Einzelbild herunterladen
 

146

^^'i'^Hi ^hüm citi^x ßi»^Xu»#^i&ij&i

HLiMLâttken unter Führung der Bank von EngLünd die Möglichkeit einer Auslandsanteihe für Dcuifchiand bietet, die uns in dm Stand setzen würde, die Franzosen für eine Zeitlang zu befriedigen. Auch die Derkehrs- romnnfsion kann aus einen Erfolg blicken, insofern die Eisenbahner das Recht beanspruchen, nach fachlichen und fachlichen mrd nicht nach politischen Rücksichten den Weltverkehr wieder auszubauen. Was die Kou- ferenz mis noch weiter bringt, müssen wir in Geduld schwarten.

2ii Kritischer Tag erber Ordnung wird für uns der 31. Mai fern. Das geht aus der Hetzrede hervor, die Poineare, der französische Liinistcr- prösident, wie wir schon in der vorigen Stummer ge­meldet haben, bei Eröffnung eines Provinziallandtages gehalten hat. Dieser Gewaltmensch hat dabei wieder einmal so stark mit dem Säbel gerasselt und mit Ee- wauiätigreiten gegen Deutschland gedroht, daß die ganze vernilnslige Welt darüber erschrocken ist und Lloyö George durch seinen politischen Sekretär erklären lieh, Ure britische Regierung sei entschlossen, die beiden Länder Deutschland und Rußland davor zu bewahren, auf die Schlachtbank geführt zu werden. Dieses ent­schiedene Wort, das seinem in Zorn gegen Barthou in Genua erfolgten Faustschlag auf den Tisch eben­bürtig ist und geteilt, wird von der össentlichen Mei­nung Amerikas, Stollens und selbst Belgiens, hat nun den Herrn veranlaßt, den Rückzug anzutreten und seiner Rede eine arLere Auslegung zu geben. Er be- susprucht aber trotz der milderen Darstellung das Recht sicr Frankreich, mit kriegerischen Sanktionen gegen Deutschland auch ohne Zustimmung der übrigen En- tentestaaten vorzugehen, wenn nach der Ansicht der Reparationskommission Deutschland seine Vertrogs- xflichten nicht vollständig erfüllt. Zu diesen rechnet er auch das Verlangen, Deutschland unter französische Fi­nanzconnolle zu stellen, was der Kanzler und der or- samte Reichstag abgelehnt hat. Die Gerüchte, die einem instinktiven GZühl entspringen, wollen nicht zur Ruhe kommen, daß die französischen Militaristen nur tonn d.e dauernde Sicherheit Frankreichs verbürgt hal­ten, wenn entweder die Grenze bis zum Rhein vor- g^choben oder Süddeutsch land vom Norden gr trennt wird. Die TruppLnverteiluMg und Verschiebung im besetzten Gebiet lassen derartige Pläne glaubhaft er­scheinen. Ln jedem Falle, ob das Rheinland oder Bayern vom übrigen Reiche abgeschnitten würde, die Zerreißung des Deutschen Reiches wäre das größte nationale UnKÜck, das uns begegnen könnte und barmn nw^ alles aufgebeten werden, den Franzosen jeden Vor- vand für ihre Lermchtungs^äne zu entziehen.

Der Wiederaufbau unseres Vaterlandes ton wir alle sehnlichst wünschen, ist nur möglich, wenn die Jnteressenpolitik nicht überhand nimmt, sondern jedem das Wohl des Ganzen als Leitstern bei allem seinem Tun und Lassen vor Augen schwebt. Das gilt auch für die Beurteilung der ge­setzgeberischen Maßnahmen der Regierung. Es liegt ja in der Natur der Sache, daß sie nicht bei allen dieselbe Aufnahme finden. Das gilt auch von den Arbeiten, die der Reichstag vor der Osterpause abge­schlossen hat. Ein ganzer Komplex von gesetzgeberi­sch^- ft Problemen hat seine Erledigung gefunden: Es sind Beschlüsse gefaßt worden, deren Bedeutung und Schwere der Einzelne zum Teil erst nach län­gerer Zeit ganz spüren und erfassen wird. Manche Fragen waren von viel Lärm und Streit umgeben, der sich nicht selten von den Volksversammlungen in das Parlament fortpflanzte. Heute, wo die Fragen entschieden sind und wir so einen gewissen Abstand gewonnen haben, mag es vielleicht nicht ganz zweck­los erscheinen, wenigstens einige Streitpunkte der letzten Zeit mit der Ruhe des Zurückblickenden kurz zu betrachten. .

