Hanauer S Anzeiger
General-Anzeiger ✓ Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlust Nr. 1237
Bezugsvreis'.Monatlich Mk. SS0.— ohne Trägerlohn: Einzelnummer Mk. 40.—. Samstags 50 — Anzeigenpreise: Die 28 mm breite Zeile Mk. 40.—: Finanzinserate Mk. 50.—. Reklame (68 mm breit) Mk. 100.—. Inserate, auch laufende, werden nur rum jeweiligen
Tasesvreise berechnet. — Offertengebübr Mk. 20.
Geschäftsstelle: Hammerstraße 9.
Erfüllungsort u. Gerichtsstand für beide Teil« Hanau a. M. — Für Platzvorschrift und Erscheinungstage der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet. — Im Falle höherer Gewalt. Streik usw., hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Nückzahlung des Bezugspreises.
Kr. 18
Montag den 22. Januar
1923
MWWttMMeilMMdMkWW
Der Geist der Empörung erwacht. — Der einige dampfte Ute -er Beamten Md Arbeiterschaft. — Neue Verhaftungen un- Ausweisungen. — Ein scharfer WinS aus Italien.
Fritz Thyssen und die anderen Zechenver- ; tretet sind am Samstag verhaftet worden und i sollen sich morgen vor dem Kriegsgericht in । Mainz zu verantworten haben. Die französi- s schon Machthaber haben sich also nicht gescheut, , ihren rechtswidrigen Eingriffen in das Privat- i Eigentum durch Gefangennahme und Freiheits- i beraubung widerspenstiger Zechenvertreter die i Krone aufzusetzen. Es verdient festgenagelt zu ' werden, daß dieser Schritt erfolgt ist, nachdem in den letzten Tagen das von französischer i Privatseite unter dem Druck der Besatzungsbe- i Hörden an die Industriellen gerichtete Ersuchen, i sich unter Lösung der entsprechenden deutschen Beziehungen mit französischen Konzernen und Kertellen zusammen zu schließen, auf das > schärffte zurückgewiesen worden war. Nach dem s Lachenraub an Reichsbankgeldern, Staatsberg- : werken, Kohlenkähnen und Kohlenzügen folgte , der Menschenraub. Verbrechen wird auf Ver- s brechen getürmt. Völkerrechtsbruch häuft sich auf i Wkerrechtsbruch. Das ist gemeine Gewalt, wie i sie die Sklavenjäger wehrlosen Wilden gegenüber 1 geübt haben, wie sie aber nimmermehr einem 1 Volke gegenüber angewandt werden dürfte, mit ' denen der Nachbar angeblich „im Frieden" lebt. j ä Dâbie Franzosen auch mit ihren neuesten 1 Gewalttaten keinen Erfolg haben, im Gegenteil < den. Widerstand der Bergleute und Eisenbahner '
nur stärken und die Empörung der Ruhrbe- völkerung nur noch mehr aufreizen werden, sieht heute schon fest und geht aus allen unten folgenden Meldungen hervor. Die Empörung über die Gewalttätigkeiten hat unter der Ruhr- Arbeiter- und Angestelltenschaft einen solchen Grad erreicht, daß in einzelnen Schächten die Arbeit bereits niedergelegt ist. Weitere Arbeitsniederlegungen sollen folgen, wenn nicht die sofortige Entlassung der verhafteten Zechenvertreter, Direktoren und Assessoren eintritib ja nach einer letzten Drahtnachricht aus Paris »>et man mit einem für heute oder morgen ussicht genommenen allgemeinen Streik im gesummten Ruhrgebiet. Die französische Regierung glaubte allerdings noch nicht an diese Arbeitseinstellung — kein Wunder, sie hat ja and) geglaubt, die Arbeiterschaft durch ein Zuckerbrot auf die französische Seite ziehen zu können. In dieser Annahme hat sich Frankreich arg getäuscht und es wird sich auch weiter täuschen, denn die Arbeiterschaft steyt geschlossen hinter ihren Direktoren. Und es wird zu einem allgemeinen Streik kommen, wenn letztere nicht umgehend freigelassn werden. Wenn dann die Gruben nicht mehr fördern, wenn dann die Hüttenwerke feiern, wenn die Verkehrswege verstopft sind, die geregelte Lebensmittelzufuhr versackt