Hanauer W Anzeiger
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General-Anzeiger
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Ar. 251
Mittwoch den 25. Oktober
1922
Das Neueste.
— Der Reichstag vertagte sich gestern bis zum 7. November.
— Die Erhöhung des Getreideumlagepreises ist gestern in dritter Lesung angenommen worden.
— Nachdem der Reichtag gestern das Gesetz über die Verlängerung der Präsidentschaft Ebert angenommen hatte, erklärte sich der Reichspräsident mit der Verlängerung seiner Amtszeit einverstanden.
— Die Reichspostverwaltung hat dem Ver- kehrsbeirat die Unterlagen zu einer am 1. Dezember 1922 eintretenden Erhöhung im Brief-, gernsprech- und Paketverkehr unterbreitet.
— In dem Verfahren gegen den Schriftsteller Dr. Stein erkannte der Staatsgerichtsbor auf Freisprechung, während der Kapitänleutnant Dietrich eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten erhielt.
— Die Reparationskommission hat gestern beschlossen, am kommenden Sonntag nach Berlin zu fahren, um mit her deutschen Regierung die Maßnahmen zu besprechen, die sie zu ergreifen für notwendig erachtet.
Reichslags-Pauss.
Die vertagte Krisis.
Der Reichstag hat gestern die ursprünglich vorgesehene Verhandlungspause bis zum 7. November eintreten lassen. Er hinterläßt eine völlig ungeklärte Lage und es wird nun Sache der Parteiführer sein, bis zum Wiederzusam- mentritt des Parlaments, die vorläufig noch sehr verworrenen Verhältnisse zu klären. Wie völlig ungewiß die Lage ist, beweist am besten der Ausklang der Reichstagstagung. Der Reichskanzler hatte am Montag bett Parteiführern für gestern eine öffentliche Erklärung in Aussicht gestellt, die die wichtige Frage der sogenannten Reparationsleistungen aufrollen sollte. Man glaubte, daß mit jenem resignierten Worte, mit dem schon so viel Mißbrauch getrieben worden ist: „Weiter gehts nicht mehr!" endlich Emst gemacht werden sollte. Jeder fühlte es. Verzweifelt suchte noch das Auge den Weg ab, der auf der Bahn der bisherigen Entwicklung weiterführt, doch nur ein Abgrund voller Grauen gähnte ihm entgegen und nur ein einziger Weg zeigte sich noch als offen: unter Zusammenfassung aller politischen und wirtschaftlichen Kräfte des deutschen Volkes Trotz bieten dem Verhängnis von Versailles. Man glaubte, daß etwas derartiges aus dem Munde des Reichskanzlers ertönen werde, — doch vergebens. Die Disposition war bereits wieder über den Haufen geworfen und der Reichstag beeilte sich zu verschwinden, ohne in die Aussprache einzutreten, die Dr. Wirth schon Ende der vorigen Woche als notwendig bezeichnet hatte. Und dabei wissen wir alle, daß es so nicht weitergehen kann. Nur noch wenige Schritte auf dem bisherigen verhängnisvollen Wege und es ist um uns als Volk und Nation geschehen. Die Entscheidung liegt nicht nur bei unseren Feinden, obschon in der Reparationskommission der Streit um unser Letztes, unsere nackte Existenz, als souveränes Volk, aufs heftigste tobt, nein, die Entscheidung liegt auch bei uns. Wir müssen dem Ernst der Lage voll ins Gesicht schauen und endlich das Muß! finden, das allein der Not des Rolkes ein Ende bereiten kann: — Los von Versailles! Das Zentrumsorgan, die „Germana" hat recht, wenn es schreibt: „Der Versailler Vertrag ist die Quelle unseres Unglücks". Aber es muß auch danach gehandelt werden.
