Stift 2
Montag sen 11. Sepkembet
51t. 213
Lokales.
Hanau, 11. September.
Wenn die Tage kürzer werden.
Man merkt sie schon sehr, diese Tage des Uebergangs, in denen der Sommer sich in Herbst wandeln will, in denen das letzte Blühen und Leuchten in die Natur kommt, das Jahr längst seinen Höhepunkt überschritten hat. Und wenn auch ab und zu Frau Sonne wundervoll wärmend über die Erde strahlt, die Abendschatten kommen rascher, und wir müssen uns eben dareinfinden: Es ist ausklingende Sommerzeit, es sind abnehmende Tage.
Jst's nicht, als ob ein Sinnbildliches fürs Menschenleben mitspräche? Gibt es da nicht auch ein ständiges Abnehmen? Die Vollkraft des Schaffens dauert nur eine gewisse Zeit, und nach der Jugend und der Mittagshöhe des Lebens stellt sich das Alter ein. Es ist nicht jedem leicht, mit dieser Tatsache in vollen inneren Einklang zu kommen, aber eg bleibt nun einmal unser Los: allmähliches Schwächer- und Wenigerwerden, und wenn cs Titanen des Geistes und Körpers gibt, die bis ins höchste Alter jugendrüstig bleiben, so bestätigt diese Ausnahme eben nur die Regel.
Der religiöse Mensch schaut die abnehmenden Lebenstage im Lichte des Ewigen. Er kann es Nicht ändern, daß um und in ihm vieles zergeht, was ihm schönstes Glück zu sein und zu bleiben schien, aber er fühlt und hat einen innersten Kraftquell des Glaubens und Hoffens, der auch durch widrigstes Vergänglichkeitsgeröll niemals ganz verschüttet werden kann. Vielleicht kommt manchmal eine letzte Heimwehstimmung über solch einen Menschen, aber sie ist kein herber Schmerz, sondern wie ein stilles, freundliches Sichsehnen nach einer Harmonie des Ewigen und Seligen, die über allem Irdischen leuchtet, und die doch auch für den Erdenpilger eine wundersam zu erfassende Gewißheit ist. . .
Wer hat Anrecht auf Warkenbrvl?
Einkommensgrenze von 30 000 Mark. — Die Ausführungsbestimmungen des Ministeriums.
Durch eine Verordnung über die öffentliche Brotversorgung vom 8. September hat das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft nunmehr die Ausführungsbestimmungen zu § 31 des Getreidegesetzes über die Beschränkung der Versorgung mit Markenbrot erlassen. Danach werden alle Personen von einer gewissen Einkommensgrenze ab von der Versorgung ausgeschlossen. Da für dieses Jahr die Einkommensteuerveranlagung noch nicht erfolgt ist, mußte das steuerpflichtige Einkommen für das Kalenderjahr 1921 zugrunde gelegt werden. Die EmkmnmenM'rènze
vergangene Jahr für eine Person 30000 Mark zuzüglich 15 000 Mark für jeden in dem gemeinsamen Haushalt verpflegten Haushaltsangehörigen. Für denjenigen, dessen Einkommen sich gegen diese Höchstsätze für 1921 in diesem Wirtschaftsjahre um nicht mehr als das Vierfache vergrößert hat, also der Geldentwertung nicht genügend gefolgt ist, bleibt der Nachweis dafür offen und damit die Möglichkeit, markenfreies Brot zu beziehen, auch wenn er nach feinem Einkommen vom vorigen Jahre davon ausgeschlossen sein würde. Die Durchführung der Verordnung liegt in der Hand der Kommunalverbände. Der Ausschluß der Personen, die auf Markenbrot keinen Anspruch haben, soll bis zum 16, Oktober 1922 erfolgen.
„Frau Else".
