Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 5.50 Mk., B 6.— Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 80 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert» und Auskunft-Anzeigen 3v Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
■ — Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei ..... . . ■
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
wochenkalender.
mittag, 30. April. 2. Sonntag nach Ostern. Gedächtnis der hl. Katharina.
tontao, 1. Mai. £U. Philippus und Jakobus, Apostel, jy. Walburga, Jungfrau.
ienstag, 2. Mai. Hl. Athanasius, Bischof u. Kirchenl.
kittwoch, 3. Mai. ^estieier des hl Joseph als des Schutzpatrons der ganzen Kirche. Alexander!„P.u.M.
onnerstag, 4. Mai. Krë uz-Aaffindung7' Gedächtnis der hl. Monika. Godehard, B. (Floriam) - -
reitag, 5. Mai. Herz-Jesu-Freitag. Hl. Pius V., Papst. Gedächtnis der Oktav des hl. Joseph.
amstag, 6. Mai. HI. Johannes von der lateinischen Pforte. Gedächtnis der Oktav des hl. Joseph.
Zweiter Sonntag nach Gstern,
(Ev. Joh. 10, 11—16.)
In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern: h bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben c seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirt , und dem die Schafe nicht zu ehören, sieht den olf kommen, verläßt die Schafe und flieht: und der olf raubt und zerstreuet die Schafe. Der Mietling :ht, eben weil er Mietling ist, und ihm an den Schafen hts liegt. Ich bin der gute Hirt, und kenne die einen, und die Meinen kennen mich, wie mich der der kennt, und ich den Vater kenne: und ich gebe in Leben für meine Schafe. Und ich habe noch dere Schafe, welche nicht aus diesem Schafstalle sind: ch diese muß ich herbeiführen, und sie werden meine imme hören, und es wird ein Schafstall und ein rt werden.
3m alten Urnivs.
^^^ >- ^0k j ,
uf einem Gottesacker in Indien steht ein schlichter Grabstein mit dem Namen eines Missionärs, und ba< runter das Wort, das du im WpfflW Kalenoer, findest zur Bezeichnung des heutigen Sonntags: Miseri- raia - Barmherzigkeit I
ein Beispiel der göttlichen Barmherzigkeit bietet uns das alte Ninive.
Eine Großstadt eisten Ranges, war sie der ihrboden für alle Laster und Schlechtigkeiten, n genußsüchtiger König ging mit schlechtem Betel voran; die Götter taten das üb.ige, die man cch Schmausereien und Unzucht verehrte. Wärest durch die Straßen der Stadt geschritten, du
hättest die Menschen müßig umherschlendern sehen, Hattest gesehen, wie sie plaudern über die Neuigkeiten in der Politik, die Schritte lenken in eineSchenke, in einThen er, in eine Rennbahn, m ein Bad, in ein Haus der Un- sittlichkeit, sich von einem Vergnügen ins andere stürzen. Richtige Menschen hättest du mit der Laterne am Hellen Tage suchen müssen.
Die Eiterbeule war reif zum Aufstechen, die Stadt reif zum Untergang.
Da fällt in die Nacht dieser lasterhaften Stadt ein Strahl der göttlichen Barmherzigkeit, und er wird immer größer und wächst zu einer Sonne und pendet Versöhnung, Verzeihung und Frieden. Eines Tages ein großer Auflauf an den öffentlichen Plätzen. Ein Mann aus Israel, ein Prophet steht in ihrer Mitte und erhebt eintönig wie ein Ausrufer die markdnrchdringende Stimme: »Noch vierzig Tage, und Ninive geht unter*.
Es war der Prophet Jonas, den die Barmherzigkeit zu ihrem Werkzeug erkoren hatte. Nur widerwillig war Jonas diesem Auftrag gefolgt. Es ging ihm ganz gegen den Strich, ès ging über seinen jüdischen Horizont hinaus, daß eine heid- n ''che, mit Lastern erfüllte Stadt Verzeihung finden tollte. Darum suchte Jonas, sich um seinen Auftrag zu drücken uno begab sich auf ein Schiff, das nach einer andern Gegend fuhr. Doch die Faust des Herrn packte das Schiff und warf es wie eine Nußschale hin und her in den Wogen des Meeres. Jonas gestand seine Sünde und sprach zu bett Matrosen: „Werfet mich ins Meer, denn ich weiß, daß meinetwegen dieser Sturm über euch gekommen ist*. Kaum war der Prophet über Bord geworfen, da ruhte augenblicklich das rasende Element. Doch ein Wölfisch verschluckte den Sünder und brachte ihn wohlbehalten an seinen Besttmmungs- ort. Im Bauche des Ungeheuers hatte Jonas Zeit, über seinen Ungehorsam und Gottes Großmut nach- zudenken. Manches flehentliche Gebet sandte er aus tiefstem Abgrund zu Gott, dessen Barmherzigkeit auch ihm das Leben schenkte. Der Bauch des Fisches war zu einer Kirche geworden.
