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Seneral-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana« a. M.

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St. 20

Mittwoch den 24. Januar

1923

UM U WM MW «MU

Die Thyssen-und SiinneswerKe im Prolefistreik. Neue Ausweisungen und Lerhastungen. Festigkeit der Regierung. heraus aus dem Ruhrgebiet!

Wenn die Besatzungs-Behörden glairben, uns durch Einschüchterung gefügig machen zu können, so werden sieaufGranit beigen". Diese Schlußworte einer mann­haften und eindeutigen Erklärung, die gestern m allen Leitern der Zechen des Ruhrkoblen- bezickes abgegeben wurde, ist so recht der Aus- irui für die Stimmung, die die gesamte Be- »Akcrung beseelt. Es ist wirklich herzerfrischend, in beobachten, wie spontan sich aus den Steifen der Angestellten und Arbeiter der Wioerstand organisiert, wenn fran- zâsische Eingriffe erfolgen. Vom obersten Be­amten bis zur kleinsten Hilfsarbeiterin kennt

en

niemand Rücksicht auf sein persönliches Wohl- nzehen, wenn es entschlossener Abwehr gilt, fieber kleine En'olg, und deren sind genug zu mznchnen, stärkt den Widerstand und die Stimmung. Aller häuslicher Hader innerhalb der einzelnen Verbände ist begraben. Die politischen Gegensätze werden zu­rück gestellt, die Einheitsfront ist wirklich io über Nacht ohne Verhandlungen und ohne Kompromisse als etwas Selbstverständliches «n selbst Entstandenes. Die schwer bewaffne- m Soldaten, Maschinengewehre und Tanks verden mit einem gewissen Spott betrachtet, seit Mn weiß, wie hilflos sie gegen eisenfesten Willen âes zwar unbewaffneten, aber einigen Volkes sind. Doch man ist sich auch klar da­rüber, daß das Schwerste noch in Aussicht steht, Mi der französische Militarismus, der sich manche Schlappe geholt hat, sich jetzt mit ver- dappelter Wut austoben wird, wenn erst die neuen Instruktionen aus Paris da find, die man bereits mit größtem Pathos an­kündigen läßt. Gestern vormittag sind unter« Mfen alsProte st gegen die Verhaftung ihrer Direktoren die gesamten Arbeiter und Angestell- ten der Thyssenwerke und der Stinneszecken in ^Streik getreten, bei Thyssen 65000, bei vtinnes 100 000 Mann. Der Bahnhof vte r k r a d e liegt noch st i ll, da die Belgier Dar das Stellwerk wieder geräumt haben, die listigen Forderungen der Arbeiter aber noch W erfüllt sind. Außer dem Bahnhof Sterk- f°de haben auch noch die Beamten und Arbei- 6t der Bahnhöfe Oberhausen und M e i - derich-Süd die Arbeit niedergelegt. Die Arbeitseinstellung auf dem Bahnhof Oberhausen We die schwerwiegendsten Folgen nach sich Dhen. Sonst ist der Eisenbahnverkehr wieder ^ vollem Betrieb, da die Forderungen der »Pnbahner, wie gestern gemeldet, angenom« nen wurden. Der französische Oberst Clemen- M dem der Essener Eisenbahndirektionsbezirk unterstand, wurde infolge seinerErfolg," Drusen. An seine Stelle ist Oberst Havard, M des französischen Eisenbahnwesens in Wiesbaden getreten. Der Versand von Kohle dem Süden, Osten und Norden Deutsch- 5 geht anhaltend gut von statten.

*Namtaus|tan& bei Thyssen u Siinnes Hamborn, 23. Jan. Da die Bemühungen Thyssen Beiriebsräle um sofortige Frei- 8 Fritz Thyssens ergebnislos geblieben Ä ist Heuke früh die gesamte Arbeiter, und ^amtenschasi der Thyssenwerke (65 000) in ^ Streit getreten.

