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für die katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 8.03 M., 3 10. Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 2.00 Mk. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 3.00 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz

der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher, ' - Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerel. -

wochenkalender.

nntag, 13. Aug. 10. nach Pfingsten; Gedächtnis der hll. Hippolytus und Casfian, M. (Johannes Berchmans.)

Montag, 14. Aug. Gedächtnis der Weihe der Domkirche. Vigil von Marrä Himmelfahrt; Gedächtnis des hl. Eusebius.

enrtag, 15. Aug. Maria Himmelfahrt

littwoch, 16. Aug. Hl. Joachim, Vater der fei. Jgfr. Maria; Gedächtnis des hl. Rochus, Bek.

onnerstag, 17. Aug. Karolomannus, Bek.; Ged. d. hl. Hyar nth, der Oktav von Kirchlvcihe, von Mariä Himmelfahrt und der Oktav des hl. Laurentius.

reitag, 18. Aug. Wigbert, Bek., Gedächtnis der 2 Oktaven u. d. hl. Agapitus, M. (Hl. Helena, Kaiserin.)

,amstag, 19. Aug. Von der Oktav. (Sebaldus, JuliuS.)

Zehnter Sonntag nach Pfingsten

(Evangel, Luk. 18, 9-14.)_

In jener Zeit sprach Jesus zu Einigen, die sich lbst zutrauten, daß sie gerecht feien, und die Uebrigen erachteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen gingen nauf in den Tempel, um zu beten; der eine war ein Harisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer ellte sich hin, und betete bei sich selbst also: Gott, ich mke dir, daß ich nicht bin, wie die übrigen Menschen, ie die Räuber, Ungerechten, Ehebrecher, oder auch wie leset Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und :be den Zehnten von Allem, was ich besitze. Der öllner aber stand von ferne, und wollte nicht einmal e Augen gegen Himmel erheben, sondern schlug an ine Brust, und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig, ch sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, ner nicht; denn ein Jeder, der sich selbst erhöht, wird niedriget, und wer sich selbst erniedriget, der wird chöhet werden.

Die stehende Uhr.

J^r' welch merkwürdiges, inter- cHanleâ Instrument! Betrachte den Pendel an der Wanduhr, wie er von einet Seite zur andern schwingt, ^^^^^ ohne Aufhören, ohne Pause, ohne Rast und Ruhe. Ist die Uhr abge- ufen, so wird sie wieder aufgezogen, und das erkwüldige Ticktack beginnt von neuem.

Die gehende Uhr ist so recht ein Bild der Zeit, e unaufhaltsam vorwärts eilt wie die Eisenbahn r Station, ivie die Kanonenkugel zur Erde, wie is Rennpferd zunl Ziel.

Ich kenne eine andere Uhr, die hat eine gerade ngekehrte Einrichtung. Da aibt ps Mn Ticktack.

kein Schlagen, kein Schwingen, sondern beständige Ruhe, immerwährenden Stillstand. Diese stehende Uhr, das ist die Ewigkeit, und die Ewigkeit ist die Zeit Gottes,Du bist, o Gott, von Ewigkeit", sagt der Psalmist.

Gewiß hast du schon manchmal gegrübelt über die Ewigkeit. So lange du auch grübeln magst, du wirst dieses tiefe Meer nie ergründen. Wenn du aber über die folgenden Zeilen mit etwas Aufmerk­samkeit dich hermachest, so wirst du wenigstens bischen tiefer hinabsteigen als bloß bis zur Oberfläche.

Ja, mein Christ, die Ewigkeit ist nichts anderes als die stehende Zeit. Für uns geht die Zeit bald vorüber. Du kannst sie ebensowenig festhalten als die fliegenden Wolken. So viel Jahre sind schon dahingeflossen in den Ozean der Vergangenheit. Die 30 oder 40 oder 60 Jährlein deines seitherigen Lebens sind alle spurlos vorüber. Auch der gestrige Tag ist dahin und die verfloffene Nacht und die Minute von vorhin. Auch die Sekunde, in der du soeben den letzten Satz meiner Lesung überflogen hast, auch sie ist dahin.

Ganz anders ist eS bei Gott. Die Zeit geht ihm nicht vorüber, sie steht unverrückt still. So ist das Wort der Bibel zu verstehen:Himmel und Erde vergehen, du aber bleibst, o Gott. Alle wirst du verändern wie ein Kleid, und gleich einem Gewände werden sie altern; du aber bleibst ewig derselbe und deine Jahre nehmen nicht ab."

