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General-Anzeiger
Amiliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
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Sle. 294
Freitag den 15. Dezember
1922
Das Neueste.
- Staatssekretär Bergmann trifft oorausRtit« 1(4 heute vormittag in Berlin ein und wird so« solidem Reichskanzler und dann in einer Kabinetts- Ma über seine Eindrücke und Verhandlungen le Paris und London Bericht erstatten. Von leinen Mitteilungen wird es abbängen. ob die dnitschen Vorschläge ergänzt werden. Es ver- lautef, Bergmann werde Ende Dezember abermals nach Paris reifen.
-Das Reichskabinett stimmte in seiner gestrigen Sitzung der vorgestern beschlossenen Erhöhung der Leamtengebälter zu.
- Das Urteil gegen die Sarden-Attentäter lautet wegen Beihilfe zur gefährlichen Körper- wrleèxng bei Grenz auf 4 Jahre 9 Monate und hei Weickardt auf 2 Jahre 9 Monate Gefängnis.
- Zum Schweizer Bundespräsidenten für das Jahr 1923 wurde Bundesrat Scheurer, zum Vize- präfibenten Bundesrat Chuarl gewählt.
Was steckt dahinter?
Poincarö führt feit seiner Rückkehr aus London eine ganz andere Sprache als vorher. Von einer militärischen Besetzung des Ruhrgebietes soll überhaupt nicht die Rede gewesen sein, und wenn auch immer noch mancherlei Drohungen mit einfließen, so lautet die französische Losung doch jetzt nicht mehr militärisch und kriegerisch, sondern fast gesucht friedlich. Zu dieser Wendung paßt es, daß sogar der Tiger Clemenceau sich zahm stellt und, wie aus einem unten folgenden Interview heroorgeht, Zeitungskorrespondenten erklärt, entschiedener Gegner einer Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich zu sein. Was steckt dahinter? Es wäre ganz gewiß eine Torheit, wenn wir an eine Bekehrung der gegenwärtigen französischen Machthaber glau- benw-ollten. Die Lalle .hstââtt, auch Wenn sie Sonntagspfoten zeigt Md das Wesen der französischen Politik ist ebenso unveränderlich Md unwandelbar wie die Raubtiernatur des Tigers. Und wer über Poincarè und Clemenceau anders denkt, der befindet sich in einem gewaltigen Irrtum. Der größte Teil der Amerikaner hat Clemenceau richtig erkannt. So er« widerte der amerikanische Senator Borah in einer Versammlung, in der Clemenceau sprach:
»Es ist ein Verbrechen an der Menschheit, daß wnieuceait, dieser wilde Kriegshetzer und Tiger, dem ™ Blut noch aus den Mundwinkeln fließt, zu einer ökü hierher kommt, wo Europa in der höchsten Not W, ohne auch nur einen einzigen humanen Vor- zur Besserung bc$ cntseyUchcu Elendes zu machen. Er bettelt um Hilfe für Frankreich und
Sympathie für sein Programm, das nur auf «rmchtung und blutgierige Rache abzielt. Er faselt uor Heucheleien über die Friedensliebe Frankreichs "r, obgleich er seinerzeit unter dem Beifall der fran- Wißen Deputiertenkammer sich brüstete, den Friedens- oertrag box Versailles so formuliert zu haben, daß dieser urteben nur eine Fortsetzung des Kriegszustandes sein werde. Es gibt keinen Menschen, der für das gegen» Artige Elend Europas mehr verantwortlich ist, als Uemknceau. Ihm verdanken wir die unmöglichen und "Michtknoen Bcslimmungen von Versailles. Er war » immer, der die Bestrebungen Wilsons und unserer ^Mieter in Versailles, den Friedensvertrag abzu- auldern, durchkreuzte. Als Endergebnis hat Versailles 'Q° wirtschaftliche Leben in Europa so gut wie Der« Wtt. Jetzt fordert Herr Clemenceau uns auf, bei
Durchführung biete» verruchten Vertrages nm» iu-tetten. Täten wir dies, so würden wir die Not «uropaz nur verschlimmern."
