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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 5.50 Mt., B 6.— Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 80 Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert» und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.
Druck und Vrrlag der Fiüdaer Actiendruckerei
Kaifd, den 2. april ^922
rvochenkaiender.
mittag, 2. April. Passions- Sonntag (Judica); Ge- oächinis des hl. Franz von Paula.
onta 1, 3. April. Messe vom Wochentage, oder Seelenmesse (Richard).
lenstag, 4. April. Hl. Isidor; Gedächtnis des Wochentages.
ittwoch, 6. April. Hl. Vincenz Ferrer; Gedächtnis des Wochenta eS.
onnerstag, 6. April. Messe vom Wochentage. (Juliana von Lüttich, Junifrau)
eltag, 7. April. (Herz-Jesu-Freitag.) Fest der sieben Schmerzen Mariä; Gedächtnis des Wochentages. sHermann, Joseph.)
imstaa, 8 April. Messe vom Wochentage.
Passions-Sonntag.
In jener Ze,t sprach JesuS zu den Juden: Wer s euch kann mich einet Sunde beschuldigen? Wenn euch die Wahrheit sage, wa>um glaubet ihr mir ht? Wer auS Gott ist, der höret auf Gottes Wort: rum höret ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gotl 0. Da antworteten die Juoen und sprachen zu ihm: gen wir nicht recht, daß du ein Samaritan bist ö einen Teufel hast? Jesus antwortete: Ich habe nen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, ihr abrr ehret mich. Doch ich suche meine Ehre nicht: es ist ier, der suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, sag' euch, wenn Jemand meine Worte hält, wird er in ißfeit den Tod nicht sehen. Da sprachen die Juden: n erkennen wir, daß du einen Teufel hast. Abraham ) die Propheten sind gestorben, und du sagst: Wenn mand meine Worte hält, der wird in Ewigkeit den d nicht kosten! Bist du denn größer, als unser Vater raham, der gestorben ist? Und die Propheten sind orben. WaS machest du auS dir selbst? Je,uS ^ortete: Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine re nichts: mein Vater ist es, der mich ehret, von chem ihr saget, daß er euer Gott sei. Doch ihr net ihn nicht; ich aber kenne ihn, und wenn ich en wurde: ich kenne ibn nicht, so wäre ich ein iner, gleich wie ihr. Ich kenne ihn und halte seine rte. Abraham, euer Vater, hat frohlocket, daß er nen Tag sehen werde: er sah ,hn und freute sich. sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht »zrg Jahre alt, und hast Abraham gesehen? JesuS ich zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, sage ich euch che- " Abraham ward, bin ich. Da hoben sie Steine nrm ihn zu werfen: Jesus aber verbarg sich, und -. aus dem Tempel hinaus.
Das
i
t noch eine et:
Such 6er Weisheit«.
anbter, willst du schauen Gottes Spur So schau von hier in die Natur!«
So heißt der Spruch auf einem Feldkreuz in herrlicher Gebirgsgegend. Schon in der Lesung vom vorigen Sonntag habe ich diese Inschrift mitgeteilt; indes gehört Fortsetzung, Die folgendermaßen
»Doch, willst du ihn noch größer sehn — So bleib' vor einem Kreuze stehn".
Ja, das Kreuz zeigt uns die Größe Gottes und vorab seine Weisheit im herrlichsten Lichte. Das Kreuz ist das „Buch der Weisheit".
Als der fromme Philipus Benitius im Sterben lag, verlangte er „lein Buch". Man überreichte ihm mehrere Lieblingsbücher, die er alle zurückwies. Endlich kam jemand auf den Gedanken, ihm ein Kreuz zu reichen. Da nickte der Sterbende zustimmend, nahm das Kreuz liebreich in die Hand, schaute es mit zärtlichen Blicken an, bedeckte es mit Küssen und sprach: ja, das ist mein Buch.
Betrachten auch wir daS Kreuz als „Buch der Weisheit". W ll es aber nicht unserm ichwachen Verstand vorkommen, als sei das Kreuz eine Helle Torheit? Will es uns nicht vorkommen, es sei eines Gottes unwürdig, am Schandpsahl zwischen zwei Mördern zu sterben? Wie sehr das Kreuz bst den Herden ein Gegenstand des Spottes war, das kann man heute noch aus dem „Spo tkceuz" entnehmen, das auf dem Avemin zu Rom gefunden wurde. Es ist eine Kreuzsiaur, in die Wand gekritzelt, an dem man einen Mann mit einem Eselskopf erblickt. Da- vor steht ein Bub, der eine Kußhand zu dem Gekreuzigten emporsendet. Darunter steht die Inschrift: „Alexander verehrt seinen Gott". Das ganze Bild ist wohl die Zeichnung eines heidnischen Schülers, der seine christlichen Kameraden verspotten wollte, weil sie einen „gekreuzigten Gott" verehrten. Sieh, das war der Gedanke der Heiden, denen das Kreuz als Torheit — erschien, weil sie sich nicht auf» 'chwingen konnten zum Verständnis einer solchen Liebe, wie sie der Kreuzestod eines Gottes zur Voraussetzung hat.
