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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Kana»

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertags

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile Hanau a. M. Im Falle böberer Gewalt bat der Bezieher keinen Anioruch auf Lieferung oder Nach­lieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Für Platzvorfchrift u. Erscheinungstage der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet.

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Nr. 197 MttMsch öen 23. AuMsl 1922

Das Neueste.

Der bayerische Ministerrat und die Koa­litionsparteien sollen dem Inhalte der letzten Berliner Besprechung ihre Zustimmung ge­geben haben.

Der Reichsverband der Dsutse-ien Bresse (Redakteure) protestiert erneut gegen die Be­schränkung der Pressefreiheit.

DerMatin" meldet aus Straßburg, daß die Sozialdemokraten von Mühlhausen für mor­gen eine Protestversammlung gegen die Aus­weisungen aus Elsaß-Lothringen einberufen haben.

Aus London wird berichtet, daß am kom­menden Freitag in Reval eine Abrüstungskon­ferenz eröffnet wird, an der die Regierungen von Finnland, Estland, Lettland und Polen teilnehmen werden.

Die Berliner BerhanSlungen.

Zradamy und Mauclere beim Reichskanzler.

Berlin, 23. Aug. Die Einzslbespre^un- gen zwischen den in Berlin weilenden Dele- gierken der Reparafionskommission und den Eertretern der zuständigen Reichsbehörden sind gestern zu einem gewissen vorläufigen Ab­schlusse gekommen. Bradbury und lanciere haben von sämtlichen beteiligten Ressorts aus­giebige Informationen erhalten und sind da­rauf gestern nachmittag vom Reichskanzler Dr. Wirth zu einer neuerlichen Besprechung empfangen worden, in deren Verlauf die Mo- rakoriumsfrage zum Gegenstand einer ebenso gründlichen wie grundsätzlichen Erörterung ge­macht wurde. Die Unfetr&ung verlief in durch­aus normalen Formen. Dr. Wirth legte auf bummle Fragen der beiden Delegierten hin nochmals den bekannten u or e s a s u o e n Standpunkt der deutschen Regie­rung zur Frage der von Frankreich aus der Londoner Konferenz gewünschten Produkt»- nenPfänder dar und die Delegation nahm hiervon Kenntnis. Damit darf das erste Sfa- bium der Berliner Rsparatisnsverhandlungen als abgeschlossen gelten. Vorläufig steht noch nicht fest, wann die nächste Zusammenkunft der Herren Bradbury und Ulßuclere mit den deut­schen R^arationsverkretern stalkfinden wird. Für Heuke vormittag ist lediglich eins Chefbe- sprechung in der Reichskanzlei anberaumt.

Wenn auch bis jetzt keinerlei bestimmte Forderungen an die Reichsregierung gestellt worden find, so haben wir doch alle Ursache, die Lage als ernst zu beurteilen. Wir dürfen den Umstand nicht außer Acht lassen, daß im Grunde seit der Londoner Konferenz in sach­licher und prinzipieller Beziehung kein Schritt vorwärts getan werden konnte. Auch diesmal wieder droht die Gefahr eines Aufschubes der Entscheidung um Wochen, wenn nicht gar um Monate; was das für die deutsche Wirtschaft zu bedeuten hätte, bedarf keiner Auseinandersetzung. Die Aussicht auf die all­gemein geplante Reparationskonferenz in Brüssel im kommenden November ist in der gegenwärtigen Krise ein recht magerer Trost, denn es versteht sich von selbst, daß ein neues Provisorium lediglich eine Verschärfung zur Folge haben könnte.

Deutsche Vorschläge?

Paris, 23. Aug. Von verschiedenen Bläk- reru wird erklärt, daß es von seiken der deut­schen Regierung sicherlich nicht die ungefchiS- tesie Taktik sei, wenn sie bei den Verhandlun­gen in Berlin statt Vorschläge abzuwarken, selbst einen Plan vorlegte. Sonst könnte es wie­der so gehen, daß die Verhandlungen in dieser Lackgasse endeten. In diesem Zusammenhang derPetit Puristen" die Behauptung aus, daß die dein, -e Regierung bereits den Gedan- gefaßt habe, Vorschläge zu bringen, die für tin Moratorium vo kl kommen neue Pfänder anbieten. DieInformation" berichtet ebenfalls, daß von der deutschen Rc- aiernng neue Vorschläge gebracht wurden.

