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D^nl"""^«m b?n 1. Februar
Spiel der Jugend bitterster Ernst wurde. Eschen herauè!' klang cs plötzlich durch Deutschlands Gaue, und was einst die Primaner, die zu- finftieien Studenten so gern gelobt: „Wenn es gilt M Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand, und Lu? mit mut'gem Sang, wär er auch zum letzten nun ward eS zur Tat. Langemark! Der Name der mancher deutschen Mutter Brust in tiefem Aram aufrührt, Langemark! Wie könnten wir dein »cr-esien, wenn wir von deutscher Jugend sprechen.
' Ax waren unser! Mag da» stolze Wort den «mim Schmerz gewaltig übertönen!' Und wenn am Merieelen-Tage und am Totensoiintag so manche Mutter int heißen Gebet vor dem Bild des lieben «En rang, den sie dahin gab, und irre suchend ihre ßkelc aursandte in bie blutigen Gefilde, wo man ihn bettete: Wer weiß wo? — und dann das böse, bittere
„Umsonst* Qual und Zweifel noch bitterer machen will, so wollen wir ihr baS Wort sagen, da» Wart, da? sie stehen lassen sollen, fie, deren schwung- stier MammonSgeist und seelenloser Genußwille er mât gesagt haben möchte, da» stolze Wort, das eine tische Mutter sprach, als sie die Botschaft vom Tode ihre? Sohne» erhielt: „Dazu habe ich ihm ja das Lebe« gegeben, daß er eS in der Stunde der Gefahr für sein Vaterland opfern könne'.
Auf Euch aber, Ihr Jungen, Ihr Schüler richtet dities Bild in erster Linie sein steinernes, sein ehernes GM. Da» Geschlecht, baS 1914 in die Gräben stieg, ist niebergetreten von dem grossen Würger, dem Krieg, aber eS erlebte, eS erfuhr an sich die ungeheuere Erschütterung der Seele, den ©egest einer Begeisterung bei Tat, nicht der Wortes, der klingenden Reden»- artm, der Schlagwörter, sondern der Tat, ber schlichten, selbstlosen Tat. Die „Phrase" zerstob, die Lüge vcr- stoch fick, die Schlacken ber Alltäglichkeit, die uns alle bändigt fielen ab und in übermenschlichem Schwung erhob sich ber Deutsche über sich selbst. Wir wollen heute nicht darüber rechten, warum das aK^6 vergehen mußte, sarum der jauchzende Schlachtruf der Jugend von 1914 schließlich in Hunger und Web auSklinqen und iin Stöhnen und Wimmern von Millionen von Sterbenden und Wunden ersticken mußte. Sagen wir, e» war unser Schicksal 1
Aber wer es erlebt, wer auf jene Höhen deutschen Enivfindèn« seine Seele Hinaufbob, der kann im Leben nie verarmen; es Wirb ihn nie wieder lorlaffen, und mögen auch Tage unb Jahre kommen, wo er eS verleugnen möchte. „Sage nickt, daß das Gute jemals stirbt !" Weh, Wenn wir dieser Glauben« nicht mehr leben dürften. Eure Lehrer, Eure Mitschüler waren t8, Eure Kameraden: DaS prägt Euch tief in Eure Herzen ein und handelt danach, Ihr Jungen!
„Das ist der Sinn von diesem großen Sterben; Ihr, die Ihr jetzt noch lebet, merket gut: Die großen Zeten wollen große Erben; ihr Todesmut will wissen Lebensmut. Ihr ungemeines opfernder Verrichten, bewirkt ein neues Maß für unsere Pflichten! Und weh dem, der jetzt nicht liebt unb tut", so mahnt Euch ein Dichter dieser Tage, so «ahnt Euch da» Mal vor M, da« ist der innere Sinn der Namen, die dort
mgegraben sind.