ist, dann wird Poincarä als der Geist, der stets das Böse will, das Gute geschaffen haben: die Notgemeinschaft aller Deutschen auch im unbesetzten Deutschland, die auf ihr Saterland auch in seiner Knechtschaft noch stolz und. Dann wird es in der ernstesten Stunde seit dem Zusammenbruch keine Parteien mehr &, dann wird das Wort von dem einzigen von Brüdern wieder herrliche Wahrheit. Dann wird es aber auch allerhöchste Zeit, daß d>e übrigen Ententeländer, daß vor allen Dingen auch die Neutralen endlich wirksam eirv- Üteifen, um den französischen Wahnsinn zu bän» d'gen, sonst kommt über die Deutschen die Ver- sweislung und mit ihr das fürchterlichste Chaos vber ganz Europa.
DkkJechenvsrLreler in Gefangenschaft.
von
, Die wir bereits am Samstag nachmittag ourch Aushang an unserer Geschäftsstelle be- wnntgllben, find am Samstag vormittag die ?°r die französische Lesahungsbehörde in Bre- Aey geladenen Zechenverlreler Aritz hyssen Generaldirektor Tengelmann °°n den Essener Steinkohlenbergwerken, Gene- kaldirektor Wüstenhöfer vom Essener Berg- ^eckvverein König Wilhelm, Generaldirektor ? E ff e n von der Bergwerksgesellschaft Dahl- ^!ch, Direktor Spindler von den Skinnes- "kchen und Bergasteffor Olfe von den Man- ^smvnn- Zechen nach kurzer Verhandlung für vcrhastei erklärt und von den Franzosen unter llarker militärischer Bedeckung nach Mainz ^insportiert worden, wo sie sich bereits am öligen Montag vor dem Kriegsgericht
zu verantworten haben sollen. Als die Berhaf- keten in Benrath in den Schnellzug nach Mainz gebracht wurden, brachten die auf dem Bahnsteig anwesenden Arbeiter den Verhafteten b § - geisterte Huldigungen dar. In Köln wurde der Zug schon von französischem Militär erwartet. Auch hier brachte das Publikum trotz der starken militärischen Bewachung auf dem Bahnsteig eindreifacheshoch aus.
Effen. 21. Jan. Die Verhandlungen vor dem Kriegsgericht in Mainz gegen die verhafteten Persönlichkeiten aus dem Ruhrgebiet werden vorraussichtlich am Dienstag beginnen.
alte
einigen Jahren
F r i tz T h y s s e n ist der jetzt 50 Jahre älteste Sohn August Thyssens, der seit einigen I dem 80jährigen Vater die Leitung der vereinigten Thyssenschen Betriebe mit einer Belegschaft von rund 65 000 Arbeitern abgenommen hat. Die Essener Volkszeiüing schreibt über Thyssen: Er ist die Seele eines Riesenunternehmens, das heute 65 000 Arbeiter beschäftigt, und es wird versichert, daß die Angestellten und Arbeiter, auch die Kommunisten, für ihren Chef durchs Feuer gehen. Dieser Respekt ist um so ungetrübter, weil Fritz Thyssen und seine ersten Mitarbeiter nicht den Ehrgeiz haben, politische Macht auszuüben oder zu mißbrauchen. Eine spröde, fast schüchterne Natur, schreckt er vor der Oeftentlichkeit, vor der Geselligkeit, vor der Repräsentation eher
rurüa. a^ft sie Our locken. âlLvt nur seiner Arbeit und seiner Familie, bet deren Gründung er weder nach Rang noch nach Vermögen fragte. Diesen Mann
drängte die Notwendigkeit plötzlich an sichtbarste Stelle, die er zuvor fast ängstlich gemieden hatte und gerade von ihm erwarten alle, die ihn kennen, das Vorbild an moralischem Mut. Wenn Fritz Thysien ich nach reichlicher Erwägung zu etwas entschließt, o ist sein Wille von antiker Unerschütterlichkeit. Cs cheint notwendig, diese Charakterskizze zu geben, die n so vielen Punkten den landläufigen Vorstellungen über Führer der Schwerindustrie widerspricht, weil viel, ja alles auf das Beispiel ankommt. Es ist kein Zweifel, daß es blind befolgt werden wird. Es gilb keinen Unternehmer, keinen Arbeiter, der aus
ier
Reihe springen würde.
