SanauerN Anzeiger
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General-Anzeiger
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Kk. 264
Donnerstag den 9. November
1922
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Die Gutachten der aus
Die internationalen Finanzsachverständigen heben ihre Gutachten erstattet und der Reichs- ngiemng mitgeteilt. Das erste von Brand, Kassel, Jenks und Keynes unterzeichnete Dächten enthält folgende Ausführungen: Die Wachter sind vollkommen überzeugt von der Wenden Notwendigkeit, die Markunver- züglich zu stabilisieren. Unter der Voraussetzung gewisser Zugeständnisse seitens her Gläubiger ist die Stabilisierung möglich. In erster Linie muß sie aber von Deutschlands eigenen Bemühungen ausgehen.
5s ist hoffnungslos, augenblicklich die Stabilisierung von fremder Hilfe zu erhoffen,
da Deutschland als wichtigste Grundlage eine eigene aufbauende Politik haben muß. Auf die Frage, ob die Stabilisierung unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist, wird mit Nein geantwortet: 1. aus inneren Sriinben, vornehmlich wegen der Finanzpolitik des Deutschen Reiches in der Kriegs- und Nach- triegszeit; 2. aus äußeren Gründen, insbesondere wegen derLastenausdemBersail- !er V e r t r a g. Solange nicht Deutschland für einige Zeit von den Zahlungen aus dem Ver- Mer Vertrag e n t l a st e t wird, werde jeder ; Versuch zur Stabilisierung der Mark scheitern and nur zur nutzlosen Vergeudung der letzten Reserven Deutschlands führen. Die Länge des Zeitraumes für die Einstellung der Zahlungen ’ wird von der Möglichkeit abhängen, im deut- | können erst wieder" ausgenommen
I »erden, wenn sie aus einem wirklichen Ueber- I !chuß stammen, nicht aus neuer Inflation. Die I Gutachter glauben, daß der Zeitraum gegen» ■ bärtig
auf mindestens zwei Jahre
I ichgesstzt werden müßte. Der Zahlungsaufschub I muß die Sachleistungen ebenso wie die Bar- I Wungen umfassen. Jeder Stabilisierungsplan I wäre so lange nur vorläufig, wie nicht die end- I gültige und zwar baldige und durchführbare I Regelung des Reparationsproblems gefunden I wird. Die endgültige Regelung des I Reparationsproblems wäre so bald I wie möglich zu treffen. Die Unterstützung durch I internationales Konsortium würde von der I größten Wirkung auf die Stimmung des Pub- I likums sein. Es sollten daher Verhandlungen I über eine derartige Hilfsaktion eingeleitet wer- I "èn. Vor der endgültigen Regelung des Repa- , I rationsproblems auf einer vernünftigen Grund- ' | M könnten ausländische Kredite nur in beschei- 1 I »enem Umfange und nur als Unterstützung I Egener Maßnahmen Deutschlands erhalten I werden.
, I Der Erfolg der Stabilisierung
; I ^gt von dem Gleichgewicht des Staatshaus- I Haltes ab. Aeußerste Sparsamkeit und äußerste I Stenge in der Eintreibung der Steuern sind I "on entscheidender Bedeutung. Die Beschaffung * I “es Kapitals für öffentliche Arbeiten darf nicht I Wis laufenden Einnahmen erfolgen, sondern I "Ug durch innere fundierte Anleihen gedeckt ’ I »erben. Aus der Debetseite feiner Zahlungsbilanz ’ I Jatte Deutschland das Defizit der Handelsbilanz, e I ™e Zahlungen aus dem Versailler Vertrage ; I und die Kapitalflucht auszugleichen. Dafür ftan= I ”eri nur beschränkte unsichtbare Ausfuhren. I „^Lsdskredite und Auslandkäufe von Mark , I M Markwerten zu Gebote. Irgendwie haben I K ^^^^" Seiten der Zahlungsbilanz auch I ^"^nd des laufenden Jahres ausgeglichen müssen. Wäre die Handelsbilanz wirk-
l I ^7 in dem Maße passiv, wie angenommen I bl ^ Hütte der Aufkauf von Markwerten I Ausländer eine Höhe erreichen müssen, die 11 I L0^ Möglichkeit übersteigt. Daraus ist zu folgern
I has Passivsaldo der gegenwärtigen deutschen 1 I Handelsbilanz
so groß sein kann und daß, falls die Zah- 1 I ^üilanz von denZahlungen aus - I 2 'n, ertrage vonVerfäilles und den e I "hleneinfuhren zum Ersatz der Liefe- I I ; 9en von Reparationskohle beoreit wird, ui Ausgleicb der Zahlungsbilanz möglich fein halten die Gutachter dann den Zustand . I Handelsbilanz nicht für ein entscheidendes sten'^uis der Stabilisierung. Zur Wiederher- I nâhuug der deutschen Handelsbilanz wäre die sviederherstellung der Gleichberecktiauna für
D«S »ritte Gutachten ist von dem Londoner Bankier Brand erstattet worden. Auch dieser kommt, dem „Berl. Tagebl/ zufolge, zu dem. Ergebnis, daß, solange die Ungewißheit über Deutschland» zukünftige Verpflichtungen bestehe, eS unmöglich sei, eine solche Anleihe unterzubrinzen. Weiter wird in dem Gutachten die Frage der Beteiligung der Bankwelt der übrigen, insbesondere der neutralen Länder, einer Untersuchung unterzogen. D»s Gutachten kommt zu dem Ergebnis, daß es unter dieser Voraussetzung möglich sei, auf der Grundlage der Sicherheit der Reichsbankgarantie zu einer solchen Anleihe zu kommen, vorausgesetzt, daß ein Moratorium für wenigsten» zwei Jahre gewährt werde. Neben der Garantie der Reichsbank soll die Sicherung durch die Erträgnisse der Ausfuhr- abgaben bezahlt werden.
