Seife 8
MMÄtM Vn 13. ^cBfUßt
Mr 3?
Lokales.
Hanau, 13. Februar.
Autzeror-enttiche Steigerung des Gaspreises.
Infolge des Ausfallens der Kohlensendungen aus dem Ruhrgebiet und der damit hervorgerufenen Preissteigerung, insbesondere der Kohle selbst, war nach den bisher bekanntgewordenen Kohlenpreiserhöhungen für deutsche Kohle für den Monat Februar zunächst mit einem Preis von 460 Mark für den Kubikmeter Gas zu rechnen. Die weiter bereits angekün- digten sofortigen Kohlenpreiserhöhungen ergeben voraussichtlicheinenPreisvon 800 Mark pro Kubikmeter. Die Bevölkerung muß sich daher auf eine auherordenk- liche Steigerung der Gaspreise gefaßt machen.
Da zunächst aber mit einem Bezug von deutscher Kohle nicht zu rechnen ist, mußte das Gaswerk auf englische Kohle zurückgreifen. Es besteht -die Hoffnung, daß dieselbe so rechtzeitig eintrifft, daß ein völliges Stillegen des Gaswerks vermieden werden kann. Die Preise für den Kubikmeter Gas erfahren alsdann gegenüber dem letzterrechneten einen weiteren Aufschlag voraussichtlich noch um etwa zwei Drittel. Irgend eine bestimmte Angabe kann mit Rücksicht auf das Schwanken der englischen Währung und des englischen Kohlen- preiies zunächst noch nicht gemacht werden. Die Stadtverwaltung ist selbstverständlich bestrebt, durch Heranziehung deutscher Kohle einen möglichst billigen Gaspreis zu erreichen.
Der TeuerungswshnNnn.
Die gewaltsame Störung des deutschen Wirtschaftslebens durch die Besetzung des Ruhrgebiets hat mit der weiteren Senkung der Mark in der zweiten Hälfte des Januar eine rasche Steigerung von Devisenkursen und Preisen hervorgerufen. Die Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ist. wie bereits berichtet, von dem 1475fad)en des Vorkriegsstandes im Dezember auf das 2785fache oder um 89 v. H. im Durchschnitt Januar gestiegen. Der Dollar wurde im Durchschnitt Dezember mit 7589 Mark und im Durchschnitt Januar mit 17 972 Mark notiert. Die Höherbewertung beträgt 136,8 v. H. In der gleichen Zeit haben die Einfuhrwaren von dem 2432fachen auf das 4758fache oder um 95,6 v. H. und die vorwie- gnd im Inlands erzeugten Waren von dem 1283fachen auf das 2390fache oder um 86 v. H. angezogen. Im einzelnen stiegen Getreide und Kartoffeln von dem 1009fachen auf das 2085= fache, Fette, Zucker, Fleisch und Fisch von dem 1221fachen auf das 2642fache, Kolonialwaren von dem 2485fachen auf das 4593fache, Lebensmittel zusammen von dem 1161fachen auf das MSOfache; ferner Häute und Leder von dein 218ifachen auf das 5130fache/Textilien von dem 2897fachen auf das 5320fache, Metalle und Petroleum von dem 1844fachen auf das 4051= fache, Kohlen und Eisen von dem 1873fachen auf das 2831fache, Jndustriestoffe zusammen
Früher Rheingold
OST’8 Mi
Heute Dienstag
ab 6 Uhr; 925s
Jazz-Band.
Das Haus auf dem Berge.
Roman von Fritz Gantzer.
40. Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)
Fürchtete er eine Aussprache mit ihr, war er — feige? Sie dachte das harte Wort zögernd. Es wollte ihr nicht in den Sinn, daß ihr Mann eige sein könnte. Oder hiest er die Sache für 0 belanglos, für so nebensächlich — wenigstens ür sie belanglos und nebensächlich —, daß er es nicht als eine Notwendigkeit ansah, mit ihr darüber zu sprechen? Oh, er sollte nicht meinen, daß sie mit Stillschweigen daran vorüberzugehen beabsichtige. Wenn er das wirklich dachte, dann würde er sich bitter täuschen.
