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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau

Erscheint âglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Nr. 260

Eamslag den 4. November

1922

Das Neueste.

In der gestrigen Besprechung mit der Reparationskommission überreichte der Reichs­finanzminister eine deutsche Denkschrift über die . schwebende Schuld und die Stabilisierung der Mark.

Als Kandidaten für den bayerischen Ministerpräsidentenposten sind Geheimrat Held und der frühere Staatsminister von Knilling nominiert worden.

Die deutschen Delegierten der Genfer internationalen Arbeiterkonferenz haben die Sitzung verlassen, nachdem ihr Vorschlag, die deutsche Sprache als Verhandlungssprache zu­zulassen, neuerdings abgelehnt worden ist.

Graf Sforza erklärte, daß sein Abschieds­gesuch auf ein Mißverständnis zurückzuführen

Das Dvllargefpensl.

Je mehr über die Stabilisierung der Mark gesprochen, geschrieben und verhandelt wird, desto mehr entwertet sich die Mark. Seit dem Tage, wo die Reparationskommission ihren Fuß auf deutschen Boden gesetzt hat, ist die Mark vollends in einen rasenden Tau"-er ^r Ent­wertung gerissen worden. Innerhalb dreier Tage hat eine Steigerung des Dollarkurses von 4000 auf weit über 6000 stattgefunden, sodaß er gestern vorübergehend mit 6500 notiert wurde. Daß die Reparationsverhandlungen einen solchen Niederschlag in der Bewertung der Mark erfahren, ist außerordentlich peinlich und niederdrückend. Zu verwundern ist es frei­lich nicht, denn irgendein vernünftiger Gedanke ober Plan, der aus dem Dilemma der Repara­tionslasten einerseits und der deutschen Leistungsfähigkeit andererseits herausführen konnte, »st bisher nicht erörtert worden, ;m Ae- zenteil, die ausländische Presse spricht von neuen Zwangsmaßnahmen siehe die Meldung des Temps" mit denen aber keine Lösung er­zielt werden kann.Kontrolle",Pfänder" usw. sind politische Werkzeuge, wer sie Deutsch­land gegenüber anwenden will, kann nur das völlige Chaos wollen, dem wir jetzt nicht mehr weit entfernt sind.

Es mutet uns heute fast märchenhaft an, wenn man daran zurückdenkt, daß im Spät­sommer des Jahres 1921 in den deutschen Zei­tungen Artikel erschienen, die die Ueberschrift: .Eine Markkatastcophe" trugen, nur weil der Dollar den Kurs von 100 Papiermark über­schritt. Mitte Oktober notierte dann die ameri­kanische Währung mit etwa 120. Dann fiel die Entscheidung über Oberschlesien, an die sich eine Veränderung in der deutschen Reichsregierung anschloß. Die Wirkung dieser politischen Vor­gänge war, daß gerade heute vor einem Jahr der Dollar mit 208 notiert wurde und wenige Tage später, am 10. November die Grenze von 300 überschritt. Die Erörterungen über eine Ka- tastrophenhausse, die doch erst den zwanzigsten Teil von dem darstellte, was wir heute erleben, nahmen damals in der Presse einen breiten Vaum ein und auch wir schrieben an diese? Stelle:Die Mark erleitet einen Kurssturz, wie y?n ihn in solchem Umfange bei allem Pessi- mismus in dieser rasenden Schnelligkeit nicht sur möglich gehalten hätten. Voll Schrecknis müssen wir wahrnehmen, daß die Papiermark

dem Tode ringt und nur noch einen Gold- Pfennig wert ist." Man hielt es damals für selbstverständlich, daß ein Rückschlag erfolgen putzte und.tatsächlich verzeichnete man um die Jahreswende einen Dollarkurs von etwa 180.

