen Ein- und Ausfuhr selbstverständlich ernste Schwierigkeiten werden können. Aber mehr als eine ^ den Franzosen und Belgiern tan^f96 In9en" Die Lähmung unseres Abwehr- in auf die es ihnen ankommt, wird auch ^^ile ein unfrommer Mensch bleiben. tr;ft dem Gebiete der internationalen Politik in i?^ösische Isolierung schon weit mehr bie hi m^!"w^. Trotz der heftigen Sprache, gierunn^?^ Presse gegen die englische Re- $rnQpr u^- Ichrecken die verantwortlichen

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h;/X: ^»-emung. Drotz 0 gieriinn ^rri,er Prasse geg jrxr ö fuhrt, schrecken bi« uecuiuw ,uM?" französischen Politik doch davor auf ^^ ^um Bruch kommen zu lassen. Auch den? "Wucher Seite bestehen gewisse Bedenken, llnfortJ0 au4 Bonar Law in seiger letzten aber ir^1^ Ausdruck gegeben hat. Es wird

fiöfHch, rn sehr schwer sein, die englisch-fran- liw ,,, Meinungsverschiedenheit schiedlich-sried- dann"achten. Die Engländer können nur fapuno«« ^erfügungsrecht über ihre Be­ste >,,^hne an die Franzosen abtreten, wenn inneren l auf sede Geltung und Bedeutung gewiss, '^er Entente verzichten. Bis zu einem auf h " ^rade steht dabei der Ruf als Ration mit dt"in^^ m E wissen andererseits, daß sie haben sV^^egenmahnahmen zu rechnen IteinphL^ ^ &te Eisenbahnlinien ihrer Zone ihres die Franzosen die Früchte Rassen?^"â)es ernten können. Jnfolge- eivt ihnen kaum eine andere Wahl, als

Montag Len 19. Februar

entweder die französischen Wünsche abzuweisen und damit einen offenen Konflikt am Rheih herauszubeschwören, oder aber das Feld zu räumen und damit den Bruch der Entente zu besiegeln. Die letztgenannte Möglichkeit hat immer noch die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Wir sind auf sie schon gerüstet und wissen, daß es für uns auch dann den Franzosen gegen­über nur einen Wahlspruch geben kann: Nun erst recht nicht!

Grpressungsseldzug nach Gelsen­kirchen.

Gelsenkrchien, 17. Febr. Heute morgen ist die Eadt Gelsenkirchen durch starke französische Trupventeile wieder besetzt worden. Der Haupt­bahnhof und alle öffentlichen Gebäude sind be­setzt. Durch Anschläge machte der komman­dierende General bekannt, daß die Besetzung erfolgt sei, weil die Stadt die wegen des Ueber- falls auf die beiden französischen Gendarmerie­offiziere verhängte Geldbuße von 100 Mil­lionen Mark nicht bezahlt habe, und daß die Besatzung so lange andauere, bis Zahlung erfolgt sei. Es wurden sofort scharfe Maß­regeln getroffen. Der Straßenverkehr ist von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens verboten. Oeffentliche Lustbarkeiten, Kinos, Wirtschaften und Bars sind /sämtlich verboten. Die Banken sind geschlossen. Passagiere der Straßenbahn wie Straßenpassanten wurden von den franzö- steh er des Hauptbahnhofs ist verhaftet worden.

Nach einem weiteren Bericht trug sich die Besetzung Gelsenkirchens im einzelnen folgen­dermaßen zu: In den heutigen Vormittags­stunden rückten starke Kavallerieabteilungen mit Geschützen und Tanks gegen Gelsenkirchen vor und schlossen die Stadt von allen Seiten ein. Kurz vor 9 Uhr zog man in die Stadt ein. An der Spitze der Kavallerie wurde neben zwei französischen Offizieren als Geisel der vor einigen Tagen verhaftete Kommandeur

