SanauerW Anzeiger
General-Anzeiger / Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan a. M. ^^^^^
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Nr. 8 Mittwoch S»N 10. Januar 1923
- . Poinearè
Die -»absichttrchen Verfehlunizsn" b- — Ern Ausruf de
PoincarS marschiert! Die Entscheidung der Reparationskommission ist wider Recht und Gerechtigkeit gefallen — die „vorsätzliche Verfehlung" in der Frage der Kohlenlieferung ist trotz der Aufklärungen, die die deutschen Vertreter gestern in Paris mündlich jegeben haben, festgestellt und Poincars hat sich n Verfolg dieses Beschlusses bereits angeschickt, eine Truppen auf Essen zu in Bewegung zu etzen. Poincars schreitet damit auf seinem Wege weiter, getreu dem Worte des alten Clemenceau „Der Friede ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln." Im Krieg wird die Vernichtung der gegnerischen Streitkräfte erstrebt, der Versailler Friede hat, so wie ihn die Franzosen verstehen, keinen anderen Zweck, als Vernich- ung der letzten deutschen Hilfsquellen, Zer- törung der deutschen Wirtschaft, Auslösung des Reiches, Einrichtung einer despotischen gallischen Willkürherrschaft, wie sie das deutsche Volk im Laufe seiner Geschichte mehr als einmal zu ertragen hatte.
Poincars marschiert! Er hat so oft damit gedroht, daß er kaum anders konnte, jetzt gegen Deutschland vorzugehen. Hätte er es nicht getan, dann hätte er den Platz räumen müssen. Gewiß, einst in der Marokkokrise befand sich Delcasss in derselben Lage. Er mußte gehen, Rouvier kam und Europa hatte Ruhe. Heute liegen aber die Dinge doch erheblich anders. Damals war Deutschland stark, Frankreich aber hatte ein schlechtes Pulver. Auch sonst war nicht alles ganz in Ordnung. Damals gab es noch keinen nationalen Block im Palais Bourbon. Dieser Block wird zusammengehalten durch die chauvinistische Idee. Das ist in Frankreich ein starker Kitt, noch enger werden aber die Blockparteien zusammengeschlossen durch die Tatsache einer geradezu verbrecherischen leichtfertigen Finanzpolitik, die kühn darauf loswirtschaftete und für alle Fehlbeträge im Staatshaushalt lediglich das Zauberwort „deutsche Entschädigungen" einsetzte. Deutschland hat ungeheuer viel bezahlt und geleistet. Die Geschädigten in den Kriegsgebieten haben aber wenig davon zu spüren bekommen. Ja, nicht einmal der Staat selber. Weih man doch, daß eine Unzahl von Eisenbahnwagen und Lokomotiven, die man uns abgenommen hat, auf französischen Bahnhöfen einfach verkommen ist. Diese Dinge muß man sich ins Gedächtnis zurückrufen, wenn man erkennen will, welche Schamlosigkeit darin liegt, daß einige nicht gelieferte Telegraphenstangen und Tonnen Kohlen, — beides konnte nicht gelie- sert werden, weil wir dazu nicht leistungsfähig waren — Poincars bezw. Foch das Recht geben, Milliardenwerte in Deutschland zu beschlagnahmen.
