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WMWM PnWr MW SW. ®$e»‘mmerer sr. Heillgrett des POstes, Müder des ,Bonifa iusboten'.

Ein Lebensbild von Pfarrer P. J. Nau in Steinhaus

Das Vermögen der Seminare wurde in staat­liche Verwaltung genommen und die Räume und Gärten wurden an protestantische und jüdische Fa­milien vermietet. Sogar ein englisches Mädchen- pensionat hat später darin sich niedergelassen. Die geistlichen Lehrer, welche im Seminar ihre Woh­nung hatten, mußten ausziehen. Nur die beiden Regenten, Regens Dr. Komp und Subregens Schick durften wohnen bleiben, Komp wohnte im Nord­flügel und Schick im Südflügel. Die Wohnung Schicks lag günstiger, weil sie durch einen Ver­schlag von den übrigen Insassen des Hauses abge­schlossen werden konnte, während Komp, wenn er im Dom zelebrieren oder amtieren wollte, das ganze Seminar passieren und dabei neugierige und freche Blicke und Bemerkungen ertragen mußte. Wie wehmütig wird beiden manchmal zu Mute ge­wesen sein, wenn sie durch die heiligen, jetzt pro­fanierten Räume gingen! Sie hatten keine eigene Haushaltung, sondern ließen ihr Mittag- und Abendessen durch den Pförtner Nikolaus aus dem Darmstädter Hof, später aus dem Mutterhaus holen und aßen zusammen auf einem Zimmer des Sub­regens. Sie wuschen und spülten auch anfangs selbst die Koch- und Eßgeschirre, freilich oft in männlich unbeholfener Weise. Jeden Monat ein­mal pflegte der Schreiber dieses in der Kultur­kampfzeit mit noch anderen Gymnasiasten den Sub­regens Schick zu besuchen. Wir wurden immer freundlich und liebevoll ausgenommen, erhielten jeder ein oder zwei Gläschen Wein mit einem Im­biß Brot, das der Pförtner besorgte und jedesmal eine geistige Zugabe in Form einer erbaulichen Er­zählung oder freundlichen, durchaus nicht aufdring­lichen Belehrung. Unser größtes Erstaunen erregte feine große Bibliothek mit Hunderten von Büchern und über zwanzig Foliobänden von Suarez. Aus ihrem Lehrberuf jäh herausgsrissen und zu unfrei­williger Must verurteilt, beschäftigten sich beide Herrn Regenten viel mit wissenschaftlichen Studien. Komp schrieb damals seine Fuldaer Geschichtswerke „Beruh. Schenk von Schweinsberg, Balthasar von Dermbach", die zweite Schule Fuldas und das päpstliche Seminar und das Leben des Bischofs Kött. Schick vertiefte sich in das Studium der Mo­raltheologie, eine Wissenschaft, die seiner Geistes­richtung am meisten zusagte und die er als vielbe­schäftigter Beichtvater und Seelenführer am besten verwerten konnte und später als Professor der Mo­ral am Priesterseminar dozieren sollte. An der Seminarpforte außen hatten die zwei Herrn eine Aufschrift anbringen lassen, daß sie zu jeder Zeit zum Beichthören bereit seien. Dies Anerbieten wurde, besonders nach Aufhebung des Klosters Frauenberg, gern und viel benutzt von Stadt- und Landleuten. Täglich, und namentlich an Sams­tagen, Sonn- und Feiertagen undün der österlichen Zeit, hat Subregens Schick viele Stunden lang vom frühen Morgen bis zur Mittagzeit und nachmittags bis in die Nacht unermüdlich Beicht gehört und sich da den Ehrennamen „Veichtschick" verdient. Längst trug er diesen Namen bei den Fuldaern Land­euten, bis er dann auch in der Stadt Fulda be- Unnt wurde durch ein Bäuerlein, das den ver- torbenen Domküster Hollinder in der Sakristei ragte, ob denn der „Bichtschick" nicht da sei. Auch >atte sich die Sage im Fuldaer Land gebildet: „daß er die Unterlippe herabhängen ließe, komme vom vielen Vichthören".

