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General-Anzeiger

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Amtliches Organ für Stadl- und Landkreis Kanan

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- tmb Feiertags

Ar. 254

Samskag den 28. Oktober

1922

Das Neueste.

- Heute mittag um 12 Uhr finden neue Be- tthingex der Koalitionsparteien und der Deutschen Bolksvartei mit dem Reichswirtschaftsminister 6imibi statt.

Gemäß Beschluß des Fraktionsvorstandes der stjieldemokratiichen Partei tritt die Fra'tion am Monta» zur Beratung über die Verhandlungen mit der Reichsregierun« in der Etabilisierungstraie lusammen.

- Der bayerische Ministerpräsident GrafLercken- seld tat den Entschluß in seinem Rücktritt aus- geivrochen.

Nach derDaily Mail" soll Bonar Law" be- ibsiâtiien Mesopotamien und Paläuina von den kngländern räumen iu lasten.

Demission der itaiien. Regierung.

Rom. 28. Okt. Das Kabinett De Facta ist nach amtlicher Mitteilung endgültig zurückge- lreten.

Nach der inneren Krise in England, die man seit Wochen kommen sah und deren wirkliches Ergebnis sich erst nach den Neuwahlen klar wird erkennen lassen, ist gestern abend, gleichfalls nicht sehr überraschend, die italienische Regie- mng zurückgetreten. Schon vor Wochen sprach Mussolini, der heute mächtigste Mann Italiens, von dem Marsch auf Rom, der im Gange sei. Die Ankündigung konnte doppelten Sinn haben. Sie konnte den Plan einer bewaffneten Be­setzung der Hauptstadt bedeuten, dem nach den bisherigen Erfahrungen wohl kaum emstlicher Widerstand bereitet worden wäre, sie konnte besagen, daß der Führer des Fascis­mus die Uebernahme der Macht oder wenig- stens eine entscheidende Beteiligung an der Re­gierung auf friedlichem Wege erhoffte. Er jprach offen aus, daß ein' Staatsstreich wohl nicht nötig fein werde. Der Kongreß in Neapel aber stellte sich unter Ovationen für den König auf den Standpunkt der Stärkung des monar­chischen Gedankens. Trotzdem die Fascisten im Parlament nur 31 Vertreter haben, sind sie zu einer Mafsenpartei geworden, der ausschlag­gebende Bedeutung zukommt. Giolitti und selbst Nitti haben sich für die Teilnahme an der Re­gierung erklärt. Der achtzigjährige Giolitti gilt als der kommende Mann. Orlando und Salan- bra, der sich ebenfalls eine Brücke zum Fafcis- mus gebaut hat, werden neben oder mit ihm genannt.

Der Rücktritt Factas ist als ein S i e g d e r Fascisten aufzufassen, ob sie nun in dem neuen Ministerium drei ober fünf Sitze erhal­ten, ob die Neuwahlen, wie ihr Generalsekretär fordert, sofort nach dem Zusammentritt des auf den 7. November einberufenen Parlaments er­folgen oder auf das Frühjahr verschoben wer­den. Das erste Kabinett Facta, im März d. Js. gebildet, wurde durch den Burgfrieden zwischen den Parteien begünstigt, der wegen Genua ein- gshalten wurde, der Ministerpräsident selbst er­hielt durch den Vorsitz bei den Genueser Bera­tungen ein gewisses internationales Ansehen. Wer unmittelbar nach Abschluß der Genueser Konferenz begann der Sturm gegen die Regie- uing, der Ende Juli zum ersten Male zu ihrem Rücktritt führte. Die damalige Krise war von den Gegner der Fascisten, den Sozialisten und Populären, herbeigeführt worden, um eine von diesen beiden Parteien getragene Regierung zu Etande zu bringen. Giolitti erklärte damals, daß ein solches Kabinett angesichts der unbe­dingten Entschlossenheit der Fascisten, ihm "Offengemalt entgegenzusetzen, zum Bürger- führen müsse. So wurde die Krise im Sommer nicht radikal gelöst, sondern durch Umbildung des Kabinetts Facta nur hinausge- Wben. Die Gründe und Parteiungen aber, die ne veranlaßten, bestanden weiter.

