Nr. 29
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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Wochenkalender.
Mittag, 16. Juli. 6. nach Pfingsten. Gedächtnis der Alersel. Jungfrau vom Berge Karmel.
mtay, 17. Juli. Hl. AlexiuS, Bek. (Todestag des Achsel. Bischofs Adalbert Endert f 1900.)
cnëtap, 18. Juli. Hl. KamilluS von LelliS, Bek., ÄedächtniS der.hl. Symphorosa und 7 Söhne, M.
rttwoch, 19. Juli. HI. Binzenz von Paul, Bek. utnerStag, 20. Juli. Hl. Hieronymus Aemilianu?, Bek« Gedächtnis der hl. Margarita, Jgfr. u. M.
eitag, 21. Juli. Hl. Praxedis, Jgfr.
imstag, 22. Juli. HI. Maria Magdalena, Büßerin.
sechster Sonntag nach Pfingsten
(Evangel. Mark. 8, 1—9.)
In jener Zeit, als viel Volk beisammen war, und nichts zu essen hatte, rief Jesus seine Jünger zu- nmen und sprach zu ihnen: Mich erbarmet das Ik; denn sehet, schon drei Tage harren sie bei mir s, und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie unge- nset nach Hause gehen lasse, so werden sie auf dem -ge verschmachten; denn einige aus ihnen sind weit gekommen. Da antworteten ihm seine Jünger: oher wird jemand hier in der Wüste Brot bekommen 'nen, um sie zu sättigen? Und er fragte sie: Wie I Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er bell dem Volke, sich auf die Erde niederzulassen. Dann hm er die sieben Brote, dankte, brach sie, und gab seinen Jüngern, daß sie vorlegten: und sie legten n Volke vor. Sie hatten auch einige Fischlein: und segnete auch diese und ließ sie vorlegen. Und sie en und wurden satt; und von den Stücklein, die :ig geblieben waren, hob man noch sieben Körbe voll '. ES waren aber deren, die gegessen hatten, bei rtausend; und er entließ sie.
—^ Gottes Zelte. -e—
ie lieblich sind deine Zelte, o Herr der Heerscharen, singt der Psalmist. (Ps. 83,1) Sieh dir diesen Psalmvers nochmals an und erkenne, daß der Verfasser nicht in der Einzahl spricht, sondern in cht sagt: dein Zelt, sondern „deine
Gibt es also viele Zelte Gottes? — Ja! und nn ich es dir offen sagen soll: tausend Zelte, llionen Zelte und noch mehr: denn jeder Ort, ) wäre es auch der kleinste Winkel, ist ein Zelt, eine Wohnung Gottes, des Allerhöchsten, von dem ’ "^ Glaube sagt, daß er überall zugegen ist;
er ist ja — wie der Apostel schreibt — „nicht fern von jedem aus uns: denn in ihm leben wir bewegen wir uns und sind wir" (Apg. 17, 28)
Diese Wahrheit vorausgesetzt und festgehalten, hat sich der liebe Gott gleichwohl einige Orte, einige Zelte vorbehalten, an denen seine Gegenwart besonders fühlbar und gnadenreich ist.
DaS erste dieser Zelte ist jenes blaue Zelt zu deinen Häupten — der Himmel. Denn, so spricht der Herr selber: „Der Himmel ist mein Thron". (Js. 96,1) Und kein geringerer als der Heiland selbst hat uns beten gelehrt: „Vater unser, der du bist in dem Himmel". Ob du nun unter dem Himmel diesen sichtbaren Himmel dir denkst, der mit dem blauen Firmament, mit der prächtigen Sonne, dem silbernen Mond, den flimmernden Sternen geschmückt ist, oder einen andern, unsichtbaren Himmel, der darüber sich ausdehnt in unermeßlicher Ferne, das bleibt sich gleich. Jedenfalls ist es allen ^Völkern, allen Religionen, gemeinsam, sich Gott im Himmel vorzustellen. Uns allen ist es gleichsam auf die Stirne gebrannt, daß wir uns den lieben Gott, diesees unendlich erhabene, unbegreiflich große und schöne Wesen in unerreichbarer Ferne denken, droben auf dem ewigen Thron über den Wolken, über den Sternen, über den Cherubim Die Kirche selber trägt dieser Anschauung Rechnung wenn sie so oft uns zuruft: „Sursum corda": himmelwärts die Herzen! Wenn wir Herz und Sinn öfter dahin erheben und ein erdentrücktes Leben führen, so werden wir einst den lieben Gott nicht bloß denken und glauben, sondern schauen und genießen im reinsten Himmelsglück.
