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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erschein! läglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage

N. 278

Freitag Sen 24. November

Das Bleueste.

- Die Rede des Reichskanzlers, die er beute M1 Ubr im Reichstag halten wird, wird etwa tine Stunde dauern.

- Wie das Reichsverkehrsministerium mitteilt, utrben die Gütertarife am 1. Dezember um 150 °/0 Mi werden. Bet den Perioneniarifen bleibt "e5 bei der bereits angelündigten Steigerung der Aebwreiie um 100 °|0.

- Sas jieue englische Parlament ist gestern mit einer Thronrede des Königs eröffnet worden.

- Aut den König von Rumänien war ein kiienbabnattentat geolant. dem er aber entging.

-Der russische Vertreter in Lausanne, Worowsti. tat erklärt, daß die Moskauer Regierung die For- ierunaen der Türken in allen Punkten unterstützen neide.

Dis Vorstellung des neuen Asdrnells.

Das Kabinett Cuno wird sich heute dem Reichstag vorstellen und der neue Reichskanzler mirb dabei eine Regierungserklärung abgeben. Überraschungen sind dabei nicht zu erwarten. Bas neue Kabinett steht auf dem Boden des Programms, das in der letzten Note der alten Regierung an den französischen Präsidenten entwickelt worden ist und das Dr. Wirth wie iine Rettungsplanke ergriff, um die Existenz eines Kabinetts noch einmal zu retten. Dieses irogramm durchzuführen, ist nun Sache der leuen Regierung. Es bedeutet außenpolitisch die Erzielung einer großen Atempause und einer neuen erträglichen Regelung der Entschädi- gungsfrage. In engstem Zusammenhang damit tefjert die Bestrebungen, die dazu dienen sollen, Jie deutsche Wirtschaftskraft durch Mehr-Erzeu-

zu heben und damit auch die deutsche WsWH âsbLr gesund zu machen. èmerpmc-, tisch bedeutet das Programm die'rchfuMing größter Sparsamkeit in der Verwaltung und den Ausbau der Reichsbetriebe auf fachmännischer Grundlage. Das Ziel dieser Reform ist die Wiederherstellung des finanziellen Gleichge­wichts und damit die Stützung der deutschen Wahrung. Als Voraussetzung gilt die Zusam­menfassung aller arbeitswilligen Kräfte und die Befreiung unserer Politik aus den Schlingen der Parteileidenschaft und Parteifehde.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Auf­gabe des neuen Kabinetts ungeheuer schwer ist. Außenpolitisch ist Frankreich eine Gefahr ge­worden, so drohend, wie sie zuvor nie war. Man wird sich nicht darüber täuschen dürfen, daß unter dem Deckmantel der letzten Wochen zwi­schen Frankreich und seinen Ententegenossen Vereinbarungen getroffen worden sind, die einen drohenden Schatten auf das Rheinland werfen und die aus der wirtschaftlichen Entschä- chgungsfrage eine politische Existenzfrage für MS Deutsche Reich machen. Jnnerpolitisch droht die Gefahr, daß die Sozialdemokratie aus Groll und Parteisucht dem Kabinett Cuno in den Arm fällt. Ueber seinem ersten Auftreten^ im Reichstag muß ein besonders glücklicher Stern ichweben, wenn alle diese Gefahren beschworen werden sollen.

Die heutige Kanzlerrede. kein positives Vertrauensvotum.

Berlin, 24. Nov. Dis heutige Sitzung des Reichstages, in der der Reichskanzler seine Pro- Mammreds halten wird, soll nach dem Beschluß Ältestenrats des Reichstags Freitag um 1 "hr stattfinden. Die Verlesung der Regierungs- "klärung wird 45 Minuten in Anspruch neh- Nach ihrer Beendigung soll eine zweistün- M Pause eintreten, in der die Fraktionen fid3 ihre Haltung zum neuen Kabinett klar ?crdèn können. Dann wird sofort mit der Aus- !Wi)e begonnen, die am Samstag zu Ende ge- wird. Nach Beendigung der politischen Debatte wird eine achttägige Pause in den ^eichstngsverhandlungen eintreten. Die Par- haben sich darauf geeinigt, daß die Formel M nie Bertrauenskundgebung lauten soll:Das Mus billigt dis Erklärung der Regierung". Dsr iPüt übliche zweite Satzund spricht der Re- das Vertrauen aus", wird wegfallen. Mn glaubt, daß den so formulierten Ver- rauensantrag alle in Frage kommenden Par- annehmen werden.

