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General-Anzeiger
AmMches Organ fit SlaSl- und Landkreis Sanau
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U. 281
Donnerstag Ken 3N. NovemÄer
1922
Das Neueste.
- Mitte nächster Woche wird in London eine Mierte' Ministerkonferenz stattfinden. die sich mit j(t Reparationsfrage beschäftigen soll.
_ Die Reife der deutschen Großindustriellen m6 den zerstörten Gebieten Nordfrankreichs ist infolge der augenblicklichen Lage auf unbestimmte Zeit binausgelchoben worden.
- Die für heute anberaumte Sitzung des Aus- , järtigen Ausschusses des Reichstages ist vertagt rorden. Ein neuer Termin zum Zusammentritt ist »oâ nicht bestimmt.
- Ab 1. Dezember treten weitere Kohlenvreis- «iöbungen in Kraft.
- Wie aus Lausanne berichtet wird, demon- Stiers in Aegypten das Volk gegen England.
Folgen der Athener Kinrichlung.
Die Hinrichtung der sechs griechischen Staatsmänner iinb Militärs war ein Akt, der in der ganzen gesitteten Welt das größte Aufsehen erregen mußte. Und er bat die Welt erregt, hat letztere mit Schaudern erfüllt- Ne Hinrichtung ist ein Akt politischer Rachsucht, der « her europäischen Geschichte dieses Jahrhunderts Äc Beispiel ist. Er wirkt um so verabscheuungs- »ârdizer, als das ganze griechische Volk, das dem Imig Konstantin bei seiner stürmisch verlangten Rück- 3 ihr aus der Verbannung zujubelte wie einem Erlöser, in her imperialistischen Politik, welche diese Minister di Kleinasien betrieben, mitschuldig ist. Es hat sie eicht nur gebilligt, sondern es hat sie geradezu verlangt. g> Sa sie die Machtmittel des durch die Verträge von Sèvres md Neuilly um das Dreifache seines Vorkriegsbesitzcs
■ in Flächeninhalt, aber nicht an militärischer Kraft ver- » 7 Merten Staates beträchtlich überstieg, die Widerstands- I Ä der Türkei unterschätzte, und da ihr die wirksame I I Unterstützung Englands fehlte, auf die Konstantin und - I dm Minister mit Sicherheit gerechnet hatten, mußte I sie scheitern. Aber den Mitgliedern der Regierung, I sie ein solches Ende nicht voraussahen, Verbrechen I legen das Vaterland zur Last zu legen — dazu hat I itö Bericht einer Volkes kein Recht, das von diesen I Ministern solche Politik verlangt oder wenigstens der I a™«/ die sie verlangte, zugejubelt hat. Das Urteil I ^ Politisch im höchsten Grade unklug und entbehrt I !^r menschlichen Empfindung. Es hat denn auch, ■ Luders in England, eine ungeheure Empörung I lworgerufen, was begreiflich ist, da die englische Re- A I strunz sich als mitschuldig an der von GunariS be- I Unebenen Politik betrachten muß. Aber auch Italien ' I ® die Vereinigten Staaten haben gegen das Urteil ^ I botest eingelegt, und selbst Venizelos, zu dessen I ilmmigsten Feinden wenigstens die Mehrzahl der zum I verurteilten Staatsmänner gehörte, ist so I ®Pört über den Justizmord, daß er mit der I I Zerlegung seines Amtes in der Friedens- f I Elegation zu Lausanne droht. Letzterer hat ? I olle Veranlassung, eine solche Tat zu bedauern. I llnd seine Anhänger, seine persönlichen Stützen, I ^ ^n Umsturz in Athen hervorgerufen, das Kriegs- I ^^chi eingesetzt, die Verurteilung veranlaßt und die te I Ausführung sofort ins Werk gesetzt haben. Somit der I kht Venizelos vor der übrigen Welt als der geistige ” I ^^ber der abscheulichen Tat vor Augen. Wenn sich sei I ^ allgemeine Entrüstung und Verachtung gegen sie I *'c Griechen wendet, so bleibt der neue Lenker der ■ griechischen Politik davon nicht unberührt.
