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gtfüUunesort und Deriibtsftand für bethe Teile janau a. M. 2m Fall« böberer Gewalt. Streik bat der Bezieber keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückjablung des B«»uqs- oreii«». bür Platzoorschriit u. Erscheinungstage der Anreisen wird keine Erwäbr geleistet

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General-Anzeiger

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Freitag d^n 17. November

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Für einKabinett der Arbeit". - Kein. Einspruch der Sozialdemokraten siegen Cuno.

Berlin, 17. Novbr. Der Reichspräsident ^f dem Direktor der Hambrirg-Amenka-Lmie, SM-arif Dr. Cuno, den Auftrag zur ®i( tag des Kabinetts übergeben. Cuno hat den Rislrag angenommen.

Meimrat Dr. Wilhelm Euno steht im 45. Le- bmsjahre. Er trat noch Absolvierung feiner Univer- iitiitsffubien in den Berwaltunasdienst ein v~s ge- hlins der preußischen Staatsverwaltung als Ober- regierungsrat und später als Geheimer Oberregie- runasrat an. Er war Vortragender Rat im Finanz­ministerium. Während des Krieges bearbeitete er lnsgswirchhaftlicke Angelegenheiten, war Leiter der Heichsgetreidestelle und stand nachher an leitender Stelle bei der Organisation des Krisgsernährungs- mies. Im Jahre 1916 wurde ihm im Reicksfckntz- emt das Hauptrestrat für kriegswirtschaftliche Fra­zer übertragen. Im Winter 1917 verließ Geheimrat Juno den Reichsdienst und trat in den Varlland der Hemburg-Amerika-Linie über. Nach dem Tode 5af[ins wurde er dort bald Generaldirektor. Als im kürz 1920 nach dem Rücktritt Erzbergers für diesen ein Nachsolasr gesucht und der Ruf nach Fach- ministern immer dringender wurde, war ihm der Posten des Reichsfinanzministers angeboten worden. Teheimrat Cuno erklärte sich damals auch zur An- eohme bereit, machte jedoch zur Bedingung, daß die Mestrheitsparteien geschlossn hinter ihn treten mühten. Er war vorher Mitglied der Deutschen Mwarlei und erst während des Kani-V-c-' aus dieser wegen der unentsckiedenen Haltung ihrer HANburoer Ortsarur»-« gegenüber Kapp ausge- ircien. Für den Ministerposten präsentierte ihn das âiic-'w, jedoch hatte er schon vor dem Kapp-Putsch l^MpÄrhandelt, da das ginan«nini|ie@um als euwesvrochenes FachminiHrium anest n werden sofft?. In der kritischen Zeit nack den ann-Putsch tam dann die Sozialdemokratie Abstand an der zu wit nach rechts geneigten politischen Stellung Rinos, und er lehnte die Berufung ab. Finanz­minister wurde dann der dem Zentrum angebörige vorherige badische Finanzminister Dr. Joseph Wirth.

Vertrauen.

Die lange Jifter des A:

Der Berufung des Geheimrat Dr. Cuno kann man von vornherein mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg acgenüberstehen. Cuno ist ^ayer und dazu Katholik und steht der Deut- Wn Volkspartei mit seiner Gesinnung nahe, 7" er vereinigt somit viel gute Eigenschaften uisich, die ihm zu einem Koalitionskanzler prädestiniert erscheinen lassen und die sozial- aemakratische Fraktion hat bereits gestern übend beschlossen, keinen Einspruch dagegen zu erheben, daß Geheimrat Cuno den Versuch einer Kabinettsbildung unternimmt. Die So- talemofraüe hat sich damit selbst die Mög'' keit des Eintritts in das Kabinett Cuno offen gehalten. Im übrigen steht Cuno mitten im Wirtschaftsleben und genießt als Mann der Wirtschaft großes Ansehen und Vertrauen, ueber seine politischen Fähigkeiten ist ein ab- ^'aetzendes Urteil noch nicht möglich. Jedoch m die lange bestandene Absicht, ihn zum Mi- Uiicr des Auswärtigen zu berufen, bewiesen', man auch zu seinen äußeren politischen ^""kstten Vertrauen hat' und haben kann. . s Erfolg des Versuches wird aber natürlich "icht nur von der Persönlichkeit Cunos ab- r'^Sen, sondern von der Zusammenstellung Istjies Kabinetts unb von der Aufnahme, die er st den Parteien findet. Man kann bamit red)= daß er sein Kabinett nicht nach einseitigen < n Gesichtspunkten zufammm.fetzen wird , daß er für die Einheitlichkeit der wirt- ^>attlichcn Auffassung innerhalb seines Ka- naeffs volles Äsrständnis hat. Euno bat l-c- schon die Sinnahme feiner Berufung Minister des Auswärtigen davon ab mgig daß die wirtschaftliche Politik des Ge- I Kabinetts nicht non feinen Ansinnen ab- Umsomehr wird er bestrebt sein, als in genommener Reichskanzler die Wirt- ^tspolitik seines Kabinetts einheitlich zu gs- a 'en, er wird in wirtschaftlicher Hinsicht sicher« 1 auf der Seite derer stehen, die vertraut lr^ dem Wirtschaftsleben sind, um zu wie man Deutschlands Wirtschaftskraft ottych am besten zur Geltung bringt

