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General-Anzeiger

Ammches Organ jur Slasl- und Landkreis Kanan a. W

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Ar. 36

Montag den 12. Februar

1323

temMe WMiim des MMK.

Die Franzosen verbieten die Ausfuhr aller Industrieerzeugnisse aus dem Ruhrgebiet. Einreiseverbot für deutsche Minister ins Ruhrgebiet.

Die Parole, mit der wir in die fünfte Woche unseres Ruhrkampfes gehen, ist dieselbe wie in den ersten vier Wochen und wird voraussicht­lich auch noch für geraume Zeit dieselbe bleiben müssen. Sie deckt sich dem Sinn nach mit jenen berühmten Worten des Admirals Nelson, in dessen Zeichen er die für Englands Welt- stellung entscheidende Schlacht von Trafalgar gewann: England erwartet, daß jedermann seine Pflicht tut. Auch für Deutschlands künf­tige Stellung ist unser gegenwärtiger Kampf entscheidend und auch für uns gilt nichts ande­res, als die einfache Parole, daß jeder in unse­ren Reihen bis zum letzten deutschen Mann und bis zur letzten deutschen Frau seine Pflicht tun muß. Eine Pflicht, die diesesmal nicht in der Ausübung des Waffendienstes für das Vaterland bestehen kann, sondern die in har­tem und aufreibendem, täglichem Widerstands­kampf gegen die Wirkungen der französischen Unterdrückungspolitik erfüllt werden muß. Kein Deutscher darf von Uebergabe reden, kein Deutscher von Verhandeln, solange die Fran­zosen auf deutschem Boden stehen und selbst das kümmerliche Vertragsrecht von Versailles unter ihre rohe Gewalt beugen. In dem Ge­biet, das unter ihrer Gewalt leiden muß, lehnt sich das ganze Volk zum äußersten Widerstande auf. Im unbesetzten Gebiet muß die Front des moralischen Widerstandswillens unge­brochen bleiben und wir werden uns, wie unsere Brüder und Schwestern im Ruhrgebiet, mit eiserner Willenskraft wappnen müssen, um in den bevorstehenden schweren Wochen stand­

f

zuhalten.

Eins haben wir wenigstens in bitterer schule gelernt: Uns nicht auf Vermittler und auswärtige Helfer zu verlassen. Die Wendung zum Bessern kann nur kommen, wenn der französische Vernichtungswille an dem deut­schen Widerstandswillen sich brechen muß. Alles, was vorher über Verhandlungen und Vermitt­lungsversuche gesagt wird, ist entweder Illu­sion oder aber ein politisches Manöver, um die deutsche Widerstandskraft zu schwächen. Ob überhaupt ehrliche Versuche gemacht worden sind, steht nicht einmal fest. Sicher aber ist, daß sowohl der schwedische Sozialdemokrat «ranting wie der schweizerische Bundespräsi­dent Mötti, der italienische Ministerpräsident Mussolini und der tschechischslowakische Mini­sterpräsident Benesch in diesen Tagen erklärt haben, daß eine Vermittlungsaktipn keine Aus- slcht habe. Deshalb stehen auch England und Amerika weiter beiseite, wenn auch die Stim­mung in diesen beiden Ländern sich mit nm' lenber Stärke gegen die französische Poli wenden mag. Ueberall sieht man sich, trotz aller vielleicht vorhandenen Abneigung gegen Frankreich doch vor die Tatsache gestellt, daß unmittelbare Einwirkung auf den Willen Frankreichs aussichtslos ist. Es gibt nur eine Möglichkeit: Das französische Volk muß selbst me Ueberzeugung gewinnen, daß die Politik aes Herrn Poincâre allen wirtschaftlichen fran- âaslschen Interessen ins Gesicht schlägt. Nur °uf diesem Wege ist der Wendepunkt zu er= ^chen. Und deshalb müssen wir auch in den rammenden Tagen unverrückbar an dem ein- Men Ziel unserer gegenwärtigen Politik fest- Miten: Keine Handreichung, keine Dienstlei- urng sowie keine Kohle, kein Holz, kein Geld K Frankreich. Und felsenfestes Zusammen- ! eyen des ganzen Volkes, bis an dieser Parole ^Fvvzösische Gewaltpolitik scheitert.

* das Ruhrabenteuer ist Deutschland einmal in das Zentrum der allgemeinen ^eltmtereffes gerückt. Es gilt, diese seltene J 2M Situation zu nutzen. War jetzt in ^^utschland geschieht, wird beachtet. Es gab dayre, wo niemand mehr sich für den Eeschla- Lin "^^rte. Jetzt gilt er zu handeln. kJ âlk, das das Ohr der Welt hat, ist schon mächtig. Sollten wir in dem Entschei- tönn? ^ Pf an der Ruhr unterliegen, dann Frankreich uns ausweiden wie den er« m»k?^Manthifchen Eber; kein Hahn würde mehr danach krähen.