uek I Die erste Folge des Ministermordes wird sein, daß MI hie englische Politik das unbequeme Griechenland, das ui I in seiner Rolle als Degen der englischen Interessen I "^gespielt hat, fallen läßt. Die Stellung Griechen» )1!«I auf der Friedenskonferenz in Lausanne wird o^i ^^tend verschlechtert werden und unabsehbare I Schwierigkeiten können dadurch für dieses Land ent« I Ren. Griechenland wird bald erfahren, daß man mit "' I ^^ber und Blei selten glückliche Politik macht und I die durch unverantwortliche Maßnahmen verscherzte ' ’ I Achtung der Welt schwerlich wieder gut zu machen ist.
I «Griechenland in Gefahr."
I n ^then, 30. Novbr. Nach einer Drahtung aus I ^jdon schreibt die „Times" unter der Ueber«
11 ullr,-t „Griechenland in Gefahr". Wenn das Bi I ^tutionäre Komitee geglaubt hat, seine I ^Eung allein dadurch halten zu können, daß * ‘ I Geschrei der Menge nachgibt, dann ist I duft seine Stellung sehr unsicher ist. Die I ^udlungsweistz des revolutionären Komitees nâ I für die Zukunft Griechenlands sehr ernste HI s> EN haben. Der 2lbbruch der diplomatischen I wird als eine ernste Warnung an - resie Griechenlands angesehen, ebenso an '^anderen Länder, die geneigt sein könnten, M I s^fftche Methoden in Anwendung zu bringen, " I E Bulgarien, wo auch einige frühere Minister
vor das Gericht gestellt worden sind. Die einige Hoffnung für Griechenland ist, daß es sich die erfolgte Warnung zu Herzen nimmt.
Entrüstung in Italien.
Rom, 30. Novbr. Die italienische Regierung beabsichtigt, ähnliche Maßnahmen wie die englische Regierung zu ergreifen. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Griechenland steht bevor. Im Senat protestierte der ehemalige Gesandte in Berlin, Spolatti, gegen die Ermordung der Minister in Athen, ebenso hat die Kammer eine Protestaktion eingeleitet. 2hirb der Vatikan wird wahrscheinlich durch ein päpstliches Dokument gegen den Meuchelmord Stellung nehmen. Viele italienische Offiziere, namentlich solche der höheren Rangstufen, haben ihre griechischen Auszeichnungen abgelegt. — Auch der amerikanische Geschäftsträger hat auf Anweisung des Weißen Hauses gegen die Hinrichtung schärfsten Protest erhoben.
Wie die griechischen Minister und Generäle starben.
Paris, 30. Novbr. Nach einer Athener Meldung des „Jntransigeant" find die verurteilten Minister alle mutig gestorben. Sie wurden gefragt, ob sie ihren letzten Willen aufnotiert haben wollten, schwiegen aber alle. Gounaris, der gerade von einem Fisberanfall genesen war, hatte nur wenige Stufen herunter zu steigen, um zu der Mauer zu gelangen, an der die an« deren Verurteilten ausgestellt waren. Alle waren gut gekleidet und sehr bleich. General Stratos sah bitter lächelnd auf die Soldaten, die auf das Kommando warteten, und richtete dann seine Blicke auf das gegenüberliegende weiße Haus. Dort wohnte seine junge Gattin, der seins letzten Gedanken galten. »§$*»« (^
in einem in der Nähe befindlichen Häufe horte, wurde sehr erregt, denn er wußte, daß diese Missetat seinem Vaterlande schweren Schaden zufügen werde.
