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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Siabl- und Landkreis La«a«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierlage

Nr. 240

Donnerstag den 12. Oktober

1922

Das Neueste.

3m Mordvrozeß Rathenau beantragte der Oberreichsanwalt die Todesstrafe für Ernst Werner Techow.

In Dortmund wurde von der Münchener Kriminalpolizei unter d«m Verdacht der Mit­wisserschaft am Rathenau-Mord ein Student ver- iaitet.

Die Reichsregierung bereitet Mahnahmen »or iui Bekämpfung der Devisenspekulation,

Di« Revarationskommission wird sich heute mit dem Marksturz befassen.

Am Montag wird England die erste Kriegs-' schuldenrate von 50 Millionen Dollar an Amerika bezahlen.

Aus Tsingtau wird gemeldet, dah Japan den Entschluh gefaßt habe, sich zurückzuziehen und Kiautschon am 2. Dezember der chinesischen Zivil­und Militärbehörde tu übergeben.

Auf Befehl des Obersten Sowjet-Gerichtshofes sollen sämtliche Mitglieder des Zentralausschusser derallruIsischeuGewerkschasten verhaftet worden sein.

Gegen die Devisenspekulalion.

Berlin, 12. Okt. Halbamtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett befaßte sich gestern mit Maßnahmen zur Verhütung des weiteren Stur­zes der Mark. Es wurde vor allem die Notwen­digkeit des schleunigen Erlasses von Vorschrif­ten, die eine Einschränkung der Spe­kulation in ausländischen Zah­lungsmitteln bezwecken, anerkannt und es wurde einstimmig beschlossen, dem Reichsprä­sidenten den sofortigen Erlaß einer Notver­ordnung auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung vorzuschlagen. Im Zusammen­hang hiermit wurde die Frage der A u s g a b e wertbeständiger Schatzanweisun» gerr sowie weiterer SlutzuMwMzMwwllM die Reichsoank erwogen. Diè Beratungen hier­über sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.

Zu der bevorstehenden Verordnung des Reichspräsidneten verlautet noch nach demB. T.", daß es sich dabei um eine neue Devisen­ordnung handelt. Diese neue Verordnung soll darauf hinausgehen, daß alle Devisenankäufe der Außenhandelsstelle angezeigt werden müssen und daß keine Devisenankäufe stattfin­den dürfen, die nicht zur Bezahlung von Ein­fuhrwaren benötigt werden. Die Nichtbefolgung dieser Verordnung soll unter strengste Strafe gestellt werden.

In Regierungskreisen wird hierzu erklärt, man sei sich darüber klar, daß diese Maßnah­men nur Aushilfsmittel und nicht eine Wäh­rungsreform bedeuten. Die notwendige Wäh­rungsreform könne aber überhaupt nicht in Aussicht genommen werden, solange nicht eine Klärung über das Reparationsproblem zustande gegekommen sei. Im Reichswirtschaftsrat ist in­zwischen ein Ausschuß gebildet worden, der sich ebenfalls mit der Frage der Stabilisierung der Mark beschäftigen wird. Wir haben die Ein- Einschränkung der Spekulation gefordert und begrüßen es daher, daß die Regierung, wenn auch reichlich spät, endlich Maßnahmen gegen die Spekulation ergreift. Man kann der Regie- umg nur den allerbesten Erfolg wünschen und jeder ehrliche Deutsche wird sich aufrichtig freuen, wenn dem Spekulanten, der am Volke fchmarozt, das Handwerk gelegt wird. Eine eiserne Hand und ein eiserner Besen ist dazu notwendig, wenn rücksichtslos gegen jedermann vorgegangenen werden soll.

Bei dem Erlaß von Maßnahmen gegen die Spekulanten darf die Regierung nicht vergessen an der Beseitigung des Grundübels der deut­schen Geldentwertung und unsererseitigen Not zu arbeiten. Grundübel ist und bleibt die un­tragbare schwere Last, die uns der sogenannte Friedensvertrag von Versailles aufgebürdet hat. Erst wenn dieses Grundübel beseitigt ist, besteht Aussicht auf Besserung unserer Lage.

ReparaNvnskvmmission u Msrkslurz.