. (Wir. müssen die Verantwortung für die Richtig- seit der letzteren Behauptungen den Pariser Blättern überlassen, da von Berlin derartige Informationen nicht vorliegen. Unverständlich ist uns aber, wenn Gesagt wird, daß Deutschland die Verhandlungen Oor einer Sackgasse bewahren soll. Du lieber Him- meL wen in Deutschland geht das in feinem Inneren nuch nur eine Spur an, wenn die Verhandlungen wieder in einer Sackgasse enden! Ist denn das putsche Volk schuld, daß es bisher so gewesen ist? not es nicht offen und klar seine Verhältnisse dar- Selegt, hat es nicht rechnungsmäßig bewiesen, daß 65 .schlechterdings unmöglich ist, die Zahlungsan­sprüche des .Verbandes zu erfüllen, hat es nicht in Wer Minute noch, trotz dieser Versicherungen, be« ^üht.. einen- Beweis seines guten Willens zu lie­

fern, indem es am 15. August 500 000 Pfund er­legte? Und wenn dies deutsche Volk mit Atenschen- und Engelszungen redete, so muß dock alles um­sonst sein, so lange man auf der anderen Seite der Liebe nicht hat, so lange man sich dort drüben hinter die großspurigen Gewalthuberei Poincarès versteckt und sein Herz und seinen Verstand für die beispiel­losen Nöte des bis aufs Blut gepeinigten Deutschen Volkes verschließt. Sackgassen bei Verhandlungen zu vermeiden, das muß Sache, derer sein, die verhan­deln. Lloyd George und seine englischen Politiker verfügen heute über die Erkenntnis von der Un­durchführbarkeit des Versailler Friedens und aller ihm folgenden, bezw. aus ihm herausgewachsenen französischen Forderungen, er sèhe zu, wie er Sack­gassen vermeidet. Es kann aber niemals Sache des deutschen Volkes sein, das man gewissermaßen zu Hilfe ruft, sich selbst zu opfern, damit die britische und die französische Auffassung zueinander kommen. Wir erwarten von der deutschen Regierung, daß sie sich diesen heimlichen Schlingen fcrnhält und sich aus das gefährliche und für Deutschland ganz aussichts-, lose Pfänderspiel, um ein solches kann es sich nur handeln, nicht einlüßt. Das Wesen einès Morato­riums besteht darin; daß wir für eine geraume Zeit von den Zahlungslasten entbunden werden, nicht aber darin, daß wir statt des Bargeldes irgendwelche Immobilien zur Verfügung stellen. D. Red.)

Eine Kstzrèöe Darkhous.

Paris, 23. Aug. Nach einer yavasmeldung aus Poa hielt bei Eröffnung des Generalrates B a r t h o n eine Rede, in der er erklärte: Der europäische Friede könne für Frankreich nur dann annehmbar sein, wenn man ihm gegen­über alle Verpflichtungen, die ihm garantiert seien, erfülle und wenn diejenigen, die den Krieg gewollt hättest, die Verantwortlichkeiten dafür und seine Folgen auf-sich nehmen. Frank­reich sei seinen Freunden und Verbüveten treu, aber es habe das Recht, auch von seinen Freunden und Verbündeten zu verlangen, daß WMWWMMMM Seite befunden und habe auch das Recht, von ihnen zu verlangen, daß sie im Augenblick der Reparationen ihm zur Seite stehen. Wenn man Frankreich aber die Frucht (eines Sieges ver­weigere, dann sei Frnakreich groß und stark genug, um handeln und zu verlangen, daß Deutschland seine Verpflichtungen erfülle. Frankreich habe für Deutschland genug bezahlt und es sei notwendig, daß Deutschland für die Verbrechen, die es begangen habe (?!) und für die es verantwortlich fei, bezahle.

DanöerUp über die WirLschaflslaze.