hoffte damals, daß man, eine glatte poli- Entwicklung vorausgesetzt, in absehbarer vWt eine Stabilisierung der Mark auf der Ba- 1*2 eines Dollarkurses von etwa 150 erreichen wurde. Die politische Lage wollte jedoch die notwendige Erleichterung nicht bringen und so sag der Devisenmarkt langsam aber unaufhalt- lam wieder an. Die langwierigen Anleihever- Yandlungen im Frübjahr führten den Dollar wieder an die 300 Mark-Grenze heran, bis die Konferenz von Genua wieder eine gewisse Er- eichterung brachte. Den eigentlichen Wende­punkt der Entwicklungskurven brachte der Ra- venaumord vom 24. Juni und seine Folgen.

da ab datiert eine Abwärtsentwicklung, w uns in ganz ungeahnt traurige Verhältnisse > ruW hat. Bereits in der ersten Hälfte des überstieg der Dollar den Wert von 500 Mk. als Ende Juli die Verhandlungen mit dem aranhefomitee wenig Fortschritte machten, 8 auch die 600 Mark-Grenze hinter dem .'^likanischen Währungszeichen. Anstatt daß ^."Pehr, wie man damals sagte,in letzter m'e- eine Wendung zum Besseren gekom- n wäre, war uns dâs Gegenteil beschieden.

Die Retorsionspolitik Poincarès trieb den Dollar über 1000 hinauf, und der deutsche Reichskanzler konnte damals in einer vielbeach­teten Rede unter dem MottoAm Sterbebett eines Volkes" genau nachweisen, wie jede ein­zelne Drohnote des französischen Ministerpräsi­denten den Doallr um einige hundert Punkte in die Höhe gejagt hatte. Es folgten die Repa­rationsverhandlungen in Berlin: Bradbury und Mauclère reisten ohne ein Ergebnis wieder ab, und an der Berliner Börse handelte man zwar keine Devisen mehr, aber mansprach" Kurse von 2000 bis 2400. Jedermann war sich darüber klar, daß es sich dabei um reine Spekulations­manöver und im übrigen um halben Wahsinn handelte. Es kam auch wirklich nach jenem 24. August ein sehr rascher Rückgang auf etwa 1200 bis 1400. Hoover bot sich an, nach Europa zu gehen und sozusagen Ordnung zu schassen, aber Harding war anderer Meinung. Es folgte die Orientkrisis die alle politisch interessierten Köpfe außerhalb Deutscblands völlig in An­bruch nahm und die finanzielle Regelung in Europa wurde auf die Brüsseler Konferenz ver- 'choben, die angeblich einmal tm Dezember statt­finden soll. Inzwischen glitt die Mark immer weiter abwärts und her Dollar überkletterte am 10. Oktober die 3000 Mark-Grenze, um inner­halb der nächsten zehn Tage trotz der regie­rungsseitigen Hera"saabe einer Devisenordnuna durch die der Snekulationswut ein Rieael vor­geschoben werden sollte, um weitere 1000 Mark zu steigen Am 29. Oktober machte sich die Re- varationskommission auf den Weg nach Berlin, um mit der deutschen Regierung neben der Er­richtung einer Finanzkontrolle auch über die Stabilisierungsmaßnahmen her deutschen Mark gegenüber zu verhandeln. Welchen Erfolg d-ese Verhandlungen bisher gehabt haben, zeigt uns der neueste Sprung des Dollars von 4600 auf