Wie in allen europäischen Ländern hat die ^iegs- und Nachkriegszeit auch in Italien poli- ulche und soziale Probleme in den Vordergrund gerückt, um deren Lösung ein leibenfdiaftli^er «oinpf im Gange ist. Seine Formen und Ent­wicklungsstufen sind wohl dem südländischen ^èmperament der Italiener und den besonderen Horhältnissen angemessen, andere, als in den ubri9en Staaten, im Kerne ober handelt es sich um die nämliche Auseinandersetzung. Außerhalb es Rahmens der Gesetzlichkeit verfumte eine

dem früheren Sozialisten Mussolini ge- lUyrte Bewegung dem Terror von links, der lich 1920 in der gewaltsamen Besetzung von Fa­lken und Landgütern äußerte, mit wachsen- Erfolge die Gewalt von rechts entgegenzu- l-ven. Straff militärisch organisiert, zu unbe-

Gehorsam verpflichtet, unternahmen dem Vorjahre kleiner und größere Gruppen °nOfciften sogenannte Strafexpeditionen, die

zu Straßenkämpfen, zur Besetzung und Ein­äscherung von Arbeiterkammern, zur tätlichen Bedrohung Andersdenkender, wie erinnerlich noch vor kurzem zu einem nationalistischen Feld­zug gegen das Deutschtum in Südtirol führten. Die leitende Idee des Fascismus ist die Erkennt­nis gewesen, daß die schwachen Regierungen nach Kriegsende der sozialen Zersetzung nicht Einhalt tun konnten, daß eine entschlossene Minderheit das Heft in die Hand nehmen und den Staat mit nationalem Geiste e'' en müsse. Durch stärkere Gewast haben die Fascisten die Gewalt der Sozialdemokratie zerschlagen, den lebten Generalstreik niedergeworfen und die völlige Vernichtung der Sozialdemrck'-"tte auf dem Parteitag in Rom mit herbeigeführt, wo sich die rechtsreformistischen Anhänger der Koa- litionsvalitik unter Turati von den linksgerich­teten Maximalisten unter Seratti trennten, von denen wiederum eine ausgefvrochen Moskauer Gruppe abgefallen ist. Die Frage der Zusam­menarbeit der Rechtssozia''^"n mit der bürger­lichen Demokratie in der Regierung ist von vornherein aussichtslos gewesen und gegenwär­tig ad graecas calendas vertagt. Zu Hundert­tausenden gingen die Anhänger der Arbeiter- pateien zum Fastismus über.

Nach der Unterwerfung des Radikalismus von links wendeten sich die Fascisten dem Kampf gegen die gutorganisierte bürgerliche Mittelpartei der Popolaren zu. Die innerpoli­tischen Spannungen in Italien sind in der letz­ten Zeit durch den Gegensatz zwischen Musso­lini und Don Sturzo, dem außerhalb des Par­laments tätigen eigentlichen Führer der katho­lischen Volkspartei, gekennzeichnet worden. Durch den Rücktritt Factas wird dieser Kampf beschleunigt. In den Neuwahlen, die nach allen Vorhersagen eine große Mehrheit der Fascisten ergeben dürften, wird er vor der Hand

schon bisher der' stärkst

in Italien, so wird er in der nächsten Zukunft zu beweisen haben, ob er außer der Eigenschaft des stürmischen und erfolgreichen Widerstandes gegen soziale Zersetzungserscheinungen, der sich bewußt außerhalb des Gesetzes stellte und einen Staat im Staate bildete, auch die Kraft zu schöpferischem staatspolitischen Aufbau besitzt. Die finanzielle Krise Italiens, das Gesamt­problem der totkranken europäischen Wirtscha<, erfordert ungesäumte Stellungnahme.

Die Veränderungen in England und die Re­gierungskrise in Italien lassen sich beide auf die Formel bringen, daß in beiden Ländern zu­nächst ein Ruck nach rechts eintritt. In beiden Ländern hängt von den Neuwahlen die weitere Entwicklung ab. Es ist verfrüht, von dem Ein­fluß zu sprechen, den eine kommende, von den Fascisten mitbestimmte Regierung auf die zwischenstaatlichen Beziehungen ausüben wird. Einen Anhaltspunkt mag ein Aufsatz Musso­linis imPopolo d'Italia^ bieten, in dem dieser Apostel der nationalen Einheit Italiens, wie er sie versteht (bis zum Brenner), den Wiederauf­bau Deutschlands als von seiner nationalen Einigung abhängig bezeichnet. Die europäische Krise wirft ihre tiefen Schatten auch aus Italien.