Unheildrohend sind die Zeichen der Zeit; da» neue Maß der Pflichten, von dem der Dichter spricht, und las Vergangenheit und Zukunft von Euch verlangt,
Seins mir heutiger Jugend ferner denn je zu liegen. Vormittags bemerkte eu ^ip froh, wenig zuversichtliâ, m » um
Mt Herz, der in Euch Zukunft bereiten soll. Der 2e«ommcn wur»e, dciß L<
Aldgeist, daS widerliche Scheinwesen unserer Tage hat Ätz viele von Euch vergiftend angehaucht. Viele von Euch führen da« Wort „Deutschland" im Munde und
«dünkt mich manchmal wie eine Lästerung der Hei- liiften. Da« Wort „Deutschland" sei wie ein Gebet aus Euren Lippen, das den innersten Wunsch, dat Lehen der Seelen zum Ausdruck bringt. Dieser Gebet kürde alle» Unechte al» Böse» von Euch abwehren, er »ürde zur Schärfung der Gewissenhaftigkeit werden; einigt alle Parteien, er ist da» Zauberwort, das M Frieden bedeutet.
\ Mag sein, daß ich zu düster sehe: Eure Taten sollen mich eines besseren belehren. Und so rufe ich Luch vor Mtni Ehrenmal der Gefallenen, vor den Bildern der Mitx Uhlands Worte zu:
Geht hin, bereitet Euch, gehorchet still;
Ihr seid das Saatkorn einer neuen Welt.
Das ist der Weihcfrühling, den Gott will!
Als Vertreter des Lehrerkollegiums sprach Herr Oberstudienrat Dr. Raufenberger, °er nochmals all der lieben Schüler gedachte, fielen und die er alle mit einer Ausnahme M heranwachsen sehen. Rühmende Worte Nachrufs widmete er den jungen Lehrern â. Kötting, Dr. Küster und wissenfch. Hilfs- ichrer Weyer, die früher einmal oder bei Be- 8'nii des Kampfes dem Verbände der Schule gehörten. Seine Worte klangen aus in den ^lahntuf an das junge Geschlecht, ihre Seelen »icht den Parteien zu verschreiben, sich fern zu ^lten von Parteizersplitterung -Hader und Mist und allezeit Herz und Sinn nur zu rich- N auf das Wohl des Vaterlandes. Für den herein ehemaliger Oberrealschüler sprach Herr
.?n* Treusch, für den Magistrat Herr Oberbürgermeister Dr. Blaum, für den Mternbeirat Herr Polizeiobersekret. Schmidt, N die Schülerschaft der Oberprimaner Hopp, d Worte klangen aus in der Mahnung: "-Wein Volk, vergiß die teuren Toten nicht" ab in dem Versprechen von feiten der Schüler, l F würdig zu erweisen der gefallenen Helden.
^r Herr Direktor dankte in seinen Schluß- orteri allen den hochherzigen und edlen Spen- \.tn> die die Schule in Stand setzten, ein so wür- , 8es Ehrenmal zu beschaffen, dankte in herz- dorten dem gottbegnadeten Künstler in, d i m b u r g , der, selbst ein Zögling dieser . Wait, auf den sie berechtigten Stolz hat, is"?.ein Sohn unserer Stadt, seine hohe Künst- in den Dienst der Schule stellte; er z;auch den Herren Bauunternehmern 6 es , Wörner und Kellermann tl I wen beiden Arbeitern, die die Einmaue- a ' 9 des Steins in der linken Seitenwand des W^inganges ermöglichten. Der Schluß stimmungsvollen und würdigen Feier g.,? gebildet von einem von Herrn Liese Wmi, vom Schülerorchester und -Chor vor- ^^agenen Tonstück, dessen orchestraler Teil, — Klage — Ergebung ausdrückend, die IjÄ'WÖW Akkorde des alten deutschen Volks- wtS "mwhufte: Kein fchön'rer Tod ist in der wer vorm Feind begraben.
