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Lokales.
Hanau, 24. August.
In der Geschichte der Teuerung
Vie wir über uns ergehen lassen müssen, wird der Monat August 1922 für allezeit eine besonders unrühmliche Rolle spielen. Denn in diesem Monat zeitigt der gänzliche Niederbruch unserer Währung Verhältnisse, deren Auswirkung sich im ersten Augenblick für viele nicht ermessen läßt. Wir sehen nur den Sturmlauf der Preise, den keine Lohnerhöhung auszugleichen vermag und überall stoßen die einzelnen Haushaltungen auf Schwierigkeiten, um die notwendigen Mittel zur fortlaufenden Stiftung des Lebens aufzubringen. Das gilt nicht allein von den Lebensmitteln, sondern auch von all dem, was zum Haushalt gehört. Eo steigen die Kohlenpreise womöglich mehr- mals im Monat, sicherlich aber jedesmal, wenn man endlich wieder einmal einen Zentner erwischt. Wohin das führen soll, weiß kein Mensch. Und obendrein die Aussicht, daß zum Winter die Kohlenversorgung noch gänzlich versagen wird. Das muß die Hausfrau doch aus den amtlichen Verlegenheitsphrasen herauslesen. Sie getraut sich gar nicht mehr, die letzten paar Stücke, die ein kümmerliches Häufchen in der Kellerecke bilden, anzurühren. Und vollends das Holz! Auch hier eine Teuerung, die keine Grenzen kennt. Wenn man sich dazu noch die teueren Preise für Licht und Wasser, Kanalbetriebsgebühren, die Preise für Kleidung, Schuhwerk und andere notwendige Bedürfnisse vergegenwärtigt, so überfällt einem Grausen, gar nicht davon zu reden, daß man sich der kleinen Freuden des Daseins, die einem über so manche trübe Stunde hinweghalfen, wie Tabak und ähnlicher Sorgenbrecher, wegen ihrer unerschwinglichen Preise schon längst entwöhnen mußte. Aber nicht im Haushalt allein wirken sich die durch die Teuerung bedingten Schwierigkeiten aus, man findet sie in ebenso starkem Maße in Handel und Industrie. Kaufleute sehen sich vor die bange Frage gestellt, wo sie das Kapital hernehmen sollen, um Warenbezüge durchzuführen. Tatsächlich steht der Handel, wenn er seine Bestände ausverkauft hat, der Unmöglichkeit gegenüber, sein Lager zu annähernden Preisen zu ergänzen. Was der ungeheure Marksturz für Handel und Industrie bedeutet, läßt sich aus folgendem Bei- Aiel ersehen: Im Jahre 1921 hat die deutsche Baumwollindustrie rund 1500 OOO Ballen Baumwolle verarbeitet. Bei einem Dollarkurs von nur 1000 Mark kostet der Ballen Baumwolle, der vor dem Kriege mit ungefähr 300 Mark bezahlt wurde, 146 000 Mark. Sonach »Bäten, um den Jahresbedarf der Industrie zu decken, nicht weniger als 220 Milliarden Mark erforderlich. Was hier allgemein von einer Jn- duftrie gesagt wird, trifft für viele Zweige des Kaufmannstandes überhaupt zu: durch die Forderung von Fantasiepreisen sind vielfach Artikel, besonders auch Lebensmittel, so Bohnen, Erbsen usw. kaum noch zu handeln, bezw. die Kapitalien für ihren Ankauf aufzubringen.
Die folgende kleine, von uns zusammenge- ftellte Statistik redet eine nur zu deutliche Sprache, in welch beängstigender Weise die Preise der notwendigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel seit dem 1. August in die Höhe geschnellt sind. Ob damit der Höhepunkt der Preise erreicht ist, ist angesichts der weiter verschlechterten deutschen Valuta zum mindesten sehr zweifelhaft, M unser wichtigstes Nahrungsmittel, das Brot, aber fo gut wie ausgeschlossen, denn kaum haben wir begonnen,
„Frau Else".