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Louis de Facta, der nach dem Rücktritt des Kabi­netts Bonomi und der Ablehnung Orlandos und de Nicolas im Februar 1922 die Regierungsbildung übernahm, ist 1861 in Pinerolo (Piemont) geboren, wo er sich später auch als Rechtsanwalt niederließ. Seit 1892 gehört er ununterbrochen der Kammer an, und zwar als Mitglied der demokratischen Par­tei, für die er Turin vertritt. Dem Ministerium Giolitti gehörte er vom März 1911 bis März 1914 als Finanzmlnister an. Im Kabinett Orlando (1919) war er Justizminister und hatte als solcher nach dem Kriege den ersten Amnestieerlaß vorbereitet. Im Im letzten Kabinett Giolitti war er seit August 1920 nach der Erkrankung Tedescos wieder als Finanz­minister tätig. In seinem Kabinett vom Februar 1922 übernahm er neben dem Präsidium das Mini­sterium des Innern.

Rom, 28. Okt. Da man in Rom den Aus­bruch von Unruhen befürchtet, wurden dort um­fassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Auf verschiedenen öffentlichen Plätzen wurden Trup­penabteilungen mit Maschinengewehren auf­gestellt. In Pisa, wo die Fascisten die allge­meine Mobilisation anordnen, wurde der öffentliche Sicherheitsdienst den Militärbehör­den übertragen. Diese hat die Telegrammzen­sur eingefuhrt und jeden Straßenverkehr nach 9 Uhr abends verboten. Fascisten von Pisa er­klären, daß sie nach Rom marschieren würden, um für Italien die volle Freiheit zu erlangen. Die parlamentarische Lage ist in Rom noch sehr unklar. Es ist bis zur Stunde noch ungewiß, ob das gesamte Kabinett demissionieren oder ob sich der Rücktritt auf einzelne Minister l.- schränken wird. Man rechnet jedoch mit dem Gesamtrücktritt.

Angebliche Atienlalsplüne.

Berlin, 28. Okt. In der Nacht zum Freitag sind von der Polizei im Reichskanzlerpalais und seiner engeren Umgebung umfassende Sicher­heitsmaßnahmen getroffen worden, weil der Polizei Mitteilungen zugegangen waren, daß neue Attentatspläne gegen Reichskanzler Dr. Wirth geplant wären, deren Richtigkeit sich in der Eile nicht mehr hatte feststellen lassen. In­zwischen hat es sich herausgestellt, daß der Brief, der der Polizei die Nachrichten bekannt­gab, von einer übereifrigen Dame geschrieben war, die nähere Mitteilungen zu machen nicht imstande war. Auch die Untersuchungen über die am vergangenen Freitag vom Reichstags­präsidenten Löbe und Dr. Wirth selbst im Reichstag gemachten Mitteilungen über ein angebliches Komplott gegen das Leben des Letzteren, haben noch keinerlei positive Ergeb­nisse gezeitigt. Lediglich hat die Polizei in Hagen i. W. in der vergangenen Woche einen Mann in angetrunkenem Zustande auf der Straße aufgegriffen, der bei seiner Verneh­mung vor dem Polizeipräsidenten in Hagen angab, er sei zu einem Attentat gegen Dr. Wirth gewonnen worden, welches nach ähn­lichem Muster beabsichtigt sei, wie die Ermor­dung Dr. Rathenaus. Trotzdem her Polizeivrä- sident den Mitteilungen des Mannes keinen Glauben schenkte, berichtete er die Unter­suchungsergebnisse pflichtgemäß nach Berlin. Das Berliner Polizeipräsidium veranlaßte hier­auf sofort die Ueberführung des Sistierten per Auto nach Berlin. Aber auch hier konnte der Mann keine Auskunft geben, weder über die Personen, die ihn zu dem angeblichen Attentat gewonnen hätten, noch über irgendwelche Ein­zelheiten des Mordplanes.