die & J.lei®eile war das Denkmal entoüflt und Kranze niedergelegt worden. Der Dar-
stellunq des Künstlers liegt ein aus der germanischen Mythologie geschöpfter kerndeutscher Gedanke zu Grunde. Germanisches Ornament in schönen kräftigen Formen, wie es einst die alten Schlachtschiffe der Wikinger Helden zierte, umrahmt das aus rotem Mainsandstein bestehende Ehrenmal. In dieses Ornament ist mit den Daten der Dauer des Krieges und dem eisernen Kreuz ein Mittelbild aus Bronze eingeschlossen. Es stellt eine Walküre als gepanzerte Reiterin mit Lanze und Flügelheben dar. Diese Schlachtenjungfrau ist von ihrem Rosse gestiegen, sie neigt sich zu dem an einer gewaltigen Eiche niedergebrochenen Helden, dem sie al» letzter Zeichen der Ehre für sein tapferer Verhalten einen Lorbeerkranz zu Füßen zu legen im Begriffe ist. Das edle Streitraß beugt teilnehmend den Kopf zu dem sterbenden Krieger, der so tapfer für König und Vaterland gekämpft hat, bis er durch sein gebrochener Schwert, das er noch bis zum letzten Atemzug in nerviger Faust hält, kampfunfähig an der deutschen Eiche niedergesunken ist.
Unter dem Relief befinden sich die Namen der gefallenen Lehrer und Schüler, darunter in der Mitte ein Medusenhauvt als Kriegsmaske, aus deren Schlangenhaaren sich valmeitenartiges Ornament entwickelt und zu beiden Seiten des Ehrenmals einen wirkungsvollen Abschluß bildet.
Die Idee zu dieser Darstellung verdankt der Künstler nach eigenem Geständnis. seinem einstigen verehrten Lehrer, dem Pfarrer Israel, der die deutsche und griechische Mythologie so fesielnd zu erzählen verstand, daß bei den Knaben ein tiefer, nachhaltiger Eindruck entstand.
Eine solche Darstellung, wie die der Gedenktafel, soll die Jugend ergreifen, bilden und zum Nachdenken anregen. Denn durch die Schönheit des Gedankens und der Darstellung wird der sinnliche Mensch zur Form und rum Nachdenken geleitet und durch die Schönheit wird der geistige Mensch zur Materie zurückgefübrt und der Sinnenwelt wiedergegeben.
Aus Nah und Fer«.
Meerholz, 31. Jan. In der Nacht vom Mitt- woch zum Donner»tag wurde in die hiesige Schloßkirche ein Einbruch verübt. E» wurden die Tauf- geräte gestohlen. Die Altardecke wurde zerschnitten und das goldene Filigrankreuz derselben gestohlen, die Reste der Decke fand man im Schloßgarten. Von der Altarbibel wurden die silbernen Beschläge abgerissen und gestohlen. Die silbernen Altargerâte waren den Dieben nicht erreichbar, da sie andern Orte» verwahrt werden. Von den Dieben hat man keine Spur.
Offenbach, 1. Febr. Der Gürtler Wilhelm Ha«, Geleit-straße 58, begab sich gestern früh vor Tageranbruch an den Main, um zu fischen. Im Laufe deS
Vormittags bemerkte ein anderer Fischer im Hafen
)en mit Hebenetz, weshalb an- itr»e,_ba& der Besitzer dieser Gegenstände an der fraglichen Stele ertrunken sei. Beim Absuchen
wurbe diese Annahme bestätigt und die Leiche des Verunglückte» gefunden.