Poincarè ma schiert! gegen ein schwaches und hilfloses Volk. Er schreitet über den Vertrag von Versailles hinweg und setzt der nach dem geschlossenen Frieden fortge- sührten P o l i t i k der Gewalt die Krone auf. Wir haben keine Kanonen, keine Maschinengewehre, keine Flugzeuge, keine Tanks und können daher der Kriegshandlung Frankreichs mit einer ebensolchen unsererseits nicht begegnen. Aber sind wir deshalb völlig wehrlos? Nein, auch der einmütige Wille eines großen Nölkes ist eine Waffe. Es muß aber ein Wille sein, der sich nicht in Worten erschöpft, fondern Taten gebiert. Reichspräsident und Reichskanzler erklären heute in einem Aufruf an die Bevölkerung des von der neuen Besetzung bedrohten Gebietes, daß durch diese Besetzung die Ausführung des Friedensvertrages zur abso- mten Unmöglichkeit werde. Wir erwarten, daß die Reichsregierung, nachdem die französischen Soldaten und Ingenieure ins Ruhrgebiet ein- 8erückt sind, um „Pfänder" zu nehmen, eine weitere Erklärung folgen läßt, aus der klipp und klar hervorgeht, daß mit dem Augenblick dieser Besetzung der Versailler Vertrag die deutsche Regierung und das deutsche Volk nicht wehr binden kann, daß wir in dem Augenblick, da die Franzosen selbst diesen schändlichen Vorwand zur Verhüllung ihrer Raubgier preis- geben, frei geworden, sind — frei zum Wider- nand mit allen Mitteln, die wir noch haben, -wir sind ein Volk von 60 Millionen, wehe uns, wenn mir uns, wenn wir unser Lebensrecht uns nicht wahren, wenn wir nicht dafür zu Impfen wissen. Geben wir jetzt nack. stellen
marschier!!
stäligk. — Djs Franzosen vor Essen.
* Reichsregirrung.
wir uns jetzt nicht restlos hinter die fest- bleibende Regierung, dann werden wir nichts anders als der Degen in der Hand Frankreichs bei feiner Auseinandersetzung mit den Weltmächten, denn auf die Dauer können auch England und Amerika dem schändlichen Treiben Frankreichs nicht untätig zusehen. Entschlossenheit tut jetzt not und der eiserne Wille zur Selbstbehauptung, was da auch kommen mag. Schwere Zeiten stehen uns fraglos bevor. Wir werden sie bestehen — aber nur dann, wenn wir in unserer Wohnküche endlich und wirklich zusammenrücken und uns scharen um den gemeinsamen Herd. Für die Mülleimer, in die der Parteidreck abgeladen wird, ist in dieser Wohnküche kein Raum; hinaus mit ihnen und fest zusammen gestanden — dann werden wirdem französischen Gewaltstreich gewachsen sein. R. H.
Die „absichtlichen Verfehlungen" bestätigt.
Varis, 9. 3 an. Die Reparationskommis- fion hat mit drei gegen die Stimme des englischen Mitgliedes Bradbury eine vorsätzliche deutsche Verfehlung bei den deutschen Sohlenlieferungen sest- gestellk.
Das offizielle Kommunique über die Feststellung lautet: „Die Reparationskommission trat am 9. Januar unter dem Vorsitz von Sxitioou Hmammen unb nahm hm
der Vertreter der deutschen Regierung über das Defizit in der Kohlenlieferung an Frankreich im Jahre 1922 wieder auf. Die deutsche Abord- ung war ebenso zusammengesetzt wie in der Montag-Sitzung, sie umfaßte jedoch außerdem noch den Direktor des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats Lübsen. Rach beendigter Anhörung der deutschen Abordnung trat die Repa- rakionskommission in ihre Beratung ein. Mit 3 gegen 1 Stimme — der englische Delegierte stimmte dagegen — entschied die Kommission, daß in der Kohlenlieferung an Frankreich eine Verfehlung Deutschlands im Sinne des 8 17 des Anhangs H zum Teil 8 des Versailler Vertrags vorliege."