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Br babcu am EantWaq ben Standpunkt verirrten, HSIHieW dabei aber nicht so weit kommen, d«ß nun irgend jemand ohne Grund eine Anzeige machen kann und daß sich Polizei-und Regierunarieute zum Spaß haben lassen. Vor allen Dingen sollte zum mindesten eine Untersuchung vorausgehen, ehe man derartige Alarm- meldungen. die nur geeignet sind. (Beunruhigung unter die Bevölkerung zu tragen, in die Welt hinauspofannt

Bayrische Ministerpräfidenkenkrise.

München, 27. Okt. Der Rücktritt des bayeri­schen Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld ist nun­mehr beschlossene Sache. Nach den Donnerstag- beratungen des Wirtschaftsbeirater der bayerischen Volkrpartei und ihrer Landtagsfraktion, die in An­wesenheit von Dr. Heim und des Ministerpräsidenten statlgefunden hatten, nahmen die Fraktionen am Frei­tag vormittag zu dem durch die Wirtschaftspolitik des Ministerpräsidenten und seiner Denkschrift darüber an die ReichSregierung aufgelösten Konflikte Stellung. Noch am Vormittag erschien der Führer der Landtagsfraktion Geheimrat Dr. Held bei dem Ministerpräsidenten; er dürfte ihm über die Stimmung in der Fraktion Bericht erstattet haben. Entsprechend seinem schon seit einigen Tagen fest­stehenden, bereits angedeuteten Entschluß, seinen Rück­tritt zu erkläre», falls er nicht mit der geschlossenen Zustimmung der Partei zu seinen wirtschaftspolitischen Vorschlägen rechnen könne, habe Graf Lerchenfeld sich nunmehr endgültig zum Rücktritt entschlossen; diese Uebereinstimmung war nicht zu erzielen.

München, 28. Okt. Zur bayerischen Minister- vräfiöeutenfrne erfährt die Telunion, daß Graf Lerchen- feld sein RäcktrittLgesuch als Ministerpräsident erst eiu- reichen wird, wenn die Koalitionsparteien über die Frage seiner Nachfolgerschaft die notwendigen Ver­handlungen gepflogen haben, die bis jetzt weaen der Abwesenheit von verschiedenen Parteiführern von München nicht möalich waren. Voraussichtlich wird der bay rische Landtag, der ursprünglich im 14. Novbr. nisammentreten sollte, zumTNov. einberufen werden zur Entgegennahme der Mitteilung vom Rücktritt des Grafen Lerchenfeld und der Vornahme der Wahl seines Nachfolgers. Die gestrige Sitzung der Lan'tags- s> altion der Bayerischen VolkSpartei ist für den Grafen Lerchenfeld sehr günstig verlaufen. Der $iintfter Pi äsident hat sein Ausscheiden aus der Regierung als nicht mehr vermeidbar angesehen.

Die MMelparleien zur Sanierungs- fra^e*

Ferlin, 28. Okt. Bei den Besprechungen der Mittelvarieien mit der Reich regierung wurhe der demokratische Standpunkt in der Sanierungsirage dahingehend präzisiert, daß man sich nicht auf eine Stabilisiere g der Währung beichränken könne die ja dock durch die Paisivität der Handelsbitanz und die Reparationstelsiungen wieder zerrüttet werden müsie, sondern man müsse gleichzeitig sich an die Revarationstrage und die wirtickans- volitiicken Fragen herantreten. Dies lei auch die «rundbedinauna für bieDnteruna eines Teiles des

Eoldmarkichatzes der Reichsbank, der nur dann in Frage komme, wenn eine dauernde Besserung er­zielt werden könne. Der Glaube an eine Ver­ständigung der Parteien in dieser Frage, sei auf» gebaut auf einem positiven Programm.

Abänderuny der Devisenordnung.

Berlin, 27. Okt. Amtlich wird gemeldet: In einer zweiten Ausführungsverordnung zur Verordnung des Reichspräsidenten gegen die Spekulation in ausländischen Zahlungsmitteln vom 12. Oktober 1922 ist die Frage der Anwen­dung dieser Verordnung aus laufende Verträge dahin entschieden worden, daß die Gültigkeit laufender Verträge unberührt bleibt, und die vereinbarte Zahlung in ausländischen Zah­lungsmitteln zulässig ist, sofern sie bis zum 15. Dezember 1922 zu erfolgen hat. Wenn sie zu einem späteren Zeitpunkte zu erfolgen hat, so ist sie in Reichswährung zum Kurse des Fällig­keitstages umzurechnen. Wenn die Zahlung be­reits in Reichswährung erfolgt ist, so hat es damit fein Bewenden.

