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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
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Nr. 281
Montag ö§n 8. NovemÄsr
1922
Das Neueste.
— Der Reparationskommission wurden am gestriger# Sonntag vormittag die vom Reichs- kâbinett am Samstag formulierten endgültigen Vorschläge überreicht, die einen ungünstigen Eindruck auf die Kommission gemacht haben sollen.
— Anfang Dezember soll, wie Havas berichtet, in Brüssel nunmehr die Finanzkonferenz stattfinden, wozu die belgische Regierung an sämtliche interessierten Staaten Einladungen ergehen lassen will.
— Nach den bisher vorliegenden Meldungen war die Beteilgung an den gestrigen Wahlen zum sächsischen Landtage sowie in den Städten als auf dem Lande äußerst rege, sie soll über 90 Prozent betragen.
Die Berliner Verhandlungen.
Die deutschen Vorschläge überreicht.
Berlin, 6. Nov. Am gestrigen Sonntag sind die deutschen Vorschläge . zur Währungsfrage den Vertretern der Reparationskommission in Berlin überreicht worden. Ueber den Inhalt derselben ist immer noch nichts Positives zu erfahren. Nur so viel verlautet, daß die deutsche Regierung auseinandergesetzt hat, was sie zur Erzielung des Budgetgleichgewichts auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung zu tun gedenke. Die deutsche Denkschrift beschränkt sich jedoch wahrscheinlich nicht nur auf eine Darlegung der Absichten des Reichskabinetts, sondern berührt auch die Frage der Finanzkontrolle. Nach der „Sozialdemokratischen Korrespondenz" handelt es sich bei den Vorschlägen gewissermaßen um Ausführungsbestimmungen, also um eine Er- gänzung der bereits übergebenen Denkschriften. Als Sicherheitsleistung für die Gewährung einer Goldanleihe biete die Reichsregierung der Reparationskommission neben finanziellen Einnahmen u. a. bestimmt umgrenzte Aufsichtsrechte an, die keine Einschränkung der Souveränität der Reichsregierung bedeuten. Das Kapitel über die von Deutschland zu leistenden Sicherheiten nehme den Hauptteil der Vorschläge ein, vorausgesetzt, daß eine äußere Anleihe zustande komme. Die Reichsregierung sei dann bereit, auch im Innern Maßnahmen zu treffen. — Die Besprechungen sind mit den ausländischen Finanzsachverständigen noch in vollem Gange. Sie werden wahrscheinlich in einem gemeinsamen Gutachten über die drei vom Reichskanzler vorgelegten Fragen ihren Abschluß finden. Die nächste Sitzung zwischen der Reparationskommission und der deutschen Regierung findet vermutlich am heutigen Montag statt.
Ungünstiger Eindruck.
Paris, 6. Nov. Die Zeitungen veröffentlichen Heuke eine Berliner Havasbepesâ, die eine ungünstige Auffassung über die Berliner Verhandlungen wiedergibt. Der Inhalt der gestern von der beuffd^n Regierung überreichst Denkschrift habe, da sie keinerlei posi- iiven Vorschläge über den deutschen Budgetaus- âleich enthalte, in der Kommission verstimmt, was den deutschen Vertretern von dem präft- öenfen der Kommission mit energischen Worten ium Ausdruck gebracht worden sei. Seine Worte yatken ihren Eindruck auf die deutschen Verire- ler, die sich über die Notwendigkeiten des gegen- wattigen Augenblicks keine Rechenschaft ab- lvgten, nicht verfehlt. In der Kommission herrsche vollkommene Einigkeit. — einer weiteren havasdepesche aus Berlin M B a r t h o u am Sonnjag mittag nach seiner Besprechung mit den deutschen Vertretern er- nart: Wir hatten heute eine kurze Zusammen- lunfk, um die neuen Schriftstücke der deutschen jiegrerung entgegenzunehmen, aber man überreichte uns nur Notizen über as Budaek. Wir erwarten neue und genauere Vorschläge und tuet bett mit den deutschen Verslern am Montag wieder zusammenkommen, v Da r i g, 6. Nov. Der Berliner Korrespondent