Ganz anders der Apostel Paulus, der nicht müde wird, das Kreuz zu verherrlichen als Zeichen der Kraft und Weisheit. Höre seine eigenen Worte im Brief an die wiffenstolzen Korinther:
Die Lehre vom Kreuz gilt denen, die verloren gehen, als Torheit, bewährt sich aber an den Gläubigen und Auserwählien als Gotteskraft. Steht ja doch geschrieben: vernichten will ich die Weisheit der Weisen und verderben die Klugheit der Klugen. Das prophetische Wort hat sich erfüllt. Oder wo ist noch ein Weiser dieser Welt, wo ein Schrrstge- lehrter, wo ein streitsüchtiger Sophist? Hat Gott nicht ihre eingebildete We shert zu Torheit gemacht? Mit all ihrer Wissenschaft haben sie es ja nicht dahin gebracht, Gott in seinen Werken zu erkennen. Darum hat es ihm gefallen, die Gläubigen durch eine Predigt zu erretten, die jenen als Torheit er. scheint. Die Juden verlangen Wunderzeichen, die Hecheu wollen Weisheit: ich aber predige Christu'- am Kreuz — der zwar den Heiden eine Torhert, und den Juden ein Aergernis ist, den Gläubigen aber Gottes Kraft und Gottes Weisheit". (1 Kor. 1,18 ff ).
Verweile also, mein Christ, einen Augenblick im Nachsinnen über das Kreuz und erkenne aus diesem Buch die göttliche Weisheit. Gott wollte uns dre Größe seiner Liebe dartun. Hätte sie jinin heller'
strahlen können als am Kreuz? „So sehr hat Gott die Welt geliebt", sagt der Heiland selbst, „daß er einen eingebauten Sohn dahingab". Gott wollte uns ferner die entsetzliche Bosheit der schweren Sünde veranschaulichen. Ist aber nicht gerade das Kreuz Die demttchste Jlluüration un erer Sünden? Höre den Propheten Jsaias: „Um unserer Frevel w.llen ist der Messias benuunber, um unserer Missetaten willen zerschlagen". (Js. 53, 5) Endlich wollte der Erlöser uns die Tugend lehren. Gibt es dafür ein besseres Kanzelholz als das Kreuz? Da predigt Christus nicht bloß du'ch sein Wort, sondern noch mehr durch die Wucht seines Beispiels. Jene Tugenden lehrt der Heiland am Krenz, die der menschlichen Schwäche unmöglich sind, die der Mensch nur üben kann durch die Gnade und das Vorbild eines Gottes. Betrachte seine Geduld; „Wie ein Lamm wird er zur Schlachtbank geführt und ber» immmt wie ein Schaf vor dem, der es schert". Man beripottet ihn und macht sich lustig über seine Allmacht: „Ist er der König von Israel, so steige er herab vom Kreuze; andern hat er geholfen, sich selbst kann ec nicht helfen". Doch siehe, er bleibt am Kreuze. Er wollte eben ein größeres Wunder wirken, sagt der hl. Augustinus, und das war die Geduld, uns zur Lehre. Ein solches Beispiel vermag uns zu helfen, daß wir au h die empfindlichsten Schmerzen mit Starkmut und Ged: Id ertragen. Als einst der Krankenbruder einen Priestergreis fragte, ob er gut liege, gab dieser unter schmerzlichem Lächeln zur Antwort: „Ich liege auf dem Kreuz Christi und da liegt man immer am".
Und die Feindesliebe, wo können wir diese übermenschliche Tugend besser lernen als am Kreuz? Dem edlen Ritter Johannes Alb rt von Florenz wurde sein einziger Bruder Hugo von eines Frevlers Hand ermoidet. Da erglühte im Herzen des Ritters die Rachsucht wie e n Feuer. Eines Tages — es war gerade der Karfreitag — begegnete er Dem Mörder in einem Hohlw g, wo er nicht entrinnen konnte. Johannes war bewaffnet, sein Gegner aber waffenlos. Schon wollte ihm die Rachgier das Schwert in die Hände drücken, daß er es in seines Feindes Blut tauche, als der Bedrohte aus die Kniee fiel, die Hände in Kreuzesform ausdreitet« und seinen Gegner flehentlich bar, im Andenken an den gekreuzigten Heiland ihm das Leben zu schenken. Da konnte Johannes nicht widerstehen. Er umarmte 'eines Bruders Mörder und nahm ihn tum Bruder an. Alsdann begab er sich zur benachbarten KircheSt. Wini* ato, wo er die Waffen anfhlng und vor dem SiembilD ein heißes Dankgebet verrichtete. Der Ritter wurde ein Mönch, der Mönch ein Abt, der Abt ein Heiliger.
Erreicht ai;o nicht die göttliche Vorsehung mit dem Kreuz ihre hl. Absichten? Ist nicht das Kreuz in Wahrheit ein „Buch der AT-sheit?" Lies fleißig darin, besonder- in dieser Passionszelt, und du wirst erfahren die Wahrheit des Satzec-, der auf manchem Kreuz geschrieben steht: in cruce salus — im Kreuz ist Heil. Der Burgpsarr^.