^ Gipfel französischer Keuchelei. ta.P01*5» 10. Febr. (Havas). P o i n c a r é hat k vormittag von 10 bis 12 Uhr eine B e - c u n g mit dem belgischen Minister des

Aeußern Ja spar gehabt, der außerdem der belgische Gesandte in Paris, der Kriegsminister M a g in o t, Arbeitsminister Le Trocquer, Finanzmimster de Lasteyrie und der Mi­nister für die befreiten Gebiete Reibel bei­wohnten. Nach Schluß der Sitzung wurde fol­gende Note veröffentlicht, die an die deutsche Regierung gerichtet werden soll:

Die belgische und die französische Regie­rung haben festgestellt, daß der Besuch des Reichskanzlers Cuno im Ruhrgebiet und seine dort ausgeübte Tätigkeit einzig und allein den Zweck gehabt haben,"g e f ä h r l i ch e Erregungen, besonders unter den Groß­industriellen, Angestellten und Staatsbeamten, hervorzurufen. Unter diesen Umständen sehen sich die französische und belgische [Regierung im Interesse der Bevölkerung selbst genötigt, um Zwischenfälle zu vermeiden, die einen blutigen Berlauf nehmen könnten, der Reichsregierung und den Regierungen der Länder mitzuteilen, daß es den Re ichs Ministern und den Ministern der Länder nicht mehr gestattet ist, das Ruhrgebiet zu be­treten."

Die Note wurde alsbald dem deutschen Bot­schafter in Paris übergeben.

Also dürfen deutscheMinister sich aufdeutschem Boden nicht mehr frei bewegen? Man

nicht mehr als deutsche» Gebiet. Diese Maßnahme wird auch den wenigen, die noch an friedliche Politik und nur wirtschaftliche Ziele der französischen Politik glauben, die Augen öffnen. Der Hinweis auf die Interessen der Bevölkerung stellt den Gipfel der Heuchelei dar.

Die Abschnürung des OkkupaUons-- gebtetes.

Paris, 12. Febr. Die wirtschaftliche Ab­

ten Gebiet

rieerzeug-

schnürung des besetzten Gebietes von dem un­besetzten Deutschland wird von heute ab eine neue Verschärfung erfahren. In einer den deutschen Geschäftsträgern in Paris und Brüssel überreichten Rote wird mikgekeilt,

daß mit Wirkung vom 12. Februar ab die Ausfuhr der im r hergestellten 3 nisse, und zwar nicht nur die Metallproduk­tion, sondern auch die Fabrikate sämtlicher übri- B Industrien, nach dem unbesetzten Deutsch- gesperrt wird. Anlaß zu der Maßregel hätten Befehle gegeben, die die deutsche Regie­rung ihren Beamten im Ruhrgebiet erteilte. Durch diese Befehle versuche die deutsche Regie­rung angeblich, Unruhen aller Art Hervorzu-

rufen.

Paris, 11. Febr. Die Ergebnisse der gestri­gen Verhandlungen des französischen Kabinetts mit dem belgischen Außenminister Caspar wer­den von demPetit Parisien" wie folgt zu­sammengefaßt: Es sei vereinbart worden, die Bemühungen auf den wichtigsten Eisenbahn­linien fortzusetzen, neben dem französischen und belgischen Personal auch diejenigen deutschen Eisenbahner und leitenden deutschen Beamten heranzuziehen, die zur Wiederaufnahme der Arbeit gewillt seien. Hierzu komme ein System von Ausfuhrbewilligun­gen für sämtliche Industrielle des Ruhrgebiets. Dies werde die beste Waffe gegen den Widerstand der Großindustriellen

Paris, 12. Febr. Wie derPetit Pari- sien" berichtet, ist es wahrscheinlich, daß die ^ute einießende neue Blockade vervoLkomm- net wird durch einSystemvonAusfuhr- l i z e n z e n das die Industriellen im Ruhrge­biet verhindern soll, die Maßnahme dadurch zu umgehen, daß sie nach dem unbesetzten Deutsch­land durch gewisse auswärtige Länder Waren exportieren Die Ausfuhr wird einer starken Kontrolle unterworfen. Die Indu- striellen müßten mit den Besatzungsmächten arbeiten, wenn sie die ernstesten Ungelegenhei- ten vermeiden wollten. Eine weitere Mah- nahme könnte darin bestehen, daß die Be- fahungsorgane dam geführt wurden, den V e r k a u f d e r P r o d u k t e d e s R u h r- gebietes selbst in die Hand zu neh -

m e n. Es fei noch nicht ganz sicher, ob dieses System demnächst als durchführbar erkannt werde. Für den Augenblick werde man sich zweifellos damit begnügen durch die Reorga­nisation des EifenbahnÄensies nach der deut­schen Seite hindasRuhrgebietherme- tisch abzuschließen.

