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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag u. kostet Vierteljahr!. Ausg. A 1 Mk., 4.59 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 6) Pfg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Dffert* und Auskunft-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen'sen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher, ------Druck und Verlag ter Fuldaer Actien-ruckerei.

Nr. 8.

Kajfd, den <9 S^ruar $922.

52. Zahrg.

Gott sei Dank, die katholische Kirche hat wieder i Oberhaupt. Am 6. Februar wurde im siebenten ahlgang Kardinal Achilles Ratti ron Mailand zum 5pft ger^nlt; er nahm den Nomen Pius XI. an. sch bi zeteren unter einem Pius, ich bin nach NN o? ..men unter einem Pius, Pius ist ein Frie- usna ^, mit diesen Worten hat Ler Papst selbst n« ' reund, dem Kardinal Lualdi die Wahl des m-< Pius begründet. Geboren wurde der neue apft zu Desto, 18 Kilometer weit von Mailand, wr Industriestadt von 10 000 Emwohnern; er ent« mm! einer geachteten christlichen Bürgerfamilie. 3 m arrezister von Desto ist der Taufakt w e folgt ein= tragen:Ambrogio Damiano Achille Ratti, Sohn i erchtmäßig zu Saronno im Jahre 1850 getrauten bleute Francesco Ratti und Theresa Galli, katho- z, Grundbesitzer, geboren am 31. Mai 1857 um 8 ;r vormittags und getauft am folgenden Tage im ini. Pate war Hr. Ambrogio Ratti von Rogeno.

hatte noch 4 Geschwister: Casio, Fermo, Edoardo ) Camilla, von denen Fermo und Camilla noch leben. NN Vater, ein fleißiger, braver Mann, ober von rter Gefundheit, verkaufte sein Besitztum in Desto d zog mit seiner Familie nach Mailand. Er starb äter in Fortusello und wurde in Rogano, feinem imatsorte, begraben; seine Gattin Theresa folgte m vor zwei Jahren, als der Sohn Achille Nuntius

Polen war, sodaß ihm, der die Mutter so hoch- rehrte, der Trost nicht wurde, ihr im letzten Augen- .cke bei,zustehen. Sein Bruder hat ein Seidengeschast

Mailand, dort wohnt auch seine Schwester imida, der Neffe ist Ingenieur. Während r_ nach dem italienischen Studiengang an die nf Gymnastaljahre sich anschließenden Lyzeal- -dien entschloß sich der jung.: Ratti zur unbeschreib- hen Freude seiner Mutter, sich dem Priesterstand zu èdmen. Philosophie urch Theologie studierte er zuerst

Mailand und dann in Rom und erwarb sich den cisachen Doktorhut in Philosophie, Theologie und Tchenrecht. Der junge Priester wurde zunächst Pro- Pr an dem'esansemmar in Mailand und später räsekt (Dorstehcr) der berühmten Bibliothek zu Mai- ltd und entfaltete als solcher eine umfangreiche lite* ^is^ Tätigkeit. Dabei war er aber auch eifrig in r Seelsorge, in der Jugendfürsorge und im Vereins­am tätig. Aus diesen ersten Jahren des Priester­ms ftgmmt die große Verehrung, die Ratti für das >er? des Seligen Don Boe co. des Apostels ter vsr- ahrlosten Jugend hegt, und die treue Mitarbeit, die seit Jahrzehnten den Erziehungsanstalten der Söhne on Boscos, der Salesianer, zuwandte. 30 Jahre lang ar er zugleich Kaplan in einem großen Frauenkloster, ein Werk wurde in diesem fiaufe unternommen, ohne B nicht Don Achille Ratti die Seele davon gewesen

wäre. Sm Jahre 1883 rief er dën kath. Lehrerinnen- verein ins Leben, dessen Leitung er während der gan­zen Zeit seiner Tätigkeit in Mailand behielt. So­wohl die Kongregation der Marienkinder für junge Damen höherer Stände, wie auch jene der Bürger- und Arbeiterklasse, der Ladenmädchen usw. erfreuten sich

