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Nr. 195

AiMches Orga« für ElaSi- uns La«

Erschein! täglich mi! Ausnahme der Sonn- und

Kana«

Msntag den 21. August

1922

Das Neueste.

Die Delegierten der Reparationskom­mission sind in Berlin eingetroffen.

In Spanien ist ein Poststreik ausge­brochen.

Poincars hat gestern eine neue Hetzrede gegen Deutschland gehalten.

Die Verhandlungen mit der bayerischen Delegation wegen der bayerischen Rückfragen an die Reichsregierung sind zum Abschlusse ge­kommen.

Der Frankfurter Vuchdruckerstreik ist be­endet, ebenso der Leipziger Kellnerstreik.

Eine neue Hetzrede Poincarès.

Poincarè hat gestern nachmittag, wie an­gekündigt, ein neues Kriegerdenkmal eingeweiht, diesmal in Triaucourt im Departement Meuse. Man kann nicht behaupten, daß der französische Ministerpräsident bei seiner Rede auf die seit einigen Tagen herrschende Ström­ung einer deutsch-sranzösischen Annährung Rücksicht genommen hätte. Er hat seine An­sprache zwar nicht zu einer großen politischen Rede benutzt, nach der Art der von Bar le Dux, er hat aber alles dazu beigetragen, um d i e ganze Erbitterung des Krieges bei der französischen Bevölkerung neu a u f l e b e n zu lassen, anstatt, wie dies zum Zwecke der Völkerversöhnung unbedingt nötig wäre, sie endlich zu begraben. Er hat als Einleitung seiner üblichen Versicherung, daß Deutschland die Kriegsschuld reparieren müsse, eine beson­dere Schilderung der Kriegsereignisse gegeben um damit mit Vorliebe den Bewohnern der Krisgszoue è oiiHftkM^^^

verübten Greueltaten in Erinnerung zu rufen, und zwar, von der Erschießung unschuldiger Zivilpersonen bis zur Ausplünderung der er­oberten Ortschaften.

Poincarè betonte, wie ein Pariser Tele­gramm meldet, daß das deutsche Volk, das sei­nerzeit alle Verbrechen gebilligt oder doch er= laubt habe, solidarisch dafür verantwortlich sei. Wer also heute vorschlügt, diese Taten unbe­straft zu lassen und den Deutschen einen Teil der den Kriegsbeschädigten schuldigen Summe zu erlassen, müsse mit-Blindheit geschlagen sein.

Es mögen aus der Rede folgende Stellen hervorgehoben werden: Die unglücklichen Ge­meinden von Ost- und Nordfrankreich haben leider nicht nur Soldaten in die Armee gestellt, sie haben außer den Verlusten auch eine große Zahl von Opfern unter den Zivilpersonen zu beklagen. In Triaucourt und leider auch in einer Reihe anderer Gemeinden gibt es zwei Kategorien vom Kriege schwer betroffener Fa­milien; die einen trauern um die auf den Schlachtfeldern Gefallenen, die anderen um An­gehörige, die beim Einmarsch des Feindes feige getötet worden sind. Man möge mir verzeihen, daß ich die Aufregungen dieser schrecklichen Tage wieder waH rufe. Es gibt aber Dinge, die wir nicht in der Vergangenheit begraben und die wir zeitweise uns vor Augen halten müssen, um daraus unlöschbare Lehren zu ziehen. Nach einer grellen Schilderung der Kämpfe um Triaucourt am 8. September 1914 erklärte Poincarè bezüglich des deutschen Einwandes, daß ein Bewohner zuerst auf die deutschen Truppen geschossen habe, alles dies seienge­wöhnliche Komödien, die der Feind überall iy Frankreich und Belgien von Öen blutigsten Vor­gängen gegeben habe". Hier aber sei die Lüge besonders erbärmlich, weil die Identität des deutschen Soldaten, der die Schießerei eröffnet habe, mit Leichtigkeit habe festgestellt werden können. Ihr, die ihr hier versammelt seid und Zeugen dieser Schreckenstage gewesen, die ihr diese Verspottung der Wahrheit gehört habt, die ihr unter den Geschossen der Deutschen Angehörige, Frauen und Kinder sowie Freunde habt fallen sehen, wie könntet ihr heute zulassen, daß es !Pch unserem Siege auf der Welt Leute gibt, die verblendet genug sind, die es zulassen wol­len, die Urheber dieser Verbrechen unbestraft zu mßen und Deutschland die Entschädigung, die «5 den getroffenen Familien schuldet, zu schen­ken. Während der kurzen Zeit, wo die Deutschen r?l euch die Herren waren, habt ihr sie die stummsten Uebeltaten verüben sehen. Die deutschen Soldaten haben unter euren Augen sich als Mord- und Brandstifter erwiesen und die deutschen Offiziere haben auf unsere Klagen geantwortet:Was wollt ihr, es ist eben Krieg". ~$ war aber nicht mehr Krieg, sondern ein diszipliniertes Barbarentum, eine offizielle Er­

