Einzelbild herunterladen
 

Le»«r»vrei«: MonatlichMk. 100. obneTräger, : Einzelnummer Mk.I, Anzeig «nvreile: Die 83 mm breite Zeile Mk. 10.; Finanzinserate 3RL12.: Reklame (68 mm breit) Mk. 24.. Inserate, «ch lassende, werden nur zum jeweiligen Tage,» »teife berechnet. Okf<rt»«sebübr Mk.-L^

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Sla-l- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage

Erfüllungsort und Gerichtsstand für detde Teil« Hanau a. M. Im Falle höherer Gewalt, Streik «sw., hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung bet Bezugs preise». Für Blahvorschrist u. Erscheinungatag« dar Anzeigen wird tefne Gewähr geleistet.

Ar. 228

Donnerslag den 28. September

1922

Verschärfung -er Lage im Orienl.

RevoluNosüre Bewegung in Griechenland. Abdankung König Konstanlins. Ablehnende Haltung Kemal Paschas. Ankündung einer neue» Offensive.

Die Nachrichten aus dem Orient, die heute vorliegen, lassen eine wesentliche Verschärfung ber Lage erkennen. Einmal scheint es nunmehr als fest zu stehen, daß die Antwort Kemal Pa- schas auf die Einladungsnote der Alliierten ab­lehnend ausfallen und daß er verschiedene For­derungen stellen wird, die wir schon gestern an dieser Stelle näher gekennzeichnet haben. Es sind dies, um es nochmals kurz zu rekapitulieren, die Zulassung Rußlands zu den Friedensver- banbiungen, eine Forderung, die namentlich in Frankreich auf entschiedensten Widerstand sto­ßen dürfte, und das Recht zur Anlage von Be­festigungen an den Ufern des Maramarmeeres und in Thrazien. Kemal lehnt weiterhin die zur Sicherung der Freiheit der Meerengen von den Alliierten in Aussicht genommene Regelung, die u. a. die Entmilitarisierung der beiden Ufer­zonen und die Bölkerbundskontrolle vorsieht, kategorisch ab. Endlich verlangt er, daß England unverzüglich seine Truppenbewegungen einstelle. Weiter melbet heute der Draht, daß die in die neutrale Zone von Tschanak eingedrungenen türkischen Kavalleriedetachements bisher noch nicht zurückgezogen worden find, daß also die Gefahr von Zusammenstößen mit britischen Streitkräften nicht von der Hand zu weisen ist. Eine ganz besondere Verschärfung der Lage aber bedeuten die Vorgänge in Griechenland, die keinesfalls geeignet sind, Kemal Pascha zu einer entgegenkommenden Haltung zu bewegen. Obwohl die Revoste der griechisichMMäL^ä gipste und die Abdankung des Königs Konstan- km, sowie die Demission der griechischen Regie- mng offiziell noch nicht bestätigt sind, besteht über die Richtigkeit dieser Meldungen wenig Zweifel, da die Berichte von verschiedenen Sei­ten vorliegen. Die revolutionäre Bewegung ist aller Wahrscheinlichkeit nach nationalistischen Ursprungs und auf die der Türkei durch die Alliierten gegebene Zusicherung der Rückgabe des östlichen Thraziens zurückzuführen. Den Aufftändigen schwebt zweifellos das Ziel vor Augen durch dis Abdankung des in Frankreich verhaßten Königs Konstantin die diplomatische Lage zugunsten Griechenlands zu verbessern und andererseits mit allen Mitteln die Vertei­digung Thraziens gegen die Türken zu organi­sieren. Während die Türken Thrazien sofort zu besetzen wünschen, scheinen die griechischen Auf­ständischen garnicht daran zu denken die fran­zösischen Truppen aus Thrazien zurückzuziehen.

Unter diesen Umständen besteht keine Ur­sache, die Lage opUmistisch zu betrachten die Gefahr, daß die Gewehre losgehen, ist heute größer denn je.

Abdankung König Konstantins und der griechi­schen Regierung.

Paris, 27. Sepk. Rach soeben in Paris eingetroffenen Meldungen hak König Konflan- kln von Griechenland zugunsten des Thronfol­gers abgedankt. Das ganze Ministerium ist zu- rückgekreten. .

