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Hanauer L Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheinl täglich mit Ausnahme der Sonn. und Feiertage

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Kr. 213

Montag Sen 11. September

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1922

Das Neueste.

Die Besprechungen zwischen den Vertre­tern der belgischen Regierung und der Reichs­regierung sind am Samstag ohne abschließen­des Ergebnis zu Ende gegangen.

Die deutsche Nationalhymne bleibt im be­setzten Gebiet weiterhin verboten.

Poincarè hat gestern eine neue Sonn- jagsrede gehalten.

Die Türken haben Smyrna besetzt.

In englischen Kreisen befürchtet man den Ausbruch eines neuen Balkankrieges.

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Die deutsch-belgischen Verhandlungen sind im Samstag abgebrochen worden und gestern nachmittag haben die belgischen Delegierten Berlin verlassen, my wieder nach Brüssel zu- rückzukehren. Obwohl es sich hierbei nicht um inen Abbruch wegen einer absoluten Nichtver­ständigung handelt eine Wiederaufnahme der Verhandlungen liegt im Bereiche der Mög­lichkeit, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß die Lage nicht so günstig ist, wie sie von verschiedenen Seiten hingestellt wird. Die belgische Auffassung ist, wie aus einer wei­ter unten folgenden Pariser Meldung ersichtlich, zu allem andern angetan, als voreiligen Opti­mismus zu hegen. Amtlicherseits ist über den Abbruch der Verhandlungen folgender Be­richt herausgegeben worden:

Berlin, 9. Sept Die Besprechungen mit den Vertretern der belgischen Regierung in der Frage der Schahwechsel wurden heute zu Ende geführt: ein abschließendes Ergebnis wurde noch nicht erreicht. Während in

wesentlichen Punkten eine Einigung erzielt

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entlichen Punkten eine Einigung erzielt me zwene

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Schußwechsel über sechs 2Uonafe hinaus Schwierigkeiten ergeben, du diese Verlängerung nach Auffassung der belgischen Regierung über den Rahmen der Entschei­dung der Reparakionskommission hinausgeht. Die belgischen Vertreter werden morgen mittag nach Brüssel zurückreisen, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Sie betrach­ten ihr oben umschriebenes Mandat augen­blicklich als beendet, was jedoch einer Wiederaufnahme der Verhand­ln n g e n nicht enègegensteht.

Der amtliche Bericht ist sehr knapp gehalten und es ist bedauerlich, daß die Regierung nicht etwas mehr über den Inhalt der Verhandlungen der Oeffentlichkeit übergeben hat. Insbesondere wäre es wünschenswert gewesen, etwas näheres darüber zu erfahren, in welchen Punkten ein positives Ergebnis erzielt worden ist. Auch wäre es am Platze gewesen, wenn dis Regie­rung zu der auch von uns am Samstag aus Paris gemeldeten Verteilung der Schatzivechfel Stellung genommen hätte. Augenscheinlich legt man keinen wesentlichen Nachdruck darauf, die deutsche Oeffentlichkeit zu orientieren und dabei wäre dies so dringend notwendig, da über den Inhalt der Verhandlungen in den letzten Tagen die mannigfaltigsten, unkontrollierbaren Ge­rüchte verbreitet worden sind.

Zunächst wird es jetzt nach Lage der Dinge darauf ankommen, ob die belgische Regierung mit der von Deutschland vorgeschlagenen Ver­längerung der Laufzeit der Schatzwechsel ein­verstanden ist, und dann wird die Repko das Wort bekommen, die zu entscheiden hat, ob die Verlängerung über das Ende dieses Jahres hinaus erfolgen darf. Es hängt also zunächst einmal von Belgien selbst und dann von der Repko ab, ob die Verhandlungen wieder aus­genommen werden. Bis dahin aber wird die ganze wirtschaftliche und politische Lage, die zu­künftige Kräftigung der mitteleuropäischen Wirtschaft und das gesamte Reparationsprob- iem abermals in Unsicherheit und Unentschie­denheit gelassen.

Die belgischen Delegierten abgereisi.