euer Schutzpolizei,

wur-

der Gelsenkirchener Schutzpol

Kunow, geführt. Um 9 Uhr vormittags den die wichtigsten Plätze und Gebäude der

Stadt besetzt. Der Bahnhofsvorplatz verwan­delte sich in kurzer Zeit in ein Militärlager. Vor dem Bahnhof wurden mehrere Mitrailleu- sen und Tanks mit der Richtung auf die Haupt­straßen aufgestellt. Vor dem Rathause stehen nicht weniger als sechs Tanks. Der Post- und Telegraphenverkehr, ebenso der Eisenbahn­verkehr wurde von den Franzosen a u f ge­hoben. Im Augenblick der Besetzung der Stadt versuchte der Estenbahnvorstand von Gelsapkirchen die vereinnahmten Fahrkar­tengelder in Sicherheit zu bringen. Fran­zösische Agenten in Zivil ließen die Koffer be­schlagnahmen und die Kofferträger festnehmen. Im Augenblick der Besetzung schlossen sofort a l l e G e s ch ä f t e. Da in den Vormittags­stunden gleichzeitig ein heftiger Schneesturm einsetzte, liefen die Franzosen schimpfend in den Straßen umher und suchten ein Unterkommen. Die Hotels mußten wieder öffnen; ein Teil der Räume wurde beschlagnahmt. Auch der Straßenbahnverkehr wurde von den Franzosen verboten. Durch das rechtswidrige Vorgehen der Franzosen, die auch die Gepäckstücke von Straßenpassanten beschlagnahmten, ist der e e s a m t e Handel und Wandel der Stadt l a h m g e l c g t.

wie brutal die Franzosen vorgehen, be­weisen die Vorgänge cm Waisenhause. Dieses wurde frühmorgens um 8 Ahr voll­ständig geräumt. Die Schwestern und die Sinder wurden sämtlich auf die Straße gejagt, viele davon barfuß und nur notdürftig bekleidet. Die armen weinenden und frierenden Kinder stehen im f u ß t i e f e n Schnee herum; so weit möglich, werden sie von mitleidigen Bewohnern in ihre Wohnungen

mitgenommen.

Die Lage ist derartig gespannt, daß man mit Zusammenstößen rechnet, um so mehr, als

mit Zusammen,-, der Schutzpolizei von Gelsenkirchen in der Kaserne eingeschossen hat, um der Entwaffnung zu entgehen. ,

Berlin 18. Febr. Nach einer Korrespondenz- meldung aus Essen fanden gestern zwischen Vertretern der Polizeibehörde und General Degoutte Verhandlungen statt; die zu dem Ergebnis führten, daß die Schutzpolizei den Dienst wieder aufnimmt und die Uniform be­

hält. Eine Entw affnung ist nicht vorgesehen. Die Kriminalpolizei . darf keine Waffen tragen.

Frauen und Kinder werden erschossen!

Bochum, 17. Febr. Auf der zur Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten- A.-G. gehörenden Zeche Prinzregent erschienen heute mittag fünf Franzosen, um Holz zu beschlagnahmen. Sie beluden einen

Waggon, der aber von der Belegschaft nicht herausgelassen wurde. Die Bergleute verhinderten die Ausfahrt, indem sie das Tor des Zechèlyrlatzes schlossen. Die Franzosen entfernten sich, kehrten aber bald darauf mit Verstärkung

blindlings

g zurück und feuerten durch das verschlossene Tor. Da­bei wurde ein 15jähriger Junge namens Sieg­hark so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus starb. Der Arbeiter Schulz erhielt einen Streifschuß am Hals.

Essen, 17. Febr. Aus Sprockhövel wird gemeldet, daß ein Franzose auf eine Frau schoß und sie schwer verletzte. Die Bedauernswerte wurde in das hiesige Krankenhaus ausgenommen.

Negierungspräsident Dr. Grützner ausgewiesen

Düsseldorf, 19. Febr. Regierungsprä­sident Dr. Grützner wurde gestern nach­mittag VA Ahr in seiner Wohnung in Gegen­wart von zwei von der Völkerbundslagung in Genf zurückkehrenden schwedischen Reichstags­abgeordneten, die ihn Über die Lage im Ein­bruchsgebiet befragen wollten, von der franzö­sischen Polizei verhaftet und zu General Simon

eines Protestfchreibens, das der Regierungs­präsident an den belgischen General in Duis- bürg wegen der erneuten Verhaftung des Ober­bürgermeisters Dr. Ianes anläßlich besten Rück­kehr nach erfolgter Ausweisung gerichtet habe. Dr. Grützner wurde im Auto unter starker mili­tärischer Bewachung nach Wesel gebracht.