Die Geschichte einer Ehe. Von L. v. Rohrscheidk
54. Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)
Else wurde der Mittelpunkt des Festes, die Auszeichnung, mit der der hohe Chef sie behandelte, fiel allgemein auf. Irgend jemand sprach von einer früheren Bekanntschaft und daß sie in Freiburg von ihm den Namen „Schneewittchen" bekommen hätte. Ja, wirklich Sie sah aus wie das holde Königskind im Märchen. Der glänzende Atlas unter dem kostbaren Spitzenkleid schimmerte nicht so schneeig wie ihre alabasterweiße Haut, und schwarz wie Ebenholz war der lockige Scheitel, den nur eine blasse Rose schmückte. Wie belebt sie heute war, wie sie plaudern konnte; sie blühte ja ordentlich auf unter dem Strahl der Fürstengunst.
Rainer hörte manche dieser Bemerkungen; sie gaben ihm einen Stich ins Herz. Bei dem Abendessen an kleinen Tischen wurde der Großherzog nach seinen Wünschen gefragt; er bestimmte, daß neben den höchsten Würdeträgern auch seine liebenswürdige Wirtin ihren Platz erhielte.
Rainer trat neben Else, die ihn mit ihrem frohen Kinderlächeln grüßte.
„Freust du dich so sehr auf das Mahl?" fragte er etwas vorwurfsvoll.
„Du siehst so heiter aus?" "
«Ich hatte auch einen sehr hübschen Gedanken."
„Darf man ihn erfahren?"
«Eigentlich hat „man" es heute nicht ver- sient, weil „man" ganz grundlos verstimmt ist; aber Gnade geht vor Recht; ich freue mich so in der Gewißheit, daß von morgen an endlich Ruhe eintritt‘unb wir nicht mehr im Musizieren gestört werden."
„Ist das wirklich wahr?" Ueber sein ernstes Bcht flog ein frohes Leuchten. „Das war das te, was du mir sagen konntest!" Sein Blick e so innig auf ihr, naß sie in plötzlicher Ver
uns an die unerhört gestiegenen Drotpreise zu gewöhnen, so werden wir heute aufs peinlichste durch eine Berliner Meldung überrascht, nach welcher für Dienstag kommender Woche der volkswirtschaftlicher Ausschuß des Reichsrates zu einer Sitzung einberufen worden ist, um zur Frage der Getreideumlage Stellung zu nehmen. Es soll, wie verlautet, angesichts der in vielen Teilen des Reiches schlechten Getreideernte und der Schwierigkeiten, die sich daraus für die Landwirtschaft hinsichtlich der Ablieferung des Umlagesolls ergeben, im Reichsernährungsministerium der Gedanke einer Erhöhung des Preises für Markenbrot erwogen werden.
1. Aug.
15. Aug.
24. Aug.
Brot
15.75
16.60
31.50
Mehl, Pfd.
24.—
28.—
45.—
Milch, Ltr.
12.60
19.—
19.—
Butter, Pfd.
125.—
170.—
230—234
Margarine
80.—
100.—
130.—
Schmalz, ins.
110.—
140.—
200.—
Kaffee, gebt.
220.—
240.—
320.—
Malzkaffes
27.—
34.—
59.—
Zucker, ausl.
29.—
54.—
60.—
Reis
28.—
32.-
44.—
Nudeln
26.—
28.—
46.—
Gries
22.—
28.—
48.—
Salatöl, Ltr.
170.—
200.—
300.—
Cichorie, % Pfd.-P. 12.50
13.—
40.—
Heringe, Stück
4.50
6.—
7.—
Seifenpulver,
10 %tiges, Pak. 10.—
12.—
18.—
Seife, % Psd.-St. 20.—
22.—
42.—
Rindfleisch, Pfd.
60.—
70.—
86.—
Schweinefl., Pfd.
100.—
120.—
160.—
Kalbfleisch
56.—
70.—
100.—
Leberwurst, eins.
80.—
80.—
100.—
Blutwurst
80.—.
120.—
160.—
Schwartenmagen
120.—
140.—
180.—
Die Not der Kleinrentner.