EinKabinett der Arbeit".

S^K 17. Novbr. Generaldirektor Cuno bereits gestern nachmittag mit dem ^wietägspräsidenten Loebe und den Vertre- er .Deutschen Vofkcpartei, der Sozia!- ./s^st^tie, des Ze: «nims und der Demokraten Kn?i'^Ek. Cuno reiste gestern abend noch nach rit oUr^ ?^' um sich mit der Hamburg-Ame- -s^^lnie ins Einvernehmen .i setzen. Er wird s abend in Berlin wieder zurückerwartet, parlamentarischen Kreisen verlautet, daß s neue Kabinett, für das Cuno selbst das

StichwortKabinett der Arbeit" ausgegeben hat, anfang nächster Woche gebildet sein wird. Mit Rücksicht auf die Neubildung der Regie­rung und auf die schlesischen Wahlen wird sich dann der Reichstag auf einige Zeit vertagen. Cuno steht seit langem mit dem Reichspräsiden­ten in freundschaftÜcher Beziehung. Er steht auf dem Boden des .rUchaftsprogramms, das so­wohl von der Deutschen Volkspartei als atm) von der Sozialdemokratie angenommen wor­den ist. Der Widerstand der Sozialdemokra­ten gegen ein Kabinett Cuno, den man an- 'angs ziemlich hoch einschätzte, kann man als so gut wie beseitigt ansehen. Die Aussprache zwischen Dr. Cuno und Hermann Müller hat ein ziemlich weitgehendes Einvernehmen her­gestellt und ein gestern abend gefaßter Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion geht dahin, keinen Einspruch dagegen zu erheben, daß Ge­heimrat Cuno den Versuch einer Kabinetts- biwung unternimmt. Die Sozialdemokratie hat 'R damit selbst die Möglichkeit des Eintritts in bas Kabinett Cuno offen gehalten, ohne eine Bindung einzugehen. Aus den Besprechungen ^es heutigen Tages ist bekannt geworden, daß Herr Cuno selbst größten Wert auf die Mit­arbeit der Sozialdemokratie in seinem Kabinett legt.

Bekenntnisse des neuen Kanzlers.

Generaldirektor Dr. Cuno war der vor­trefflich repräsentierende Präsident der Ham­burger Ueberfeewoche und eröffnete als solcher

wählt. Auch der Handelsminister Ph'lmve ^" ' ' iedergewählt

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Gelegenheit hielt, gibt zusammen mit Bemer­kungen zur Weltwirtschaft und Weltfchiffahrts- lage, die er gleichzeitig im Handbuch der Heber« seewoche veröffentlichte, von Cunos welt­wirtschaftlicher Einstellung einen ungefähren Begriff. Dem verdienten Förderer des Wiederaufbaues der deutschen Schiffahrt nach dem Kriege bedeutet dasNavigare necesss est" auch für die fernere deutsche Zu­kunft einen unumstößlichen Glaubenssatz. Deutschland muß", schreibt Cuno in jenem Handbuch,wieder aufs Meer, übers Meer, es. braucht eigene Beförderungsmöglichkeiten zur See und darf nicht abhängig bleiben von dem Frachtentribut an andere Flaggen. Es braucht die See als lebendes, erneuerndes Element, als Anregerin zu neuer Leistung und Erlöserin von Kleinlichkeiten". Im Versailler Vertrag sieht selbstverständlich Cuno die tiefste Ursache aller leidvollen Verkettungen.

