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Genenü-Mzeiger
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Nr. 243
Monlag äsn 16. Oktober
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1922
Lloyd George verteidigt sich.
Sine A«schuldig«ng gegen Frankreich. - Große Erregung in Frankreich
Lloyd George verteidigt sich.
London, 14. Oktbr. Lloyd George ist heute nachmittag um %1 Uhr in Manchester angekommen. Er begab sich sofort nach dem Hause des Reformklubs, wo er einem ihm zu Ehren gegebenen Lunch beiwohnte. Beim Nachtisch hielt er dann seine angekündigte große politische Rede, die der Sonderkorrespondent des Temps wie folgt zusammenfaßt: Lloyd George erklärte zunächst nachdrücklich, daß seine Regierung zu keiner Zeit die Absicht gehabt habe, England in einen Krieg zu stürzen. „Wir sind", so sagte er wörtlich, „keine kriegerischen Leute, sondern Pazifisten." Lloyd George beklagte sich dann über die Kritiken, deren Gegenstand die Koalitionsregierung seit einiger Zeit in England wäre. „Die jüngsten Verhandlungen sind in einer Weise geführt worden, wie sie i n der Geschichte ohne Beispiel sind. Die Regierung ist in der Tat während der ganzen Dauer der Verhandlungen über die Orientfrage mit Verleumdungen überhäuft worden. Das Land wird das Urteil finden." Lloyd George verwies ferner auf die Rede Chamberlains in Birmingham und drückte feine Genugtuung über die treue Haltung feiner Ministerkollegen wie folgt aus:
„In der Orient frage haben wir drei Ziele verfolgt: Aufrechterhaltung der Freiheit der Meerengen, Bewahrung Europas vor einem Kriege und den Schutz Konstantinopels. Seit 1914 haben die Türken nach offiziellen Zahlen, 1H .Millionen Armenier und Griechen niedergemetzelt. Lloyd George kommt auf die politische Lage zu sprechen und greift die Liberalen heftig an, besonders Lord Gladstone. Die liberale Auffassung, wonach England nicht in einen Krieg zwischen Türken und Griechen einzugreifen habe, wäre bedauerlich. Sie entspräche nicht der Doktrin Gladstones. Der Vorwurf, wonach seine Regierung Bluff getrieben habe, müsse entschieden zurückgewiesen werden. Mit den Kemalisten wäre kein Bluff möglich. (?) Den Türken gegenüber wäre eine ernste Sprache am Platze. Darum wäre der Friede gewahrt worden. Man habe ferner seiner Orientpolitik den Vorwurf gemacht, sie laufe der alten Diplmatie zuwider. »Desto schlimmer", erklärte er, „für die alte Diplomatie. Sie hak den schlimmsten Krieg, den die Welt je gesehen hak, auf dem Gewissen. Unsere Diplomatie hat dagegen den Frieden ge- wahrt. Geheime Abkommen waren schon da, als ich Ministerpräsident war. Wir mußten unsere Plilik umgießen, das ist uns auch gelungen."
Weiter sagte er, es wäre ihm mitgeteilt worden, er solle alles wie ein Christ ertragen. Er wäre jedoch nicht von der Sorte Christen, die sich niedermachen ließen, ohne sich zu wehren. Solange er ein Schwert in der hand habe, und Dott ihm die Kraft gebe, es zu gebrauchen, werde er es gebrauchen. Sowohl die Marine- als auch die Militärratgeber der Regierung hätten erklärt, daß die Freiheit der Meerengen für den friedlichen Handel nicht gesichert werden könne, wenn nicht beide Ufer gehalten würden. Die Türken rückten vor, die Franzosen öagensichzurück und die Italiener folgten ihnen dicht auf den Füßen nach. Angenommen, England wäre bescheiden hinter Frankreich hergegangen, dann würden die kemalistischen Streitkräfte Tschanak besetzt haben. Das Nächste, was geschehen wäre, würde die Überschreitung der Meerengen gewesen sein. Gallipoli werde von einem sehr schwachen senegalistischen Ba- iaillon gehalten, das Befehl hatte, nicht auf die Türken zu schießen. Beide Seiten der Meerengen wurden sich in der Hand der Kemalisten befunden haben. Würde man sie wieder her- ousbekommen haben? Man wisse, was ein der- ortiger Versuch bereits einmal gekostet habe.