Paris, 22. Aug. Der amerikanische Bankier Vanderlip hat bet seiner Durchreise in Paris derInformation" wichtige Erklärungen abge­geben über die A n s i ch t e n i n d e r am er i- kan»scheu Hochfinanz, die hinsichtlich der gegnwärtigen europäischen Krise bestehen, der Kernpunkt der gegenwärtigen Lage fei, .er-, klärt Vanderlip, weder die Separationen noch die interalliierte Schuld, sondern er liege in der Einheitlichkeit der europäischen Wirtschafts­lage. Das Problem fei sehr verwickelt, weil Eu­ropa mehr Einwohner zähle, als es zu ernäh­ren im Stande sei. Europa sei deshalb zur Aus­fuhr gezwungen, aber die Handelsfreiheit be­stehe sticht mehr. Der Sturz der Wäh­rung müsse unabänderlicherweise zur Katastrophe führen. Die Lage in Deutschland sei zweifellos am kritischsten. Hier liege das für Europa dringendste Problem. Niemand hege Zweifel über die Lerechtiaung der französischen Reparctionsausprüche. Trotz­dem sei es klar, daß Deutschland die vpn ihm verlangten Summen nicht sofort zahlen könne, ob nun der Marksturz absichtlich oder unabsicht­lich gekommen sei. Der Augenblick werde kom­men, wo es die Konsequenz zu tragen habe. Der Sturz der Wark würde den indu- striellen Niedergang und damit A r= beitslojigkeit und ernste soziale Un­ruhen nach sich ziehen. So verständlich die französische Haltung an sich sei, laufe Frank­reich Gefahr, je weniger von Deutschland zu er­halten, um Jo höhere Ansprüche es stelle. Im vergangenen Juni seiest die Aussichten für die Unterbringung einer großen internationalen Anleihe auf dem amerikanischen Markte relativ, günstiger gewesen. Frankreich hätte einen Teil davon erhalten können. Es fei aber damals un­möglich gewesen, Deutschland K r e d i t e zu ge­währen, solange seine Reparationsschuld auf 132 Milliarden Goldmark veranschlagt war. Heute aber wären die Aussichten infolge der Entwertung der Mark, die die Wirtschafts­lage in Deutschland gefährde, viel weniger

"uebèr^'die interalliierte Schulden­frage gab Vanderlip folgende interessante Erklärungen ab: Hinsichtlich der imerallüerten Schulden muß gesagt werden, daß Amerika die ; Haltung Europas sehr schlecht aufnimmt. Ame­

rika ist der Ansicht, daß sein Beitrag am Kriege so bedeutend gewesen ist, daß man hauch i > über die Rückzahlung der von ihm geliehenen Summen streiten sollte. Wenn die Schuldner wenigstens gesagt hätten:, Wir können nicht zahlen und zwar unsere Situation ist die und die, hätte man für die Rückzahlung der schuldi­gen Gelder sicherlich gemilderte Bedingungen stellen können. Man hätte sogar neue Anleihe,, gewährt. Aber in Europa haben sich Diskus­sionen entsponnen, die die amerikanischen Ge­fühle verletzt haben, weil sie den amerikanischen Egoismus angriffen. England habe in feinen Pudgetsvoranschlägen keine Posten für die -Rückzahlung der Schulden an Amerika vorge­sehen, sodaß man wirklich nicht sagen könne, daß diese Schulden heute den Schlüssel zur- mng der Krise bilden könnten. Die französischen FiUgnzsckwierigkeiteN würden von niemand 'angezweifelt. Besonders bedenklich sei die Tat­sache, daß di- französische schwebende Schuld sehr drückend auf der finanziellen Zukunft des Landes laste. 97 Milliarden kurzfristige Bons, diè in dem Plan einbegriffen seien, lassen sehr große Sorgen hinsichtlich dieser Schuld äufkom- men. Jedenfalls müsse man zu dem Schluß kommen, daß gegenwärtig keinerlei Heilmittel für die Schwierigkeiten be­stehen, in denen Europa wie gefangen liege. Der Horizont sei nach wie vor mit düsteren Wolken behängt.

Warum Kaun Deutschland nicht zahlen?

