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der St micbaelskircbe in fulda.

Alljährlich am Sonntag vor dem Mrchaelstag feiert die Michaolskirche das Fest ihres Korreichen Schutz­patrons. In diesem Jahre erhielt dieser Tag eitle ganz besondere Weihe durch die Erinnerung an die wr .1100 Jahren (822) erfolgte Weihe des ältesten Teiles dieses altehrwürdigen Gotteshauses, der kostbarsten Perle unter den Fuldaer Kirchen und Ka- 1 pellen. Gehört sie doch nach den Worten ihres kunstverständigen Restamators (1855) des Professors Dr. Langewegen ihres hohen Alters zu den merk­würdigsten Denkmälern christlicher Kunst und es gibt in den Ländern Europas diesseits der Alpen nur die von Kaiser Storl dem Großen gegründete Münsterkirche zu Aachen, welche sich in dieser Hinsicht imt ihr messen kann". Durch 11 Jahrhunderte hat der Wandel der ( Zeiten und Menschen das KirchlÄn aus dem Michaels- derg umbrandel, unwandelbar hat es stand gehalten im Wogendrang der Ereignisse und Geschicke. Es war darum gewiß recht und billig, diesen seltenen Gedenk­tag sestttch zu begehen. Mit Rücksicht auf die Rot und den Ernst der Zeit glaubte man aber sich aus eine rein kirchliche Feier beschränken zu sollen. Sie fand am vorigen Sonntag unter reger Beteiligung des kathol. Volkes statt und wird für alle, die daran tellgenom- Wn haben, zu einer weihevollen Leberrserinnerung geworden fein; ruft und tönt doch ein solcher Gedenk­tag mächtig hinein in die Seele und eröffnet tiefe Quellen ernster Gedanken und frommer Gefühle.

Vom frühen Morgen an fanden sich viele Gläu­bige zu den hl. Messen und am Tische des Herrn ein. Den MittelpuM der Feier bildete der vormittägige F e st g o t t e s d i e n st. Herr Domdechant Prälat Herbener zelebrierte das feierliche Hochamt unter Assistenz des Hochw. Herrn Bischofs, als Ehrsndiakone fungierten die Herren Dompräbendaton Dr. Richter und Dr. Hartmann. Herr Domkapitular Dr. Leimbach hielt die Feftpredigt, die wir unten im Wortlaut bringen. Der Domchor verherrlichte die erhebende Feier durch die vierstimmige Salve-Regina-Messe von Stehle, ihren Abschluß fand sie durch den Pontifikalsegen, bei dem der Hochw. Herr Bischof sich des altehrwürdigen elfenbeinernen Stabes des hl. Bonifatius bediente.

In der Predigt am Mittag feierte Herr General- vikar iatssekr. u. bischöfl. Kaplan Wohlgemuth den hl. Erzengel Michael, den großen Schirmherrn der Kirche und ben Patron des guten Todes. Die regneri­sche Witterung machte die herkömmliche Prozession leider unmöglich, statt dessen hielt Herr Generalvikar Dr. Müller, der viele Jahre als bischöfl. Kaplan die hl. Dienste in dieser Kirche versehen hatte, die feierliche Segensandacht.

Noch einmal füllte sich am Abend das im Glanze des elektrischen Lichtes strahlende traute Kirchlein. Mit den Bischöfl. Gewändern bekleidet hielt der Hochw. Herr Bischof vom Altare aus eine Ansprache an die zahlreich erschienenen Gläubigen. Es waren Worte des Dankes an alle, die sich um die denkwürdige Erinnerungsfeier verdient gemacht hatten, den Orgel­bauer, der die neue Orgel gestiftet, den Glockengießer, der das neue Geläute geschenkt hat, die Festprediger, die durch ihr beredtes Wort Len Tag gefeiert, die Sän­ger des Domchors, die am Vormmittsg und am Aben­den Gottesdienst durch ihre Gesänge verherrlicht haben, das gläubige Volk, das so freudig an Ler Feier teilge­nommen. Daran schlossen sich Worte der Ermunte­rung, den gläubig frommen Sinn, den das Kirchlein durch seine Symbolik predigt, von dem es auch in seiner Geschichte durch alle Jahrhunderte bis zur Gegenwart zeugt, treu zu bewahren und auf die kommenden Ge­schlechter zu vererben. Te Dsum und sakramentaler Segen schlossen die denkwürdige Feier.

predigt

bei der 11. Jahrhundertfeier der St Michaelskirche zu Fulda am 24. September 1922, gehalten von Domkapitular PrH. Dr. Leimbach.

Unsere Väter haben uns von dem Werke erzählt, das du vâracht hast in ihren Tagen, in den Tagen der Dorzett. (Pf. 43, 1 f.)

1100 Jahre, ein winziger Tropfen im Meere der Ewig­keit, ein Nichts vor Gott, Der fein ganzes unendliches Leben ohne Anfang und Ende immerfort durchlebt. Aber eine lange Spanne in der Geschichte der Menschheit, die nur nach wenigen Jahrtausenden zählt.