In der U r t e i l s b e g r ü n d u n g zu dem gefällten Spruch heißt es, die Angeklagten hätten bewußt dem Volke die wirkliche Lage geheimgehalten, obwohl Griechenland feiner Allianz hätte frei und ledig erklärt werden müssen. Sie hätten beschlossen, allds zu tun, um den Thron König Konstantins zu befestigen, damit sie unter seinem Regime an der Macht bleiben könnten. Sie hätten jede Kundgebung der öffentlichen Meinung, die sich dagegen gerichtet habe, durch Terrorismus erstickt. Schließlich hätten sie auch den Zusammenbruch der Front in Kleinasien provoziert. Anstatt den König von der Notwendigkeit seiner Abdankung zu überzeugen, hätten sie mit dem Generäl Baltazzi eine Offensive und den Zusammenbruch der Front in Kleinasien zur Folge gehabt. Auf diese Weise hätten die Angeklagten bewußt einen großen Teil der unter das Kommando von Baltazzi gestellten Armee dem Feinde ausgeliefert. Sie feien des Hochverrats überführt und der Strafe zugeführt worden, die in mehreren Artikeln des Militärstrafgesetzbuches vorgesehen sei.
Die Schwierigkerksn i» Lausanne.
Lausanne, 29. Nov. Die Verhandlungen des Wirtschafts -und Finanzausschus- s e s drehten sich um die Verteilung der ottoma« nischen Schuld, die Rückzahlung der Kosten der militärischen Besetzung und die Wiedergutmachung der angerichteten Schäden. Ismet Pascha erklärte zu Punkt 1, daß Angora nicht der Erbe der alten Türken sei und daher nicht die gesamte Verantwortung übernehmen könne. Zu Punkt 2 erklärte er, er sei erstaunt über die Rückzahlungsforderungen der Mächte, die immer noch Konstantinopel und strategische Punkte besetzt hielten. Zu Punkt 3 gab er zu, daß über die Schäden an privatem Eigentum verhandelt werden müsse, fordert aber von Griechenland eine Entschädigung für die systematischen Verwüstungen. Veniselos wies diese Ansprüche energisch zurück, da die Türkei den Krieg begonnen habe. Namens der Alliierten erklärte Barrère ausführlich, daß diese den Standpunkt Ismet Paschas nicht teilen könnten. Die otto- manische Schuld müsse anerkannt werden; das liege im Interesse der neuen Türkei, da diese sonst ihren Kredit verlieren würde. Die Besetzung Konstantinopels und der strategischen Punkte sei eine Folge des Waffenstillstandes; es müsse daher an der Rückzahlung festgehalten werden. Ismet Pascha erwiderte darauf, daß er den Vertrag von Mudros nicht kenne; er stehe auf dem Boden des Waffenstillstandes von Mudania. Curzon erwiderte darauf, daß er diesen Unterschied nicht hinnehmen könne; Angora sei sowohl für den einen wie auch für den anderen Waffenstillstand verantwortlich.
Lausanne, 29. Nov. Die italienische Regierung schloß sich der Ansicht der französischen und der englischen Regierung an, daß die Russen nur zu der Debatte über die Meerengen zuzuziehen seien, von allen anderen Debatten auf der Konferenz jedoch ausgeschlossen werden sollen. Dieser Beschluß hat in der Konferenz eine große Aufregung hervorgerufen, und man gibt der Befürchtung Ausdruck, daß die Arbeiten der Konferenz jetzt nicht mehr weiterkommen werden. Schon heute haben die Türken in der Unterkommissian passiven Widerstand getrieben, indem sie erklärten, sie seien nur aus Höflichkeit erschienen, wollten jedoch an der Debatte nicht teilnehmen, wenn nicht auch die Russen zu ihr zugezogen würden.
Die Aegypler demonstrieren gegen England.
