Ausgabe B.
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
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- —-- Druck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerel. '
Rr. 56»
Kassel, den 3. September 1922.
52. Jahrg.
wochenKalender.
Sonntag, 3. ©ept. 13. nach Pfingsten. Aeußere Feier des Schuirengelfestes.
Montag, 4. Sept. Messe vom Sonntag. Rosalia, Jgfr.
Dienstag, 5. Sept. Hl. Laurentius Justiniani, Bisch, u. Bek.
Mittwoch, 6. Sept. Messe vom Wochentage. Magnus, B.
—Donnerstag, 7. Sept. Messe vom Sonntag. Regina, I. u. M.
Freitag, 8. Sept. Mariä Geburt;- Ged.d. hl. Hadrian ,M.
Samstag, 9. Sept. Von der Mutter Gottes; Ged. d. hl. Gorgonius, M.; Korbinian, B.; Petrus Claver, Bek.
Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Joh. 17, 11—19.)
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem reiste, ging er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er zu einem Flecken kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von ferne stehen blieben. Und sie erhoben ihre Stimme, und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er: Gehet hin, zeiget euch den Priestern! Und es geschah, indem sie hingingen, wurden sie rein. Als aber Einer von ihnen sah, daß er rein sei, kehrte er um, lobte Gott mit lauter Stimme, fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen, und dankte ihm: und dieser war ein Samaritan. Da antwortete Jesus und sprach: Sind nicht zehn gereinigt worden? Wo sind denn die neun? Keiner findet sich, der zurückkäme, und Gott die Ehre gäbe, als dieser Ausländer. Und er sprach zu ihm: Stehe auf, und gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen.
Der Jets im Meer.
ie unstät und ruhelos ist das Meer; Da gibt es in einemfort Rauschen uudFluten,Schäumen und Spritzen, Heben und Senken, Wogen und Wiegen. Manchmal aber ragt mitten aus der tosenden Brandung ein Felsblock ruhig und majestätisch, unerschrocken und standhaft, unerschütterlich und unbeweglich.
Wie mit einem solchen Felsen ist es mit unserm Herrgott. Rings um ihn her ist alles in Fluß und Bewegung, er selbst aber bleibt unbewegt, unwandelbar und unveränderlich. Kurz und kernig sagt es uns der hl. Jakobus in seinem Sendschreiben: „Bei Gott ist kein Wechsel und kein Schatten von Veränderlichkeit."
Betrachte die Erde mit ihrem bunten, mannig- fachen Wechsel: tm Frühling das saftige Grün und dle vielfarbigen Blumen: im Sommer die wogenden Aehren und die schattigen Wälder; im Herbst die fruchtbeladenen Zweige und nebeligen Täler; im Winter die abgeräumten, schneebedeckten Felder. Täglich und stündlich ändert sich das Angesicht der Erde, wenn wir auch erst in langen Zwischenräumen die Aenderung gewahren.
^ ^ d" Mensch, dieses zarte, hinfällige Gewächs, V aletch dem Mond im ständigen Wechsel begriffen.
Vor einigen Jahren bist du noch ein Kind gewesen; jetzt bist du vielleicht ein rüstiger Mann; bald wirst du ein baufälliger Greis sein und früher als dir lieb eine Leiche im Grab! Und die Stimmungen in deiner Seele drinnen, wechseln sie nicht beinahe so oft als die Töne auf der Geige? Heute bist du vergnügt wie eine Lerche im Sonnenschein — und morgen betrübt wie ein Rabe beim Regenwetter; heute weich und zart wie ein Täubchen, morgen borstig und stachelig wie ein Igel; heute geduldig und friedsam wie ein Lämmlein — morgen mürrisch und bissig wie ein Kettenhund; Rascher als einen Modehut wechseln wir unsere Entschließungen, und unsere Vorsätze vergehen wie Zucker im Wasser.
Alle derartigen Wandlungen und Veränderung gen mußt du dir wegdenken, wenn vom lieben Gott die Rede ist. Merken wir uns fleißig den Spruch des hl. Jakobus: Bei Gott ist kein Wechsel und Schatten von Veränderlichkeit".
Freilich kommt dann die Schrift und bringt Aus* drücke vom lieben Gott, die unsere mühsam gewonnene Vorstellung beinahe über den Haufen werfen. „Als Gott sah", heißt es in der Genesis, „daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Trachten ihres Herzens zum Bösen gerichtet immerdar, da reute es ihn, die Menschen erschaffen zu haben, und es tat ihm von Herzen leid". — Scheint es nicht, als habe Gott anfangs sich gefreut, wie seine Kinder sich so gut angelassen haben, und nachher sich betrübt, als sie so ganz aus der Art schlugen?—. Desgleichen beginnt der büßende David seinen 6 Psalm mit folgenden Worten:
„Herr, straf mich nicht in deinem Grimme, In deinem Zorn mich nicht vertilge."