Man glaube nun aber ja nicht, daß Clemen- ceau etwa wegen seiner in Amerika erlittenen âchhr derartige Versöhnungstöne anschlägt, wie mix sie unten lesen — so schnell thun und
ein Clemenceau seine Gesinnung nicht ändern und wir haben alle Ursache, auf dem Posten zu sein. Wir haben von Frankreich auch a Zukunft dieselbe Politik der Gewalt und der Unterdrückung zu erwarten wie bisher, es kann » ' höchstens um eine Aenderung der Ge- alt- und Erpressungs-M e t h o d e n handeln, J\auch eine unten folgende Meldung besagt, tb > Wandlung in der anzuwendenden Me- ^ooe hat sich fraglos in London vollzogen, nach- em Poincarè dort auf ganz unerwarteten in/^tchand gestoßen ist. Doch dieser Widerstand n rö lyn ober feinen Nachfolger nicht abhalten, li-k ^'âne zu schmieden und sie zu verwirk- Fn. Die Gefahr der Verwirklichung dieser
auf eigene Faust wird umso größer, je I ‘'s England sich von der Sanktionspolitik ab» D und England wendet sich in letzter Zeit Ier Politik ab, wie erneut aus der jetzigen ‘Garung Bonar Laws ersichtlich ist.
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.^aris, 14. Dezbr. In einem dem Korrespon- aas „Petit Parisien" gegebenen Jnter- r^^ârte sich Clemenceau mit aller Entschie- - gegen eine Besetzung des Ruhrgebiets
durch Frankreich. Die Zeit, da eine Politik der Gewalt volles Ergebnis hätte haben können, fei unwiederbringlich dahin, seitdem man angefangen habe, Deutschland immer größere Konzessionen zu machen. Die Besetzung des Ruhrgebiets stoße auch bei ihm auf die gewichtigsten Bedenken. Denn was würde es für Konsequenzen haben, wenn die Rubrbergleute den Generalstreik erklärten? Es gebe heute ganz andere Lösungen und die beste sei vielleicht die, die ihm dieser Tage ein Amerikaner vorgeschlagen habe: England und Frankreich sollten, wenn sie sich über die Mittel und Methoden, Deutschland zum Zahlen zu bringen, nicht zu einigen vermöchten, doch den Schiedsspruch des Präsidenten Harding anrufen. Nur ein enges Zusammengehen mit England und Amerika sei für Frankreich eine absolut sichere Garantie gegen die Gefahr einer Politik der Abenteuer. Frankreich müsse endlich einsehen, daß es nicht einen einzigen Fehler mehr begehen dürfe. Es fei damit bereits an der äußersten Grenze angelangt und es dürfe nicht noch die letzten Freunde verlieren, die es habe. Jede Aktion, die Frankreich in Widerspruch mit der öffentlichen Meinung Englands und Amerikas bringen könne, fei schlecht und gefährlich. — Auf die Anspielung des Korrespondenten auf eine frühere Aeußerung Clemenceaus, Frankreich müsse der Welt neue und entschiedene Beweise eines guten Willens erbringen, führte dieser aus, der Zeitpunkt hierfür sei gekommen. Frankreich habe keine bessere Gelegenheit, als wenn es, um das Milliardendefizit seines Staatshaushalts einzusparen, seinen Reparationsetat und seinen Militäretat revidieren würde.
Ein neuer französischer Plan?
Paris, 15. Dezbr. ^.an munkelt in fran- zösischen Regierungskreisen von einer neuen Methode, um Deutschland zur Zahlung der Re- SfcÄÄWtt» rand erhielt von militärischer und ziviler Seite in den letzten Tagen verschiedene Gutachten, die darin Übereinskimmen, daß eine militärische Be- fetzun" des Ruhrgebietes keinerlei Erfolge bringen könnte. Vorteilhafter wäre es, im Ruhrgebiet eine Zollschranke von den Ruhr- afen bis zum Rhein und zum Rhein-Herne- Kanal zu ziehen, um auf diese Weise auf die Indusèriemagnaèen einen Druck auszuüben. Dies würde eine Veränderung im besetzten Gebiet Hervorrufen, wodurch man eine starke Kontrolle über das Ruhrgebiet ausüben könnte. Wenn Frankreich den Rhein, Duisburg und Ruhrort besetzt hatte, würde es automatisch Herr des ganzen Ruhrgebietes sein können.