Die Geschichte einer Ehe. Von L. v. Rohrschelle
39. Fortsetzung. (Nachdr. benoten.)
Sie sah ihn im Geiste so deutlich vor sich, einsam, in seinen Mantel gewickelt, auf vorgeschobenem Posten am Lagerfeuer, in der eiskalten afrikanischen Nacht. In herrlicher Klarheit flimmerte das Kreuz des Südens am tiefdunklen Himmel. Ach, wenn sie hätte bei ihm fein dürfen! Einmal noch in das teure, ernste Antlitz sehen, einmal noch die geliebte, bräunliche Hand fassen, die feine Hand des Meisters, die den Saiten Töne voll wunderbarem Wohllaut entlockte. Sie war gewiß hart geworden im Kampf mit dem zähen Dornengestrüpp, und nur noch gewohnt, die Waffe zu führen.
Ohne Nachricht von der Heimat, abgeschnitten von jedem Vorteil der Zivilisation, dem Hunger, dem Durst, der sengenden Hitze wehrlos ausgesetzt, vollendete die kleine Schar Märtyrer der afrikanischen Wüste vielleicht die gewaltigste Leistung in dem Weltkriege.
»Wir hatten schon so lange keine Nachrichten", sagte Frau von Biegeleben in bekümmertem Ton. „Hans-Otto ist ja zurzeit in verhältnismäßiger Sicherheit, aber es scheint, als wenn auch er nichts von Rainer erfahren kann, wie ich gehofft hatte. Ist die Abendpost noch nicht gekommen?"
„Marlene bringt sie."
Mit gewichtigem Schritt kam die Alte die Treppenstufen herauf. Sie trug einen Feldpostbrief und legte ihn mit spitzen Fingern, in jeder Beziehung ihre Abneigung verratend, vor die Mutter hm.
„Vom Herrn Rittmeister."
Ihre Stimme klang, als hätte sie „von Robert dem Teufel" gesagt.
„Nun? Schreibt er so lang?" Else wandte ßd) um und sah in der Schwiegermutter leichen
Die Geldknappheit.
Erklärung aus dem Reichsbankdirektorium.
Die sprunghafte Teuerung hat eine Knappheit der Geldscheine oder des Scheingeldes gezeitigt. Die österreichische Notenbank, seit langem mit der Katastrophenbaisse ihres Geldes vertraut, wird mit den Anforderungen des Marktes leicht fertig, wie immer hervorgehoben wird. Deutschland ist aber in ganz anderem Maße ein Jndustrievolk als Oesterreich, und die Auszahlungen in kleinen Scheinen stellen ganz andere Anforderungen. In Oesterreich sind 240 Milliarden Papiergeld in Umlauf, und zwar in 2,5 Milliarden Stücke, in Deutschland ist entsprechend der Währung nur der neunte Teil Papiergeld in Umlauf, aber in 4,5 Milliarden Stücken. Es kommt bei dem deutschen Papiergeld noch eine Erscheinung binzu, die fi* besonders scharf in den letzten Wochen ausgeprägt hat. Das Ausland hamstert deutsche Banknoten, besonders den alten Taussndmark- schein, der besonders bequem zum Einkauf ist. Es werden für deutsche Banknoten bis 25 pro Mille Aufgeld im Ausland über den Tageskurs gezahlt, um nicht die Devise, sondern die bare Note in hie K-mch zu bekommen.
Diese Erscheinungen, die zu schwerwiegenden wirtschaft!. Komplikationen bei Lohnauszahlungen usw. geführt haben, veranlaßt ein Berliner Blatt mit dem Reichsbankdirektorium eins eingehende Ausivrache herbeizuführen. Das Reichsbankdirektorium ist sich natürlich über die Folgen der Notenknappheit vollständig im klaren, aber es weist darauf hin, daß alles geschehen sei, ihr zu begegnen. Zurzeit werden 2 Milliarden, vom 15. d. Mts. ab 3 Milliarden, vom 1. Oktober ab 4 Milliarden täglich gedruckt. Aber die Anforderungen Übertritten jede Voraussicht; ein Lohntag in Essen gebraucht 4—5 Milliarden Scheine. Der Hauptgrund für die Knappheit liegt vor allem darin, daß seit drei Wochen — dem Beginn des Dollar-Spurtes — keinerlei Rückflüsse in die Kassen der Reichsbank stattgefunden haben. Die Zirkulation des Geldes hat aufgehört. Die Gründe dafür liegen in den riesigen Anaftkäu- fen des Publikums, das jeden Sparpfennig in Ware anlegte, dann, als diese V^riode vorüber war, in einer törichten Noten-Hamsterei.