Erleichterungen find im Hinblick auf die Ge­schäfte mit dem Auslande insofern geschaffen worden, als einmal Geschäfte über Lieferungen aus dem Auslande und auch der erste Umsatz der aus dem Auslands eingeführten Waren ausgenommen worden find. Desgleichen find Praoisionsgefchäfte bei der Ausfuhr und ge­wisse Dienst- und Werkverträge, bei denen die Erfüllung im Auslande zu erfolgen hat. ferner Frachtgeschäfte über im Auslande befindliche oder zwischen dem Ausland und dem Inland oder umgekehrt zu befördernde Güter und ge­wisse Versicherungsgeschäfte von dem Verbot in Paragraph 1 öer Verordnung ausgenom­men. Für Firmen, die solche Zahlungen zu leisten haben, kann auch von der zuständigen Handelskammer die notwendige Bescheinigung ausgestellt werden, so daß von der^Vorprüsung

Ein weiterer Ausbau der Devisenverordnung und ihre baldige gesetzliche Regelung sind in Vorbereitung.

Diese Ausführungsbestimmungen decken sich in den wesentlichsten Punkten mit den Vor­schlägen der bürgerlichen Arbeitsgemeinschast, die in der Parteisührerbssprechung zur Devisen­srage gemacht worden sind.

Die Fräste der Siriersschuld.

Paris, 27. Okt. Die französische Liga für Menschenrechte ist erneut an die französische Regierung mit der Bitte herangetreten, die offi­ziellen französischen Veröffentlichungen über den Kriegsausbruch, die bisher drei Bande um­fassen und die Entwicklung der Weltlage vom 1. Januar 1912 bis zum 1. August 1914 be­leuchten, durch rückhaltlose Oeffnung der fran­zösischen Archive zu ergänzen. Das öfscntliche Gewissen werde so heißt es in der Vegrün- oung der Eingabe erst dann befriedigt sein, wenn alle Dokumente in ihrer authentischen, unverkürzten Fassung wiedergegeben würden und wenn die Zusammenstellung der Texte, wig dies in Deutschland geschehen sei, einem Aus­schuß von Männern anvertraut werde, die durch die Sicherheit ihrer wissenschaftlich,en Methode und ihre Unabhängigkeit qualifiziert seien. Im Gelbbuch von 1914 sei nach einer verwerflichen Methode mehr als ein wichtiger Text ausgelassen oder verstümmelt worden.

Es wäre dankenswert, wenn die französische Liga für Menschenrechte sich auch um das Schicksal des seit langer Zeit angekündigten zweiten Bandes desLivre Noir" bekümmerte, der wichtige Enthüllungen zum Kriegsaus­brüche enthalten soll. DasLivre Noir" ver­wertet bekanntlich von der Sowjetregierung zur Verfügung gestellte aufsehenerregende Dokumente der russischen Archive zur Ent­stehungsgeschichte des Krieges.

Kein Srgehttis bet Lohnverstnndlung«» mit bett Reich-arbeitern. Die int Reichsfuiam- winifterium geführten Verhandlungen über die gefor­derte Erhöhung der Rcichsarbetterlöhne sind ergebnis­los abgebrochen worden. Während der Vertreter des Deutschen En'enbahnerverbande» (freigeh,.) als Wort­führer sämtlicher Spitzcnorganisatloncn eine Stunden» lodnerböoung von 50 Mark gefordert hatte, war von NeglerungSfeUc nur folgendes angeboten worben: Auf die Eeptemberlölme eine Zulage von 5 Mk. für die Ze>t vom 1. bis l-\ Oktober, weitere 5 Mk. ab 16. dis 81. Oktober und ab 1. November eine weitere Lohnzulage von 12 Mk., so dast sich der Stundenlohn im November insgesamt um 22 Rik. höher stellt al« im September. Von den Arbeitnehmern würbe dieses Angebot bet Steuerung als unzureichend «diclehnt, s» oag die Verhandlungen sein Ergebnis hatten.

Dollar (10 Uhr norm.) 4000