Bonar Law über das Repalalions- problsm,
London, 15. Dezbr. Der britische Premierminister gab gestern abend im Unterhaus eine wichtige Erklärung über die Reparationsfrage ab. Er forderte die Parlamentsmitglieder auf, das Problem vom Standpunkt der Franzosen aus anzusehen, die wie die Briten einmal ihre Hoffnung gesetzt hätten auf die Geldbeträge, die sie von Deutschland erhalten würden. Die Franzosen hätten in solchem Maße darauf gebaut, daß das ganze Finanzsystem Frankreichs darauf beruhe, daß es große Summen von Deutschland erhalte. Deutschland verpflichtete sich, gewisse Beträge zu zahlen, aber fast nichts sei gezahlt worden. Persönlich habe er der Möglichkeit einer Uebertragung dieser großen Summen von einem Land zum anderen stets skeptisch gegenübergestanden. Die Franzosen sagen: Wir haben Konferenzen auf Konferenzen gehabt und was ist das Ergebnis gewesen? Jedesmal gaben wir in dieser oder jener Form so etwas wie ein Moratorium und nach dessen Ablauf befanden wir uns stets in einer schlechteren Lage hinsichtlich der Aussicht, Geld zu erhalten, als vorher. Das sei die Ansicht der Franzosen. Es sei nicht der geringste Zweifel, daß es dadurch, daß die deutsche Regierung die erschreckende Inflation zuließ, unmöglich wurde, irgend welchen Reparationsansprüchen zu entsprechen. Die Franzosen gingen weiter. Sie sagten, daß das absichtlich von Deutschland getan wurde. Ehrlich gesprochen, könne er, Bonar Law, diese Ansicht nicht teilen. Es sei ganz richtig, daß Deutschland durch eine derartige Methode passiver Resistenz vermeiden könne, jemals eine Entschädigung zu zahlen, aber der Zahlung der Entschädigung könnte dann nur entgangen werden durch eine Methode, die dem Selbstmord ähnlich sei. Wenn in Deutschland eine genügend starke Regierung gewesen wäre, die die wirkliche Lage ins Auge fassen konnte, so wäre es ihre Pflicht, nicht allein im eigenen Interesse, sondern auch um ihre Verp l. tanzen
zu erfüllen, der Inflation um jeden Preis Einhalt zu tun und zu versuchen, die Finanzen auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Das habe sie nie versucht. Es mag sein, daß sie nicht die Macht dazu gehabt hat. Bonar Law faßte die französische Ansicht in die Worte zusammen: Wir haben nichts erhalten und sind weiter davon entfernt als je, irgend etwas zu erlangen. Wir find indessen müde und müssen stärkere Maßnahmen ergreifen."
Der Premier kam dann zur britischen Ansicht und sagte, er habe stets erklärt, daß jedes Zugeständnis, das Großbritannien in der Schuldfrage mache, wenn nicht mit der Gewißheit, so doch auf jeden Fall mit der Wahrscheinlichkeit verbunden fein müsse, daß die Regelung endgültig sei und die Verhandlungen nicht wieder eröffnet werden müßten. Es sèi vorgeschlagen worden, Großbritannien solle seine Ansprüche auf die Reparationen streichen, sowie die alliierten Schulden und gleichzeitig eine ungeheure Schuld an Amerika bezahlen. Es kann niemand in der Welt geben, der glauben würde, daß vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus betrachtet, Großbritannien allein von den Alliierten Zahlungen leisten müßte. Unsere Finanzlage ist jetzt stark, weil wir die Steuerzahler arm gemacht haben. Wenn nicht zur rechten Zeit eine deutliche Besserung eintritt, würde Großbritannien eine Stellung erreichen, die schlechter wäre als die fast jedes der alliierten Länder. Großbritannien sehe das Reparationsproblem ausschließlich von dem Standpunkt an, welches die beste Methode fei, den Betrag zu erlangen, den Deutschland unter allen Umständen zahlen solle. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Höhe dieses Betrages. Wenn Deutschland sich je erhole, wäre es frei von der schrecklichen Last der inneren Schuld, die so sehr auf Großbritannien laste. Deutschland werde sich eines Tages sicher erholen. Wir müssen be» Zahlungen erhalten können, ohne der übrigen Well und uns selbst zu schaden. Alle Nachrichten, die er habe, laufen darauf hinaus, daß Deutschland dem völligen Zusammenbruch sehr nahe sei. Zu der Ruhrfrage gab Bonar Law folgende Erklärung ab: Die britische Regierung kann keiner Handlung mit Gleichmut zusehen, von der wir glauben, daß sie keine Reparationszahlungen herbeiführt, sondern diese vielmehr schwieriger, ja vielleicht ganz unmöglich machen würde. Zum Schluß drückte Bonar Law die Meinung aus, daß es in der schrecklichen Verwirrung, in die Europa gestürzt sei, fast keine Hoffnung auf eine Lösung gebe, wenn nicht Frankreich und Großbritannien zusammenhandeln könnten.