Lausanne, 30. Novbr. Nachdem die englische Delegation am Sonntag mit den Großmächten Frankreich. Italien und Japan Verhandlungen geführt hatte wegen der Zulassung einer offiziellen ägypkischenDele- gation zur Orientkonferenz, war gestern in den späten Abendstunden die Sache schon soweit gediehen, daß sich Frankreich und Italien bereit erklärt hatten, die beiden hier befindlichen revolutionären Vertreter Aegyptens von der Konferenz auszuschließen und dafür eine von England ausgewählte Delegation des ägyptischen Volkes zuzulassen. Die englische Regierung wandte sich gestern früh mit einer dringenden Depesche an den Chef der gegen- markigen ägyptischen Regierung Saritas Pascha mit der Aufforderung, sofort eine besondere Delegation auszusuchen und nach Lausanne ab- zusendsn. Gegen abend traf hier aber die Drahtantwort Zarüat Paschas ein, die erklärte, daß
raklon, di ’n so feg Instrument
in den Händen der englischen Delegation seien, nicht aussuchen und entsenden könne. Gleichzeitig gab Zaruat Pascha seine Demission alsLhefderägyptischenRe- g i e r u n g bekannt. Die Engländer hatten, um die Konferenz zu beeinflussen, hier die Nachricht verbreiten lassen, daß der in Gibraltar gefangen gehaltene Zaglu Pascha auf seine fernere politische Tätigkeit verzichtet habe. Gleichzeitig mit der Depesche aus Kairo lief aber eine auf Umwegen hierher gelangte Nachrivft Zaglu Pa- ichas ein, die besagt, daß an dieser englischen Behauptung kein wahres Wort sei und daß er sich nach wie vor als Chef der ägyptischen Volks- Vertretung fühle. Der ägyptischen Delegation wurden hier ebenfalls heute abend Nachrichten aus Kairo eingeliefert, wonach das Volk in den Städten gegen England demonstriere und Zaglu Pascha zum Nationalhelden ausrufe.
Die Siheirilandplöne Frankreichs.
Die bevorftthende Aussprache der SlKiierten.
Paris, 30. Nov. Die Absichten Frankreichs in der Angelegenheit der angedeuteten Strafniaßnahmen werden heute vom „Temps" erörtert. Das Blatt kommt zu beut überraschenden Schluß, daß die Wegnahme deutscher Kohlengruben weder der Weltwirtschaft noch der deutschen Wirtschaft irgendwelchen Schaden zufügen werde, da Deutschland jetzt seine Kohlenpreisc weit bin er dem Weltmarktpreis verkaufe und diese Tatsache nur dazu diene, den Engländern auf ganz gefährliche Weise Konkurrenz zu machen und die Kohlenarbeiter, vor allem aber die deutschen Grubenarbeiter sehr empsindlich zu drücken. Das jetzige System der billigen Kohlen käme in Deutschland nur der Großindustrie zugute. Diesem System wolle Frankreich abhelfen, entweder indem cs eine Ausländsanleihe vermittle, die die deutsche Währung stabilisiere, oder, indem es zugunsten der rheinischen Bevölkerung die rationelle Ausbeutung des auf dem linken Rheinufer liegenden deutschen Jndustriebesitzes organisiere. Man werde dann zu sehen bekommen, wie die wirtschaftlichen und finanziellen Umstände einer deutschen Provinz sich bessern können, wenn die bevorzugten Klassen gezwungen werden würden, sich dem allgemeinen Interesse zu beugen. Dcr„,Temps" schließt mit der Frage: Inwiefern dieses Problem der deutschen Arbeiterschaft mißfallen könne und inwiefern er die englischen Interessen störe.
Paris, 29. Nov. Die ReparationSkonferenz -ber alliierten Ministerpräsidenten findet voraussichtlich in der kommenden Woche in London statt. Herr Poin- cars hat die Mitteilung Bonar Laws, daß dieser vor beut 15. Dezember mit Rücksicht auf das Parlament London nicht verlassen könne, dahin beantworten lassen, er fei bereit, in der nächsten Woche nach London zu kommen, um sich mit Bouar Law über das Programm in Brüssel zu einigen. Zu gleicher Zeit hat die französische Regierung in Brüssel und Rom Schritte
unternommen, um such die Ministerpräsidenten Bel» gienS und Italiens zur Teilnahme an der Aussprache in London zu veranlassen. — Der diplomatischen Vorbereitung zu dieser interalliierten Aussprache soll offenbar die dem gestrigen Coinmuniquâ angefügte Mitteilung dienen, daß die Maßnahmen, die den Gegenstand der ministeriellen Besprechungen der letzte» Tage gebildet haben, die beiden Eventualitäten ins Auge faßten: Die Durchführung der in London eventuell ziistandekommenden Beschlüsse, falls es dort zu einer Verständigung zwischen den verbündeten Regierungen kommen sollte oder aber eine isolierte Aktion Frankreichs, falls sich eine Einigung als unmöglich erweisen sollte. Herr Poincarè scheint demnach in der Absicht nach London zu gehen, die anderen Kongreßteilnehmer vor die Nlternative zu stellen: Slnuahme der französischen Forderungen »der Bcsitzeryreifnna des Rhein- tandes und des RuhrgebieteS durch Frankreich.