Aber auch in den übrigen innerpolitischen Fragen, über die wir gestern an dieser Stelle berichteten, ist keine Klarheit geschaffen worden. Man ist zwar der Krisenluft aus dem Wege gegangen, hat sie aber nicht zu beseitigen vermocht. Rei dem Gesetz über die Getreideumlage 'st die Koalition getrennt marschiert — Sozia- uften und Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft haben gegeneinander gestimmt. Das wäre an sich nicht so schlimm, denn schon bei früheren Gelegenheiten sind Meinungsverschiedenheiten vorhanden gewesen, die nachher doch wieder beigelegt wurden. Nur scheint jetzt der bisher lnuner noch zugedeckte Gegensatz zwischen den Grundprinzipien der freien und der vom Staate regulierten Wirtschaft allmählich stärker hervor- zutreten. Wenn sich die Sozialdemokratie noch langen Verhandlungen auch mit dem Reichs- lanzler zunächst zur Fortsetzung der Koalition Entschlossen hat, so will sie doch nach ihren bisherigen Ankündigungen die Regierung zu einer programmatischen Stellungnahme drängen, die van sozialistischen Wünschen entsprechen soll. Es wurde sich dabei um das Weiterschreiten auf Gilvin der neuen Deviienordnuna einaefcbla-
genen Wege handeln, also um Maßregeln zur Stützung der Mark und um schärfstes Einschreiten gegen die Spekulation und das Aufspeichern von Devisen. Die Forderung, ein wertbeständiges Anlagepapier zu schaffen, ist insofern der Verwirklichung nähergerückt, als, wie wir erfahren, ein Beschluß des Kabinetts zur Ausgabe von auf Dollar oder Goldmark lautenden Schatzwechseln vorliegt, wenn man auch die Publikation noch verzögert. Außer diesen wäh- rungsvolitischne Forderungen stellt die Sozialdemokratie solche in der Ernährungsfrage. Scharfe Erfassung der im Inland erzeugten Lebensmittel wird, wie schon gestern berichtet, verlangt. Diese Wünsche stoßen nun bei den drei Parteien der neuen Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft auf geringe Sympathie. Nach den enttäuschenden Wirkungen der Devisenordnung ist man zu neuen Versuchen in der selben Richtung wenig geneigt. Dem Drängen nach stärkerer Bindung der Wirtschaft stellt man entgegen, daß es heute nötig geworden sei, vor allem an die Hebung der Produktion zu denken und zu diesem Zwecke die wirtschaftlichen Kräfte freier zu machen. Der Achtstundentag begegnet in seiner rigorosen Durchführung wachsender Kritik. Und da auch innerhalb' der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft der Regierung eine programmatische Stellungnahme nahegelegt wird, so befindet sich das Kabinett zwischen zwei Tendenzen, die nicht eben leicht in einer Formel unterzubringen sein dürften.
So liegen die Dinge bei Beginn der Verhandlungspause des Reichstages — sie sind verworren und zerfahren und das in einem Augenblick, wo sich die Reparationskommission anschickt nach Deutschland zu kommen, um über die Finanzkontrolle zu verhandeln . . .
Eine Währungskonferenz in Berlin.
Die Reichsregierung hat eine Reihe hervorragender Finanzsachverständiger des Auslandes nach Berlin eingeladen, um mit ihnen darüber zu beraten, welche Maßnahmen für eine Stabilisierung der Währung bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Deutschland ergriffen werden können. Die Beratungen werden in kürzester Frist stattfinden.
Wie der „Lokalanzeiger" hierzu noch mitteilt, handelt es sich bei den Sachverständigen des Auslandes vor allem um neutrale und unparteiische Fachleute, wie um den Engländer Keynes, den schwedischen Professor Cassel und die Holländer Termoilen und Bissering.
Berlin, 25. Okt. Im Verlaufe der nächsten Tage sollen weitere Aussprachen der Reichsre- gierung mit Banken und anderen Sachverständigen stattfinden. Ein Ausgleich der Meinungsverschiedenheiten zwischen Reichswirtschaftsund Reichsfinanzministerium ist zu erwarten. Die Kabinettsberatungen werden heute fortgesetzt. Ein neuer Besprechungstermin mit den Parteiführern ist noch nicht bis zur Stunde festgesetzt.
