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Donnerslaa ven 1. FebrvMt

Rr 87

Lokales.

Hanau, 1. Februar.

Neuorganisation -er ElektrizttSls« Wirtschaft.

Im Ständehaus in Castel wurde vorgestern von etwa 40 Städten und Landkreisen des Ge­bietes zwischen dem Main, dem Thüringer Wald und dem Harz, dem südlichen Hannover und bis in die westlichen Teile Westfalens hin­ein der Elektro-Zweckverband Mit­teldeutschland gegründet. Die Stadt Hanau ist dem Verbände als Gründer bei- gctreten, ging doch auch der Gedanke zur Er­richtung des Verbandes durch Umgestaltung der bisherigen G. m. b. H. Elektrovervand Mitteldeutschland und des Mitteldeutschen Elek­trizitätsrats von unserem Oberbürger­meister Dr. Blaum aus. Der Elektro- Zwcckverband Mitteldeutschland soll in der Elektrizitätswirtschaft des umschriebenen Ge­biets als höherer Kommunalver­band für die Elektrrzitätswirt- fchaft fungieren. Als solcher sind ihm der Großeinkauf, die Verteilung und Preisfest­setzung des Stromes im großen für die unteren Kommunaloerbände (Städte und Landkreise) übertragen worden. Gleichzeitig ist er, gemein­sam mit dem preußischen Staate zu gleichen Teilen Träger und Inhaber des seiner Fertig­stellung entgegengehenden Groß-Kraft­werkes Main-Weser bei Borken Er vertritt durch seinen Vorstand als Mittel­deutscher Elektrizitätsrat dem Staat und dem Reich gegenüber die Interessen seiner Mitglieder in der Elektrizitätswirtschaft.

Die große Bedeutung der Gründung gab dem Oberpräsidenten unserer Provinz, Erz. Dr. Schwander, Veranlassung, die Grun- dungsversammlung im Ständehaus persönlich mit einer dem Gedanken und den Zielen des Elektro-Zweckverbandes aufs lebhafteste zu­stimmenden Rede zu begrüßen, in der sich der Herr Oberpräsident besonders für die durch die Neugründung verwirklichte Zusammenschlie­ßung der Städte und unteren Kommunalver­bände zur Organisation der Elektrizitätswirt­schaft von unten her auf Grund ihrer techni­schen und wirtschaftlichen Bedürfnisse, im Gegensatz zu mancherlei Gesetzgebungsplänen der wirtschaftlichen Organisation von oben her, aussprach. Die Gründungsversammlung schloß einen Kartellvertrag mit dem Freistaate Waldeck, dessen Gebiet damit in die mittel­deutsche Elektrizitätswirtschaft des Verbandes eingegliedert wurde. Sie beschloß ferner die Herausgabe einer wertbeständi­gen Braunkohle nanleihe im Wert von 250 000 HW

4^ Milliarden Mark) zur Vollendung des Kraftwerkes, des modernsten und vollendetsten Braunkohlen-Kraftwerkes Deutschlands (errich­tet von der A. E. G.). Zum Verbands- vorsteher wurde Herr Dr. Voßberg, Verbandsvorsteher des Ueberlandwerkes Eder- Talsperre, gewählt. Der Vorstand von 10 per­sönlich von der Versammlung gewählten Her­ren setzt sich aus Wirtschaftspolitikern, Inge­nieuren, Kaufleuten und Verwaltungsbeamten zusammen. Oberbürgermeister Dr. Blaum wurde zum Mitglied des Vorstandes gewählt.

Im Verbands^usschuß des Elektro-Zweck­verbandes Mitteldeutschland wird die Stadt Hanau durch den Oberbürgermeister bezw. seinen gesetzlichen Stellvertreter, sowie durch ein Mstglied der Stadtverordnetenversamm­lung (z. Zt. Herr Dr. W a g n e r), bezw. als

Das Haus auf dem Berge.

Roman von F r i tz G a n tz e r.

30, Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)

--Sie kamen als die letzten. Apelt empfing sie, feiner Freude Ausdruck verleihend, und bat, sie dem Künstler vorstellen zu dürfen; der internen Veranstaltung sollte eine durch­aus persönliche Note gegeben werden.