„petif parifien“ erfährt über den Inhalt Elstern von der deutschen Regierung über- rilyten Vorschläge zur Reparakionsfrage, daß als erste und wichtigste Voraus- ’egung zur Lösung des Problems ^Stabilisierung der Ma r k bezeichnt wird. Als Heilmittel dafür und damit für ganze Finanzwesen des deutschen Reiches, werde eine Anleihe in Höhe von 500 Millionen olomark gefordert und für das Zultandekom- oiner solchen Anleihe die Ankerstühung der Immission erbeten. Dabei werden, wie der gc- annte Korrespondent behauptet, die Ausführungen des Pariser Bankierausschusfes vom vinlner dieses Iahres zur genauen Be- »rundung verwandt. Die deutsche Regie
Henderson erklärt, daß, bevor nicht die Irrtümer und Torheiten des Versailler Friedensvertrages weggefegt feien,
keine Hoffnung für Europa bestehe. Es müsse daher ein Apparat für die Revision der durch den Frieden getroffenen territorialen Aenderungen, wo eine solche Revision notwendig sei, geschaffen werden. Für Deutschland müsse von dem Diktat der Alliierten bezüglich der Wiedrherstellung der zerstörten Gebiete ein notwendiger Betrag herabgesetzt werden und die Wiederherstellung, soweit möglich, durch deutsches Material und deutsche Arbeiter geschehen, wofür eine internationale Anleihe oder mehrere ausgegeben und durch Annuitäten, die sich Deutschland zu zahlen verpflichten müsse, garantiert werden müßte. Die interalliierten Kriegsschulden müßten gestrichen werden, um den allgemeinen Plan für die Neuregelung Europas und zur Wiederherstellung des Handels durchführen zu können. Rußland müsse voll anerkannt und ebenso wie Deutschland in den Völkerbund ausgenommen werden, ber. das Hauptwerkzeug für die Lösung der Weltprobleme werden müßte.
Teuerunyskrawalle.
Plünderungen von niehreren Geschäften. — 30 Verhaftungen.
Forst (Lausitz), 4. Nov. Vor dem Forster Rathause hatten sich Freitag nachmittag 4 Uhr große Menschenmassen eingefunden, um zu erfahren, welchen Ausgang die Schlichtungsverhandlungen in den Lohnangelegenheiten in der Textilindustrie genommen haben. Die Leute versuchten in das Rathaus einzudringen, wurden aber zurückgedrängt und zogen nun über den Markt. In Buttergeschäften erzwang die Menge von Lebensmitteln zu unae- dis Kottbuser 'undDenmerSMtMfJnmehreren Wurstgsschäften wiederholten sich die Szenen billigen Einkaufs. Später plünderte die erregte Menge zwei Materialiengeschäfte, ein Delikatessen- und ein Großschuhwarengefchäft. Schaufenster und Ladentüren wurden zertrümmert. In überwiegender Zahl beteiligten sich die Jugendlichen an dem Treiben, auch Kinder von 13—14 Jahren waren dabei. Die Tuchlager zweier großer Fabriken wurden ebenfalls aüs- geräumt. Gewerkschafts- und Parteiführer sowie besonnene Arbeiter ermahnten die Menge zur Ruhe. Es gelang ihnen auch, die Menge vor weiteren Plünderungen abzuhalten. In der Nacht traf von Kottbus Schupo ein, der am Samstag eine weitere Hundertschaft folgte. Gegen 30 Verhaftungen sind erfolgt. Die festgenommenen Personen, die in Forst in Baracken untergebracht sind, sind zum großen Teile von auswärts zugezogen.
von KniMng bsyer.MinislerprSskdrnt.