Paris, 12. Okt. Ein offizielles Kommunique der Reparationskommission besagt folgendes:

»Wegen des neuen Kurssturzes der Mark traten die Delegierten und die Delegierkenstell- vertreker der Reparationskommission unter dem Vorsitz von Barthou zu einer offiziösen Sitzung zusammen, um die Finanzlage Deutschlands zu besprechen. Die Beralun- gen dauerten von 3 bis 6 Uhr nachmittars.

.Prüfung der Angelegenheit wird in einer °«en Sitzung am Freitag nachmittag fort­gesetzt werden. Verschiedene Abteilungen der Reparationskommission legten ihren Bericht o°r, wie der mißlichen deutschen Finanzlage ab- Seholsea werden könne."

Wie bereits gemeldet, ist von französi­scher Seite die Frage aufgeworfen worden, ob und inwieweit die rapide Vermehrung der schwebenden Schuld Deutschlands mit den an die Bewilligung des Moratoriums ge­knüpften Bedingungen vereinbar fei, von denen eine bestimmt, daß Deutschland seine schwebende Schuld über den am 31. März erreichten Stand hinaus nur um den Gegenwert der an die Alli­ierten zu leistenden Barzahlungen vermehren dürfe. Im Zusammenhang damit soll offenbar auch die Frage einer Erweiterung der Kompe­tenzen der zur Ueberwachung der deutschen Fi­nanzen eingesetzten alliierten Organe, das heißt eine Verschärfung der Finanzkontrolle über Deutschland erörtert werden. Tatsächlich besteht in gewissen Kreisen der Reparationskom­mission die Auffassung, daß die im Juli Deutsch­land auferlegten Maßnahmen zur Sanierung seiner Finanzen Ueberwachung der Ein­nahmen und Ausgaben, Kontrolle der schweben­den Schuld und gesetzliche Maßnahmen zur Ver­hinderung der Kapitalflucht entweder nicht richtig dürchgeführt wurden oder aber von An­fang an ungenügend gewesen seien. Worauf insbesondere Frankreich abzielt, das ist die Aus­stattung der Kontrollorgane mit einem Veto­recht gegenüber allen Ausgaben des deutschen Budgets. Daß Anträge dieser Art nicht der Sta­bilisierung oder der Verbesserung des Mark­kurses, sondern lediglich den französischen Wün­schen nach neuenZwangsmaßnahmen gegen Deutschland zu dienen bestimmt sind, be­darf kaum eines Hinweises.

Paris kündigt neue Schritte an.

Paris, 11. Okt. Nach demMatin" soll der englische Delegierte Sir John Bradbury der Ansicht sein, daß die Kommission nicht, wie anfangs geplant, den November abwarten dürfe um Maßnahmen gegen den Bankerott Deuts»- lands zu treffen. Bradbury will dagegen bean­tragen, daß Deutschland bis Ende 1923 von allen Barzahlungen befreit werde und daß das Garatiekomitee gleichzeitiq ein Veto­recht erhalte, um die deutschen Staats- ausgaben zu kontrollieren und die Emission von Papiergeld unter Um­ständen zu verhindern. Dieses Veto des Garan­tiekomitees sei von Frankreich wiederholt gefor­dert worden. England habe es bisher abgelehnt mit dem Bemerken, es könne nur im Falle einer bedeutenden Herabsetzung der deutschen Schuld das Vetorecht zugestshen. Barthou de­mentiert das Gerücht von dem bevorstehenden Ausscheiden des französischen zweiten Delegier­ten der Reparationskommission Mauclere.

Times fordernKontrslle."

London, 11. Ott. Zum Zukammenbruck der Mark sagt ein Leitartikel der Times, der Schilling toste jetzt 645 statt einer Mark. Bei jedem neuen Marksturz erhebe sich innerhalb wie außerhalb Deutsch­lands die Frage, wann der Zusammenbruch Eintreten werde. In Wahrheit stehe Deutschland bereits mitten in einer Finanzkatastrspbe, deren volle Auswirkungen noch eintreten würden. Die Inflation der Währung als die eigentliche Ursache der Markentwertung könne nur zur allgemeinen Verarmung und zum Bankerott führen. Man müsse bezweifeln, ob Deutschland jetzt fähig sei, ohne Unterstützung der Inflation Ginbalt zu tun, die einen Punkt erreicht habe, an dem eine auswärtige Kontrolle in irgendeiner Gestalt unver­meidlich erscheine. Je eher die alliierten Haupt­gläubiger Keurschlandr in diesem Punkt einen Ent­schluß faßten, um so besser werde das für Deutschland und die Welt im allgemeinen sein.