Es war schon leise dämmrig geworden, als sie das nutzlose Warten endlich aufgab und sich entschlossen erhob.
Das wiederholte, einlaßbegehrende Pochen an der Tür zu Konrads Arbeitszimmer blieb ohne Antwort. Sie öffnete endlich. Der Raum war ohne seinen Herrn.
Nun dachte sie daran, daß sie ja auch keinerlei Geräusche, die von seiner Anwesenheit hätten Kunde geben müssen, gehört hatte. Sie vermutete, daß er das Haus verlassen haben möchte. Und als sie im Flur seinen Mantel, Hut und Stock vermißte, fand sie ihre Annahme bestätigt.
Also wirklich feige davon! Sie meinte sich für ihn schämen zu müssen.
Dieses neue Warten war entsetzliche Qual. Sie hatte sich in sein Zimmer gefetzt. Er sollte ihr keine Minute länger entgehen, als nötig war. Dis Dunkelheit hatte sich längst zu ihr gesellt. Und Marianne war ihr nicht gram. Sie fühlte sich von ihr wie in etwas Beruhigendes, Schützendes eingehüllt, glaubte durch sie alle Nöte von sich ferngehalten. Sie verstand das Erzählen so gut, diese weiche, warme Dunkelheit. Vom Bergrande erzählte sie und von Onkel Matthias. In Dillingen wußte sie genau Be
von dem 2061fachen auf das 3523fache. Am 5. Februar haben sich die Großhandelspreise weiter auf das durchschnittlich
59v7fache des Iriedenssiandes gehoben. Am gleichen Tage stehen von den Hauptgruppen die Lebensmittel auf dem 4902= fachen, die Jndustriestoffe auf dem 7958fachen, ferner die Inlandswaren auf dem 4925fachen und die Einfuhrwaren auf dem 11176fachen der Vorkriegshöhe.
* Pasfionsgollesdienst. Morgen abend 8 Uhr findet in der Marienkirche Passions- gottesdienft (Herr Pfarrer Goebels) statt.
* Einnahmen aus Obsterlös im Landkreis Hanau. Den Gemeindekassen des Landkreises Hanau sind durch den Verkauf des im Jahre 1922 geernteten Obstes insgesamt 823127.50 Mark zugeflossen gegen 78 230.70 Mark im Jahre 1921.
* Klebt die für 1922 fehlenden Steuer- marken. Vom Finanzamt ist festgestellt worden, daß die einzelnen Postämter genügende Mengen von Steuermarken in jeder Höhe vorrätig haben, sodaß restlos die für 1922 fehlenden Steuermarken nunmehr geklebt und entwertet werden können. Es wird daher nochmals hingewresen, dafür zu sorgen, daß die Steuerbücher für 1922 umgehend dem Finanzamt zugestellt werden.