München, 4. Nov. Auf Grund der am TamS- tag nachmittag gepflogenen Koalitionsverhandlimgen fielt die Wahl des Abgeordneten Dr. von RniCinfi zum bayerischen Ministerpräsidenten fest. Der Landtao ist auf Mittwoch den 8. November, nachmittag», zu einer Vollsitzung einberufen, in welcher der Landtagi- p> äsidcnt Könizbaucr da? Rücktritttschreibeu bei biV beugen Ministerpräsidenten Grafen von Lerckenfeld verlesen und der Landtag inkbewndere zur Wahl bei Abgeordneten Dr. von Kuilling a!» Ministerpräsidenten schreiten wird. In einer nexeit Vollsitzung am Donner«- tag vormittag wird der neugewählte Ministerpräsident denn dem Landtage sein Sebinett — die einzelnen bayerischen Minister sind formell ebenfall» zurückge- treten — vorstellen und in; Anschluß daran seine An« tritttrede halten. Hierauf wird der Landtag vertagt, um am 13. November in den Anrschüssrn seine ständige keisiousarbeit «ufzunebmen.
Ter künftige Ministerpräsident Dr. von Knilling fielt im Alter von 57 Jahren, befand sich seit 1892 im bayerischen ©tastibienS und gehörte von 1102 bi« Ende 1818 dem Kultusministerium »n, davon 7 Jahre alt Kulturminister. Sei den Landtagkwadlen im Jahre 1920 ist er »I? Mitglied der Bayerischen Volkrpartei Landtsgkabgeordneter geworden. Außerdem steht Dr. von ftnifhng an der Spitze der Zweigstele München des 'Reichrauggleichramtcr und ist endlich bayerischer Vertreter de- RüchSkommissart für Aurlandrschäden in München bisher gewesen.
Ablehnung Ser Schiedssprüche im Leigbau.
Bochum, 6. Novbr. Eiste vom alten Berg- arbelterverband mit den anderen freigewerkschaftlichen L.rbäiiden am Sonntag in Bochum abgehaltcn« Reichè lohnloufercuz ^ üc Schiedssprüche und vor
rung fordere zwar, aber nicht den erwarteten Zahlungsaufschub und ebensowenig eine Herabsetzung der Ziffern des Londoner Reparationsplanes, offenbar weil die deutsche Regierung weiß, daß die Kommission sich mit diesen beiden Fragen nicht befassen kann, vielleicht aber auch, weil sie annimmk, daß die Fragen von dem Finanzkomitee für die Anleihe ohnehin aufgeworfen werden müssen. Der „petif parifien“ meldet übereinstimmend mit anderen Pariser Blättern, daß diese Ausführungen bei der Kommission keine Befriedigung erweckten. Die Kommission werde sich Heuke über ihre Stellung zu den deutschen Vorschlägen schlüssig machen. Am Dienstag und Mittwoch werde sie zusammen mik den deutschen Fachleuten die Frage der Kohlen- und Holzlieferungen prüfen. Mitte der Woche wird die Kommission wahrscheinlich von Berlin wieder abreisen.
Dorbereilungen für Drüffsl.
Paris, 6. Nov. Einer Havasdepesche zufolge wird in gut unterrichteten Kreisen erklärt, daß das englische Kabinett der belgischen Regierung seine Geneigtheit mitgeteilt habe, anfangs Dezember auf einer Finanzkonferenz in Brüssel sich vertreten zu lassen. Die Aufgabe dieser Konferenz wird sein, die nächsten Zahlungen Deutschlands festzusetzen und für die Regelung der interalliierten Schulden eine Lösung zu finden. Man nimmt an, daß der Konferenz eine Zusammenkunft der englischen, französischen, italienischen und belgischen Ministerpräsidenten vorangehen wird.
Dazu erfährt das „Journal de Debats", daß die belgische Regierung auf das Zustandekommen dieser Konferenz seit längerer Zeit hinarbeitet, daß sie aber von dem Kabinett Lloyd nach dieser Richtung erhielt. Lloyd George wollte die Brüsseler Konferenz nicht vor dem Zustandekommen der mit den Verhandlungen über die Kriegsschulden betrauten englischen Kommission für Amerika zusammentreten lassen. Jetzt, nach dem englischen Regierungswechsel, hat die belgische Regierung eine Note erhalten, in der Lord Curzon mitteilt, daß er glücklich fein werde, an der vorgeschlagenen Konferenz selbst teilzunehmen. Die amerikanische Regierung ist derselben Quelle zufolge ebenfalls bereit, sich an der Brüsseler Konferenz zu beteiligen, aber mit der Einschränkung, daß die Frage der interalliierten Schulden von den Verhandlungen ausgeschlossen wird. Amerika wird schon durch die Wahl seiner Vertreter zu erkennen geben, daß es über diese Frage in Brüssel nicht zu diskutieren wünscht. Was die übrigen Konferenzteilnehmer angeht, erfährt der „Temps", daß die belgische Regierung daran denke, sämtliche an den Schulden und Reparationen interessierten Staaten einschließlich Rumänien und Jugoslawien einzubeziehen.