Aus den Kreisen der Kleinrentner geht uns der folgende Notschrei mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Wer könnte sich der Tatsache verschließen, daß die Not der Kleinrentner unsagbar ist? Der Dollarstand — der Markkurs zehren an unserem Leben; die Teuerung steigt, daß einem der Atem stockt; die Grausamkeit und Ungerechtigkeit Frankreichs lasten als Alp auf uns. Und daheim noch soviel Unverstand; Protzentum und wüstes Treiben und Prassen; daneben Bedrängnis und Not, die zum Himmel schreit. Am meisten heimgesucht sind die kleinen Rentner. Der Mittelstand, er gehört zu dem Edelsten und Besten, was Deutschland hatte, er diente Staat und Volk in Ehren, sparte ein Keines Vermögen und sicherte damit seine Zukunft. Das ist nun alles dahin. Zerbrochen die SeistungsfaWkeit''der Mut ?MMsr? mögen entwertet. Trotzdem Tapferkeit, da diese heimgesuchtesten Dulder sich mit alleräußerster Energie aufrecht zu halten suchen. Aber nun türmen sich die Schwierigkeiten zu nie geahnter Höhe, die Brotfrage (31.50 Mk.), die Milchfrage (19 Mark), die Kleider- und Schuhfrage — die stopfende, flickende Nadel genügt nicht mehr und als letztes und schlimmstes droht die Kartoffelfrage für diesen Herbst, sie lagert sich als Gespenst vor des armen Kleinrentners Tür und wächst riesengroß! Was werden die Kartoffeln kosten? In wenigen Wochen soll der Betrag ausgebracht werden; woher ihn nehmen? Es sei nicht verschwiegen, daß der Vorstand des Rentnerbundes sich nach allen Seiten hin viel Mühe gegeben hat, Kartoffeln zu verschaffen, bis jetzt ist der Erfolg ganz gering. A „r es muß Rat geschafft werden. Es wolle
wirrung die Augen niederschlug; eine zarte Röte flog über ihr durchsichtiges Gesicht.
„Wie seltsam bist du heute, Rainert"
„Schneewittchen, ich möchte dich in den glä- ernen Sarg schließen, daß niemand mehr zu )ir heran kann, keiner mehr mit dir tanzen. Du ollst nicht allen anderen Leuten gehören, du ollst nur für deinen Bruder da sein."
Der warme Ton seiner tiefen Stimme, das zärtliche Licht in seinen Augen hüllte sie in eine rosige Wolke von Glück und Dust ein. Es war ein wunderschönes Fest heute abend!
Das war auch die allgemeine Empfindung. Im letzten Blumenwalzer häuften sich die blühenden Sträuße so hoch auf Elses Platz, daß sie die Fülle nicht mehr bergen konnte.
„Biegeleben, Sie müssen sich einen Waschkorb geben lassen und darin die Zeugen der Triumphe Ihrer Frau Gemahlin in den Wagen tragen lassen", rief ihm der Vortänzer zu.
„Geht leider nicht", lachte Hans-Otto. Er war zufrieden, so gefiel ihm feine Frau; weshalb konnte sie nicht immer so vergnügt sein? «Ich muß jetzt Seine Königliche Hoheit nach Hause fahren. Mein ® ruber kann die Blumen besorgen."
Der Großherzog verließ das Fest etwas früher; er zog sich auch, zu Hause angelangt, gleich in sein Zimmer zurück. Die Damen fuhren im geschlossenen Wagen mit Rainer und wollten sich auch gern sofort „Gute Nacht" sagen, aber das litt der Rittmeister, der sie er« wartete nicht. — Jetzt muhte noch geschwatzt werden; und seinen schwarzen Kaffee wollte er haben; das war so gemütlich.
Die Mama besorgte sofort die silberne Kaffeemaschine und nahm sich nicht einmal Zeit, ihr Kleid zu wechseln; der Hausherr durfte nicht warten.