Das sinnlose Aeberschlagen Ler Teneruntz" im September*

Das Wettlaufen zwischem dem Dollarstsnd und den Preisen im Inland nimmt von Monat zu Monat groteskere Formen an. Die Teuerungszablen, die das Stalisniche Reichsamt veröffentlicht, klimmen immer pbanlasuscher, daS Vergleichen mit denen der Vorkriegs­zeit ergibt immer unsinnigere Prozentzahlen. Aber sie reden gerade dadurch laut und eindringlich die Sprache unserer Not; vor allem der Not derer, die nur Lobn- und Gchaltscmpsänzer sind. Der Bericht des Statistischen Amtes der Stadt Berlin enthält in diesem Zusammen- Hang folgenden traurigwahren Satz:Das sinnlose Uebcrschlagen der Teuerung ist das Gepräge des Septembers!" Und die angeführten Zahlen recht­fertigen diese Formulierung.

Wiederum handelt es sich zunächst nur um den Ernährungsbedarf im Sinne des Existenz­minimums. Nach Kalorien bewertet, und zwar für die Einkaufspreise, braschte in Berlin der erwachsene ledige Mann pro Tag im September 91 SIL (im Aszust 50 Mk.), das kinderlose thepaar 159 (91) Mk., das Ehepaar mit einem 712jLhr. Kinde 194 (109) Mk. Mithin betrug die Otcigcrun« vom Auaust bis Se>tir. bei« ledigen Manne 81 d. H.. Beim kinderlosen Ehe- paar, sowie Beim Ehepaar mit einem Kind je 7t p. H.

Im einzelnen stieg der Kilopreik des rationiert«! »rotes von 9 Mk. im Auzust auf 20 W. im Geptdr., der für Rindfleisch von 144 Mk. im August auf 216 im September, der für Margarine von 195 Mk. auf 400 Mk., der für Hülsenfrüchte von 44 auf 90 Mk..

für Reis von 55 auf 104 Mk.. Zucker von 78 aus 190 Mk., Kaffeeersatz ton 48 auf 84 Mk. usw.

Nach den kcptembcrpreisen brauchte nur für den Einkauf der notwendigsten Lebensmittel im Jahre; her lebige Mann 33 232 Mk. (im August 18 347 Mk.), das kinderlose Ehepaar 67 985 (32 590) Mk.. das Ehepaar mit 1 Kind 70 526 (36 619) Mk.

Aehnlich lauten die Ergebnisse desEildienstes beim (statistischen ReichSamtc". Hier ergibt sich als Reichrindex für die Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung (vorläufig ohne Bekleidung) im Septbr. 11376 (im August 7029), was eine Steigerung um 62 v. H. wohlverstanden in einem Monat be­deutet. Nimmt man die Bekleidung hinzu, so erhält man al« Reichrindex im S'ptember 13 319 (7765), also eine 72prozentige Zunahme. Hierbei bedeutet Index: die jeweilige Monatsziffer Bewogen auf die i-leich 100 gesetzte Vorkriegsziffer 1913/14. Für die Ernährung allein erhält man auf diese Weise den Reichsindex von 15417 im September (9746 im August), mit anderen Worten,

die Ernählungrausgaben haben sich gegen 1913/14 nicht weniger als pervierbundertvierund- f ü n f z i g f a cht (454facht).

Dabei ist zu bedenken, daß diese Errechnungen auf der Grundlage der im September üblichen Preise beruhen. Diese Preise sind in der Zwischenzeit durch die eingetrcteiie« Lerhältn>sse bei weitem überholt. Sowohl die Preise für Lebensmittel, als auch für alle übrigen Gegenstände des täglichen Bedarfs haben sich derart gesteigert, daß die oben errechneten Ziffern nur nochgeschichtlichen Wert' haben.