Für das Amt eines Beichtvaters besaß Schick, das darf man wohl sagen, ein besonderes Charisma (Gnadengabe) wie der hl. Pfarrer von Ars. Nur so erklärt sich das ganz allgemeine und unbegrenzte Vertrauen vieler Tausenden von Beichtkindern zu ihm. Sein Veichstuhl in der Domkirche zu Fulda war immer förmlich umlagert bis in die letzten Lebens­jahre, bis Krankheit und Siechtum ihn nötigten, sich Beschränkung aufzulegen. Im Kulturkampf hat er das Kloster Frauenberg fast ersetzt. Nach eignem Geständnis hat Schick jährlich an 20 000 Bsichren gehört, darunter sehr viele Gensralbeichten. D;e letzte Beichte hat er gehört von seinem Sterbebett aus am Abend vor seinem Tod, die des treuen Seminarpsörtners Renzel.

Wie er sein Beichwater-Amt aufgefaßt und in welchem Geist er es verwaltet, mag man ersehen

aus der Vorbemerkung zu seinem Schriftchen: „Kurze Anleitung zur Verwaltung des Bußsakra- mentes." (Aktiendruckerei Fulda, 3. Aufl.) Nach­dem er dort die Macht und Würde des heiligen Amtes in eindringlichen Worten auseinandergesetzt, fährt er fort:

„Doch so erhaben das Amt des Beichtvaters ist, so schwer ist auch dessen Verwaltung und so groß die damit verbundene Verantwortung. Der Beicht­vater muß über die Sünden, über ihre Zahl und Gattung ein richtiges Urteil fällen können: er muß wissen, wann er die Lossprechung zu erteilen, wann zu verschieben oder zu verweigern hat. Beicht­kinder, die nicht vorbereitet sind, muß er vorzube- reiten suchen, und wenn ihm dies nicht gelingt, so muß er sie so-entlassen, daß sie nicht, wie Papst Leo XII. sagt, a Sacramento reconciliationis of- fensi discedant, vom Sakrament der Wieöerver- söhnung abgeschreckt hinweggehen, sondern gern und bald als disponiert zurückkehren. Die Buße, welche er auferlegt, muß sowohl der Sündenschuld entsprechen, als auch den Verhälmissen des Pöni­tenten Rechnung tragen und heißam sein. Auch soll der Beichtvater die Mittel kennen, deren An­wendung notwendig ist, um die Beichtkinder gegen den Rückfall zu schützen, in dem Stande der Gnade zu erhalten und zur christlichen Vollkommenheit zu führen. In der Hand des Beichtvaters liegt zum großen Teil das ewige Heil des Beichtkindes. Je i nach der Behandlung, d«e es im Bußgerichte er- i fährt, kann es leicht gerettet werden oder ewig ocr= I loten gehen. Was aber ?1 wichtiger als das ewige Heil oder das ewige Verderben Der «eele?

Hieraus ergibt sich das hohe Verdienst, das mit der würdigen Verwaltung des Bußsakramentes verbunden ist. Der gute Beichtvater übt in vorzüg­lichem Sinne alles, was Gottgefälliges in den Werken der geistlichen und leiblichen Barmherzig­keit liegt. Er lehrt die Unwissenden, führt die Irrenden zurück auf den rechten Weg, verzecht Be­leidigungen, tröstet Betrübte, gibt Rat den Zwei­felnden, bittet wirksam um Gnade für die, welche in Gefahr ihres Heiles sind, erlöst aus der Ge­fangenschaft des Teufels, bekleidet die Nackten mit dem Gewände der Gnade und erquickt Hungernde mit geistlicher Labung. Daher müssen denn auch vor jedem andern auf den guten Beichtvater die Worte des Herrn Anwendung finden: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." Diese Werke der Barmherzigkeit sind noch um so verdienstlicher, als sie nicht anders als in der Ausübung der vornehmsten Tugenden, be­sonders der Geduld, der Sanftmut, der Selbstver­leugnung vollbracht werden können.