H^qesS^Ds öer ädinellsbilduns x Berlin, 23. Nov. In derZeit" veröffentlicht ~>- Stresemann einen Artikel, in dem er inter- JWe Mitteilungen über die Vorgeschichte der fia nnottsbildung bringt. Es heißt darin:Vsr- i^i^ntiich wurden das Parlament und le Parteien für die Schwierigkeiten ver- ''-wortlich gemacht, die sich der Bildung des neuen Kabinetts entgegenstellten. Sobald alle

Einzelheiten über die Vorgänge der letzten acht Tage bekannt geworden sein werden, wird man zweifeln können, ob Reichskanzler Dr. Cuno die größten Schwierigkeiten wirklich bei den Parteien gesunken hat. Vielleicht wird er selbst der Meinung sein, daß jene geistigen Gruppen, die insbesondere für den Primat der Wirtschaft eintreten und lebhaft den Parlamentarismus bekämpfen, und die durch ihre Wortführer er­klärten, daß die Wirtschaftler vor den Parteien als solchen gelten müßten, nicht verlangen können, daß sie über dem Parlament schweben. Man hat an die Männer der Wirtschaft, die zu diesen Führern gehören, den Ruf ergehen lassen, bei der Bildung eines überparlamentarischen Kabinetts ihren Beistand zu leisten. D e r R u f ist ungehört verhallt. Noch in letzter Stunde haben Persönlichkeiten abgesagt, die be­rufen gewesen wären, an Cunos Seite zu treten. Man wird also in Zukunft davon absehen müssen, sich vorzustellen, daß jene Männer sich bei der Regierungsbildung zur Verfügung stellen. Ihre Auffassung, daß sie in der Wirt­schaft unentbehrlich seien, ist vielleicht gerade angesichts der jetzigen Katastrophe der Wirt­schaft nicht unberechtigt. Weiterhin können sie fürchten, daß bei dem Wechsel' der Stimmung ihre Wirksamkeit nur eine begrenzte sei. Jeden­falls wollen wir die Tatsache festhalten, daß es den außerhalb der Parteien stehenden Wirt­schaftlern ebensowenig gelungen ist, die Frage der Heranziehung der Wirtschaftler zu lösen wie den Parteien, die sich bisher um die Lösung be­müht haben. Auch auf einer andern Seite ist die Flucht vor der Verantwortung festzustellen. An verschiedene Diplomaten.erging der Ruf, das Außenministerium zu übernehmen. Wenn es richtig ist, daß ein bekannter Diplomat, der tele­graphisch nach Berlin berufen wurde, diesem Ruf nicht Folge leistete mit dem Bemerken, daß

er die Uebernahme eines '

Ostens al

lehne, so ist das e i n Z e i ch e n, w i e s e h r d i e Reichsautorität überhaupt ge = schwächtist. Viele Ausreden wurden gemacht um sich vor der Uebernahme zu drucken. Der eine hatte literarische Aufgaben vor sich und wollte ein Memoirenwerk vollenden, der andere schützte persönliche Gründe vor, wenn er sich in einer bequemen Stellung befindet. Wer einer solchen unbequemen politischen Geschäftsführung ausweicht, der sollte auch aus diesen bequemen Stellungen entfernt werden."

Was den Erfolg des Kabinetts betrifft," heißt es in dem Artikel weiter, so wird für den Reichskanzler vieles von der Führung des Ka­binetts abhängen." Es ist etwas anderes, in der beherrschenden Stellung eines Generaldirektors eines ersten Unternehmens dies als Aufsichtsrat in großen Konferenzen zu vertreten, aTs sich an der Spitze eines überparlamentarischen Kabi­netts gegenüber den Strömungen des Reichs­tags und der Oeffentlichkeit zu behaupten. Das Kabinett Cuno steht und fällt mit seinen außen­politischen Erfolgen. Gelingt es ihm, solche zu erringen, so wird es in Deutschland volles Ver­trauen genießen. Scheitert es an dieser Aufgabe, so wird es einen sehr schweren Stand haben.