Auch in seiner Eröffnungsrede zum Welt- wirtfchäftskongreß wurde er nicht müde, immer wieder die Notwendigkeit zu betonen, unter Ausschaltung politischer Sonderwünsche endlich einmal wirtschaftliche Erwägungen sprechen zu lassen. Rückblickend auf alle bisherigen Konfe­renzen sagte Cuno- damals:Wo immer man sich traf, führten die Politiker das Wort, und on weil sie einander gegenübersaßen nicht am Menscben, sondern als Vertreter ihrer Ka­binette, Parlamente und V.«er, tat sich die ganze Kluft auf, die der Krieg gerissen. Darüber vergaßen sie, daß das Reparätions- xnb Frie­densproblem lärmst zu dem dringend n Wirt- vroblem der Welt geworden ist." Ge­wissermaßen das Programm des Hamburger Kongresses und zugleich sein eigenes Pro­gramm faßte Dr. Cuno dann in die Worte zu­sammen :Mögen in Verfolg der ablehnenden Haltung Frankreichs Tage für uns anbrechen, die Irrerer sind als alle, die wir durchlebt: Kein Tag kann so schwer für uns sein, daß wir daran verzagten, zu erstreben, wonach die ganze Welt verlangt und verlangen muß, die Lösung der einen großen Aufgabe: in alle Herzen den Gedanken der Verbundenheit der Interessen im Weltve' kehr einzühürgsrn." In dem erwähnten Artikel sprach Cuno auch von den unseligen dcepatatioiMor^erynqcn, dieniemand erfüllen kann, wenn unsere Regierung auch noch so sehr das Gegenteil behauptet."

Fort mit dom Dik!a! von VerssiNes!

In Dresden hat sich ein Aufklärungs- a u s s ch u h betreffend die K r i e g s schuld- frage gebildet, der die Revision des Friedens- diktats von Versailles fordert. Er will überall Klarheit verbreiten über die Lüge von der Schuld Deutschlands am Kriege und ihre fürch- terlid)en Folgen. Denn nur auf ihr ist, wie Lloyd George ausgesprochen hat, der «schand- frieden von Versailles aufgebaut. Der Ausschuß erläßt an alle Deutschen im In- und Auslande

ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit einen Aufruf, in dem es heißt:Aufgeklärt durch die zahllosen Beweise von Deutschlands Nichtschuld am Weltkriege, weist das deutsche Volk das seinen Delegierten in Versailles aufgezwungene Schuldbekenntnis mit tiefster Entrüstung von sich und erkennt das von den Ententemächten ihm auferlegte Strafdiktat von Versailles nicht an! Jrnolgedesien fordert das deutsche Volk von der Reichsregierung, den Ententemächten gegenüber diese Nichtanerkennung durch eine besondere Handlung zum Ausdrrick zu bringen."

Um der Regierung die Gewißheit zu geben, daß das ganze deutsche Volk aber geschlossen hinter ihr stehen wird, bittet der Ausschuß, alle Behörden, Organisationen, Vereine usw. seinen Aufruf bekanntzumacken und Unterschriften zu sammeln. Das sächsische Ministerium des Innern hat genehmigt, daß der Ausschuß Gel­der und Unterschriften sammelt. Sie sind zu senden an den Vorsitzenden der Zentralstelle für den Freistaat Sachsen, an Freihcrrn Treusch von Buttlar-Brandenfels, Longebrück bei Dres­den, Langestraße 4. Die Stimmens 'mnclung hat auch die Zentralstelle vaterländischer Be-- bände, Berlin W. 62, Kreistür. 32, übernommen

Gleichzeitig wendet sich auch der Arbeits­ausschuß deutscher Verbände, Berlin NW. 6, Luisenstraße 31, mit einem Aufruf an das deutsche Volk, in dem u. a gesagt wird:Langst ist auch durch die Oeffnung der Archive in Deutschalnd und Rußland der Beweis erbracht daß jenes einseitige Schuldurteil unhaltbar ist. Wir fordern die Revision des unerträglichen und unhaltbaren Diktates von Versailles, das ein Vertragsbruch ist, nachdem die Innehaltung des Wilson-Programms förmlich versprochn trmr. Seid einig im Kampf gegen das Versailler Diktat!