* von der Main- und Rheinschisfahrk. Wenn sonst Rhein und Main ihre Frühlingshochwasser brausend zu Tal wälzten, dann hallten die Stromufer von dem Gestampf der endlosen Schiffszüge, die bergwärts ihre schwere Last zogen, wieder. In diesen Wochen ruht auf beiden Wasserstraßen der Schiffsverkehr gänzlich. Die französische Gewaltpolitik- hat den Verkehr lahmgelegt. Das deutsche Schiffspersonal verließ seine Boote und ist in die Heimat zurückgekehrt. Seit einigen Tagen lassen die Franzosen auch keine leeren Kähne vom besetzten in das unbesetzte Gebiet mehr schleppen; einige Boote, die dieser Tage noch von Höchst nach Frankfurt gebracht werden sollten, wurden von dem französischen Militär gewaltsam zurückbehalten. Die Kohlenverfrachtung auf dem Main ist nur bis Höchst freigegeben. Alle Versuche der Franzosen, die beschlagnahmten Kähne mit Schleppdampfern wegzuführen, sind bisher gescheitert, weil es ihnen an geschultem Bedienungspersonal mangelt. Dazu kommt, daß die Rheinlotsen ebenfalls ihren Dienst eingestellt haben. Bisher hat es noch kein Franzose gewagt, mit eigenem Dampfer durch die wilden Gefährte und tückischen Untiefen des Stromes allein zu fahren. Das französische Marinepersonal versucht seit einigen Tagen, auf den verlassenen deutschen Booten zu fahren — vergeblich. Auf der Reede pon Mainz liegen viele von den Franzosen zusam- menyeitellte SâvrÜge die bèrg- bew talwärts gefahren werden sollem aber nicht abdampfen können, da es an Maschinisten fehlt und an Lotsen. Französische Gendarmerie überwacht die Wohnungen der Mainzes Rhein- und Mainmaschinisten und Heizer, um sie bei ihrer Heimkehr sofort zu kapern. Das dürfte vergebliche Liebesmühe sein; denn der Verband der Maschinisten und Heizer hat seine Mitglieder rechtzeitig im unbesetzten Gebiet in Sicherheit gebracht. Unter diesen Umständen kommt der Rhein als Abfahrtsstraße der Ruhr-Repara- tionskohle nicht in Frage. Er wird auch solange nicht in Frage kommen, bis die Franzosen ihre Gewaltpolitik von selbst wieder aufgeben. Denn die Rhein- und Mainschiffer halten aus und lassen sich durch den französischen Franken nicht ködern.
scheid, jede Gasse kannte sie, jedes Haus fast. Und dieser und jener war ihr kein Fremder in der kleinen Stadt, da weit, weit unten im Badischen. Denn die Dunkelheit kam ja überall in der Welt umher.
Eine tiefe, heiße Sehnsucht packte Marianne nach alledem, was ihr leise Stimmen aus der Dunkelheit her zuzuflüstern schienen. Was hatte sie aufgegeben und was hatte sie dafür eingetauscht? Mit einem stillen, lieben Glück, das so fein und leise in seiner Art gewesen war, mm nicht immer als Glück erkannt worden zu fein, hatte sie gezahlt. Und was hielt sie nun dafür in den Händen? War es viel mehr als ein Nichts? Leere überall, wohin sie auch sehen mochte.
Darüber wurde sich Marianne in dieser Stunde mehr denn klar: sie trug keine geringe Schuld, daß es so war. Sie hatte ihre Ehe geschlossen, ohne sich über die Vorbedingungen, die für eine derart wichtige und ernste Verbindung durchaus erforderlich sind, klar zu sein. Mit halben und unsicheren Gefühlen, mit unbestimmten Vermutungen, mit einem Wirrwarr von Zweifeln und Hoffnungen war sie in einen neuen Wirkungskreis getreten, um bald einzusehen, wie bitter sich diese Unklarheit an ihr rächte.
Und sie hatte so gut wie gar nichts getan, um eine Aenderung herbeizuführen, weil sie dessen nicht fähig gewesen war. Der Antrieb — die Liebe zu ihrem Manne fehlte. Das wußte sie. Und das wußte sie auch: es würde nie eine Liebe werden.
Und die Schuld ihres Mannes?
Sie wollte darüber jetzt noch nicht abwägend zu Gericht sitzen. Erst die Aussprache mit ihm, die volle Klarheit bringen mußte. Aber davon durfte sie wohl schon überzeugt sein: er hatte sich feine Gefühle für sie einst zurechtgemacht, in einem Irrtum, oder aus irgendwelchen an= deren Veranlassungen heraus gehandelt.