Die Abdankung des Königs und die Demif- swn der Regierung ist nach einer Meldung der Agentur Fournier auf eine revolutionäre Be­wegung im Heer und Marine zurückzuführen, die auf den Inseln Mytilene und Chios ihren Anfang genommen und dann auf Salonik über­gegriffen haben, wo sich die ganze Garnison der Bewegung angeschlossen hat. An der Spitze be­findet sich der griechische Oberkommandierende. Auch die Flotte hat sich bereits mit den Insur­genten solidarisch erklärt. Starke Kräfte sollen im Anmarsch gegen Athen bereits das Kap Su- nium erreicht haben. Die Aufständigen haben durch ein Flugzeug eine Proklamation an die ^Bevölkerung abwerfen lassen, in der sie folgende Forderungen stellen: Abdankung des Königs, Bildung eines unabhängigen Ministerium, Auf- lösung der Nationalversammlung und sofortige Entsendung von Verstärkungen n a ch T h r a z i e n. In der Proklamation heißt es weiter, daß die Armee Thrazien um keinen Preis den Türken überlassen werde.

Paris, 28. Sept. Zu den Unruhen wird ge­weidet, daß General Platsiras mit seinen Trup­pen in der Richtung auf Ohio marschiert, wo gegenwärtig noch alles ruhig ist. Die Flotte hat sich gleichfalls zu den Rebellen geschlagen und Zwar die beiden SchlachtschiffeKilkis" und »Senmos", 9 Zerstörer und mehrere Marine­flugzeuge. Größere rebellische Truppenabtei- sungen sollen am Kap Suriam gelandet sein.

Der General Papoulas wird mit den Führern der großen Bewegung in Verhandlungen treten um zu versuchen, der Bewegung Einhalt zu tun. In Athen, wo bie Nachricht verkündet wor­den ist, herrscht große Aufregung. Es werden dort die unglaublichsten Meldungen verbreitet.

London, 27. Sept. Die Meldung von dem vorbehaltlosen Rücktritt König Konstantins er­regt hier großes Aufsehen. Lloyd George befin­det sich auf dem Wege nach London, um auf einer für 7 Uhr einberufenen Ministerkonferenz den Vorsitz zu führen. Die aus Athen eintreffen­den, anscheinend teils von der griechischen Zen­sur gekürzten Meldungen über eine revolutio­näre Bewegung in Griechenland lauten wider­sprechend. Wie die Blätter melden, hat sich die Bewegung aus den Armee- und Flottenquar­tieren Mytilene und Chios nach allen Richtun­gen über Griechenland ausgebreitet. In ganz Griechenland fei der Belagerungszustand ver­kündet worden. Wie aus Athen berichtet wird, ging die griechische Flotte zu den Revolutionä­ren über.

(Nach einer Erkundigung an Berliner amtlicher Stelle liegen dort über die Er­eignisse in Griechenland noch keine bestimmten Nachrichten vor. Auch bei der Berliner griechi­schen Gesandffchast hat man keine amtliche Be- stäUgung der Abdankung des Königs Konstantin sowie des Rücktritts des Kabinetts).

Paris, 28. Sept. Die letzten Telegramme aus

unter der Leitung des Oberst Tzipuras damit beauftragt ist, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Offiziere haben sofort die Unterstützung aller Zivilpersonen und Militärs auf allen Posten er­halten. Sie verlangen eine neue Zentralrrgie- rung, die sofort nach dem Sturz des alten Re- gims gebildet werden müsse. Ueber das Schicksal König Konstantins sind bereits ver­schiedene Meldungen im Umlauf. Es wird be­hauptet, daß Konstantin, nachdem ihm die Schweiz die Einreise verboten habe, sich wahr­scheinlich nach Amerika begeben werde.

Ablehnende Haltung Kemal Paschas.

Rom, 27. Sept. Der hiesige Vertreter der Angoraregierung bestätigte, über das Pro­gramm Kemal Paschas befragt, dessen in* kransigente Haltung und fügte hinzu, die Türkei wünsche keinesfalls, daß der Sitz ihrer Regierung auch fernerhin im Bereich der eng - lischen Kanonen liege; auch lehne sie die Kontrolle der Meerengen durch denVölkerbundab, da diese allzusehr dem englischen Einfluß ausgefehk sei.