(Regierungspräsident Dr. Grützner ist be­kanntlich Angehöriger der Sozialdemokratischen Partei.)

Weitere Verhaftungen und Ausweisungen.

Essen, 18. Febr. In der verflossenen Nacht wurde der Mitinhaber der chemischen Fabrik Goldfchmidt, Dr. Theodor Goldschmidt, in seiner Wohnung verh astet und nach Bredeney gebracht. Er hatte wenige Stunden vorher einigen französischen Offizieren, die sich ohne Quartierschein bei ihm einquartieren woll­ten, die Aufnahme verweigert.

Wiesbaden, 18. Febr. Auf der täglichen Ausweisungsliste für Wiesbaden stehen heute die Namen Oberregierungsrat Wald­schmidt, Geh. Regierungsrat Schultz und Polizeipräsident Krause. Die beiden ersten waren bereits vor einiger Zeit ihres Amtes entsetzt worden, haben aber nach wie vor ihren Dienst getan. Mit Herrn Waldschmidt ist nun auch der letzte von Amts wegen bestellte Ver­treter des Regierungspräsidenten ausgewiesen; indessen ist die hiesige Regierung nicht ohne Führung. Aus unbekannten Gründen wur­den heute nachmittag folgende Eisenbahnbeamte verhaftet: Eisenbahninspektor Lucke, Sta­tionskassenvorsteher Hamel, Oberbahnmeister Diehl, Wagenwerkineister Bopp, Eisen­bahnoberinspektor Berndt und Schreibgehilfe Kilian.

Köln, 17. Febr. Wie dieKölnische Zeitung" aus Düren meldet,, wurde das Hauptzollamt Düren von den Franzosen besetzt. Der Oberzoll- inspek'tor Fritzel wurde ausgewiesen.

Herne, 18. Febr. Hier ist der mehrheitssozia­listische Stadtverordnete Hölkeskamp von den Besatzungstruppen festgenommen worden.

Französische Fusttzfchmach.

<fffe«, 17. Febr. Das französische Kriegsgericht in Bredeney verurteilte heute den Geschäftsführer des Essener Verbände? des Einzelhandelr Dr. Guyenz zu zwei Jahren Gefängnis und 8 Millionen Dtark Geld­strafe weil er ein Nundschteiben iinterzeichnet hatte, in welchem die Kaufmannschaft der Stadt aufgefordert wurde, im Jnteresie der öffentlichen Ernährung an die Bssatzungstrnppen keine Waren abzugeben. Der An- klagevertretcr hatte drei Jahre Gefängnis beantragt. Von demselben Kriegsgericht wurde der Schutzpoügei- beamt» Klein wegen «ngedlrchen Wderspruch» 11t einem Monat Gefängnis und 150 Frank Geldstrafe verurteilt.

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1923

Krefrld, 19. Febr. Landrat Dr. Bei«« » Daun (Eifel) wurde wegen angeblicher Beleidigung der .französischen Armee zu einem Jahr Gefängnis ohne Strafaufschub verurteilt.

Die deutschen Minister kennen kein Einreiseverbot".

Nach einer Meldung der Montagspost hielt sich am Samstag der preußische Minister des Innern Severing in Dortmund auf. Er hielt Besprechungen mit Vertretern der In­dustrie, der Gewerkschaften und der Behörden ab. Der Minister gab seiner Genugtuung Aus­druck, daß die Widerstandskraft der Bevölkerung nach wie vor un gebro­ch e n s e i. Er erklärte, daß die preußische Re­gierung alles in ihren Kräften stehende tun werde, um die Bevölkerung in ihrem schweren Kampfe zu unterstützen. Vor Dortmund fuhr der Minister nach Solingen, um mit Ge­nehmigung der englischen Besatzungsbehörde am Sonntag abend in einer öffentlichen Ver­sammlung zu sprechen.

