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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Nr. 235

Freilag den 6. Oktober

1822

Das Neueste.

- Die Konferenz von Mudania ist unterbrochen worden. Eine Einigung ist noch nicht erzielt.

Ruhland mobilisiert die Flotte des Schwarzen Meeres.

Die Negierung hat die Wahl der Reichs­präsidenten für den 3. Dezember vorgeschlagen.

Abg. Marx (Ztr.) bat im Reichstag bean­tragt. sofort eine Milliarde Mark für die Klein­rentner-Fürsorge zur Verfügung zu stellen.

Das Riichskabinett bat beschlossen, von jeder Erhöhung des Tabakzolles Abstand zu nehmen. Die Einfuhrsperre soll sofort aufgehoben werden.

Die Verhandlungen über die Umgestaltung »et Beamtenbeloldung sind von der Regierung abgebrochen worden.

Die französische Regierung bat den Vot- schafterposien in Berlin dem jetzigen Botschafterin Brüssel de Margerie übertragen.

Das tschechische Kabinett bat gestern demissioniert.

Die Aushungerung -es Miitel- stan-es.

Es ist erreicht, zum anbernmal! Das Pendel des Dollarkurses schlägt weiter aus und zeigt er­neut einen Preis von über 2000 Mark. Die Preise für alle Bedarfsgegenstände klettern in die Höhe. Wer ist schuld am letzteren? Die Haus­frau, die die Lebensmittel einholt, sagt, der Verkäufer habe sie heraufgesetzt. Der Verkäufer sagt, auf der Börse hätten die Preise angezogen. Das sagt auch der Bauer, der feine Ware auf den Markt bringt. Die Börse richtet sich nicht bloß nach Angebot und Nachfrage, fondern auch nach dem Weltmarkt, nach dem Dollarstand. Die Nachfrage ist groß. bei so ziemlich allenâ- darfsartikeln. Das bedingt schon ein gewisses Emporschnellen. Hinzu kommt der steigende Dollar und übrig bleibt der leidende Verbrau­cher. Ihm wird auch mit einem fallenden Dollar- stande nicht geholfen, denn es hat sich gerade in den letzten Wochen gezeigt, daß der Dollar nur fällt, um dann um so höher zu steigen, damit den Spekulanten in Newyork, London, Berlin und.einigen anderen Plätzen der Spaß nicht ausgeht. Sie allein profitieren von dem Auf und Ab der Währung auf Kosten des allgemei­nen Volkes. Diese Herrschaften haben eine feine Nase. Sie wittern jedes Preisgewitter recht­zeitig und hören sozusagen, auf der BLye das Gras und das Korn und die Rüben wachsen. Längst wird, wie in Oesterreich die fortschrei­tende Entwertung unserer Währung als das Normale angesehen und die Besserung als die Ausnahme. Deshalb richten sich die Preise nur nach dem steigenden, nicht nach dem fallenden Dollar. Der interessiert nur die Deoisenspeku­lanten. Wir andern aber, die wir arbeiten, wir kommen immer wieder vom Regen in die Traufe und dabei wie es im Volksmund heißt: auf den Hund." Notwendigerweise gehen zwar bje Löhne und Gehäller in die Höhe, aber nicht im gleichen Schritt mit den Preisen, sodaß letz­ten Endes die große Masse, insbesondere der Mittelstand immer ärmer und ein Leben zu führen gezwungen wird, das manchmal alles andere als lebenswert erscheint. Denn wenn das Menschendasein nur noch darin bestehen soll, daß sich der Mensch entsprechend dem physiolo­gisch festgestellten Mindestmaß und das nur unter den größten Sorgen satt machen kann, daß er eine Stätte zum Schlaf und zur Erwär­mung besitzt, so unterscheidet er sich nicht mehr wesentlich von den Tieren. Das Leben wird ja erst dadurch lebenswert, daß es dem Menschen eine mannigfache Fülle seelischer und geistiger Stimulantien gewährt. Wo die Freude am Leben aufhört, entschwinden auch Arbeitskraft und Arbeitslust. Bedürfnislose Menschen haben auch kein Bedürfnis nach Ar­beit. Diogenes, der in feiner Tonne wenig Werte verbrauchte, hat auch keine Werte geschaffen. Das deutsche Volk aber muß Werte schaffen, muß Spannkraft, Arbeitsenergie und Arbeits­freude haben, wenn es nicht gänzlich zu exi­stieren aufhören soll.