. Berlin, 11. Sept. Die belgische Delegation ft gestern nachmittag um 2 Uhr von Berlin nach Brüssel abgereist. Nach der in Berlin ein­gegangenen negativen Antwort der belgischen Regierung haben weitere Verhandlungen mit den Delegierten nicht mehr stattgefunden. Diese werden jetzt ihrer Regierung zunächst Bericht die Verhandlungen in Berlin erstatten und aus diesem Bericht wird sich ergeben, ob ein Weg zu einer Verhandlung noch offen steht.

Paris, 11. Sept. In Brüssel faßt man «re Entwicklung der Lage folgendermaßen zu­sammen: Die belgische Regierung wird heute uach ihrer Rückkehr aus Berlin die Delegierten

andren und daraufhin sofort von der deutschen Regierung die Hinterlegung einer Goldsumme in einer der vier ausländischen Banken verlan­gen und für den Fall, daß Deutschland dieses verweigern sollte, sofort der Diedergut- machungskommission die ganze Sache unter­breiten. die daraufhin ein freiwilliges Verschul­den feststellen wird. In gewissen Kreisen ist man in Brüssel der Ansicht, daß die Regierung vorläufig nur eine Goldhinterlegung für die Fälligkeitszahlungen vom 15. August und 15. September, also 100 Millionen Goldmark im ganzen, werde verlangen können. Man ist weiterhin in Brüssel der Ansicht, daß, nachdem die belgische Regierung alles getan habe, um die Sache auf persönlichem Wege zu regeln, es setzt an der Zeit sei, energische Maß - nahmen zu ergreifen, um Deutsch­land zur Zahlung zu zwingen.

Smyrna von den Türken besetzt.

Paris, 10. Sept. Smyrna wurde am Samstag nachmittag yon den kemalistischen Truppen besetzt.

Ueber die Einnahme wird hier zusammen­fassend folgendes berichtet: Die türkischen Ko­lonnen waren in der Umgebung der Stadt am Morgen des 9. September eingetroffen und er­warteten Verstärkungen bevor sie in die Stadt die von den griechischen Truppen zum größten Teil geräumt war, einzogen. Sie erließen sofort Proklamationen, worin sie erklärten, daß die Bevölkerung von Smyrna von der türkischen Besetzung nichts zu befürchten habe. Als diese Proklamationen in der Stadt bekannt wurden, begab sich eine ungeheure Zahl von in der Stadt ansässigen Türken nach der Bannmeile, um den kemalistischen Truppen entgegenzukgm- men. Im Verlaufe des Nachmittags zog dann

die zweite Kavalleriedivision der kemalistischen

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dierende Oberst setzte sich sofort mit den alliier­ten Behörden der Stadt in Verbindung und er­klärte nochmals, daß die Ausländer nichts zu befürchten hätten. Alle öffentlichen Gebäude und Konsulate sind von französischen und italie­nischen Soldaten bewacht. Kein einziger grie­chischer Untertan befindet sich mehr in der Stadt. Nach der zweiten Kavalleriedivision zog dann die fünfte kemalistische Division in die Stadt ein. Den griechischen Truppen war es ge­lungen, das ungeheure Material, das sie in der Stadt konzentriert hatten, zu retten. Die in der Stadt zurückgebliebenen Reste der griechischen

Armee wurden gefangen genommen.

Die Gefahr eines englifch-iürkifchen Krieges.

Paris, 11. Sept. Hier find Telegramme eingegangen, wonach die griechischen Behörden im Bezirke B i g h a an der asiatischen Küste des Marmarameeres und der Dardanellen die Gegend verlassen hätten und durch englische Kontingente erseht worden seien. Wie die Tür­ken sich zu dieser Besetzung Bighas verhalten werden bleibt abzuwarten. In gewissen Krei­sen wird bereits der Befürchtung Ausdruck ge­geben daß die Türken die englischen Truppen angreifen würden Durch die- sen Umstand würde sich der gr.echlsch-kurklsche K- -g in einen englisch-kurkrfchen Kr verwandeln, wodurch die Lage in Frankreich ganz besonders peinlich werden würde Als nämlich die Griechen gedroht hatten, nach Konstantinopel zu marschieren, um dies zu besetzten, waren die Franzosen sofort bereit, mit den Engländern zusammen vorzugeyen, um die­sen griechischen Vormarsch zu verhindern. Falls nunmehr ein Angriff der Turken aus dre eng­lischen Abteilungen in Bigha er,oben sollte, müßte Frankreich sich entscheiden, ob es sich an die Seite Englands stellen will oder nicht.