Ottweiler, 30. Jan. Eine Wilderer-Affäre spielte sich in der vergangenen Woche im Walde zwischen Hangard und Münchwies ab. Der staatliche Oberförster Schulz von Neunkirchen und der Forsteleve Röder von Spieserhöhe stießen beim Begehen des Reviers auf Wilderer. Der Forstbeamte rief einen von ihm Gesichteten an, worauf dieser stehen blieb und sein Gewehr wegwarf. Als der Beamte zur Festnahme schreiten wollte, krachte plötzlich aus der Nähe, von zwei sich versteckt haltenden Wilderern Schüsse und der Forsteleve wurde durch einen Schuß in den Arm verwundet. Oberförster Schulz erwiederte sofort das Feuer und ein Wilderer wurde durch einen Bauchschuß sofort getötet. Die beiden anderen Wilderer ergriffen die Flucht. Der erschossene Wilderer heißt Hau, ist 21 Jahre alt und stammt aus Münchwies. Die Geflüchteten find Brüder des Erschossenen.
Sooden, 30. Jan. Nachdem die Verhandlungen zur Umbildung unseres Bades in eine Aktiengesellschaft, die unter Führung zweier Herren aus Witzenhausen geschehen sollte, gescheitert sind, will man jetzt einen neuen Weg gehen und das Bad in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umbilden. Der Abschluß des letzten Jahres war ein solcher, daß die Ge- meined die Last des Bades nicht mehr tragen kann, zumal auch noch große Kosten für drin- gende Jnstandsetzungsarbeiten sich nicht länger aufschiebeu lassen. Im übrigen haben ja viele Bäder den gleichen Leidensweg zu gehen, erwähnt sei nur Homburg v. d. H., das über die verschiedenen Gesellschaftsfornien wieder bei der Uebernahme des Bades durch die Gemeinde angekommen ist, da die Bewohner an einer Erhaltung des Bades selbst am meisten interessiert Imo.
Politische Nachrtchren.
Die Knebelung der Deutschen Schule.
Im Reichstag wurde gestern ein Antrag aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten behandelt, ber Einspruch erbebt gegen d i e B e e i n t r ä ch t i- g n n g des S ch u I b e tr ie b s tm Ruhrre»icr durch die Besatzungstruppen: Die Reichsregierung wirb zu scharfem Ernivriich aufgeforbert.
Abg. Schreiber sZentr.) weist besonders auf die Beschlagnahmen in Dorimunb, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Ncuß, Mörs ustp.hin, wo Hunderte von Sckul- ilasscn geschlossen wurden und Tausende eoii Schülern ohne Unterricht sind. Auch Krankenhäuser wurden mit Beschlag belegt. In Duisburg werden von den Angehörigen der Besatzungstruppcn ^rei Liter Milch pro Tan und Kopf gefordert, luährend für unsere unter» ernährten Kinder höchstens dreiviertel Liter vorhanden sind. Der Redner fordert das Ausland, namentlich bie Quäker, zum Emipruch gegen den gewaltsamen Eill-ruch im Westen auf. — D r Antrag wird ohne AliSiprache einiiimmig angenommen.
Es folgt die zweite Beratung eines Gesetzentwurfs der
die Gemeinden zur KleinrentnerfÄrsorge verpflichtet.
Staatrsekretär Dr. Geib begründet namens^ beS Arbeitsministeriums die Vorlage und erklärt, ba; Stesch habe bereits 2'/, Milliarden Mark für die Kleinrentner ausgegeben und jetzt weitere 5 Milliarden Mark aus» geschüttet.
Ministerialdirektor von Sch lieben lehnt namen» des Finanzministeriums den Ausschußantrag ab, der die Beteiligungsquote der Gemeinde« an den Kosten von 20 auf 10 Prozent herabsetzen will.
Frau Abg. Schröder (Soz.) erklärt sich grundsätzlich für die kommunistischen Anträge aus Einführung einer allgemeinen Volkskürsorge, beschränk sich jedoch auf den Vermittlungsantrag, die Fürsorge auf diejenigen auSzudebnen, die zwar nicht an Kapitalbesitz, wohl aber an sozialer Stellung den Kleinrentnern gleichstehen.