Nach Donar Law ergriff der englische Arbeiterführer Macdonald das Wort, um heftig die englische Regierung anzugreifen, Er betonte, daß die Alliierten unklug handeln, wenn sie Deutschland ebenso bankerott machen wollten, wie Oesterreich. England solle sich nicht der französischen Ansicht anschließen und solle ruhig Frankreich machen lassen, was es wolle. — Darauf ergriff der Abgeordnete Morel Frankreich sehr heftig an und sagte: Man befinde sich einem imperialistischen Frankreich genau wie vor dem Kriege gegnüber. Der der äußersten Linken angehörige Abgeordnete erklärte, daß -m Rhein schwere Gewalttaten verübt würden. Er klagte Frankreich an, den Ruin Deutschlands verschuldet zu haben. Seine Partei hätte für Deutschland die große Sympathie. Lord Robert G-Vil bemerkte, daß die Reparationen, die Deutschland schulde, von einem unparteiischen Gerichtshof festgesetzt werden müßten. Deutsch- ■anb werde erfüllen, wenn es wüßte, woran es
Wie sie uns ausfau«en.
Die Kosten der Besatzung.
Nach Artikel 249 des Versailler Friedensdiktates trägt Deutschland die gesamten Kosten für den Unterhalt aller alliierten und assoziierten Armeen in den besetzten deutschen Gebieten vom Tage der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November ab. Alle Ausgaben, soweit sie sich auf Käufe und Requisitionen durch die Alliierten in den besetzten Gebieten beziehen, werden von der deutschen Regierung in Mark bezahlt, alle anderen, und das sind die hauptsächlichsten, werden in Goldmark bezahlt. Die Räumung der besetzten Gebiete erfolgt nach Zonen in Zeiträumen von fünf zu fünf Jahren. Nach einer im Sommer dieses Jahres veröffentlichten Denkschrift der Reichsregierung betrugen bisher die jährlichen Durchichnittskoffen der Besatzung 1,66 Milliarden Goldmark und 4,2 Milliarden Papiermark. Es würden demnach die Gesamtkosten betragen'
für die ersten fünf Jahre 8,3 Milliarden Goldmark und 21 Milliarden Papiermark;
für die zweiten fünf Jahre 6,2 Milliarden Goldmark und 15,7 Milliarden Papiermark;
für die dritten fünf Jabre 4,15 Milliarden Goldmark und 10,5 Milliarden Papiermark.
Zusammen 18,6 Milliarden Goldmark und 47,2 Milliarden Paviermark. Umgerechnet aus Goldmark unter Zugrundelegung eines zur Zeit der Veröffentlichung der Denkschrift geltenden Umrechnungskursus würden sich die Ge- famtkosten für die 15jährige Besetzungszeit auf rund 19 Milliarden Goldmark belaufen. Bei einem Dollarstand von zirka 8000 ergibt die Umrechnung in Paviermark eine Summe von sage und schreibe 3 8 B i l l! o n e n.