Und daran dachte sie dann noch: soll das
* Fastnacht. Heute ist Fastnacht — jener Tag, an dem man einstmals alles das vergaß, was man als die Sorgen des täglichen Lebens ansah. Man erging sich für einige Stunden in harmlosem Vergnügen und frohes Maskentreiben belebte die Straßen. Heute drücken eine furchtbare Teuerung und Not unserer Zeit den Stempel auf. Alle Lustbarkeiten sind verpönt. Für diejenigen, die nicht das eigene Gewissen zum Verzicht veranlaßt hätte, sprach die Regierung das nötige Machtwort. Denn im Rhem- und Ruhrgebiet führen in der heurigen Faschingszeit unsere Volksgenossen gegen französische und belgische Raubgier einen Kampf, der an Bedeutung kaum hinter dem vierjährigen Weltkrieg zurücksteht. Wo man oebt und steht, spricht man von den Ereignissen -m der Ruhr. Allgemein erwartet man guocrii*!' v daß der französischbelgischen Narretei, die es im übelsten Sinne ist, ein furchtbarer Aschermittwoch folgen wird. Hanaus Opferbereitschaft wird das Ihrige dazu beitragen.
* Falsche Reichsbanknoten zu 5000 Mark. Von den seit Oktober v. I. dem Verkehr zugeführten Reichsbanknoten zu 5000 Mark mit dem Datum des 16. September 1922 ist in Berlin eine Fälschung aufgetaucht, die als solche an den nachstehend aufgeführten hauptsächlichsten Merkmalen unschwer zu erkennen ist. Papier: Gelblich getöntes Adlerpost - Briefpapier; Teile des Adlerwasserzeichens sind anstelle des fehlenden echten Wasserzeichens (sphärische Dreiecke) in der Durchsicht bemerkbar. Vorder- und Rückseite: Rohe unvollkommene Zeichnung der Muster, fahler Druck. Hinter den auffällig dünn gedruckten, untereinander stehenden Buchstaben R. B. D. auf der Vorderseite fehlen die Punkte. Die Rückseite ist in falscher Färbung gedruckt und zwar erscheint das Wort „Reichsbanknote" statt braun, blau, das Wort „Fünftausend" und die Mitte der seitlichen Umrandung dagegen braun, statt blau. Vor Annahme dieser Nachahmungen wird gewarnt. Für die Aufdeckung von Falschmünzerwerkstätten zahlt die Reichsbank, die entsprechende Mitteilungen unter Zusicherung von Diskretion entgegennimmt, an Personen aus dem Publikum nach wie vor hohe Belohnungen.
* verein für Kunstpflege. Der erste Vortrag von Unin.-Prof. Dr. Kautzsch aus Frankfurt über „Mittelalterliche Plastik" mit Lichtbildern findet heute abend 7% Uhr in der Aula der Eberhardschule statt.
* Die kaufmännischen Angestelllenverbände haben den hiesigen Firmen das folgende Schreiben zugehen lassen: „Die seit dem Abschluß der Januargehälter eingetretene Teuerung macht es den Angestellten unmöglich, mit dem Ende Januar zur Auszahlung gelangten Restgehalt auch nur einigermaßen auszukommen. Aus diesem Grunde ersuchen die unterzeichneten Angestellligen ersten Rate der Akontozahlungen 50 Prozent des Januargehaltes zur Auszahlung zu bringen. Wenn nicht im Laufe des Monats wesentliche Preissenkungen eintreten, sehen sich die unterzeichneten Verbände genötigt, für den Monat Februar eine nach den bisherigen Begriffen sehr hohe Forderung einzureichen. Die Verbände gestatten sich, den Arbeitgeberverband schon heute auf diese Umstände hinzuweisen".
* Preuß. Klassenlotkerie. Am 1. und 2. Ziehungstag 2. Klasse wurden u. a. folgende Nummern gezogen: (ohne Gewähr) 7257 38377 38398 63557 79619 79637 79689 79715 79722 80174 80188 80239 80339 80368 80371 80447 80451 80476 80498 90389 90394 105807 105828 105833 105840 105876 105886 105896 106767 106792 108009 122067 122071 122075
nun immer so weiter gehen? Gibt es keine Möglichkeit, diesem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen? Konnte nichts geschehen, das zu eiyer Befreiung für sie wurde?