Die Erregung in London.

- Amsterdam, 10. Sept. Aus London wird ge­meldet: Die Times schreiben:Moskau hat sich bereits beeilt, Angora zu beglnckwunfcyen. Diese Verbindung des rohen Barbarismus der Tür­ken mit dem degenierten Barbarismus der SmjS ist eine Warnung für bie zivilisierten Völker des Westens. Das britische Publikum wird die Erklärung der Regierung begrüßen, daß sie unter keinem Umständen irgend einem Schritte zustimmen werde, der die^Freiheit der Meerengen in irgend einer Weise berührt. Diefe Freiheit der Straße" war eins der Dmge für die wir gegen die Türke, m den Krieg zogen, und es steht außer Frage, daß wir ma)t wieder aufgeben werden, was wir gewonnen haben. Die siegreichen Kemalisten werden wahrschein­lich elbst Konstantinopel beanspruchery und es ist beinahe sicher, daß siefwas inzwischen ge­schehen ist. D. Red.) Ost-Thrazien fordern wer-

den. Gäbe man Konstantinopel an die Türken ab, so würde man ihnen den Schlüssel zu der Straße geben, und ihre Rückkehr nach Ost- Thrazien würde einen neuen Balkan- krieg herbeiführen. Der halbamtlicheDaily Chronicle" fchreibtDie Frage der K o n - :rolle der Meerengen kann der Prüf­stein werden für die Frage, ob das Fortbestehen stner wirkungsvollen Entente mit Frankreich möglich ist. Frankreich und England find die beiden großen Westmächte, die die mohamedanifche Welt beherrschen, und wenn eine von ihnen den Fanatismus dieser Welt gegen die andere Macht aufstachelt, würde sie in" ihrer Politik eine verhängnisvolle Be­schränktheit zeigen."

Poincarès Marneschlachl-Rede.

Gestern hielt P o i n c a r é seine übliche Sonntagsrede und zwat^ diesmal in Meaur, wo der achte Jahrestag der Schlacht an der Marne gefeiert wurde. Poin- caré sagte unter anderem: Im Jahre 1914 be­fahl ein Hohenzoller, der seinen Vorfahren ebenbürtig fein wollte, daß seine Armee nach Paris marschieren sollte. Die Deutschen gingen vor und mit ihnen Mord und Brandlegung. (!) Um Deutschlands politische Hegemonie vorzube­reiten, errichtete es überall seine Handelüber­legenheit. Es richtete in der ganzen Welt Ban; ken, Industrien und Bergwerksgesellschaften ein. Es zerstreute seine Fertigwaren auf alle Märkte und mischte sich in die Angelegenheiten aller Länder ein. Deutschland entfesselte den Krieg (!) und als es sich bereits einbildesse, daß es sich endgültig der belgischen Hütten und des Beckens von Briey bemächtigt hätte, wurde es in den Tälern der Marne erschüttert und der Geist des Imperialismus durch den Geist der natio­nalen Freiheit vernichtet.

chen Truppen zuschrieb, erinnerte er sich dies­mal .der Hilfe Englands, Amerikas, Italiens, Rumäniens usw. und erklärte, daß alle diese Nationen dazu beigetragen hätten, die Welt von dem deutschen Imperialismus zu befreien. Na­türlich dürfe an die Stelle des deutschen Im­perialismus kein neuer Imperialismus treten! Deutschland, das im Jahre 1871 Elsaß-Loth­ringen gestohlen hätte, gab es zurück und damit ist sicherlich eine große Unbilligkeit beseitigt. Aber Deutschland zerstörte Frankreichs Städte und verwüstete Frankreichs Felder.

