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Nasjel, den 8. Oktober (922.
Nr. 41
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Ausgabe B. WZ
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 45.0) Mk., B 50.— Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 5.00 Mk. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert» und Auskunst-Anzeigen 5.00 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Befiß der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei.
wochenkalendLr.
8. Okt. 18. nach Pfingsten. Ged. d. hl. Birgitta.
9. Ökt. Hl.Dionyüus, Bischof u. M. Rustikus u. eiius, M.
;, 10. Okt. Hl. Franz von Borgia, Bekenner.
1, 11. Okt. Vom Tage. (Fest d. Mutterschaft
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Nag, 12 Olt. Vom Tage. (Maximilian, B. u M)
13. Okt. HI. König Eduard.
3,14. Okt. Hl. Kallistus, P. u. M. Hl. Burck-ard, f u. Bekenner.
tzehnter Sonntag nach Pfingsten
(Evangel. Matth. 9, 1—9.)
jener Zeit stieg Jesus in ein Schifflein, fuhr ld kam in seine Stadt (Kapharnaum). Und brachten zu ibm einen Gichtbrüchigen, der auf Sette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, r zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein 'eine Sünden sind dir vergeben. Und siehe- >n den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst istert Gotti Und da Jesus ihre Gedanken sah : Warum denket ihr Böses in euern Herzen? leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir ver- Ler zu sagen: Stehe auf und wandle umher? hr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht ! Sünden zu vergeben auf Erden, sprach er zu chtbrüchigen: Steh auf, nimm dein Bett, und ein Haus! Und er stand auf, und ging in sein Da aber das Volk dieses sah, fürchtete es sich, 1 Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat
Umsonst?
Im sonst arbeitet niemand gern, am allerwenigsten heutzutage. Wer verlangt und erwartet nicht seinen Lohn, seinen Gehalt, seine Bezahlung, seine Entschädigung? Wenn wir nun an Menschen den Anspruch auf Belohnung, die nicht immer die nötige und Gerechtigkeit haben, wie viel mehr mr dlese Erwartung Gott gegenüber haben, Gerechtigkeit und Liebe selber ist.
freunde, wir brauchen dem lieben Gott nichts zu tuen, er ist gerecht. Nicht nur, daß er die .straft — das ist nur die Schattenseite seiner stell; nein, er belohnt auch die Guten, be- gewißlich, belohnt sie reichlich, belohnt sie belohnt sie ewiglich — und das ist die Lichter Gerechtigkeit.
, Gottes Buch, die hl. Schrift, und der 1 -Vuch, die Erfahrung und Geschichte,
sind angefüllt von Beispielen der göttlichen Freigebigkeit gegen die Menschen, die Gott dienen.
Schlag auf das herrliche, das grandiose Buch Job. Was lesen wir da gleich im ersten Kapitel? Eine ebenso interessante als lehrreiche Geschichte. Als nämlich die Engel einst vor Gottes Tyron erschienen, da war unter ihnen auch der Satan. „Wo kommst du her?", sprach der Herr zu ihm. Und Satan darauf: „Ich habe die Erde durchwandert und mir das Treiben der Menschenkinder angeschaut*. „Und hast du auch meinen Diener Job gesehen, wie seinesgleichen nicht ist auf der Welt? Der brav ist und gut und gottesfürchtig und sündenrein?" Mit höllischer Bosheit stellte darauf Satan die tpitzige Frage: „Fürchtet denn Job den Herrn umsonst?" Wie wenn er sagen wollte: Ich weiß wohl, warum er dich fürchtet und weshalb er dir dient: das tut er nur aus Eigennutz, damit sein Haus und seine Felder und seine Kinder glücklich dastehen.
Seht, unwillkürlich und notoedruugen hat hier Satan eine Wahrheit ausgesprochen, für die wir ihm dankbar fein müssen, die aller Beherzigung wert ist, die uns ein Stachel sein muß 511m Gutes- tun, die Wahrheit, daß Gott gerecht ist und daß er diejenigen, die ihm dienen, reichlich belohne.
