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Ausgabe B
Nr. 28
Kassel, den 9. Zull (922.
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Erscheint jeden Sonntag u. kostet vierteljährl. Ausg. A 8.00 Mk., B 10.— Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzelle oder deren Raum 1.50 Mk. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunft-Anzeigen 3.00 Mk. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Acttendruckeret in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Wochenkalender.
»nntag, 9. Juli. 5. nach Pfingsten. Gedächtnis der Uevertragung der Gebeine des hl. Bonifatius.
ontag, 10. Juli. Die HI. sieben Brüder und die HI. Rufina und Tecunda, M.
ienstag, 11. Juli. Pius L, P. u. M. rittwoch, 12. Juli. Hl. Johannes Gualbert, Abt; Gedächtnis der hl. Felix und Nabor, M. onnerstag, 13. Juli. Hl. Anaklet, P. u. M. ceitag, 14. Juli. Hl. Bonaventura, Bischof u. Kchl.
amstag, 15. Juli. HI. Heinrich, Kaiser.
zünster Sonntag nach Pfingsten.
(Evangel. Matth. 5, 20—24.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: >enn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener sein wird, s die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet r nicht in das Himmelreich eingehen. Ihr habt gehört, -ß zu den Alten gesagt worden ist: Du*sollst nicht ten; wer aber tötet, der soll des Gerichtes schuldig n. Ich aber sage euch, daß ein Jeder, der über seinen :uder zürnet, des Gerichtes schuldig sein wird. Wer er zu seinem Bruder sagt: Naka! wird des Nates uldig fein; und wer sagt: Du Narr! wird des llischen Feuers schuldig sein. Wenn du daher deine rbe zu dem Altare bringest, und dich daselbst erinnerst, ß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß deine abe allda vor dem Altare und geh zuvor hin und rsöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und fere deine Gabe.
Heiliges Land. -8—
®Me3 seine Schafe tiefet wie gewöhnlich in die Wüste hineintrieb, ^E^MM) sah er einen Dornbusch, welcher ^t^i» kannte und nicht verbrannte. Ich MM^HM will doch hingehen, und dieses Schau- S* spiel näher betrachten. Toch plötz« H rief ihm eine Stimme entgegen: „Moses, Moses, tt nicht näher herzu, löse die Schuhe von deinen lßen, denn der Ort, an dem du stehst, ist iliges LandI"
Wodurch war jener Ort so heilig? Durch die »genwart Gottes, der sich durch das äußere Zei« n der Feuerflamme offenbarte. Nun frage ich h, ist nicht jeder Ort ein „heiliges Land"? Ganz ™6; denn an jedem Ort ist Gott gegenwärtig, nn er auch nicht sich zu erkennen gibt, wenn er ch in den Mantel der Verborgenheit sich einhüllt. Die Allgegenwart Gottes ist eine Wahrheit um es Glaubens, die mit zwingender Folgerichtigkeit z ferner Grob» mrd Unermeklichkeit hervorgeht.
Wenn du in meine Lesung vom letzten Sonntag dich vertieft hast, so kommt dir Gottes Allgegenwart ganz selbstverständlich vor. Wenn nämlich der liebe Gott mit seiner unermeßlichen Größe Himmel und Erde erfüllt und noch unendlich weit über jeden Raum hinausragt, muß er dann nicht an jedem Ort, in jedem Raum gegenwärtig sein?
An vielen und herrlichen Stellen der hl. Schrift wird diese Wahrheit noch ausdrücklich bestätigt. Lies die schwungvollen Verse deS königlichen Sängers ans dem Psalm 138:
Wohin könnt' ich vor Gott entfliehen? Wo wäre Gott nicht gegenwärtig?
Steig' ich hinauf bis in den Himmel, So find' ich ihn in allen Himmeln.
Steig' in den Abgrund ich der Erde, So werd' ich ihn dort wieder treffen.
Und würd' ich mit der Morgenröte Bis an des Meeres Grenzen fliehen,
Ich wâr' auch dort ihm nicht verborgen, Mich würde seine Hand erreichen.
Hüllt' ich mich ein in Finsterniffe, Mich seinem Auge zu entziehen —
Umsonst! Auch Firsternisse würden Durch seine Gegenwart zum Tage!