80 Jahre nach der Gründung Fuldar in seinem äl­testen Teile errichtet, hat dieses Gotteshaus in den 1100 Jahren seines Bestehens die Geschichte des Klosters und der Stadt miterlebt. Mtt der von Karl dem Großen 802 vollendeten Kapelle des Aachener Münsters, die die Be­gräbnisstätte des großen Kaisers geworden ist und unse­rer Jubilarin in ihren äußeren Formen gleicht, ist sie das einzige uns erhaltene Baudenkmal auf deutschem Boden, dessen Entstehung im karolingischen Zeitalter mit Sicher- heit nachgewiesen werden kann. Kein Wunder, daß es das Interesse der kunstgeschichttichen Forschung in hohem Grade fesselt. Uns ist es besonders lieb und wertvoll als ein beredtes Zeugnis für den frommen und gläu­bigen Sinn unserer Vorfahren, den zu bewahren und zu vererben uns heilige Pflicht ist.

Bei dieser denkwürdigen Jubelfeier, die wir mit vol­lem Recht, wenn auch der Zeit entsprechend, nur in be­scheidenen Grenzen begehen, ist mir die Ehre beschieden, ein Wort an Euch zu richten.

So lasset mtt Euch zeigen, wie dieses Gotteshaus ehr­würdig ist in "feiner Entstehung und 1100 jährigen Ge­schichte, wie es eine Predigt in Stein dsrstellt mit er­habenen Wahrheiten, ernsten Mahnungen und süßen Tröstungen, wie es endlich ausgezeichnet ist durch die Weihe an den Fürsten der himmlischen Heerscharen, den hl. Erzengel Michael.

1. Ich werde also zuerst über die Entstehung und Geschichte unserer Judilarin zu Tuch sprechen.

Was uns der Mönch Candidus in seiner poetischen und in seiner in Prosa gehaltenen Lebensbeschreibung des Abtes Eigil erzählt, was dir Altaraufschriften des hl. Rabanus Maurus berichten, was Brower, der gelehrte Rektor des ehemaligen Fuldaer Jefutten-Kollegs in sei­nenFuldaischen Altertümern" über die Michaelskirche gesammelt hat, ferner die wertvolle Zusammenstellung der Nachrichten über sie von b m sel. Dompfarrer Isidor Schleichert, die Darstellungen ihres Restaurators Pro­fessor Lange und die v. Dehn-Rothfeksers, auch die ge­lehrten Untersuchungen über die ursprüngliche Gestalt der Kirche und die Frag« nach ihren Vorbildern in den Fuldaer Geschichtsblättern, alles das hat mir Züge zu dem Bilde geliefert, das ich Euch jetzt zeichne, das freilich, in den engen Rahmen einer Predigt gespannt, nur in sehr unvollkommener Weise die wechsel­volle Geschichte einer so langen Zett darzustellen vermag.

Im Jahre 818 war, schon ho^etagt, der selige Eigil an die Spitze der 400 Mönche im Kloster Fulda getreten, ein naher Verwandter des hl. Sturmius, dessen Leben er in einer für die Geschichte Fuldas hochwichtigen Schrift beschrieben hat. In freundschaftlicher Beratung mit den Ordensbrüdern, wie es ihm Kats« Ludwig der Fromme bei feiner Erhebung an das herz gelegt hatte, setzte er die Bautätigkeit seines Vorgänger» Râtgar fort, ohne daß das opus Dei, der feierliche Gottesdienst, die kirchlichen Tatzeiten und die anderen Uebungen der Frömmigkeit darunter litten. Er vollendete zunächst den Bau der Stiftskirche, die am 1. Novencker 819 durch den Mainzer Erzbischof Hsistolf dis kirchlich« Weihe erhielt.

Nun dachte er daran, auf dem Cömeterium, der Be­gräbnisstätte der Mönche, eine Kapelle zu errichten. Mit feinem klugen Rats stand ihm dabei der hl. Nabanus Maurus, der berühmte Vorsteher der Klosterschule, zur Seite. Mit der Ausführung des Planes, den beide ent­worfen hatten, wurde Racholf betraut. In den Jahren 820 und 821 vollendete er den Bau.

Candidus, mit feinem deutschen Namen Brun, der das Leben Eigils in Prosa und in Versen beschrieben hat, zeichnet uns über die Anlage deszirkelförmigen Kirch­leins" folgendes Bild:

Auf einer unterirdischen Kapelle, Deren umgänglichs Gewölb auf einen Pfeiler sich stützet, Steiget dieses über der Erde prächtig zur Höhe.

Denn acht Säulen und Bogen tragen das künstliche Turmwerk,

Dessen Dachung mit einem großen Steine sich spitzet.