Paris, 9. Jan. Ueber den Verlauf der Sitzung der Repko ist noch folgendes nachzutragen: Herr Barchou, der d e Verhandlungen in unqualifizierbarer Weise führte, hat den deutschen Delegierten gegenüber einen Ton angeschlagen, der sonst im diplomatischen Verkehr nicht üblich ist, und der belgische und der italienische Delegierte haben nach den Mitteilungen der hiesigen Blätter den Ausführungen der deutschen Vertreter überhaupt keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Der englische Delegierte Bradbury, der gegen die Konstatierung der Nichterfüllung gestimmt hat, gab seinem Votum eine kurze Erläuterung. Er erklärte, daß Deutschland zwar die ihm von der Neparationskommission auferlegten Kohlenlieferungen nicht voll erfüllt habe, daß er es aber ablehnen müsse, sich der von Frankreich beantragten Konstatierung anzuschließen, da er es nicht billigen könne, daß wegen einer Angelegnheit von sekundärer Bedeutung die angekündigten folgenschweren Sanktionen in Anwendung gebracht würden. Der amerikanische Delegierte, Boyden, dem die hiesigen Blätter in Widerspruch mit den Tatsachen die Erklärung in den Mund legen, Deutschland habe sich einer „vorsätzlichen Verfehlung" schuldig gemacht, hat sich in Wirklichkeit auf die Erklärung beschränkt, daß das festgestellte Defizit in den deutschen Lieferungen im Rahmen des gesamten Reparationsproblems von so geringfügiger Bedeutung sei, daß es unmöglich so außerordentlich schwere Sanktionen rechtfertigen könne, wie sie von Frankreich in Ausli-bt genommen seien.
Wie aus Washington berichtet wird, sind nach einer offiziellen Mitteilung die Bedenken der Vereinigten Staaten gegen die französische Aktion zur Besetzung des Ruhrgebietes direkt an die französische Regierung übermittelt worden. Man hält im Weißen Hause ein Vorrücken der Franzosen im Ruhrgebiet für katastrophal, sowohl in wirtschaftlicher wie finanzieller Hinsicht für ganz Europa.
Der Vormarsch besonnen.
Essen, 10. Ian. Die französischen Vor- bereitunaen rum Einmarlckr in dâ« Rubraebiet
sind zum Abschluß gelangt. Die Spitzen der franjc^'^en Truppen werden für heute früh 8 Uhr in Essen erwartet, während das Gros im Laufe des Tages auf der Eisenbahn folgen wird. Der Befehl an die Tcupven lautet auf Besetzung von Mülheim a. d. Ruhr und Essen mit Umgebung. Für die Besetzung von Gelsenkirchen und Bochum liegt ein Eventualbefehl vor, dessen Ausführung erst als ein weiteres Druckmittel gegenüber dem Deutschen Reiche bedacht ist. Bei dem Heranrücken der Franzosen wird ein großer Teil der Schutzpolizei aus Essen zurückgezogen werden.
Die französischen Vorkruppen — es handelt sich meist um Bagage — sind bereits in der letzten Rächt bis an die Essener Vororte heran- gerückt. Auch Eisenbahnbeamke, die von Düsieldorf kamen, bestätigen, daß auf dem halben Wege nach Esten alles voll französischer Truppen liege. Die Essener Eitenbahndirektion hat, um Reibungen zu vermeiden, die Lade- ramven für die Franzosen freiveßalken. Die Stadtverwaltung Tsien hat den größeren Hotels die Mitteilung »n^eb-n lassen, daß sie binnen kurzem französische Tinauartierung erhalten werden. Die Stadt selbst ist durchaus ruhig. Der e“”' "o französischer Fwvpen durchs«*"' Köln Montan nachmittag, um sich in das Son- tenirafionsnebtei ’n begeben. Der Vormarsch der fr-^nchsisch-m Trunven war eine vollkommene Aeberraichvng für di» englischen fom^M wiè für die deutschen Behörden, da man erklärt hatte, Esten nicht vor Mittwoch besetzen zu wollen. In Duisburg sind französische Stabe ein^ekroffen. die Truvven selbst werden noch erwartet. Ein Luteum mußte bereits geräumt werden. Rach Reuß haben die Franzosen schwere Artillerie gelegt. In Düsieldorf mußten ebenfalls neue Vn'erküntte bereikaestellt werden. Auf den Vorortbahnen herrscht lebhafter Transportverkebr.