Abg. Oberfohren (Dnat.) beantragt, daß die Fürsorge sich nach Art und Umfang derjenige» für die Sozialrentner anzugleichen hat. In den Richtlinien müßte der Rückgriff auf Vermögen, auf Hausrat und andere bewegliche Gegenstände ausgeschlossen sein.
Abg. Frau Dr. Matz (D. Vp.) hält eine Individualisierung der Fürsorge für notwendig. Kleinrentner und Sozialrentner stehen sich gleich. Beide sind durch die KriegSfolgen auf da» härteste betroffen. Beide leiden unter der Geldentwertung. Die ganze Vorlage sei ein außerordentlicher Fortschritt zur Erhaltung deS deutschen Mittelstandes.
Abg. Dr. K ü l z (Dem.) stimmt dem Gesetz zu. Er verhindere die ungeheure Katüastrophe im Mittelstand. Die Tragödie de» deutschen Kleinrentner» sei geradezu erschütternd.
Darauf wird der Gesetzentwurf unter Ablehnung der «bändernngSantrsge in der AuSschußfaffung a n - g e n o m m e n. Angenommen wird entsprechend ein gemeinsamer Antrag, die Beteiligungsquote der Be- meinben an den Kosten wieder auf 20'/. festzusetzen, wie es die Regierungsvorlage vorgesehen hatte. In dieser Form wird das Gesetz auch in dritter Lesung einstimmig angenommen.
Nunmehr wird die zweite Lesung der
Jugend-erichtsgesetzes fortgesetzt. In der wiederholten Abstimmung über § 40 wird der Antrag Beyerle (Bayer. VolkSP.) auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage, wonach die Länder die Jugendgerichtshilfe privaten Vereinigungen übertragen können, mit 135 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Er bleibt bei der Ausschußfassung, wonach die Jugendämter diese Tätigkeit ausüben. Auch der Rest des Gesetze? wird in der AuSschußfaffung angenommen. Die dritte Lesung kann nicht stattfinden, da Widerspruch erhoben wird.
DaS Gesetz über die Berücksichtigung der Geldentwertung in den Steuergesetzen geht an den Steuer- aurschuß.
Die wirtschaftlichen Folgen der fran- zöstschen Politik.
Paris, 31. Jan. Zur Beurteilung der Folgen der Ruhrabenteuers für die französische Wirtschaft sind folgende Ziffern nicht ohne Jn- tereffe: Die Zahl der im ostfranzösischen Industriegebiet stillgelegten Hochöfen, die sich in der adgelaufenen Woche auf 13 belief, ist nach dem „Jntransigeant" inzwischen bereits auf mehr alr 30 gestiegen. Der Preis für Zechenkoks, der auf den Msnat Februar für das den Hütten zustehende K»n- tingent auf 110 Franken und für die über dar Kontingent hinausgehende Menge auf 155 Franken die Tonne festgesetzt war, ist mit Wirkung ab heute auf 150 bezw. 200 Franken er- höht worden.
Zu gleicher Zeit setzt der Franc seine für kurze Zeit unterbrochene Abwärtsbewegung in beschleunigtem Tempo fort. Dar Pfund, dar Anfang Januar auf 62,80 stand, erreichte an der heutigen Börje vie Rekordhöhe von 78.50 und ist nachbörslich auf etwa 80 gestiegen. Der Dollar ist in der gleichen Zeit von 13.50 auf 17 emporgeschnellt.
Besetzung von Zollamlern.
Düsseldorf, 31. Jan. Die Zollämter Hubertu? und Haien, sowie bie dazu gehörigen Unterstellen sind heute von den militärischt» Bciatzungtdehörden militärisch besetzt worden. Ferner wurden »le folgenden Zollämter bcictzt: Hauptzollamt Neuß, Zollamt Neuß- Hafen, Hauptzollamt M.-Glodbach, Zollamt Krefeld' Hafen und Zollamt Duisburg-Parallelhafen. Sämtliche deutschen Zollbeamten haben darauf ihren Dienst eingestellt, sodag der Betrieb völlig stilliegt.