Das Problem von msroen.
Die Abänderung der Friedensverkräge.
London, 4. Nov. In einem Vortrag des im Wahlfeldzug begriffenen Arbeiterführers Henderson heißt es: Es stehe den Staatsmännern deren Schöpfungen in den verschiedenen Friedensverträgen sowie in der Kritik der internationalen Lage zutage träten, schlecht an, die Fähigkeit der Arbeiterpartei zum Regieren an= zuzweifeln. Die Arbeiterpartei sei in ihren Auffassungen und Interessen im wesentlichen international. Die Friedensverträge seien ein Mißerfolg. Das Problem von morgen sei die Abänderung dieser Verträge und die Anwendung politischer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit.
Der Versailler Vertrag gründe sich auf die irrtümliche Annahme, daß trotz der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Nationen voneinander das wirtschaftliche Leben einiger Länder zerstört werden könne, ohne daß dadurch andere Länder in Mitleidenschaft gezogen würden. Durch die wirtschaftlichen Bestimmungen des Vertrages sei das Wirtschaftssystem Deutschlands erschüttert worden. England und andere Länder hätten dadurch einen wertvollen Abnehmer verloren. Zugleich sei jedoch Deutschland eine Riesenentschädigung auferlegt morden, die angesichts der Lage, in die Deutschland durch den Versailler Vertrag gebracht wurde, seine Leistungsfähigkeit übersteige. Der Vertrag von Sevres sei das Gegenstück des Versailler Vertrages. Die alliierte Politik im Nahen Osten habe zu einem fast unbegreiflichen Chaos geführt. Das Verhältnis zu Rußland biete ein weiteres Beispiel dafür, wie politische Vorteile die Augen der alliierten Staatsmänner gegen wirtschaftliiye Tatsachen geblendet hätèen.
läufigen Abschlüsse in der Lohnfrage abgelehnt. Dit Bergarbeiter fordern die völlige Abgleichung der Teuerung durch weitere Erhöhung der Oktobcrlöhn« sowie eine entsprechende Erhöhung für den November, Die Einführung einer kollektiven Produktionsprämi^ wird abgelebnt, weil über derartige Probleme erst gesprochen werden könne, wenn die Umstellung der Wirtschaft in der von den Arbeitnelunerorganisationey eargelegteii gemeinschaftlichen Richtung energisch in Angriff genommen sei. Die Konferenz verlangte bis Erledigung der Lobnfragc bis zum 12. November, Die übrigen Vereinigungen haben in ihrer gestern aB2 gehaltenen Konferenz ebenfalls eine Ablehnung ber Vorschläge beschlossen. An das ReichSarbeitSministerium und die Arbcitgcberorganffationcn haben die Verbände sofort dar dringende Ersuchen um neue Verhandlungen gerichtet.
Der LohnkampsimBnchSruckgewerbe.
Berlin, 4. Novbr. Nachdem die Verhandlungen im TarisauSschuß der deutschen Buchdrucker gestern ergebnislos verlaufen sind, trat heute ein vom Reich»« arbcitSnumster eingesetzter SchlichtungSausschuk zusammen. Nach dem Schiedrlpruch sollen die Löhne im Buchdruckgewcrbe Dom 5, bis 18. 11. um 65 Prozent und vom 19. 11. bi» 1.12. um 70 Prozent gegenüber den Oktoberlöhnen erhöht werden. Dieser Schied»- spruch, der im Spitzenlohn eine Erhöhung um 2648.25 bezw. 3370.50 Mark bedeutet, wurde von den Arbeit» geberoertretern nach eingehender Beratung einstimmig abgelehnt, weil sämtliche aus dem Reich anwesenden Tariffreiibertreter bei der gegenwärtigen katastrophalen wirtschaftlichen Lage deS deutschen Buchdruck- und ZertungsgewcrbeS eine, derartige Mehrbelastung bei Gewerbes nicht verantworten konnten.