Endlich kam Jonas nach Ninive. Einen ganzen Tag zog er durch das Weichbild der Stadt und ließ in alle Gassen und Ohren hineinschallen den Ruf: Noch 40 Tage, und Ninive geht unter.
Hören wir, was die hl. Schrift in köstlicher Einfachheit weiter erzählt:
Die Bewohner von Ninive glaubten Gott und riefen ein Fasten aus und kleideten sich in Buß- gewänder vom ältesten bis zum jüngsten. Und die Botschaft gelangte zum König von Ninive, unö er stand auf von feinem Thron und warf seine Königs- kleider von sich und hüllte sich in einen Bußsack und setzte sich in Asche. Und vom Munde detz Königs und seiner Fürsten kam der Befehl, der überall ausgerufen und verkündigt wurde: „Menschen unb |
Tiere, Ochsen und Schafe sollen nicht das geringste genießen, nicht auf die Weide und nicht zur Tränke geführt werden. Und in Bnßkleider haben sich zu Hüllen Menschen und Tiere und jedermann hat sich zu bekehren von seinem bösen Wege und von dem bösen Werk, das an seinen Händen klebt. Wer kann wissen, ob Gott nicht Abstand nimmt von seiner Drohung und verzeiht und abläßt von seinem grimmigen Zorn, so daß wir nicht zugrundegehen ?*
Und es sah der Herr ihre Werke, daß sie ernstlich sich bekehrten von ihrem bösen Wandel und Gott erbarmte sich über sie, daß er das Unglück, das ex zu fänden gesonnen war, nicht schickte". —
„Preiset den Herrn; denn er ist gut — und ewig währet sein (Erbarmen!*--- —
Hätte Jonas sich nicht freuen sollen über einen solchen Erfolg seiner Predigt? Toch weit gefehlt! Jonas war aus dem Holz jenes Bruders geschnitzt, der nicht ins Haus hineingehen wollte, als der Vater dem wiedergefundenen Sohn ein Freudenmahl veranstaltete. Ter Anblick der verschonten Stadt ver« droß den Jonas über alle Maßen. „Habe ich mirs doch gleich gedacht", sprach er bei sich selber, „daß es so kommen wird; deshalb wollte ich nach Thar- sus entfliehen; weiß ich doch, daß du gnädig und barmherzig bist, geduldig und von großer Erbarmung, die Bosheit zu verzeihen neigt". Sicher ist es der Teufel gewesen, der die Flamme des Neides und der Mißgunst im Herzen des Propheten entfachte. Gott hat diesen Neid zugelaffen, damit vom dunklen Hintergrund menschlicher L eblofigkeit um so heller erstrahle die' Sonne der göulichen Barmherzigkeit.
Durch ein sinniges Ereignis suchte Gort den Jonas von feiner Verkehrtheit zu überzeugen. Die Sonne des Orient stach unbarmherzig auf seinen kahlen Schädel. Da ließ Gott ein Gewächs auf» schießen, das Schatten spendete, und Jonas freute sich; doch in der folgenden Nacht schickte Gott einen Wurm, der die Staude benagte, daß sie verdorrte — zum großen Aerger des Jonas, der vor lauter Grain und Mißmut zu sterben wünschte. Da sprach der Herr zu ihm: „Tu betrübtest dich wegen eines Gewächses, das du nicht hast wachsen lassen, und ich sollte sein Mitleid haben mit Ninive, der großen Stadt, in welcher mehr als 120000 Menschen sind/ die nicht wissen, was rechts und links ist, und so viele Tiere?
Bist du auch in Ninive zu Hause? Bist du in Unglauben oder Sünde oder Lauheit verstrickt? Mach« dir die göttliche Barmherzigkeit zu Nutzen und kehr« zurück zum Glauben, zur Tu end und zum Erker. Wer weiß, ob nicht der letzte Gnadenruf an dich ergeht? „Misericordia, Barmherzigkeit", ruft dir der heutige Sonntag zu. Höre den Ruf und bereitet dem Himmel ein Freudenfest.
Der Vnrgpfarrer.