Ruhrbesetzung und Völkerbund.
Paris, 1. Febr. Der Amsterdamer Berichterstatter des „Echo de Paris' schreibt, daß der schwedische Ministerpräsident Branting die Frage der Ruhrbesetzung vor dem Völkerbund bringen werde.
Letzte Telegramme.
Der Eisenbahnerstreik in Essen.
Essen, 1. Febr. Nachdem gestern der Präsident der Reichsbahndirektion Essen und seine sämtlichen Vertreter und eine Reihe weiterer oberen Beamten ausgewiesen worden sind, hat heute der Präsident der französischen Feldeisen- bahnkommission dem Dezernenten eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: Gestern hätten mehrere obere Beamte der Reichsbahndirektion bestraft werden müssen, weil sie den Befehlen des Generals Degoutte nicht nachgekommen wären, darunter auch der Präsident und fein Vertreter Richtsteig. Es werde daher gebeten, einen Vertreter zu bezeichnen, an den sich die Unterkommission wenden könnte. Hierauf wurde folgende Antwort erteilt: Gegen die Bestrafung von acht höheren Beamten durch Verhaftung und Ausweisung wird namens der gesamten Beamten und Arbeiterschaft die schärfste Verwahrung eingelegt. Das gestellte Ersuchen wird dahin 'beantwortet, daß die übriggebliebenen Beamten weder befugt seien, bie Präsidial- geschüfte zu übernehmen, noch das Recht hätten, Vertreter des Präsidenten zu bestimmen, daß jedoch der Oberregierungsrat Abel als derjenige bezeichnet werde, welchem Mitteilun-
gen gemacht werden könnten. Die Franzose* nahmen diese Erklärung zut Kenntnis. — Sei Streik der Eisenbahner im Bezirk dauert fort
Essen, 1. Febr. Der gesamte Post -, Telegraphen- und Telephonver- kehr liegt hier noch brach. Es ist unbestimmt wann her Verkehr wieder ausgenommen mirir
Die Saatbergarbeifer beschließen den Streik.
Paris, 1. Febr. Wie das „Oeuvre" aus Metz meldet, hat in Saargemünd eine Ver- ammlung der Bergarbeiter des Saargebiete« tattgefunden, in der beschlossen wurde, zwi- chen dem 1. und 5. Februar in den Ausstand zu treten. Das Blatt kündigt den Ausbruch des Streiks, an dem etwa 75 000 Bergarbeitei beteiligt sein werden, für heute an.
Demonstrakionen in Königsberg.
Königsberg, 1. Febr. In den gestrigen Abendstunden ist es vor dem Zentralhotel am Paradeplatz zu eins« großen Kundgebung gegen die dort wohnenden französischen Offiziere der Interalliierten Kontrollkommission gekommen. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge verlangte nach dem Absingen vaterländischer Lieder den Abzug der französischen Offiziere. Als die erregte Menge sich anschickte, in das Vestibül des Hotels einzudringen, ging die Polizei vor und drängte die Demonstranten zurück. In der zehnten Abendstunde war fest Platz vor dem Hotel von der Polizei geräumt und die zu dem Platz führenden Straßen abgesperrt. Einzelne geschlossene Trupps zogen noch in den späten Nachtstunden unter dem Gesang der „Wacht am Rhein" und dem „Deutschlandlied" durch die Straßen. Auch vor dem Hotel „Kreutz", wo Angehörige der Interalliierten Kontrollkommission untergebracht sind, wurden Kundgebungen veranstaltet.
«Uglands Schulden an Amerika.
Annahme der amerikanischen Bedingungen.