Und da möchte ich zuvörderst sagen, daß anch nicht das geringste Gute verloren geht. Klein ist im Reich der Natur ein Wassertropfen. Wenn du ihn auf die Erde gießest, schlupft er in den Boden hinein, fällt er auf den heißen Herd, so zischt und verdunstet er, daß du keine Spur mehr von ihm wahrnimmst. Geht er aber verloren? Keineswegs. In der Erde oder in der Luft existiert er weiter und übt irgend eine Wirkung aus. So ist es auch im Reich der Gnade: ein Schluck Wasser, einem Durstigen gereicht, ist gewiß etwas geringes. Aber aus Liebe zu Jesus und aus wahrer Bruderliebe gereicht, verliert er seinen Lohn nicht. Es war dèm Heiland nicht zu wenig gerade dieses Beispiel zu gebrauchen, um seine Gerechtigkeit und Freigebigkeit ins Licht zu setzen. Eines Tages deutete der Heiland auf einige arme, geringe Leute seiner Umgebung, die zum Kreise seiner Jünger gehörten, und sprach: „Wer einem aus diesen Geringsten, auch nur einen Becher kalten Wassers reicht, wahr- lick, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht ver. lieren". (Mt. 10, 42.) Es hätte genügt, diesen Satz ganz einfach auszusprechen. Wir hatten auch so dem Heiland Glauben geschenkt, der die ewige Wahrheit ist. Und dennoch, der Heiland hat diesem Satze eine Beteuerung beigefügt in den Worten: „Wahrlich, ich sage euch". "Es muß ihm also mit seiner Verheißung voller Ernst sein und er muß großen Wert darauf legen, daß wir von seiner Freigebig- keit eine hohe Meinung haben. tlnd um welches Werk handelt es sich, das des Lohnes nicht bet» lustig gehen wird? Vielleicht um Ueberlassung eines Hauses oder um Schenkung eines Millionenbetrages? Um teures Weizenmehl oder köstlichen Wein? Nein, es handelt sich nur um Wasser, das leicht zu haben
ist und das dem Besitzer nichts kostet. Und auch nicht um ein Faß voll, sondern nur um einen Becher, einen einzigen. Und damit niemand seine Armut vorschütze — bemerkt der hl. Hieronymus — redet der Heiland nur von kaltem Wasser; hätte nämlich der Heiland warmes Wasser zu geben verlangt, so hätten manche sich entschuldigen können, daß es ihnen am Holz fehle, um das Wasser zu erwärmen; doch der Heiland redet nur von kaltem Wasser. Wer also einen solchen Trunk reicht und zwar einem Jünger Jesu und gerade deshalb, weil er ein Jünger Jesu ist, also mit Rücksicht auf Christus selbst, aus Dankbarkeit und Liebe gegen ihn, der wird seines Lohnes nicht verlustig gehen.
Und welches ist dieser Lohn? Vielleicht denkst du an irgend welche Geldsumme oder einen Perlenschmuck oder ein Schloß. Doch diese irdischen Dinge sind dem Heiland zu wenig: himmlischen, einigen Lohn verheißt er. Schweben dir da nicht die Worte vor Augen, die der Herr ant Ende der Welt zu den Guten auf seiner Rechten sprechen wird? „Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters, und besitzet das Reich, das euch von Grundlegung der Welt an ist bereitet worden". Für welche Leistung wird ihnen der Heiland das Himmelreich schenken? Höre es ans seinem eigenen Munde: „Ich war hungrig, und ihr habt mich gespeist; ich war durstig, und ihr habt mich getränkt . . ." Da wird die Heiligen Verwunderung ergreifen, und sie werden fragen: „Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen und haben dies Werk an dir getan? Er aber wird ihnen antworten: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr dein geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan".
Du sagst, das ist Zukunftsmusik. Ich aber sage wenn wir Glauben besitzen, ist dieser Lohn uns so gewiß, als ob wir heute schon unsern Einzug in den Himmel hielten. Wo steht übrigens geschrieben, daß wir nicht auch auf Erden schon die Früchte ernten von der Aussaat guter Werke? Im Leben des hl. Franz Taver lesen wir von einem portugiesischen Kaufmann, der einst dem Heiligen den Schlüssel zu seiner Geldkassette gab mit der Weisung, davon nach Belieben zu entnehmen. Als dies ge- schehen war, fand der Kaufmann die Kassette auf dem alten Stand, als wäre kein Pfennig entnommen worden. Gott wollte dich belohnen, sprach der Heilige zu ihm und gab ihm überdies ein Zeichen, an dem er fein nahes Ende erkennen sollte.
Nein, niemand dient Gott umsonst, und selbst die kleinste Gabe trägt zehnfachen, ja hundertfachen Lohn. Kein Vater unser, kein Kreuzzeichen, feine Abtötung, kein Sieg über den Zorn, keine Spende an Lebensmitteln oder Kleidern geht des Lohnes verlustig. Drum: laßt uns im Gutestun nicht müde werden, denn seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören". Der Burgpfarrer.