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Ausgabe & ü

für die katholischen Gemeinden Kabels

Kassel, den 22. Januar (922

Nr. 4

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Erscheint jeden Sonntag u. kostet vierteljährl. Ausg. A 4. Mk., B 4.50 Mk. Redaktionsschluß Montag. Anzeigen die einspaltige Kolonclzelle oder deren Raum 60 Psg. Bei Wiederholung entsprechender Rabatt. Für Offert- und Auskunst-Anzeigen 30 Pfg. extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda sein. Größere Anzeigen erbitten wir uns entsprechend früher.

Druck und Verlag der Fuldaer Acticndruckerei. - - ...

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Wochenkalender.

Sonntag, 22. Ian. 3. nach Epiphanie. Vincentius u. Anasiastius, M.

Montan, 23. Jan. Raymund b. Pennafort, Einerentiano, Fgfr. u. M., Marrâ Vermählung.

Dienstag, 24. Fan. Timotheus, B. u. M.

Mittwoch, 25. Fan. Panti Bekehrung.

Donnerstag, 26. Fan. Polykarp, Bisch, u. M.

Freitag, 27. Fan. Iohannes Chrysostimus, Bisch, u. Kchl.

Samstag, 28. Fan. Von der Mutter Gottes, Agnes (zweites Fest), Karl der Große.

Dritter Zonntag nach Epiphanie.

(Evangel. Matth. 8, 113.)

In jener Zeit, als Jesus vom Berge herabstieg, folgte ihm eine große Menge Volkes nach, und siehe, ein Aussätziger kam, betete ihn an, und sprach: Herr, wenn du willst, so kannst du mich reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an, und sprach: Ich will, fei gereinigt! Und so Jeich ward er gereinigt von dem Aussatze. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, daß du es niemanden sagest: sondern geh hin, zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, welche Moses befohlen hat, ihnen zum Zeugnisse!' Da er aber in Capharnaum eingegangen war, trat ein Hauptmann zu ihm, bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause gichtbrüchig, und leidet große Qual. Und Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Und der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bitt nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit unterworfen, und habe 'Kriegsleute unter mir; und wenn ich zu einem sage: geh! so geht er; und zu dem andern: komm her! so kommt er, und zu meinem Knechte - tu das! so tut er's. Da nun Jesus das hörte, wunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm folgten: Wahrlich, sag' ich euch, solch' großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden I Aber ich sage euch, daß Viele von Aufgang und Niedergang kommen, und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen werden: die Kinder des Reiches aber werden in die äußerste Finsternis hinaus, geworfen werden: da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Und Jesus sprach zu dem Hauptmanne: Geh hin, und wie du geglaubt hast, so soll dir geschehen. Und in derselben Stunde ward sein Knecht gesund.

Spuren der göttlichen Allmacht.

£;^^ ..., Der Heiland heilt einen Ans- d fähigen: das ist die eine Spur der r2" n ^ göttlichen Allmacht. Die schreck­liche .iconueit des Aus mtzes ist in den meisten Fällen unheilbar. Gleich der Schwindsucht zerstört er unaufhaltsam die Gewebe und Organe bis zum baldigen, sicheren Tode. Alle Kunst der Aerzte tfi da vergeblich

Was tut nun der Heiland mit dem Aussätzigen? Schreibt er ihm eine Kur vor? Verordnet er ihm Luftveränderung, Bäder, gute Kost? Nein; seine Hand streckt er aus und berührt den Kranken mit den Wor­ten:3d? will, sei rein! Und augenblicklich war der Aussatz verschwunden, und blühendes Aussehen, Kraft und Lebensmut tvaren zurückgekehrk. Der Priester hatte nichts anderes zu tun, als die völlige Genesung festzustellen. Siehe La, ein Wunder, eine Spur der göttlichen Allmacht.

Dcr Heiland heilt den Gichlbrüchigen: eine zweite Spur der göttlichen Allmacht. Gar sleno lag er. zu Betin, konnte nicht aufstehen, nicht sich rühren, nicht einmal mehr allein essen. Die Muskeln und Glieder waren erstarrt und verdorrt. Dem Hauptmann, dessen Knecht der Gichtbrüchige war, ist es sicher auf ein schönes Stück Geld nicht angekommen: er tixir ja reich und hing mit Liebe an seinem Knecht. Wie mancher Arzt wird da seine Kunst versucht haben: alles umsonst

Was tut nun der Heiland? Untersucht er den Kranken? Verordnet er Wickel, Umschläge, Massieren, Schwitzen? Nichts von alledem. Nicht einmal die Stube betritt er: aus weiter Ferne verjagt er die Krankheit durch ein einziges Wort: abermals ein Wun­der, eine Spur ter göttlichen Allmacht.

Willst du vielleicht am Wunder zweifeln, das Wun­der leugnen? Dann kannst du die ganze Bibel ins Feuer werfen; nichts anderes ist sie als ein Bilder­buch der göttlichen Allmacht, eine breite, tv.'femgedrückte Spur der göttlichen Allmacht, deren liebstes Kind das Wunder ist. Das Wunder leugnen heißt dem krassen Unglauben huldigen. Wer aber festhält im Glauben an Gott, muß auch seine Allmacht anerfennen, bei der kein Ding unmöglich ist.

