Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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Kossel, den 29 Oktober {922.
52. Iahrg.
Wochenkalender.
g, 29. Okt. 21. nach Pfingsten.
g, 30 Okt. Vom Ta^e.
ag, 31. Okt. Vigir von Allerheiligen. Wolfgang, B.
ch. 1. Nov Allerheiligen.
iftog, 2. Nov. Alleiseelen.
g^3. Nov. Von der Oktav von Allerheiligen. Hubert an, 4 Nov. Hl. Start Bo romäus; Gedächtnis d. v v. Allerheilr en u. d hl Mart Vitalis u. Agrikola, iges Gebet m Allendorf (KreiS Kirchhain. i
ndzwânzlgker Sonntag nach Pfingsten
Vom unbarmherzigen Knechte.
(Evan?el Matth. 18, 23—35.)
n jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern Gleictu s: Das Himmelreich ist einem Köni e der mit seinen Knechten Rechenschaft halten Als er zu rechnen anfina, brachte man ihm der ihm zehntausend Talente schuldig war.
• aber nichts hatte, wovon er bezahlen sonnte, sein Herr, ibn und fein Weib, uno seine Kmocr lles, was er batte, zu verkaufen, und zu bemhlen. t i er Knecht vor ihm nieder, bat ihn und sprach: Leduld mit mir, ich will dir alles bezabün Und irmte sich der Heir über diesen Knecht, ließ ihn nd schenkte ih n die Schuld. Als aber dieser hinaus,egannen war, fand er einen seiner Mit- , der ihm hundert Denare schuldig war: und er ihn, würate ihn und sprach: Bezahle, was du i bist! Da fiel ihm sein Milknecht zu Fußen n und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will es bezihlen Er aber wollte nicht, sondern oina nd ließ ihn ins Gesän inis werten, bis er die bezahlt hätte. Da nun seine Mitknechte sahen, eschehen war, wurden sie sehr betrübt: und sie hin, und erzählten ch-em Herrn alle', was sich men hatte. Da rief ibn sein Herr zu sich und zu ihm: Du bö'er Knecht! die ranze Schuld ch dir nach Classen, weil Du mich gebeten hast: denn nicht auch du deines Mitknechtes dich er. l, wie an n ich mich deiner erbarmte? Uno sein vard zornl', und übergab ihn den Peini ern, sie ganze Schuld bezrhlt haben würde. So wird ein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ht, ein Jeder seinem Bruder, von Herzen ver-
Goldene Sprossen.
llerheiliaen" öffnet den Vorhang von ^^'^ ^r Schaubühne des Himmels uno MW läßt unfein Blick ruhen auf der Schar der Bekenner und Juna- frauen und Ma ihrer und Bischöfe ^ und Apo >el und Engel und Erz- nd Cherubim und Seraphim. Obwohl üde> igen Gefilde die Sonne der göttlichen Barm- u strahlt, so waltet doch auch die Gerechtig- es schönen, erhabenen Amtes. Denn nicht alle
Seligen genießen einen gleichen Grad der Seligkeit. Der Himmel gleicht einer Lener mit lauter goldenen Sprossen. Eine jede Spiosse ist auS Gold: auf feder Spiosse genießen dre Hnligen die Anschauuna Gottes; auf jeder Stufe ist das Glück groß und treu und ewig. Aber trotzdem ist eine Stufe hö pr als die andere Denn es gibt verschiedene Grade der Seligkeit, die sich richten nach den verschiedenen Graden der Heiltgkeit. Je heiliger einer war auf Erden, desto höher ist seine Stufe im Himmel. Sieb, das ist der letzte Trumpf der göttlichen Gerechtigkeit
Dieke Verschiedenheit in der Glückseligkeit der Gerechten ist eine Forderung der Vernunft. Lohn und Strafe müssen verschieden sein. • Beim Akkordlohn hat derjenige mehr, der fleißiger gearbeitet hat, der eine hö wre Leistung erzielt hat. Akkordlohn ist der gerechteste, wenn er auch zur Zeit verlästert und verpönt ist. Und der Himmelslohn ist Akkordlo n! „Feder wird seinen Lohn erhalten nach seinen Werken."
Das ist auch eine Forderung der göttlichen Gerechtigkeit Lohn und Strafe müssen verschieden sein, je nach der Verschiedenheit der guten oder bö en Werke. Ein Körber wird nicht die nämliche Stase 6 so ii men wie ein Flucher, sondern eine größeie. Wenn auch der Mörder und der Fincher in bei Zeichen Hölle sind, so leidet doch der erstere größere Qualen als der zweite. Ebenso erhält auch ein Mäi- y^er n'd)t die gleiche Belohnung wie ein Bekenner, andern eine größere.