Paris, 30. Novbr. Nach Londoner Meldungen bat Bonar Law dem Vorschlag Poincarès, Mitte nächster Woche die Ministcrkonfcrenz in London ab< zuhalteu, zugestimmt und Italien und Belgien einge« laden. Auf dieser Konferenz soll die Forderung Deutschlands nach einem Moratorium und fernerhin die Frage behandelt werden, ob auf der Brüsseler Konferenz das ganze Zahlungsproblcm und das Problem der interalliierten Schulden aufgerollt werden soll. Schließlich wird in London auch die Frage eventueller Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland oder die Ergreifung von Pfändern, die von Frankreich verlangt wird, zur Erörterung kommen.
Anrorika genen die Pläne PoiucarSs.
New-P»rk, 29. Nov. Die Nachrichten über bis und das RitstraeS-et erwecken hier starke ÄeaHttkE An der Authentizität der veröffentlichten Nachrichten zweifelt niemand. Die Presse gibt ihrer tiefen Besorgnis Ausdruck und nimmt entschieden Stellung gegen die französischen Absichten. In besonders heftigen Ausdrücken erklärt sich die „New Port World" gegen die Neuauflage der Sanktious- und Pfänderpolitik. Irgend einen orattiicben Nutzen siebt die Presse nicht in den Plänen Poincarös, wenn sie verwirklicht werden sollten, dagegen ist sie überzeugt, daß die sranzöfiiche Gewaltpolitik den Verfall der europäischen Wirtschaft nur beschleunigen und endgültig besiegeln würde. Unter diesen Umständen ist weniger denn je Neigung vorhanden. in die europäischen Angelegenheiten helfend einaugretfen. Frankreich wird besonders vor der Illusion gewarnt, irgendwie noch auf einen Erlaß seiner Schulden an Amerika zu hoffen, wenn es auf seiner friebenstörenben Politik beharren sollte.
AheinischeTreuerklärung an dasReich
Köln, 30. Nev. Zu den Drohungen aus Paris werden vom SeyirfsfarleO der Christlichen Gewerkschaften eine Reihe von Kundgebungen veröffenllicht. Es heißt darin: Die vorgesehene Lösuno; des gesamten Wieder» Hersieöungsproblems durch die imperialistischen Machthaber werden nicht den gewünschten Er. folg bringen. Die Zeit ist vorbei, in welcher sich die Geschicke großer Gebietsteile eines Volkes allein nach der Willkür der Machthaber entscheiden lassen ohne dabei den Willen des arbeitenden Volkes zu berücksichtigen. Am Rhein gibt es auch keine Lösung der Fragen, ohne daß dieser Tatsache Rechenschaft getragen worden ist. Dies wird für die gewerkschaftlichen Maßnahmen stets in Zukunft zielrveifend sein. Unsere gesamte Tätigkeit wird erst recht in der Stunde der Gefahr getragen fein von der Treue zum gesamten deutschen Volk. Die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften und des deutschen Gewerkschaftsbundes werden im Kölner Bezirk auf dem Plane und auf der Wache fein.
Die „Kölnische Zeitung" bringt heute eine weitere Anzahl ähnlicher Kundgebungen aus den verschiedensten Kreisen der rheinischen Bevölkerung. — Der Ortsausschuß Köln des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schafksbundes nahm fernerhin eine Ent- schließung an, in der es heißt, daß die forlge- fe^feti Drohungen und Pläne der französischen Regierung auf Abtrennung der Rheinlande vom Reiche und der Besetzung des Ruhrgebietes, sowie der Besetzung der öffentlichen Aemter durch Franzosen bei der A r b e i k e r s ch a f k ein- mutig auf den schärfsten Wider- st a n d und P e o t e st stößt.
Dollar (10 Mr vorm.) 8200