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Ausgabe B«

Uaffel, den 22. Oktober 1922.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag u. kostet olerteljâhrl. Ausg. A 45.00 Mk., 3 50. Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzekle oder deren Raum 5.00 Mk. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert« und Auskunft-Anzeigen 5.00 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

....... Druck asb Vertag der Fuldaer Actiendruckerei

Wochenkalender.

ag, 22. Okt. 20. nach Pfingsten. SeveruS, B. dula, Jgfr. u. M.M üttersonntag". ag, 23. Okt. Vom Tage.

tag, 24. Okt. Vom Tage (Raphael, Erzengel).

>och, 25. Okt. Hll. Chrysanthus und Daria, Ehe- e u. M.

rrstag, 26. Okt. Hl. Evaristus, P. u. M.

lg, 27. Okt. Vigil der hll. Apostel Simon und

>aS. (Frumentlus, B.)

tag, 28. Okt. Hll. Apostel Simon und Judas.

wonnigster Sonntag nach Pfingsten-

(Evangel. Joh. 4, 4654.)

st jener Zeit lebte ein Königlicher, dessen Sohn lpharnaum krank lag. Da dieser gehört hatte, esus von Judäa nach Galiläa gekommen sei, be- r sich zu ihm, und bat ihn, dag er hinabkomme inen Sohn heile; denn er war daran, zu sterben, rach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und :r sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königliche zu ihm: Herr, komm hinab, ehe mein Sohn Jesus sprach zu ihm: Geh' hin, dein Sohn lebt. er Mann glaubte dem Worte, welches ihm Jesus hatte, und ging hin. Und da er hinabging, be­en rhm seine Knechte, verkündeten ihm, und sagten, nn Sohn lebe. Da erforschte er von ihnen die e, in welcher eS mit ihm besser geworden war. ie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente r verließ ihn daS Fieber. Da erkannte der daß es um dieselbe Stunde war, in welcher zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er : mit seinem ganzen Hause.

Sin guter Tausch.

er gegen ein dunkles Kellerloch ein schönes Schloß, gegen einen Lum­pen einen prächtigen Mantel, gegen Glasscherben Goldstücke eintauscht, hat sicher einen guten Tausch ge- macht. Einen noch besseren Tausch

lachen wir, ioenn wir gegen die Erde den l, gegen das zeitliche das ewige Leben ein» es ewige Leben, diese ewige Seligkeit wird e Gott in seiner unendlichen Gerechtigkeit und hen Freigebigkeit denjenigen schenken die ihm )ient haben. Das ist der Lohn, den'er ihnen t beim Gericht. Wir haben gesehen, daß ) Gott umsonst dient, daß Gott schon in

Selig sind die Armen im Geiste: denn ihrer ist das Himmelreich".

Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen".

Selig sind, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit: denn fiejoerben gefäitigt werden".

Selig sind die Friedfertigen: denn sie werden Kinder Gottes heißen".

Selig sind, die Verfolgung leiden um der Ge­rechtigkeit willen; freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel".

Irdischen Lohn und Erfolg hat der Heiland für nichts gehalten, ja sogar feine Apostel davor gewarnt. Als sie einst freudestrahlend von einer Million zu­

diesem Leben gut bezahlt, daß er seinen Freunden Wohlergehen und Gesundheit und Ehre und Ansehen und viele zeitliche Güter schenkt, ja sogar manches­mal wunderbar ihnen zu Hilfe kommt. Doch dieser irdische Lohn ist nur eine Abschlagszahlung; der endgiltige Lohn, der hauptsächlichste Lohn, der eigentliche Lohn winkt uns erst über drn Sternen im Besitze der ewigen Seligkeit.

Sieh, das ist die untrügliche Verheißung des göttlichen Heilandes. Petrus, der sein Gewerbe, seine Schiffe, seine Netze, seine Frau, seine Familie, sein alles verlassen hatte. um ausschließlich und un­geteilt Jesus zu dienen und der Seelenjagd obzu- behen, eines Tages ganz versunken in den Gedanken, ob er wohl einen guten oder einen schlechten Tausch gemacht habe, platzte heraus mit der Frage:Meister, siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nach­gefolgt: welcher Lohn wird uns dafür zuteil wer­den? Jesus aber sprach zu ihm und seinen Mit­aposteln:Wahrlich, ich versichere euch: ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Neuordnung der Dinge, wenn der Menschensohn auf dem Thron einer Herrlichkeit erscheinen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen, um die zwölf Stämme Israels zu richten; und jeder, der HauS oder Bruder, oder Schwester, oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Aecker verlassen wird um m ines Na­mens willen, der wird hundertfach bekommen und das ewige Leben besitzen". (Mt. 19, 27.)