Die uns mit der Besatzung aufgebürdeten Kosten sind um so verwerflicher, als sie nur dazu dienen, die Lasten Deutschlands ins Unerträg. Heße zu steigern. Die Reparationszahlungen sind nicht zu erfüllen, und wenn die Besatzung noch vervielfacht würde. Darum muß Deutschland immer wieder seine Stimme gegen das maßlose Unrecht der Besatzung erheben. Die Pariser Finanzkonserenz vom Frühjahr dieses Jahres hat die Effektivstärke der Defatzun auf 124 700 Mann vorgesehen. Davon stellt die französische Armee allein 90 400 Mann. Diese Ziffer übertrifft die deutsche Friedensbesatzung nicht allein um das Doppelte. Die Besatzung gestaltet sich deswegen zu einer unerträglichen Belastung, als die Ausgaben für den einzelnen Mann, wie eine Berechnung des „Weltwirtschaftlichen Archivs" feststellt, das 32fache dessen ausmacht, was für einen Reichswehrsoldaten ausgegeben wird.
Das Arbettszâefetz.
Berlin, 15. Dezbr. Der Reichswirtschaftsrat beriet in feiner gestrigen Sitzung den Gesetzentwurf über die Arbeitszeit. § 1, der besagt, daß
Lehrlinge eingefügt werden. Eine lange Debatte entspann sich beim § 3, der das Gesetz auch auf die Betriebe der Land- und Forstwirtschaft ausdehnen will. Von Arbeitgeberseite wurde scharf gegen die Einführung des Achtstundentages in der Landwirtschaft Stellung genommen. An der Mißernte trage zum größten Teil die verkürzte Arbeitszeit schuld. Von Arbeitnehmerseite wurde diese Behauptung zurückgewiesen. Schließlich kam der Arbeitgeberantrag auf Streichung der diesbezüglichen Bestimmung zur Annahme. Beim § 4 wurde dann auf Arbeitgeberantrag ausdrücklich festgelegt, daß das Gesetz keine Anwendung auf amtliche Betriebszweige und Nebenberufe der Land- und Forstwirtschaft findet. Auch für die beim Hafenumschlag beschäftigten Personen hat die Bestimmung keine Geltung. § 5 bestimmt, daß die Arbeitszeit ausschließlich der Pausen acht Stunden nicht überschreiten darf. Eventl. Arbeitsausfälle an einzelnen Werktagen oder Tagen vor Festtagen können durch Verlängerung an anderen Tagen ausgeglichen mer« den, jedoch darf die Gesamtzahl der Stunden nur 48 wöchentlich betragen. Die Arbeitgeber gaben dem Paragraph eine vollkommen neue Fassung, in der sie forderten, daß die bloße Arbeitsbereitschaft nicht als Arbeitszeit gilt und außerdem Lehrlinge zu Borbereitungs- und Aufräumungsarbeiten täg-
4 bis'zu einer Stunde herangezogen werden können. Die Frage derArbeitsbereit-
aft stößt auf den heftigsten Widerstand bei Arbeitnehmer, ebenso die Frage der Mehrbe- tzäftigung der Lehrlinge. In der Abstimmung wird dem Antrag der Arbeitgeber auf N i ch t > einberechnung der Arbeitsbereit» schaft in d i e A r b e i t s z e i t mit 102 gegen 100 Stimmen im Hammelsprung zu- gestimmt und Absatz 1 des § 5 in diesen Fassung angenommen: Die Mehrbeschästigung der Lehrlinge wird mit 103 gegen 97 Stimmen ebenfalls beschlossen. § 6 regelt die Sonntagsarbeit. Er wird nach den Ausschußbeschlüssen angenommen, ebenso 8 7, der Nebenarbeit in anderen Betrieben untersagt, wenn dadurch der Achtstundentag überschritten wird. $ 8, der verbietet, daß Arbeitern Arbeiten zur Verrichtung außerhalb der Betriebes übertragen werden, wird nach dem Antrag der Arbeitgeber gestrichen. Die §8 9—17 behandeln ie Schutzbestimmungen für Kinder und jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Im übrigen werden die §§ 9—17 nach längerer Aussprach« ohne wesentliche Veränderungen angenommen« Am Freitag erfolgt die Weiterberatung.
Toiiat du Mr w xj 75-76’0