München, 16. Nov. Im Landtag hielt heute Ministerpräsident Dr. von K n i l l i n g eine neue Rede, in der er auch auf die Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu sprechen kam. Er erklärte, die Aussicht, daß auf dem Wege der Gewalt keine Rettung möglich sei, sollte heute Gemeingut aller Volksgenossen sein, besonders auch derjenigen, die in leidenschaft­licher Vaterlandsliebe an der Rettung Deutsch­lands auf ordnungsmäßigem Wege verzweifeln zu müssen glauben und in der Anwendung von Gewalt das einzige Heilmittel erblicken. ' Ein Staat, der auch noch aus den Kreisen der vater­landsliebenden Volksgenossen bedroht würde, würde rettungslos der Anarchie preisgegeben fein. Die gegenwärtige bayrische Regierung werde jeder gegen den Bestand des Staates ge­richteten Gewaltanwendung mit allen verfüg­baren Gewaltmitteln entgegengetreten und ver­traue daher auf die Mitwirkung aller staats­erhaltenden Volkskreise. Es müsse daher ernst­lich mißbilligt werden, wenn ein vaterländisches Blatt wie dasHeimatland" ein bedenkliches Spiel mit dem Feuer treibe, indem es sich zu der Aufforderung zu Gewalttaten hinreißen läßt. Strafanzeige fei gegen das Blatt erstattet

und Strafverfahren eingeleitet. Der Minister des Innern Dr. Schwerer wandte sich mit

großer Schärfe gegen dieterroristisch- f a s z i st e n m ä ß i g e Kampfesweise der bayrischen N a t i o n a l i st e n und erklärte, es

könne nicht langer geduldet werben, daß eine Gruppe von Volksgenossen sich bewaffnet und Polizeimachtbefugnisse sich anmaße.

München, 17. Nov. Im bayrischen Land­tage spielte gestern die Frage des Föderalismus neuerdings eine bedeutende Rolle. Nachdem schon der Ministerpräsident Dr. von Knilling den Föderalismus verteidigt und vor allem gegen die Anschuldigung Stellung genommen hatte, daß der Föderalismus mit Absichten und Ziele der französischen föderalistischen Politik in Verbindung zu bringen sei, erklärte der Füh­rer der bayrischen Volkspartei, Abgeordneter Held, daß der Föderalismus ganz zu Unrecht mit der Gefahr für Einheit und Bestand des Reiches verwickelt werde. Die deutsche Geschichte beweise das Gegenteil, daß gerade der- deralsismusLebenundAufbau für dasReich bedeute. Ungeheuerlich sei die Behauptung, daß das Programm von Bam­berg französischen Plänen in Deutschland Hilfe leisten wolle. In einem föderalistischen Deutschland würde Frankreich nicht imstande sein, uns z. B. eine Finanzkontrolle aufzu­zwingen. Die nationalen Bedingungen unserer Tage offenbarten eine Fülle staatserhaltender Kräfte, welche die Regierung zufammenfassen müsse. Gegen Auswüchse und ungesetzliche Un­ternehmungen müsse selbstverständlich einge­griffen werden. Der Antisemitismus habe nur deshalb um sich greifen können, weil einaewan-

derte Neujuden sich allzu sehr in deutschen Re­gierungsstellen breit machten.

Wahlsieg der englischen Konservativen

London, 16. Novbr. Bis jetzt liegen aus 588 Wahlkreisen folgende Wahlergebnisse vor: Kon­servative 343, Labour Party 130, Asquith- Liberale 55, Lloyd George-Liberale 47, Unab­hängige 13. Es stehen noch 27 Ergebnisse aus. Die Konservativen haben damit die absolute Mehrheit über alle Parteien zusammen erreicht. Die nüchststärkere Partei wird zweifellos die Arbeiterpartei sein.

