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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

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Nr. 232

Dienstag den 3. Oktober

1922

Das Neueste.

Die Konferenz von Mudania wird heute eröffnet.

Griechenland beharrt auf Thrazien.

Die Verhandlungen zwiscken Deutsch­land und England zwecks Durchführung eines wechselseitigen deutsch-englischen Luftverkehrs nehmen einen guten Fortgang. Die englische Jnston-Linie richtet zur Vorbereitung im Laufe des Oktober einen regelmäßigen Luftverkehr London-Köln ein.

Wie die Telunion hört, sind die Ver­handlungen über die Neugestaltung der Beam­tengehälter gestern nachmittag wieder ausge­nommen worden. Die Verhandlungen werden heute ihren Fortgang nehmen.

Die Konferenzen von Mudania.

Das Spiel des wechselseitigen Bluffens zwischen London und Angora, zwischen Lloyd George und Kemal Pascha ist vorläufig zu Ende der Diplomatie ist es gelungen, das Schwert, das sich schon zum Streiche zu senken schien, vor­läufig inne zu halten. Die Vermittlung Franklin Bouillons hat die Konferenz der militärischen Führer gesichert, die heute in Mudania am Marmarameer östlich Parderma beginnen soll.

Auf der Konferenz ist zunächst, wie schon gestern gemeldet, die Räumung der neutralen Zone durch die englischen und türkischen Trup­pen sowie das vorläufige Regime über Thrazien während der Dauer der Konferenzen zu regeln. Kemal wünscht, Ostthrazien, einschließlich Adria­nopels, sogleich in türkische Verwaltung zu nehmen, und verlangt sofortige Räumung dieses Gebietes von den Griechen. Vermutlich wird man zu dem Aüshilfsmitel einer Besetzung durch eine etwa in Adrianopel stationierte inter­alliierte Truppenabteilung schreiten. Führt die Konferenz vom Mudania zu einer Einigung, so wird die Friedenskonferenz nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Man wird auch jetzt noch die Situation mit aller Zurückhaltung beurteilen und sich einst­weilen nur der Tatsache freuen, daß der Schuß nicht losgegangen ist, der einen neuen Krieg entfesselt hätte, dessen Ausdehnung nicht zu übersehen gewesen wäre. Kemal Pascha hat das Lob gerechtfertigt, das ihm auch von seinen Gegnern gezollt wurde, daß er nicht nur ein großer Heerführer, sondern auch ein besonnener Staatsmann ist, der die Dinge nicht ohne Not auf die Spitze treibt, zumal wenn sich ihm die Möglichkeit bietet, auf dem Wege der Verstän­digung die berechtigten Forderungen seiner Ration durchzusetzen. Die tiefe Kriegsmüdig­keit Europas, die überall herrschenden Finanz­sorgen, die Angst davor, das labile Gleichgewicht der gesamten Orientlage zu erschüttern, mögen zügelnd und mäßigend gewirkt haben.

Das nicht unmittelbar beteiligte Europa kann sich aufatmend dieser Wirkungen freuen und wird in der Hoffnung einig sein, daß die Konferenz von Mudania wirklich die Vor­läuferin einer Friedenskonferenz sein möge, die der Welt einen neuen Krieg mit seinen überall hin ausstrahlenden Folgen erspart, die unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen aller Länder doppelt verheerend sein würden. Bei alledem muß freilich noch mit etwaigen Schwie­rigkeiten gerechnet werden, welche die Angora­regierung den Ergebnissen der Konferenz be­reiten könnte, und es ist im Auge zu behalten, daß über die Haltung Sowjetrußlands bis zur Stunde noch Unklarheit herrscht, ebenso ver­anlassen uns die heute aus Griechenland vor­liegenden Nachrichten Zurückhaltung bei der Beurteilung der Lage zu üben.

*

Paris, 3. Oktbr. In Mudania finden heute zwei Konferenzen statt: eine zwischen dem Ge­neral Harrington und Kemal Pascha allein, die ausschließlich der Räumung der neutralen Zone u der damit zusammenhängenden Fragen gut. Die andere, die natürlich von einer Eini- 9U9 in den vorhergehenden Verhandlungen zwischen Kemal Pascha und Harrington ab­hängig ist, hat die Herstellung eines Prälimi- narfriedens zwischen Griechenland und der churkei zum Ziele. An dieser werden außer >s einem Vertreter der beiden kriegführenden Machte enguscherseits General Harrington, für Frankreich General Charpy, für Italien Ge­neral Mondelli teilnehmen.