Der Größe des Verdienstes entspricht der Segen der guten Verwaltung des Beichtvateramtes. Wäh­rend der Priester als Prediger, Katechet, Berater, Ermahner mehr an der Oberfläche der Seele ar­beitet, dringt er als Beichwater in das Innere des Gewissens ein und kann wirksamer als bei irgend einer anderen geistlichen Funktion vom Bösen ab­halten und zum Guten aneifern.

Unendlich wichtig ist also die Verwaltung des Vußsakramentes. Daraus ergibt sich für den Prie­ster die strengste Pflicht, daß er nichts vernachlässige, sondern alles tue, um es gut würdig zu verwalten. Hierzu aber bedarf er einer doppelten Vorbe­reitung, einer entfernteren und einer näheren.

Die entferntere Vorbereitung besteht in dem gründlichen und fortgesetzten Studium der Moral­theologie.

Die nähere Vorbereitung bestehe vornehmlich darin, daß der Beichwater, so oft er seines hl. Amtes waltet, sein Vertrauen auf Gott setze und bete um Erleuchtung und um Kraft von oben. A' h fasse er den besondern Vorsatz, unter allen Umständen, gleich dem frommen Dulder Job, eine unerschütter­liche Geduld zu bewahren und sanftmütig zu sein, wie das Herz Jesu sanftmütig war.

Endlich gehe der Beichtvater an die Ausübung seines Amtes mit hl. Freude und mit Dank gegen Gott, der ihn zur Verwaltung dieses göttlichen Dienstes auserwählt hat. Er sei fest überzeugt, daß Gott es ist, der ihm die Seelen zuführt, damit sie durch ihn gerettet und selig werden."

Wie er es verstanden hat, in das Gewissen zu reden, mögen Priester und K'eriker nachlesen Seite 23 bis 31 des genannten Schriftchens unter der Ueberschrift: „Vorbereitung unvorbereiteter rück­fälliger Sünder",

Unser Vorbild.

(Asm Seite der lieben tzl. Elisabeth.)

Fast 700 Jahre sind seit dem 19. November 1231 verflossen, dem Todestage der hl. Landgräfin von Thij. ringen, der „lieben deutschen Heiligen". Im Jahre 1207 trat sie als ungarische Königstochter in Preßd^rg in diese West und erhielt in der heiligen Taufe den Samen Elisabeth, das heißt die Gottbegnadete. Wun- derbar stich regte sich schon in dem kleinen Kinde die Gottes- und Sä^ftenliebe. Kaum drei Jahre alt, lallte es gern kleine Gebete nach und suchte mit trip, pelnden Schritten die Armen und Kranken auf, um sie zu trösten und zu erfreuen. Durch den Ausspruch eines Steruü«ulers bewogen, begehrt« der angesehen« Landgraf Hermann von Thüringen das vierjährige Kömgskmd von Ungarn zur Braut seines Sohnes Lud. wig, der damals sieben Jahre zählte. Die Verlobung fand wnMch statt, und Ettsab.th kam auf die Wart­burg in Thüringen, um mit ihrem zukünftigen Gemäss gemeinsam erzogen zu werben. Drei Jahre darauW wunde ihre Slutter, die Königin Gertrud, in Ungarin grausam ermordet. Zu diesem Schmerz befiel Elisa­beth noch bitteres Heimweh. Aber in der Fromm,g. feit fand sie Trost, besonders durch ihre Mildtätigkeit. Alles Geld, das sie geschenkt erhiest, verteilte sie unter die Armen und wußte immer neue Gründe auszu. denken, um mehr Geld zu erhalten. In Küche und Kammer strich das gute Kind umher, um Speiserest« für seine lieben Armen zu suchen. Aus Elisabeth neun Lahre alt war, starb der Landgraf Hermann auf einer - Reise. Er hatte ihr niemals Hindernisse im den Weg gelegt. Das wurde jetzt anders. Die Landgräfin Sophie, eins eitle Weltdame, verwies Elisabeth 'hre religiösen Uebungen und Samariter-aten als unpassend für eine Königstochter. Als diese sich aber nicht ein-M schüchtern ließ, kamen zu den Verweisen Spott, Hohn und Beschimpfungen, die Hofleute machten es ihrer Herrin nach, und bald war Ensabeth von allen verâ lassen. Wc.ch glänzendes Beispiel gibt uns da das zehnjährige München! Keine Spottred m und kein Schimpf vermochten es in seiner Frömmigkeit und seiner Liebe zu den Armen und Kranken zu erschüttern. Wie feige und erbärmlich benehmen sich oft Jünglinge / und Männer, wenn es gilt, die religiöse Ueberzeugung zu bekemren! An Elisabeth könnten sie sich ein Beispiel nehmen.