Die endgültigen Slabilisierungs- Vorschläge.
Berlin, 9. Rov. Das Reichskabinett hak gestern vormittag eine Sitzung abgehalken, in der unter Verwendung der Gutachten der ausländischen Sachverständigen als Material die endgültige Antwort auf die Roke der Repa- ralionskommission vorbereitet wurde. Um 3 Uhr ist das Kabinett erneut zusammengekreten und in später Abendstunde ist die Antwort an die Repko überreicht worden.
Berlin, 9. Rov. Die Reparationskommission wird Heuke vormittag 10 Uhr zu einer besonderen Sitzung mit den gestern abend überreichten neuen deutschen Vorschlägen zusammen- treten. Wahrscheinlich wird dann noch im Laufe des heutigen Tages eine Zusammenkunft zwischen den Mitgliedern der Reparationskommis- dw aber lediglich einem formellen Abschluß der Verhandlungen und der Verabschiedung der Delegierten beim Reichskanz- l e r diene dürfte.
Industrie und Markslabilisierung.
Berlin, 9. Nov. Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hielten gestern eine Sitzung ab. Im Laufe der Aussprache wurde von verschiedenen Seiten auch auf die immer wieder auftauchende Behauptung hingewiesen, die Industrie sei grundsätzlich Gegnerin einer Stabilisierung der Mark. Demgegenüber wurde übereinstimmend betont, daß die Industrie wie die gesamte Wirtschaft das größte Interesse daran habe, so schnell als möglich von den Schwankungen der Währung los zu kommen und zu einem festen Wertmesser zu gelangen. Umstritten seien nur zwei Punkte und Voraussetzungen für eine dauernde Stabilisierung der Mark. Uebereinstimmung bestand aber auch darüber, daß undurchdachte und mangelhaft formulierte Maßnahmen, wie die Devisennotverordnung und deren Ausführungsbestimmungen die Stützung unserer Währung, wie die Entwicklung des Devisenkurses gezeigt hat, nicht nur nicht gefördert, sondern schwer geschädigt haben.
Amerikanischer Besuch in Europa.
Paris, 8. Nov. Der amerikanische Senator McCormick hat eine Reise nach Europa an» getreten, um die Wirtschaftslage in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien zu studieren und hierüber dann dem Präsidenten Harding zu berichten. Er erklärte den Zeitungsvertretern vor der Abfahrt: Amerika hat ein Interesse an dem Wiederaufblühen des Wirtschaftslebens in Europa und an der Wiederherstellung des Gleichgewichts der europäischen Staaten, denn nur dann könnten amerikanische Fertigwaren und landwirtschaftliche Erzeugnisse an Europa abgegeben werden. Wenn die europäischen Regierungen entschlossen wären, Ordnung in ihren Staatshaushalten zu schaffen, dann wären zahlreiche Private bereit, Europa zu Hilfe zu kommen. Gegen eine politische Allianz mit den europäischen Staaten würde man sich allerdings aussprechen.