Ein anderes „Zelt" Gottes sind die Berge. „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen, von denen mir Hilfe kommt; meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat", schreibt der Psalmist (Pf. 120, 1) Berühmt durch die Gegenwart und das Eingreifen Gottes ist der Berg Moria. Dort sollte Abraham seinen Sohn Isaak schlachten. Als er schon das Messer zückte, rief im letzten Augenblick der Herr: „Abraham, halt ein". Und als der glückliche Vater die Augen erhob, sah er einen Widder, der mit den Hörnern in einer Hecke hing. Diesen nahm er und schlachtete ihn zum Brandopfer an Stelle seines Sohnes Abraham. Den Namen des Ortes nannte Abraham „Gotlesschau". Und von da an wurde bei den Israeliten das Sprichwort geprägt: „Auf dem Berge sieht der Herr". (Ger. 22)
Berühmt waren ferner der Berg Sion, von dem es heißt, „daß dorthin der Herr Segen und Leben spendet biö in Ewigkeit" (Ps. 132,1) Auf dem Berge Sion wurde später der Tempel erbaut. Berühmt war der Berg Tabor, der Oelberg, der Kalvarienberg, die alle durch das Leben und Leiden unsers Herrn geweiht sind und in der ganzen Christenheil in Ehren stehen.
In unserer gemütvollen deutschen Poesie werden oft genug die Berge verherrlicht als Zeugen der göttlichen Allmacht und als Stätten der Gottesnähe. So heißt es z. B. in einem Lied:
Auf hoher Alp wohnt auch der liebe Gott;
Er färbt den Morgen rot, die Blümlein gelb und blau Und labet sie mit Tau.
Es ist ein guter Zeichen, daß die Menschen unserer Tage und besonders die Bewohner unserer Steinwüsten — Städte genannt — so gern zu den Bergen gehen und in hellen Scharen ihre Gipfel besteigen, vorausgesetzt, daß es zur rechten Zeit und in der reckten Weise geschieht. Denn, so sagt der hl. Kirchenlehrer Ambrosius, alle großen, alle edlen Menschen steigen auf die Berge. Es liegt darin offenbar eine Seh 'sucht nach etwas Höherem, Sehnsucht und Heimweh nach den Bergen der Ewigkeit und nach Gott, dem Schöpfer der Welt, dem König der Seelen. Freilich darf das Bergsteigen nicht zum Sport, nicht zur Uebertreibung ausarten, nicht das Familienleben zerrütten, nicht die Erfüllung der religiösen Pflichten vereiteln. Steigen wir also auf die Berge zur rechten Zeit und in der rechten Weise und denken wir droben nicht bloß an die schöne Aussicht und an die gute Luft und an das Essen und Trinken, sondern auch an den Herrn und Schöpfer der Natur, an den gütigen Vater der Menschen und Engel, an die ewige, unerschaffene Schönheit, an den lieben Gott.
Wie lieblich sind deine Zelte, o Herr der Heerscharen. Ein weiteres Gotteszell und zwar das schönste und heiligste ist der Tempel, die Kirche, das Haus Gottes. Auf Gottes ausdrücklichen Befehl hat Salomon jenen prächtigen Tempel erbaut, in welchem Gott in mancherlei Zeichen sich zu offenbaren geruhte. Als Salomon den Tempel feierlich eingeweiht hatte, erschien ihm der Herr des Nachts und sprach zu ihm: „Ich habe dein Gebet erhört und nur diesen Ort zur Opferstätte auserkoren. Wenn ich den Himmel verschlossen habe, so daß kein Regen mehr fließt, wenn ich den Heuschrecken befohlen habe, das Land zu verwüsten, wenn ich unter mein Volk die Pest schicke, mein Volk aber meinen Namen anruft, und sich zu mir bekehrt und Buße tut von seinen schlimmen Wegen, so will ich es vom Himmel her erhören und ihren Sünden gnädig sein und ihrem Lande wieder aushelfen. Auch sollen meine Augen dort offen sein und meine Ohren gespitzt, um das Gebet desjenigen zu erhören, der an diesem Orte beict' denn ich habe diesen Ort erwählt und geheiligt!" (Paral. 7.)
Heiliger noch und ehrwürdiger ist das katholliche Gotteshaus im kleinsten Dorf, wo in Brotsgestalt der Heiland wohnt.
Es findet ihren Schlag die Taub-
Und seiner Jungen Nest der Sperlur'.
Doch meiner Seele Nuheplätzchen
Ist dein Altar, o Herr der Engel. (Ps. 83.)
Der Burgpfarrer.