15 neue Skeuergefetze, die durch ein Mantekgefetz sorgsam zusammengeschmiedet wurden, fordern jetzt vom deutschen Volke ihre Erfüllung. Noch liegen uns in den Ohren die Stimmen aus den beiden Gruppen, von denen die eine die B e s i tz b e st s u e° rung als Untergrabung jeglichen privaten Schaf­fens bezeichnete, und die andere nicht minder nach­drücklich die Verbrauchsbesteuerung als unerträgliche Bvlastmrg der Massen ablehnte. Gewiß steckt in beiden, oft nur zu leidenschaftlich verfochtenen Ansichten ein wahrer Kern. Die Steuerbelastung in Deutschland ist, wie der Reichs­finanzminister mit Recht im Reichstage betonte, auf das Höchstmaß gesteigert worden. Aber beide

Parteigruppen vergessen, ^ wir unter dem schärfsten außenpolitischen Druck stehen und auf dem Gebiete der Steuerbelastung wie in jo mancher anderen Frage keine Freiheit des Hrm- delns haben. Beide vergessen die moralische Ver° pflichlung erster Schichten des deutschen Volkes, in der außenpolitischen und finanziellen Not des Rei­ches ihren Teil zum Opfer beizutragen.

Das Zentrum hat redlich versucht, in mühsamer Arbeit in den Steuer ausschüssen zwischen den sich oft schroff gegcnllbersiehenden Interessen die mitt­lere Linie zu finden. Es ist bei den sich drängen­den Fragen der Politik viel zu sehr übersetzen wor­den, was

das Zentrum

in der Steuerfrage an positiver Arbeit und an eini­gender Vermittlung getan hat. Gewiß, es hat die überaus starke Besteuerung des Besitzes mitbeschios- !en; es hat der Zwangsanleihs, die eine Milliarde Goldmark, d. h. 30 bis 70 Milliarden Papiermark aufbringen soll, zugestinrmt. Doch wie bann, wenn die von den Linksparteien gewollte und zuweilen nahe vor der Türe stehendeErfassung der Sach­werte'" gekommen wäre? Wird da nicht jeder ruhig Ueberlegende wissen, welche Wahl er, wenn auch nicht leichten Herzens, zu treffen hat. Dem Zen­trum unter der bewährten Führung des Abgeord- naken Herold ist es zu danken, wenn die für die Landwirtschaft und gewerblichen Befriste drückende Besteuerung nach dem gemeinen Werte vermieden und eine ganze Reihe von schwerwiegenden Fragen geklärt wurde. Es hat die Verbrauchssteuern mib beraten und mitbsschlossen, in der Erkenntnis, daß sie für das verarmte deutsche Volk eine schwere Last bedeuten, daß sich andererseits aber eine starke Er­höhung ebensowenig wie bei den Besitzsteuern ver­meiden ließ.

Es ist ein Leichtes, bei den einzelnen Steuern eine ganze Reihe von Mängeln und Fehlern zu ent­decken. Man darf aber nicht vergessen, daß das neugeschaffene Steuerwerk ein Kompromiß von fünf, in ihren Zielen sehr verschiedenen Vartelen darskettt. Und was bedeuten diese Fehler bei aller möglichen Berechtigung im einzelnen gegenüber der einen großen Tatsache, daß es gelang, eine Einheits­front von der deutschen und bayerischen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie zu schaffen! Wieviel in- nerpslitifche Beruhigung, deren wir dringend be­dürfen, und wieviel außenpolitische Wirkung liegt In diesem einen Erfolg verborgen!