Essen, 10. Jan. Die ersten Truppentransporte für die Besetzung des ?R”brbeürfs sind bereits am 7. Januar auf den Bahnhöfen an der Grenze des besetzten rheinischen Gebietes eings- troffen. Im ganzen sind für diesen Zweck 73 Eisenbahnzügs von den französischen Militärbehörden angefordert worden. Davon waren bis gestern nachmittag 40 Züge eingetroffen und entladen, während 24 erst heute an ihren Bestimmungsorten ankommen werden. Die Entladung wird auf den Bahnhöfen des neubesetzten Gebietes: Düsseldorf, Duisburg, Mülheim- Speldorf, Ratingen-Ost, Großenbaum usw. vorgenommen. Die Züge müssen vorschriftsmäßig aus 55 Wagen zusammengestellt fein; die bisher angerollten waren aber nur zur Hälfte beladen. Es handelte sich durchweg um gemischte Transporte, die aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestanden.
Die zur Anwendung kommenden Sanktionen.
Paris, 10. Ian. Havas teilt mit: Nachdem die Reparationskommission die vorsätzliche Verfehlung Deutschlands in der Kohlenfrage fesige- ffcüt habe, werde die französische Regierung heute der deutschen Regierung die Sanktionen mitteilen, die sie anläßlich der nicht erfolgten Holz- und Kohlenlieferungeu anzuwenden gedenke. Diese Sanktionen umfaßten die Kontrolle der Staatsbergwerke und Dominialforsten. Diese Mitteilung werde beute zu gleicher Zeit dem deutschen Botschafter in Paris, Dr. Mayer, und durch den französischen Botschafter in Berlin, der Wilhelmstraße zugehen. Die belgische Regierung die solidarisch mit der französischen Regierung in der Anwendung dieser Maßnahmen sei, werde analoge Schritte unternehmen. — Der „Malin" erklärt, die vorgesehenen Maßnahmen, würden einige Stunden vor der Ratifizierung ausgeführt werden. — Der Hauptzweck der Truppenbewegung sei, die Ueber- wachung des Bezirkes von Essen sicher zu stellen. Zu gleicher Zeit würden französische, belgische und italienische Ingenieure sich an die Punkte begeben, von denen aus die Förderung der Kohle erfolge, nicht etwa um die Leitung der Arbeiten zu übernehmen, sondern um eine Ueberwachung zu organisieren.
Verleaung des KvhlenfyndiKaks.
Rach einer Meldung der „Deutschen Allgem. Zeitung" beschloß gestern eine in Essen ungehaltene Mitgliederversammlung des Rheinischwestfälischen Kohlensyndikats einstimmig, unter Zustimmung der Arbeitervertre- ter, den Sitz des Sydikats von Esten nach Hamm zu verlegen. — Wie das Blatt dazu bemerk, lebnt das Snndikat durck
diesen Beschluß es ab, die ihm von Poincarè zugedachte Sklavenarbeit zu unterzeichnen und den Feinden, die den Versailler Vertrag durchbrochA, haben, ein Kohlenverkei, bmnsinsirumenk von der organisatorischen Bedeutung, wie es das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat darstellt, in die Hand zu geben. Durch die Verlegung des Syndikats wird die VroduklivikSl des Kohlenpfandes stark geschmälert, denn PoincarS muß an die Stelle des Koh. lenl"ndikats eine eigene Oraanstanon fetzen, obne die langjährige Erfahrung und das deutsche Organisationstalent hierfür zu haben.
Ein Aufruf der Reichsregierung.