Der Führer der englischen Arbeiterpartei, Arthur Henderson, 'wurde im Wahlkreise Wid- nes in Lancaster durch den konservativen Ge­genkandidaten geschlagen. Auch der Sohn ton Hendersons hat einem Konservativen Platz ma^en müssen. Der Arbc^erkon^^at Bentillet erhielt in North Salford nur eine Mehrheit von 19 Stimmen. Der "bei den letzten Wahlen im Jahre 1918 in Leicester geschlagene Arbeiter- mhrer Ramsay Macdonald ist in" Slberanon ge- wäl morgen. Ein anderer Fsibrer sor Labour Party, Roden Vuxon, wurde in Accington ge­wählt. Besonders bemerkenswert ist der Wahl­kreis Glasgow-Central, in welchem Bonar Law aufgestellt wurde. Er erhielt zwar 15 443 Stim­men imh nwrde bamit auch a-wählt, denn der Arbeiterkandidat Mitchell erhielt nur 12 922 Stimmen und der Asquith-Liberale Paish 2518 Stimmen. Die beiden Ojegentanbibaten von Bonar Law haben also zusammen nur drei Stimmen weniger erhalten als der Minister­präsident. Zwei bekannte Lloyd George-Libe­rale, Alfred Mond und Mac Samara, sind wie- dc.gewähst worden. Dr Minister für das Luft-

Aeare, ist in London ge-

Mrwesen, Samuel

jjewählt- Der Arbeiterführer Thomas, General­sekretär der Eisenbahner, ist gleichfalls wieder­gewählt worden, ebenso einer der besten Spre­cher des Unterhauses, Malone. Der konservative Einpeitscher Leslie Wilson ist im Londoner Wahlkreise St. Georges geschlagen worden. Er war immer einer der unentwegtesten Konser­vativen und ist diesmal als Sparsamkeitskan- didar ausgetreten. Sag Ergebnis ist besb^b be­merkenswert, da St. Georges das aristokra­tischste Stadtviertel von London darstellt, in welchen« außer dem König auch 400 Peers- ^..^ier sind. Churchill ist nicht wiedergewühlt.

Nach diesem Wahlcmsfall darf als feststehend angesehen werden, daß in Zukunst die englische Außenpolitik zum mindesten von einer außerordent­lich gestärkten konservativen Partei bestimmt wird und 'daß weder die außenpolitis en Ansichten des früheren Ministerpräsidenten Lloyd George noch auch die etwas international gefärbte Auffassung der Arbeiterpartei dabei initspielen. Die konservative Vorherrschaft in der englischen Regierung bedeutet bis zu einem gewissen Grade einer Klärung. Die Regierung, die Lloyd George gehandhabt hat, schwankte ziemlich stark zwischen dem Gefühl einer gewissen Abhängigkeit von Frankreich und einem starken Bewußtsein zu den wirkst! östlichen Notwen­digkeiten Englands. Wesentlichen Nutzen hat Deutsch­land von dieser Politik nicht gezogen, sondern wir haben immer wieder die Erfahrung macken müssen, daß uns Lloyd George im kritischen Augenblick fallen ließ. Die konsern live Außenpolitik wird nor« cmssi -hilich von solchen Schwankungen frei sein. Si« ht von vornherein die Neigung sich enger an be, französischen Kurs anzupassen und sie wird deshalb weniger geeignet sein, in uns irgendwelche trüge­rischen Hoffnungen zu c ' ecken. Dafür wird sie uns aber wohl nicht so oft enttäuschen.

Wachsende Arbeitslosigkeit in Oesterreich. In einer sozialdemokratischen BewerkschaftMtzung warst earüber berichtet, da« die Zahl der Arbcüslosen in Deutsch-Oesterreich bereits 102000 erreicht habe, wovon »er dritte Teil keine Unterstützung erhalte. Im Dezember sollen noch 25000 Staatsangestellte ent­lassen werden, iodaß die noch vor kurzem verhältnis- mâßi, geringe Zahl von Beschäfüiungrlosen einen großen Umfang cmnekmen wird. In der Gewerkschafts- jktzung wurde gefordert, die ge»enwAltig einem ver­heirateten ^rüeitrlosenzugestaudeneWochcnunterstützunz von durchschnittlich 60000 Kronen auf 110 000 Kronen zu erhallen.

Volksabstimmung über Weiltingen# 2ttt» schläft an Vnycrn. Wie da«Bamber,er Ta,e- blatt" niitfcilt, soll zwecks Anschluß an Bayern in Äeinnigen eine Volksabstimmung Nattfinden, die von inem vorbereitenden Ausschuß in einem Ausruf a» die Meininger angestrebt wird.

Dollar (10 Adr oorm.) 6600