Er lag recht bequem im Lehnstuhl und zwang seine Frau, auf seinen Knien zu sitzen. — „Ehren und Bewunderung sind heute abend genug auf deinen Schwarzkopf gehäuft wor
doch jeder Leser überlegen, ob er solchen nicht schaffen könnte, wie man Mittel und Wege finde, Kartoffeln für die Kleinrentner zu gewinnen oder brieflich oder mündlich Mitteilung an den Vorstand des Rentnerbundes, fei es mit billigerer Zahlung oder Geschenk von einigen Zentnern, oder Adressen von hilfsbereiten Selbsterzeugern, das wäre dankenswert. Es wäre außerdem äußerst erwünscht, wenn die Herren Kaufleute, sei es im Detaillistenverband, sei es selbständig, sich verbänden in Großherzigkeit, den Kleinrentnern eine Erleichterung zu gewähren, einem geringeren Verdienst wird der Segen der Gabe nicht fehlen! In vielen Städten, besonders in Marburg und Cassel, ist ein großzügiger Hilfsdienst für die Kleinrentner eingerichtet; sollte das nicht Hanau, das stets wohltätige, auch können? In Cassel sind dem Rentnerbund als Gönner wohltätige und wohlhabende Persönlichkeiten beigetreten, die jährlich größere Beträge, dem Rentnerbund zuführen. Dergleichen fördert natürlich sehr den Rentnerbund. Ist die Not, die zunehmende, einmal richtig erkannt, so werden auch viele Hilfsbereite sich der Sache an« schließe» und solche werden helfen, die nicht nur irdische Güter haben, sondern auch das Herz für ihre so heimgesuchten, schuldlosen Brüder und Schwestern! Sollte nicht in jedem Ort, Marktflecken oder Dorf wenigstens ein Mensch sein, den die Nächstenliebe zur Hilfe an den Kleinrentnern drängt und dem sik dann andere anschließen würden? Sind nicht die Kleinrentner auch Kriegsbeschädigte, denen Hilfe not tut?, die ein Recht auf Hilfe haben! Laßt uns nicht vergeblich bitten!
* Druckpreise-Erhöhung. Der Tarifausschuß der Deutschen Buchdrucker hat die Löhne der Gehilfen in Anbetracht der fortschreitenden Teuerung um 400 bis 500 Mark, vom 1. September ab um weitere 250 bis 300 Mark erhöht. Diese bisher bei weitem stärkste Erhöhung zusammen mit den übrigen bedeutend gestiegenen Lasten des Druckgewerbss macht eine weitere Erhöhung der Druckpreise um 60 v. H. erforderlich, die am 21. August in Kraft trat.-
* Und wieder gehks abwärts! Nichts zeigt augenfälliger den raschen Wechsel der Jahreszeiten, als die Beobachtung der verschiedenen Himmelserscheinungen im Laufe eines Jahres. Kaum haben wir uns recht des Sonnenanstieges gefreut, der eine sich täglich vergrößernde Verlängerung der Tagesdauer bedeutete, und nun geht das Tagesgestirn bereits wieder auf feiner scheinbaren Bahn zum Himmelsgleicher zurück. Die Sonne tritt am 24. August früh 5 Uhr s dem Zeichen des Löwen in das der Jungfrau (also in das Sternbild des Löwen). Damit sind kälenöartfch die Hünbstäge 'erloschen (was aber nu»t ausschließt, daß sie sich in meteorologischer Beziehung behaupten können). Die rasche Rückbewegung der Sonne gum Himmelsgleicher macht sich, wie gesagt, bereits in einem beträchtlichen Kürzorwerden der Tagesdauer bemerkbar. Im Juli trat das noch nicht so stark in die Erscheinung. Im August uertürgen sich aber die Abende bereits zusehends. Während im Vormonat sich der Sonnenabstand vom Aequa- tor um knapp 4 Grad verminderte, geht er im August um rund TA Grad zurück. Der nächste Monat bringt denn auch'schon die Herbst-Tag- und Nachtgleiche.
* Marionettentheater. Wie in der Eröffnungsvorstellung, so wurden auch am gestrigen Abend wieder dieDarbietungen des Theaters mit großem Beifall ausgenommen. Die „Centralhalle" war wieder ausverkauft.
den, du wunderliches kleines Ding", sagte er. — „Jetzt möchte ich einmal hören, wie sie über mich herziehen, die Weiberchen natürlich nur! — Der Platz am Tisch Seiner Königlichen Hoheit, den Rosenstrauß, den er dir brachte, gönnt dir doch keine. Und dabei ist es dir im Grunde deiner Seele so ganz gleichgültig, nicht wahr?"