Während sie im Mittelgang nach vorn schritten, überflog Gesevius die in der Nähe Ärs Podiums versammelte kleine Schar. Kaum ein Dutzend, außer etwa zwei Gesichtern, die er schon häufiger gesehen, aber nicht recht unter­zubringen wußte, lauter Bekannte. Wo hätten auch auf Jlfingens engen Grenzen Unbekannte für Konrad Gesevius herkommen sollen!

Ludwig Hartmann, der im Gespräch mit Pfarrer Crudelius stand, beobachtete das Näherkommen Konrads und Mariannes. Kon­rad sah, daß er sich von dem Pfarrer verab­schiedete und ihnen entgegenschritt.

Apelt brauchte gar nicht in Tätigkeit zu treten. Noch zwei Schritte entfernt, rief Lud­wig schon:Ein besonderes Vergnügen! Guten Abend, Herr Amtsrichter!" und streckte Konrad die Hand hin.Ich hatte ja schon gestern mit Ihnen die Ehre." Sein Blick flog zu Ma­rianne.Meine Frau", machte Konrad be­kannt.

Ludwig verneigte sich tief.Es freut mich aufrichtig, gnädige Frau."

Damit schien sein Interesse für Marianne erledigt zu sein. Er sah an ihr vorüber und fragte Apelt, ob noch andere Herrschaften zu erwarten wären, und als dieser verneint hatte, verbeugte er sich kurz und förmlich Konrad schien es gemacht förmlich und bat, Platz zu nehmen. Als Konrad und Marianne an ihm vorübergegangen waren, folgte er mit Apelt und erschien dann gleich auf dem Podium, wo seine aus einem Tisch liegende und mit einem Seidentuch sorglich zugeoeckte Geige auf. ihn wartete.

Stellvertreter ein Mitglied des Magistrats (3. Zt. Herr Stadtrat Dr. Heraeus) ver­treten.

Angeheure Erhöhung -es Zettungs- -ruckpapierpreifes.

Der neue Zeitungspapierpreis für Februar wurde im Reichrwirtschastsrat nach mehr­stündigen Verhandlungen auf 1170 Mark pro Kilo festgesetzt. Das ist dar Doppelte des Januarpreises und bedeutet eine neuerliche un­geheuere Belastung der Zeitungrgewerbes.

In der Vorkriegszeit kostete eine Wagen­ladung Druckpapier 2000 Mk.

Oktober 1922 830 000

November 1922 1 620 000

Dezember 1922 4 450 000

Januar 1923 6 000 000

Februar 1923 freibleibend 11700 000 Unter diesen Umständen ist er für jeden Tin. sichtigen klar, daß die Zeitungsverleger ge­zwungen sind, ihre Vezugr- und Anzeigenpreise wenigstens einigermaßen der Teuerung anzu- pasien.

* Anderrveite Festlegung der Abgabezeiten für Gas. Auf Grund einer von Herrn Ober­bürgermeister Dr. Blaum auf gestern vormittag 11 Uhr einberufenen Besprechung mit Vertre­tern der Industrie, des Handels und der Arbeit­nehmer wurden die Abgabezeiten für Gas von Freitag, 2. Februar ab auf vormittags 69 Uhr, mittags 111 Uhr und abends 69 Uhr bis auf weiteres festgesetzt, um gleichmäßig so­wohl den Haushaltungen, als auch der Industrie die Benützung des Gases für ihre Zwecke zu er­möglichen. Es wird gehofft, daß es den bereits eingeleiteten Bemühungen gelingen möge, noch rechtzeitig Kohlen für das Gaswerk wenigstens in der Menge zu beschaffen, daß eine weitere Verschärfung der Sperrstunden nicht Platz greifen muß.

Personalnachrichten. Die Obersteuer­sekretäre Lewitzki, Willmann und Pohl beim hiesigen Finanzamt wurden zu Steuerinspek­toren ernannt.

* Güterverkehr nach dem besetzten Ruhrgebiet. Mitteilungen über Einschränkungen liegen auf der Handelskammer zur Einsichtnahme auf, ebenso über die erforderlichen Umleitungen nach entfernteren Bezirken und nach Holland.