mächtigung zu gemeinen Verbrechen. Vor dem Jahre 1914 hat sich die Menschheit bemüht, in­ternationale Gesetze aufzustellen, um die Kriege weniger mörderisch zu gestalten. Man hatte in Konferenzen unnütze Grausamkeiten verboten und den Kriegführenden die Einhaltung der hauptWilichsten Gesetze zur Wahrung der Men­schenliebe auferlegt. Das kaiserliche Deutschland hat sich geweigert, diese Vorschriften zu achten. Seine Armee hat während der ganzen Dauer der Feindseligkeiten diese Vorschriften, die von allen zivilisierten Völkern anerkannt worden waren, mißachtet. Schlechte Behandlung der Zivilbevölkerung, Mord, Raub, Brandstiftung und die Anwendung von giftigen Gasen, alles das hat man benutzt, um durch eine Schreckens­herrschaft den Sieg zu erringen, den man be­fürchtete auf den Schlachtfeldern nicht zu ge­winnen.

(Blutiger Haß, wie er in den heißesten Tagen des Krieges nicht furchtbarer bestanden hat, muß durch eine derartige Hetzrede wieder aufflammen. Angesichts solcher Reden muß man sich die Frage vorlegen: Kann das französische Volk, angeblich das ritterlichste der Erde, jemals aus dem Zustand der Krieg'-ninchofe heraus­kommen, kann dieses Volk seinen maßlosen Haß gegen den deutschen Nachbar in absehbarer Zeit bannen? Wir glauben es nicht. Frank­reichs Haß und Wut gegen alles, was deutsch ist, darf nach dem Willen der französischen Staats­männer auch nicht Serfcbwinden Deutschland muß ja vollkommen aufgeteilt, das deutsche Volk selbst ein Sklavenvolk werden, dessen Daseins­zweck darin besteht, schließlich zu erlöschen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der öfteren Auspeitschung des französischen Volkes, ungefähr in der Art, wie es Poincarè gestern wieder ein­mal getan hat. ch). Äiev -

Heuke eine neue Rede desAnenèwegken".

Paris, 21. Aug. Am heutigen Montag wird bei Eröffnung der Session Poincars wie in Bar le Dux eine große politische Ansprache halten, in der er nach den Ergebnissen der Londoner Konferenz feine Politik inbezug auf Repara­tionen auseinandersetzen wird. DasEcho de Paris" und einige andere Blätter kündigen an, daß der Ministerpräsident in dieser Ansprache offiziell erklären wird, daß er an den von ihm in London verlangten Garantien, d. h. der Kon­trolle der Gruben und Forsten unter allen Um­ständen festhalten müsse und daß Frankreich unter Umständen selbständig vorgehen würde.

Die Reparakions-VerhandluNgen.

Die Ankunsi der ReparakionsdelcgÄion in Berlin.