Das Urteil im Kermes-Prvzetz.
Berlin, 4. Nov. 3m BelerorgungsproiAM gegend^t früheren verantwortlichen Redakteur der „Freiheit", Hensel, wurde heute vormittag 11 Uhr folgendes Urteil verkündet: Der Ange» klagte wird wegen Beleidigung des Reichsministers Dr. Hermes in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 10 000 Mk. und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Dr. Hermes und den Beamten des Reichsernährungsministeriums wird das Recht zuerkannt, den Urteilstenor nach Erlangung der Rechtskraft im „Vorwärts", der „Germania" und der „Köln. Volkszeitung" auf Kosten der Angeklagten zu veröffentlichen.
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In ber llrUilrbegvkindung heißt el: Sei her Sen» teiluno ber lukriminierten Artikel könne nicht ble Retz, davon fein, daß in ihnen der Vorwurf ber Bestechlich, leit gegen ben Minister nicht erhoben werden sei, ei-0 mehr sei wohl behauptet worben, bah Herme» sich in einen Hoiidlungen eine Verletzung feiner Amtspflicht habe zuschulden kommen lassen. Die Frage, ob ber Angcklaate ftr diese Behauptnng ben Bewer« ber Wahrheit erbracht habe, habe da« Gericht unbebin^ «meinen müssen. Vorank'-tzung für den $S«brbtt«< bewei» wäre der RachwriS, da^ auf Seilen de» Winzer» vrrbaudc« da» B »utztsem beüaiid, daß die Gabe fit einen amtlichen Akt oder in Beziehung dazu gemihrt wurde. Da« Gericht hat auch von Dr. Herme« nicht den Eindruck gewonnen, baß er, wie el in ben Artikeln »er Freiheit heißt, ein Mann sei, der sich rn seiner Dreistigkeit h-rau»schwind!e selbst unter Nichtacht»», »er Eide»pflicht. Er hat der eiblichen vu»>age bei Minister» geglaubt, zumal seine Darlegungen durch eine Reihe von Tatsachen unterstützt werden. Da» Gericht bat die Ueberzeugung gewonnen, daß e« sich um einen wohlvorbereitetcn Preffefeldzug handelte. Die Frage, ob »cm Angeklagten die Wahrung berechtigter Jnterefle, illiubitzigen sei, hat das Gericht verneint. Streber« stärkend kam in Betracht »ie Schwere der Sorwürfe, Die Hartnäckigkeit, mit ber sie erhoben wurden, die hobt Stellung der Beleidigten und der zum Teil recht häßliche Ton in ben beleidigenden Artikeln.
Strafmildernd kam in B tracht vor allem der Um» üaiib, daß die Tatsachen, die dem Angeklagten zugctrage» ivorden waren, ibn an die Richtigkeit seiner Bebaup, tung clauben lassen konnten. Rein objektiv betrachtet sind nämlich die Beziehungen bei Angckiagten zu ben Winze>verband nicht vereinbar mit der Peinlichkeit, mit »er der Beamte seine Integrität wahren und selbst den Schein vermeiden muß. Da« Gericht steht nicht aus dem Standpunkt, daß der Beamte bei seinen vielen Beziehungen zu Industrie, Handel und Lanbwirtfchast jede beabvchtigte Licbenswürd gkeit schroff |urü#»etfew muß; er bat se uem Taktgefühl zu folgen. Auf jede» ^nd aber hätte der Minister feine Beziehungen zum Winzerverbaud abbrechen müssen, eil er von de» geringen Prki« Kenntni« erhielt. KeineSfall» hätte ei aber tiefe Beziehungen von neuem entnehmen dürfen. Aus allen diesen Gründen kam für die Verurteilung ms Hinget a.;ien seine Gejäng«!tstr«fc, sonder» ei« Geldstrafe in Frage.'
Dollar (IG Ahr vorm.) 6200