And bist du nicht willig so brauch* ich Gewalt!

Esten, 11. Febr. Der französische Divisions­arzt erklärte, sollten die Forderungen der Division an die städtischen Krankenanstalten nicht freiwillig erfüllt werden, so würden die Leistungen mit den Bajonetten und Gewehren erzwungen werden.

*

In einem vomBerl. Lokalanz." veröffent­lichten von authentischer Seite stammenden Be­richt über die Sage, die durch die Beschlaanahme von 110 Krankenbetten in den städtischen Krankenanstalten in Esten durch die Franzosen geschaffen worden ist, werden die Folgen des bisherigen Eingreifens in den Betrieb der Krankenhäuser folgendermaßen charakterisiert: Die Augen-, Ohren- und Nasenklinik ist derart beschränkt worden, daß ein ordnungsmäßiger Betrieb nicht möglich ist, ebenso ist jegliche Krüppelfürsorge bis auf weiteres unmöglich. Die Unterbringung von Jnfektionskranken kann nicht mehr fachgemäß durchgeführt werden. Wenn nur noch wenige Fälle ansteckender Krankheiten dazu kommen, sind die Kranken­häuser nicht mehr in der Lage, die Jnfektions­kranken unterzubringen, sodaß die Gefahr be­steht, daß diese Kranken in ihrer Wohnung ver­bleiben müssen und zur Ausbreitung einer Epi- demie beirragen. Außer der Verlegung der Kranken infolge der Wegnahme zweier Paocsions mußte an anderer Stelle Platz für das Personal geschaffen werden. Dadurch ist die bestehende Wohnungsnot in Esten ins Unerträgliche ge­steigert. Die Einbruchsarmee ist nun mit den von ihr mit Kranken belegten zwei Pavillons nicht zufrieden, sie will vielmehr auch noch die Hautklinik mit Beschlag belegen. Sollte die Vesatzungsbehörde trotz aller Einwendungen der Krankenhausverwaltung auf der Räumung be­stehen, so müßten diese Kranken in einer durch­aus unzureichenden Baracke untergebracht werden, wo eine der Wissenschaft entsprechende Behand­lung nicht mehr stattfinden könnte.

Die Truppen können requirieren»

Essen, 11. Febr. Da die Kohlen- und Materiallieferungen an die französischen Be- satzungstruppen angeblich nicht gesichert sind, hat General Fournier dem hiesigen Ober­bürgermeister mitgeteilt, daß die Truppen an­gewiesen werden würden, sich selbst zu bedienen.

Verhaftungen und Ausweisungen.

Ausweisung des Regierungspräsidenten Hänisch.

Frankfurt, 11. Febr. Der vom preußischen Ministerium einstimmig zum Regierungsprä­sidenten von Wiesbaden ernannte frühere Kul­tusminister Hänisch, wegen dessen Amtsan­tritt die Rheinlandkommission bekanntlich ein vorläufiges Veto eingelegt hatte, weilte in den letzen Tagen im besetzten Gebiet, um als Kom­missar der preußischen Regierung Informatio­nen über die wirtschaftliche und politische Lage einzuziehen. Am Samstag nachmittag wurde er aus einer Besprechung mit den Landräten und Bürgermeistern des Regierungsbezirks Wiesbaden heraus durch einen französischen Beamten zu dem Oberdelegierten Marquis de Lilleis genötigt, der ihn ehrenwörtlich verpflich­ten wollte, noch vor Mitternacht das besetzte Gebiet zu verlassen. Herr Hänisch lehnte dieses Ansinnen ab und erklärte, er würde nur der Gewalt weichen. Daraufhin wurde er in das französische Polizeikommssariat geführt und dort einer gründlichen Durchsuchung unterzogen, gegen die er unter Berufung auf seine Immu­nität als preußischer Lanotagsabgeordneter ent­schieden Protest einlegte. Ebenso verweigerte er die Unterzeichnung des von dem französischen Polizeikommissar aufgenommenen Protokolls. Gegen %10 Uhr wurden Herrn Hänisch seine Papiere zurückgegeben und bald darauf wurde er in einem französischen Militärauto­mobil an b ; e Grenze des besetzten Gebiets gebracht.