„Vollkommen! Die sogenannte Bewunderung wie der von dir vermutete Neid."
Er zupfte sie am rosigen vor. „Ja, ein Querkopf bist du einmal; weiß Gott, ich hab's schwer genug bei dir; immer mußt du etwas anderes wollen als andere Frauen!"
„Wie schön ist es, einen so innerlich selbständige Natur zu fein bei solcher Jugend!" warf Rainer ein.
Frau von Biegeleben, die ihrem ältesten Sohn eine zweite Tasse Kaffee brachte, erschrak vor dem Blick heißer Bewunderung in Rainers Augen und dem Ausdrück noch unbewußter, aber grenzenloser Hingabe, mit dem die junge Frau seinen Blick erwiderte.
Der Rittmeister gähnte herzhaft; er hatte, noch mehrere Kognaks getrunken. Er griff nach der Flasche um sich das vierte Gläschen einzugießen. Aber Rainer zog sie ihm mit schnellem Griffe fort.
„Du hast reichlich genug getrunken, Dicker, vergiß nicht, daß du morgen früh noch die Rennbahn mit mir abgalopoieren mußt, wenn ich den Jimbo zum Damen-Pokal reiten soll."
Der Rittmeister brummte noch etwas Un« verständliches, fügte sich aber merkwürdigerweise.
Dann begaben sich alle zur Ruhe.
Siebentes Kapitel.
Im Wagen, der den Oberst mit Gattin und seinen beiden Töchtern vom Kasino nach Hause brachte war die Unterhaltung sehr lebhaft gewesen; besonders Frau von Bergwitz konnte sich gar nicht beruhigen.
„Sie ist eine Kokette, eine ganz abgefeimte
* Neues vom Winterfahrplan. Am 8. Ok- tober tritt der neue Winterfahrplan in Kraft. Gleichzeitig erreicht die im Eisenbahnbetrieb des besetzten Gebiets geltende französische Sommerszeit ihr Ende, sodaß sich der Unter- schied von einer Stunde zwischen west- und mitteleuropäischer Zeit in den Fahrplänen wieder geltend macht und die Stationsuhren int besetzten Gebiet eine Stunde früher zeigen als die übrigen. Demgemäß sind auch die Abfahrtszeiten der beiden Pariser v-Züge um eine Stunde verschoben. Sie verlassen Frank- furt um 3.20 Uhr nachm. und 8.25 Uhr nachm. (jetzt 2.20 und 7.25 Uhr nachm.). Der Früh- v-Zug 208 Holland-Mainz-Basel (ab Mainz 3.34 Uhr), der seither durch das besetzte Gebiet über Biebesheim fuhr, wird künftig über Darmstadt und die Bergstraße geleitet, ab Darmstadt 5.19 Uhr vorm. Sonst sind die Abfahrtszeiten nach dem besetzten Gebiet, abgesehen von einigen kleineren Aenderungen, im allgemeinen die gleichen geblieben wie bisher.
* Die 20-Markbuße auf der Eisenbahn, di« für Vergehen auf der Eisenbahn (Rauchen im Nichtraucherabteil, Besteigen und Verlassen eines im Fahren befindlichen Zuges, vorzeitiges Oeffnen von Abteiltüren, Aufenthalt aus unverschlossenen Plattformen, Stufen usw. während der Fahrt, unerlaubte Benützung einer höheren Klaffe als die, für welche die gelöste Karte gilt, bezahlt werden muh, soll auf 50 Mk erhöht werden.