Die Aushungerung des Mittelstandes ist das traurige Kennzeichen unserer Zeit. Dabei kann man ruhig den Begriff Mittelstand soweit wie möglich fassen, und braucht keineswegs das bürgerliche Moment besonders zu unterstreichen. Auch der Facharbeiter steht in feiner Lebens­haltung längst nicht mehr so wie früher über dem ungelernten Kollegen. Die Intellektuellen, einst die Blüte am Stamm des Volkes, werden immer mehr und mehr die eigentlichen Prole­tarier. Die Folgen dieses Prozesses werden sich sehr bald in unangenehmer Weise bemerkbar inachen, denn es bedeutet nicht nur kulturellen

und wirtschaftlichen Verfall, sondern auch Mög­lichkeiten sozialer Zerrüttungen. Ein Teil der Herabsinkenden wird dem Proletariat zwar Führer zum Guten sein und dieses mit neuem geistigen Leben erfüllen, ein anderer wird je­doch in begreiflicher Verbitterung bereits be­stehende Zersetzungstendenzen weiter betreiben. Letzteres bedeutet eine große Gefahr, der man nicht tatenlos entgegenschauen darf. Von alle­dem ist oft genug schon die Rede gewesen, so­lange aber nichts geschieht, um der Not abzu­helfen und den drohenden Gefahren wirksam entgegenzutreten, müssen wir davon sprechen, und zwar immer und immer wieder.

Die Hoffnungen, die viele Kreise des deut­schen Volkes auf die Auswirkung der schiedlich­friedlichen Verständigung mit Belgien und der damit verbimdenen sechsmonatlichen Atempause gesetzt hatten, haben sich als trügerisch erwiesen. Wir haben an einen Preissturz nicht geglaubt, hielten aber doch die Möglichkeit für eine Ste­tigkeit für gegeben doch auch diese Hoffnung hat sich als'trügeriich erwiesen. Was ist nun zu tun? Die uns gewährte Atemvause ist für eine Besserung oder Stetigkeit unserer Wirtschafts­lage nur'die Vorbedingung und wenn wirklich eine Wendung zum Guten eintreten soll, so muß diese erkämpft werden. Letzten Endes muß dieser Kampf eine Auseinandersetzung mit der Entente sein, wenn anders nicht im nächsten

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härtere Erpressung folgen'soll. Aufgabe der Re­gierung ist es, diesen Kampf unverzüglich auf­zunehmen, je eher er entschieden wird, desto früher ist eine Besserung "vierer Lage möglich. Des weiteren muß die Regierung endlich alle Hebel in Bewegung setzen, und zu 'verhindern suchen, daß die geradezu verbrecherische Hei-

her untätig zugelshen, wie durch alle möglichen Winkelgelegenheiten der privaten Devisenspe­kulation, d. h. der Einzelbereicherung aus Kosten der Gesamtheit immer mehr Tür und Tor ge­öffnet wurden. Hier ^ jetzt durch einen Ein­griff Wandel geschaffen werden, denn das Wühlen und Nagen einer verantwortungslosen privaten Spekulation am Bestände der Mark ist unerträglich, es führt mit zu Zuständen, wie wir sie Eingangs geschildert haben. Weitere Passi­vität der Regierung müßte aufs schärfste ver­urteilt werden. Eine harte, durchgreifende Hand energischer als bisher ist auch nötig gegen die wucherische Ausbeutung. Handel und Ge­werbe werden in ihrer Gesamtheit dadur- nicht berührt, denn sie sind im Kern ehrlich und ge­

Noch keine Einigung. Meinungsverschie-enheilen Eine Aachk-KadineUssitzung.