Oder solltest du angekränkelt fein von jener An­sicht, das Wunder vertrage sich nicht mit den Natur­gesetzen? Aber ich frage dich, was ist die Natur? Ist sie nicht eine Schöpfung Gottes? Und was ist ein Gesetz? Ist es nicht eine Anordnung der höchsten Weisheit. Hat aber Gott die Welt erschaffen, so kann er darin auch schalten und walten nach Belieben wie ein Bauer in seinem Acker, wie ein Rebmann in seinem Weinberg. Und wenn er selbst die Gesetze auf­gestellt hat, nach denen die Kräfte der Natur sich ent­falten und auswirken, muß er dann erst bei den Pro­fessoren oder Doktoren oder bei der Regierung an- fragrn, wenn er bbHe Gesetze in einem einzelnen Fall umstoßen, aufheben, verändern will? Vielleicht hast du zu Hause oder in deiner Westentasche eine Uhr. Sie ist das Werk eines Menschen und dein Eigentum. Sie lauft nach bestimmten Gesetzen, welche durch die Spannung der Feder, durch das Spiel der Räder und andere Umstände bedingt sind. Bleibt sie diesen Ge­setzen unterworfen, so geht sie ihren regelmäßigen, natürlichen Gang, bis sie abgelaufen ist. Kannst du aber nicht den gesetzmäßigen Betrieb der Uhr nach Gutdünken unterbrechen, kannst die Uhr vor- oder zurückrichten und zum Stehen bringen? Wenn nun die Menschen, die doch Geschöpfe Gottes sind und de^"

Ndacht eine Grenze hat, so umgehen können mit den Werken ihrer Häè, soll dann der große Gott, dessen Weisheit unerschöpflich, dessen Allmacht unbegrenzt ist, nicht frei schalten mid wallen können im Reiche der Natur?

Ein Geschöpf Gottes ist die Sonne, Sie fpenM Licht und Wärme und bewegt sich nach seinem Willen. Wie nun ter Mensch ein Kerzenlicht anzünden und auLlöschm und hintragen kann, wohin er will, so kann Gott mit der Sonne verfahren. Gott gebietet der 5 arme = w sie gehorcht. So hat in Iosuss Zeiten die Sonne einmal länger geschienen als gewöhnlich: : sie ist eine zeitlang stillgestanden. Aehnlich war es .mit dem Stern der Weisen: ohne daß man früher ; nnen Lichtstrahl von ihm wahrgenommen hat, ist er ' plötzlich aufgegangen ,hat sich von einem Ort zum andern begeben, blieb über dem Stall zu Bethlehem stehen und ist wieder spurlos verschwunden. Ein Ge­schöpf Gottes ist das Wasser, das nach dem gewöhn­lichen Gang der Natur abwärts fließt. Als aber die Jbraelitsn an den Jordan kamen, haben feine Wogen fo lange sich aufgetürmt, bis das Volk Gottes hin­durchgezogen war. Ein Geschöpf Gottes ist das Feuer, das feiner Natur nach glänzt und die Stoffe verzehrt, von denen es feine Nahrung nimmt. Das Höllenfeuer aber ist finster und schwarz wie die Nacht, und jener Dornbusch in der Wüsbr hat zwar gebrannt, ist aber nicht verbrannt. Die Tiere können in der Ordnung der Natur nicht reden; Balaams Eselin aber hat auf Gottes Geheiß geredet wie ein Mensch. Den Men­schen aber hat Gott als eines der größten Geschenke dis Sprache, die Gabe der Mitteilung, verls.'hsn. Zacha­rias aber ist plötzlich zur Strafe für seinen Unglauben stumm ger. orten. Hungrige Löwen werden nach dem Trieb der Natur einen Menschen ausfressen, der in den Bereich ihrer Gewalt kommt. Als aber Daniel ihnen vorgeworsen wurde, hat ein Engel ihren gierigen Ra­chen verschlossen, während sie umgekehrt seine Ankläger austchnappten mid erwürgten, bevor sie noch den Boden des Zwingers erreicht Ijattim. Ueberwältigt von dieser Tatlachs mußte selbst der heidnische König Darius der göttlichen Allmacht ein Loblied singen:Daniels Gott ist der lebendige und ewige Gott, dessen Reich nicht wird verwüstet werden und dessen Macht unbegrenzt ist; er ist ter Retter und Erlöser und tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. Er hat den Daniel errettet aus ter Löwengrube. Drum sollen alle Völker und Zungen und Stämme zittern und za­gen vor dem Golle Daniels". (Dan. 6, 28).

Sei also kein Zwefler, sondern erkenne gläubig und freudig die Wunder an, diese Spuren ter göttlichen Allmacht, diese untrüglichen Beweise der Wahrheit unserer hl. Religion. Unverzagt laßt uns vertrauen auf die göttliche Allmacht, die uns Helsen kann in der größten Not. Unverbrüchlich wollen wir festhalten an irr Lebung des Eebeles, das nichts anderes ist als ein Schlüssel zur Schatzkammer der göttlichen Allmacht, ein Schlüssel ter Gnade und des HUles.

Der Buravfarrer.