^ 828 «M
ilm andern Morgen will Dilla durch ein freund- >es Wort ein Läppchen auf die Wunde legen, isonst, das kühlt nicht. Zilla fährt immer wie le wilde Hummel durch Küche und Zimmer, hat ne Luft zur Arbeit, kurz, mit Zilla ist nichts an» angen, bis allmählich die Entzündung gewichen b das Ohr wieder so weit hell geworden, daß es ht mehr taub für Billas gute Worte ist. -
Der Gesangverein Arion gibt ein Konzert. Er itzt zwei gute Sänger, einen Bassisten und einen noristen, den Peter und den Franz, von denen er heute einen Solo hat. Zuerst tritt der Bassist ter auf. Sei es nun, daß die Zuhörer sich, weil erst wenig getrunken hatten, noch nicht tn das ätschen hineingelebt, sei es, daß ein Baß ecgent- - nur für Kenner rechten Wert hat, genug- am hluß Beifall, aber doch matt, sicher nicht allge« in und lebhaft.
Als nun aber der Tenorist Franz in dner be« inten Arie aus Stradella ins hohe „a" hinauf« igt, da ein immer wieder einsetzendes Beifallklat« en und Da-capo-Rufen, daß der große Saal da- 1 erdröhnte. Ein Mückenstich für den Peter!
Das dem Franz geltende Beifallklatschen hatte ii schmerzlich ins Ohr gestochen. Sonst so ouf- äumt, war der Peter an dem Abend auffallend L Eine noch für ihn auf dem Programm stehende ßsolonummer ließ er dem Dir genten wegen disposition des Sängers als a^szufallende veröden. Er trank aus Aerger mehr, als gut war, lief die Nacht nicht» und erst gegen Ende der oche, als wieder Probe war, war der Mückenstich teilt und im Verein unser froher Peter wieder i r alte.
Im Hause Nr. 5 auf der Ringstraße wohnt der rr Klug mit seiner Frau, ein glückliches Ehepaar. - ein fleißiger Beamter, solid, immer pünktlich ttags und abends zu Tisch, sie ein adrettes Frau- n, ordnungsliebend bis in den letzten Winkel. ;ei fromm und gottesfürchtig. Schade, daß die ei keine Kinder haben, alle Garantien wären ’ eine gute Erziehung gegeben. Aber dieser ingel an Sorge hat die gute Frau Klug etwas pfindlich und nervös gemacht.
Sonst kocht sie gut, aber heute mittag war doch Suppe gründlich angebrannt. Ob nun dem rr Klug auch auf dem Büro gerade heute eine us war über die Leber gekrochen, genug, er ver- I beim ersten Löffel nicht nur das Gesicht, sondern chte auch, indem er den Teller unwillig beiseite »b, eine spitze Bemerkung darüber, daß man ihm, n müden, abgespannten Manne, eine solch ange« mitte Suppe vorsetzen könne. Der Mückenstich! Die Frau replizierte: Das könne passieren, er auch immer, was das Esten anlange, so tifftelich. nn Ruhe am Tisch. Man hört nur noch das itieren mit dem Metall der Mester und Gabel » das Schnalzen von vier Lippen.
Der Mückenstich hat die Wangen der Frau ganz entzündet, und die Augen geschwollen ge* ht. Er geht stumm zum Büro, Frau Klug in Küche und weint.
Auch am Abend ist der Mückenstich noch nicht iz heil. Erst als die Frau dem Herrn Klug das blingsgericht, Kartoffelsalat mit Spiegeleiern, gesetzt hat und er, über die Aufmerksamkeit er* tt, nun bei Tisch mit freundlichen Worten ein lendes Läppchen auf den Mückenstich gelegt, da r der Schmerz bald geschwunden.
Ich freue mich aber sehr, daß wenigstens den eien der Mückenstich keine schlaflose Nacht be« et hat. Denn eine solche, und das blos dessen, weil eine Mücke einen gestochen, ist doch t unangenehm. Liebe Leser glaubt es mir, ich xhs aus Erfahrung.