* Die Gükerannahme nach dem besetzten Ge­biet im Eisenbahndirektionsbezirk Mainz ist wegen Stillegung des Betriebes auf allen dor­tigen Stationen gesperrt.

* ätadttheater. Heute 7% Uhr unwiderruf­lich letzte Widerholung der OperetteMascott- chen", die bei jeder Aufführung mit großem Bei- saU

Freitag, 2. Februar, 7% Uhr (5. Vorstllg. im Freitagabonn.)Die schöne Galathee", hierauf Brüderlein fein".' Samstag, 3. Februar, 7/4 Uhr, Wiederholung des SingspielsDer ersten Liebe goldene Zeit" von Gilbert zu er­mäßigten Preisen. Mit Dienstag. 6. Februar wird die zweite Rate der 2. Abonn.-Serie fällig. Die Abonnenten werden gebeten, bal­digst ihre Abonn.-Karten zwecks Abstempelung im Theaterbüro in den Stunden von 101 Uhr und von 47 Uhr vorlegen zu wollen, um un­nötigen Andrang zu vermeiden.

* Vordrucke für die Vermögens« und CintommensteuererklSrungeu an Steuer- pflichtig« werden mit Rücksicht auf da» dem Reichs­tage vorliegende Geldentwertung-gesetz vorläufig nicht vom Finanzamt übersandt bezw. aurgegeben. Die Ausgabe der Formulare wird später bekanntgegeben.

Das hatte Marianne für völlig außerhalb der Möglichkeiten liegend gestatten, daß eines Menschen Können aus totem Holz einer Welt Gefühle hervorzuzaubern imstande sei. Gab es etwas, das Ludwig Hartmanns Geige nicht gefr^ hätte?

Der Schmerz klagte und die Liebe jauchzte. F ende perlte in den Passagen, und Trauer btvt' im Tremolo. Nur ein gläubiges Ver­trauen in getragenen halben Tönen Ver­zweiflung '^rillte auf. Und Haß loderte. Das Glück: Es schimmerte wie Frühlingsglanz und war wie Blühen holder Blumen . . .

Jbr^ Augen hingen gebannt an feiner Ge­stalt. Sie fühlte sie wie in ein Meer versenkt, das seine Wogen um sie brausen und branden ließ. Der Welt war sie entrückt. Ihre Seele schwebte in einem anderen Lande . . .

Sie fühlte ihre Empfindungen vertieft, sie glaubte sich um tausend Schätze bereichert. Es war alles größer, vollkommener, weitspannen­der. Sie war auf die Höhen der Kunst ent­führt und trank aus ihren Quellen.

Die Person dessen, der sie zu diesen Höhen gebracht hatte, der ihrer Seele kristallenen Trunk reichte, war ihr völlig Nebensache. Lud­wig Hartmann galt Marianne Gesevius in diesen Minuten künstlerischen Erlebens nicht mehr, wie irgendein anderer, ihr völlig gleich- güIPcer Mensch.

Auch die übrigen Glieder der kleinen Kunst­gemeinde standen während der Dauer des Spiels in diesem Verhältnis zu Ludwig Hart- u^ann. Seine Kunst schaltete seine Person vollständig aus, stellte sie wie etwas Neben­sächliches beiseite, schob sie in den Schatten. Sie war gewissermaßen Requisit. Und es war das der beste Beweis für die Hochkultur feines Könnens, die Größe feiner Kunst. Es war so, wie es anders nie sein sollte.

Die einzige Ausnahme bildete Konrad Gesevius. Seine Aufnahmefähigkeit war an sich schon zersplittert, weil ein öeil seiner Aufmerksamkeit der heimlichen Beobachtung seiner Frau galt. Er saß etwas abseits, hatte