Berlin, 21. Aug. Die von der Reparations­kommission abgesandte Delegation ist am Sonn­tag in Berlin eingetroffen. Offiziell haben die Herren ihre Ankunft jedoch nicht bekanntge­geben. Von deutscher Seite haben die an der Reparationsfrage beteiligten Refsorts eifrig die Besprechungen untereinander fortgeführt, um für die Verhandlungen der nächsten Tage voll gerüstet zu sein.

Berlin, 20. Aug. Vor der Aufnahme der Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den Vertretern des Wiederherftellungs- ausfchuffes am Montag vormittag wird eine Chefbesprechung über die Reparationsfrage stattfinden.

Paris, 20. Aug. Die Verhandlungen mit den Mitgliedern der Reparationskommission sollen etwa eine Woche dauern. Bei dieser Ge­legenheit soll insbesondere nachgeprüft werden, über welche Bankguthaben die deutsche Regie­rung gegenwärtig verfügt. Wäre Deutschland in der Lage zu erklären, daß es den Morato­riumsverpflichtungen, bis zum Schlüsse dieses Jahres Rechnung tragen könne, so wäre der Konflikt aus der Welt geschafft. Aber eine solche Erklärung kann Deutschland selbst im gegenwärtigen Augenblick nicht abgeben, denn sein Kapital ist erschöpft und kann zu Repara­tionszahlungen nicht mehr hsrangezogen wer­den. In französischen Kreisen macht sich neuer­dings die Anschauung geltend, die bereits früher mit größter Heftigkeit vertreten wurde, daß die Reichsbank über 1 Milliarde Goldmark verfüge und daß diese den Alliierten in der Weise zur Verfügung gestellt werden könne, daß sie den Banken des linken Rheinufers überwie­sen würde: Durch Pertinax läßt Poincars w Echo de Paris" erklären, daß man allerdings auf diefe Goldmillarde Anspruch erheben müsse, aber sie hätte sich zu den produktiven Pfändern in Gestalt der Waldungen und Staatsbergwerke hinzuzugesellen. Allerdings könnte man sagen,

daß diese Goldmilliarde dem Kapitalwert der Staatsbergwerke und Domänenwaldungen cift= spreche, aber eine vollkommene Befriedigung der Wünsche Poincarèg wäre die Uebergabe dieser Goldmilliarde nicht, denn die von ihm' in Aussicht genommenen Pfänder hätten für Frankreich den Vorteil, den Weg vcrmbcreiten, um später ähnliche Pfänder derselben Art zu die wirtschaftliche Besetzung des übernehmen, das heißt mit anderen Worten, Rheinlandes vorzubereiten, denn darauf läuft feit Jahren die gesamte französische Politik'hinaus. Dies ist auch'die Ursache, wes­halb sie jetzt, England die richtigen Ziele die­ser Politik erkannte, zu keinem Einvernehmen gV n gen, konnten.

Morakoriumsentschsid Ende der Woche?

Paris, 20. Aug. DerTemps" ist der An­sicht, daß Sir John Bradbury und seine Beglei­ter spätestens nächsten Freitag wieder in Paris sein werden, sodaß die Reparationskommission in der Lage sein dürfte, Ende dieser Woche ihre Entscheidung bekanntzumachen.

Gefahren Ses Marksturzes.

London, 20. Aug. Dcr neue Sturz der Mark wird in der englischen Presse lebhaft erörtert. Der Cityredaktcur derDaily News" sagt, jede weitere Entwertung der Mark mache die Haudelslage Deutsch­lands immer verzweifelter. Das Geschästklebm scheine sich dem toten Punkte zu nähern. Alle Abmachungen deutscher Geschäftsleute in auswärtiger Währung wurden in Frage gestellt werden, denn mit den besten Absichten der Welt seien die Kaufleute nicht in der Lage, mit derartige!? katastrophalen Wertschwankungen fertig zu werden. Je mehr man die Lage untersuche,

Miirdtieuals

Händelsnsttion m einistè Zeki ausgeschaktet merbe« bis Ordnung in die deutschen Fiuanzengebracht wird.