war von feiten der Kritik gefragt worden, weshalb die Regierung keine Vereinbarung mit den Alliierten getroffen habe. Lloyd George fuhr fort: „Wir hatten eine Vereinbarung. Erst vor einigen Wochen erhielten wir eine Mitteilung von ber Französischen Re- 9>erung, daß, wenn die Griechen oder Türken in die neutrale Zone eindrängen, diesem mit bewaffneter Gewalt von den Alliierten ent- gegengetreten werden müsse. Wir haben dem Gestimmt, wir glaubten, sie meinten es ehr- "ch. Wie konnten wir denken, daß es nur für *è Partei bestimmt war? Nicht nur wir dach
Bradburys Moralormmsvorschlag.
Lchatzschcin« statt Barzahl»!,g«n.
Paris, 14. Okt. Der Wiederherstellungs» «««schütz veröffentlicht die amtliche Mitteilung über den Vorschlag Bradburys. »ir Joy« Bradbury hat dem SluSschust (wie bereits am Samstag angekündizt. D. Red.) einen umfassenden Plan vorgeschlageu, der die deutsche Regierung instand setzen soll, ihren Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen und die Mark zu stabilisieren. Seine Vorschläge find die folgenden:
1. den deutschen Haushalt fast ganz der aus dem Friedensvertrag hervorgegangtueu Lasten zu entledigen, und zwar für zwei, vielleicht sogar für vier Jahre dadurch, bag Deutschland die Möglichkeit verschafft wird, zur Deckung seiner Lasten Kredite zn erhalten;
2. den K « r 4 derMark durch eine Vereinbarung festzusetzen, derzufolge die Ste i ch S- bank Gold von einein gemischten AuSschutz bestimmten Kreisen gegen Papiermark verkaufen kann;
3. den WiederherstellnngSans- sch « tz zu reorganisier«« und seine ttebcrfiedluug nach Berlin zu vollziehen.
Die Begründung des Vorschlags wird in einer weiteren Veröffentlichung toiebergegeben, in der eS heißt: „Der Plan einer Stabilisierung der Mark durch Verkauf von Gold zu einem festgesetzten Preis ist nur möglich, wenn die Reichsbank der èer« »fllchtung enthoben wird, neue Kredite zu schaffen durch die Zwaugsdikkontierung von Schatzbond», die lediglich der Deckung der Regierun, Sausgaben dienen. Wenn auf dsise Weise ein neuer Anwachsen der schwebenden Schuld verhindert werden kann, dürfte die Stabilisierung der Mark zu einem viel höheren Kurse als dem gegenwärtigen lau« «WtalM* «schauer igle»«» begegnen.
Eine ein fache Aufhebung der Zahlungen in aur- ländischen Devisen würde heute nicht ausreichen, um die notwendige Erleichterung zu schaffen; denn die rasche Steigerung der innerdeutschen Preise erhöbt jeden Tag die in Papiermark ausgedrückte Last, die im Butgct die Sachlieferungen darstellen. Nach der Ansicht Bradburys steht man daher vor der Wahl, entweder die Barzahlungen völlig und die Eachlicfcr- ungen fast völlig für einen beträchtlichen Zeitraum aufzuhcbcn oder aber eine Regelung zu treffen, die der deutschen Regierung Einnahmen zur Deckung ihrer Verpflichtungen aus dem Fricdenrvertrag verschafft, ohne die schwebende Schuld zu vermehren. Bradbury schlägt vor:
Die Gläubiger machte erklären sich bereit, die deutschen Schatzbonds in Höke der jener betreffenden Macht zustehenden Betrages zu garantieren. Die Mächte mit Anspruch auf Barzahlungen nehmen an deren Stelle bie auf 5 Jahre auS= gestellten Bonds und verwerten sie unter eigener Garantie. Die Mächte, die Sachlieferungen beziehen geben ihre Garantie für deutsche Bonds in Höhe de» Werte» der Lieferungen. Die deutsche Regierung hat selbst das Recht, diese Bond» zu handeln. Die Bond» wären tn Gold oder in der Währung bei garantierenden Staate» zahlbar. Die Kommission würde sich das Recht vorbehalten, zil verlangen, daß die Kosten der Llejerungen zum Teil auf das deutsche Budget ab- gewälzt würden. In diesem Falle hätten die Mächte, die solche Lieferungen erhalten, die Bond» nur in prozentualer Höhe des nicht vom deutschen Budget getragenen Gesamtbeträge» zu garantieren. Die Regelung würde zunächst für 2 Jahre wirksam sein. Der WiederhcrsteLungèankschuß hätte jedoch das Recht, sie nach Maßgabe der Notwcndizkeiten auf 2 weitere Jahre zu verlängern. Die alliierten Regie- rangen würden ersucht, sich zu verpflichten, vor Ablauf der Regelung die Gejamtsrage der deutschen Zahlungsverpflichtnugcn auf Grund bei Fricdenrver- tmgeS einer Prüfung zu unterziehen, um sie dauernd der deutschen Zahlungisähigkeit anzuhassen und ihre Liquidierung mit Hilfe einer Reihe von ausländischen Zahlungsmitteln in bie Wege zu leiten.