Krisen, 23. Jan. Line Abordnung der rve>ler- und Beamtenschaft der Stlnneszechen . °r gestern nach DL>:ldorf gefahren, um gegen pn ^Haftung des Direktors Spindler Protest nzulegen. Sie wurde trotz wiederholter «Uten des Regierungspräsidenten nicht emp- Nen. Heute ist infolgedessen die gesamte K er' und Beamtenschaft in den Prolesi- w^^ekreken. In Frage kommen die Zechen JWas Sünnes 1, 2, 3 und 4, Friedrich ( JMline, Vereinigte Welheim. Viktoria Mat- Ylas, Graf Beust und Carolus Magnus (ins. °« 100 000 Mann).

ta x n» 23. Jan. Die gesamte Belegschaft v»., Zechenanlagen des Essener Bergwerk- . ^eins König Wilhelm haben an den in Mainz L gOajt befindlichen Generaldirektor Wüsten-

Ier folgendes Telegramm gesandt: wj,.^!unile Belegschaft der Zechen König . 'yelu, joUt Ihrem Verhalten größte Vewnn- d^ung und ist stolz darauf, einen solchen kern- Veii ruann an ihrer Spitze zu haben. Ihr fa» 'e* soll uns veranlassen, ebenfalls das zu was das Vaterland von uns erwartet.

e" ab

Neue Ausweisungen u. Verhaftungen

Speyer, 23. Jan. Der Regierungsrat der Pfalz, Herr v. Chlingensberg, hat heute vormittag IOK Uhr vom französischen Bezirksdelegierten der Rbeinlandkommission den Befehl erhalten, er müsse bis nachmittags 5 Uhr die Pfalz verlassen. Die Familie des Regierungspräsidenten ist gleichfalls ausgewie­sen worden, hat jedoch Frist bis zum 27. d. M. erhalten. Die Ausweisung ist erfolgt, weil Herr v. Eblingensberg sich geweigert hat, den Be­fehlen der Reichs- und ßcnbesr»iterunfl den Gehorsam zu versagen. v. Chlingensberg wurde nachmittags 5 Uhr von französischer Gendarmerie am Präsidialgebäude abgeholt und über die Brücke nach Mannheim geleitet. Die Geschäfte des Regierungspräsidiums wur­den einstweilen von dem Règierungsdirsktor Matheus übernommen, der jedoch noch gestern abend in Haft genommen wurde.

Köln, 23. Jan. Der Leiter der Finanzamtes in Zell en der Mottl, Negiernngrrat Dr. Nenerbura, wurde von der französischen Militärbehörde festge- nommen und nach Kreuznach geschleppt.

Wissenden, 23. Jan. Auch der dritte Nach­folger der Regierungspräsidenten, Oberregierungsrot ». Wedel-Parlow der seit gestern nachmittag nach der Ausweisung de» Herrn Spieß die Geschäfte führte, ist heute nachmittag ausgewiesen worden.

Das New Degsut es. WWW

Mainz, 23. Jan. Heute nachmittag verhandelte unter Führung des Regierungspräsidenten Grützner lDüsieldorf) eine Abordnung der zurzeit hier weilen- den Vertreter der Betriebsräte und Organisationen der Arbeiter, sowie der Reichs-, der Staots- und der Gemeindebeamten Rheinlands und Westfalen? mit dem Generalkommando der Rheinarmee. Sie überreichte dem GeneralstabSchef Sermeil folgende Erklärung:

In letzter Stunde erheben wir im Namen von 600 000 Arbeitern und Angestellten des Bergbaus und Hunderttausenden von Arbeitern der Hüttenbetriebe Rheinland-Westfalens sowie von Abertausenden von Reicks-, Staats- und Gemeindcbeamten, Privatbeamten und -Angestellten einmütigen flammenden Einspruch gegen den Versuch, deutsche Staatsbürger lediglich wegen pflichtgemäßer Beachtung der ReichSgesetze mitten im Frieden vor ein Kriegsgericht zu stellen. Sollte dieser unser letzter feierlicher Einspruch ebenfalls un­berücksichtigt bleiben, so leben wir uni als Sprecher der gesamten werktätigen Kopf- und Handarbeiter des wichtigsten Wirtschaftszentrums des europäischen Kontinents genötigt, alle Folgen der französischen Regierung aufzuerlegen, die aus einer kriegsgericht­lichen Verurteilung der verhafteten deutschen Arbeits­führer im Ruhrbezirk entstehen können."

