Einzelbild herunterladen
 

Hanauer

". ieral= zesger

Bezugspreis: Monatlich Mk. 100. ohne Träger« lohn: Einzelnummer Mk. 1.. Anzeigenpreise: Die 83 mm breite Zeile Mk. 10.; Finanzinserate Mk.12.: Reklame (68 mm breit) Mk. 21.. Inserate. g»ch laufende, werden nur zum jeweiligen Tag«»» steife berechnet. Offertengebühr Mk. 4..

Bezieher keinen Anspruch auf Lirferuna oder Nach»

Erfüllungsort und Gerichtsstand für Heide Teile

Öanau a. M. 3m Falle höherer Gewalt hat der

Amtliches Organ für SlaSk- und Landkreis Kanan lieferung oder auf Rückzahlung des Beiugsvreile«. z " ' Urur viasDorirortft u. Erlmelnungstage der Anittgen

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

wird keine Gewähr geleistet.

Ak. 205

Freitag den 1. September

1922

Die Weitung der MmtmÄsmiffW.

Das -eulsche Moratoriumsgesuch abgelehnt. Ein belgischer Kompromiß Vorschlag angenommen.

Die Entscheidung der Reparationskommis- swn ist gefallen! Der deutsche Antrag auf Ge­währung des Moratoriums ist obwohl man fest, gestellt hat, daß das Reich sowohl jeden inneren wie äußeren Kredit verloren und daß die Mark sich fortgesetzt bis auf drei Tausendstel ihres Wertes entwertet hat, abgelehnt worden. Da­gegen hat der belgische Kompromißvorschlag, nach dem die nächsten Zahlungsfälligkeiten bis Ende 1922 durch Schatzscheine der deutschen Re­gierung gedeckt werden sollen, Annahme ge­funden. Deutschland ist also abermals bis zum Ende des Jahres in einen Schwebezustand ver- setzt worden, für den allerdings zwei Begren­zungen vorgesehen sind und zwar:

1. Eine definitive Beschlußfas- jung soll ergehen, wenn die Reparationskom. Mission eine Finanzordnung für Deutsch­land ausgearbeitet hat, die eine innere und äußere finanzielle Sanierung Deutschlands an« bahnen soll. Dabei ist auch die Möglichkeit vor­gesehen, daß mit Zustimmung der in der Kom­mission vertretenen Mächte eine Ermäßi­gung der Reparationsschuld eintritt. Die Re­parationskommission behält sich anscheinend vor, diesen von ihr selbst auszuarbeitenden Finanz­plan Deutschland aufzuerlegen, obwohl dies nicht ausdrücklich ausgesprochen wird.

2. Eine weitere Begrenzung sieht der zweite Abschnitt der Entscheidung vor, indem er offen­bar bis zum Ende des Jahres nach der Fällig-

mit sechsmonatiger Laufzeit übergeben, über die sie mit der belgischen Regierung als der in Be­tracht kommenden Gläubigerin die näheren Ver­einbarungen treffen müßte. Dies bezieht sich vor allem auf die Garantien, mit denen die Schatz­bonds ausgestattet werden sollen. Die Entschei­dung der Kommission knüpft hier offenbar an Vorschläge an, die schon in den Borerörterungen von belgischer Seite gemacht worden waren.

Der Beschluß zeigt so recht die Hilflosigkeit der Entente und damit der Reparationskom­mission, die, nur um sich zu erhalten, um nicht in die Brüche zu gehen, der endgültigen Lösung der Frage: Bewilligung oder Ablehnung des Moratoriums aus dem Wege geht und die Entscheidung einfach erneut verschiebt. Die Delegierten der Reparationskommission kennen die furchtbare Lage Deutschlands ganz genau, wissen, daß uns nur ein längerer Zahlungs­aufschub und eine Anleihe retten können und dennoch können sie sich nicht dazu aufraffen, der Wahrheit die Ehre zu geben und einen dementsprechenden Beschluß zu fassen, sie ziehen es vor, auf die Allianz Rücksicht zu neh­men. Gewiß ist mit dem Beschluß der Repa­rationskommission die Gefahr einer Sonder­aktion Frankreichs zunächst auf einige Zeit be­seitigt, aber wie gesagt nur auf einige Zeit, denn wer kann wissen, daß wir in sechs Mo- naten die Zwangsverpflichtungen, die wir jetzt übernehmen müssen, erfüllen können?