London, 20. August. Auf der gestrigen Sitzung der General Workers in Leamington machte der eng­lische Arbeiterführer Benn Titlet den Vorschlag, einen allgemeinen Streik der Arbeiter ganz Europas zu ver. austalten, bis die Finanzleute ihre Schwierigkeiten Èet« gelegt und die Währungen stabilisiert wären. Der Friede sei zerstörender gewesen als.der Krieg selbst. Der Arbeiter­führer Clpnestrat diesem Vorschläge entgegen, indem er sagte, für dieses Problem könne in den Methoden industrieller Gewalt kein Hilssmittrl gefunden werden. Nur d^ei Länder könnten die endgültige Regelung berbeissihren: Großbritannien, Frankreich und Amerika, und zwar nur, wenn sie zusammen bandelten.

Europa ein schlechtes Objekt für eine amerikanische Intervention.

Berlin, 20. Aug. In einer Unterredung er­klärte ein amerikanischer Diplomat, sie sehen, daß die Passivität der amerikanischen Politik gegenüber den europäischen Angelegenheiten sich als richtig erweist. Ein in sich so zerfallenes Europa wäre ein schlechtes Objekt für eine amerikanische Intervention. Auch in Amerika greift man nicht gern in Wespennester. Ein der Entente nahestehender römischer Diplomat nannte die Politik Poincarès als tollwütig und üußerte u. a.: Man braucht kein Mheinländer zu fein, um über diese französische^ulturschän- dung zu erröten Und nicht Deutscher, um beim Anblick betrunkener Marokkaner, die am Por­tal des Kölner Doms ihre Notdurft verrichten, in größte Wut zu geraten. Ganz Europa ist über die schwarze Schande von Ekel erfaßt.

AutzenpoMische Emheiksfronl.

Dcr Arbeitsausschutz deutscher Verbände, in dem sich gegen 600 kulturelle, politische und wirt- Ichastliche Verbände der verschiedensten politischen Nichtungc« zum Kampfe' gegen die Lüge von Deutsch­lands alleiniger Verantwortlichkeit am Weitkriege mit dem Ziel der Revision des Versailler Diktate» zu- sanimcngeschlosieil haben, gibt augesichl» der jetzt herausbeschworencn schweren Krisis im Namen [einer Mitglieder die Erklärung ab, daß sic sich all außen­politische EmheitSfront hinter jede zur Wahrung ocutschen Rechte» gegen fremde Vergewaltigung ent­schlossene Regierung stellen.

Der Arbeitraurschuß deutscher Verbände erwartet, daß die ReickSregierung den immer erneuten versuchen, daS deutsche Loll unter dem Vorwände seiner aSeintgen Verantwortlichkeit für den Krieg wirtschaftlich und politiid) zugrunde zu richten, nachdrücklichsten Wider­stand leistet und zur Wahrung der Ehre und de» An­sehens des deutschen Volke» entschlossen allen For- »eruligeu entgegentritt, die Deutschland die LebenS- möglrchkeit nehmen.

(Wenn cs möglich wäre, aus der dcutschen Not eine Einheit»front,-etttc Notgeincinjchaft zu cntwickcln, s» hätte das nahongle Unglück wenigsten» einem er­ziehlichen Zweck gedicnü-

Die neuen Verhandlungen mil Bayern.

Berlin, 19. Aug. Bei den heute eingeleiteten neuerlichen Besprechungen der Reichsregierung mit den bayerischen RegieruNgsoertretekn führte der Reichskanzler selbst den Vorsitz. Die. heutige Vormittagssitzung, der auch der baye­rische Gesandte in Berlin, Dr. von Preger bei­wohnte, wurde gegen 1 Uhr geschlossen. Heutk nachmittag finden persönliche Aussprachen bee Reichsjustizminister Prof. Radbruch und dem bayerischen Justizminister Dr. Gärtner statt, wobei besonders die Frage des Staatsgerichts­hofes erörtert werden soll. Die bayerischen De­legierten werden voraussichtlich noch morgen in Berlin bleiben, da die Besprechungen, die sie mit der Reichsregierung pflegen, von wichtigen Be­sprechungen der einzelnen Ressorts iiber die be­vorstehende Auseinandersetzung mit der Repa- rationskommisstpnsdelegation gekreuzt werden.