Wir fragen uns mit Recht: Wo soll dies noch hinführen? Vor allen Dingen scheint es, als ob wir den österreichischen Zuständen uns mit immer größerer Geschwindigkeit annähern. Nur vergesse man dabei nicht, daß im übrigen ein Vergleich zwischen uns und der kleinen Nachbarrepublik an der Donau nicht möglich ist. Für uns kommt weder eine Hilfsaktion des Genfer Völkerbundes noch ein Finanzkontrolleur in Frage, wie für Oesterreich. Hinter den öster­reichischen Zuständen liegen, für uns fast wie ein sagenhaftes Gebilde, die nur noch auf Mil­lionenbeträge lautenden Geldscheine der russi­schen Sowjetrepublik. In Rußland aber besinnt man sich bereits darauf, da-z die Finanzpolitik immer erst in zweiter Linie hinter der Wirtschaftspolitik steht, und wenn Tschitscherin kürzlich bemerkens­werte Aeußerungen getan hat, daß die poli­tischen Argumente des russischen Reiches neben der Roten Armee vor allem in de.m Getreide, dem Holz und dem Naphta zu suchen sind, die der russische Boden hervorbringt, so liegt darin eine Besinnung auf die letzten Kraftquellen eines Volkes, auf die sich Rußland nach so un­erhörten Erschütterungen und Niederschlägen letzten Endes zurückziehen mußte, um von da aus einen neuen Aufstieg zu beginnen. Deutsch­land kann nun weder den Weg Oesterreichs noch den Weg Rußlands gehen. Für beide sind bei uns die Voraussetzungen nicht gegeben, wenn uns auch Rußland zeigt, daß die Schätze des Bodens restlos herausgeholt werden müssen. Wohl aber stehen wir auf Grund unserer in­dustriellen und kommerziellen Verflechtung in die Weltwirtschaft in so engem Zusammenhang mit den anderen Staaten Europas und mit Amerika, daß die deutsche Währungsfrage in weit höherem Maße als bei anderen Ländern eine internationale Sorge darstellt. Gerade dieser Umstand ist es mit gewesen, daß die Re­parationskommission dieser Tage nach Berlin gekommen ist, um mit der deutschen Regierung über die Stabilisierung unseres Wirtschafts- thermometers zu beraten. Dieser Umstand darf uns aber nicht veranlassen, nun die Hände in den Schoß zu legen, und der Entwicklung der Dinge tatenlos entgegenzusehen. Mit verdoppel­ter Anstrengung muß den Reparationsmitglie­dern in Berlin vor Augen geführt werden, wo­hin uns alle Erfüllungsversiicbe ihrer Forde­rungen geführt haben und daß es keinen Aus­weg aus dem Chaos gibt, insofern sich nicht die Entente in der Reparcstmnsfraqe zu einem gründlichen Wandel der bisherigen Taktik ent« schließt. Deutschland braucht zunächst einmal, das ist Grundbedingung, eine lange Atem­pause und während dieser Pause eine an­ständige äußere Anleihe. Letztere können wir aber nur erhalten, wenn das über Deutsch land hängende Damoklesschwert einer unbe­

kannten Leistung beseitigt wird. Es hat alles keinen Zweck über Mark-Stabilisierung und Budgetausgleich zu diskutieren, wenn obige Grundbedingungen als Voraussetzung nicht er­füllt sind Deshalb ist es Pslicht der deutschen Negierung in dieser 5 sicht zu arbeiten, der Dollarstand von 6500 drängt zu doppelter und dreifacher Anstrengung! Das völlige Ebaos ist in merkliche Nähe gerückt das deutsche Volk

^eidet bittere Not!

R. H.

Deutschland zu Reparationen unfähig.

Wien, 4. Rov. Der Berliner Korrespon- d...l derNeuen Freien Presse" berichtet, daß er Gelegenheit hatte, sich von der Stimmung inner­halb der Relchsrealcrung zu überzeugen. Die Nei-bsreaierung habe sich von der Katastrophen­stimmung, die in den Finanzkreisen herrscht, nicht fortreißen lassen. Reichskanzler D r. Wirth äußerte sich in folnender Weise: Es herrscht Panik, eine Panik, die durch die wirk- '^aftlicße Cane Deutschlands in keiner Weise ge- rechkferliak ist, die aber dadurch hervorgerufen worden ist, daß die Verantwortlichen auf der Gegenseite, welche Entschlüsse fassen müßten, sich bisher -n diesen Entschlüssen, zu Taten, die die verhängnisvolle Entwicklung schon längst gefer- dert hätte nicht haben aufrasten können. Das Resultat dieser Entwicklung ist, daß Deutsch­land nicht etwa bankerott ist es ist purer Unsinn, so etwas aufzukisthen sondern, daß es zu Reparationen unfähig ge- worden ist. Deutschland hat auch jetzt noch den ehrlichen Willen, sich zu verständigen, ob es aber später überhaupt noth etwas wird leisten können, hän-t davon ab, ob es möglich sein wird, das Herabsinken der deutschen Währung u bremsen. Denn das kann nicht eindringlich genug gesagt werden: Reparationsleistungen und sinkende Valuta sind nicht zu vereinen.