Zu dieser Stelle bemerkt der hl. Augustinus: Unsere Jayre vergehen täglich und stehen niemals still. Die dagewesen, sind nicht mehr, und die erst kommen, sind noch nicht da; und kommen sie einmal, so werden auch sie vergehen. Was sind nun das für Jahre, die nicht abnehmen, nicht vergehen? Es sind die, welche stehen. Wenn es also Jahre gibt, die stehen, so sind alle diese Jahre wie ein einziges Jahr, und dieses eine, stehende Jahr, ist wie ein einziger Tag. Und dieser Tag hat keinen Anfang, keinen Untergang. Er beginnt nicht mit gestern und schließt nicht mit morgen, sondern er steht immerfort dieser Tag". Wirklich schrumpfen im Sprachgebrauch der Bibel die Jahre Gottes zu einem einzigen Tag zusammen. So findest du im zweiten Brief des hl. Petrus im dritten Kapitel, vierten Vers das tiefsinnige Wort:Ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre sind bei ihm wie ein Tag."

Nein, es gibt bei unserm Herrgott keine Ver­gangenheit, keine Zukunft, nur Gegenwart, pure, lautere, unveränderliche, feststehende Gegenwart. Er besitzt die Fülle des Lebens ohne Werden und Ver­gehen, ohne Altern oder Abnahme und genießt die» ses wunderbare Leben in ewiger Jugend, in unver­gänglicher Schönheit, in unbeschreiblicher Wonne, in erhabener Ruhe und Majestät.Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende", spricht der Herr,der da ist und war und der da jein wird, der Allmäcbtiae".

Das ist, lieber Leser, der Begriff der Ewigkeit Gottes, oder vielmehr nur ein Lallen und Stammeln davon. Denn wer will über Gottes Ewigkeit wür« dig und vollkommen sprechen, schreiben oder audi nur denken? Es genüge uns eine leise Ahnung und ein heiliger Schauer. Wie es unS Gewohnheit ist, auf die gehende Uhr zu schauen, so laßt uns auch auf die stehende Uhr schauen, auf die Ewigkeit. Aus dem flutenden Meer der Vergänglichkeit laßt uns fliegen in den stillen, ruhigen Hafen der Ewigkeit. Auch unser Schifflein soll ja dereinst einlaufen zum Gestade der Ewigkeit. Da gilt cs, das Schifflein der Seele mit reichlicher Fracht zu beladen. Ist es ja Eitelkeit und Torheit, wie die Nachfolge Christi sagt, auf das gegenwärtige Leber allein zu schauen und nicht viel mehr für die Zukunft vorzusorgen.

An einem Haus las ich einmal folgende sinnige Inschrift:'

Wir bauen hier so feste, Und sind doch fremde Gäste; Doch, wo wir sollen ewig sein, Da bauen wir so wenig ein!

Wie ganz anders jene Männer, die vom Gill der Ewigkeit umrauscht waren. In der Lebens« geschichte des Kanzlers Thomas Morus fand ich folgende ergreifende Erzählung. Bekanntlich wurde dieser unbeugsame Anhänger des Papstes von Heinrich VIII. ins Gefängnis geworfen mit der sicheren Aussicht auf das Schaffst. Da kam seine Frau zu ihm in den Kerker, um ihren Mann zu bereden, dem König nachzugeben.Und wenn du es nicht tun willst mit Rücksicht auf ich selber, so tu es wenigstens mit Rücksicht auf mich und deine Kinder; wie viele Jahre könnten wir noch glücklich mit einander leben!" Zum Scheine ging Thomas auf diesen Gedanken ein.Frau", sprach er,wie viele Jahre meinst du denn, daß wir noch mit einander leben könnten."Einige zwanzig", er­widerte die Frau, ganz glücklich, nun gewonnenes Spiel zu haben. Wie erstaunte sie aber, als ihr Mann mit dem größten Ernste die Antwort gab: Hättest du gesagt: einige tausend, so hätte man vielleicht darüber reden können; aber auch dann wäre ich ein schlechter Kaufmann, wenn ich wegen tausend noch dazu ungewisser Jahre, eine ganze Ewigkeit aufs Spiel setzen würde." Und Thomas bLeb treu, und sein Haupt rollte in den Sand; aber seine Seele schwang sich über die Sterne, um die ewige Siegeskrone zu erlangen. Regulieren, wir unser ganzes Leben nach der Uhr der Ewigkeit. Das soll unser Streben, das unser Sinnen und Trachten sein bei Tag und Nacht, daß wir einmal leilnehmen dürfen an Gottes seliger Ewigkeit. Ge­wöhnen wir uns daran, in all unserm Tun und Lassen uns die Frage des hl. Aloisius vorzulegen: Was nützt mir oas für die Ewigkeit?"

Der Brrrgpfarrer.