Berlin, 9. Jan. Der Reichspräsident hat an die Bevölkerung des von der neuen Besatzung bedrohten Gebiets folgenden Aufruf ge- richlet, der durch öffentlichen Anschlag verbreitet wurde:
Mitbürger! Gestüb; auf militärische Gewalt schickt sich fremde Willkür an, erneut das Selb st bestimmungsrecht des deutschen Volkes zu verletzen; abermals erfolgt ein Einbruch unserer Gegner in deutsches Land. Die Politik der Gewalt, die seit dem Friedensschlüße die Verträge verletzt und die ZNenschenrechte mit Füßen tritt, bedroht das Kervgebiek der beuten Wirtschaft, die Haupt- auelle unserer Arbeit, das Bros de deutschen Jndusis'» und der grumten Arbeiterschaft. Die Ausführung des Friedensver- kraas wird so zur absoluten Unmog- ich k e i k. Zugleich werden die Lebensbedingungen des schwerleidenden deutschen Volkes noch weiterhin zerrüttet. — Der Vertrag von Versailles sollte den Völkern den ersehnten Frieden tzrinasn. Das hier aslchirht, ist aber eine Fortsetzung des Anrechtes und der Gewalt; es ist Vertragsbruch, angetan einem entwaffneten. wetzrk»sen Volke. Derstsch^and war bereit, zu leisten, soweit feine Kraft reicht. Trotzdem wird es nun überfallen. Diesen Gewaltakt flagen wir vor Europa und der ganzen Welt an: laut erbeben wir unsere Stimme, daß hier eine fremde Macht das heiliae Recht des deutschen Volkes am eia»n»n Boden und sein Recht zum Leben ver- gewaltigt.
Run sollt Ihr für d»s aarte deutsche Vaterland das harte Los der Fremdherrschaft erleiden: HarrtausinduldendcrTreue, bleibt fest, bleibt ru^M und bleibt besonnen. Tretet im Gefühle unseres guten Rechts in ernster Würde den fremden Gewalthabern entgegen, bis dè-- Maraen ^*. der dem Vecht seinen Vlatz und Euch die Freiheit gibt. Wir aber geloben Euch treue Hilfe; unsere rastlose Sorge wird Mn. nichts nnae^»tzen w teMn, um die Dauer der Fremdherrschaft ab-nkârzen, Eu^e Rot zu lindern und den Weg zum wahren Frieden zu ünben. An deutschen Gemeirünn und an opferfreudige Vaterlandsliebe werden die fremden Machlplöne zerschellen! Hallet alle Zeit hoch die deutsch» E'n^»'^ ""d v"^- mites Be^f! Reichspräsident Ebert. Reichskanzler Cuno.
Treue um T^eue.
B e r l i n, 9. Jan. Im Auftrage des Wirtschaftsausschusses des besetzten Gebiets richtete Geh. Kommerzienrat Louis Hagen an den Reichskanzler ein Telegramm, wonach der Wirtschaftsausschuß des besetzten Gebietes dem Reichskanzler und der gesamten, Regierung dir Zusicherung ausspricht, daß die Wirt- schaftskreisc des besetzten Gebiet- getreu dem wiedecholt gegebenen Versprechen, alle Lasten und alle Qual auf sich zu nehmen bereit sind. Der Wirtschaftsausschuß gibt sich der bestimmten Hoffnung hin, daß auch die Reichsregierung an der seit dem Antritt ihres verantwortungsvollen Amtes dem Rheinland gegenüber eingenommenen Haltung durchaus festhält. _, _
Der Reichskanzler antwortete: Dem Wirtschaftsausschuß des besetzten Gebiets sage ich namens der Reichsregierung für die Kundgebung treuer Anhänglichkeit wärmsten Dank. Die tätige Fürsorge und eingehende Arbeit für die besetzten Rheinlands ist der Reichsregierung in allen ihren Mitgliedern sowohl Herzenssache wie vornehmste politische Pflicht des Augenblicks. Unerschütterlich wird die Rcichvregierung an ihrer bisherigen Stellungnahme gegenüber dem Rheinlande fefttzalten und alles tun was in ihren Kräften steht, um die von dem besetzten Gebiet um Deutschlands willen getragenen schweren Lasten zu erleichtern.
Dollar (10 Uhr vorm.) 10900