Auf die Bemerkung der Generals, daß dieser Ein­spruch gleichen Inhalt wie der gestrige habe, bemerkte Werkmeister Tschuch vom Thyssen-Konzern, daß infolge der inzwischen eingctretencn Verschärfung der Lage heute Vertreter aller Schachtanlagen und Wken sowie der Berufroraanisationen nach Mainz Milt seien, um in letzter Stunde vor Schritten zu warnen, deren unübersehbare Folgen einzig die französische Regierung treffen müßten. Auch hiernach verharrte der General bei seinem Bescheid. KewerkschaftSsekretär Georg brachte da» einstimmige Ersuchen vor, die Ver­hafteten besonders wegen ihres teilweise hohen Alters gegen Verpfändung der Mannesehre aller Erichienenen, jene zur Stellung vor Gericht zu veranlassen, sofort aus der Haft zu entlassen; das Gleiche verbrach in amtlicher Elgenichaft Regierungspräsident Grützner. Der General lehnte das Gewünschte jedoch ab, weil in das Gerichtsverfahren nicht eingegr-ffen werden könne, ertlärte sich aber im Gegensatz zu gestern auf entschiedenes Verlangen bereit, ine überreichte Er­klärung dem General Degouttc heute noch zu über­mitteln. Eine Stunde nach dieser Besprechung ließ Degoutte Die Abordnung wissen, daß er bei seinem gestrigen Beschluß beharrt.

Der Mord von Langendreer.

Zur Gewalt noch der Hohn.

Berlin. 23. Jan. Die Note, worin der deuliwe Gesrstäftsträger in «arid, Botschaftsrat von Hösch, auftragsgemäß gegen die Erschie­ßung des Krankentt'äaers K o m o l s k i in Langendreer protestiert hatte, ist Herrn von Hösch vom französischen Außenminister mit fol­gender Begleitnote zurückgesandt worden:

Das Ministerium der auswärtigen Angc- legenheiken beehrt sich, der deutschen Botschaft das heute erhaltene Schreiben zurückzusenden. Es ist ihm nicht möglich, ein Schreiben anzu- nehmen das in derartigen Ausdrücken abge- faßt ist.

Von zuständiger Seite wird dazu bemerkt: Es sind nicht die Ausdrücke, in denen sich die Note bewegt, sondern die darin festaestellten

Tatsachen und Verantwortlichkeiten, die der französischen Regierung unbequem sind und an die sie nicht erinnert zu werden wünscht. Die Rücksendung der Note schafft diese Tatsachen und Verantwortlichkeiten nicht aus der Welt. Sie zeigt nur, daß die französische Regierung nichts anzuführen weiß, was die Erschießung eines harmlosen Krankenträgers durch einen französischen Wachposten und die dieser Bluttat zu Grunde liegenden Instruktionen zu recht­fertigen vermag. Die neue Note schließt sich würdig der Antwortnote an, die Poincare auf die deutsche Protestnote gegen die Schießerei in Bochum noch zu erteilen geruhte, in der eben­falls schon auf den von der deutschen Regierung festgestellten Tatbestand mit keiner Silbe einge« gangen wurde. Geradezu unerhört mutet es an, daß die Franzosen in beiden Noten nicht ein einziges Wort des Bedauerns über den durch sie verursachten Tod deutscher Staatsan­gehörigen finden, sondern in einer geradezu höhnisch anmutenden Form darauf Hinweisen, daß jede Bewegung, die gegen die Sicherheit der französischen Truppen gerichtet sei, aufs strengste unterdrückt werde. Man erkennt aus dieser Aeußerung Poincarë den Gerst seines Eroberungszuges an den Rhein. Die Komödie mit den Ingenieurkommissionen ist nur der Vorhang, hinter dem sich der französische Impe­rialismus vor der neutralen Welt verborgen hält.

Franröfftchs BewersMhrunK.