Selbst der statistische Bericht spricht von einemgeradezu sinnlosen Sickniberschlagen der Teuerung als Gepräge des September, das diesem Monat eine überaus traurige Berühmt­heit für alle Zeiten sichert." Fraglos spielt bei diesemSichüberfchlngen" die Dollar-Hypnose, die Suggestion, die vom Dollar ausgeht, eine große Rolle, denn wir stnü soweit gelonnpen, daß jedermann feine eigene Preispristungsstelle ist. Hat man doch die Wahrnehmung machen müssen, daß selbst bei einem Gleichbleiben des Dollarkurses die Verkaufspreise in die Höhe ge­setzt wurden. Diese guten Menschen spürten dann in ihrem Innern ganz genau:Von rechtswegen müßte der Dollar gestern schon wieder gestiegen sein, der amtliche Kurs ist doch wirklich nicht zuverlässig", und flugs waren dennder Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme" die Preise erneut erhöht und das nicht zu knapp. Der Konsument aber der besorgt und bescheiden den Einwand riskierte, daß doch eigentlich der bei steigendem Dollar erhöhte Preis nunmehr konsequenterweise bei sinken­dem Dollar auch wieder nachgeben oder min­destens bei unverändertem Dollar nicht weiter steigen dürfe, wurde kurz und bündig eines Besseren belehrt, etwa so: Und der Dollar abso­lut, wenn er unser Willen tut. Der Leidtragende aber war und bleibt der Konsument.

Die Dksrver;»rsuAg für 1922 sicher- geftellf.

Ein« Erklärung ber R«ichSgetreih«ßlette.

In der Sitzung des wirtlchastsvobtischen Ausschusses des Rcichswirtschuftsratsr am Mittwoch, der sich mit der Abänderung des Gesetzes über die Rezelung des Verkehrs mit Getreide befasste, gab der Präsident der Reichsgetreidestelle, Geheimrat Merz, folgende Erklä­rung ab:

_Die in den letzten Tagen aufgetauchten Gerüchte, daß die Regierung Aufträge zum sofortigen Einkauf von Getreide im Auslande in Höhe von 100 Millionen Dostar gegeben habe, sind nicht zutreffend. Die Reichsgetreidestelle hat feit Wochen durch die Einfuhrgesellichaft für Getreide und Futtermittel keine Lmkäufe auf dem Weltmcorkr tätigen lassen. Die im Auslande gekauften und auf die Um­lage abgelieferten Setreibemengen reichen ,us. um die Brotversorgung bis zum Ende des Jahres 1922 sicher­zustellen".

Die englisch französ. Verständigung auf Kosten Deutschlands.

Rom, 11. Off. Von beslunkerrichketer diplo­matischer Seite erführt die Telegraphenunion, daß man sich in der italienischen Consulala über die neue Verschiebung der europäischen Lage, die sich aus der Orientkrise entwickelt hat, stark beunruhigt fühlt. Der Sieg Lord Curzon im englischen Kabinett gegen Lloyd George soll nach Pariser Meldung dazu geführt haben, daß Lord Curzon bei der letzten Konferenz in Paris den Franzosen als Aequivalent für ihre Unter­stützung Englands auf der Orientkonferenz einen Vertragsentwurf vetgelegf haben, der den fran- zösiÄfen Forderungen nach xolikifchrn und mili­tärischen Garantien im Rheinland in einem nicht für mZalich gehaltenen Umfange entgegen^ kommt. In Oiefen englischen Vertragsentwurf werden auch die franMschen Ansprüche auf das Saargebiet anerkannt. Bezüglich des Ruhrge- biekes scheint sich England einige Vorbehalte ge­

macht zu haben, doch befürchtet man hier, daß England in dieser Frage Frankreich noch wei­tere Konzessionen macht. Die neue Linie der englischen Politik wurde auf Betreiben der Kon­servativen und der maßgebenden englischen Mi- litärkreisen einqeschlagcn, die der Drohung einer türkisch-asiatischen Front nicht anders als durch ein politisches und militärisches Zusammengehen mit Frankreich zu begegnen wußten. Man er- wartet, daß sich die erste Auswirkungen der englisch-französischen Verständigung in einem sehr schroffen Auftreten des neuen französikchen Vorsitzenden in der Reparationskommission, Barthou, gegenüber Deutschland sehr bald zei­gen werden.

(Es stand für uns von vornherein fest, daß eine Verständigung zwischen Frankreich und England in der Orientfrage nur auf Kosten Deutschland zu Stande kommen konnte. Und es ist weiter nichts wahrscheinlicher, als daß die Verhandlungen über die Orientfragen und über die Reparationen neben einander her. laufen werden, und es spricht vieles dafür, daß Poincarè die Reparationen weiter politisch uni nicht wirtschaftlich behandeln will. D. Red.)