Stresemann nimmt dann zu den Vorwürfen der Sozialdemokraten gegenüber dem Abg. Dr. Becker- Hessen Stellung und sagt: Die So­zialdemokraten bemühen sich, den Abgeordneten Becker als schwarzen Mann hinzustellen. Sie werfen ihm vor, daß er bei dem Kampf um die Zwangsanleihe sich bemüht habe, das Kapital vor so großer Belastung zu schützen. Sollte nicht derVorwärts" diese Haltung des Abg. Becker verstehen können, wenn er sich vor Augen führt, welche Rolle das Kapital in der Not der Wirt­schaft in Deutschland spielt. Dr. Becker sah dies Verhältnis voraus, als er seinerzeit vor einer allzugroßen Entziehung der deutschen Wirtschaft warnte. Der Wirtschaftler Becker wird kaum damit bekämpft werden können. Sollte aber der Kampf demrechtsstehenden" Dr. Becker gelten, so darf darauf hingewiesen werden, daß die Be­griffe rechts und links vielfach ganz fehlgehen in der Einstellung derjenigen, auf die sie bszogsn werden.

Die Beurteilung des neuen Kabinetts

DieMünch.- Augsb. Abendztg." hat einige führende Persönlichkeiten im Reichstag über das neue Kabinett befragt. Der Abg. Dr. M a r e tz k i von der Deutschen Volkspartei er­klärte:

Das neue Kabinett Cuno weist infolge des Fehlens der Sozialdemokratie eine größere innere Geschlossenheit auf, als sie das so viel an- gestrebte Kabinett der großen Koalition gezeigt hätte. Deswegen wird die neue Regierung in der Lage sein, gegenüber den kommenden Ge­schehnissen der außen- und innenpolitischen Lage klare und enticbiedene Maßnahmen zu treffen.

In allen wichtigen Fragen wird das Kabinett auf eine sichere Mehrheit zählen können, da die Deutschnationalen, insbesondere bei einer Oppo­sition der Sozialdemokratie, gezwungen sein werden, das Kabinett zu stützen, wenn sie nicht die Wiederkehr einer Regierung mit vorherr­schendem sozialistischen Einfluß herbeiführen wollen. Es wird Aufgabe des neuen Kabinetts fein, das in der letzten Note an die Neparations­kommission aufgestellte Programm durchzufüh­ren. Das deutsche Volk in seiner überwältigen­den Mehrheit erwartet die entschiedene Abkehr von der bisherigen Erfüllungspolitik und im Innern die Durchsetzung der staatlichen und wirtschaftlichen Interessen der Allgemeinheit gegenüber allen Sonderinteressen, selbst wenn diese von den bisher so gefürchteten Berufs­organisationen der Arbeiterschaft geltend ge­macht werden. Erweist sich das Kabinett allen Einschüchterungsversuchen von außen und innen gegenüber fest, so wird es ihm trotz eines unge­heuerlichen Druckes, den es gerade in der nächsten Zeit als Erbe der bisherigen Politik wird aushalten müssen, gelingen, im Laufe des kommenden Jahres gleichwohl eine grund­legende Besserung in der Lage unseres Volkes durchzusetzen. Ob die Männer des neuen Ka­binetts die dazu erforderliche Stärke haben wer­den, kann man nicht wissen. Wir wollen es hoffen."

