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SanauerW Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für SlaSt- und Landkreis Kanan

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Kr. 212

Samslag Den 8. SeplemÄer

1922

Das Neueste.

Die deutsch-belgischen Verhandlungen werden voraussichtlich heute ihren Abschluß finden.

In Kattowitz ist es gestern zu schweren Lebnsmittelunruhen gekommen.

Die Türken stehen 20 Kilometer vor Smyrna und haben an einigen Stellen das Aegäische Meer erreicht.

Nach einer italienischen Meldung ist es wahrscheinlich, daß die Türken von den Alliier­ten die Räumung Konstantinopels verlangen werden.

Aus Washington wird gemeldet, daß das dortige Staatsdepartement erklärte, daß die Vereinigten Staaten unter keinen Umständen die Absicht hätten, in irgend einer Weise in die Entwicklung der Dinge in Kleinasien einzu­greifen.

Londoner Meldungen besagen, daß in Südrußland ein schwerer Aufruhr gegen die Bolschewisten ausgebrochen und die Unab­hängigkeit des Landes proklamiert worden sei.

Der Sieg der Türken.

Seit dem vollständigen Verlust unserer Ko­lonien und unserer Kriegsflotte und der Aus­lieferung unserer Handelsflotte stehen deutsche und englische Interessen sich nirgends auf der Erde mehr feindlich gegenüber. Zum mindesten hat das britische Weltreich nichts mehr von dem Staate zu fürchten, der ihm bis zum Ausbruch des Krieges als der gefährlichste erschien. Die große Sorge, welche die englische Politik bis zum Jahre 1914 beherrschte, ist verschwunden. Aber mit der Niederwerfung Deutschlands zu- , gleich ist ihm ein Gegner entstanden, der, durch âuückllaââruicktuna. jeder Hemmung be-

tat

' raubt, schon jetzt dem Bundesgev bedrohlicher zu erscheinen beginnt, als Deutsch­land ihm je gewesen ist. Was bedeutete die Ge­fährdung der politischen und wirtschaftlichen Interessen Englands durch die Bagdadbahn gegen die jetzt entstehende Bedrohung seines jedem Briten wie ein unantastbares Heiligtum erscheinenden Einflusses in den Ländern, die Indien, die ergiebigste Quelle seines Reichtums, mit Europa verbinden? Mit keinem feiner wäh­rend des Krieges maßlos bekämpften Feinde hat sich Frankreich schneller versöhnt als mit der Türkei. Der Vertrag von Schvres ist unter den in den Vororten von Paris geschlossenen Friedsnsverträgen der einzige, der für Frank­reich zum Fetzen Papier geworden ist. Die Auf­rechterhaltung der führenden mohammedani­schen Macht im Orient ist eine der wichtigsten Aufgaben der französischen Politik geworden, änd aus das heftigste stoßen bei der Erfüllung dieser Aufgabe die englischen und die franzö­sischen Interessen zusammen.

Wie England sich immer die wenigen Ausnahmen sind an den Fingern hexzuzählen scheute, für die Befestigung seiner Vorherr­schaft das Leben der eigenen Bürger einzu­setzen, so hat es auch jetzt in Asien die Griechen zu Vorkämpfern seiner Interessen gemacht. Die Ereignisse der letzten Tage haben alle Hoff­nungen, die sich an den von ihm unterstützten Angriff der Griechen auf die Reste des türki­schen Reiches knüpften, zunichte gemacht. Das

nungen, die sich an den Angriff der Griechen av schen Reiches knüpften, zunichte gemacht. Das griechische Heer ist so gut wie vernichtet: Die Türken rücken immer weiter vorwärts, sie stehen zwanzig Kilometer vor Smyrna und haben, wie aus einer unten folgenden Meldung hervorgeht, an einer Stelle bereits dasAegäische Meer erreicht. Der kemalistische Sieg macht der Briechenherrschaft in Kleinasien ein Ende, aber