Paris, 6. Oktbr. Die Konferenz von Mu- dania ist gestern unterbrochen worden. Die alliierten Generäle sind nach Konstantinopel zu­rückgekehrt, ohne daß eine offizielle Kundgebung über den Grund dieser Unterbrechung abgegeben wurde. Man glaubt, daß die alliierten Vertreter den Wunsch haben, mit der alliierten Kom­mission in Konstantinopel über bestimmte Punkte zu verhandeln und daß die Generäle heute wieder nach Mudania zurückkehren wer­den. Der Vertreter desNewyork Herold" in Konstantinopel erfährt, daß die griechische De­legation nach Instruktionen aus Athen sich ge­weigert habe, vor dem endgültigen Friedens­schluß Thrazien zu räumen.

Paris, 6. Oktbr. Die Antwort Angoras auf die unter dem 23. September ergangenen Ein­ladung der Alliierten zu einer Zwischenkonfe-

renz ist gestern in einem vorläufigen telegra­phischen Auszug bei dem englischen Ministerium "des Äeußeren eingegangen. In dieser Antwort wird die Eröffnung einer Konferenz auf den 20. Oktober in Smyrna vorgeschlagen. Es wird ferner das Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht, daß bei den Verhandlungen über die Meerengenfrage keine der beteiligten Mächte, wie R u ß l a n d. die Ukraine und Georgien ein­geladen worden sind. Die Teilnahme dieser Staaten an den Verhandlungen würden die Regelung der Meerengenfrage erst zu einer dauernden machen und ihre Einladung wird deshalb verlangt. Im Prinzip gäbe es keine Meinungsverschiedenheit über die Notwendigkeit der Freiheit der Meerengen, so­wie über den Schutz der Minderheiten. Die Türkei werde im notwendigen Augenblick den , _ , . ______

angeregten Eintritt in den Völkerbund be- bilisieren und den Seeleuten jeden Urlaub zu treiben. Schließlich konstatiert die Note mit verweigern.

sund geblieben. Aber gegen das aufdringliche Schiebertum und gegen handgreiflichen Preis­wucher muß die Regierung unbedingt endlich mit schärfsten Mitteln vorgehen. Es handelt sich dabei um eine Schicht, die sich im deutschen Wirtschaftsleben leider eingenistet hat und die im gegenwärtigen Augenblick, wo die Fesseln unserer Kraft etwas gelockert sind, unbedingt mit rücksichtsloser Faust angefaßt werden muß. Auch für die Beseitigung eines anderen Aerger­nisses ist es höchste Zeit. Für jedes gesunde Empfinden bieten die Schlemmerlokale usw. in den Großstädten eWn fast ekelerregenden An­stoß. Es ist mit das Wetterleuchten einer näher ziehenden sozialen Revolution, wenn ungenierte protzige Verschwendungssucht gewisser Kreise, die sich aus soeben gekennzeichneten Ele­menten und aus Neureichen, die der Dollar­stand in die Höhe gebracht hat, ferner nicht zu vergessen, aus unserer erwachsenen Jugend zu­sammensetzen, inmitten der Großstadt schlemmt und praßt, während die große Masse des Volkes sich kümmerlich durchschlagen muß, um nur das nackte Leben zu retten. Wir er­wähnten unsere Jugend. Ja, es muß einmal gesagt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß es uns verübelt wird: Unsere Jugend bekommt zu viel Geld in die Hände, sie schätzt es nicht und verschleudert es zu einem großen Teil wie von einem Taumel ergriffen, der vor einer drohenden Katastrophe noch einmal das,. Leben an sich raffen läßt, der auch um die erste Jahr­hundertwende ganze Völker ergriffen hatte, weil sie sich eingeredet hatten, mit dem Glocken- schiage des Jahres 1000 werde der Weltunter­gang erfolgen. Auf der einen Seite herrscht Verschwendungssucht und Prassen, während auf der anderen Seite der Familienvater nicht