Berlin, 22. Ian. Die französische Re­gierung hat an den deutschen Geschäftsträger in Paris folgende Mitteilung gemacht:

Die französische Regierung bestätigt den Cmp- deutsche Regie- rung gegen die Verhaftung gewisser Personen im Ruhrgebiet protestiert hat. Die französische Regierung weist diesen Protest zurück und ist entschlossen, ihm in keiner Weise Rechnung zu tra­gen. Alle von der Okkupationsbehörde g e t r o f f e - Maßnahmen sind vollkommen recht­mäßig. Sie find die Folge der von der deutschen Regierung begangenen Verletzungen des Vertrages von Versailles. Die stanzösische Regierung ist ent­schlossen, die Ausführung dieses Vertrages durchzu­setzen, behält sich vor, alle anderen S a nktionen anzuordnen, die die Haltung der deutschen Regierung, der deutschen Beamten oder der deutschen Staatsangehörigen notwendig machen sollte.

Dazu ist zu bemerken: Die französische Re- gierung hält also die Anführung sach­licher und rechtlicher Gründe für ihre Ge­waltakte nicht mehr für erforderlich, sondern sie versucht durch die bloße Behauptung die Dinge in ihr Gegenteil umzukehren. Deutsch­land selbst soll an allem schuld sein, weil es die französische Aktion nicht unterstützt und es ab­lehnt, gegenüber einem Vertragsbrüchigen Kontrahenten Leistungen zu tätigen, solange er den rech ts w idrigen Zustand auf­recht erhält. Mit dieser Art zu argumentieren, könnte Poincare mühelos nachweisen, daß die deutschen Rückstände bei den Holz- und Kohlen­lieferungen den militärischen Vormarsch bis nach Berlin, die Verhaftung aller wirtschaft­lichen und politischen Führer in Deutschland, und die beliebige Beschlagnahme deutschen Staats- und Privateigentums oder was den Franzosen sonst beliebt, rechtfertigen würden. Der in der Antwort bekundeten Entschlossen­heit der französischen Regierung, ihr Unrecht immer weiter zu treiben, wird auf deutscher Seite mit nicht geringerer Entschlossen- heit der moralische Wider st and des deutschen Volkes entgegentreten. Die Drohung mit weiteren Sanktionen wird uns nicht hindern, auf dem Standpunkt unseres guten Rechts zu verharren, der Ae^er durch Umkehrungen des Tatbestandes, noch durch Willkür- und Gewaltakte entkräftet wer­den kann.

Ein neuer deu^'cher Proleff.

Berlin, 23. Jan. Der deutsche Geschäfts­träger in Paris ist beauftragt, der französischen Regierung folgende Note zu überreichen:

Die französischen Befehlshaber im Ruhr­gebiet haben die verhafteten Personen, die ich in meinem gestrigen Protest genannt habe, zum Teil nach Mainz gebracht, um sie dort vor ein französisches Kriegsgericht zu stellen. Die Einsetzung eines Verfahrens vor französischen Militärgerichten würde jeder Rechtsgrundlage entbehren und in keiner Weise geeignet. fein, der Verhaftung den Charakter der Rechts­widrigkeit und Willkür zu nehmen. Die beutiche Regierung stellt deshalb die Folgerung, daß ein solches Verfahren nicht stattfindet und daß die Verhafteten sofort in Freiheit gesetzt werden.

Im Ruhrgebiet fihb übrigens inzwischen noch wettere Beamte verhaftet worden. Es handelt sich um den Oberpostdirektor Jünger, den Telegraphendirektor Zehme, den Präsiden­ten der Cisenbabndirektion Jahn, den Ober­baurat Pusch, sämtlich in Esten. Die Verhaf­tungen sind erfolgt, weil die Beamten sich der von den ftanzösischen Befehlshabern an sie ge­stellten Zumutung widersetzten, den vom Reichsverkehrsminister erteilten Befehl zu widerrufen.

Die deutsche Regierung erhebt auch gegen diesen Gewaltakt Protest, sie verlangt dre so­fortige Freilassung der Verhafteten, sofern sie nicht inzwischen bereits erfolgt sein sollte, und behält sich vor, volle Genugtuung zu fordern.

Deulschland und die DermiMuugs- versuche.