Kunde von ihm weckt auch im Fernen Osten ^in Echo, das man in London nur mit großer sorge hören wird. An der mesopotamischen Grenze erhebt sich, wie wir gestern meldeten, der Mohammedanismus gegen die englische Vorherrschaft. Es ist ein merkwürdiges Schau- IPtel, daß die beiden Mächte, die, allen Gegen­sätzen ihrer Lebensinteressen zum Trotz, sich mittler wieder versichern, daß der Bruch ihres Bündnisses das Ende des Friedens auf Erden bedeuten würde, an der Stelle, an der der Krieg wütet, einander durch heimliche Waffen- üeferungen bekämpfen. Der Sieg Kemals über oie Griechen ist mit französischen Kanonen er­achten worden, und die Waffen der Griechen stammen aus englischen Rüstkammern. Seit Monaten verlangte Frankreich in immer drin­genderen Nuten den Rückzug der Griechen aus ^-einasien, und immer wieder wurde dieses Verlangen in England als eine Unfreundlichkeit ""Pfunden. Die Preßpolsmik über den grie- chstch-türkischen Krieg hat sich in den letzten Scherr, in denen die Gegensätze durch das Re- karationsvroblem noch verschärft wurden, bis

an die Grenze vorgewagt, an der sie wie die Einleitung zum Abbruch aller freundlichen Be­ziehungen erscheinen muß. Der französische Hoch­mut kennt angesichts ies Sieges der Politik, die ihm den überragenden Einfluß in Kleinasien sichert, keine Hemmung mehr. Durch den Artikel

desTemps" weht seit den griechischen lagen ein Hauch höhnischen Mitleids. A

Nieder-

Aber auch

dieser Hochmut ist vielleicht vor dem Fast ge­kommen. Denn es scheint so, daß die folgerichtige Politik des schon als Volksbefreier gefeierten Kemal sich vom gallischen Freund nicht Halt gebieten lassen wird. In französischen Blättern kann man bereits Warnungsrufe vernehmen, aus denen die Sorge um die Aufrechterhaltung der französischen Schutzherrschaft in Syrien her­vorgeht..

Die Türken am Aegäischen Meer.

Paris, 8^ Septbr. Die erste t ü r k i s ch e Truppe nabteilung ist am Aegäi - schenMeerangekommen. Der komman­dierende Offizier, Nury Bey, Rittmeister der Kavallerie, erhielt den zugesagten Preis für den ersten Offizier, der die Küste des Aegäischen Meeres erreichen würde. Der Preis besteht in 500 türkischen Pfund und in einer Fahne. Eine türkische Truppenabteilung, aus 4000 Kavalle­risten zusammengesetzt, rückt gegen Smyrna vor. Sie besetzte die Stadt Baindir. Eine andere tür­kische Truppenabteilung, aus 5000 Kavalleristen bestehend, besetzte die Stadt Ak-Hissar und mar­schiert nunmehr in der Richtung auf Manissa.

Auch die griechische Rordarmee vernichtend geschlagen.

Paris, 8. Septbr. Nach einer Meldung aus Angora soll die aus drei Divisionen bestehende griechische Nordarmee, die die bei Uschak von den Türken eingeschlossene südliche Heeresgruppe

aufgerieben worden sein. Der Kommandeur der Armee ist mit dem Rest seiner disziplinierten Truppen in die Hand der Türken gefallen.

Aufruhr in Smyrna.

Athen, 8. Septbr. Aus Smyrna wird ge- meldet, daß dort ein Aufstand ausgebrochen ist. Der griechische Oberkommissar hat sich vor der

Wut des Volkes auf das griechische Kriegsschiff Lemnos" geflüchtet. Der Aufstand ist vor allem durch den Nahrungsmittelmangel hervorgerufen worden, der eine Folge des unaufhörlichen Zustromes von Flüchtlingen und Desei ist. Die Banken sind geschlossen. 12 000 _ chische Soldaten sind aus Thrazien in Smyrna ausgeschifft worden, wo ihnen die Verteidigung der Stadt anvertraut wurde. Die belgische, schweizerische und tschechoslowakische Regierung haben die französische Regierung gebeten, in Smyrna den Schutz über ihre Staatsangehö­rigen zu übernehmen.