L o n d o n, 28. Sept. Das Auswärtige Amt veröffentlicht Ausführungen Mustapha Kemals, die ungefähr folgendermaßen lauten: Der Sieg der türkischen Truppen hat die Meerengen be­reits in unsere Hände gebracht. Es ist daher nur recht und billig, wenn wir auf der Ueber- fchreitung der Dardanellen be­stehen und die Verfolgung des in Klein­asien geschlagenen Feindes fort­setzen besonders da dieser sich in Thrazien reorganisiert. Eine indirekte Kontrolle der tür­kischen Hauptstadt ist für uns u n e r k r a g l i ch. Die sogenannte neutrale Zone ist gar n'ä)l neu­tral sondern dient nur dem Schutze der briti­schen Armee. Die gegenwärtige englische Regie- runa greift zu jeder Intrigue, um bie anderen Mächte zu täuschen und wenn die britische Ra­tion ihre Politik noch länger in den Handen von Staatsmännern vom Schlage Llo^> Georges läßt, so wird sie das Fundament des britischen 3T'me*^ ^ »««J

Stemat Pascha« in Rom erklärt«, die Türkei stelle sich auf den Boden bei Versailler Friedenrvertrage« und verlange Reparation««, Retorsionen und Garantien. Boni Völkerbund halte bie Türker nicht«, da der Völkerbund eine englische Agentur sei.

Weitere türkische Truppen in der neutralen Zone.

Varis 27. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel hält eine 2000 Reiter starke kemalistische Abteilung noch immer Erenkoy m der neutralen Zone von Tschanak besetz. Vor- gestern sei eine weitere Abteilung von 1000 ke- malistischen Reitern in den nördlichen Teil der neutralen Zone eingedrungen und habe Bigha besetzt. Gestern morgen habe der Vertreter An­goras, Hamid Bey, eine Unterredung mit Gene-

ral Harrington gehabt, bei der dieser ihm höf­lich auseinandergesetzt habe, wie wünschenswert die schleunige Räumung der neutralen Zone durch die türkischen Truppen wäre. Hamid Bey habe davon Kenntnis genommen und hinzuge­fügt, daß er den Wunsch des Generals sofort an das kemalifttfche Hauptquartier übermitteln werde.

(Das Dorf Erenköy, das die Reiterei Mu­stapha Kemals besetzt hat, liegt unmittelbar an den Dardanellen, wenige Kilometer von Kum Kaleh einerseits und Tschanak anderseits ent« fernt. Geeignete Batterien würden von hier die Einfahrt in die Dardanellen beherrschen. Bon Erenköy aus beginnt gewöhnlich die Wande­rung der Besucher von Troja. Der Vorfall be­weist, daß die Türken Kemals dieneutrale Zone" bisher nicht anerkannt hatten, wozu sie um so weniger Anlaß hatten, als in derselben Zone griechische Truppen standen und von den Verbandsmächten geduldet wurden, wie z. B. in Rodosto auf europäischer Seite, wo auch heute noch griechische Truppen zu stehen scheix nen. Bigha liegt mehr landeinwärts als Erenköy, südlich vom Marmarameer.)

Kemal auf dem Marsche nach Konslaulinopel.

Rom, 28. Sept. Nach einem Bericht des Carriere della Sera" aus Smyrna haben die Türken nunmehr die strengste Paßkontrolle über landende und abfahrende Fahrzeuge eingerich­tet. Das Groß der türkischen Heere in Stärke von 70 000 Mann marschiert in 3 Kolonnen nordwärts ab. Kemal Pascha, der sich noch in einem Villenvorort Hurnaba befindet, bereitet selbst den Aufbruch vor. Er wies ihn suchende Deputationen an, ihn nordwärts, also auf Kon­stantinopel zu, aufzusuchen.

Eine neue türkische Offensive?

Meldung.)

Paris, 28. Seps. Das türkische Oberkom­mando hat angekündigt, daß, wenn die Grie­chen nicht sofort die Räumung Thraziens vor­nehmen, die Türken die Offensive gegen die Griechen am 30. September wieder aufnehmen würden.

P a r i s, 28. Sept. Der gestrige englische Mi- nisierrat hat sich mit der Lage in Kleinasien und in Athen befaßt. Alles was über die Beschlüsse verlautet, ist, daß die englische Regierung bei Kemal Pascha vorstellig werden will, um den von ihm gesetzten Termin30. September für die vollständige Räumung von Kleinasien durch die Griechen zu verlängern.