Senator Mc Eormick wird von Präsident Harding in ähnlicher Weise verwandt, wie Wilson den Obersten House verwandte. Was der Senator vor seiner Abreise erklärte, sind Selbstverständlichkeiten; ihre Betonung ist aber trotzdem willkommen, weil sie einen Schluß zulassen auf die Absichten der jetzigen Regierung. Die Reise ist der Sammlung von Auskünften gewidmet, „auf Grund deren die Bundesregierung gesetzliche Maßnahmen treffen mag", hieß es schon vor vier Wochen, als die Sendung des Senators angekündigt wurde. Auch wurde damals bekannt gegeben, daß ein Ausschuß amerikanischer Bankleute schon seit einiger Zeit mit Untersuchungen in Europa beschäftigt sei, um der Regierung Bericht'
zu erstatten. Daß das amerikanische Interesie an Europa nicht lediglich Samaritergesühlen entspringt, sondern höchst eigensüchtigen amerikanischen Grün- den, hat der Senator selber angedeutet. Namentlich der Farmer drüben weiß nicht, was er mit seinem Weizen und seinem Mais anfangen soll, wenn Europa dauernd unfähig bleibt, ihn zu kaufen.
Vor einem Wiederausbruch des Orienlktieccs ?
Paris, 9. Nov. Nach dem „Temps" werben die Türken in Lausanne folgende Forderungen erheben: Durchführung des Nationalvertrags, Volksabstimmting in Westthrazien, Autonomie der Inseln, Entschädigung von 6 Milliarden Goldfranken, Rückgabe des Gebiets von Mafful an die Türkei, Berichtigung der türkisch-syrischen Grenze, Anerkennung der türkischen Unabhängigkeit und Aufhebung der Kapitulationen. Vielleicht könne ein Uebergangssystem für das Gerichtswesen geschaffen werden. Der „Temps" befürchtet von diesem Programme eine starke Verletzung der französischen Interessen. Würde der Krieg im Orient wieder aus» brechen, so würde Rußland der Schiedsrichter zwischen Europa und Asien werden. Für Frankreich sei die gegenwärtige Haltung der Kemalisten um so peinlicher, als Frankreich der Hauptgläubiger der Türkei sei und die meisten industriellen Unternehmungen dort besitze. Den Wiederausbruch des Orientkrieges glaubt der „Temps" schon prophezeien zu können. Er werde aber dann nicht nur ein Krieg zwischen der Türkei und Griechenland sein, sondern auch zwischen der Türkei und den drei alliierten Mächten. Wahrscheinlich sei dann eine Intervention der Balkanstaaten, die England dazu bestimmen würde, neben Griechenland zu treten.
Gegen eine Verschiebung der Konferenz von Lausanne auf den 27. November hat Poinear« sich ausgesprochen. Man könnte die ersten drei Tage bis nach den englischen Wahlen mit finanziellen Besprechungen verstreichen lassen. Der „Jntransigeant" hält es für möglich, daß Poin- caré persönlich nach Lausanne gehen werde, da Mussolini und wahrscheinlich auch Bonar Law dort zugegen sein werden.
P a r i s, 9. Rov. Die Forderungen der Regierung von Angora überstürzen sich. Rach einer Meldung, für die eine amtliche Bestätigung noch nicht vorliegt, sollen die Türken den Alliierten für die Uebergabe der Verwaltung von Konstantinopel eine Frist von 24 Stunden, für die milikärifche Räumung der Stadt eine solche von vier Tagen gestellt haben. In einer Rote fordert die Regierung von Angora die Reberlassung der Inseln Chios und M y l i l e n e. In Bruffa soll sie die Ausweisung des f r a n z ö s i. schen Konsuls verfügt haben mit der Begründung, daß sie sich mit Frankreich noch im Kriegszustand befinde. Der „Temps" meint, man habe den Eindruck, daß man unauf- haltiameinemkonfliktenkgegen- treibe.
p a r l s, 9. Rov. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Angoraregierung hat auf die Rote der alliierten Kommissare geantwortet. Sie wiederholt ihre Forderung nach Zurückziehung der alliierten Truppen aus Konstantinopel und Entfernung der alliierten Schiffe, indem sie erklärt, daß die Anwesenheit der Truppen und Schiffe mit der kemalistischen Verwaltung Konstantinopels unvereinbar sei.
DemoKrattscher Wahlsieg in Amerika.
R«w-No»k, •. Novbr. Die amerikanischen Wahlen hab ex zu einem starten Rückgang der rcpudükanischen Mandate, also der der Re,ierung»partei geführt, während die Demokraten große Erfolge davongetrazc« haben. Nach den bisherigen Stinuiienzählungen faxx man im voraus sehen, daß die Parteien im Mt» präsentanienhause folgendermaßen vertreten sein werden: Die Demokraten mit 219, die Republikaner mit 214, die Sozialisten mit 1 und die Unabhängige« ebenfalls mit 1 Sitz. Im Senat bleibt die republikanische Mehrheit; sic wird aber von 19 auf 14 herab- sehen. Die Demokraten bejcichncn dieses Ergebnis als ein Vorspiel für die Niederlage Hardings iw Jahre 1924. Als aussichtsreicher Kandidat für 1924 wird bereits Mister Smith, Gouverneur im etaatt Ntw-N»rk genannt.