Um den üblen Eindruck seiner letzten an England gerichteten Note zu zerstreuen, fragte Poincars diesmal, wozu man die gebrachten Opfer vergleichen sollte. Man habe niemals da­ran gedacht, die Tapferkeit und Loyalität der Alliierten zu bestreiten. Man solle auch die Ueberlegenheit und die Zahl der Verwundeten und Toten nicht in Vergleich ziehen. Aber in Frankreich seien die Hauptschlachten geliefert worden und deshalb müsse Frankreich Gerech­tigkeit erhalten.

Von großer Wichtigkeit waren die nachfol­genden Ausführungen des. Ministerpräsidenten: Die Regierung der Republik gab einen neuen Beweis ihrer Geduld und ihrer Mäßigung, in­dem sie davon absah, nach der Entscheidung der Reparationskommission die Ereignisse zu über»

stürzen. Deutschland forderte ein neues Mora­torium, zunächst für das Ende dieses Jahres, sodann für die zwei nächsten Jahre. Die Kom­mission stimmte der Bitte nicht zu und für den Augenblick hält sie die früher festgestellten Zahlungssummen aufrecht. Frankreich war also nicht in der Lage, sofort Pfänder zu fordern, die es für ein gegenwärtiges Moratorium für notwendig erachtet hätte. Anderseits glaubte die Reparationskommission, daß Belgien allein an der Angelegenheit interessiert sei seiner Priorität, weHalb Bel­oben sollte. die Garant

und zwar wegen ,______ .....

gien das Recht haben sollte, die Garantien für diese Zahlungen festzusetzen. Frankreich hätte sich in einer üblen Lage befunden, wenn es eine Kombination abgelehnt hätte, die von Belgien nicht nur angenommen, sondern sogar vorge- schlagen worden war. Wenn Deutschland sich den berechtigten Forderungen Belgiens entzöge, so werde es eine be - absichtigte Verfehlung begehen und Frankreich hätte dann nichts anderes zu tun, als sich der Handlungsfreiheit zu be­dienen, die es niemals aus der Hand gab und der Hand geben wird. Aber das

nicht aus i ,_____

schwere Reparationsproblem könne nicht durch Teilentscheidungsn und durch zeitweilige Ent­scheidungen gelöst werden. Die Fragen, die das Reparationsproblem aufwirft, find nim vertagt und werden am Schluffe des Jahres neuer­dings auftrssten. Möchte man sie endlich in ihrer Gesamtheit erfassen und in die allgemeine Rege­

lung auch die interalliierten Schulden einbe- ziehen, an die man Frankreich vorzeitig erin> nerte. Dieses Studium unternehme Frankreich nit dem lebhaften Wunsch, daß endlich der chwere Alpdruck verschwinde, der auf Europa aste. Um aber niemand zu täuschen, wird Frankreich hervorheben, daß es vor allem seine Forderungen gegenüber Deutsch- land eintreiben wird. Wenn man Frankreich vorwerfe, daß es seine Guthaben zu dringend ordere und daß es seine Rechte in allzu jäher Weise aufnehmen wolle, so erkläre Frankreich, daß es auf seine Ansprüche nicht verzich- ten könne, ohne sich selbst zu ruinieren, und der Ruin Frankreichs wäre für Europa die schrecklichste Katastrophe. Gutwillig oder gezwungen müsse Deutschland seine Verpflichtungen erfüllen. Frankreich wache ebenso eifersüchtig wie die an­deren darüber, daß die europäische Solidarität gewahrt bleibe, aber diese Solidarität fordere die Rettung Frankreichs. Wenn man Frankreich nicht helfe, daß es feinen Wiederaufbau voll ziehen kann, werde es sich selbst helfen.

Das Fiasko von Kamborn.