Die Besprechungen mit S

Berlin, 4. Nov. Die gestrige Konferenz der Neparationskommission im Reichsfinanzmini- sterium, die um 6 Uhr abends begann, dauerte nur verhältnismäßig kurze Zeit. Die Regierung hat sich darauf beschränkt, lediglich einen allge- neinen Plan, nicht die deutschen Vormlöge, zu übergeben. Die Reichsregierung dürfte sich bei diesem Verfahren von folgenden Gesichts­punkten haben leiten lassen: Die Regierung möchte die ausländischen Währungssachverstün- digen hören, bevor sie dazu schreitet, ihren Vor­schlägen eine feste umrissene Form zu geben. Das kann angesichts unserer verzweifelten Lage erst nach langen und ernsten Beratungen ge­schehen. Der gestern überreichte Plan läßt sich in zwei Teile zerlegen: Der eine Abschnitt befaßt sich mit Oer Balancierung der febme« b e n d e n S ch u l d, der andere mit der Sta­bilisierung der Mark. Bekanntlich ist gerade über diese beiden Punkte schon eingehend mit der Reparationskommission gesprochen wor­den und tatsächlich gibt der Plan lediglich eine Zusammenstellung des Niederschlags dieser Be­sprechungen. Die Regierung betont ausdrück­lich, daß eine Stabilisierung der Mark notwen­dig ist. Jedermann weiß, daß als Voraus­setzung für eine Stabilisierung der Mark ein Moratorium und eine im Ausland aufgenom­mene Anleihe angesehen wird. Damit leitet das Memorandum gewissermaßen zu den Vor­schlägen über, die von der Reichsregierung gestern gemacht werden sollten. Am Sonntag wird der Reichsfinanzminister der Reparations­kommission weitere Mitteilungen überreichen, die als Grundstein dieses Planes gedacht sind. Sie beziehen sich auf die Balanzierung des Etats.

Soweit die Mitteilungen, die von zuverlässiger Seite stammen. Eine Nachprüfung an amtlicher stelle war unmöglich. Die Reichspressestelle zieht es vor, eine kleine Anzahl von Blättern zu unterrich­ten, die sich zur Unterstützung der Regierungspolitik vorher haben verpflichten müssen, anstatt die breite steffentlichkeU zu unterrichten und die unabhängige Presse in die Lage zu versetzen, ihren Einfluß zu­gunsten der deutschen Interessen einzusetzen.

DerT a g" berichtet: Der Inhalt der gestern überreichten Denkschrift wurde an Re­gierungsstelle als vertraulich erklärt. Wir haben, nicht zuletzt auf Grund von Mitteilungen aus ' en Reihen der Reparationskommission, Anlaß zu der Annahme, daß der Inhalt der Denkschrift nicht ganz den Erwartungen entspricht, die die Neparationskommission in den letzten Segen in 1 er französischen und englischen Presse zum Aus­druck hat bringen lassen. Alle Gerüchte über be­stimmte Vorschläge der deutschen Regierung, insbesondere über die Forderung einer auswär- igen Anleihe in Höhe von 500 Millionen Gold- nark und über ein Moratorium, sind darauf irückzuführen. daß ähnliche Wünsche oder An­

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regungen aus den Reihen der Reparation-kom» Mission gekommen sind. Diese Anregungen haben aber bisher bei der deutschen Regierung noch kein bestimmtes Echo gefunden, da weder die Beratungen der Sachverständigen noch die­jenigen des Kabinetts schon so weit gediehen sind, daß positive neue Vorschläge der Regie­rung vorhanden wären. Auch derTag" tri« tisierfe die Geheimniskrämerei der Regierung und schreibt: Es ist kein Zeichen von Vertrauen zur eigenen Sache, wenn man sachlichen Kri­tikern von vornherein die Möglichkeit zu einèm positiven Urteil al schneidet.