Generaldirektor Franz W ü st e n h ö f er ist der Leiter des mit der Zeche Minister Assenbach des Stummkonzerns durch Interessengemeinschaft verbundenen Essener Bergwerksvereins König Wilhelm, der insgesamt eine Belegschaft von etwa 6000 Bergarbeitern beschäftigt und im letzten Jahre ungefähr 1250 000 Tonnen Kohlen förderte
Bergassesior Direktor Olfe ist der Leiter einer Anzahl Zechen der Gelsenkirchener Vergwerks-A.-G., die bekanntlich mit den Stinnesschen Betrieben, dem Bochumer Gußstahlverein und der Siemensgruppe zur „Rhein-Elbe-Siemens-Schuckert-Union" verbunden ist.
Generaldirektor Spindler ist der technische Leiter der sämtlichen im Essener Stadtbezirk gelegenen Stinneszechen, insbesondere der Gewerkschaft Victoria Matthias.
Am weitesten über die Grenzen des Ruhrbezirks hinaus bekannt dürfte Generaldirektor Ernst Tengelmann fein, der Leiter der Essener Steinkohlen-Bergwerke A.-G in Essen, des größten reinen Kohlenbetnebes der Funkegruppe, eines der größten Kohlen- und Kohlennebenprodukten-Geminnungs- unternehmens des ganzen Westens, das durch die Interessengemeinschaft der Essener Steinkohlenbergwerke und der dieser Gruppe gehörigen Bergbau» A.-G. Lothringen mit den Lokomotiv- und Maschinenfabriken Henschel u. Sohn in die erste Reihe der deutschen Jndustriekonzerne in den letzten Jahren gerückt ist. Die Essener Steinkohlenbergwerke förderten im letzten Jahre rund 2 Millionen Tonnen Kohle, wozu noch über 1 Million Tonnen von Tochtergesellschaften kamen. Tengelmann zählt zu den markan- testen Erscheinungen des Industriegebiets und stellt den Typ des dort so häufigen Selfmademan dar, indem er, ausArbeiterrreisen gebürtig, sich innerhalb der Funkegruppe vom Steiger (Vorarbeiter oder Werkmeister im Kohlenbergbau) bis zum Generaldirektor eines der größten Betriebe empor- qearbeitet hat. Er gilt allgemein als einer der wärm- sten Freunde der Arbeiterschaft und ist auch in den
gearbeitet l sten Freun' -----—---- ... . . ,
Kreisen der Bergarbeiter aller politischen und aewerk. schaftlichen Richtungen besonders beliebt, da die Männer im schwarzen Kleid in ihm noch voll Stolz einen der Ihren sehen.