Siehst du, was der Heiland verheißt? Nicht Gold oder Silber, nicht Grundstücke oder Schlösser, nicht Ehren oder Aemter, sondern Herrschaft mit dem Herland im ewigen, seligen Himmel mit all seinen unbeschreiblichen Gütern, die hundert und tausend Mal mehr wert sind als all die nichtigen Herrlichkeiten dieser vergänglichen Erde.

Ja, der Himmel mit der Anschauung Gottes, mit seinem unermeßlichen Reichtum, mit seiner Ewigkeit von Freuden, der schwebt dem Heiland alleweil vor Augen und darauf hat er immerdar unsere Blicke gerichtet und den hat er uns in tausend Bildern und Gleichnissen verheißen:

rückkehrten und zu ihm sprachen: »Sogar die bösen Geister sind uns untertan", da gab er ihnen die denkwürdige Antwort: »F-euet euch nicht darüber, daß euch die bösen Geister untertan sind, sondern daß eure Namen im Himmel geschrieben sind".

Und dann die Geschichte vom armen Lazarus. Was hat denn dieser arme Wurm auf Erden be­kommen für all seine Demut, seine Geduld, seinen Glauben, seine Gottergebenheit? Außer dem Trost seines Gewissens nichts als Schimpfworte und Rippenstöße. Ein Hundeleben war es zu nennen und ein Hundeleben ist es geblieben bis an den stand des Grabes. Ist das alles? Wenn das alles wäre, dann hätten wir allen Grund, an der Ge­rechtigkeit zu verzweifeln. Doch das ist nicht allesZ Der Heiland hat dieser Geschichte noch einen Schluß beigefügt, der uns mit dem ganzen Geschick des Lazarus versöhnt.Lazarus starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen". Dort iah ihn der Prasser, als er aus den Qualen der Hölle die Augen erhob, sah ihn dort in behaglicher Ruhe, in seligem Glück, im Besitze des höchsten Gutes. Siehst du den herrlichen Tausch, den La­zarus gemacht hat? Aus den Lumpen in weiße Kleider, vom Hungertuch an die Himmelstafel, aus der Gesellschaft der Hunde in die Freundschaft der Engel und Auserwählten, aus der Verachtung zum Lob und zur Anerkennung aus dem Munde Gottes, aus dem engen Winkel in den Tempel der Herrlichkeit. Betrachte aber auch den bösen Tausch des reichen Prassers: den roten Purpur vertauscht er mit den glühenden Flammen, den feinen Byssus mit Pech und Schwefel, die Ströme Weines mit entsetzlichem Durst, die Gesellschaft der Spaßmacher und Musikanten mit dem Geheul der Verdammten, die Lobreden der Zechgrnossen mit den Bissen der abscheulichen Würmer, die zeitlichen Leiden mit den ewigen Qualen.

Und eine »große Kluft" ist aufgerichtel zwischen Lazarus und dem Prasser, die Kluft der Ewigkeit. Ist es da noch ein Wunder, wenn denkende Menschen, vorab die Heiligen, nur baut Gesichtspunkt der Ewigkeit sich leiten ließen. Kennst du das Helden« oeispiel des Thomas Morus? Als er im Kerker chniachtete, kamen Frau und K-ndec zu ihm, um ihn zu verleiten, dem Papste die Treue zu brechen. Tu es wenigstens mit Rücksicht auf mich und die Kinder; wie viele Jahre sonnten wir dann noch llücklich mit einander leben. Darauf Thomas:Wie bie'e meinst du denn, liebe Frau?" Sie antwortete: mindestens zwanzig. Da rief Thomas aus: da wäre ich ein ichlechtcr Kaufmann, wenn ich wegen zwanzig dazu ungewisser Jahre eine ganze Ewigkeit aufs Spiel setzie! Und er blieb fest und er ließ sich den Kopf abschlagen, aber seine Seele ging in die glück­liche Ewigkeit! Freunde! Vergessen wirs nie: Gott st gerecht.' Er zahlt mit ewigem Lohn. Drum nicht ermüden im Guieâtun: wir werden einst ernten nie goldene Garbe der unermeßlichen himmlischen Freude Der Burgpfarrer.