$7-7
auer
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Slaöl- und Landkreis Sanau a. W
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn, und Feiertage. / Fernsprech-Anschlup Nr. 1237
Bezugeprei»: MonatlichMk. 1700.— obne Trägerlobn: Einzelnummer Mk.70.—.Samstags 80 — Anzeigenpreise: Die 28 mm breite Zeile Mk. 60.—: Finanzinierate Mk. 75.— Reklame (68 mm breit) Mk. 150.—. Inserate, auch laufende, werden nur zum ieweiligen Tagespreise berechnet. — Otiertengebübr Mk. 40.—. — Geschäftsstelle: Sammerstrahe 9.
Erfüllungsort u, Gerichtsstand für beide Teile Hanau a.M. — FürPlatzvor- schrift und Ericheinungstage der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet. — 2m Falle höherer Gewalt, Streik uiw., hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises,
Ar. 34
Freitag Sen 9. Februar
1323
Neue französische Bluttalen.
Brutales Vorgehen der Franzosen in Wanne, Wiesbaden und Essen. — Sie Franzosen beschlagnahmen Privatkohlen. — Vor neuen Maßnahmen im Ruhrgebiet.
wie die Blätter melden, kam es gestern kurz nach der Besetzung der Bahnhofs von Vanne durch die Franzosen zu blutigen Zwischenfällen. Ein D-Zug und ein Personenzug wurden von der, Franzosen angehalten uno das deutsche Eisenbahnpersonal wurde zum Verlassen der Züge gezwungen. Einem 64jährigen Zugführer wurde dabei von einem französischen Soldaten von hinten mehrmals mit dem Kolben auf den âopf geschlagen. Der Zugführer brach zusammen und erlag bald darauf seinen Verletzungen. Die Reisenden der beiden Züge, die ausgestiegen waren, wurden von ftanzösischen Offizieren, die ihre Revolver gegen die Menge richteten und von den Soldaten, die rücksichtslos mitihrenBajonettenauf die Reisenden, unter denen sich viele Frauen und Kinder befanden, ein flachen, vom Bahnhof getrieben. Zahlreiche Personen, darunter Frauen und Kinder, erlitten Verletzungen. Unter Zurücklassung des Gepäcks flüchtete die Menge und bis weit in' die Stadt hinèm wurde sie von fran- zöfischer Infanterie mit aufgepflanztem Bajonett verfolgt. Ein Postbeamter des Zuges wurde durch einen Bajonettstich schwer verletzt, als er sich weigerte, die ihm übertragenen Gelder KeWUK.ZUsebLv. Die. Franzosen beschlagnahmten drei Kisten mit mehreren Millionen Mark.
Wie die ftanzösischen Blätter aus Essen melden, wurde gestern vormittag die große Schaufensterscheibe der französischen Buchhandlung am Hauptbahnhof zertrümmert. Ein französischer Offizier stellte einen in der Nähe stehenden Schutzpolizeibeamken zur Rede und wollte ihn ohrfeigen. Eine rasch zusammenge- strömte Menschenmenge entwaffnete darauf den Offizier.
3n Recklinghausen wurde einem Arbeiter durch einen Kolbenschlag eines französi- chen Soldaten die Kinnlade zerschmettert. Die Gewerkschaften haben darauf einen 24stündigen Proteststreik proklamiert.