* ANkgliederverkannnlntM des Mielervereins. Der Mieterverein schreibt uns: Am 23. Januar fand in der GastwirtschaftZum Elefanten" eine Mitgliederversammlung des Mietervereins Hanau statt. Der Referent des Abends, Herr Architekt Hampe, Frankfurt a. M., behandelte in großzügiger Weise die Frage der Organisa­tion der Mietervereine. Die Mieter sollten sich an der straffen Organisation des Hausbesitzer ein Beispiel nehmen. Sodann behandelte der Referent das jetzt im Reichstag vorliegende Mieterschutzgesetz. Soll dieses Gesetz im Inter­esse der Mieter wirken, so müssen selbstverständ­lich die organisierten Mieter ihren ganzen Ein­fluß geltend machen. Die Mieter müßten die Sicherstellung des Wohnrechtes gegenüber pri­vater Willkür fordern. Der Verlust des Wohn­rechtes darf nur ein Ausnahmefall sein, dessen Vorliegen bei Widerspruch des Mieters in einem mit allen Recbtsgarantien verbundenen Ver­fahren festgestellt werden müsse. In dem Kampf um dieses Recht muß jeder einzelne Mieter mit­helfen, denn nur so werden wir den starken Widerstand überwinden. Wir müssen verlan­gen, daß der Mieter selbst mitwirkt, und daß er von seiner politischen Partei und deren Abge­ordneten für das Eintreten für den neuen Mieterschutz fordert. Der Referent wandte sich dem Reichsmietengesetz zu, daß die Mieter in vielne Fällen keineswegs befriedige. Das Ver­halten des Reichswohlfahrtsministers unterzog der Redner einer scharfen Kritik. Der Redner vertrat den Standpunkt, daß durch die Anord- ungen des Ministeriums die Wohnungen nicht erhalten, sondern immer mehr verwahrlost wür­den. Eine entsprechende Resolution wurde ge­faßt. Die Mieter sind sich einig, daß alles ge­schehen müsse, um den Bestand der Wohnungen zu erhalten. Die Mieter sind auch bereit, die Lasten auf sich zu nehmen, die zur Unterhaltung der Wohnuna unbedingt erforderlich sind, wenn den Hausbesitzern wieder die Instandhaltung der Wohnung gemäß B. G. B. übertragen wer­den. Für Instandhaltung soll hier in Hanau ein Ausgleichsfonds gebildet werden. Für die Stelle wurden besondre Beisitzer gewählt. Es sind folgende Herren: Bahnmeister Häuser, Leiyzigerstraße, Backes, Hainstraße. Ludwig, Krömersttaße, Vernet, Schnurstraße, Kirner, Nürnbergersttaße, Beyer, Lamboystraße, Rö­del, Sandeldamm (Ersatzmann). Für das lau­fende Geschäftsjahr wird noch ein Beitrag von 100 Mark erhoben werden.

* Preutz. Klaffenlotteri«. Heute ist letzter Erneuerungstag für die 2. Kleffe, woran wir noch­mals erinnern möchten.

* Branchen wir in Keffelstadt eine Krankenschwester? Die angekündigte Besprechung über FE^ffW «MW» abend bereits um V,8 Uhr im unteren Echulsaal neben der Turnhalle der Keffelstädter Schule statt.

* Diebstähle. AuS dem Hofe eines Hauses der Dechaneistraße wurde zum Trocknen aufgehängte Kinderwäfche entwendet. Ein junger Bursche, der einen zerschlagenen, jedenfalls auS einem Diebstahl berührenden TaSlüster verkaufen wollte, wurde fest« genommen.

Wetterbericht.

Mitgetelst von der Wetterdienststelle Frankfurt a. M

Die Witterung steht wieder ganz unter dem Ein­fluß warmer, ozeanischer Winde. Infolgedessen werden die milden Temperaturen, die schnell wieder eingt- treten find, weiter andauern. Geringe Niederschläge sind zu erwarten.

Vorhersage bis Freitag abend: Bewölkt, Regen- fälle. mild, Südostwind.

seinen Stuhl in dem dämmrigen Schatten eines vorspringenden Mauerpfeilers gerückt, während Mariannes Gesichtszüge durch das Licht der ein Stück voraushängenden Lampe scharf be­leuchtet wurde und jede Veränderung im Ausdruck deutlich erkennbar war.