Die Kommunisten von Hamborn Satten bekanntlich vor einigen Tagen einen Kontrollanrschuß eingesetzt, her mit den Lebensmittelhändlern eine Herabsetzung der Lebensmittelpreise um 40/ »vereinbarte*. Der KontrollauSschuß drohte mit »Aktionen" der Massen und die geängstigten Geschäftlleutc sahen sich gezwungen, ihre Waren sogar unter dem Einkauftprei« lorzu- schlageu. Die Berliner »Rohe Fahne" pric« dies« Selbsthilfe" der Hamborner Arbeiterschaft in den höchsten Tönen und empfahl es eifrig zur Nachahmung, Dem frühen Jubel ist aber rasch die Ernüchterung gefolgt. Auf der Ende voriger Woche abgehaltcncn Betriebtzrüiekonfercnz der Groß-Berliner Betriebe, die von beii Kommunisten gegen den Willen der Aewerk- schaitcn eiubernfcn wurde, mußte der Hanptrcferent

nakürbch. ihre Lager wieder aufzufüllen, um nicht weiterer Kapital zuzusetzen. Die Falze der Lebend' mUtciveebillizunz in Hamborn ist also eine aufs äußerste gestiegene Lebensmittelknappheit. Die Ham- boraer konnten einige Pfund Kartoffeln, Zucker, Mehl u,w. billig cmkauscn und müssen nun hungern. Di« aut dem Hamborner Fiasko sich ergebende Lehre, daß man in ein so komplizierte« organische« Gebilde, wie es die Wirtschaft darstcUt, nicht ungestraft rohe, ge. waitfame Eingriffe tun darf, ist natürlich von den Kommunisten nicht begriffen worden. Im Gegenteil I Der Berliner Betnebdrätekongreß verlangte Nach, abmung des Hamborner Beispiels im ganzen Reichel Wenn den Kommunisten die russische Hungerkatastrophe ein Borbild ist, treffen sie mit ihren Vorschlägen frei» lich das Rechte.

Erzrbnis der Thüringer Wahlen.

SSeimar, 11. Sept. Die Wahlen zu den Kreis» raten und Gemeinderäten haben gestern in ganz Thüringen stattgefunden. Soweit es sich aus den vorliegenden Resultaten ersehen läßt. ist die Wahlbeteiligung im Verhältnis stark gewesen. Die vereinigten bürgerlichen Listen werden voraus­sichtlich besser abschneiden als bei den letzten Wahlen. 3n Weimar errangen die vereinigten Bürgerlichen 17 Mandate, die Demokraten 6 oder 7, die vereinigten Sozialisten 10 und die Kommu­nisten 5. In der Fabrikstadt Apolda waren die vereinigten Bürgerlichen mit 16. die Demokraten mit 2, die Sozialdemokraten mit 8 vertreten. In Jena brachten es die vereinigten Bürgerlichen aus 26 und die Sozialdemokraten auf 21 Mandate. In Eisenach wurden 7 Listen ausgestellt. Die Ber­einigten Sozialdemokraten erhielten 4667 Stimmen die Kommunisten 1813, die Wiederausbauvartei (Bürgerliche) 4001, die Deutschnationalen 2302, die Demokraten 2054.

Dasaggressive" Deulsehland - Lied.

Pari«, 10. Sept. (Havar.) Ma» weiß, schreibt derMatin", daß da« Reich beschlossen hat,Deutsch, land, Deutschland über alle!" als Nationalhymne ei», zuführen. Da dieser Lied im Rheinland verboten sei, wandte man sich an die Rheinlandkommission. In Beantwortung einer amtlichen Mitteilung der Reich«, regierung durch den Reichrkommissar hat die Hohe Interalliierte Rheinlandkommission einstimmig be­schlossen, ihr Verbot nicht zurückzunehmen. Sie hat erklärt, daßDeutschland, Deutschland über alle«", das vier Jahre lang in den Ohren der Bevölkerungen des besetzten Frankreich und Belgien« geklungen habe, von ihr als ein Lied aggressiven Charakter« betrachtet werde, da« den Geist der Eroberung und der Herrsch- sucht atme, der sich an den Ufern der Maas bis zui Etsch ausdebuen möchte. Die Alliierten ziehen dahei vor, aus Gründen der Sicherheit Europa« diese Gebärd« der Herrsch'ucht zu beseitigen.

Dollar (10 Uhr vorm.) 1600