Rom, 20. Aug. Der Optimismus, der noch bis vor kurzem in Italien über die Zukunft Deutschlands herrschte, ist heute vollkommen gc- schwnnden.Unsre Kinder", so schreibt der be­kannte italienische Volkswirt Ugo Ancona im vielleicht wieder einmal eist blübèndes'PNnrsch- Tanb sehen." An der Hand der Zahlen weist er nach, daß Deutschland weder in Geld, noch in Waren, noch in Sachlieferrmgrn in naher Zu- tunft etwas mehr wird zahlen können. Das deutsche Volk mühte denn zwei Generationen nur von Wasser und Brot leben und auf einen halbbarbarischen Zustand heruntergehen, aber das könne man einem Volke, das in der Technik das höchststehende in der Welt fei, nicht zu- muten. Eine Besetzung der Ruhr würde für Europa ähnlich schädliche Folgen haben wie die Auslieferung Oberschlesiens an die technisch auf einer niedrigen Stufe stehenden Polen. Und da Frankreich und Italien ihre Kriegsschulden ebenfalls nicht zahlen könnten, so tritt Ancona für eine Aufhebung der Entschädigungen und der Kriegsschulden ein. Die Frage, warum ,Deutschland nicht zahlen könne, wird von Guglielmo Ferrero in einem ausgezeichneten Artikel des Secolo bargelegt. Schon auf der Pa­riser Konferenz habe ihm ein Vertreter der kleineren Staateir gesagt:Die Entschädigungen werden die Tragödie des Friedens sein. Die Ge­rechtigkeit verlangt sie, aber die Macht sie auf­zuerlegen, ist nicht vorhanden. Zu den vielen Illusionen des Sieges gehört auch diese." Ferrero führt dann etwa folgendes aus:

England hat leichtes Spiel, nachzuweisen, daß alle von Frankreich oder anderen Staaten als Beding­ung des Zahlungsaufschubs vorgeschlagenen Unter­pfänder schwer durchzusetzen, von zweifelhafter Frucht und bisweilen nicht ohne Gefahr sind. Aber auch Frankreich hat unwiderleglich Recht, wenn es darauf erwidert, daß ohne Unterpfänder der Zah­lungsaufschub den Zahlungserlaß bedeutet. Wenn die Entschädigungen aber fallen, wird einer der wich­tigsten Teile aus dem Versailler Vertrag herausge­nommen, und das ganze Gebäude wird hinfällig. Um Deiuichlayd zum Zahlen zu zwingen, reichen alle die vorgefchlogenen Maßnahmen nicht aus. Das einzige Mittel wäre vielleicht, daß die Sieger Deutschland unèèb ihre Verwaltung nehmen. Aber werden sie, die kaum ihre eigenen Staaten regieren können, über das Volk die Regierung führen können, das noch bis vor kurzem das stärkste gewesen ist? Aber .selbst dieses Mittel wird heute keinen Erfolg mehr haben, denn Deutschland ist in vollkommenem wirtschaftlichen Verfall begriffen. Es ist ein Irrtum, zu meinen, der Friede, der ja in seinen wirtschaftlich- finanziellen Klauseln nur zum allerkleinsten Teile ausgeführt ist, habe Deutschland ruiniert. Deutsch­land hat sich durch den ungeheuerlichen, unsinnigen und herkulischen Krieg, den es allein mit eigenen Mitteln geführt hat, ruiniert. Amerika und England haben während des Krieges im Gegensatz zu Deutsch­land ungeheure Gewinne gewacht, aus denen sie die Anleihen ihrer Verbündeten bestreiten konnten, mit denen diese sich wenigstens bis jetzt aufrecht erhalten. In Deutschland aber beginnt die Verarmung der großen Massen mit dem Tage der Kriegserklärung und sie hält heute bereits über acht Jahre lang an. Regierung und Volk gehen dem Abgrund entgegen, und auch der Zahlungsaufschub wird nur einesichein- bare Erleichterung schaffen, weil das Uebel ältere und tiefere Wurzeln hat. Die wahre deutsche Krise hat noch nicht begonnen, der Fall der Monarchie war

nur ihr erster Akt. Deutschland wird noch eine Kris, von der Tiefe der russischen durchmachen müssen Welcher Art diese sein wird, kann niemand voraus sehen, sicher aber ist, daß sie ganz Europa er. schüttern wird.