Man kann nie stark genug gegenüber den an sich nicht unberechtigten Interessen von Einzelnen und Gruppen die großen Linien allen politischen Geschehens, die in dem Kampf des Tages nur zu leicht verloren gehen, betonen. Nur bei ihrer Be­achtung wird man die Ruhe und Objektivität fin­den, die zur gerechten Beurteilung des politischen Lebens und feiner verschiedenen Gestaltungen not­wendig ist

Die zinanzminisier

waren unter dem Vorsitz des Reichssmanzmimsiers in Würzburg versammelt. Er teilte u. a. mit, daß für das Rechnungsjahr 1921 die Einnahmen des Reiches aus Steuern und Abgaben annähernd 90 Milliarden Mark betragen haben, was gegenüber einem Voranschlag von 56,6 Milliarden ein Mehr um elwa 60 Prozent bedeute. Wenn dieses Ergeb­nis auch zum Test auf die Geldentwertung zurück­zuführen fei, so stelle es andererseits doch einen sicht­baren Beweis bafür dar, daß die FinLUZverwattung des Reiches nunmehr laufe. Man dürfe hiernach die Hoffnung haben, daß auch die letzten Schwierig­keiten der durch die Gesetzgebung von 1919 und 20 erfolgten völligen Umstellung der Finanzversassung und -Verwaltung bald überwunden sein würden.

Der Schuldenstand des Reiches von etwa 5000 bis 6000 M auf den Kopf der Bevölkerung werde jedenfalls in keinem Lande auch nur annähernd er­reicht. Darauf wurden die finanziellen Beziehun­gen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden be­sprochen, ihre Neuregelung soll auf einer Grund­lage angestrebt werden, die allen Beteiligten die finanzielle Lebensfähigkeit gewährleistet. Es wird noch schwere Arbeit kosten, bis un^re, Fmanzver- hältnisse wieder einigermaßen in Ordnung sind. Die Finanzminister sind wahrlich nicht zu beneiden, sie haben die schwierigste und undankbarste Arbeit.

Die Ernennung des ZenK-crmsahg. ©ronorosfl zum Oberpräsidentm von Westfalen wird jetzt amtlich bestätigt. Gegen GronsNski,

i der aus dem Arbeiterftan.de hemorgegangen ist. Hatte g é nach der Wahl des Proviugialausschufses eine starke j I L ngefttzt, an der sich alle Zentrumsoegner beteiligten, 3 I Gegnerschaft gegen Gconowski entspringt nicht zum . ringen Teil der Abneigung, die in weiten Kreisen cm solche Beamte besteht, die nicht die vorgeschriebene Bs tenkarricre durchlaufen haben. Es wäre sicher der R unserer Verwaltung, wenn bei Besetzung der wichtig Staatsstellungen schematisch nach der Parteischablone i fahren würde. Für die Staatsämter können nur Leute Frage kommen, die dafür qualifiziert MH geschult sind, berufliche Tüchtigkeit muß schließlich entscheidend sein. 2 diese indes nicht ausschließlich in den Amtsstuben selbst woröen wird, beweist die große Zahl der höheren D waltiiugs beamten, die früher, im allen Deutschland, wichtige Aemter berufen wurden, ohne daß man sie Fachmänner Halle ansprechen können. Das Parlamenten! System bringt es zudem mit sich, daß nicht nur reine 2 russbeamte, sondern auch geüb.e ParÄmentarier in 1 kn3c Stellungen gelangen, die dafür zu sorgen haben, d die 2lrbeit der Parlamente bei der Ausführung der 5 setze nicht sabotiert wird. Ein Oberpräsident ist im u seitlichen der politische ©efdjäftsträger des Ministerium Die verwaltungstechnische Seite dieses Amtes tritt gege über freier Aufgabe viel mehr in den Hinterg:und, a etwa bei einem Regierungspräsidenten, Landrat ob Oberbürgermeister einer großen Stadt. Deshalb kann mal auch noraussetzen, daß der Mann, der Innre Jahre alt als Gesetzgeber mit tätig gewesen ist, sein Amt als Die: Präsident zur allseitigen Befriedigung, aussühren wir! Schließlich ist auch die engherzige Bevorzugung bestimmte Kreise, die bis zum Kriegsende ein geborenes Anrecht au alle höheren Staatsämter zu haben glaubten, heute nick niehr aufeechtzuerholten. Es hat unter diesen gewiß reck tüchtige Leute gegeben, aber doch auch gar manche, do denen nichts anderes zu sagen war,als daß 12 Dutzend aus machen und bei denen die tadellose Bügelfalt urf) der gut sitzende Stehrmgen nicht ohne Einfluß war

Eine Derlmntog entlarvt!