Wiesbaden, 8. Febr. In der vergangenen Nacht wurden hier an den Litsas- fauien und Straßenecken Plakate angeschlagen, mit einer Kundgebung der Behörden und Körperschaften, in denen gegen die letzten Bekanntmachungen der Rheinlandkommission wegen aer Unterordnung der Beamtenschaft unter die Anordnungen der französischen Behörden dtellung genommen und erklärt wird, daß für me deutschen Beamten nur die Anordnungen Oft preußischen und Reichsregierung maßgebend h könnten und daß sie ihre Pflicht tun wür- oen. komme was da mag. Die Kundgebung war von den verantwortlichen Vertretern der Ve- yorden, Körperschaften, Berufsverbände, Gewerkschaften und politischen Parteien Mit Na- men unterzeichnet. 3m Laufe des heutigen Vor- mittags fanden vor diesen Plakaten große "ichenansammtungcn statt, bis gegen 11 Uhr frc0^^6 Radfahrerpatrouillen unh s- durchzogen, die Plakate entfernten die Menschenansammlungen zu zerstreuen lulylen. Auch mchrereTruppsberitte- . r 2pahis, die augenblicklich in Wiesba- & Garnison liegen, wurden mobil g e - d "Ai und ritten teilweise auf den Fußsteigen a* Katzen, um die Menschenmenge zu zer- 3n der Schwalbacherstraße kam es zu einem blutigen Zwischenfall, wo» ,u$e.r Mann kam mit einem Franzosen dieser militärischen Kundgebung in einen tu kl-^-chfel, der damit endete, daß der Deutsche n v^ bn versuchte, worauf der Franzose fet- hers volver zog und hinter dem Flüchtigen d:'^ouerte, der auch getroffen wurde. Ob ftfuundung schwer oder leicht ist konnte hört^chi sesigestellt werden, da bei den Velin k *^ nichts näheres zu erfahren war. Sto^üie^^ herrschte in der
Schwer Mitzhaudlungeu.
’ b. Febr. Heute morgen wurden Ui^ -Leute von einem aus 20 Soldaten Nwnm^^^n bestehenden französischen Kom- ^- o verhaftet, weil einer von ihnen ein fran
zösisches Propagandaplakat abgerissen hatte. Bei dieser Gelegenheit wurde der 26 Jahre alle Angestellte der Nordischen Holzhandelsgesell- schafk, Hussen, durch einen Fußtritt vor den Unterleib innerlich schwer verletzt. Einer der jungen Leute gab gegenüber den Franzosen offen zu, daß er es gewesen sei, der das Plakat abgerissen habe. NichL-destsms'^aer wurden alle verhaftet. Ueber ihr weiteres Schicksal ist bisher noch nichts bekannt geworden.
Essen, 8. Febr. Der Verwalter des Gutes Königsmühle bei Mengede hatte das weibliche Gukspersona! angewiesen, sich in keiner Weise mit den auf dem Gute einquar- tierten Soldaten abzugeben. Eine Polin hin- terbrachte dies den Franzosen, worauf der Guksverwalter von den Franzosen in brutalster Weise mißhandelt wurde, sodaß er ein Krankenhaus auifuthen mubfe.
Boch u m, 8. Febr. Der Pülizeibelriebs- asststent Lüktke ist von einem französischen Offizier verhaftet und schwer mißhandelt worden, weil er Kindern verboten hatte, von der französischen Feldküche Essen entgegenznnshmen.
Bochum, 7. Febr. Heute vormittag erschien in der Wirtschaft Wegener in der Hun- scheidkstraße ein französischer Korporal mit elf Mann vom Tankgeschwader und verlangte von
Gewalt gebe ich Ihnen dieses". Die Soldaten zahlten, tranken ihr Vier aus und verließen das Lokal. Zehn Minuten später erschienen sieben bis acht französische Offiziere und fünfzehn Soldaten. Die Offiziere liefen sofort, ohne ein Wort zu sagen. Hinter das Büffett. hotten den Wirk Wegener hervor, warfen ibn gegen das Dillard und fcklspnken ihn unter fortwährendem Stoßen und Drängen zur Tür. Wegener bat, sich eine Kopfbedeckung holen zu dürfen, was ihm aber verwehrt wurde. Die Offiziere schleppten ihn zur Tür ^nnus verlebten ihm
-— Ouand v Que
CORDON DOUaNIEH voudrc %.»
Das sranzssischs Ziel Aus der Pariser ZeUrmg „Le Journal
Obige Zeichnung brachte die Pariser Zeitung „Le Journal" ant 28. Januar ds. Jr. mit den Textworten: „Der Zollgürtel. Wenn Ihr es wollt ..." Jedermann in Deutschland weiß, daß dieser Textwort in Wahrheit heißen soll: Wenn ihr nicht pariert! Wenn ihr's wagen solltet, dem französischen Vertragsbruch Widerstand zu leisten. Die Franzosen haben damit ihre wahre Absichten offenbart. Wir müssen ihnen dafür Dank wissen und sind verpflichtet, der deutschen Oeffentlichkeit davon Kenntnis zu geben. Die Zeichnung zeigt das wahre Gesicht der Poincarismus. Darauf steht das Schicksal geschrieben, das die französische Politik zunächst den deutschen Ruhrarbeitern und dann dem deutschen Volke bereiten möchte, wenn sie könnte, wie sie wollte. Wie schrieb Hervd in der „Ketone": „^" “-“^* ^^
kann verrecken/
mehrere Fußkriile und brachten ihn in ein Sluko. Ein Offizier sprang in das Auto und schlug auch dort auf den verhafteten Wegener ein.