Die sranzöfischePrcffr gegen d. Bradburyschen Entwurf.
Paris, 16. Oktober. Auf das Projekt Bradbury» wird die französische Abordnung in der RepareNonk- fammiffian mit einer Denkschrift antworten, die, wie man annimmt, am kommenden Freitag überreicht wereen wird. Zn Pari» hat der Braddurysche Entwurf, wie zu erwarten war, eine schlechte Presse, trotz einer gewissen Zurückhaltung, bie namentlich offiziöse Blätter, wie der „Temps" sehr deutlich er« tarnen lassen. „Jnformatwn" schreibt, daß Deutschland selbst niemals gewagt hätte, eine derartige Unter« ft e 1I u n g der Versailler Vertrage», wie in dem Bradburyschen Vorschlag, zu verlangen und »aß überbicS bie Rcparalwnskommisfion nicht d«r»fe» sei, Aenderungen jenes Vertrages vorzuschlagen ober in bie- Frage der interalliierten Schulden einzugreifen. „Petit Journal" crNärt: Die Hauptrolle im Brud- vuryschen Vorschläge spielt da» Syßem der deutsche« Guisaeine, »ie von dem Land, das Sachliefernngeu erhaiic, ^lautiert werden solle«. Da Frankreich bald dar einzige Land fein wir», dem solche Sachlicferunge« znlownitn, wird dar bedeuten, daß Frankreich auch allein die Gutscheine Dcutschlandz an Sie Licseranten garantieren und bei eintretenber Zahlungrunfähigkeit Deutschlands bezahlen müßte.
ten so, auch die Generale glaubten es, und von den verschiedenen alliierten Generalen wurden Truppen entsandt, die dann wieder zurückgerufen werden mußten." Die Türkei wäre fast vollständig aufgeteilt gewesen durch Uebereinkommen mit verschiedenen Mächten, bevor er Premierminister geworden wäre. Er selbst Habe dieser Politik zugestimmt, und er habe daher kein Recht, Asquith und Grey zu kritisieren. Er müsse jedoch zugestehen, daß es eine ä u ß e r st kurzsichtige Politik gewesen sei. Denn wenn die russische Revolution geglückt wäre, dann würde man die Bolschewisten jetzt in Konstantinopel und in den Meerengen haben.
Die Schlußworte der Rede Lloyd Georges, in denen er einen Ausblick auf die Zukunft gab, scheinen verschiedenen Deutungen zugänglich zu sein. Nachdem er seine Stellungnahme näher umschrieben hatte, fuhr er wörtlich fort: „Ich beabsichtige, bei dieser Anschauung zu verbleiben, und sollte ich deswegen allein in die Wüste getrieben werden, so werde ich mich stets mit Stolz daran erinnern, daß es mir dank der Unterstützung ergebener Mitarbeiter möglich gewesen ist, in dunklen Stunden unserer Geschichte der Nation nicht ganz unbeträchtliche Dienste zu leisten."