Der Abgeordnete Graf Westarp von den Deutschnationalen äußerte sich wie folgt:

Die Bildung des Kabinetts Cuno kann eine wichtige Wendung werden. Neu ist der Ver­such einer selbständigen Regierungsbildung ohne vorherige Festlegung mit den Parteien, neu vor allem eine Regierung im Reiche nicht nur ohne, sondern scheinbar gegen die Sozial­demokratie. Während die Regierung Fehren-

Mevrbeitssozlalasmokraten sicher war, scheint der zwischen Herrn Cuno und der vereinig­ten Sozialdemokratie, nachdem die Versuche der Einigung mit ihr gescheitert sind, viel tiefer zu sein. Ist das der Fall, so sind der Reichskanzler und seine Minister auf die Stimmung der Bayerischen und der Deutschnationalen Volks- partei angewiesen, von denen mindestens die letztere zur Regierungsbilduna nicht heranae- zogen worden ist. Ihr Verhalten wird von der Politik des. neuen Kabinetts ab­hängig sein. Es wird vor allem darauf an­kommen, ob die Männer dieser Regierung in den Schwierigkeiten des bevorstehenden Win­ters dauernd den Willen und die Kraft finden werden, sich von dem beherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie, der Straße und der gewerk­schaftlichen Nebenregierung frei zu halten. Im Inneren wird eine vollständige Abkehr von der ParoleDer Feind steht rechts!" erwartet wer­den müssen. In der Reparationspolitik besteht die große Schwierigkeit, daß die neue Regie­rung zunächst die Note vom 13. November als Unterlage weiterer Verhandlungen vorfindet. Das entbindet sie nicht von der Aufgabe, sich aus den Fesseln der Erfüllunasvoliti? freiaumamen und zu einer Politik der Ehrlichkeit und Festig­keit Zurückzukehren."

AeiMunLeâg und Sireikrechl der Leamien.

Düsseldorf, 24. Nov. Auf dem gestrigen rheinisch-westfälischen Beamtentag, den der Kartellverband des Deutschen Beamten- Landes im rheinisch-westfälischen Industrie­gebiet nach Düsseldorf einberufen hatte, kam es zu einer lebhaften Aussprache über die Politik des Deutschen Beamtenbundes. Besonders die Sprecher des Bundes traten für eine politische Neutralität der Beamtsnorganisationen ein und erklärten sich für die Aufhebung der schema­tischen Anwendung des Achtstundentages. Wenn die Not der Zeit es erfordere, müsse die Arbeits­zeit verlängert werden, um die Erzeugung so zu heben, daß sie zur Deckung des notwendigen Bedarfs ausreicht. Ein Streikrecht der Beamten könne nach den heutigen Verhältnissen nicht be­ansprucht werden, doch dürfe das Koalitionsrecht der Beamten nicht angetastet werden. Von den Vertretern des Allgemeinen deutschen Beamten- bundes wurden dagegen die bekannten sozia­listischen Forderungen' der Beamtenorganisatio­nen vertreten. Aus der Aussprache ergab sich daß Verhandlungen schweben, die auf einen Zu- sommenschluß der beiden großen Beamtenorga- nisationen Hinzielen.

Die Lausanner Konferenz.

Neubildung des allen Balkan-Blocks. Verstimmung unter den Türken.

Lausanne, 23. Nov Die Bildung bes alten Balkan-Blocks, wie er vor dem Kriege bestand, scheint wieder beoorzustchqu. In einer Besvre«