Vielleicht politisch noch bedeutsamer als Wirt- schaftlich ist schließlich die Verhaftung von General- direktor Bergassesior W i l h e l m K e st e ii, dem Lei- ter der Dergwerksgesellschaft Dalbusch A.-G., denn die Berqwcrksgesellsckaft Dalbusch ist ein vorwiegend mit belgischem Gelde errichtetes und fast ausschließlich in belgischem Besitz befindliches Unternehmen. Sie ist hervorgegangen aus der A.-G. Belgifch-Rbeinische Gesellschaft der Kohlenbergwerke an der Ruhr, die 1851 in Düsseldorf gegründet wurde. Sie beschäftigt rund 5000 Arbeiter und erzeugte im letzten Jahre fast 1 Million Tonnen Kohlen und sehr erhebliche Mengen wertvoller Nebenprodukte. Im Aufsichtsrat biefer Gesellschaft sitzt neben sieben Belgiern ein Deutscher.
AuswsNunaen und Verhaftungen deutscher Beamten.
Wiesbaden, 20. Januar. Der zeitweilige Stellvertreter »e? vor einign Monaten von den Franzosen abzesetzten Regierungspräsidenten, HerrOberregierunaS» rat von Redern, wurde heute nachmittag um 4 Uhr aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Er wurde von der französischen BesatznngSbehörde heute morgen be. fragt, ob er einen vom preußischen Landwirtschafts- minisier eingetroffenen Befehl an die Forstverwaltung des Regierungsbezirkes, nur von der eigenen Regierung Anordnungen entgegenzunehmen, an seine Untergebenen weiterleiten werde. Diese Frage wurde selbstverstând- I ch besaht. Aut eine nochmalige Anfrage der gleichen französischen Stelle heute nachmittag erklärte Herr von Redern, daß die Weiterleitung an die Forstverwaltung inzwischen erfolgt sei. Darauf wurde ihm eröffnet, er sei auf Befehl der Interalliierten Rhein- landkommission ausgewiesen und habe Wiesbaden innerhalb zwei Stunden zu verlaffen. Die Familie des ReaierungSratS v. Redern erhielt gleichfalls den Ausweisungsbefehl.
Berkin, 20. Jan. Tas Reichsfinanzministerium teilt mit: Der Präsident des Landesfinanzamtes Köln Haebling v. Lanzenauer, wurde mit sofortiger Wirkung ausgewiesen, ebenso seine Familie.
Dortmund, 21. Januar. Am Samstag nachmittag wurden Zollrat Bernard und Zollamtmann Plate von den Franzosen verhaftet, weil sie sich auf Srund der von Berlin erlassenen Verordnungen weigerten, den Befehlen der Franzosen nschzukommen. Bei der Verhaftung wurde 'hnen alles abgenommen, Wäsche, Geld und Rauchzeug.
Die Franzosen beschlagnahmten die gesamten Einnahmen des Hauvtzollamtes. — Infolge der örtlichen Eingriffe der Franzosen auf dem Bahnhof in Dortmund, wo der Oberbahnhöfsvorsteher von den Franzosen verhaftet worden ist, sind heute. Sonntag morgen 5 Uhr die Beamten des Bahnhofes Dortmund in den„Streik getreten. Der Betrieb auf dem Bdhnhos Dortmund ist stillgelegt. Die an» Herlin tpmnicpücu Züge muffen umgeleitet werden und gelangen erst mit mehreren Stunden Verspätung nach ihrem Bestimmungsort. Auch der lokale Verkehr, der von Dortmund aul» geht oder Dortmund berührt, ruht.
Der Leiter der Zweigstelle Speyer (Landerfinanzamt Würzburg), RegierungSdirektor Morgen» wurde von den Franzosen verhaftet, da er den Anordnungen des RcichtfinanzministeriumS pllichtgemâß Z-olge leistete. Die Verhaftung des 6Sjährigen Beamten stellt einen besonderen Akt der Roheit dar. Der Reichobankdirektor in Ludwigshafen wurde verhaftet, weil er den Auftrag der Franzosen, dar Konto Zölle zu streichen, ablchnte.