Berlin 23. Jam Zu den Meldungen über Vermittlungsversuche in der Frage der Ruhrbesetzung und der Reparationen wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt:

Der deutschen Regierung ist bekannt, daß man an den verschiedensten Stellen der Well bemüht ist, den durch den französisch-belgischen Einmarsch ins Ruhrgebiet geschaffenen sich täg­lich verschärfenden Zuständen des Unrechts und der Gewalt ein Ende zu bereiten. Die deutsche Regierung verfolgt mit Aufmerksam- fett die Bemühungen und ist bereit, alles was an ihr liegt, zu tun, um ihnen zum Ersolge zu verhelfen. Alle Stellen, die sich mii dem das Schicksal Europas einschließenden Problem beschäftigen, sind von der Auffassung der deutschen Regierung unterrichtet. Wie wiederholt erklärt worden ist, war und ist Deutschland jederzeft zu Verhandlungen ü^r eine vernünftige Vereinigung der Repärations- frage bereit. Im Augenblick aber, wo französisch-belgische Truppen mitten im wirt­schaftlichen Lebenszentrum Deutfchlands stehen und die im Ruhrgebiet getroffenen vertrags­widrigen Maßnahmen, wiederum im Wider­spruch mit den Vertrügest, auf das Rheinlond üusgsdebnt werden, erscheint ein Verhan­deln über künftige Reparations­leistungen schon aus technischen Gründen unmöglich. Niemand weiß, welches Trüm­merfeld Deutschland am Ende der französischen Unternehmung darstellen wird. Deshalb ist heute jede Möglichkeit und Abschätzung der uns dann noch verbleibenden Reste unserer ge­schwächten Leistungsfähigkeit ausgeschaltkt. Auch können nach Ansicht der deutschen Regierung VccÄrndlungen unter militärischem Druck nie­mals zu Ergebnissen führen, die wirtschaftlich gesund, für das deutsche Volk annehmbar und zur wirklichen Befriedigung Europas geeignet sind. Die Neparationsverhandlungen ver- svrechen nach der Ueberzeugung der deutschen Regierung nur dann Erfolg, wenn auf jede Sanktions- und Pfänderpolitik endgültig verzichtet und Deutfchlartt) Gelegenheit gegeben wird, feine Plane für die Lösung des Problems frei zu entwickeln und mit der Gegenseite gleichberechtigt und unbehin­dert zu diskutieren. Diesen Grundsätzen gemäß beaegnet die deutsche Regierung allen Ver­suchen, die aus der Erkenntnis der ernsten Lage auf Abhilfe gerichtet sind, mit wärmstem In­teresse. Wir können nur wünschen, daß er ge­lingen möge. Frankreich und Belgien recht­zeitig zur Aufgabe von Unternehmungen zu veranlaßen, die diesen Ländern niemals Sicher­heiten oder Werte verschaffen, beiden Ländern ^ber zwecklose Kotten aufbürden, Deutschlands ßeiftungsfcibmfeit bis zur Vernichtung herab- setzen und Europa in eine immer ernstere Wirtschaft^katastropbe hineinziehen.

Die Boykvribeweoung.

Di« Hnuptoemcinichaft der Hotel-, East» uxb SsiavkwirtSorcanualionen Deutschland» bat sich mit dem Vorgeden der Berliner Hotelbesitzer und Gastwirte sslidariich erklärt und ist fest entschlossen, einen Boy- ott französischer und belgischer Waren durchzuführen, weder Frawzosen noch Belgier anzunehmen und keine Zahlungen in den Währungen beider Länder ent,egen- mcdmeii. Das Münchener Hotelpersonal ließ seine Arbeitgeber wissen, daß es sofort in den Streik treten würden, wenn sich in den Hotel» bl» heute abend noch Autländcr belgischer oder franzöfischer Herkunft befinden.

Eine Spende des Papstes.

R»m, 23. Jan. Wie die Agentur Volta mitteilt, hat der Papst 600 000 Lire für die Armen Deutschland« gespendet; die Hälfte dieser Summe ist für Bayern bestimmt.

Dollar (10 Uhr vorm.) 20500