(Die Ausweisung Hönischs, die nunmehr er­folgt ist, ehe er seinen Posten als Regierungs­präsident hat antreten können, ist ein neuer harter (^«g für die B»v»kker '^ Ns Bezirks

und eine Herausforderung, besonders für die Sozialdemokratische Partei. Sie hat den größ­ten Wert darauf gelegt, daß gerade Hänisch die Vertretung des so "schwierigen Wiesbadener Bezirks erhielt. Die Arbeiter werden hoffent­lich gründlich erkennen, wie wenig aufrichtig es die Franzosen trotz ihrer Versicherungen mit ihnen meinen.)

Herne, 11. Febr. In Herne sind gestern abend erneut drei Polizeibeamte wegen Gruß- verweigerung festgenommen woân. Infolge des Verhaltens der Schutzpolizei, der städtischen Beamten usw. ist in Herne seit gestern abend 9 Uhr der verschärfte Belagerungszustand ver­hängt worden.

Recklin-'tzaufen. 11. Febr. Bürgern m'fer Niemeyer und Stadtverordnetenvor'teber Rechtsanwalt N i ch a u s sind gestern nachmit­tag verhaftet worden. Oberbergrat Russel- Gladbeck, der verhaftet worden war, weil er den französischen Ingenieuren den Zutritt zur Grube verboten und Auskunft über die För­derung verweigert hatte, ist ins unbesetzte ge­biet gebracht worden.

Essen, 11. Febr. Heute morasn rp oer Direk­tor Lattau von der Gewerkschaft Zollverein aus unbekannten Gründen verhaftet worden.

Die Knebelung der Presse.

Mainz, 11. Febr. DerM a i n z e r An­zeige r", dieMainzer Volkszei­tung" und dasM a i n z e r T a g b l a t t" sind vom 12. Februar ab wegen Veröffent­lichung einer Lokalnotiz über die Beschlag­nahme von Geldern, dis für rückständige Löh­nungen usw. an die streikenden Eisenbahner bestimmt waren, auf drei Tage verboten wor­den. In der Veröffentlichung erblickt der Ober- delegierte der MeiuleMommission denziöse Entstellung, da die beschl^gnahmren Gelder (zirka 61 Missionen) in Wirklichkeit Streikunterstützungen 'gestellt hätten.

*

Wie dem auch sei, 'ebenfalls hat die Mainzer Presse, die feit Jahren unter dem schweren Druck steht, nach bestem Wissen berichtet. Die Behauptung, daß sietendenziös entstellt" habe, ist völlig unerwiesen und eine grundlose schwere Beleidigung der Zeitungen, die am Rhein so tapfer aushalten. Wie die fort­dauernde Knebelung der Presse durch die Fran­zosen wirkt, daß die Maßnahmen die Erregung der Bevölkerung nur steigern, ergibt sich aus der folgenden Meldung.

Mainz, 11. Febr. Das Verbot der Zeitungen durch die Vesatzungsbehörde wegen einiger un­liebsamer empfundener Notizen hat dazu ge­führt, daß in der Bevölkerung fortgesetzt die alarmierendsten Nachrichten kolportiert und ge­glaubt werden. Dazu kommt noch, daß ein Teil der veröffentlichten Nachrichten vom Publikum als zensiert betrachtet und beargwohnt wird. Dies sind Umstände, die geeignet sind, die er­regte Stimmung in der Bevölkerung noch wei­ter zu schüren.

Recklinr-^ausen, 11. Febr. Der vor einigen Tagen verhaftete Redakteur Fischer von der Allg. Recklinghausener Ztg." ist vom franzö­sischen Kriegsgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Fortdauer des Eifenbahnerftreiks.

Mainz, 11. Febr. Die Lage im Eisenbahner- streik ist noch vollkommen un»eränbert Verhand­lungen haben bis zur Stunde noch immer nicht stattgefunden. Gestern sind von den Besatzungs- organcu etwa SO Privatautomobile requiriert worden.

Keine Verabreichung von Waren und Speisen.

Essen, 11. Febr. Wie uns mitgeteilt wird, haben die Verbände der Essener Kaufmannschaft und der Wirte einmütig beschlossen, an die An- gehörigen der Besatzungstruppen keine Warer bezw. Speisen mehr zu verabreichen.

Pariser (Beamtinnen für Essen.

Paris, 12. Febr. Nach derChicago Tribune" werden 100 Pariser Telegraphenbe- amtinnen nach Essen geschickt werden, um in der dortigen Zentrale anstelle der ausgeschiedenen deutschen Beamtinnen Dienst zu tun.

Zur Regierungsbilbung in Sachsen. Die Sozialdemokraten der sächsischen Landtags nahmen die Sinladuna der Demokraten zu Ver- bandluag«» Her di« Wahl be» Ministerpräsi­deatan an.

Miet (11 Ihr bom») 25-26000

Wer die ueraewaltigte Westwark vergitzt, dient Poincarv!