Die türkischen Ariedensbedingungen.

K o m, 9. Septbr. Die Ariedensbedingungen Angoras lauten jetzt nach einer Meldung des Journal de Italia" wie folgt:

1. Sofortige Räumung ganz Anatoliens von griechischem Militär und griechischer Ver­waltung.

2 Auslieferung des Kriegsmaterials als Pfand.

3. Verpflichtung, keine Truppen nach Thra- zien zu entsenden.

4. Kurze Wafsensiillslandsdauer.

Aâr die Ariedensverträge ist außerdem vor­gesehen iofortiae Räumung Thraziens und der Dardanellen und deren Rückgabe an die Türkei, ferner Rückgabe der Inseln Chios, Mykilene und Kriegsentschädigung. Es ist wayrschernlrch, daß Kemal auch die Räumung Konstantinopels von den Truppen der Alliierten verlangen wird.

Kabinettskrisis in Athen.

Paris 8. Septbr. Ueber die Lage in Athen berichtet die französische Presse, dort sei jede Stunde der Ausbruch politischer Wirren zu befürchten. Die Zurückberufung des Kronprin­zen in Verbindung mit der Demission des Ka­binetts und der Ankündigung, daß die griechische Armee in Chios demobilisiert werden soll, weil man nicht wagt, sie nach Griechenland zurück­kehren zu lassen, wird hier als Symptome un­mittelbar bevorstehender sehr ernster Schwierig­keiten angesehen. - Nach einer Havasmeldung aus Ätben ist das griechische Kabinett zuruckge- treken. Der König hat Kalogeropulos mit her Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Nach einer Meldung desJntransigeant" ist Skuludrs zum Ministerpräsidenten ernannt worden.

England für die Freiheit der «teerenge.

Waris, 9. Septbr. Englischen Hier vor- lieaenden NaLr-Lten ruiolae. erkält ma« in

englischen Kreisen, daß das Ministerium de« Aeußeren fortfahre, einen klaren Unterschied zwischen der Lage in Anatolien und der Lage in Konstantinopel zu machen. Man erklärt sich englischerseits, demPetit Journal" zufolge, fest entschlossen, keine Aenderung im Zustand, besonder« bezüglich der Meerenge, wie er jetzt besteht, anjunehmen. Diese Freiheit der Durchfahrt der Meerenge sei da« Zeichen, daß die Alliierten die Türkei besiegt hätten. Die Alliierten wurden unter feinen Umständen darauf verzichten. In den griechisch-türkischen Verhandlungen, die dem­nächst beginnen werden, würde England hart­näckig diesen Standpunkt vertreten.

Aufruhr in Südruhland.

Die Unabhängigkeit pro?!.::...rrk. *

Paris, 9. Sept. Londoner Meldungen besagen, daß einschwerer Aufruhrge- aen die Bolschewisten in Südruß - land ausgebrochen sei. Die gesamte Gegend, die Halbinsel Krim cingeschlossen, habe ihre Unabhängigkeit proklamiert. (Es ist bereits zu schweren Zusammenstößen zwischen den Ausständigen und den Sowjets ge­kommen. In Odessa hat sich eine Sowjekregie- rung konstituiert, die Verhandlungen mit der bulgarischen kommunistischen Partei angeknüpst hat. Letztere habe versprochen bedeutende Waffen und Munitionslieserungen, die von den Armeen Denikins und Wrangels herrühren, zu machen. Gleichzeitig haben mehrere bolsche­wistische Kriegsschiffe, die in Sewastopol lie­gen, gemeutert. DieTimes" meldet, daß eine bolschewistische Offensive gegen Wladiwostok bevorsiehe, nachd^n die Sowjet- regierung an die Armee des "«Ersten Osten ein Ultimatum gerichtet hat, in dem diese anfZefor-