weiß, wo er das Geld für die nötigsten Nah- rungsmitel, an Neuanschaffung von Kleidung kann er unter den heutigen Zuständen über­haupt nicht denken hernehmen soll. Dieses Prassen und Schlemmen trägt aber mit dazu bei, daß der Wert unseres Geldes immer mehr herabsinkt, denn ein Mittel zur Hebung unseres Geldwertes wäre eine allgemeine Verbrauchs­einschränkung. Deshalb darf die Regierung solchem Treiben der Schieber, Wucherer, Neu­reichen, Ausländer und einem großen Teil unserer Jugend nicht länger untätig zusehen, es muß ein Weg gefunden werden, um das Bild unseres öffentlichen Lebens von solchen Schand­flecken zu reinigen. Es wäre ein äußerst trauri­ges Zeichen der Schwäche, wenn nach der müh­sam erkämpften Erleichterung von dem äußeren Druck es nicht gelänge, das Haus, im Innern zu säubern. Doch Eile ist geboten! R. H.

Befriedigung die versprochene Räumung Kon­stantinopels durch die alliierten Truppen, der die Türkei mit begreiflicher Ungeduld ent­gegensieht.

Zu dieser Note erfährt derPetit Parisien", daß der Vorschlag der Kemalisten, die Konfe­renz in Smyrna abzuhalten, schon mit Rücksicht auf die technischen und hygienischen Verhält­nisse auf Schwierigkeiten stoßen werde. Wenn man Venedig nicht wolle, werde Taormina auf Sizilien vorgeschlagen. Die Türkei verlangt auch Einladung Rußlands und der Randstaaten. Frankreich aber werde, da die Sowjetregierung nicht anerkannt sei, sich einer offiziellen Teil­nahme der russischen Republik widersetzen. Nach dem genannten Blatte wird eine indirekte Mit­wirkung der fraglichen Länder an den Ver­handlungen in der Form, wie sie die Anaora- regierung sich mit ihnen verständigt, nichts im .Wege stehen.

Im übrigen kommen aus London Meldun­gen, daß in den Verhandlungen von Mudania gestern eine Stockung eingetreten sein soll, da sowohl in der Frage von Tschanak wie in der Meerengenfrage England und die Türkei auf ihren Standpunkten beharren. Lloyd George habe nach dem Eintreffen eines Telegramms des General Harrington noch auf 11 Uhr abends eine dringende Kabinettssitzung einbs- rufen, dis um Mitternacht noch nicht beendet war. Die Stimmung in London ist pessimisijs-b.

Die Sowfekrcgierung mobilisiert.

Paris, 6. Oktbr. Nach einer Meldung der Times" hat sich die Sowjetregierung enk- schlofsen, die JloLe im Schwarzen Meer zu mo-

Reichsprösidenlenwahl am 3. Dez.

Berlin, 5. Oktober. Die Regierung hat in der gestrigen Besprechung mit den Parteiführern den Vorschlag gemacht, die Wahl des Reichs­präsidenten möglichst bald vorzunehmen. Die Regierung nimmt Sonntag 3. Dezember als Mabltermin in Aussicht. Wie man hört, haben die Regierungsparteien diesen Vorschlag zuge­stimmt. Ein Vertreter der Deutschnationalen, mit denen die Angelegenheit später besprochen wurde, erklärte sich mit diesem naben Wahl­termin einverstanden. Die deutsche Volkspartei hat zu dem Vorschlag der Regierung noch nicht Stellung genommen, doch ist man in leitenden Parteikreisen der Ansicht, daß es besser wäre, neuen Zwiespalt gegenwärtig zu nermeiben und die Präsidentschaftkwahl mit den Reichstag». wählen zu verbinden, die normaler Weise im Jahre 1924 stattfinden sollen. Wie die Dinge liegen, ist aber mit großer Sicherheit zu erwar« ten, daß in der heutigen Kabinettsfitzung eine Gesetzesvorlage angenommen wird, die die Neu­wahl des Reichspräsidenten auf den 3. Dezem­ber anberaumt. Die Vorlage wird vom Reichs­tag wohl gleich nach seinem Zusammentritt am 17. Oktober angenommen werden.