Unter der Voraussetzung, daß die Mark in der nächsten Zeit stationär bleibt, glaubt das Reichsbankdirektorium trotz der Schwierigkeiten in der nächsten Zeit die Stockung überwunden zu haben. Kennzeichnend für die Anspannung sind zwei Beispiele: Die Post, die sonst Banknoten abgab, hat an diesem Ultimo ihre Postscheckämter selbst alimentieren müssen: die Reichsbankhauptstelle in Essen, die das Industriegebiet bedient, konnte bisher ihren Ultimobedarf bis über ein Drittel aus Eingängen selbst decken, diesmal hatte sie keinerlei Eingänge.
Selbst wenn man eine Teuerungswelle von 200 Prozent annimmt — was nicht der Fall ist —, ist der gesteigerte Bedarf aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht zu erklären. Er ist seit 3 Wochen von 800 Millionen auf 4 Milliarden gestiegen. Es müssen eben die zahlreichen Auslandkäufe in Noten und die törichte Notenhamsterei zur Erklärung herangezogen werden.
Die Klagen des Publikums über das Fehlen der Tausendmarknote hängen mit diesen Aus- lcndsaufkäufen zusammen. Man ist mit Ausgabe dieser Note sparsam, weil sie doch sofort dem inneren Verkehr entzogen wird. Auf die Reichsdruckerei wird ein starker Druck ausgeübt, möglichst viel kleinere Scheine zu liefern. Nicht immer mit Erfolg.
Die Reichsbank bereitet für Jahresultimo —* um den dann einsetzenden Bedarf vorzubereiten
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blasses, gramgestörtes Gesicht. „Um Gotteswillen, was ist denn geschehen? Ist er verwundet? Wenn er selbst schreibt, kann es doch nicht so gefährlich sein?"
„Hans-Otto ist gesund," antwortete Frau von Biegeleben, gewaltsam nach Fassung ringend, „aber Rainer ist gefallen! — Schon vor vielen Monaten! — Oh, mein Kind, mein liebes, liebes Kind!" Heiße Tränen rannen aus ihren Augen.
„Mutter!" — Else lag auf den Steinfliesen vor ihr und drückte ihren Kopf in die Kleiderfalten, als wenn sie nichts mehr hören und sehen wollte. Die tiefe Leidenschaftlichkeit des Empfindens dieser so ruhig erscheinenden Natur brach hervr. „Ach Gott, laß mich sterben,»das ist die einzige Gnade, die es noch für mich gibt."
Wölfchen, der im Garten gespielt hatte, streichelte zärtlich den schwarzlockigen Kopf. „Mutti, liebe Mutti." — Marlene führte ihn leise fort.
Der warme Sommerwind, der die abgefallenen Rosâblätter in losem Spiel auf dem Boden zusammentrieb, wehte auch das weiße Briefblatt mit der inhaltsschweren Botschaft umher. „Bring' es Else schonend bei", stand zum Schluß in den großen, kräftigen Zügen geschrieben. Es war wohl das erstemal, daß Hans-Otto Rücksicht auf das Gefühl seiner Frau nahm; aber was gab es für Schonung gegen die unerbittliche Härte des Schicksals!
Frau von Biegeleben beugte sich liebevoll zu der zusammengebrochenen Gestalt nieder, die noch immer regungslos vor ihr kniete.
„Wir müssen uns in Gottes Willen ergeben, mein armes Kind, der von uns allen jetzt die schwersten Opfer fordert." — Ihre Stimme brach. — „Er starb den schönsten Soldatentod; aber wie gern, o, wie gern hätte ich ihn wiedergesehen!"
So nahte der vierte Kriegswinter heran. Die in Sommerluft anmutig wirkende märkische
— große Appoints, Stücke von 560 000 Mr. pp. vor. Die Noten werden im Dezember in Verkehr gegeben, um rechtzeitig die Umlaufmittel für die großen Barzahlungen am Jahresschluß zu sichern.