Paris, 2. Oktbr. Nach einer Havasmeldung aus Angora hat die Nationalversammlung die Haltung der Regierung in der.Orientfrage ein­stimmig gebilligt. Die Regierung sei von der Versammlung ermächtigt worden, einen Ver­treter zur Vorkonferenz in Mudania und weitere Vertreter zur demnächstigen Friedens- känferenz zu eMenhen«

Paris, 3. Oktbr. In London ist gestern ein Telegramm eingegangen, das besagt: Der Waffenstillstand hat gestern begonnen. Die Nationalversammlung von Angora hat Kemal Pascha ermächtigt, die Einstellung der Feind seligkeiten und die Unterbrechung der militä­rischen Operationen an allen Fronten anzu­ordnen.

Paris, 3. Okèbr. Die Meldungen aus London zeigen, daß gestern am Tage vor der Eröffnung der Konferenz von Mudania noch lange nicht alle türkischen Streitfragen beigelegt waren. Allerdings hat Lord Curzon dem fran­zösischen Botschafter mitgeteilt, daß General Harrington den Auftrag bekommen habe, in der Frage der Räumung Thraziens durch die grie­chischen Truppen mit den sranmiU^en und englikiben Generälen zusammen m arb-stten, da­gegen ist noch nicht sicher, daß England den be­ginnenden Rückzug der H:7?^-?n Truppen aus der Tickanakzone mit em^ Zurücknahme seiner Streitkräfte vom asiatischen Ufer der Darda­nellen zu beantworten gedenkt. Es werde wahrscheinli^ Tschanak räumen, sich aber an andern Punkten des asiatikchen Ufers fest­sehen und im übrigen die Entschädigung für die Türkei in der Räumung Thraziens erblicken. Ganz ohne Schwierigkeiten wird sich auch dies nicht vollziehen, da der griechische Oberkomman­dierende dem Generalstäb der alliierten Mächte erklärt hat, daß es unmöglich sein werde, die dortigen Stellungen aufzugeben.

Griechenland beharrt auf Thrazien.

London, 2. Oktbr. Die griechische Regie­rung ist entschlossen, sich mit allen Mitteln in Thrazien festzuklammern. In dieser Frage ist sich die gesamte öffentliche Meinung Griechen­lands einig. Die alliierten Mächte wollen nach Thrazien eine militärische Kommission ent­senden, die von englischen, frauzWcheu und italienischen Truppen begleitet sein würde, um dort Unruhen zu verhüten. Veniselos, der in London eine Audienz bei Lord George hatte, hat bei dieser Gelegenheit keinen Zweifel da­rüber gelassen, daß die Griechen nicht gesonnen sind, endgültig und gutwillig auf Thrazien zu verzichten. Die griechische Regierung wird wahrscheinlich auf einer Friedenskonferenz eine Volksabstimmung in Westthrazien verlangen.

Athen, 2. Oktbr. Oberst Gonatas, der Präsident des revolutionären Komitees, ver öffentlicht ein Manifest, in dem er erklärt, da er die früheren freundschaftlichen Deziehunge zu den großen Alliierten Griechenlands in vol­lem Umfange wiederherfiellen wolle. Gleich zeitig wolle Griechenland mit Jugoslawien und Rumänien Zusammenarbeiten, um den Status quoauf dem Balkan nach dem Kriege wiederherzustellen.

Ein neuer Protest MoSk-ruS.

Loudon, 3. Oktober. Der englischen Regierung ist eine neue Note der Kowjetregierung zugegangen, dir nochmals gegen die Schließung der Dardanellen für Handelsschiffe protestiert. Die Oeffnung der Dardanellen sei von außerordentlicher Wichtigkeit für Rußland, ihre Schließung hindere die Durchfahrt amerikanischer und anderer Handelsschiffe, die Waren nach Rußland bringen.

Reparationen und interalliierte Kriegsschulden.

Paris, 3. Oktbr. Dem .Tempr' zufolge, wird die englische Abordnung, die in Amerika Verhandlungen über die Regelung der britischen Kriegschulden an Amerika führen soll, gegen den 15. Oktober ihre Reise antreten. Man nimmt allgemein an, daß diese Ab­ordnung in der der englische Schatzkanzler Sir Robert Horne den Vorsitz führen wird, sich nur kurze Zeit in Amerika aufhalten und in der ersten Novemberhälfte wieder in London eintreffen wird. Das französische Blatt fügt hinzu, daß zweckmäßiger Weise auf diesen Zeitpunkt der Beginn der geplanten Brüsseler Konferenz die sich mit den beiden Problemen, der deutschen Zahlungsverpflichtung und der Regelung der inter­alliierten Schulden befassen soll, angesetzt werden wird, da ja eine Lösung dieser Probleme noch vor Jahrei- chluß notwendig bczw. die ReparationSkommission verpflichtet sei, spätesten» am 31. Dezember den Plan der deutschen Zahlungen von 1923 auszustellen.