Ausdrücklich versichert uns die hl. Schritt, daß ^ie Belohnungen des Himmels verschieden sind an Grad und Größe. Der Heiland ermahnte eine« Tares zur Barmherzigkeit: „Seid barmherzig wie euer Vater im Himmel barmherzig ist: richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; vergebet, und es wird euch vergeben werden; gebet, und es wird euch gegeben werden; ein gutes, ein volles, ein einqe« drücktes, ein gerütteltes Maß w rd man auch in den Srdoß geben: denn mit demselben Maß, mit dem ihr messe', wird euch wieder zurück gemessen werden" (Luk. 9, 36.) Und hat nicht der Heiland auch gpfagt, bau „rn seines Vaters Hause viele Wohnungen sind"?
Das ist auch die Lehre des Völkerapostels. „Stern untei scheibet sich von Stern in der Klarheit", fau er. Wenn al o die Heiligen Sterne sind und ein leder von ihnen glänzt wie eine Sonne, so wird doch tue Leuchtkraft und Schönheit jedes einzelnen Sternes eine verschiedene sein. Und woher dieser Unterichied? Einzig und allein aus dem Maß dei Tugend, dec Verdienste, der Heiligkeit. Ein ander mal fordert Sankt Paulus die Korinther zur Wohl- tätigkeit auf. Nun weiß Paulus als Menschen kenner sehr gut, welch große Rolle die Rücksicht auf den eigenen Vorteil ip elt. Von dieser Seite pack er als Meister der Seelenkunde seine Leser. Höret eine eigenen Worte: „Das will ich euch sagen: wer wärlich jät, der wird auch spärlich ernten: wer aber
reichlich sät, der wird auch reichlich ernten". (2. Kor. 9, 6)
Wie die Saat, so die Ernte. Das wissen die Landleute. Der Bauer, der am Saatgut spart, der spart zu seinem eigenen Schaden. Wer aber für das Saatgut sich's etwas ko'ten läßt, wer die beste Qualität und lieber zu viel als zu wenig nimmt, der verschwendet zu seinem eigenen Vorteil.
Verschiedene Grade gibt es al o in der Seligkeit. Wird da nicht dem Neid und der Mißgunst Tür und Tor geöffnet sein? O nein; denn es sind alle geeint und alle glücklich in der Liebe zu Gatt. Höre darüber den hl. Laurentius Juuinianus: „Alle werden im Himmel aus einem Strome der Wonne getiânkt, von einem Lichte der Wahrheit bestrahlt, durch ein Band der Liebe verknüpft. Daher ha Jen sie nichts eigenes, suchen nichts Gesondertes und et* freuen sich nicht minder über das Glück der andern als über ihr eigenes Ja, sie teilen sich gegen eilig ihre Gaben mit und nehmen Anteil an den gegen» eiligen Gütern. Ist auch ihre Glorie verschieden, so ist doch einträchtig das Verlangen ihres Wille-'s."
Ich möchte den Himmel mit einem Theater vergleichen. Da gibt es verschiedene Plätze. Wer einen hö leren Eintrittspreis bezahlt, bekommt einen ''esseren Blatz. Aber auch diejenigen Zuschauer, die geringe Plätze haben, sehen das Schuu'piel, wenn auch weniger gut. Ae'rnlich ist es im Himmel: wer einen höheren Eintrütspreis bezahlt hat, wer mehr Opfer gedroht, me r Tugend geübt, mehr gute Werke augesammelt, mehr Mimosen gegeben hat, der beko nmt einen besseren Platz. Aber auch alle an» deren, die in der Gnade Gottes hinübergegangen sind, trinken in vollen Zügen aus dem unerschöpflichen Meer der Sel'gkeit.
Schau hinein in den Himmel, liebe Seele; freue dich beim Anblick deiner glücklichen Bi über; folge ihnen nach. Eines aber laß dir gesagt lein : stecke das Ziel nicht zu tief! Denke nicht bei dir selber: w nn ich auch nur einen Stehplatz dort oben bekomme, will ich zufrieden sein. Solche Sprüche sino Schlafpulvec der B q-iemlichkeit. Da wirst du im großen Haufen marschieren, von dein der Heiland lagt: breit ist die Straße, die zum Verderben führt. Ter hl. Theresia wurde einst von ihrem Schutzengel der Platz in der Hölle gezeigt, der für sie benimmt war, wenn sie in der alten Lauheit weitergelebt haue. Hörst du es? Nicht ein Platz im Fegfeuer, andern in der Hölle. Denn jene Lauheit bät e sicher zum Lasier geführt, das in der Hölle mündete. Also höher gezielt Wenn dann durch die Wider- Hände der Ve> suchungen und der Welt de? Pfeil n edriger fällt, dann wollen wir auch mit dem etz'en Platz zu rieden sein, der schöner sein wird als ein Prunk alou in einem Schloß. Als Frucht non „Allerheil gen" n ö ,e der Vorsatz reisen den Sankt Johannes Berchmanns in die Worie gekleidet ’tv: «Ich will ein Heiliger werden, ein großer Heiliger, in kurzer Zeit."
Der Burgpfarrer.