Eine Unterredung mit Tschitscherin.

Ohne Rußland keine Lösung der Orientfrage.

Berlin, 28. Sept. Der russische Volkskom­missar des Aeußeren, Tschitscherin, hat gestern abend 147 Uhr Berlin verlassen, nachdem er sich 4 Monate zur Wiederherstellung seiner Gesund­heit aufgehalten hat. Herr Tschitscherin fährt über Warschau, wo er zwei Tage bleibt, nach Moskau. In seiner Begleitung befindet sich der Direktor der juristischen Abteilung des Mos­kauer Außenkommissariats. Der sowjetrussische Botschafter Kreszinski mit den Herren der Bot­schaft und Ministerialdirektor von Maltzahn vom Auswärtigen Amt waren zur Verabschie­dung auf dem Schlesischen Bahnhof erschienen. Dem in Vertretung derTelegraphen-Union" gleichfalls anwesenden Freiherrn von Meden sagte Herr Tschitscherin bei seiner Abreise: Ich bin meinen neuen und alten deutschen Freunden tief dankbar für die herzliche und innige Freund­lichkeit und die guten Gefühle, die sie mir be­zeugten. Ich verlasse Deutschland mit den schön­sten und angenehmsten Erinnerungen und hege die besten Hoffnungen für die Weiterentwick­lung der zwei Völker.

Bezüglich der augenblicküchen Lage äußerte Herr Tschitscherin: Die amerikanische Presse staunt, daß wir keine amerikanische offizielle Kontrollkommission in Rußland zulassen woll­ten, wenn keine offizielle Vertretung Rußlands die Vereinigten Staaten betreten kann. Als die Entente vor einigen Monaten als Vorstufe zum Frieden der türkischen Regierung vorschlug,, eine Kontrollkommission nach Angora zu schicken, lehnte die türkische Regierung ab. Sollen wir weniger Selbstgefühl haben als die Türken? Ich betone nochmals, Konstan­tinopel muß der Türkei gehören. Rußland muß an der Regelung der Orientfrage teilnsh- men. Ohne Rußland wird jede Entscheidung der Mächte in bet Orientfrage zwecklos und reful- tatlos fein.

Ei» zweiles Sehulöbekennlni» vor -er Aufnahme in den Völker-»»-.

Der politisch« fRebafteut bei ,Te«P»', geriefte, melbet aul ®exf, bag von verschiede»«« P«rsL»Ilchktitc»

Versuche gemacht werden, Deutschland in de« V ö l k e r d » » d zu bringen. Die deutsche Regierung fol veranleht werden, ihren Beitritt sogleich zu Vean- tragen und die Aufnahme ix den Rat de» Völker­bünde« zu verlangen. Wenn di« Diskussion über diese Fra,« herbei,«führt wird, müsse nach Meinu», Herbette« erst öffentlich geprüft werden, in welcher Weise da« Deutsche Reich di»ber seinen Verpflicht»«»«» nachgekommen ist und welche Erklärn«, ti für die Zukunft ab,eien will.

«in rrnfunhmtgesuch würbe »«beute*, best Deutschkand auf feinen Protest -e-en da» B«st«h«i, bei vertrage- verzichtet. «# m*ffe «ewistermasten eine neue, unb »war freiwillige Unterschrift unter ben Vertrag Nen Versailles setzen.

Wie in einem solchen Falle verfahren werden könnic, zeigen die Bedingunaen, die für die Aufnahme Ungarn« in den Bund gestellt worden sind. Da je» doch ein deutscher Antrag bi» zur Stunde nicht vor­liegt, sei er möglich, b«ß die Zeit für die Di»knssto> dieser Frage nicht «»»reicht«.

sDiese .Bedingungen' öffnen hoffentlich den ewig Unverbesserlichen die Augen.)

Bon -er Reparalionskommission.

Berlin, 27. Sept. Nach einer tel«,raphischeN Mitteilung der deutschen Ikriegtlasteukonimission in Paris hat die Reparationrkommissio» beschlossen:

1. der Krieaslastenkommission den Empfang der deutschen Schatzwechsel für Belgien zu bestätigen,

2. die Schatzwechsel der belgischen Regierung zu übergeben,

3. Belgien und Deutschland für den Nominalbetrag der Wechsel sür den 15. August und 15. September zu belasten und zu erkennen.