Das kleine Pfefferkorn sieh für gering nicht an: Versuch es nur, und sieh, wie scharf es beißen kann. Für einen Mückenstich weißt du kein Mittel noch, Und steckest deine Hand schon in ein Wespenloch!
Die Adelheid.
Eine Diechtbotengeschichte.
in einer badischen Stadt lebte vor etlichen Jahren reicher Fabrikant. Frau und Kinder hatte er nicht; alb verkaufte er seine Fabrik und lebte für sich m r Villa.
)as Hauswesen besorgte ihm ein Dienstmädchen zu r höchsten Zufriedenheit. Adelheit, so hieß sie, etwas gelernt. Sie konnte vorzüglich kochen und blank und sauber in Ordnung halten. Gewissen- war Adelheid wie eine Heilige. Deshalb setzte ihr auch alles Vertrauen in sie. Nur eines äraerte ihn:
Adelheid ging alle zwei Wochen zu den seifigen Sakra- menten und an diesen beiden Sonntagen jeweils am Nachmittag zur Kongregationsandacht.
Als der Fabrikant sie einmal darüber zur Rede stellte, da sah sie ihn erst fragend an, dann aber sagte sie entschlossen: „Es war mir noch nie eine Arbeit zu viel. Noch nie habe ich etwas versäumt. Die Kongre. gation aber ist meine einzige Freude. Ehe daß ich aus dieser austrete, gehe ich aus dem Dienst und suche mir eine andere Stelle."
Der Fabrikant meinte, so sei'» nicht gemeint ge- wesen. Es hätten gestern abend in der Gesellschaft nur einige Freunde darüber geredet.
Von da an sagte der Dienstherr nie etwas mehr ge- gen das religiöse Leben seiner Haushälterin, im Gegen« teil, als Weihnachten tam, lag bei den Christgeschenken eine dicke Legende.
Adelheid aber hatte es doch Wunder genommen, in welcher Gesellschaft ihr Dienstherr verkehre. Schon längst war es ihr ein Kreuz gewesen, daß ihr Herr kein reli. giöses Zeichen gab. Sie wußte auch, daß er von Haus aus katholisch sei.
Als sie noch darüber hin- und herdachte, wie sie es anstellen wolle, um die religionsfeindlichen Freunde ihres Herrn herauszubekommen, bekam sie Besuch von einem anderen Mädchen aus der Kongregation. Diese klagte, daß ihre Herrschaft sie nicht mehr zur Kongregation lasten wolle. Der Herr habe gesagt, Adelheid dürfe auch nicht mehr hin; verschiedene Herren hätten es jüngst in der Freimaurerloge ausgemacht, sie wollten der Jesuiten- bruderschaft eins versetzen.
Jetzt wußte Adelheid, wo ihr Herr verkehrte. Bis- her hatte sie schon oft für ihn gebetet, damit er doch den Glauben wiederfände. Seitdem sie aber wußte, daß ihr Dienstherr Freimaurer sei, verdoppelte sie ihr Gebet für ihn.
Als er von einer Nomreise zürückkam, beobachtete sie alles, ob es nicht eine Wendung genommen habe. Wie freute sie sich, als sie die Koffer auspackte und so viele Photographien von Helligenbildern in einer Mappe beisammen fand. Darunter war ein Muttergottesbild mit dem Jesuskind und ringsherum Engel mit allerlei Instrumenten. Eine so schöne Muttergottes und so wun« dervolle Engel hatte Adelheid noch nie gesehen.
Als sie die Mappe auf den Schreibtisch legte, sagte sie ihrem Dienstherrn: „Das ist einmal eine andächtige Muttergottes!" Er aber meinte: „Andächtig oder nicht, daran liegt nichts; schön ist sie." Diese Bemerkung zer- störte den zarten Keim der Hoffnung.