Berlin, 21, Aug. Die Verhandlungen mit der bayerischen Delegation wegen der baye- rischen Rückfragen an die Reichsregierung sind heute mittag zum Abschluß gekommen. Die beiden delegierten sind Sonntag abend nach München zurückgekehrk. um das Ergebnis der Besprechungen dem Minislerrak vorzulegen. Ueber den Inhalt dieses Ergebnisses wird vor- läufig noch Stillschweigen bewahrt, wenigstens solange, als der bayerische Minislerrak dazu noch nicht Stellung genommen hak. An den heutigen Verhandlungen nahmen neben dein Reichskanz­ler auch der Reichspräsident Ebert und Innen­minister Dr. Köster, die beide aus Hamburg zu- rückgckehrk sind, keil.

Warnungssignale Oesterreichs.

Rundreise des österr. Kanzlers.

pek empfing derfrefer der EnkenkemSchke, uM sie auf die Lage aufmerksam zu machen, die durch die Verschleppung der Lredilhilfe für Oesterreich entstanden ist. Das österreichische Problem erscheint nicht mehr als rein finan­zielles, sondern als politisches. Da nach Auf- fosiung der österreichischen Regierung die Auf- rollung der mitteleuropäischen Frage in nächste Nähe gerückt erscheint, beschloß die Regierung, persönliche Fühlungnahme mit den führenden Staatsmännern der drei Nachbarstaaten, die für die Gestaltung der mitteleuropäischen Lage die größte Bedeutung haben, zu suchen. Sie trat daher mit Berlin, Rom und Prag in Ver­bindung. Bundeskanzler Seipel begibt sich Sonntag abend zu eintägigem Aufenthalt nach Prag, um mit dem tschechoslowakischen Minister- präsidenien und Minister Benesch zusammenzu- kreffen. Dienstag wird er von dort unmittelbar nach Berlin Weiterreisen.

Wien, 21. Aug. Sämtliche Blätter beschäf­tigen sich mit der politischen Auslandsreise des Bundeskanzlers Seipel und des Finanzministers Segur. Die beiden Minister werden in Prag dem tschechoslowakischen Minister des Aeußern, Benesch, auf die vollkommen unhaltbare Si- tum ion, in der sich Oesterreich seit der fruchtlosen Konferenz von London befindet, verweisen und erklären, daß Oesterreich außerstande sei, auf die Lösung der Kreditfrage durch den Völker­bundsrat zu warten. Von Prag werden sich die beiden Minister dann nach Berlin begeben, um mit dem Reichskanzler zu konferieren. Gestern waren in Wien die Gerüchte verbreitet, daß die Wiener Banken der Regierung eine Mil­liarde Vorschuß gewähren wollen, doch ist diese Nachricht unrichtig, ebenso ein anderes Gerücht, der Völkerbund wolle über eine Aufteilung Oesterreichs beraten.

Die Bedeutung der Reise Dr. Seipels nach Prag und Berlin und später nach Italien be­ruht darin, daß die österreichische Regierung von der Oesterreich unmittelbar drohenden Ka­tastrophe überzeugt sei Und Warnungs­signale geben wolle. Die Veranlassung des Anschlusses an das Deutsche Reich, welche von mancher Seite erwartet wird, scheint unmittel­bar durch die Reise nicht bezweckt zu werden. Daß trotzdem in der letzten Zeit das politische Moment der österreichischen Frage in den Vor­dergrund gerückt wurde, hat offenbar in erster Linie den Grund, auf die staatspolitische Ge­fährlichkeit eines.Unruhefaktors in der mittel­europäischen Politik hinzuweisen. Mit dem ita­lienischen Minister des Aeußern, Schanzer, wird Seipel nicht in Rom, sondern in seinem der­zeitigen? Somlyeraufenthalt Zusammentreffen. Die Ankunft Seipels und Segur in Berlin ist

für Mittwoch- in Aussicht genommen.

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