Das Reichsbankdirektorium hatte sich kurz vor der Unterredung mit München, Nürnberg, Dresden, Essen, Danzig, Bamberg, Königsberg usw., etwa 100 Städten, in persönliche Verbindung gesetzt. Die einlaufenden Berichte meldeten alle von einer Besserung der Lage. D i e Hauptsache bleibt, daß die Zirkulation des Geldes wieder beginnt. In dem Augenblick, wo das Publikum mit dem Hamstern der Noten aufhört, werden die Schwierigkeiten vollständig beseitigt sein.
§ Herbsiferien. Der Herr Oberpräsident hat die Herbstferien der höheren Schulen überhaupt, der mittleren und Volksschulen an denjenigen Orten, an denen sich höhere Schulen und Lehrerbildungsanstalten befinden, wie folgt festgesetzt: Schluß des Schulunterrichts Samstag, 30. September, Wiederbeginn des Schulunterrichts Dienstag, 17. Oktober. Diese Vorschrift gilt mithin im Regierungsbezirk Cassel für alle höheren, mittleren und Volksschulen in Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern usw., ausgenommen die israelitischen Volksschulen in diesen Städten. Für die Sommer- und Herbstferien in den übrigen Orten des Regierungsbezirks, wiederum ausgenommen die israelitischen Volksschulen, bleiben 47 Tage verfügbar. Bestimmung über die Tag und Verteilung derselben treffen die Landräte und Kreisschulräte im gegenseitigen Einvernehmen und nach Anhörung der Orts- schulbehörden. An allen israelitischen Volksschulen im Regierungsbezirk beginnen die Herbstferien Samstag, 30. September und endigen Sonntag, 15. Oktober.
* Die westeuropäische Zeit im besetzten Gebiet. In der Nacht zum 8. Oktober wird für die Eisenbahnen im besetzten Gebiet an Stelle der jetzigen mit der mitteleuropäischen Zeit übereinstimmenden westeuropäischen Sommerzeit die eine Stunde später liegende westeuropäische Zeit (W. E. Z.) wieder eingeführt. Die Eisenbahnuhren werden daher im besetzten Gebiet in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober von 12 Uhr auf 11 Uhr zurückgestellt. Die Stunde von 11 Uhr bis 12 Uhr nachts erscheint demnach doppelt. Für das bürgerliche Leben bleibt die mitteleuropäische Zeit bestehen. Die Wiedereinführung der westeuropäischen Zeit für die Eisenbahn ist somit eine betriebstechnische Maßnahme, die zwar in den zu veröffentlichenden Fahrplänen äußerlich zum Ausdruck kommt, durch die aber das Verkehrsleben im Nahverkehr im allgemeinen nicht berührt wird.
* Derakungsstunde für Lungenkranke. Die nächste unentgeltliche Beratungsstunde für Lungenkranke ans dem Landkreise Hanau findet am k ü n s t i g e n M.i t t w o ch , 13. d. M t s., nachmittags 3% Uhr, im Landkrankenhaus in Hanau unter Leitung des Herrn Sanitätsrat Dr. Zuschlag statt. Zu beachten ist aber, daß jeder diese Beratungsstund aufsuchende Kranke sich im Besitz des blauen Ueberweisungsscheines seines behandelnden Arztes befindet.
* Versorgung Hinterbliebener nach dem Alt- renlnergeseh. Die Absätze 5 und 6 des § 8 A. R. G. gelten für die Hinterbliebenen der nach einer Dienstzeit von mindestens 18 Jahren nach dem M. V. G. versorgten Kapitulanten einschließlich der seit 1. 8. 14 ausgeschiedenen Löhnung empfangenden und der in der Zeit vom 1. August 14 bis 31. März 20 ausgeschiedenen Gehalt empfangenden Kapitulanten und für die Hinterbliebenen der während der Zugehörigkeit zur Wehrmacht nach zehnjähriger znn9roii««QK!WBmoR^^
Landschaft ist von trostloser Melancholie, wenn die schweren Regenwolken am einförmigen Himmel hängen, die dampfenden Nebel von den stumpfbraunen Wiesen steigen und der lockere Sandboden die Wassermenge nicht mehr aufsaugt, so daß glitzernde Lachen die Wege an= füllen.