Mit unmittelbarer Schärfe sprang plötzlich der Gedanke an Ludwig Hartmann in den Kreis ihrer Erwägungen. Wie dachte sie nur an ihn? In Bewunderung für ihn als Künstler? Das war wohl sicher. Und sonst noch? Anders auch noch? Was war er ihr als Mensch? Mehr als andere Menschen? . . . Viel mehr wohl . . . Und Marianne Gesevius legte die Hände vor die Augen und fühlte, daß sachte etwas Heißes, Feuchtes ihre Finger netzte. Sie saß ganz in sich versunken, ganz zusammengeduckt. Wie ein Kind, das den Weg verloren hat und nicht heimfindet, und bange Furcht spürt.
Schritte kamen den Flur hinab, nachdem die Haustür hart ins Schloß gefallen war. Und die Schritte klangen auch hart. . .
Marianne machte ihr Herz fest und richtete sich mit einer eigenwilligen Bewegung in die Höhe. Nun mochte kommen, was kommen muhte was nicht mehr aufzuhalten war.
Konrad stieß die Tür so rücksichtslos auf, daß sie gegen die Wand schlug. Er schien in einer bösen Laune.
Als er Licht ' '-lagen wollte, versagte das Feuerzeug verschiedene Male. „Versl . , .!", hörte Marianne knirschend hervorstoßen. Endlich hatten feine Bemühungen Erfolg. Der Docht einer auf seinem Schreibtische stehenden Kerze schwelte hoch und sank dann zu einer kläglich matten, leise zuckenden Flamme zusammen, um erst allmählich helleren Schein zu geben.
Aber bis dahin, wo Marianne saß, bis in den Hintergrund des Zimmers, vermochten die matten Strahlen nicht zu dringen. Sie war noch von Dunkelheit umhüllt und konnte von Ke: "e.d nicht gesehen werden.
122981 123921 124335 124488 1244901379^ 137285 140487 202181 242767 244328 2443% 244361 244365 245146 283330 283335 28334» 331389.
* Sladtthcaker. Heute Dienstag (7. ®or, ftellung im Dienstagsabonn.) letzte Wieder. Holung von „Pygmalion" von Shaws. _ Mittwoch, 14. Februar, 7>4 Uhr, (7. Vorstilg im Mittwochabonn.) Erstaufführung der alten Operette „Der Vogelhändler" von Carl Zeller Die Spielleitung hat Herr Badewitz übernommen, welcher auch die Partie des Adam singt, die Kurfürstin singt Frl. Martha Förster Stanislaus — Herr Peißker, Christel — W Dora Erl, Adelaide — Frl. Else Brix; in bei Rolle des Baron Weps gastiert Herr Frit Danrer vom Stadttheater Heidelberg.
* Rekordleistung des Deutschen Krieg« bundes. Der Deutsche Kriegerbund, die wirt. schaftliche Unterstützungsveremigung der norddeutschen Landeskriegerverbände, der bekanntlich seit vorigem Jahre den Namen „Deutsche Krieger-Wohlfahrtsgemeinschaft" angenommen hat und die älteste große Kriegerorganisation darstellt, blickt im Sommer dieses Jahres auf ein 50jähriges Bestehen zurück. In diesen 50 Jahren sind allein aus seiner Zentralkasse 23% Millionen Goldmark an Unterstützungen für bedürftige Kameraden, Witwen und Waisen gegeben worden. Auf die Waisenpflege allein - der Bund hatte fünf eigene Waisenhäuser und hat jetzt noch vier, nachdem ihm das Krieger- Waisenhaus Samter durch die Polen geraubt ist — entfallen 17% Millionen Goldmark. Diese Leistung ist um so höher zu bewerten, als der Bund stets mit außerordentlich niedrigen Bei- trägen (alljährlich nur Pfennige und Groschen) gearbeitet hat. Die großen Leistungen in bet Waisenpflege sind einer besonderen Einrichtung des Bundes, der Krieger-Fechtanstalt, zu ver- danken. Die genannten Zahlen beziehen sich allein aus die Bundes-Zentralkasse. Was außerdem von den einzelnen Bundesverbänden und seinen vielen Tausend einzelnen Vereinen, ferner von den Landes-Kriegerverbänden in Sachsen und Süddeutschland seit dem Bestehen der Kriegervereinsorganisation auf dem sozialen Gebiete der Unterstützung für bedürftige Kameraden, Witwen und Waisen geschehen ist, ist noch viel bedeutsamer. Allein während bet Kriegszeit haben die Krieg-ervereine des Reiches rund 27% Millionen Goldmark für Kriegsteilnehmer, Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene ausgegeben. Wahrlich ein schönes Bild von der nationalen und sozialen Bedeutung des deut- schon Kriegervereinswefens.