London, 1. Febr. Reuter melbet amtlich: Die britische Regierung hat die amerikanischen Be- »ingunge» wegen der Rückzahlung der britischen Kriegsschulden an Amerika angenommen. Die Bedingungen lauten 3 Prozent Zinsen während 1( Jabren, danach 3'/, Prozent. Ferner eine Ablösung«' zahlung von V, Prozent und Rückzahlung bei gesamten Schuld binnen 62 Iabren.
Vereine, Versammlungen.
* But«b. Freitag ben 2. Februar, abends um 8 Uhr, Monatrbersaminlung im Lereinslokal „Löwen- gârtchen', Vorßadt 1. 195
* Verein «hem. ««meraben der Verkehrs- truppen. Samstag den 3. Februar, 8 Uhr abends, tteÄSÄ M .LeremstolKl -MMM^ Äntg', SaiidelSamm 12. 196
♦ Z. d. A. — Jugend, greitag den 2. Febr., abend» 8 Uhr, Zusammenkunft im Gewerkschastrhaus. Vortrag deS Herrn Best über Bühnenkunst. 221
* Jugendbund im «. D. A. Der geplante Ausflug findet wegen schlechter Witterung nicht statt. Donnerstag Sitzung. Um vollzählige» Erscheinen wird gebeten. Freunde und Gönner sind herzlichst eingelaben. Aurflutz findet Donnerstag ben 8. Febr. statt. 1134
* 1» H K.-E. 98. Am Sonntag een 4. Febr. ft,10 Uhr findet im Bcreinrlokal eine Sitzung sämtlicher Au»>chüffe de» 1. H. F.-C. 93 statt. Infolge wichtiger Togrsorbnung ist »a» Erscheinen aller AuS-
ichußmitglieder dringend erforderlich.
222
Sammlung für das Ruhrgebiel.
Zur Sammlung für die durch die Besetzung »e» Ruhrgebiete« geschädigten Volksgenossen haben weiter
beigetragen:
Arbeiterinnen der Zigarrenfabrik Job. Spielmann.
Heinr. Klee, Kolonialwaren . . Heinr. Schneider . Angestellte des Kreishaulcs . . H. Gutmann, Bürgerverein . . J. S....... Dr. Otto Schwabe. . . . Ungenannt . . . . . Von einem Arbeiter . . .
W. E.......
Dr. Steinauer . KreiSbeamte unb Beamte der Landratsamte« .....
M. N....... Zeiger & Co...... Von einem gemütlichen Abend Otto Luibrand, Dentist . . . PH. Metschaa . . . . Renz...... Angestellte der Firma Ha». Seifen» fabrik I. Gioth
H. L.......
W. B..... .
A. C....... Otto Weber L Co. . . .
H. H....... Lehrer, Beamte unb Angestellte der staatl. Zeichenakademie
E. ........
L. .........
N. ........ Obertertia b Oderrealschule . . Oberstleutnant N. . - • • Quarta a der Oberrealschul« . • Angestellte deS Gaswerks . Mädchen-Mittelschule Klaffe 3 a . Erna Heusohn . - - - Leitungsauiicver d. Telegraphenamte» Firma Carl Tveodor Duft, Inh. Dust & Och« . . • • Jiigcnvgruppt »er Deutschnationale» ' Vo-kspartel. . . . . Dr. Röper..... Statute der Firma W. C. Heraeu»
Mk.
6600—
2000—
2000—
12700—
5000—
10000—
2000—
2000—
590—
500—
10000.-
44000.—
1000—
10000—
3500—
3000—
5000—
2500—
24000.-^
2000—
1000—
1000—
100000.-
3000—
41000.—
1000.— 1000,—
500—
16350.-
1000.— 10000— 14000—
8000— 1000— 9200—
10000—
4305—
5000—
625000—
Pit. lOOOuöo.— Voriger Betrag . 3965831.- Ergibt Nil. 4966486.—
Weitere Gaben werden gern entgegengenommen.
Beelaa und Nedakti»« des »Snu. U«i«i-er.",