DieKreuzzeitung" schreibt heute im Leit­artikel zur Reichspräsidentenwahl:Soweit wir unterrichtet sind, halten e« auch die Deutsch­nationalen für zweckmäßig, wenn sich die bür­gerlichen Parteien auf einen gemeinsamen Kan­didaten einigen. Das wird freilich nicht gan- einfach sein. E» wird daher schon eine Einigung zwischen der deutschnationalen, der deutschen und der bayerischen Volkspartei zu erfolgen haben. Sollten sich Zentrum und Demokratie von der gemeinsamen Front ausschalten, so - muß der Versuch gemacht werden, einen solchen â« M Wi^MMetl aufzustellen. Fraglos wurde er auch bei den Wählern der fetzigen Koalitionsparteien erheblichen Anklang finden, denn wir glauben, daß es der weitaus größte Teil des Bürgertums für notwendig hält, an die Spitze des deutschen Reiche» einen nichtsozialistischen Mann zu stellen.

Abbruch b. Besoldungsverhandlungen

Berlin, 5. Okt. Die bereit» seit einigen Tagen

im (Sange befindlichen Verhandlungen mit den Spitze», -rsamsatisncn über den Umbau der Bcanitenbessldun« sind gestern von der Regierung eil «uSsichtSl»« abge­brochen worden. Ueber die wichtigste Frage der Neu­ordnung der Grundgehälter und den Einbau der Teuerungtzuschläge in diese konnte im Wesentlichen eine Verständigung erzielt werden. Dagegen wandte sich die Mehrzahl der Organisationen gegen die Absicht der Regierung, die birher für alle Besottungsgruppe» gleiche Frauen zu läge, die sich in dieser Form nicht bewährt hat, künftig nach Prozentsätzen zumGrund- geholt zu bemessen. Da« Bestreben der Regierung, durch eine prozentuale Gestaltung der sozialen Zulage eine weitere Nivellierung der Bcamtengehälter zu verhüten, entspricht der Stellungnahme der Reichrtags und der Länder. Der an den Verhandlungen beteiligte Reich«» bund der höheren Beamten sprach sich im Interesse des Leistungsprinzip» ebenfalls gegen weitere Em- ebnungsabsichten au« und nahm demzufolge in der Frage de« Kopfzuschlag« und de« Frauenzuschlag« eine von der Haltung der übrigen Orgamsationen abweichende Stellung ein. Die Regierung hat sich bereit erklärt, bei Berücksichtigung diese» Standpunkte« durch die widerstrebenden Verbände gegebcncnfall« weiter zu verhandeln, andernfalls wird eint ent­sprechende Vorlage dem Reichttag unterbreitet.

Die Ernennung Barthous.

Paris, 6. Oktbr. Die angefünbigte Er­nennung Barthous, des bisherigen Justizmini­sters, gum französischen Delegierten in der Re­parationskommission ist im gestrigen Minister­rat erfolgt.

Aus Barthous er steht jetzt im 60. Le­bensjahre bisherigen öffentlichen Leben in­teressiert uns Deutsche am meisten, daß er mit Hufe des Kabinetts, das er im März des Jahres 1913 bildete, im gleichen Jahre das Gesetz der dreijährigen Dienstzeit durchbrachte, nachdem er vorher mit Nachdruck auf die militärische Er­starkung Deutschlands hingewiesen hatte. Wäh­rend des großen Krieges leitete er vorzugsweise Frankreichs auswärtige Angelegenheiten und wurde im Januar 1921 als Kriegsminister in

egsmlnlster in Poincarè, als

das Kabinett Briand berufen.

dessen engster Gesinnungsverwandter Barthou gelten darf, stellte ihn in seinem Ministerium auf den Posten des Justizministers. Kenn­zeichnend für seine Meinung über Deutschland st eine Rede an die Verdunkämpfer, in der er agte, daß Frankreich nötigenfalls nicht davor zurückschrecken werde, auch im Frieden sein

Recht mit Gewalt durchzusetzen.

Dollar (10 Mr vorm.) 2130