Sa weit Ferrew. In seinem letzten United Preß-Artikel richtet Nitti von neuem einen lauten Mahnruf an die Vereinigten Staaten, doch endlich in den Frieden einzugreifen, ehe Deutschland zur Verzweiflung getrieben werde. Das deutsche Volk sei beim Friedensschlüsse auf- furchtbarste betrogen worden; von ihren sound- sooft gegebenen feierlichen Versprechungen habe der Verband keine einzige gehalten. Anstatt bet 14 Vorschläge Wilsons seien auf das demokra­tische Deutschland, wie Nitti im einzelnen nach« weist, 14 Formeln der Demütigung, 14 Formeln der Auflösung und 14 Formeln der Gewalttätig­keit angewandt worden.

Die Veilsflung des Bayernkonflikis.

Berlin, 22. Aug. Der bayerische Gesandte in Berlin v. Preger teilte heute nachmittag dem "Reichskanzler mit, daß der bayerische Minister­rat und die bayerischen Koalitionsparteien ihre Zustimmung zu dem Ergebnis der Berliner Besprechungen gegeben haben. Der bayerische Konflikt kann damit als endgültig erledigt ange­sehen werden. Die Aufhebung der bayerischer Schutzverordnilng ist binnen kürzester Frist 31 erwarten.

Gegen Lie Beschränkung der Prefsefreiheil.

Berlin, 23. Aug Der Reichsverband bei Deutschen Presse wendet sich mit folgender End schließung seines engeren Vorstandes erneut ge- gen die Beschränkung der Pressefreiheit, wie sie in den Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze gegen die Republik enthalten ist:

'llt mit Bedauern daß seine drisigende Eingabe vom 7. 7. d. Is. an den Rechtsausschuß des Reichstages unbe­rücksichtigt geblieben ist und daß das Gesetz auch in seiner endgültigen Fassung Bestimmmi- gen enthält, die die verfassungsmäßige F r e i< ijeit der Presse nahezu aufheben. Witz berechtigt unsere, an diese Bestimmungen geknüpfte Befürchtung war, das zeigt schon die bisherige Anwendung des Gesetzes, die die -schweren Bedenken leider in vollem Umfange bestätigt und den schärfsten Widerspruch her. ausfordert, umso mehr als sie eine völlige Rechtsunsicherheit schafft und die wirtschaftliche Existenz der von den Verboten betroffenen Zei- tungen und damit zahlreicher Journalisten und Schriftsteller auf das schwerste bedroht. Wir fönen Zurzeit nichts anderes tun, als unseren .Protest zu erneuern, würden aber sofort die "nötigen Vorbereitungen treffen, um im geeig« neten Augenblick auf eine Revision des Gesetzes mit aller Kraft hinzuwirken.

Dom Tslegraphisten-WeNslrett.

Berlin, 22. Aug. Heute empfing der Reichs­präsident anläßlich des internationalen Tele- graphisten-Wettstreites das internationale Preisgericht sowie die Sieger. Der Ehrenvor­sitzende des Preisgerichts, Staatssekretär Bre­dow, hielt namens der Teilnehmer, an dem Wettstreit eine Ansprache an den Reichspräsi­denten, in der er die Bedeutung der Veranstal­tung für die zukünftige Entwicklung des inter­nationalen Nachrichtenverkehrs hervorhob und mittèilte, daß der vom Reichspräsidenten ge­stiftete Meisterschaftspreis an Oesterreich und die beiden Länderpreise an Italien und Deutsch­land gefallen sind, während von den sechs Gro­ßen Preisen Italien, Spanien und Dänemark je einen, Deutschland drei erhielten. Seine An- spräche schloß mit einem Dank an den Reichs­präsidenten für die Uebernahme des Protek­torats und mit der Ueberreichung der vom Rcichspoftminister gestifteten Erinnerungs- Medaille. Der Reichspräsident dankte, indem er die hohe Bedeutung des telegraphischen Nach­richtenverkehrs für die wirtschaftlichen, kultu­rellen und politfefjen Beziehungen der Völker heroorhob und es mit Dank begrüßte, daß es diesem friedlichen Wettstreit gelang, narb langer Entfremdung das berufsmäßige Band um die Vermittler des Weltverkehrs neu zu schlingen.

Die Rheinlandkommissiou beharrt auf der Amtsenthebung RIomms. Die Rheinlands­kommission hat den politischen Parteien, die sich für das Verbleiben des Wiesbadener Regie­rungspräsidenten Momms eingesetzt haben, einen ablehnenden Bescheid ohne jegliche Be­gründung,zugehen lassen.

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Dollar (10 Mr vorm.) 1360