Die Reparalionskommission kommt nach Berlin.
P ari s, 25. Okk. Hier wird beranntgezeben: Die Reparationskommission hat in ihrer gestrigen Sitzung den Beschluß gefaßt, in ihrer Gesamtheit am kommenden Samstag nach Berlin zu fahren, um mit der deutschen Regierung die Maßnahmen zu besprechen, die sie zu ergreifen für notwendig erachtet. Die Kommission, die von Barkhou geführt werden soll, wird am Sonntag
in Berlin eintreffen.
Paris, 25. Okt. Die Reparationskom- ..... „Petit Parifien" er- isdauer von § b i s
Mission rechnet, wie der
fährt, mit einer Aufenthalt:.________
14TageninBerlin. Es sollen alle irgendwie nötigen Informationen eingeholt und mit der deutschen Regierung gründliche Verhandlungen geführt werden. Dem genannten Blatt zufolge, ist diese Entscheidung als ein Kompromiß zwischen den englischen und ftanzösischen Vertretern nach der Erschöpfung der Aussprache über die beiderseitigen Projekte aufzufassen. Der englische Plan hatte eine mehrjährige Befreiung des deutschen Budgets von den Reparationslasten, Stabilisierung der Mark, sowie die Uebersiedlung der „Repka" nach Berlin gefordert. Das französische Projekt verlangte eine verschärfte Kontrolle des Garaniekomitees über die Einnahmen und Ausgaben des Deutfchen Reiches. Dagegen soll jeder Zahlungsaufschub bis zur Brüsseler Konferenz aus der Diskussion ausgeschlossen werden. In der Debatte machten die Engländer geltend, daß eine derartige Kon- IroSe nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht ohne Einwilligung Deutschlands möglich sei und Bradbury erklärte den Fran- wfen schliesslich: Mir akrevkiren diese Kontrolle
nur dann, wenn ihr eiverslanden seid, darüber mit Deutschland zu verhandeln, anstatt ihm eine solche aufzuzwingen. Die französischen Vertreter erklärten sich daraufhin bereit, eine Reise nach Deutschland zu unternehmen und mit dem deutschen Reichskanzler zu verhandeln, umiomehr, als hier die Ansicht herrscht, daß Dr. Wirth und seine Mitarbeiter sich der Einrichtung einer gewissen Kontrolle über das deutsche Budget nichtwidersehen werden.
Wir hoffen, daß die zuletzt erwähnte Ansicht über den deutschen Reichskanzler nicht zutrifft, denn wer in einem Staate die Kontrolle ausführt, bestimmt auch die Einnahmen und Ausgaben und damit auch die Politik, denn die Beamtengehälter, die Arbeiterlöhne, die Preise für das Ilmlagegetreide, die Zölle, die Ausgaben für Gesandtschaften und Konsulate sind Fragen, die meist mehr mit der Politik als mit dem Haushalt zu tun haben, und Vorschriften in diesen Fragen wären Mittel, um unsere innere und äußere Politik zu hemmen und zu binden. Der Garantieausschuß könnte eine Klasse bevorzugen und die andere benachteiligen. Ungeschicklichkeit und böser Wille Lunten unseren ganzen Staat in Trümmer legen. Kurz: Berlin würde eine Filiale von Paris.
Frankreich will deutschen Stickstoff.
Paris, 24. Okt. Im Ministerrat erstattete ^oincnré Bericht über die auswärtige Lage. Auf einen Vorschlag des Landwirts-boitsmini- ^ers beschloß der MinCterrat, unter den von Deutschland m verlangenden Naturalliefer,innen auch deutschen Stickstoff für die französische Landwirtschaft zu verlangen.