DasB. T." erklärt: Wie wir hören, steAt Neichsfinanzminister Dr. Hermes die Ueber« reichung weiterer schriftlicher Mitteilungen, die stell auf Einzelheiten des Antrags auf Be- "mffung einer Geldanleihe im Ausland b<« ziehen sollen, für Sonntag früh in Aussicht Die Neparationskommission wird sich heute im Hotel Prinz Albrecht versammeln, um ihrerseits tu der Lage Stellung zu nehmen. Diese Be- wrechungen werden sich vermutlich auch über Scn Sonntag hin ausdehnen. In den Kreisen ser R^p^ "^nskomnussion wird gesagt, daß

rnir wiederum eins

hierbei das Pr-"'

Nolle spielen wird. Die Delegierten sollen ent- :-h(o9en fern. jedenfalls unter sich eine Einigung über die weiterhin zu treffenden Maßnahmen zu erzielen. Ob diese Einigung dann in sofor- stgen Beschlüssen zum Ausdruck kommen wird, äst allerdings zum mindesten fraglich.

Bradbury fordert ..drastische Matz- nahmen".

Paris, 3. Novbr. Der englische Vertreter im Wiederherstellungsausschuß, Sir John Brad­bury, hat in einem Gespräch mit dem Ber­liner Vertreter der Chicago Tribune erklärt, daß Deutschland auf eine internationale

beute eine sehr schwierige Sache. Bei einem Dollarstand von 2000 wäre das noch erheblich 'eichter gewesen. Um eine Lösung des | ir­rigen Problems zu erleichtern, wäre es jedoch unbedingt notwendig, daß der Wiederber- estungsausschuß seinen ständigen Sitz in Berlin nehmet da er dann viel wirksamer mit der beut« scheu Regierung zusammenarbeiten könne. Wenn der Ausschuß nämlich von Paris aus die notwendige Kontrolle ausübe würde, so ent­ständen zwei Gesahren: Einmal könnte Deutsch­land die ihm erteilten Ratschläge als unerfüll­bar ansehen. Würde es sie aber annehmen und dann keinen Erfolg zeitigen, so könnte zum andern dem Wiederherstellungsausschutz die Schuld zugeschoben werden. Die Atmosphäre bei d.n gegenwärtigen Berliner Verhandlungen be- 'eignete Bradbury als nicht ungünstig. Er be- fürchtet aber, Deutschland könnte denselben Weg wie Oe st erreich gehen, falls es dem Wiederherstellungsausschuß nicht gelänge, die Auskunftsmittel zu finden, durch die eine Sta­bilisierung der Mark sowie eine Ausgleichung -es heutigen Budgets angebahnt werden könn­ten. Nach der Meinung Bradburys hätte der Wechsel der englischen Regierung auf die fran« zösische öffentliche Meinung einen günstigen Eindruck gemacht. Der englische Delegierte schil­derte dann Die Schwierigkeit der finanziellen Lage Deutschlands. Als er vor einigen Wochen einen Sanierungsplan vorlegte, hätte man für einen Dollar 2000 Mark erhalten. Heute stehe die Parität 1:6000, und Deutschland borge t ä g» lich 4 Milliarden Mark von der R e r ch s b a n k. Bradbury fuhr wörtlich fort:

Wir haben in Berlin gefunden, daß der Kanzler und der Finanzminister bereit sind, alle Anstrengungen zu machen, um dem Wiederher­stellungsausschuß einen Einblick in die wirkliche Lage Deutschlands zu geben. Wir brauchen die­sen Einblick sehr dringend, da es mir scheinen will, als könnte das deutsche Budget nur d u r ch drastische Maßnahmen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Diese Maßnah­men wollen wir suchen und die Verant­wortlichkeit zwischen dem Wiederher- flellungsausschuß und der deutschen Regierung teilen"

Die fällige Drohung aus Paris.

Paris, 4. Novbr. DerTemps" schreibt, vermutlich inspiriert, zu den Berliner Verhand­lungen: Wenn es der deutschen Regierung nicht möglich wäre, ein annehmbares Programm für die Zahlungen vorzulegen, so habe der Wieder- Herstellungsausschuß weiter nichts zu tun als abzureisen und den alliierten Regierungen das Feld für die notwendige Aktion zu überlassen.

Dollar (10 Ahr vorm.) 6075