Eine neue drohende Kohlenpreis­erhöhung.

Nachdem der Zechenverband den in der Frage der Bergarbeiterlöhnc gefällten Schiedsspruch abgelehnt hatte, hing die eigentliche Entscheidung der Sache beim ReichdarbeitSminister, der sich darüber schlüssig zu machen hatte, ob er den Schiedsspruch für ver­niedlich erklären wollte oder nicht. Da der Minister ich für die VerbindlichkeitSerklirung entschlossen hat, » wird, da die Durchführung der auf 24.7 Prozent

bemessenen Lohnerhöhung die Zechen mit nicht weniger al» monatlich zwei Milliarden Mark belasten würde, eine weitere Erhöhung der Kohlenpreise für unver­meidlich gehalten, deren Höhe von den Arbeitgebern folgendermaßen beziffert wird: Er wird sich erhöhen: Fettförderkohlc um 999 auf 5100 Mark, Fettnuß I und III um 1349 auf 6892, Fcttnuß IV um 1304 auf 6645,

Erdnuß I und II, Haurbrand um 1491 auf 7586, Hochofenkoks I um 1459 auf 7477,

Brech kok» I und II um 1749 auf 8919 Mark.

Da die Loherhöbung rückwirkende Kraft bow 1. Oktober ab haben würde, so geben die Zechen schon W bekannt, daß sich im Fake der Durchführung de» Schiedssprüche» auch die Preise mit Wirkung vom 1. Oktober ab erhöhen würden. Um für diese Erhöhung die Rechtsgrundlage zu schaffen, ist der Reichrkohlen- verdand zum 5. Oktober einberufen worden.

Der Zechenverband will durch seine Haltung jede Verantwortung für die volkswirtschaftlichen Folgen einer solchen Prei»erhöhung ablehnen. Er beurteilt diese Folgen sehr ernst, da der Kahlenprei» schon jetzt hart am Weltmarktprei» angelangt sei und weitere Steigerungen die AuSfuhrfähigkeit der Industrie in noch weit größerem Umfange al* bisher schon schwächen würden. Die Einwendungen der Zechenverbandc» be­ziehen sich ferner darauf, daß die im September einge­tretene Teuerung bereit» durch die vor einem Monat bcwilligtenLohnerhöhungen reichlich ausgeglichen sei und daß diejetztvorgelchlageneLrhöhung, wieder Schiedrspruch ausdrücklich seststclle, für die erst im Oktober zu erwar­tende weitere Teuerung gewährt werden soll. Eine solche Vorwegnahme von Preissteigerungen, die noch gar nicht eiagetreten sind, sei ganz besonder« im Bergbau bedenklich, weil in ihm jede Lohn- und Prei». steigerung sich sofort auf die ganz« Kohle verbrauchende Industrie übertragen und so zwangsläufig da» Fort- schreiten der Teuerung über da« ohnehin gegebene Maß hinaus verschärfen müsse.

Gegen die Erhöhung »es Gelrel-e- preises.

Die Reichstagssraktion der Vereinigten sozialdemokratischen Partei trat gestern zu ihrer .ersten Sitznyg zusammen, um über den Preis des Umlâgegetreides zu verhandeln. Hermann Müller und Dittman führten den Vorsitz. Her­mann Müller berichtete über die Verhandlungen über eine Erhöhung des Preises für Umlagege­treide und gab der Auffassung Ausdruck, daß sich die Reichsregierung neben rein wirtschaft­lichen Gründen besonders von der Angst um den Zusammenbruch der Getreidewirtschaft bei ihrer Zustimmung zu einem erhöhten Preis für das Umlagegetreide habe leiten lassen. Er er­klärte, die Aufgabe der Fraktion sei es, festzu­stellen, ob neben einer Erhöhung auch der An­spruch der inländischen Brotgetreideproduzenten anerkannt werden müsse und in welchem Maße dies geschehen solle. Reichswirtschaftsminister Schmidt begründete die Stellungnahme der Reichsregierung, die bekanntlich eine Erhöhung des Preises für Umlagegetreide für berech­tigt hält. Nach den statistischen Feststellun­gen des Reichsernährungsministers sind die Aufwandskosten der Erzeugler durchschnittlich um das Dreifache in der Zeit von Mai bis jetzt gestiegen. Sollte dieser Steigerung Rech­nung getragen werden, so würde dies einem Umlagepreis von rund 20 000 Mk. die Tonne gleichkommen. Das bedeute einen Preis, der immer noch um 28 000 Mk. hinter dem im Teien Handel erzielten Getreidepreis zurück­bleiben würde.