Der Entscheid der Reparationskommission kann uns daher nicht befriedigen, da er das deutsche Volk verurteilt, weiterhin in der Un« Sewißheit zu leben und nicht dazu angetan ist, vns zu helfen.

Der Beschluß der Aeparalions-- Kommission.

Berlin, 1. Sept. Der Entschluß der Repa- mnonskommission hak folgenden Wortlaut:

Die Wiedergutmachungskommission, die über neuen Anträge Deutschlands vom 12. 3uli »et ein Moratorium zu entscheiden hatte, zog »gekracht, daß das deutsche Reich alle Kredite

"de und Auslande verloren hat und daß je Blatt ständig fällt und zwar bis aus s/iooo Wes Werkes und sie beschließt deshalb:

»,ie Entscheidung über die deutschen ^.rage so wie sie von dem Deutschen Reiche kgelegl wurden, z u v e r s ch i e b e n bis sie den enwurf einer radikaleuResorm der ^^"klichen Finanzen Deutsch- ," " o s b e e n d e è h a k. Dieser Reformentwurf W enthalten:

2^Herstellung des Gleichgewichts im

I b) Mr den Fall, daß die in der Reparations- mmiffion vertretenen Regierungen ihre Zu­

stimmung erteilen sollten, die eventuelle Deutschlands in dem Maße, wie sie von der Kommission der Wiederherstellung des deut­schen Kredits für nötig erachtet würden,

c) eine Finanzreform,

d) die Ausschreibung bet äußeren und inneren Anleihen zu dem Zweck, die fi­nanzielle Lage zu kosolidieren.

2. beschließt die Kommission, um die nötige Zeit zu finden, die im Absatz 1 beabsichtigten Maßnahmen vorzubereiten und auszuführen an Zahlungsstatt der am 15. August und 15. Sep­tember fälligen Raten und, falls in der Zwi-

Sep-

An unsere Leser!

Eine furchtbare Katastrophe ist über die deutsche Presse hereingebrochen. Die^Papierfabriken fordern für den Monat September mindesten» 70 Mk. für das Kilogramm Zeitungrpapier, also

mehr als das Dreihunderlfiinfzigfache des Friedenspreises.

Da» bedeutet den unmittelbar drohenden Untergang der meisten Zeitung», unternehme«, weil die Verleger nicht in Ler Lage sind, solchen Zahlen ent­sprechende Bezugspreise durchzuführen. Die angekündigte Reichshilf« hat bis heute völlig versagt. Nur mit den schwersten persönlichen Opfern der Heraur- -«b« werden ^ere^^e nofl^ *W * AM Hermat und unseres Volkes wehren wir un» gegen den drohenden Untergang unserer Blätter.

An unsere Leserschaft wenden wir uns mit der eindringlichen Bitte: Seist uns! Latzl Eure Zeitung nicht untergehen! Bleibt ihr treu! auch wenn sie jetzt einen wesentlich erhöhten Bezugrprei» fordern muß!

Nur einen Teil unserer schweren Lasten bitten wir unsere Leser mit uns zu tragen. Unsere Erhöhungen bedeuten nur das Mindestmaß dessen, was zur Erhaltung der Blätter unbedingt notwendig ist.

Seift uns, indem ihr Treue hattet!

KktiMttin für SeßeMaßM md Seifen i® Berels ZeWer ZettunWttleger:

Frankfurter Nachrichten Frankfurter Volkszeitung -- Frankfurter Zeitung -r Eeneral-Anzeiger, Frankfurt et. M. Volksstimme, Frankfurt a. M. Biebricher Tagespost Rhein- und Rahezeitung, Bingen Mittelrheinische Volkszeitung, Bingen Rheinische Volkszeitung, Wiesbaden Wiesbadener Neueste Nach­richten Wiesbadener Tageblatt Wiesbadener Zeitung Mainzer Anzeiger- Mainzer Journal Mainzer Tagblatt Mainzer Tageszeitung Volks­zeitung Darmstädter Tageblatt Hessischer Volksfreund, Darmstadt Täglicher Anzeiger, Darmstadt Wormser Nachrichten Wormser Volks­zeitung Wormser Zeitung Offenbacher Abendblatt Offenbacher General-

zeitung Wormser Zeitung . . ,

Anzeiger Offenbacher Volkszeitung Offenbacher Zeitung Hanauer Anzeiger Langenselbolder Anzeiger Eteinheimer Beobachter Srog« auheimer Anzeiger Gießener Anzeiger Oberhessische Zeitung, Marburg.