Je näher die Zeit der Vermählung kam, desto 4 »mehr nahm der Haß gegen das gottselige Kind zu, das » doch keinem Menschen ein böses Wort gab, ja man ' drohte der „VotsüMesier", sie nach Ungarn zumchu- schiclen oder in ein Kloster zu sperren. Mit heiüen- mütiger Standhaftigkeit ertrug Elisabeth alle diese Leiden und Prüfungen und murrte nie gegen Gott. Den jungen Landgrafen Ludwig versuchte man natür­lich mit Lüge und Verleumdung gegen seine Braut aufzuhetzen, aber zu seiner Ehre muß gesagt werden, daß er in ter Liebe und im Vertrauen zu seiner „guten Schwester", wie er sie nannte, nie wankend wurde. Um allem gehässigen Treiben ein Ende zu »wachen, setzte irr Bräutigam den Hochzeitstag schon auf Las Jahr 1221 fest, als Elisabeth 14, Ludwig 17 Jahre zählte.

Seiner jungen Frau ließ der edle Landgraf Ludwig alle Freiheit zu Uebungen her Frömmigkeit und Varmherzigkeitt Das eheliche Verhältnis beider war musterhaft, jeder Teil betrachtete sich als den Schutz­engel des anderen. Niemals überließ sich Elisabeth der Weichlichkeit, sondern übte sich in der Selbst- beherrschung und Abtötung durch Verzicht auch auf erlaubte Genüsse und durch strenge Bußübungen, gd nvucffadjen und glänzende Kleider legte sie nur an hohen Festtagen an, daheim spann sie mit ihren Hof­damen Wolle und fertigte daraus Kleider für Arme. Ihre Wohltätigkeit kannte übeilpupi keine G enzen. Kein Wetter und feine Beschwerde hielten sie ab, die Armen und Kranken seit st aufusuchen, vor keiner Unreinlichteit in elenden Hütten, vor keiner noch so häßlichen Kraickheil am Leibe eines Fremden schreckte sie zurück. An diese ihre barmherzige Lebe ant) opferfreudige Wohltätigkeit knüpft die bekannte Le« gende ron Clisabehts Rosen an, aus der em tiefer ginn, eine geistige Wahrheit spricht. Die Wohltaten, die wir aus christlicher Liebe den Firmen erweisen, verwandeln sich gleichsam in Rosen und flech sn sich für den Geber zu einem Kranz, der in der Ewigkeit we'terb üht.

Auch als Elisabeth die Fürsten kröne trug, blieben ihr Der.eumdung, Haß und Spott nidjt erspart.» Aber» sie verkoppelte ihre Liebestätigkeit urd ließ sich nicht > irre machen. Als sie während der AbvesuHsit ihres । Gemahls die Regierung führte, wies sie alle ihre Ein­künfte zur Linderung des Elends an u d ließ allein auf der Wartburg täglich für 900 Arme Brot backen. M