Man betrachtet das Ergebnis al» einen Protest gegen den republikanischen Zolltarif. Belonder» die Frane» stimmten fast geschlossen für die Demokraten, weil fr durch die Anwendung des Zolltarif» eine Verteuerung »er Lebcnthaliung befürchte«.
ländischen Finanzleule.
Deutschland im internationalen Handel in bezug auf das Recht, Zölle von der Luxuseinfuhr zu erheben, für die Ausfuhr die Meistbegünstigung zu fordern. Die Stabilisierung wäre zu einem niedrigen Werte der Mark zu versuchen, wobei dieser Wert erheblich höher sein kann als der augenblickliche. Augenblicklich dürfte
ein Kurs von 3000—3500 Mark für den Dollar als Grundlage der Stabilisierung
richtig sein. Bei einem derartigen Kurse wird aber eine erhebliche Steigerung des Notenumlaufs nach und nach in dem Maße nötig fein, wie das Geschäftsleben des Landes zu normalen Verhältnissen zurückkehrt. Der endgültige Konversionsfuß wäre später festzustellen. Nach vollkommener Durchführung der Stabilisierung muß die neue Werteinheit im Sinne eines Vielfachen der stabilisierten Papiermark im Interesse der Verkehrserleichterung eingeführt werden.
Als Richtlinien für die Stabilisierung
der Mark führen die Gutachter folgendes aus: Gegen die Zustimmung zum Aufschub aller Zahlungen aus dem Versailler Vertrage für die Dauer von zwei Jahren sollte die deutsche Regierung der Reparationskommission folgende Garantien geben:
a) In Berlin ist als besonderer Teil innerhalb der Organisation der Reichsbank eine u n - abhängige Währungsstelle zu
hätte.
b) Solange ein Teil dieses Geldes noch frei ist, hat die Währungsstelle Papiermark bei Angebot zu einem festzusetzenden Kurse zu kaufen.
c) Der Gesamtbetrag der schwebenden Schuld darf nicht über eine bestimmte Ziffer hinaus anwachsen.
An diesen Grundsätzen darf ohne Genehmigung der Reparationskommission nichts geändert werden. Nach Genehmigung vorstehender Vorschläge durch die Reparationskommission wäre ein internationales Finanzkonsortium zur Mitarbeit bei der finanziellen Stützungsaktion einzuladen.
Weitere Vorschläge
betreffen die Schaffung einer Devisenreserve und die Beseitigung aller Devisenverordnungen. Ferner heißt es, der Reichsbankdiskontsatz müßte hinreichend hinaufgesetzt und teures Geld solange aufrechterhalten werden, bis die Stabilisierung völlig gesichert ist. Dagegen müßten Handelswech- f e I weitherzig diskontiert und Lombardvorschüsse gegen die üblichen Sicherheiten für den legitimen Bedarf des Handels eingeräumt werden. Zur Heranziebung der ungenutzten Devisen des deutschen Privatpublikums soll die Währungsstelle G old - fchatzwechfel mit ein- bis zweijähriger Laufzeit ausgeben und Devisen per Kassa kaufen und wieder verkaufen bei angemessenen Margen für die einzelnen Termine, da eine erweiterte Notenzirkulation für den geschäftlichen Bedarf des Landes erforderlich ist? Sobald es zu normalen Bedingungen zurückkehrt, wären Noten so weit wie möglich auszugeben durch Diskontierung von Handelswechseln und Gewährung von Lombardkrediten an den Handel durch die Reichsbank sowie durch den Verkauf von Mark durch die Währungsstelle gegen Devisen, daneben in möglichst geringem Umfange gegen weitere Schatzanweisungen zur Deckung des Defizits im Staatshaushalt und in der lieber» gangszeit.
®«e zweite Gutachten
ist von den drei Bankiers der internationalen Komitee« verfaßt und behandelt die Frage der Errichtung eines internationalenFinanz" fyndik«tc». Darnach soll möglichst bald eine versammlun, von Bankiers die Möglichkeit der Gründung eines internationalen Finanphndikate» jufammen m.t der deutschen Regierung und der Reichsbank prüfen. Dor««»setzung ist die vollständige Befreiung von Barzahlungen und die Herabminderung der Lachlciduuzen. Das internationale Fin-nr'ynnkat f»H die Sewährung einer Anleih, »ex S 0 0 Millidneu Goldmark ix Form einer Xkzeptkredite» prüfe«. Voraus- fetung dafür ist die Bürgschaftserkläruna der pleichs- reiierung und der Reichsbank.
Dollar (10 Mr vorm.) 8000