Der Hanauer Anzeiger kostet ab 1. September monatlich 100. Mark ohne Trägerlohn. Die Einzelnummer kostet 4. Mark.

Herabsetzung der äußeren Lasten schenzeit andere Abmachungen nicht getroffen werden, auch für die folgenden Raten vom 15. Oktober bis 15. Dezember 1922 deutsche sechs- monatige Schahscheine entgegen- z u e h m e n. Sie seien in Gold berechnet und durch Garantien sichergestellt, über welche die deutsche Regierung und die belgische Regierung, der diese Zahlungen zukommen sollen, sich zu vereinbaren haben werden. Falls ein solcher Akkord nicht Zustandekommen sollte, so würde die Hinterlegung einer Summe in Gold in einer von Belgien zugelassenen auswärtigen Dank garantiert werden.

*

Diesem Entschluß der Reparationskommis­sion wurde folgender Brief beigefügt:

Die Reparationskoinmission hat die Ehre, der deutschen Regierung beiliegned ihren Ent­schluß antwortlich des Briefes des deutschen Reichskanzlers vom 12. 7. bekanntzugeben. Da die Reparationskommission es nicht für gut be­funden hat, das von der deutschen Regierung verlangte Moratorium zu gewähren, hat sie es ebenfalls für den Augenblick als nicht vorteil­haft angesehen, sich über die von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Anträge auszu­

sprechen, welche die strikte Ausführung der Kohlen- und Holzlieferungen, wie sie die Repa­rationskommission verlangt, zu treffen. Die Re­parationskommission behält sich aber das Recht vor, die Inkraftsetzung derartiger von der deutschen Regierung vorgesehenen Vergleichs­anträge zu verlangen, wenn in Zukunft oben­genannte Holz- und Kohlenlieferungen nicht in einer die Kommission befriedigenden Weise vor sich gehen sollten.

gez. Dubois, Bradbury, Salvage, Ratti und Delacroix.

Wie die Entscheidung vor sich ging.

Paris, 1. Sept. Die gestrige Entscheidung der Reparationskommission wurde wie folgt gefällt: Zunächst wurde über den von dem eng­lischen Delegierten Bradbury eingebrachten Vorschlag auf Bewilligung eines Moratoriums unter Einführung einer strengen Finanzkon­trolle mit drei gegen eine Stimme abgelehnt.

Für das Moratorium stimmte England, da­gegen Frankreich und Belgien, während Ita­lien sich der Stimme enthielt, was der Ableh­nung gleichkam. Sodann wurde von Belgien der bereits wiederholt erwähnte Kompromiß­vorschlag unterbreitet, auf den sich dann auch die Engländer, Italiener und Belgier einigten. Durch diese Einigung wurde der französische Abgeordnete Dubois in die größte Verlegenheit versetzt, da er sich nicht ermächtigt glaubte, von sich aus dem Kompromißvorschlag ohne weite­res zuzustimmen. Er verließ in größter Auf­regung das Hotel Astoria, um sich in einer Unterredung mit Poincarè neue Instruktionen zu holen. Nach einer Stunde kam Dubois mit strahlendem Gesicht zurück und rief schon beim Betreten der Halle den auf ihn einftürmenden Journalisten zu, daß er dem belgischen Vor­schlag zustimmen werde. Daraufhin wurde der belgische Vorschlag einstimmig angenommen.

Gèe Pariser Presse gegelt Poirtcatè.

Paris, 1. Sept. Man muß sagen, daß die Entscheidung der Wiedergutmachungskommis­sion imallgeminen einerecht ungünstige Aufnahme findet. Poincarè hat heute mor­gen die Presse sowohl der Linken wie derjenigen der Rechten gegen sich. Für die Beurteilung der