Alle Jahre im Herbst machte der Fabrikant die gro. ßen Jagden mit. Einmal holle er sich eine schwere Krankheit. Der Arzt machte ein bedenkliches Gesicht. Er hätte den Patienten gern im Krankenhaus gehabt, allein der war dafür nicht zu haben. Er ließ sich lieber einen Krankenbruder tornmen und dieser pflegte ihn. Mil welcher Seelenangst fragte Adelheid jedesmal den Doktor,, wie es mit dem Kranken stehe. Der Arzt sagte nie etwas Sicheres. Aber aus allem konnte man entnehmen, daß es nicht zum Besten gehe. Eines Tages schüttelte der Doktor den Kopf und meinte: „Man kann zwar noch Hoffnung haben — aber . . Dieses »Aber" setzte Adelheid erst recht in Angst. Abends, wenn der Krankenbruder wachte, kniete sie oft noch lang vor ihrem Bett und betete den Rosenkranz für ihren kranken Dienstherrn. So oft sie abkommen konnte, ging sie zum Tisch des Herrn. Bei einem Geistlichen bestellte sie eine Anzahl heilige Messen für den Kranken. In der Kongregation bat sie bei den Freundinnen ums Gebet für ihren todkranken Dienstherrn.
In ihrer Seelenangst ging sie zum Präses der Kongregation und bat ihn, er möge doch einmal sehen, ob ihn der Kranke vorlasse. Der Geistliche kam noch am gleichen Abend. Adelheid meldete ihn an. Der Kranke sah sie zuerst fragend an; dann gab er die Erlaubnis. Der Priester, ein Mann mit grauen Haaren, trat ein.
Der Geistliche verließ nach einer Weile das Haus, ohne dem Dienstboten ein Wort zu sagen. Der Arzt, welcher bald hernach kam, gab dem Krankenbruder und der Adelheid die Weisung, ja recht acht zu haben; denn es sei keine Hoffnung mehr. Wenn der Kranke noch lange lebe, so könne es sich noch um einige Tage han- dein.
Adelheid machte die Arbeit fertig und lieh dann den Krankenbruder mit dem Kranken allein. Sie eilte in die Kirche, warf sich zuerst vor dem Tabernakel nieder und beschwor das göttliche Herz Jesu, es möge doch dem armen Kranken die Gnade einer glückseligen Sterbestunde geben. Dann kniete sie vor den Marienaltar und betete mit Inbrunst den schmerzhaften Rosenkranz für ihren Dienstherrn. Als sie fertig war, gelobte sie eine Wallfahrt nach einem benachbarten Gnadenort.
Es war ihr furchtbar, daran denken zu müssen, es könne ihr Herr, ohne sich mit Gott ausgesöhnt zu haben, vor den ewigen Richterstuhl treten müssen. ^Wenn sie
mit ihrem jungen Leben vre Seele des Dienstyerrn ret.: ten könnte, sie würde das Opfer gerne bringen.
Sie fand den Kranken in heftigen Schmerzen. Als Adelheid ihm einige Trostesworte sagte, stahl sich eine Träne über die Wange in den Bart hinab.
„Es wird viel für Sie gebetet. Der liebe Gott wird helfen," sagte sie.
„Ja, ja, sie beten für mich!" stöhnte der arme Kranke.
Ein heftiger Anfall von Schmerzen ließ ihn förmlich aufjammern. Adelheid und der Krankenbruder suchten dem Gequälten Erleichterung zu verschaffen.
Als der Kranke wieder ruhiger geworden war,, nahm sich das Mädchen ein Herz, kniete neben das Krankenbett nieder und fing zu beten an. Es war das Gebet des leidenden Heilandes im Oelgarten: „Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht meim^ondern dein Wille geschehe!"
Es war gegen Mitternacht, der Kranke schlummerte oder schien mindestens zu schlummern. Adelheid ging in ihr Zimmer hinauf, aber nicht um zu schlafen. Sie nahm ihre geweihte Sterbekerze und zündete sie an, stellte sie vor ihr Muttergottesbild, warf sich auf die Kniee und betete den Rosenkranz für ihren armen kranken Herrn.