Die Empfan,»bcstätigung der ReparationtkommUsto» für bie Schatzwechsel ist gestern abend bei der Krieg,- lastenkommission eingegangen. Die Reparation,kom- mission teilt darin mit, die belgische Regierung habe sie davon verständigt, daß sie sich mit der deutschen Regierung über die Frage der Garantien für bie Schatzwechsel geeinigt habe. Mit dieser offiziellen Mit­teilung der Rtpararion»ko«mission dürste bie An­gelegenheit jetzt endgültig erledigt sein.

IUm die Preisfestsetzung -es Amlagegelrek-es.

Berlin, 27. Sept. Das Reichskabinett hat sich heute nachmittag in einer mehrstündigen Sitzung mit der Frage der Preiserhöhung für das erste Drittel der Getreideumlage beschäftigt. Dem Kabinett lag ein Vorschlag des Reichs­ernährungsministeriums vor, der eine Preiser» Höhung vorsieht; unter dem Satze, der sich aus der Münchener Aeußerung des Reichsernäh­rungsministers Prof. Fehr ergibt, also etwa 18 000 Mark für die Tonne Roggen, dürfte der Vorschlag des Ministeriums nicht liegen. Das Reichskabinett konnte sich nicht ohne weiteres über die Preisfrage verständigen und man hat die Beschlußfassung bis Anfang nächster Woche verschoben.

Preuhifcher Landlag.

Der preußische Landtag begann gestern seine Herbst» session. Die erste Sitzung war sehr kurz, sie bauerte knapp 2 Stunden. Zuvor hatte der Aeltestenr«t sich in einer eingehenden Sitzung mit der Geschäftsordnung für die bevorstebende Session befaßt. Am Freitag dieser Woche beginnt bie große politische Aursprachi im Rahmen derBcsprechnngderTeuerun,»interpellatio». Man wird mit sehr groben, lebhaften Auteinander- setzungen zu rechnen haben. Bereit« beute zu Beginn unb Schluß ber Schung hatten e« die Kommunisten versucht sich als besserer Freund bei notleidenden Volkes aufzuspielen indem sie ben sofortigen Eintritt bei Hauses in die Aussprache verlangten. Natürlich handelt ei sich nur um eine Stimmungsmache. Der Antrag verfiel denn auch der Ablehnung bei ganzen Hauses mit Ausnahme der Antragsteller. Mit ihren erneuten Versuchen, zu Ende der Sitzung Sturmszenen zu provozieren hatten die Herren van der äußersten Linken dätsclbe Mißgeschick, sie kamen nicht zu Wort«. Man merkte ihre Absicht doch zu sehr. Zu Le,in» der Si^ttng brachte der Präsident Leinert den Dani der Hause« für bie Haltung der Oberschlesier bei den verflossenen Wahlen. Da« Hau» erledigte dann ohne jede Debatte eine stattliche Reihe kleinerer Gesetz­entwürfe, darunter auch die Erweiterung der Berufs, schulpflicht. Dieser Entwurf, wie auch eine Reihe anderer Entwürfe wurden den Aurschußberatungea überwiesen. Sodann vertagte sich dar Hau« auf heute Donneritag.

Di« Partei der Unentw«gt«n. Sebebout und seine Anhänger teilen in einem Flugblatt« mit, bas sie eine Partei keustttuierten, um bie U. S. P. D. ausrechtzucr-alten. Vorsitzende der Partei sind Ledebour und Theodor Liebknecht. Ledebour kündigt für Anfang; Oktober da« Erscheinen einer Wochkiizeitung an, die sichKlassenkampf" nennt und deren Chefredakteur er ist.

Die Pachtschxtz»r»nu«g vor dem etaati« rat. Der preußiiche Staatsrat nahm am Mittwech abexb bie neue Pachtschutzoronung an. Gegen bie Stimmen der Sozialdemokraten wurden einige Aende­rungen beschlossen. Ein R«gierung»vertr«ter stellte «in« ähnliche Pachtschutzardnung auf für Jagd, Fischerei unb Gewinnung von Bodenbestandtcilen in Antficht.

Dollar (10 Ahr vorm.) 1720-1750