* Das Hessische Diakonissenhaus feierte dieser Tage sein diesjähriges Jahresfest. Am Vormittag begann die Feier mit einem Festgottesdienst in der Adventskirche zu Wehlheiden, an dem Herr Pfarrer Graeber, der Leiter des benachbarten Diakonissenhauses in Arolsen, die Festpredigt hielt. Im Anschluß an den Gottesdienst fand die Einsegnung von dreizehn Schwestern statt. Eine herzbewegliche Feierstunde! Der Vorsteher des Diakoniffen- hauses, Pfarrer Blackert, hielt am Altar dir Einsegnungsansprache an die jungen Schwestern, die alsdann nach wohlbestandener sechsjähriger Probezeit unter Gebet und Handauflegung feierlich in das Diakoniffenamt einge« führt wurden. Gott fei Dank, daß in einet Zeit, da die Selbstsucht mächtig geworden ist es noch eine Liebe gibt, die nicht an sich selbst denkt und nicht das Ihre sucht, sondern spricht: Ich diene. Am Nachmittag fand in dem wun- derlcbönen Garten des Diakonissenhauses eine Nachfeier statt, an der fiert Direktor Hencel die zu Hunderten erschienenen Gäste im Namen des Vorstandes herzlich begrüßte. Herr Pfarrer Graeber, der vor dem Kriege See- mannspostor in Alexandrien gewesen war, er« $äiMie in einer prachtvollen, frischen Weise vor den ehemals so blühenden, jetzt leider verlorener, und von den Feinden geraubten Werken der Kaiserswerther Diakonissen im Orient. Herr Geh. Justizrat Büff sprach in launiger und both herzlich frommer Hessenart von alten Zeiten. Herr Superintendent D. Klingender wandte sich zum Schluß noch einmal an die neueingeseg- neten Schwestern und schilderte die Schönheii des D^konissenamtes.
* Stenographisches. Am kommenden Sonn« tag findet in Weimar der diesjährige Bundesvertretertag des Deutschen Stenographenbundes Gabelsberger statt, der sich in der Hauptsache mit der Einheitsstenographie beschäftigen wird. An den schwerwiegenden Verhandlungen nehmen aus Hessen die Herren Regierungsrat Schaible-Darmstadt, Professor Pfaff (Bundesvorstand) und Lehrer Schöpp-Mainz, der Vorsitzende des Hessischen und Hessen- Naffauischen Verbandes „Gabelsberger", teil.
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Kokette, trotz ihrer Engelsmiene", behauptete sie. „Ich habe heute genug gesehen und gehört. Mit dem Großherzog kokettierte sie und ebenso mit ihrem Schwager; Herr Rainer von Biegeleben sieht kein junges Mädchen mehr an und hängt immer an ihrer Schleppe."
„Leider", bestätigte Frieda erregt.
„Eine ganz romantische Geschichte soll sie in Freiburg gespielt haben", fuhr Frau Herma eifrig fort, „man weiß ja, wie es zugeht, im geeigneten Augenblick muß dann der Adjutant einspringen."
„Es sieht Biegeleben aber gar nicht ähnlich, sich dazu gebrauchen zu lassen", warf der Obers! ein. „ .
„Jedenfalls sah Frau Else heute entzückend aus", meinte die gutmütige Frau von Rottburg.
„Und immer so geschmackvoll einfach angezogen", fügte der Gatte hinzu.
„Einfach?" höhnte Frau Herma. „Was du wohl sagtest, Papa, wenn du einmal ein solch „einfaches" Kleid .bezahlen solltest. Alles an ihr ist berechnet, bis zur Schuhspitze hinunter immer die fliehenden E-wändter leuchtend weiß, keine Spur von Farbe am Kleid, nicht einmal Goldschmuck, nur schimmernde Perlen, durchsichtige Spitzen! Das hebt die wunderbare Haut und das rabenschwarze Haar blendend hervor; dazu das gleitende Tanzen, das alle Männer so bezaubert, und die niedergeschlagenen Augen; alles ist Berechnung." , , ,
„Aber jedenfalls sehr hübsch anzusehen, erwiderte der Oberst. „Ich mag so scharfe Urteile von euch nicht hören, am wenigsten über eine Regimentsdame. Sagt es nicht laut vor anderen, meine lieben Kinder, was ihr mir soeben erzähltet, man würde denken, daß ihr neidisch märet, und das ist unklug."
Beide Töchter protestierten entrüstet. (S-
Putzt eure öFen nur MiT^arne^