Offen, 20. Jan. Die französischen Besatzungr- behörden hatten an die Essener Eisenbahndirektion dar Ersuchen gestellt, den Befehl des ReichrverkèhrS- ministeriumr, daß keinerlei KohleutranSporte nach Frankreich und Belgien abzefertigt, und auch auf Befehl der Besatzungsbehörden nicht umgeleitet werden dürften, zu widerrufen und den Anweisungen der Lesatzungsbehördc gemäß zu handeln. Als dieser Ansinnen abgelehnt wurde, sind Sisenbahnpräsident Jahn und Baurat Pusch in Haft genommen worden.
MörS, 21. Jan. Oberförster Schmidt-Flender ist von der interalliierten Rheinlandkommission auS- gewirst« worden, weil er sich weigerte, den Androhungen der Kommission, die mit den deutschen Gesetzen in Widerspruch stehen. Folge zu leisten.
Köln, 22. San. Der Landesrat von Zell (Mosel) Dr. v. Stein ist mit seiner Familie aus dem belebten Gebiet ausgewiesen worden. Stein war Rheinländer.
Kein Preffebesuch bei bett verhafteten.
Mainz. 21. Jan. Der hier anwesende Spezial- berichterstatter der argentinischen Zeitung „La Razon", begab sich heute nachmittag zum Generalstab der französischen Rheinarmee mit dem Ersuchen, sich davon iiversengen zu dürfen, daß die verhafteten deupch-n 6romntuftriellCK und Äeamtcn menschenwürdig »e- handelt werden. Als ihm dies abgeschlagen wurde, bat der »erichterstatter die französische Mliitârbcdörde, Um diese Unterretung wenigsten» in Begleitung eine* sranzösiichcn Offizier» zu gestatten. Dem Dericht- erftatter wurde jedoch eröffnet, daß auf au»drücklichen «-fehl »et General» Degcuite e» nicht gestattet werden rönne, daß ein Neutraler auch im Beisein eine« französischen Osfizier» zu den verhafteten Vreginixflrieaen »orgeiassen werden »ürfe.
Die deutsche Gegenaktion.
Der einige kampfrville der Arbeiter- und Beamtenschaft.
Essen. 20. Ian. Die Verhaftung der sechs Bergbauvertreter hat in Essen, wo sie naturgemäß schon in den Mittagsstunden in weiteren Kreisen bekannt wurde, sogleich spontane Protestkundgebungen durch Arbeitseinstellungen hervorgerufen. Zunächst stellten die Beamten der Essener Steinkohlenbergwerke wegen der Aeslnahme ihrer Generaldirektors die Ar- beit ein. Auf den Stinneszechen „Graf Beust" und „Viktoria Matthias" haben die Beamten ebenfalls die Arbeit niebergefegt und der Betriebsrat hat sich mit ihnen folivarifck» erklärt, tuoraufhin auch die Belegschaft in den Ausstand getreten ist Auf der Zeche „Bonifatius“ der Geilenkirchener Verewerksge-
fellschaft, deren Direktor Olfe ebenfalls festgenommen wurde, hat die Gesamkbel^fchaft einen Proteststreik begonnen. Auf den Schacht- Anlagen des Koln-Veuekfener Berg« werksvercins streikt zunächst ein Teil der Belegschaft. Auf der Zeche „Wolfbank" des Effener Verawerksvereins König Wilhelm ist die MMagsschicht, die gerade angesahre war, als die Ber^hmg bekannt wurde, wieder ausgefahren. Auf der Zeche „Dahlbusch" soll die Verhaftung des Generaldirektors Kesten mit dem Ausstand beantwortet werden. 3m Mülheimer Bezirk ist die Verhaftung Aritz Thyffens, über besten Verbleib weder die Amnilie noch die Direktion der Tbnstenwerke etwas misten, erst am späten -lackmittag in weiteren Kreisen bekannt geworden. Hier wie auch im übrigen Ruhrbezirk find planmäßige Aktionen zu erwarten. Die Arbeiterschaft der Staatszechen ist ebenso wie die der prinafte^n tu einmütigem Widerstand entschlösse«.