(Diese Stelle der Rede wird, wie Reuter bemerkt, dahin ausgelegt, daß Lloyd George zurücktreten will, sobald die Auflehnung der Unionisten an Ausdehnung gewinnen sollte, wenn dies auch nicht in allernächster Zeit der Fall sein dürfte.)
Große Erregung in Frankreich.
Paris, 15. Oktbr. Die von Lloyd George in seiner gestrigen Rede gegen Frankreich erhobene Anschuldigung, daß es in der Orientfrage seine Versprechungen nicht gehalten habe, hat, wie vorauszusehen war, in Frankreich starke Erregung hervorgerufen. Soweit die Blätter zu den gestrigen Ausführungen des englischen Premierministers bereits Stellung nehmen, ist es fast ausschließlich diese Stelle seiner Rede, mit der sich ihre Kommentare befassen. „Echo nationale" schreibt, man müsse die Dinge bei ihrem richtigen Namen nennen. Aus dem Munde eines Ministerpräsidenten stellten solche Worte eine Kampfansage dar, wie man sie zwischen Paris und London seit 25 Jahren nicht mehr gehört habe.
Mit großer Schärfe kritisiert bet- „Temp s" die Rede. Der englische Ministerpräsident habe eine Wahlrede gehalten und um die patriotischen Leidenschaften zu entfachen, darum gegen die Türkei und das heißt in diesem Falle gegen Frankreich und Italien gesprochen. Lloyd George vergleiche die Türkei mit wilden Tieren. Er gibt zu verstehen, daß nur die Angst und zwar die Angst vor der englischen Armee sie bändigen könnten. Welche Wirkung werden diese Worte in Angora haben? Werden die Türkei und Italien die Ueberzeugung gewinnen, daß nur die bewaffnete Macht ihnen einen gerechten Frieden bringen könne. Ebenso verletzend war Lloyd Georges Anklage gegen Frankreich und Italien. Keine feindliche Regierung habe während des Krieges diese beiden Länder stärker beleidigt als jetzt ein Bundesgenosse. Frankreich habe die neutrale Zone an den Meerengen geschützt, solange Gefahr bestand, daß die Griechen den Krieg in den Bosporus tragen würden. Jetzt nach Beseitigung dieser Gefahr habe Frankreich und Italien, die nicht nach der Beherrschung der Wasserstraße streben, keinen Grund, ihre Truppen gegen die Türkei zu schicken, aber England habe seine eigenen Pläne. Erst habe es angesichts seiner schwachen Position in Tschanak die politische Unterstützung Frankreichs gebraucht, um diese zu gewinnen und um die Türkei zur Räumung der neutralen Zone zu bewegen. Jetzt, da beides gelungen ist, seit der Vertrag von Mudania unterzeichnet und die Stellung bei Tschanak ausgebaut ist, ändert Lloyd George den Ton. Jetzt ver- l e um deterFrankreichundJtalien.
Er streb: die Eroberungen der Meerengen an, die mit der Unabhängigkeit der Türkei und den Lebensinteressen Ruhlands nicht vereinbar ist; aber man treibt nicht ungestrafte imperialistische Politik. (Sehr richtig! Auch Frankreich wird es noch erfahren. D. Red.) Lloyd George wird das noch erfahren.
Fast in allen Blättern kehrt die Bemerkn«» wieder, daß England nach dem Bradburysche« Borschlag, wie auch nach anderen Anzeichen zu schließen ist, der Brüsseler Konferenz entgegenarbeitet. Offenbar wolle England einer endgültigen Aursprache über den interalliierten Schnldenansgleich und die Reparationen vorläufig aurweichen.
Kommunistische Ausschreitungen in Berlin.
Berlin, 16. Oktbr. Zu überaus blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Kommunisten kam es gestern anläßlich einet kommunistischen Demonstration vor dem Zirkus Du^ wo die vaterländische Kundgebung des Bundes für Freiheit und Ordnung abgehalten werden sollte. Der Bolizei gelang es nur durch Herbeiholen von 2% Hundertschaften den Platz, der von einer Menschenmenge von etwa 6000 Personen belagert war, zu räumen. Die Schupo hat eine Belohnung von 500 000 Mark ausgesetzt für diejenigen', die sichere Angaben über die Anstifter der kommunistischen Aktion und die Beteiligten an den Gewalttaten madjen können. Nach den letzten Meldungen sind bisher 3 Tote und mehr als 60 Schwerverletzte gemeldet worden.