Während des Krieges ist der verstorbene Kömg Ludt wig non sozialistischer Seite verleumdet worden, als hab« er die Milch von feinem Gut Leutstetten um teures Geld nach Norddeuischland verkauft. Nunmehr stellt sich heraus, daß das Ganze nur eine Mache war, um gegen den KöpA Stimmung zu machen, genau so, wie man auch die Städ­ter gegen ihn auszuhetzen versuchte, indem man ihn ver­ächtlich einenBauern" nannte. Prinz Franz, der Sohn König Ludwig III. hat einen Eisenbahnoberingenieur tu Obermenzing verklagt wegen Derbreituug unwahrer An­gaben hinsichtlich der Milch efevr-ng aus bem Gut Seul* stellen. Dieser Herr hat nun bei Gericht erklärt, daß diese Milchgeschichte nicht den Tolsachen entspricht und daß er alles, was er darüber gesagt, mit dem Ausdruck des Pe» dauerns juriidnimmt. Dsc Herr Oberingenieur übernahm ferner eine Buße von 400 Mk. zugunsten der erblindeten Krieger und die Kosten des Verfahrens. Dem Kläger wurde das Recht zccgcstanden, den Vergleich in der sozial­demokratischenMünchener Post" zu veröffentlichen. 5« Wirklichkeit hat König Ludwig III. die Milch aus feinem Gut Leutstetten zur Hälfte unentgeltlich an vcrsch'edene Säuglingsheime des Landes geliefert und zur Hälfte zu einem geringen Preis an Krankenanstalten.

Ueber den Ztand der LeichenVerbrennungm in Deutschland sind einer Aufstellung der Zentralstelle für kirchliche Statistik folgende Angaben zu entnehmen: Die Einäscherungen in Deutschland sind die zahlreichsten in allen Kulturstnaten. Dieselben beliefen sich in den letzten zehn Jahren das heißt von 1912 bis einschließlich 1922, auf jährlich 8870, 10168, 11 138, 10 000. 11463, 13 942, 15 873, 15 905, 18 846, 19 507. Die Zahl bek Krematorien (Leichenverbrennungsöfen) betrug 1912: 34, 1915 bereits 48, 1921: 55. Die Verteilung auf fre verschiedenen Landestelle ist eine sehr ungleiche. Wäh­rend in Bayern nur die Städte 2lugsbirg, München und Nürnberg Krematorien aufweisen, sind auffallen­derweise Württemberg und Baden mit diesen Zeugen modernster Kultur überreich gesegnet. In Württem­berg besitzen die Städte Eßlingen, Göppingen, Heil­bronn, Reutlingen, Stuttgart und Ulm, in Baden die Städte Baden-Baden, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und Mannheim eigene Krematorien. Auch in Preußen ist die - Zahl der Leichenöfen verhältnismäßig kleiner als in anderen Bundesstaaten, weil dort die ©efe^gebmig erst seit 1911 die Errichtung von Kremato­rien zuläßt'. So finden sich keine Krematorien im Ge­biet der Diözesen Münster und Trier, nur eines in der Diözese Köln (Kreseld). Don den 1921 Eingeäscherten waren 16131 = 82,7 Prozent eoanglisch, 914 - 4,7 Prozent katholisch, 452 - 2,5 Prozent jüdisch, vm Verhältnis zur Beoölkerungszahl war die Einäscherung der Evangelischen etwa sechsmal, die ^der Juden etws scchzehnmal so groß als die der Kaiholiken. Nach der Statistik bat im Jahre 1921 in 15 168 Fällen'eine reli­giöse Feier im Krematorium stattgesunden. Es dürfte M) hier fast ausschließlich um Evangelische bandeln, denen bei der außerordentlich milden Handhabung der Kuchen- disziplin das kirchliche Begräbnis in den seltensten Fällen versagt wird. Diese Tatsache darf aber nicht darüber hinrvegtäuschen. daß ° von wenigen IDliilä ufern ange­sehen die Einäscherung die ältere DostMentiLrung der