Kameradschaft.
Es? en, 9. Febr. Gestern mittag versuchten die Franzosen einen Schupobeamten, der nicht gegrüßt hatte, festzunehmen. Dieser entfloh und ein französischer Posten legte die Waffe auf ihn an. Ein anderer Schupo beamter, der in der Nähe war, zog die Pistole und richtete sie auf den französischen Posten. Der Franzose zog daraufhin die Waffe zurück und schoß nicht. Ein französischer Offizier holte den französischen Posten in die Wache herein.
Die Kshsenräuder.
Essen, 8. Febr. Da die Zechen sich andauernd weigerten, den Besatzungstruppen Kohle zu liefern, haben die Franzosen erklärt, daß sie die Kohlen beschlagnahmen werden, wo immer sie können. Tatsächlich beschlagnahmen sie in den Straßen Essens alle beladenen Kohlenfuhrwerke, deren sie habhaft werden können. Dabei handelt es sich durchweg um Kohlen, die von
Privaten mit eigenen Fuhrwerken von den Zechen geholt werden. Abteilungen bewaffneter Soldaten von
______ , .. _____ ... r .. ann halten solche Fuhrwerke auf den Straßen an und setzen
sich mit Gewalt in den Besitz dieser Kohlen. Besonders umfangreich wurde diese Art von Koh- fenrcmrHtion heute in Essen betrieben, wo *öbTrer'’e Lastwagen mit Kohlen und Koks in der geschilderten Weise fortgenommen und von den Truppen zu verschiedenen von ihnen besetzten Gebäuden, wie dem Kohlensnndikatsgs- bäude. und ihren Quartieren geschafft wurden.
schaft steigende Erregung hernorgernfen, weil unter den fortgenommenen Kohlenfnl-r werken sich auch eine Anzahl befanden, deren Jnball
aus sogenannten Deputatkohlen bestand. Bergarbeiterverband hat bereits gegen Fortnahme von Deputatkohlen bei den satzungsbehörden Protest eingelegt.
Der 93 ar wand für Poincar^s AriedeNsbrucK.
Der die Be-
Berlin, 8. Febr. Die Blätter veröffentlichen die endgültigen Ziffern der deutschen Kohtenlieferungen an Frankreich und Belgien
'■'vH* vvlvllvll llivllpvj , . , . . > « ,• Â Aa
Der VMche Arbeiters ©DliGMW ^t UOUiL> 33000
für den Monat Dezember. Deutschland war verpflichtet, im ganzen 1 600 000 Tonnen zu liefern. Geliefert wurden 1515 373,5 Tonnen. Die nichkgelieferte Differenz, deren Ursache in der Erstellung bet Ueberschickten und der Feiertage im Dezember liegt beträgt also 6 4 6 2 6.5 Tonnen.
(Diese 84 600 nicht gelieferte Tonnen sind es also, die Herrn Poincore den Vorwand für feinen Einbruch in das Ruhrgebiet abgegeben haben. D. Red.)
Die Pfände^ ein Werkzeug der Ferftörunp.
London, 8. Febr. Der Sonderberichterstatter des Manchester Guardian in Esten schreibt in einer Schilderung der dortigen Lage, seit Beginn der Besetzung hätten ernste Meümngsver- schiedenheiten zwischen dem französischen Ober- kommissar und Oests, dem Führer der Jnge- nieurfommiffion, bestanden. Nicht ein einher französischer Ingenieur sei bisher in ein Zechenbergwert hinunter gefahren. Die Kontrolle der Fabriken hebe noch nicht begonnen. Die Franzosen seien bis zum äußersten in der Klemme. Ihre „produktiven Pfänder" produzierten nichts für ihre Armee, sie seien ein Werkzeug der Zerstörung.