Ueber die Zusammenstöße wird vom Polizeipräsidenten Richter u. a. mitgeteilt: Die fom» munistische Gegendemonstration stellte sich am Versammlungsgebäude schon in den ersten Morgenstunden ein. Um 8 Uhr nahmen vor dem Zirkus Busch etwa 650 Arbeitslose Aufstellung. Der proletarische Gesundheitsdienst, eine kommunistische Sanitätsorganisation ist bereits um 7.45 Uhr am Bahnhof Börse beobachtet worden. Die Störung der nach dem Zirkus Busch einberufenen Versammlung des Bundes für Freiheit und Ordnung ist am Freitag abend in der Funktionärversammlung der KPD. aus« drüanch beschloss«» worden. .Lür big Methode, die man bet der Durchführung der Aktion vorgeschlageu hat, ist charakteristisch, daß der festgenommene Obmann des Obdachlosenasyl in der Frobelstraße ausgesagt hat, daß die Asylisten von der KPD. zur Teilnahme an der Gegendemonstration besonders aufgeboten worden seien. Von der KPD. hat dieser Obmann des Asyls 200 Mark, die übrigen Asylisten jeder 13.50 Mark erhalten.' Gegen 8.30 Uhr setzte der planmäßige Angriff auf das Versammlungslokal ein. Zunächst wurden die Ordner des Bundes für Freiheit und Ordnung von Kommunisten verprügelt. Gleichzeitig strömten aus allen umliegenden Straßen Kommunisten herbei und drangen in den Zirkus ein, wobei Versammlungsbesucher durch Schläge und Stiche mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die Schutzpolizei war anfangs nur durch 6 Beamte vertreten. Da der Angriff unerwartet früh einsetzte, wurde diè Heranziehung von Verstärkungen verzögert. Gegen 9.30 Uhr waren 2% Hundertschaften vom Kommando Alexander auf Lastkraftwagen eingetroffen. Die Menge der Kommunisten war in» zwischen auf 6000 Personen angewachsen. Gegen 9.45 Uhr wurde der Platz vor dem Zirkus Busch von der Polizei geräumt. Nach den bisherigen Feststellungen beim Kommando sind 4 Beamte schwer verletzt worden, einer durch Herzstich getötet, einem anderen wurde bet Schädel gespalten. Eine Radfahrpatrouille der Schupo ist am Monbidouplatz überfallen, mißhandelt und der Räder beraubt worden. Auch die Mitglieder des proletarischen Gesundheitsdienstes haben sich an den Ausschreitungen be- teiligt und mit den Samariterfahnen und Sanitätsausrüstungsgegenständen auf die Versammlungsteilnehmer eingeschlagen. Gegen 10.30 Uhr rückte ein Zug Kommunisten, überwiegend Obdachlose und Jugendliche, in der Ricbtung des Polizeipräsidiums ab. Vor der Polizeiwache auf dem Alexanderplatz wurden An» sprachen gehalten. Die Aivljsten erhielten hinter dem Warenhaus Tietz ihre Löhnung. Nach Schluß der Kundgebung am Zirkus Busch kam es beim Kastanienwäldchsri zu neuen blutigen Zusammenstöße. Im ganzen sind 26 Personen schwer verletzt worden. Um 4.30 Uhr nachmittags waren beim Rettungsamt Berlin noch 9 Schwerverletzte gemeldet, die in Krrnken- Hausbehandlung verbleiben müssen. Ein Arbeiter wurde mit einem Bauchstich tot eingeliefert. Es wurden insgesamt rund 100 Personen festgenommen. Diejenigen, die als An- tifter der Unruhen selten können, wurden in Haft behalten. Die Schupo hat eine Belohnung von 50 0 000 M a r k für diejenigen
(Fortsetzung auf Seite 3.)
Dollar (10 W vorm.) 2950