chung der Vertreter Griechenlands, Bulgariens, Rumäniens und Jugoslawiens wurde unter Vorsitz des jugoslawischen Ministerpräsidenten die gemeinsame Haltung der Balkanstaaten gegenüber den Türken in der Frage Westthra­ziens und der übrigen Balkanprobleme festge­legt. Es wurde zunächst die Frage eines bulga­rischen Ausganges zum Aegäischen Meere bc« handelt. In der nächsten Sitzung an der auch der tschechische Minister des Auswärtigen, der gegenwärtig in Paris weilt, teilnehmen wird, soll die Frage des Regimes in Ostthrazien ge­prüft werden. Der Versuch des Zusammen« schlusses der vier Balkanstaaten erregte in Lau­sanne natürlich beträchtliches Aufsehen. Die Türken sind sichtbar verstimmt. Sie haben heute erklärt:Der Einheitsfront der Entente müssen wir eine umso engere Einheitsfront gegenüber« stellen." Die Rede, die Jsmed Pascha gestern in der Kommission für Gebietsfragen verlas, hält alle Forderungen der Türkei aufrecht und enthält nur ein Zugeständnis in der Frage des bulgarischen Zugangs zum Aegäischen Meer. Um einen Weg zur Einigung zu finden, ist eine Unterkommission eingesetzt worden, die noch im Laufe des gestrigen Nachmittags ein Gutachten über die Schaffung einer militärfreien Zone längs der Maritza abgeben sollte. Einer der für« kischen Vertreter erklärte gestern einem Korre­spondenten desJntransigeant" gegenüber: Wir befinden uns hier einem Gerichtshof gegenüber, was nicht der Vereinbarung ent­spricht. Wir sind gekommen, um nach unserem Siege hem Besiegten den Frieden vorzuschrei­ben. Das ist unsere Rolle. Wenn die Alliierten ihre eigenen Pläne und Entwürfe haben, sind wir bereit, darüber zu diskutieren, aber nicht, sie uns aufzwingen zu lassen." Jsmed Pascha erklärte vor Journalisten, daß er abends eine Zusammenkunft mit Lord Curzon und Bärrère

'N!

der Türken bleibt die bevorstehende Teilnahme der Russen an der Konferenz, zum mindesten nach den Erklärungen des Herrn Warowfki, der gesagt hat, daß Rußland a l l e F o r d e- rungen der Türkei unter stützen wird. Von Frankreich hat die Türkei in diesem Augenblick nicht viel zu erwarten, da die fran­zösische Regierung von ihren Abmachungen mit England nicht zurücktreten kann. DerTemps", der seit Monaten eine nahezu unbegrenzte türkenfreundliche Politik vertritt, wendet jetzt zum erstenmal das Blatt. Unter einer Fülle von Vorbehalten, eröffnet er der Türkei nur die Hoffnung darauf, daß sie auf der Konferenz Karragatsch zugesprochen erhalten könne, vor­ausgesetzt, daß sie sich zu Verhandlungen ver­steht. DerTemps" läßt die Frage, wie das ge­meint ist, offen.

Ottilie LAM in Konsitwrinopc!.

London, 23. Nov. In Konstantinopel wird die Lage von Tag zu Tag verwickelter. General Harrington hat auch schon seine warnende Stimme erhoben. In einer Versammlung von Soldaten und Seeleuten erklärte er, die Türken hätten die Stellung der Briten, die einen Teil der alliierten Besatzungsstreitkräfte bildeten, be­droht. Angesichts der Anwesenheit britischer Kriegsschiffe, Truppen und Flugzeuge, wolle er Lie Türken warnend darauf hinweisen, daß die Geduld der Alliierten eine Grenze habe. Die Alliierten hätten große Geduld und Zurückhal­tung bewiesen und ihre Minister seien auf die Konferenz von Lausanne gegangen, beseelt von dem Gedanken der Versöhnung und Gerechtig­keit und von dem Wunsche, eine billige Lösung

zu finden. Aber sie seien auch nur Menschen und die Türken würden gut daran tun, wenn sie auf- Feuer zu spielen. Die britische aber in Sing z a wenig Ein­

hörten, mit dein

Warnung scheint druck zu machen. Die Nationalversammlung hat Rifat P a s ch a seines Amtes als Gou­verneur von Konstantinopel enthoben, weil

er keine besseren Maßnahmen getroffen hat, um die Flucht des Sultans gu verhindern, und weil feine Haltung den Alliierten gegenüber zu ent­gegenkommend gewesen sei. Rifet Pascha wird jetzt nach Ostthrazien gehen. Gleichzeitig ver­öffentlicht der türkische Befehlshaber in Kon­stantinopel eine Bekanntmachung, in der das Tragen von Waffen und die Behinderung des telegraphischen und telephonischen Verkehrs ver« boten wird. Personen, die gegen diese Vorschrif­ten handeln, würden vor ein türkisches Kriegs- gericht gestellt. Die Alliierten sehen nach einer Meldung Reuters diesen Schritt als eine Ein­leitung zur Proklamation des Belage­rungszustandes über Konstantinopel d u r ch d i e T ü r k e n a n.

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