Zur Wahl »es Reichspräsidenten.

Berlin, 12. Okttr. Zur Frage der Präsiöenten» wastl wird der V.rstand der Deutschen Valksparkei ant Freitag Stellung nehmen. Die Dcutschnationalen Hatzen mit der Dentschen Volkspartei Fühlung wegen eines gemeinschaftlichen Vorgehens gesucht. An« dem Demo« kraten-Lager ist eine partei»fsiziöse Aeußerung zu ver­zeichnen, worin ein ntzervarteilicher Wahlautschliß zwar begrübt, aber die Antschaltung der Parteien für itn« möglich erklärt wird. 61 scheint nicht ausgeschlossen, daß der Ausschuß und die Koalitioutparteien sich am Ende dahin einigen werden, Herrn Evert zn bitten, daß er auf eine Volktwahl zur Zeit verzichtet und im Amte bleibe.

,Llvyö Georges erschüllerts SlellMg.

Die fr«n«e der R-nwo-le».

Eine Koailtionâregiernng wohrscheiniich.

L»n-»n, 11. Okt. DerDaily Chronicle" er« klärt, daß Lloyd George noch keinerlei «ndgültia« Beichlüsse wegen der Neuwahlen oder wegen seiner Demission faßte. Gestern konferierte er mit einigen seiner Freunde, wobei allgemein die Anstauung zum Ausdruck kam. daß die Ausschreibung von Neuwahlen notwendig sei. Einige rieten ihm auch, sofort zu demissionieren, weil auf der Kon­ferenz der Unionisten am 15. November ein Auf­ruf gegen das Koalitionssystem erlassen würde. Wenn Lloyd George demissionieren wurde, so käme Chamberlain an die Reihe, um das Kabinett zu ditden. Dieser erklärte aber bereits seinen Freunden, daß er die sofortige Auflösung des Parlaments fordern werde. Man glaubt, daß bei den Neuwahlen di« Konservativen selbständig vorgeben würden, Einige Konservative, wie Chamberlain uio Birkenhead, bleiben auf der ^e.te von Lloyd George, mit ihnen auch noch einige Konservaüve aus dem Industriegebiet Mtuetenglands. Aus diese Weise könnte die neue nationale Partei geschaffen werden, als deren Anreger Winston Churchill gilt. Eine Vereinigung ser KoaUtionsUderalen mit der Asguith- und Grey-Gruppe hält man für unwahrscheinlich. Alan glaubt, da» bei den Reuwaülen vier Parteien einander gegenüberfreben werden, die KoMrroa>iven. die SletienaSibetalen, die un« abhängigen Liberalen und die Arbeiterpartei. Gtne Pkehrheit wird non feiner dieser Gruppen erreicht werüen, weshalb es «ahrlAeinliâ auch wieder zu einer Koalition wirb lammen müssen

Flegelhafte Ausländerinnen. Zu einem für Berlin bejonbers charakteristischen Zwischenfall kam es Montagabend in einem Zuge der Un­tergrundbahn, wo das Auftreten einer Aus« iänoerin r^one Erregung hervorrief. Auf oem Bahnhöfe Alexanderplatz waren in ein Abteil 2. Klaffe zwei Damen eingestiegen, die keinen Platz mehr fanden, da das Gedränge sehr groß war.. Die ältere der Damen beschimpfte in un­erhörter Weise fortgesetzt das deutsche Volk, er« klärte, daß sie Ausländerin sei, und stieß auf starken Widerspruch bei den Mitsayrenden. Auf der Station Friedrichstraße versuchten die Dornen" zu entkommen. " Man rief aber Be­amte herbei und ließ die Reisenden verhasten- Es ergab ,., nun, daß keine der Damen einen Paß bei sich hatte. Auf der Polizeiwache stellte man dann fest, daß es sich um eine angebliche Filkttagentin Frau Katz und ihre 31 Jahre alte Tochter handelt. Es sind Engländerinnen­deren Aufenthaltserlaubnis schon am letztver- gangenen Monat abgelaufen war. Gegen beibe Ausländerinnen ist wegen Beleidigung Straf* antrag gestellt worden.

Dollar (10 Ahr vorm.) 2550