gestrigen Entscheidung durch die Presse der Lin. kcn ist dasOeuvre" bezeichnend, wenn es schreibt, daß die Wiedergutmachungskommission versucht habe ein Urteil abzugeben, in dem sie sich Mühe gibt, ebenso dem gesunden Menschen­verstand wie Herrn Poincarè recht zu geben. Daraus sei hervorgegangen, daß der Text der Antwort der Wiedcrgutmachungskommission ziemlich dunkel sei. Wenn aber irgendwie je- mand dabei zu kurz gekommen sei, so müsse da- rauf hingewiesen werden, daß es der gesunde Menschenverstand gewesen sei. Das Blatt wirst Poincarè vor, daß er nicht wisse was er wolle und daß er gestern das Moratorium angenom­men habe, was er bisher immer verweigerte und daß er vor allen Dingen seine besten Freunde, die Belgier, in die Zwangslage ver­setzt habe, in einem ganz dunklen und verwor­renen Spiel ihre Mißbilligung der französischen Politik zu verbergen. Für die Rechte ist das Urteil desEclair" bezeichnend. Das Blatt wirft Poincarè vor, in der gestrigen Entscheidung dasselbe getan zu haben was sein Vorgänger getan habe, nämlich das Interesse Frankreichs für die Aufrechterhal- tung der Allianz geopfert zu haben. Im Grunde genommen wird das Moratorium von denjenigen gewährt, die sich den Anschein geben, als ob sie es verweigern wollten. Wenn Frankreich sich 1923 an den Schaltern des deutschen Reiches einstelle, werde dieses natür« lich antworten, daß cs nicht gleichzeitig die von Belgien auf das Reich bezogenen Wechsel und Frankreich bezahlen könne. Niemand wird sich darüber täuschen können, so schließt das Blatt, daß sich die französische Regierung mit einer rein moralischen Genugtuung zufrieden gegeben hat.

In ähnlicher, ziemlich schroffer Weise äußert

chen Oeffentlichkett die gestrige Entscheidüng als einen Erfolg näher zu bringen. In diesem Punkte ist die Meldung desPetit Parisien" interessant, der in der gestrigen Entscheidung eine moralische Genugtuung für Frankreich in erster Linie sieht. In zweiter Linie sei der gestrige Tag eine ernste Warnung an Deutsch­land, das jetzt erkennen müsse, daß die Geduld von mindestens zwei Alliierten am Ende ange­langt sei und daß es unweigerlich schwere Sank­tionen im Rheinlands zur Folge haben würde, wenn es nicht eine außerordentlich energische Anstrengung mache, seine Finanzen wieder her zustellen und feine Wirtschaft zur Gesundunx zu bringen.

Die interalliierten Kriegsschulden«

Die britische Areihandelsunion für Revision des Versailler Vertrages.

London, 31. Aug. Die Union für Freihan­del hat beschlossen, an Balfour einen Brief über die Schuldenfrage zu richten. Darin wird der Beschluß der britischen Regierung, daß die Kriegsschulden en bloc behandelt werden müß­ten, gebilligt und erklärt, die öffentlich« Meinung in England würde nicht damit ein­verstanden sein, daß Großbritannien auf alle Guthaben verzichte, während es zugleich seine eigenen Schulden bezahle. Auf di« Kriegsschulden müsse ein beträchtlicher Rabatt gewährt werden, denn die Lieferungsverträge wurden sowohl seitens der Vereinigten Staaten als auch Großbritanniens zu außerordentlich hohen Preisen abgeschlossen. Die englische Re­gierung wird aufgefordert, von den Vereinig­ten Staaten zu verlangen, daß sie, wenn die .britischen Schulden in 25 Jahren zurückge - zahlt werden sollen, alle britischen Waren bis zur Höhe des Wertes der Zinsen und Amor­tisationsraten frei nach den Vereinigten Staaten zuzulassen. Endlich erhebt der Brief gegen die französischeRegierung der Vorwurf, die unglückseligen Bestimmungen der Versailler Vertrages verschuld«! zu haben und tritt dafür ein, daß England, di« Vereinigten Staaten, Italien, Belgien und die neutralen Länder zufammenwirken mühten, um eine Revision des Vertrages und ein« Herabsetzung der Rüstungen usw. zu erreichen.

Um die Landtagsauflösung in Sachsen. Der Rechtsausschuß des sächsischen Landtags beschloß gestern mit den Stimmen der Bürger­lichen und der Kommunisten, dem Volksbegeh­ren auf Landtagsauflösung zu entsprechen und den Landtag sofort aufzulösen. Die entschei­dende Landtagssitzung wurde auf den 14. ©ep' tember einberufen.

Dollar (10 Ahr vorm.) 1350