Als der hl. Paulus auf dem Areopag zu Athen den heidnischen Philosophen und Rhetoren die ersten Grundsätze der christlichen Weisheit beibrachte, da hat er auch auf Gottes Allgegenwart hingewiesen mit den ebenso einfachen als abgrundtiefen Worten: „Gott ist nicht ferne von jedem aus uns: denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir". (Apg. 17,27)
Im ersten seiner Briefe berührt auch der hl. Petrus unsere Wahrheit. Er stellt den ersten Christen die Gegenwart Gottes als den kräftigsten Antrieb zur Tugend und als wirksamste Arznei gegen das Laster vor Augen. Lies seine eigenen Worte, welche die Kirche gerade am heutigen Sonntage in der Epistel an uns richtet: „Wer warhaft sein Leben lieben und gute Tage sehen will, der enthalte seine Zunge vom Bösen und hüte seine Lippen vor Trug und Lüge: er beuge ab vom Bösen und wirke das Gute; er folge dem Frieden und jage ihm nach: denn die Augen des Herrn ruhen mit Wohlgefalle» auf den Gerechten und seine Ohren merken auf sein Gebet; der Zorn Gottes aber kehrt sich gegen die, welche Böses tun". (1 Pe. 3)
Wie kommt es aber, daß die Augen des Hern: alles beobachten, Gutes und Böses? Nur daher, weil Gottes Wesen überall ist; und nicht etwa aus weiter Ferne, sondern aus unmittelbarer Nähe beobachtet er das Treiben der Menschenkinder und macht von all unsern Taten, Reden und Gedanken jeden Augenblick eine photographische Aufnahme, die treuer und genauer ist als die Aufnahme mit
einem Apparat. Wie in einem riesigen Film werden uns diese Momentaufnahmen beim Gericht vorgeführt werden.
Sehen wir uns nach einem Bilde um, das uns' Gottes Gegenwart veranschaulicht. Und da hat keiner ein besseres gefunden als der scharfsinnige Kirchenvater Augustinus: ich meine das Bild vorn Schwamm. Nimm einen Schwamm und wirf ihn ins Meer. Bald wird er sich mit Wasser füllen. Ueberdies ist der Schwamm ringsum von Wasser umgeben. So ist es mit der Gegenwart Gottes. Er ist um uns und in uns wie das Wasser, das den Schwamm umgibt und ihn erfüllt. Jedes Gleichnis hat aber einen Haken; es trifft nicht in allem zu; man muß in feiner Anwendung vorsichtig zu Werks gehen. So ist es auch mit unserm Gleichnis. Wie viel Wasser ist denn in dem Schwamm? O nur ein winziger Bruchteil des Meeres, vielleicht ein Liter, wenn es sich um einen großen Schwamm handelt. Alles andere Meerwasser ist außerhalb des Schwammes. Anders ist es mit Gottes Gegenwart. Nicht nur ein Teil seiner Wesenheit ist in uns, sondern seine ganze Wesenheit. Gott ist ganz im Menschen und ganz in jeglichem Wesen. Erheben wir unsern Gedanken und erfassen diese Wahrheit in ihrer ganzen Größe und Tiefe. Nicht ein Stück Gottes ist in dir, sondern der unendlich große, herrliche und mächtige Gott ohne alle Teilung und Spaltung. So ist ja auch unsre Seele ganz im Haupt und ganz in der Hand und ganz im Herzen und ganz in jedem Teil und Organ.. Denn die Seele ist ein Geist und kann nicht geteilt werden. Wo sie ist, da ist sie ganz. Aehnbch ist es mit Gottes Gegenwart: er ist überall, aber nicht in Teilen, sondern mit seinem ganzen Wesen, mit seiner Größe, mit seiner Allwissenheit, mit seiner Allmacht, mit seiner Heiligkeit.
Gott ist bei uns und in uns. Aber, o Leichtsinn, o Vergeßlichkeit: wir sind nicht immer bei ihm! Würden wir an seine Gegenwart denken, wie könnten wir etwas Böses tun? Das Andenken Gottes, sagt der hl. Hieronymus, schließt alle Sünden aus. Würde wohl einer zur Mordwaffe greifen, um einen Mitmenschen niederzustrecken, wenn, er denken würde an Gottes Nähe, Gottes Zeugen-; schaff, Gottes Gericht, Gottes Strafe? Wenn man aber an keinen Gott glaubt und an keine Rechen-, schaft, dann schießen die Verbrechen aus dem Vo- den. Eine Gesellschaft, die Gott leugnet, ist dem Untergang geweiht. Drum soll keine Wahrheit so tief in uns stecken als die von der Gegenwart Got* les an jedem Ort, in der Stube, in der Kammer,^ auf der Straße, im Walde. Mag dann die Leidenschaft brennen wie ein Feuer — der Gedanke ar» Gott wird sie auslöschen. Dieser Gedanke sei uns gegenwärtig wie ein guter Engel und geleite uns auf allen Lebenswegen: Gedenke, wo du. immev bist, daß Gott, dein Vater bei dir ist,