Wie derLokalanzeiger aus Eßen meldet, hielt sich auch der Reichsverkehrsminister Dr. G r ö n e r in Esten auf und hatte Besprechungen mit den Eisenbahnorganisationen über die Lage des Eisenbahnbetriebes im Ruhrgebiet. Die Vertreter sämtlicher Organisationsrichtungen er­klärten, daß sie trotz aller Drohungen den an die Eisenbahner gerichteten Befehl, sich dem Präsidenten der f r a n z ö s i f ch e n Feldeisenbahnabteilung zu unterstellen, a b - lehnen werden. Dem Reichsverkehrsminister wurde ein französischer Befehl an die Reichsbank st eilen unterbreitet, wonach den Reichsbankstellen die Gehaltszahlungen an Eisenbahnbedienstete verboten wird. Der Mi-

Üebergabe eines Teiles der Eisenbahn in der

englischen Zone an die Franzosen wurde von sämtlichen Organisationen eine Entschließung gefaßt, in der betont wird, der Betrieb werde bis zum äußersten weitergeführt werden, jedoch keinesfalls unter französischer Oberhoheit.

Paris. 17. Febr. Die Nachricht, daß de

keinesfalls unter französischer Oberhoheit.

Paris, 17. Febr. Die Nachricht, daß deutsche Minister trotz des französischenVerbotes" sich mehrere Tage im Ruhrgebiet aufgehalten haben, hat in der hiesigen Presse Wutaus - b r ü ch e ausgelöst. Die Agence Havas (das halbamtliche Dspeschmbüro des Herrn Poin- caré. D. Red.) begleitet die Meldung mit einem heißt, die fran-

längeren Kommentar, worin es heißt, die fran­zösischen Behörden hätten von der Anwesenheit der deutschen Minister zu spät Kenntnis er­halten, um eingreifen zu können. Es sei leider nun einmal nicht möglich, alle Wege, die in das

Ruhrgebiet führten, zu überwachen; dazu be­dürfte es eines Mehrfachen der im Ruhrgebiet vorhandenen Truppenkontingente. Die deut­schen Minister hätteH so zwar noch die Möglich­keit in das Ruhrgebiet zu gelangen, aber sie täten es auf eigenes Risiko. Es sei selbstver- andlich, daß, wenn einer von ihnen auf einer neuen Agitationsreise getroffen und verhaf­tet würde, er sich umso schwereren Sanktionen aussetzen würde, als er gegen eine ihm bekannte Verfügung verstoße.

Paris, 19. Febr. Havas meldet, wegen der Einreise deutscher Minister in die be­setzten Gebiete, prüft General Degoutte die Frage, ob es angängig sei, einer Stadt im besetzten Gebiet, die von deutschen Ministern besucht wird, Sanktionen in Form von Straf­kontributionen aufzuerlegen. Auch andere Sanktionen seien in dieser Richtung in Vor­bereitung.

Poteneinfatt in Likaue».

Paris, 19. Febr. der litauische Gesandte in Paris teilt der Havas Agentur aus ftorono mit: Polnische Truppen aller Waffengattungen haben die neutrale Zone bei Orany besetzt und sind in litauisches Gebiet vorgedrungen. Hierbei griffen sie litauische Truppen an. Wan zählt be­reits über 10 Tote und hunderte von Verwun­deten. Die litauische Regierung hat dem Völkec- bundsrat ein Telegramm übermittelt, in dem sie ihm die Tatsache darlegt und von ihm die Ergreifung der notwendigen Waßnahmen ver­langt, damit eine Ausdehnung des Konfliktes verhindert werde.

Diesem Telegramm wird hinzugefügt, daß in offiziellen Pariser Kreisen man bis jetzt keine Bestätigung dieser in der offiziellen litauischen Depesche angeführten Tatsache erhalten habe.

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Dollar (10 Uhr vorm.) 19500