Die deuftch-belgischen Verhandlungen

Berlin, 8. Sept. Das Reichskabinett hat heute nachmittag in einer Sitzung die Vor­schläge, die den belgischen Delegierten für die Garantien der belgischen Priorität übermittelt werden sollen, festgestellt. Um 5 Uhr fand dann im Reichsfinanzministerium eine neue Honfe- renz zwischen den belgischen Herren und Reichs­finanzminister Dr. Hermes, Staatssekretär Schröder und Staatssekretär a. D. Bergmann statt, übrigens nachdem seit gestern mittag keine offiziellen Besprechungen mehr abgehalten wor­den waren. In dieser Konferenz wurden von deutscher Seite bestimmt formulierte Vorschläge vorgelegt, und in der Aus­sprache, in der die deutschen Vertreter Gelegen­heit hatten, noch Einzelheiten zu erläutern, leg­ten die belgischen Delegierten Wert darauf, vor

endgültigen Entscheidung sich mit ihrer cung in Brüssel in Verbindung zu setzen. ' 'e belgischen Vertreter

einer

Regierung

Man nimmt an, daß die belgischen ~....... morgen in einer weiteren gemeinsamen Vera

tung in der Lage sein werden, sich nach Rück­sprache mit Brüssel endgültig zu den deutschen Angeboten zu äußern, so daß morgen die Ver­handlungen abgeschlossen werden könnten.

Der deutsche Vorschlag.

Paris, 9. Sept Nachdem noch gestern abend die hiesigen Blätter über den Ausgang der Verhandlungen zwischen Belgien und Deutschland sich aus Berlin äußerst pessimistisch berichken ließen, haben sie heute ihre Haltung geschwenkt. Rach den heute aus Berlin vor­liegenden Rachrichten sotten die belgischen De­legierten im Besitz äußerst ausführlicher und entgegenkommender Vorschläge Deutschlands sein. DiePetit Parisien' erfährt ausbester Quelle" in letzter Stunde, daß die deutsche Re­gierung zusammen mit dem Präsidenten der Reichsbank sich angeboken haben, ein Drittel, also SV Millionen Goldmark in sechs Monaten, ein anderes Drittel in einem Iahre und das letzte Drittel in 18 Monaten zu zahlen. Die Intervention der Industrie sei von der Regie­rung angesichts der drakonischen Bedingungen, die man daran knüpfte, abselehnk worden.

(Bekanntlich hat Belgien in diesem Jahre laut Londoner Zahlungsabkommen einen Anspruch auf 270 Millionen Goldmark, für die Deutschland zu­nächst Schatzwechsel geben soll. Der obige Vor­schlag, für dessen Richtigkeit wir allerdings dem Pariser Blatt die Verantwortung überlassen müssen, bezieht sich jedenfalls auf die Einlösung dieser Schatz- wechsel. Ueber die zu leistenden Garantien besagt die Pariser Meldung nichts. D. N»d.)

Dar «lianrr.Udksmmen.

Beteiligung der Handwerks am Wiederaufbau.

Berlin, 9. Sept. In einer gestern zwischen Herrn S t i n n e s und dem berliner Vertreter

des deutschen Handwerks- und des Gewerbe, tagcs, Generalsekretär Herrmann stattge. fund- neu Aussprache, bot der Vertreter des Handwerks Herrn Stinnes die a ktive Be­teiligung dès deutschen Hand­werks an den Wiederaufbauarbeiten in Nordfrankreich an. Herr Stinnes erklärte, daß ihm diese Beteiligung des Handwerks sehr er­wünscht sei und er den ihm zustehenden Einfluß bei den in Betracht kommenden Arbeitnehmer­kreisen energisch dahin geltend machen werde, daß das wirtschaftlich organisierte Handwerk an diesem großen Wicderaufbauwerke entsprechend seiner Leistungsfähigkeit beteiligt werde.