In der Unterkirche, der Gruft, stand inmitten einet ringförmigen Mauer eine massige Säule. Von ihr strahl- ten gewissermaßen die Bogen aus. Darauf ruhte das Tonnengewölbe. In dem oberen Kirchlein sehen wir acht Säulen, durch Rundbogen miteinander in einem Kreise verbunden. Darüber eine Kuppel, durch einen Schluß­stein gekrönt. In dem Rundbau befanden sich, wie die poetischen Aufschriften des hl. Nabanus beweisen, drei Altäre, der Hauptaltar in der Mitte, die beiden anderen zur Rechten und Linken davon. Außerdem war da noch angebracht eine Nachbildung des hl. Grabes Christi in Jerusalem. Vielleicht stand diese in der Mitte des von den Säulen eingeschlossenen Raumes. Doch läßt sich Sicheres darüber und über die Stellung der Altäre bis­her nicht sagen.

Es nahte der 15. Januar 822. Dieser Tag, das Fest des hl. Maurus, des Lieblingsschülers des hl. Benediktus, war zur Einweihung des Rundkirchleins auf dem Fried­hof der Mönche ausersehen. Wieder weilte der Erz­bischof Heistolf von Mainz, auf einer Reise nach Thü- ringen begriffen, im Kloster zu Fulda. Er war gern bereit, diese Weihe vorzunehmen, wie er auch bei diesem Besuch die von Eigil in Großenlüder erbaute Kirche ge­weiht hat.

Der Ehre des Erlösers, dann auch dem hl. Erzengel Michael und dem Evangelisten Johannes wurde der Hauptaltar geweiht. Reliquien, unter anderem solche des hl. Amandus, des Apostels der Belgier, und der hl. Mär­tyrin Anastasia, wurden hineingesenkt, dazu noch Anden- ken, dir fromme Pilger von den durch die hl. Geschichte denkwürdigen Stätten des Morgenlandes nach Fulda ge­bracht hatten, vom Berge Sinai und der Geburtsgrotte des Herrn in Bethlehem.

Durch die kirchliche Weihe hatte das Kirchlein seine Vollendung erhalten. Nun sollten hier auf dieser Stätte fortan die Söhne des hl. Benediktus in seinem Schatten, unter dem Schutze des Grabes Christi und unter dem Banner des hl. Erzengels Michael im Tode ruhen. Eigil selbst starb schon am 15. Juni desselben Jahres und er* hielt, wie er es gewünscht hatte, sein Grab im Osten der Krypta.

Brower berichtet in seinenFuldaer Altertümern", es wäre die Kapelle in den folgenden Jahrhunderten ver­fallen oder gewaltsam zerstört worden. Isidor Schlei­chert vermutet, sie habe bei dem verheerenden Einfall der Hunnen in das Kloster Fulda 915 gelitten. Doch fehlen darüber bis jetzt wenigstens urkundliche Nachrichten. Eine Veränderung erfuhr sicher die Gruft, indem sie durch Scheidemauern in 8 Zellen zerlegt wurde. In diesen wohnten unter Lebensumständen, die uns freilich wenig begreiflich erscheinen, fromme Klausner. Als solche nennt die Geschichte neben Adelhard besonders Amnichnd und Marianus Skotus. Aus Schottland war Amnichad oder Amunchad in das Kloster Fulda gekommen, um hier sich einem Leben der Buße und der Frömmigkeit zu weihen. Sein Grab befindet sich in der Gruft dieser Kirche, sein Haupt ist heute in der Ostapsis neben dem des Erbauers der Kapelle, des seligen Eigil, ausgestellt. In der Zelle Amnichads soll dann auch Marianus Sko- tus, der Verfasser einer großen Weltchronik, 11 Jahre hindurch als Rekluse geweilt haben, bis er nach Mainz übersiedelte, um dort sein strenges Büßerleben fortzu- setzen bis zu seinem Tode 1083.

Das Kirchlein auf dem Michaelsberge wurde in dem­selben 11. Jahrhundert erweitert durch den Abt Ruthard. Ueber dem Rundbau schuf er einen Umgang mit einer Apsis im Osten. Er erbaute das viereckige Langhaus mit einem Glockenturm und einem Portal im Westen, sowie die südliche Vorhalle. Zu den drei Altären, die die ur­sprüngliche Kirche besaß, kamen zwei weitere, einer in der Gruft und einer, wie man annimmt, im ersten Stock­werk des Glockenturmes im Westen. Am 2. Dezember 1590 wurde die Kirche durch den Mindener Bischof Fol- ram zu Ehren des Heilandes, der seligsten Gottesmutter, des hl. Erzengels Michael und aller heiligen Engel ge­weiht. So kündet es eine Inschrift, die Brower in sei- nem Geschichtswerke mifteitt.

Zur gleichen Zeit wurde ein kleines Kloster neben der Kirche erbaut. Dessen Vorsteher war der Präpositus, der Propst. Drei, später zwei Mönche versahen mit ihm den heiligen Dienst. Vornehme Männer, die dafüi fromme Stiftungen gemacht hatten, wünschten nach ihrem Tode inmitten der Ordensbrüder zu ruhen. Für sie mußte an den Jahrestagen ihres Begräbnisses das hl Opfer dargebracht und gebetet werden. So wurde die Propstei Michaelsberg gegründet, die bis zur Aufhebung des Klosters Fulda 1802 bestanden bat