Nach längerer Debatte wurde ein Beschluss gefaßt, wonach die Vereinigte sozialdemokra- ische Fraktion an dem Getreideumlagegesetz in einer jetzigen Form festhält und die Erho­lung des Preises für bie erste Lie- erung ablehnt. Es ist bemerkenswert, ) dieser sozialdemokratische Beschluß gefaßt wurde, trotzdem Reichswirtschaftsminister Schmidt sich für die Erhöhung des Getreide- preises ausgesprochen hatte. Der weitere Gang der Ereignisse wird nun der sein, daß das Reichskabinett Dienstag oder Mittwoch die Vor­lage des Reichsernährungsministers Fehr berät und sie dann an den Reichsrat und den Reichstag weitergibt. Der Reichstag wird sich voraussichtlich in einer seiner ersten Sitzungen mit der Angelegenheit beschäftigen und dann erst wird die Entscheidung in dieser Frage fallen.

Preußischer Landlag.

Fortsetz»»- der T«ucr»ngs>epatte.

Die Aussprache über bie Anfragen und Anträge ur Teuerung Iambe« gestern fortgesetzt. Abg. Dr. Hoffmann-Münster (Dnatl. Vpü: 6* müssen Mittel unb Wege gefunden werden, für die Znteklek- tuellen und diè Angehörigen der freie« Berufe zu sorgen. Dergleichen müssen für die kinderreichen Arbeiterfamilien eine Staffelung unb Bezüge erfolgen und für die Beamten Vorschüsse und Beihilfen ge­währt »erben. Befanden bedürfen die geistige« Arbeiter und da« Handwerk der Hilke.Abg. Oeser <Dem.): Nur durch einen einheitlichen nationalen Willen und die richtig« Wirtschaftspolitik ist eine Re­vision bei Friedentvertrage» möglich. Die auf Ver­lange« der Entente eingetretene Autonomie der Reich».

bank bedingt schwerste Eingriffe in da« Wirtschaft«, leben. Die Krrditrrteilung ist eingeschränkt worden und bei der Unt rbringun« der belgische» Schatzwechsel- habe» wir gesehen, daß sie auch Aufträge nicht mehr ohne weitere» au»sühre« kann. Mangel an Sach­werten treibt die Preise in bie Höhe. Wal »n« aber an Substanzen und Vermögen noch bleibt, reißt NN« da« Ausland gu» der Hand. Dazu kommt die fee hWe Bedrückung unsere* Volkes durch den Frieden». Vertrag. Abg. Frau Lehmann (Dnatl. Vp.) schildert bie Not der Kleinrentner und der Lehrerschaft an den Privatschule» und tritt für die von Fran Ebrrstmann angegriffenen Han»frauenvereine ein. Äbg. Frau Bachem (Zentr.) schildert die finaujiele Avt der Kleinrentner, der eine nnwârdige Schlemmerei »ewisser »reife im besetzten Gebiet gegen überstehe. Sie appelliert an bie deutschen Frauen, die Au«land»mode» zu verbannen und sich deutscher Arbeit zuzu- wenden. Abg. Grundmann (D. Vp.) schildert die Wohnungsnot und fordert Wohnungsbau im großen Stil. Die Zuschilßwirtschast habe versagt und bie Zwangswirtschaft müsse planmäßig abgebaut werden. Abg. Westermann (Dem.) betont da« Be­streben der Landwirtschaft, bie Produktion zu erhöben. Man solle aber mit der Umlage dies« Produktion nicht erdrosseln. - A»,. Schlange (Duat. Vp.) erklärt den Eintritt der Deutschen Volkrpartei in bie Koalition für einen weiteren Schritt zum Verderben, wendet sich gegen den Achtstundentag und schließt mit den Worten:^ Wir können den Städtern keine Hoffnung machen, so lange wir nicht vom Versailler Friedenlvertrag lol«1 kommen. Man sollte sich an den Türken ein Beispiel^ nehmen. Landwirtschaft-minister Dr. Wendorff weist darauf hin, daß ein Gesetz betreffend die Ver- sorgung mit Stickstoffdünger borbereitet werde. - Ab,. Ditscheid (Zentr.) tritt fit den Mittelstand ein. Nach einer Erwiderung bei Landwirtschaftt- minifter* wurde bie W«iterberat»n, auf Dicurtag vertagt.