Papst Pius XL

seiner Führung und seiner erbauenden Unterweifun- gen. Die niedrigsten von den kleinen Besuchern des Klosters waren die kleinen Kaminkchrerlchrlinge. Diese Bürschchen wurden von den Schwestern zum Religionsunterricht gesammelt und der gelehrte Prä­fekt der ambrosianischon Bibliothek fand inmitten all seiner ihn sonst vollständig in Anspruch nehmenden Arbeit noch Zeit sowohl an den Nachmittagen der Feiertage, diese Kinder im Katechismus zu unterwei­sen, wie auch die kleinen Kaminkehrer auf ihre erste hl. Kommunion vorzubereiten, wobei er auch an ihrem unschuldigen Sp'ele und ihrem einfachen Vesperbrote teilnahm. Als Kardinal Ferrari, Erzbischof von Mai­land, seine großartige soziale Tätigkeit begann und sich in besonderer Weise auch der Gebildeten- und Akademikerseelsorge zuwandle, da richtete er sein Augenmerk auf den hochsinnigen, frommen und welt­

gewandten Bibliothekarcelehrten, welcher nun zu wif- senschaftlichen Vorträgen, zu aWogst schon Kursen in ^tudentenvcreüwn, zu Predigten für Akademiker eifrig herangezogen wurde und sich so jene Beliebtheit errana, die ihn zu einem der populärsten Priester Mailands machw. Noch eine ganz besondere Seelsorgearbeit hat durch zwei Dezennien Ratti in Mailand ausgeübt. Neben dem Englischen und Französischen spricht er eofter bet deutsch und schreibt auch eine drucksühige deutsche Prosa, was noch bei seinem der letzten Päpste der Fall war. In Lberitalien gab es besonders vor dem Krieg eine große Anzahl von deutschen SutmftrieangefHIten, Arbeitern und Handwerkern. Allen diesen widmete Ratti sich nun im Beichtstuhl und auf der Kanzel der den Deut­schen zur Verfügung gestellten kleinen Kapelle. Er wurde so der unbesoldete Kaplan der Mailänder deut­schen Kolonie und fehlte als solcher auch nicht bei den gemütlichen geselligen Zusammenkünften der Deutschen im Restaurant Gambrinus. Auch die deutschen Hand­werksburschen, die damalsauf der Walz" nach Ita­lien zogen, fanden stets ihren Weg zu dem wohltätigen und hilfsbereiten italienischen Prälaten.

Wie der Hl. Vater dem Herrn Kardinal Schults von Köln in einer Audienz mitteilte, hat er die deutsche Sprache schon in frühester Jugend sich anzueignen ge­sucht, er wurde deshalb, weil sich damals noch sehr selten jemand in Italien an die deutsche Sprache heran- wagte, von seinen Mitschülernil Tedesco" (der Deutsche) genannt. Im Mailand war er jahrelang Leier der Kölnischen Volkszeitung; ihr verdanke er zum guten Teil seine Kenntnis der deutschen Sprache, sie habe ihn vorbereitet, später auch schwierig geschriebene wissenschaftliche Werke in deutscher Sprache zu lesen und zu verstehen. Auf seinen Reisen hat der Hl. 93.it er auch Deutschland kennen gelernt; in Köln, so erzählt» er dem Herrn Kardinal Schulte u. a., sei er morgens noch in ber Dunkelheit er glaubte, es fei vielleicht im Februar vor ungefähr 15 oder 20 Jahren gewesen von einer P'arrkirchs in d e andere gezogen, um überall an dem Besuch der Schulmesse« durch die Köl­ner Kinder und an deren frommen Haltung sich ü« erbauen. Er fand in diesem Zusammenhang die wärw steu Lobsprüche für uns.re katholischen Lehrer und Lehrerinnen in Deutschland. Für sie gab er^dem Herrn Kardinal feinen ron Herzen kommenden Segen mit und zugleich seine Bitte, sie möchten doch biejyör* derung des fleißigen und frommen Besuches der ^chui- messe'durch die" Schulkinder sich angelegen sein lasset!. Er erzählte auch, wie er emmat in einer «todt in der Nähe von Mai'and 3000 Schulkinder in der hl. Mess» und Predigt um sich hälts versammeln dürfen^ uni für diese Veranstaltung sei ihm in ben Kölner Schul- messen der eigentliche Antrieb gekommen. Auch der Voiksvèrein kennt der Hl. Vater.Dem außerardend