Die wirtschaftlichen Organisationen 6es deutschen Handwerks werden nunmehr wegen der näheren Ausführung des Planes mit den Vertretern des Stinneskonzerns in Fühlung treten.

Ausdehnung auf Belgien?

Berlin, 9. Sept. DasBerliner Tageblatt* berichtet: Bei der Zusammenkunft zwischen Stinnes und Bemelmans sind in der Hauptsache zwei Fragen zur Sprache gekommen. - Erstem ist dabei die Möglichkeit einer Ausdehnung der soeben zwischen Stinnes und den französischer Wiedekaufbauorganisationen zustaudegekom- menden Vertrages auf Belgien ins Auge gefaß« worden. 'Die zweite Frage, die in der Unter- redung zwischen Stinnes und Bemelmans an­geregt wurde, dürfte insbesondere Schiffahrts­fragen (Antwerpen) betroffen haben.

Angebot der deutschen Gewerkschaften

Paris, 9. Septbr. Das Aktionskomitee der zerstörten Gebiete tritt am Montag unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters von Linz und dem sozialdemokratischen Abgeordneten Balsy zusammen. Gegenstand der Beratung bildet ein oon den, deutschen Gewerkschaften überreichtes

'Knge ff zum Wiederaufbau der zerstörten Pro­vinzen vorsieht.

Die europäische Wirtschaftskrise.

Berlin, 8. Sept. Der Generalsekretär der Internationalen Bundes der christlichen Ge­werkschaften Serrarens (Utrecht) und ein deutscher Vertreter des Bundes sind gestern vom Reichskanzler empfangen worden. Ser­rarens unterrichtete den Reichskanzler, wie Der Deutsche" meldet über die Schritte, die der Bund unternommen hat, um die Regierungen der europäischen Länder auf die drohende europäische Wirtschaftskatastro- p h e aufmerksam zu machen. Reichskanzler Dr. Wirth erkannte den Schritt der christlichen Gewerkschaften dankbar an und betonte, daß es sich nicht etwa allein um Deutschland handele, sondern daß es umLebenund Sterben ganz Europas gehe. Er setzte dann irr weiteren Verlaufe der Unterredung den Ver­tretern des Bundes sowohl die wirtschaftlich- politische Gesamtlage als im besonderen di« gefahrdrohende wirtschaftliche Lage Deutsch­lands auseinander und bat weiter, dazu beizu- tragen, die Völker Europas in wahrhaft christ­lichen Sinne wieder einander näher zu brin­gen und in erster Reihe das allen aus den völlig verfahrenen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen drohende Unheil abzuwenden.

Neue Teuerun-srlnruhen.

KLnigshütte, 9. Septbr. Im Laufs des gestrigen Nachmittags kam es in Kattowitz zu ernsten Lebensmittelunruhen. Gegen 1 Uhr

und demonstrierten gegen die Teuerung. Der Wojwode bat um Geduld. Die Arbeiterschaft er­widerte darauf, daß sie von der Geduld nicht satt werden und begaben sich nach dem Innern der Stadt. Die auf dem Markt befindlichen Ver­kaufsstände wurden geplündert. Es kam wieder zu Judenverfolgungen, worauf sämtliche Geschäfte geschlossen wurden. Ein Zuckerwaren­geschäft wurde im Beisein der Inhaberin, einer Jüdin, gestürmt und völlig ausgeplündert. Läden, Tische und Regale wurden auf die Straße geworfen, die Kassen und sämtliche Be­stände geraubt. Nach Ausbruch der Unruhen wurden starke Polizeitruppen zu Pferd und Automobilen eingesetzt. Zu Schießereien ist es nicht gekommen. Die Arbeiterschaft bâvegt sich, unruhig durch die Stadt, fodaß weitere Aus­schreitungen befürchtet werden. Man will auf alle Fälle bis heute früh Geldmittel beschaffen, damit die zurückbehaltene Löhnung von den Jndustrieoerwaltungen zur Auszahlung ge­langen kann.

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Dollar (10 Ahr vorm.) 1850