Frau von Viegeleben musterte mit Sorge das durchsichtig bleiche Antlitz ihrer Schwiegertochter. „Du vergehst wie ein Lichtstümpfchen, arme Kleine, wenn ich nur wüßte, womit man dir wohltun und eine Freude machen könnte. Bleibt Hans-Otto in feiner bisherigen Stellung, dürfen wir hoffen, ihn Weihnachten wenigstens mit kurzem Urlaub hier zu haben; dann wird er mir Vorwürfe machen, daß ich dich nicht besser gepflegt habe."
„Du bist so gut zu mir," sagte die junge Frau langsam, „viel besser, als ich es verdiene."
Frau von Biegeleben nahm das zarte, blaffe Gesicht in ihre mütterlichen Hände und blickte tief in die Augen, die ihr mit einem Ausdruck hoffnungsloser Trauer begegneten: „Ich habe dich immer lieb gehabt, vom ersten Augenblick .an, als du mit deiner schüchternen, kindlichen Anmut mein Herz gewannst. Dann bist du mir auch teuer als Frau meines, Gott sei's geklagt, jetzt einzigen Sohnes und Mutter des kleinen Stammhalters unserer Familie; aber" — ihre Stimme sank zum Flüstern — „am meisten liebe ich dich als Rainers Vermächtnis, der mir in der letzten Stunde, in der ich ihn sah und nicht ahnte, daß es ein Abschied für immer sein würde, die Sorge für dich ans Herz legte."
Else zog in tiefer Bewegung die Hand der Mutter an ihre Lippen. An ihren langen Wimpern hingen schwere Tränentropfen, die ersten, die sie in ihrem Schmerz weinte, den sie bis jetzt in völliger Dumpfheit getragen hatte.
„Wenn du alles weißt, Mama, wirst du auch
Dienstzeit gestorbenen Militärpersonen bet Unterklassen auch dann, wenn der Tod des Kapitulanten vor dem 1. Januar 1921 eingetreten ist. Ob diese Hinterbliebenen nach dem bisherigen Recht verforgungsberechtigt waren oder nicht, ist belanglos.
* Verein für Kunstpflege zu Hanau a. M, Das kommende Arbeitssemester des Vereins ist ein besonderer. Kaum jemandem wird es mög, lich sein, sich die hohen Genüsse des geistiger Gebens leicht zu verschaffen, da ja wohl nirgend, bei unsern heutigen unsicheren Außenverhältnissen das Auskommen und Dasein hindurchgeschleppt werden kann. Mit einem „Trotzdem" tritt der Verein für Kunstpflege auf den Plan und bietet nun erst recht Bester und Wertvollstes, I« schwerer die Tage werden, desto stärker« 8«. gengewichte zu bringen, fühlt der Verein sch Kunstpflege sich verpflichtet. Und nun will et in den kommenden bösen Monaten eine Well schwerster Werte heraufführen, von denen mar leben kann, selbst in diesen zerbrochenen Tagen Der in Hanau bekannte Dr. Herbert Äran; beginnt das Semester und wird eine Morgenfeier halten über das Thema: was kann un, die Lyrik der Gegenwart sein? (mit Rezitationen), Dann folgt die Musikgruppe mit einem Abend Döbereiner; wertvollste, ganz alte Musts wird geboten, und zwar mit den seinerzeit gebrauchten alten Instrumenten, die wir heut« gar nicht mehr kennen. Einen ganz wertvollen Abend werden wir im Theater erleben: Mary Wigmann tanzt? Sie ist die wichtigste untn den, diese tiefernste Kunst pflegenden Tänzerin« neu. Die Gruppe für darstellende Kunst hat sich eingestellt auf frühe Kunst und bringt einen Vortrag von Worringerüberfrühe italienisch, Kunst. Sie wird auch einen Vortrag über früh, deutsche Kunst und einen über frühe asiatisch« Kunst bringen. Der erste wird von Kautzsch, der andere von Witt gehalten. Das uns hier schon liebe Wendlingquartett tritt die,, mal mit Quintetten aus alten Tagen auf, und vielleicht werden wir in der Marienkirche ben Organisten Straube-Leipzig und den San, ger Helge Lindberg, etwa in der Pas, sionszeit, mit ernsten Bachschen Wiedergaben hören. Die Gruppe für Literatur wird Wü ll, n e r bringen. Wüllner wird aus der Ilias vor, lesen in einer Morgenfeier. Sie wird auch Prof. Eucken bitten, über „Religion unb Kultur" in einer Morgenfeier zu sprechen. Vielleicht gelingt es ihr sogar, Irene Triesch zu bekommen, die in einer Morgenfeier aus der Bibel vorlesen wird.