Dio jRri' g aerir^le an der A^ deich
Mainz, 8. Febr. Vor dem französischen Mi- litär^olizeigericht hatten sich beu^e sieben junge Leute im Alter von 15 bis 20 Jahren zu verantworten, die wegen der anläßlich der am 24. vorigen Monats nach dem Thysienprozeß in Mainz stattgefundenen Straßenunruhen von den Franzosen verhaftet worden waren. Zur Verhandlung waren zwecks Vermeidung von
Wallstraße militärische Maßnahmen getroffn worden. Einer 'der Angeklagten erhielt drei Monate Gefängnis, während die übrigen Angerlagsteu mit Rücksicht auf ihr jugendliches Alter mit Gefängnisstrafen von 10 bis 1 5 Tagen dcoonkamen.
Die Knebelung der Presse durch die "ra> 'm.
Das französische Militärgericht in Mainz hat den Direktor des „Mainzer Anzeigers", Will, sowie den verantwortlichen B.-^ak^
Blattes, Rohasckeck, zu je 50 000 Mark Geldstrafe und den Direktor Will "-ßerdem zu ackt Tagen Gefängnis verurteilt. Die Anklage laut?^, einem Befehle der ^weinlandkommiffion die die Veröffentlichung einer Wolfftneldunq über das Verbot von Kohlen'ieferungen an die Entente untersagte, nicht nachgekommen zu fein, sondern die Wolstmelduna dennoch rermfenti^t zu haben. Das Gericht hat dadurch dem Antrag- des Anklagevertreters entsproßen, ob« schon die Verteidigung nachwies, daß eine Ber- fehlung der Anasklagten überhaupt nicht nor« liege, da sie nicht gegen den Bssehl verstoßen hätten, dieser Beletzl vielmehr auf einem Irrtum beruht insofern, als es sich bei dem verbotenen Artikel, wie sich ^"iter tzerausstellte, gar nicht um eine Wolffmeldung handelte, sondern um die Meldung eines anderen Depeschen- büros.
Mn Aufruf derVerqarbeiterorrbSnde.
Znrückwtisung franzöfifcher Bestechungsversuche.
Essen, x. ^ebr. Dir Bergarbeiterverüâvde er* [ieRen eiueit Ausruf, in dem sie etaenS »«rauf bin« weifen, daß der Abwedekamvs im Rudrzebiet in ein neuer Stadium eingetreten sei. Nach den täglich ju« nehmenden Fällen schwerer Eingriffe in dat Verkebri» leden un» die Arbcitsbctriedc, nach den Serbattungen und Mißdandlungen, nach den brutalen Gewaltakten, die bereits mehrere Menschenleben kosteten, nach der tkodlensperre über da» unbesetzte'Deutschland, nach der Beschlagnahme »an selbst den Bergarbeitern für de» eigenen Hanrbalt zustehenden Kohlen, scheine» er die militärischen Gewalthaber Frankreichs jetzt darauf abgesehen zu haben, daß das Ruhrgebiet zum Schauplatz blutiger Kamp e werde. Zu dem Zweck werde ücrmcht durch Spitzel und ihre Heliershelser auf den vcrschicdeueu Schachtauiaacn Unruben zu provozieren. Bereits sei man auch ah die Setriebsratsmitgliedel beranaetreten, um durch Bestechung»geldcr vou täglich 200 000 Mk. besondere Auskünfte zu erhalten. Der Ausruf stellt fest, daß die Versuche mit Entrtstung «vgcwicsen wurden, warnt die einielnen Organisationen, Wie die Betriebsräte und Bcrtisuenslcute ver diese» Treibereien, durch die der französische Imperialismus der Ruhrbevölkerung seine Herrschaft auszwingen wolle und s»r»ert unter erneutem Appcü an das Wcltge- wisscn die sofortige Zurückziehung der widerrechtlich ms Ruhrgebiet stehenden frauzösischeu und belgischen Truppen. ____
Nuhrnot ist deutsche Not. Darum gib zum Deutschen Volksopser!