Wird Gott nicht dargestellt wie ein Vater, über den die Leidenschaft Gewalt hat, der über seine Kinder zürnt und ihnen die Rute geben will?
In der Tat, der Wortlaut spricht für eine solche Auffassung. Doch müssen wir dieselbe korrigieren an der Auslegung der Kirchenväter und des kirchlichen Lehramtes. Und da ist zu sagen, daß diese und ähnliche Stellen der hl. Schrift, die von einer Gemütsbewegung Gottes sprechen, nicht wörtlich verstanden werden dürfen. Vielmehr paßt sich die hl. Schrift der menschlichen Sprache und den menschlichen Vorgängen an. In Wirklichkeit kann Gott weder Reue noch Zorn empfinden. Solchen Gemütsbewegungen ist er unzugänglicher als die Felsenspitzen auf hohen Alpen. Es soll durch solche Ausdrücke den Menschen nur gezeigt und veranschaulicht werden, welchen Eindruck ihre Sünden machen auf den unendlich heiligen, gerechten Gott. Wenn es möglich wäre, will die Schrift sagen, würde Gott wegen der Sünde all sein Ruhe und Seligkeit einbüßen und von Reue und Schmerz gefoltert werden! Wenn wir trotz des göttlichen Zornes, von dem die Schrift spricht, nicht selten in Sünden fallen, welcher Leichtsinn würde erst einreißen, wenn der göttlicke Zorn uns nicht in Schranken hielte !
Gott ändert sich nicht. Er bleibt immer dersesi Er ist die unnahbare, majestätische Ruhe. Verwe« sein wir aber diese Ruhe nicht mit Unstätigke Gott handelt im Ruhen und ruht im Handel Freilich ist solcher Zustand über allen Begriff erbotn Wir können eben den Schleier der göttlichen Geheir Nisse nicht lüften. Im Gegenteil. Je mehr tr eindringen in die unergründliche Gotteslehre, bei mehr müssen wir mit dem Völkerapostel ausrufe „O Tiefe des Reichtums der Weisheit und Erken» nis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Ratschlü und wie unbegreiflich seine Wege!" Wie i Kugel die Sterne erreicht, so kann auch kein > stand den unendlich große»» und erhabenen G. erreichen oder erfassen.
Aber eine köstliche Frucht laßt uns noch'pflück aus dieser Lehre. Aus einer bekannten Erzähln reift sie uns entgegen. In Spanien starb im Jal 1539 die Königin Isabella, die als die schönste Fr ihrer Zeit angesehen wurde. Vor der Beerdign mußte der Herzog Franz bon Borgias den So nochmals amtlich öffnen zur Leichenschau Als nun im Gesichte der toten Königin die furchtbc Verheerung und Entstellung bemerkte, die Tod u Verwesung in kurzer Zeit angerichtet hatten, erfaj ihn ein ganzer Ekel an der Welt und ihrer Lo Nach Hauje zurückgekehrt sprach er zu sich selb „Das also ist die Herrlichkeit der Welt? Genug, Herr, lange genug habe ich einem vergänglich Herrscher gedient. Von nun an, das schwöre i will ich dir allein dienen, dem unsterblichen, unbi änderlichen, ewigen Gott". — Alsbald verließ er i Welt und trat in den Orden der Gesellschaft Je Ja. vergänglich und betrüglich ist die Welt. Die ihr nicht. Und wenn du sie nicht verlassen kann so laß wenigstens das Fluchen, das Lügen, d Trinken und alle bösen Gewohnheitten, so wirst i nach des Lebens Unruhe und Unrast eingehen zu ewigen Frieden und zur ewigen Ruhe.
Der Burgpfarrer.
Aufbewahrung der (Euthanasie von der ersten Zeit der Kirche an vis zur heutigen Zeit.
Von Pfarrer G. (Fortsetzung.)
Die Sakrament-häuschen.
Noch zur Zett Karls des Großen gingen die gute Christen jede Woche zum Tische des Herrn. UiMfäf 100 Jahre später ward die hl. Kommunen nur selte empfangen. Verschiedene Synoden hatten verordne daß alle Christen wenigstens bretmal im Jahre, z Ostern, Pfingsten und Weihnachten kommuniziere mußten.
Es war nicht immer Lauheit im christlichen Leber welche den seltenen Empfang der hl. Kommunion oa anlaßte, nicht wenige glaubten vielmehr, durch den hör sigen Genuß der hl. Eucharistie könnte die Ehrsurcf