* Gesellenprüfung. Diejenigen Lehrlinge des Schlosser-, Schmiede- und Kupferschmiede-Handwerks, welche jetzt ihre Lehrzeit beenden, haben sich zum Zwecke der Gesellenprüfung bis spätestens 20. September bei dem Vorsitzenden dei Prüfungskommission, Herrn Schlossermeistei W. Schnitzer, Schnurstraße 15, zu melden. Spa 'tofe Anmeldungen können keine Berücksichtige mehr finden. Es ist Pflicht der Meister, ihn Lehrlinge zur Ablegung der Prüfung ans* halten.
Stadttheater SSassaM
Direktion: Joh. Poetsch. — Telephon 160.
Mantag, 11. September, 7-/, Uhr
Die beiden Seehunds
Lustspiel in 3 Akten von C. Rößler
Dienstag den 12. September, 7st, Uhr (1. Abonnements-Vorstellung) Wollensteinr Lager — Piccolomini.
verstehen, daß ich Hans-Otto nicht wiedersehen kann." Sie schauderte fröstelnd zusammen. „Seine Ihute Stimme, sein Lachen würden mein Ohr, mein Herz zerreißen — ich kann nicht! - nicht wahr, du begreifst es?"
Das tat Frau von Biegeleben nun allerdings durchaus nicht; für so verfeinerte Gefühlsregungen ging ihr jedes Verständnis ab. Sie dankte Gott, daß sie noch einen gesunden Sohn hatte, und wenn er wirklich Urlaub bekam und sein frohes Lachen das stille Haus erfüllte, würde es für sie alle ein Glück fein, er trauerte darum doch tief und herzlich um den Bruder. Hatte er ihr nicht kürzlich geschrieben: „Ich werde es mir selbst niemals verzeihen, daß ich es nicht ver- fuchte, ihm noch einmal die treue Bruderhand zu drücken, ehe er nach Afrika ging. Daß ich ihn allein seinen schweren Kampf auskämpfen ließ und mich grollend von ihm fernhielt, ihm nid) fchrieb, um ihm zu danken. Wie edel und fep trat er zur Seite, um mein Glück nicht weiter zu stören; er war der Bessere von uns beiden."
„Ich glaube, Hans-Otto hat sich auch verändert," sagte sie. „Ihr würdet euch jetzt besser verstehen. Die langen und doch so einförmigen Kriegsjahre haben ihn viel ernster werden lassen; er wird jetzt begreifen, daß er einer Frau, welche in der ganzen Trennungszeit immer allein handeln mußte, beim künftigen Zusammenleben viel mehr Rechte einräumen und eine weit größere Selbständigkeit gewähren muß ass bisher. Ich würde dir auch immer treu bestehen; mache ich mir doch bittere Vorwürfe, das ich Rainers künstlerische Eigenart nicht erkannte und feinen größten Wunsch, Musik zu studieren, nicht erfüllte. Wir sollen aus jedem Leid lernen. Wenn Wölfchen dieselbe Neigung hat, so werde ich dafür sorgen, daß Hans-Otto ihm freie Bahn zur Entfaltung läßt und er wird auf mw hören."
r (Fortsetzung folgte