Noch ein Lieferunas-Abkommen
Berlin
gemeldet:
Der Reichskanzler empfing gestern nachmittag die Vertreter des Aktionskomitees für die zerstSrlcii Gebiete Nordfrankreichs. Anlaß des Besuches war der Ab- 'chlnß eines Abkommens zwischen dem Aktionkrmitce und dem Verbände der soziale« Baube- triebe über Materiallieferungen für die zerstörten Gebiete Nordfrankreichs. Dr. Wirth wies daraufhin, daß er heute wie von jeher auf dem Standpunkte stehe, daß Deutschland alles tun müsse um die klaffende Wunde in Nordfrankreich zu heilen. Er betonte jedoch, daß wenn dem Sturz der Markwährung kein Halt geboten werde, so könne auch die Lösung der Wiederaufbausragen durch Naturalliefcrungcn unmöglich gemacht werden. Außerdem müsse in der Rodlenfrage eine Einigung erzielt werden, in der neue Schwierigkeiten entstanden seien durch d,e Steigerung der monatlichen Kohlenförderungen feiten» der Reparations- Kommission.
Die Lage der -eulschen Land» Wirifchajt.
Berlin, 25. Okt. Der geschäftsführende Vorsitzende des Reichsausschusses der deutschen Landwirtschaft, Edler von Braun, empfing gestern die Vertreter der Presse und machte ihnen gegenüber folgende Ausführungen über die augenblickliche Lage der deutschen. Landwirtschaft:
Mit Recht macht man sich an den maßgebenden Stellen die größten Sorgen, wie die .Ernährung der Bevölkerung nach dem ungewöhnlich schlechten Ausfall der Getreideernte durcygesuhrt werde soll. Die Landwirtschaft ist der Anschauung, daß die von der Regierung geplanten Maßnahmen das Gegenteil von dem erreichen werden, was bezweckt ist. Das Hilfswerk der Landwirtschaft hat bereits zu einer starken Jntenfidierung derselben geführt. Phosphate find nur in viel zu geringen Masten verwandt worden. Wenn der Erfolg nicht den Erwartungen entspricht, so war nur der ungewöhnlich schlechte Sommer daran schuld. Kreditnot und Kapitalmangel machen sich immer stärker geltend. Wenn die Landwirtschaft fähig bleiben soll, so ist die Durchführung der Getreideumlage zu den in Aussicht genommenen Preisen nicht tragbar. Wenn die Befürchtungen der Landwirtschaft eintreffen, so werden im kommenden Jahre zur Sicherung der Volksernährung etwa 3 Millionen Tonnen Auslandsgetreide eingeführt werden müssen, die einen Preis von ungefähr 500 Millionen Papiermark haben werden. Wenn sich nicht die Wirtschaftslage entscheidend ändert, werden wir hierzu nicht in der Lage fein und gleich Oesterreich bei den anderen Nationen betteln gehen müssen. Die Ernährung der minderbemittelten Bevölkerung muß von den Schultern der Landwirtschaft auf traafäbiaere Stände abaewülzt werden. I
Zwei neue Prozesse vor dem Slaaisgerichlshos.
Der Staatsgerichtshof in Leipzig trat gestern wiederum zusammen, um zwei weitere Prozesse zu erledigen. Zuerst wurde gegen den Kaufmann Gustav Goethe aus Halle wegen Beleidigung des Reichspräsidenten und der Minister verhandelt. Der Anklage lag als Tatbestand zugrunde, daß Goethe in einer Versammlung der nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Halle impulsiv ausgerufen hatte, die Regierung bestände aus „Lumpen" und „Schiebern". Erzberger sei schon im Jenseits. Wenn er den Auftrag stekomme, Ebert, Scheidemann, Wirth und Rathenau umzubringen, werde er es sofort tun. — Der Angeklagte gab im allgemeinen die Aeußerungen zu, er wolle aber nur gesagt haben, daß die Regierung zum Teil aus Schiebern und Lumpen zusammengesetzt sei. — Das Urteil lautete aufneunMonateGefäng- n i s.