Beginn -es Aaihenauprozesfes.

Am Bormittag bei heutigen 3. Oktober beginnt im Reichsgericht zu Leipzig die erste «ffentliche Verband, lung de« StaattgerichtShofeS zum Schutze der Republik. Sie richtet sich gegen bie in die Mordaffäre Rathenau verwickelten Personc». Seiiattpräsidcvt Dr. Hagen» führt den Vorsitz. Der frühere Rechtsanwalt Fehren- bach fungiert al8 einer der Laienrichter. Rl« Ver­teidiger treten auf die Rechtkanwâlte Sülberg, Block, Held, Gollnich, Greving, Hahn, Lütjcbr»» und Sack. Die 22 geladene» Zeugen werden Wohl erst am zweiten Verhandlungrtage vernommen werden. Die An- klage gegen die 13 Angeklagte« lautet gegen den einen Angeklagten auf Mord, gegen sieben Angeklagte auf «Beihilfe zum Mord uxb andere»', green zwei auf Begünstigung, drei sind wegen Unter» lasiere der Anzeigr angeklagt. Mit Rücksicht ans die erhobene Anklage ist es von Interesse, anläßlich dieser Verhandlungen einmal au bie schweren Strafbestimmungen zu denken, die da» neue Gesetz enthält. Da» Gesetz zum Schutze der Republik bedroht in feinem § 1 .mit Zuchthau» nicht unter 5 Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus, wer an einer Vereinigung oder Verabredung teilnimmt, zu deren Bestrebungen el gehört, Mitglieder einer republi­kanischen Regierung der Reiche» ober eine« Landes durch den Tod zu beseitigen". Und Absatz 2 fügt noch verschärfend hinzu:Ist in Verfolg dieser Bestrebungen eine Tötung gelungen ober versucht worden, so wird jeder, der zur Zeit der Tat an berSeretnigung ober der Verabredung beteiligt war und ihreBestrebungen kannte, mit dem Tode ober mit lebenrlänglichem Zuchthaus bestraft." Straffreiheit wird dem Teilnehmer zugc» standen, her der Behörde vor Begehung der Tat Kenntnis gibt. Dagegen wird den Teilnehmern gleich geachtet, wer durch Rat und Tat, inrbcsondere durch Geldspenden, Beihilfe leistet. Außerdem wird da« Unterlassen der Anzeige von der Kenntni» der i« §§ 1 und 2 genannten Verbindungen oder von einem Mord­plan gegen die durch da» Gesetz geschützten Personen mit Zuchthau», bei mildernden Umständen mit Ge­fängnis nicht unter drei Monaten bestraft.

Der Geburlslag Kindenburgs.

Hannover, 2. Oktbr. Anläßlich des 76. Ge­burtstags erklärte Generalfeldmarschall von Hindenburg Pressevertretern gegenüber, es sei eine nette Zeitspanne, auf 75 Jahre zurück­zuschauen. In dieser Zeit habe er viel erlebt. Er hoffe, daß es Deutschland bald wieder besser gehen werde. Es könnte nicht andauernd in Schimpf und Schande leben. Mit Redensarten ei noch keine Nation groß geworden. Wir haben )ie großen Männer wieder nötig, die die Mo- nente der Außenpolitik richtig auszuwerten oer- tänden. Daß ein Volk sich wieder aufrichtet, 'ann mitunter schneller gehen, als man denkt. Im Jahre 1813 habe sich das deutsche Volk auch nach 7jähriger schwerer Zeit wieder aufgerichtet.

«blehnung einer beutst vSikisch«» ArbeitSstmeinschaft. Der Parteiborstand bet Deutschnationalen Volkspart« hat eine beutsch-bölkisch« Arbeit«gemeinsch«ft mit allen gegen 2 Stimmen ab« gelehnt. In dem Beschluß heißt el: Der völkftch« Standpunkt der Partei sieht fest. Verschiedene Auf­fassungen über seine praktische und theoretische t«r<6» ührung können nLr. im Rahmen der ordentlich« Zarteigliebelllug erklärt werben. Für grundsätzliche (Umarbeitung unb Vertiefung bei völkischen Geba«t«x« 1 ei» völkischer Au»schuß beim Parteivorstand zu üben.

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Dollar (10 Ahr vorm.) 1810