Dann kam sie wieder herab und trat an das Krankenbett. Der Schwerkranke schlug die müden Augen auf. Er versuchte zu sprechen. Aber seine Stimme war kaum mehr recht vernehmbar. „Wo ist der Geistliche? Ist er nicht mehr da?" fragte er.
„Soll ich ihn rufen? Er wird gleich wieder da sein!" Wieder hauchte der Kranke: „Ich will beichten Ich muß sterben."
Im Nu stand Adelheid auf der Straße. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Nur die Lichter aus den Straßenlaternen warfen ihre Strahlen auf die toten Wege. Sie eilte zum Hause des Geistlichen und zog hastig die Glocke. Während der Priester dann zur Kirche ging, um das Allerheiligste zu holen, eilte sie wieder nach Hause, um alles zum Versehen herzurichten. Ohne daß ihr Herr es wußte, hatte sie längst das Vere sehtuch gestickt und die Leuchter und Kerzen bereit gehalten. Als christliches Mädchen dachte sie eben auch an die Stunde des Sterbens.
Der Priester trat ein. Er warf den weiten Mantel, den er über den priesterlichen Kleidern trug, ab; dann sprach er: „Pax huic domui — der Friede sei mit die« diesem Hause und mit allen, die darin wohnen!"
Dann zogen sich der Krankenbruder und Adelheid zu, rück. Während der Kranke und der Priester allein waren, beteten sie mitsamen den Rosenkranz. Nach einer Weile wurden sie wieder hereingerufen und waren Zeuge, wie der Kranke mit Tränen in den Augen die letzte Wegzehrung und die letzte Oelung empfing.
Wie war jetzt Adelheid glücklich! Ihr Herr war versehen! Nun konnte der Tod kommen, wann er wollte.
Vor fünf Uhr trat sie wieder ans Krankenbett und bat um die Erlaubnis, jetzt in die heilige Messe gehen zu dürfen. Der Kranke nickte und kaum hörbar bat er:
„Beten Sie auch für mich. Sie haben doch schon viel für mich gebetet."
Als sie heimkam, verlangte der Kranke nach dem Notar. Der Arzt, der in aller Frühe kam, meinte, es sei höchste Zeit; denn der Kranke werde schwerlich den Abend erleben.
Im Laufe des Morgens erschien der Priester wieder und kam bald nach Mittag wieder, da er sah, daß es zu Ende gehe.
Gefaßt und ergeben, das Kruzifix in der Hand, wartete der Kranke auf den Augenblick, wo er vor Gott erscheinen sollte.
Der Augenblick kam bald. Kurz vorher mußte Adelheid nochmals zu dem Sterbenden treten. Er bot ihr die schon kalte Hand und sagte:
„Vergelt's Gott!" 1
Es war fein letztes Wort auf dieser Welt. —
Einige Wochen später wurde Adelheid vor den Notar geladen. Es war Testamentsöffnung, und sie erfuhr, daß ihr Herr im Testament ihr 10 000 Mark vermacht habe.
Als sie das Geld erhalten hatte, überlegte sie, was sie damit anfangen sollte. Zunächst ließ sie für ihren verstorbenen Herrn eine größere Zahl von heikigen Mes. sen lesen. Dann brachte sie das andere Geld dem Präses der Kongregation mit der Bitte, er möge es für das Dienstbotenheim, das gebaut werden solle, ver- wenden als Stiftung zu Freiplätzen für kranke und altersschwache Dienstboten. Wenn sie selber später einen Freiplatz nötig hätte, so wolle sie sich ein Recht darauf Vorbehalten.
Sie selbst tat wieder Dienst bei einer anderen Her« schaft und verdiente sich mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot weiter. Sie ist heute noch, was sie immer war: ein einfacher, cfcifijirfÈv^