Die zweite Verhandlung richtete sich gegen den Schriftsteller Dr. jur. Hans Wilh. Stein aus Burg Saaleck und den Kapitänleutnant a. D. Wolfgang Dietrich aus Erfurt. Dr. Stein wird beschuldigt, den beiden Rathenaumördern Kern und Fischer Unterkunft auf Burg Saaleck gewährt zu haben. Kapitänleutnant Dietrich soll im Turm der Burg für die Mörder Kleidung niedergelegt haben. — Der Angeklagte Dietrich, der den Weltkrieg mit Auszeichnung mitgemacht hat, ist mit Dr. Stein zuerst auf der Rudelsburg zusammen gekommen. Er könne nicht behaupten, daß Stein mit Kern bekannt gewesen sei. Ob er mit Fischer Beziehungen gehabt habe, wisse er nicht. Er bestritt, dem deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund und her Organisation Consul angehört zu haben. Mit Kern habe er früher gute Kameradschaft
reicht, in dem sich Kern auf die „alten güten Beziehungen" berief und ihn a'Ufforderte, zwei Anzüge nach her Burg Saaleck zu bringen. Am Schlüsse des Briefes habe es unverhohlen geheißen, daß Kern und Fischer in diesen Anzügen die letzte Rettungsmöglichkeit erblickten: im weiteren hätte in dem Brief das Wort „Konsequenz" eine große Rolle gespielt. — Der Vorsitzende fragte Dietrich, ob er gewußt habe, daß die Hilfesuchenden die Rathenaumörder seien. Dietrich gab zu, die Namen aus der Zeitung gekannt zu haben. Er stellte sich aber auf den Standpunkt, daß, wenn er von einem Kameraden um Hilfe in Not gebeten würde, er sie nie versagen würde. Dietrich erzählte dann weiter,
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wie er die Kleidungsstücke in der Nacht nach der Burg Saaleck zu bringen versuchte, was aber nicht gelang. Er betonte weites daß er Fischer ..icht gekannt habe.
Es folgte dann die Vernehmung des Angeklagten Dr. Stein, der über die Verhältnisse auf der Burg Saaleck Auskunft gab. Er ist Herausgeber der Zeitschrift „Berg, Burg und Wald". Er hat sich früher in der Deutschnationalen Volkspartei und später in der Deutschen Volkspartei betätigt. Er erklärte, daß er den politischen Mord verabscheue, Stein behauptete, daß die Rathenaumörder am Blitzableiter den Weg in die Burg gefunden haben mühten. Er blieb auch bei dieser Behauptung, als ihm vom Vorsitzenden deshalb Vorhaltungen gemacht wurden. — Senatspräsident Dr. Hagens hielt dem Angeklagten Stein vor, es sei auffällig, daß er erst zum Besuch seiner Mutter nach Berlin habe fahren wollen, aber dann plötzlich nach München gereist sei. Stein erklärte das damit, daß er öfter „etwas sprunghaft" sei. Bei seiner Rückkehr nach Burg Saaleck fei er und seine Frau aufs äußerste betroffen gewesen, auf eine Postenkette von Polizeibeamten zu stoßen und zu erfahren, daß in ihren Räumen die Rathc- naumörder hausten. — Der Reichsanwalt nahm den Angeklagten wegen verschiedener Widersprüche ins Verhör.
Das Urteil gegen Kapitänleutnant Dietrich lautete wegen Begünstigung der Rathenaumörder auf fechs Monate Gefäng - n i s. Der Angeklagte Dr. Stein wurde freigesprochen.
Aus der Urteilsbegründung ist hsrvorzu- heben, daß der Staatsgerichtshof bei Dietrich eine Begünstigung im Sinne des § 5,1 der Verordnung zum Schutze der Republik angenommen habe. Mildernd fei berücksichtigt worden, daß Dietrich nicht aus unedlen Motiven gehandelt habe. Dr. Stein ist nach Ansicht des Gerichts wahrscheinlich völlig unschuldig. Ueber den Antrag auf Entschädigung der Untersuchungshaft für ihn wird noch ein besonderer Beschluß. gefaßt werden.
Dollar (10 Mr vorm.) 4500