Düsteldorf, 21. Jan. Unter Führung der Regierungspräsidenten Grützner begaben sich am Samstag abend gegen 6^ Uhr die Arbeirer. Angestellten und Betriebsräte des Thyssen- ch e n W e r k es aus Hamborn und Mülheim, owie je zwei Vertreter der freien und christ- ichen Gewerkschaften zu der französischen Be* atzungsbehörde, um auf Beschluß von 6 5 0 0 0 Arbeitern und Angestellten wegen der sofortigen FreilassungFritzThys- sens und wegen der sofortigen Wiedereröffnung der Reichsbank stellen vorstellig zu werden. Da weder General Degoütte noch'General Simon zu erreichen waren, gingen
Vertreter zum General Danvigne, der infolge „Ueberanstrengung" unpäßlich war. Sie wurden sodann von Oberst Regnier empfangen. Die Betriebsräte uni) ihre Begleiter for* derten unter Ueberreichung einer schriftlichen Erklärung mit energischen Worten die unverzügliche Freilassung Fritz Tbyssens als chres Volksgenossen urti) als des Hauptes der wirtschaftlichen Unternehmungen, von deren einwandfreier Leitung ihr und ihrer Fa* milien Wohl abhänge. Sie betonten, daß dieser nur seine Pflicht getan habe, wenn er als Deutscher lediglich deutschen Gesetzen Folge lei st ete. Der Oberst konnte mangels Vollmachten nur die Erklärungen entgegenehmen, womit sich die Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter nicht begnügten. Es entspann sich eine längere, an dramatischen Zwisch-snfällen reiche Aussvrache. Die Betriebsräte forderten unbedingt, in kürzester Zeit Degoutte als die verantwortliche Person zu sprechen und legten der französischen Regierung die Verantwortung für alle Folgen auf, wenn Degoutte nicht bis^Montag 8 Uhr morgens, für welchen Termin ein einstimmiger Beschluß der gesamten Belegschaft der Berg- und Hüttenwerke vorliegen würde, die Freilassung Thysiens anordnete. Besondere Entrüstung erregte die Bemerkung des Obersten, daß die Bestrafung der, wie auf Befragen erklärt wurde, vor ein Kriegsgericht in Mainz gestellten Zechenvertreter „milde" ausfallen würde, wenn die ÄrbeUer bei der Arbeit blieben.
Sodann verlangten die Arbeiter mit aller Entschiedenheit die sofortige Wiederaufnahme der Tätigkeit der Reichsbankftellen, und zwar ohne daß diese Wiedereröffnung von der Verpflichtung der Direktoren und Angestellten zur Mitwirkung bei der Erhebung der Kohlensteuer und sonstigen ungesetzlichen neuen französische« Anordnungen abhängig gemacht werde. Auch hier erregte die Bemerkung des Obersten,, was denn die Arbeiter für die Reichsbank einzu- treten hätten, lebhafte Entrüstung. Als sie ihre Meinung über die wirtschaftliche Bedeutung der Reichsbank für ihre Unternehmungen deutlich ausdrückten, stellte der Oberst fchließiich eine baldige Entscheidung in Aussicht.
Alle geschlossen gesonnen . . .
Esten, 21. Jan. Die Vertretung der Ars beiter- und Angestelltenschaft der Essener Steinkohlewerke A.-G. hat folgnede Entschließrng gefaßt:
Die Arbeiter und Angestellten der Essener Steinkohlenbergwerke A.- G. und der ihnen ungegliederten Zechen „Viktoria", „Prinz Friedrich", „Oepel" und „Derstfeld" erheben schärfften Protest gegen die u n b e r e d) f i g 11
(Fortsetzung auf Seite 4.)
Dollar (10 Hbr Dorrn») 21-22W