* Beim Bleirohrdiebstahl gestört wurden am gestrigen Abend kurz nach 8 Uhr durch einen hinzukommenden Mann mehrere jugend- liche Personen, welche in den Klosetts am bis- sigen Westbahnhof die Bleirohre entwenden mouten? Zwecks näherer Aufklärung wird bet Betreffende gebeten, sich bei der hiesigen Kriminalpolizei auf Zimmer 168 zu melden.
Siadülieatcr Hanau
Direktion: Job. Poetsch. — Telephon 160.
Dienstag den 13. Febr., 7% Uhr
(7. Vorstellung im Dienstag - Abonnement)
Pygmalion
Komödie in 5 Akte» von Bernard Shaw.
Mittwoch den 14. Fedr., 7V« Uhr:
(7. Vorstellung im Mittwoch - Abonnement)
Der Vogelhändler
Operette in 3 Akten von Zeller.
i^-nbenlang zögerte sie noch, sich ihm bemerkbar zü machen. Aufmerksam studierte sie sein Gesicht. Er schien gealtert.
Als er im Begriff stand, vor dem Schreibtisch Platz zu nehmen, erhob sich Marianne und trat festen Schrittes in den Lichtkreis.
Die völlig unerwartet an sein Ohr bringen den Geräusche bewirkten, daß seine Hände sich mit einem jähen Zugreifen um die Kante der Schreibtischplatte klammerten und ein unterdrückter Aufschrei über feine Lippen kam. Sein Gesicht fuhr herum, und seine Augen hefteten sich mit einem verstörten Ausdruck auf die Gestalt seiner Frau.
„Verzeihe", sagte sie, „daß ich dich erschreck! habe. Ich warte hier auf deine Rückkehr, uni mit dir zu sprechen."
Er hatte sich gefaßt. Daß diese Aussprache kommen mußte, hatte er gewußt, nur, daß/l sich ihr schon jetzt gegenübersah, ging gegen seine Vermutungen. Nun — ein kühler, eisiger Zug trat in sein Gesicht — ihm konnte es gleich M"- Er wußte, was er ihr sagen würde. Er hatte sich während seines Fernseins nicht umsonst alles zurechtgelegt.
„Die Ueberrumpelung hättest du dir sparen können", sagte er mit einem höhnischen Anflug im Ton. „Das sieht nach Komödie aus. Und etwas mag ich nicht."
„Du beurteilst mich vollkommen falsch. Schauspielerin bin ich noch nie gewesen. Am wenigsten könnte ich es heute sein. Dazu ist 516 Sache denn doch zu ernst." .
„Welche Sache?" heuchelte er Verständnislosigkeit und verstand es, einen erstaunten Ausdruck in fein Gesicht zu bringen. _
Sie hatte sich ihm so weit genähert, daß drei Schritte von ihm entfernt stand. Sich A was verneigend und scharf in sein ®ew blickend, sagte sie mit ruhigem Sprechen: „NA pielst du Komödie. Aber deine Maske PS1 chlecht, ich durchschaue dich."
(Fortsetzung fofat)