Von Zeit zu Zeit flog ein verstohlener Blick seiner von Unruhe erfüllten Augen zu ihr. Aber er fand immer wieder dasselbe: den leicht zu­rückgebeugten Kopf, im Profil besonders rassig wirkend, was ihm heute zum erstenmal mit be­sonders klarer Erkenntnis zum Bewußtsein kam das leuchtende Augenpaar und die leise geöff­neten, burftig erscheinenden Lippen. Ihre Hände lagen leicht verschlungen im Schoß und bildeten mit ihrem zarten Weiß einen eigenen Kontrast zu dem Dunkelblau des Seidengewan­des. Konrad Gesevius wußte sich überzeugt: sie genießt, ihr Ohr trinkt Töne, ihre Seele lebt im Lande der Kunst. Ein tiefer Atemzug der Beruhigung, heimlich verhaucht, ging über seine Lippen.

Aber er selbst kam zu keinem Genuß. Wenn sein Auge Mariannes Gesicht verließ, wanderte es zu dem des Künstlers.

Was war es nur, das Konrad immer wieder dazu zwang, die Züge des Künstlers zu stu­dieren und in ihnen zu suchen? Das dazu Trei­bende war von einer derartig suggestiven Ge­walt vorhanden, daß er ein leises Grauen vor sich selbst empfand.

Es peinigte ihn derart, daß er schließli^ nicht mehr die Fähigkeit zu besitzen glaubte, den Künstler anzusehen. Er schob seinen Stuhl leise und unbemerkt etwas zurück, um den Rücken des vor ihm sitzenden Pfarrers wie eine Art Schild zwischen sich und das Gesicht Lud­wig Hartmanns zu bringen. Wenn er sich nun etwas zusammenduckte und den Kopf neigte, dann fanden seine Blicke den schwarzen Rock seines Vordermannes.

Er war durch die Verschiebung dicht neben den Bürgermeister zu sitzen gekommen. Trell- mann benutzte eine Pause zur Anknüpfung einer Unterhaltung.

Einweihuna des Ehrenmals

für die gefallenen Schüler der Oberrealschule. -

Nach Ueberwindung unendlicher Schwierig, - feiten konnte die Einweihung des Gedenksteins endlich am letzten Montag nachmittag 3 Uhr j vor sich gehen.

Zu der Veranstaltung waren die Eltern der gefallenen Helden sowie die Freunde der Anstalt eingeladen. Der ernsten Feier ent« ; sprechend hatte der Saal eine sinngemäße Aus- - stattung erfahren: dunkles Tannenreisig, Efeu- gerank und edler Lorbeer umschlang die Bilder i der 14 jugendlichen Kämpfer, die in stürmen­der Begeisterung von der Schulbank aus in den i Krieg zogen, Girlanden wanden sich um die j Tafel, die die Namen jener mehr als 140 i Kämpfer enthält, die bei Ausbruch des Welt- : krieges die Oberrealschule schon verlassen hatten ; und die, teils aus dem Berufe, teils aus der : Ausbildung gerissen, in den Krieg zogen und den Tod vorm Feinde starben.

Die Feier wurde eingeleitet durch die feier­lichen Weisen eines Präludiums. Alsdann sang der Schülerchor dasRequiem" von Hellwig. Mehrere Schüler trugen Gedichte vor. Herr Obst, der die große Liebenswürdigkeit hatte, seine geschätzte Kraft in den Dienst der guten Sache zu stellen, sang zwei Lieder: Kamerad von O. Hübner und Ruhu in Frieden alle See­len von Schubert. Darauf rauschten die Klänge ; des Beethovenschen Trauermarsches durch den Saal. Das Schülerorchester trug das Andante aus Trio VI von Jos. Haydn vor. Der Leiter der Anstalt, Oberstudiendirektor Dr. O st, er­griff alsdann das Wort zu einer Gedächtnis­rede, in der er u. a. etwa folgendes ausführte:

Er geht wie ein unendlicher Zug durch die beutst Geschichte, der un» schon entgegenklingt au» Urväter Weisheit:Besitz stirbt, Sippen sterben, du selbit stirbst auch wie sie, doch ewig lebt der Toten Taten­ruhm'. Dieser Geist hat sich auch im Weltkriege ge­zeigt. Soll man es glauben, daß dar lebend «e- schlecht so klein und weich geworden ist, daß er ver­gessen kann, war er vollbracht und gewollt hat? Totter unerforschlicher Ratschluß hat uns nahe dem Ziel in die Tiefe gestoßen. Doch nicht» im Weltge­schehen ist umsonst, alles sind Saaten in die Zukunft. Das Gedenken an unsere Helden wollen wir nicht von parteipolitischen Wertungen trüben, nicht alte Wunden sollen aufgerissen werden, vielmehr soll el in dieser Stunde, wie ein froher Hoffnun«»strahl aus­blitzen, daß ein Volk, das solche Taten, solche Männer, solche Jugend sah, wohl eine Zeit lang taumelnd zagen kann, doch niemals sich aufgeben wird und darf

Unbesiegten Helden wollen wir ein Gedächtnirnial heute errichten, in Mut und Hoffnung unbesiegt un­besiegt, und wenn auch der Friede unterschrieb, daß das Ende dieser Krieges ein besiegtes Volk und be­siegtes Reich hinterläßt.

In stolzer Trauer wollen wir uns heute vor den Geistern unterer jungen Helden 'nffDn 'Nnd auch noch einmal weh aufzucken wird in manchen wunden Herzen bei Namen des Sohnes, des Bruders, der Freundel Heiß zwar wird es in uns allen sich aufbäumen und aufwühlen, wenn auch heute die alten Bilder vom August 1914 aufsteigen, als wäre das alle» ein Traum nur gewesen; damal» als ans

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Stadttheater Blanau

Direktion: Joh. Poetsch. Telephon 160.

Donnerstag den 1. Febr., 7% Uhr

Mascottchen

Operette in 3 Akten von W. Bromme.

Freitag den 2. Februar, 7l/2 Uhr (5. Vorstellung int Freitag - Abonnement) Die schöne Galathee

Komisch»mythol. Oper in 1 Akt von Suppè.

Brüderlein fein

Altwiener Singspiel in 1 Akt von L. Fall.

Eine wunderbare Musik, nicht wahr, Herr Amtsrichter? fragte er im Flüsterton.

Konrad neigte nur bejahend den Kopf.

Sie hätten gestern abend hier sein müssen', fuhr der mitteilsame Beherrscher Jlfingens fort Es war kein Platz frei. Der Saal war ge< rammt voll."

Nun ja, der billige Mann", glaubte Kon­rad spötteln zu müssen, während es bissig um seine Lippen zuckte.Wo es nichts kostet, ist N- fingen immer zu haben."

Der freie Eintritt war allerdings der Haupt­grund für das zahlreiche Erscheinen. Aber das glauben Sie mir, Herr Amtsrichter" Treu- manns Flüsterton nahm etwas von überzeugen­der Kraft an,wenn einer während des Konzertes mit dem Teller rumgegangen wäre und von jedem zwei Taler gefordert hatte, f6 hätte keiner gemuckst. Die Leute waren ja rein wahnsinnig in ihren Beifallsbezeugungen. Ge­brüllt haben sie, mit den Füßen getrampelt und die Hände ineinandergeschlaaen, daß einem das Trommelfell weh getan hat."

Ich danke. Das muß ja äußerst nett ge­wesen sein."

Es war etwas wüst, aber echt. Die Volks­seele liebt es, sich bei Aeußerungen des Beifalls starker Mittel zu bedienen. Heute abend gem es wesentlich gesitteter zu . . . Aber wir sind ja auch ästhetisch Genießende, wie Apelt die PU' role ausgegeben hat." Trellmann lächelte ein wenig boshaft und blickte, nach einer begutach­tenden Zustimmung suchend, in Konrads Ge­sicht. Er fand es ohne irgendwelche Aeußerung des Beifalls oder der Ablehnung. Kuy' und ernst im Ausdruck, war es ihm zugewandu Die unleugbare Aehnlichkeit mit den Züg-'ll Ludwig Hartmanns drängte sich ihm dabei nur einer bera/ unvermittelten Schroffheit^ mm daß er, wie unter dem Zwange einer Selltzn Verständlichkeit stehend, sagen mußte:Rcan könnte meinen, Sie feien mit dem Geig^ künstler verwandt, so ähnlich sehen Sie ihm« Ich habe davon neulich schon zu dem Apotheker gesprochen." Z^. solgt-i