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General-Anzeiger

AmMches Organ für Sladl- uni Landkreis Sanan

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Ar. 192

Donnerstag Sen 17. August

1922

Das Neueste.

Reichskanzler Dr. Wirth hat gestern auf die Presseerklärungen Poincarès erwidert.

Der französische Ministerrat hat gestern die Haltung Poincarès in London gebilligt.

Der belgische Ministerpräsident Theunir hat, um einen vollständigen Bruch zwischen Frankreich end England zu verhindern, einen neuen Einigungs- oorschlag eingebracht.

Der polnische Kommissar der Erenzkommission sürOberschlesien hat zur Feststellung der definitiven Srenre in Oberschlesien neue Forderungen vor­gelegt. ,

Lei einem Eerüsteinsturz in der groben öalle des Anhalter Bahnhofs in Berlin wurden zehn Arbeiter getötet.

Vor der Entscheidung des Wiederherststlungsausschusses.

Ein Vermittlungsvorschlag Belgiens.

Drei Tage sind nun schon seit dem Abbruch Der Londoner Konferenz verstrichen, ohne daß wir wüßten, was nunmehr werden wird. Ueber letzteres kann mindestens in Deutschland kein Mensch etwas irgendwie Bestimmtes äußern, weil über den Plänen der französischen und englischen Staatsmänner noch undurch- >ringliche Schleier hängen. Beide Ministerprä­identen, Lloyd George wie Poincarè, haben ich ihre auf der Londoner Konferenz eingenom­mene Haltung vom englischen bezw. französi­schen Ministerrat billigen lassen und wir müssen abwarten, was nun geschieht. Warnen möch­ten wir aber vor einem Optimismus, der sich in den letzten Tagen in verschiedenen Kreisen unseres Volkes bemerkbar macht, nach dem man Vorteile für uns aus öen ^

Meinungsverschiedenheiten, bezw. aus einem Bruch der Entente erwartet. Gewiß, der Aus­klang der Londoner Besprechung dürfte man­chem verwunderlich erscheinen. Noch am Mon­tag schrieben wir an dieser Stelle, daß die Lösung, wie bei dem Dutzend vorangegangener Zusammenkünfte, durch einen Umfall Lloyd Georges bezw. durch ein Kompromiß gefunden werden würde. Wenn es nun jetzt so aussieht, als ob dies nicht der Fall wäre, so ist das ge­rade nur Schein. Im Vergleich zu der großen Rede, die Lloyd George noch vor Beginn der Londoner Beratungen hielt, ist er tatsächlich den Forderungen Poincarès in so weitgehen­dem Maße entgegen gekommen, daß die Eini­gung für jeden, der in politischen Dingen Er­fahrung besitzt, unmittelbar zu erwarten war. Lloyd George hatte bekanntlich Gegenvorschläge ausgearbeitet, die er in zehn Punkten zusam­menfaßte, von denen sieben glatt angenommen wurden. Man bedenke, daß sich da.runter u. a. die Ueberwachung der Vorbereitung und Durch­führung des deutschen Reichshaushalts, die Be­schlagnahme der Zolleingänge und die 26proz. Abgabe von der deutschen Ausfuhr befanden, und daß sie vor allem auch ein Diktat über die Herabsetzung der schwebenden Schuld enthiel­ten. Es wird wohl niemand behaupten wollen, daß dies deutschfreundliche Maßnahmen ge­wesen wären, wie es überhaupt das muß immer wieder wiederholt werden verkehrt wäre, zu hoffen oder zu glauben, daß die uns feindlichen Machte sich von Rücksichten auf das deutsche Volk leiten ließen. Wenn Lloyd Ge­orge gegenüber dem französischen Verlangen bezüglich der deutschen Bergwerke und Forsten standhaft geblieben ist, so nicht um Deutschlands sondern um Englands willen, denn Frankreich, das heute schon vier Fünftel der deutschen Eisen­erzlager in die Hand bekommen hat, wäre da­mit Alleinherrscher über die Bodenschätze des europäischen Festlandes geworden, da ihm ja euch im polnischen Oberschlesien Tür und Tor geöffnet sind, und England hätte das Nachsehen gehabt. So lagen die Dinge in London der Grund, weshalb man zu keiner Einigung kam, war nur der, daß man über die Art und das Tempo der Ausquetschung Deutschlands ver- chiedener Meinung war. Wir haben also keine Ursache, uns einem Optimismus über die Fol­gen der Meinungsverfchiedenhiten hinzugeben, uenn über die Ausquetschung Deutschlands selbst sind sich London wie Paris immer noch einig.

Am heutigen Tage wird nun wahrscheinlich "le Reparationskommission zusammentreten, um die Beratungen über das deutsche Stun- dungsgesuch vom 12. Juli zu beginnen. Ange- Uchts der im voraus wohl bekannten Haltung ^nglanbs und Italiens einerseits und Frank- sulchs andererseits heften sich alle Augen auf Aelgien, von dem die Entscheidung in der Ab- Invvnung abhängt. Die französischen Blätter

ergehen sich bereits in Hypothesen darüber, was in dem für Frankreich günstigen Falle einer belgischen Weigerung gegen das Moratorium geschehen würde. Sie sind mit Vorliebe der Ansicht, daß die Stimme des Präsidenten, d. h. )e§ französischen Delegierten Dubois, den Aus- chlag geben wird. Auch der Fall einer belgi- chen Stimmenthaltung wird bereits erörtert und aus dem Friedensvertrag das Recht her­geleitet, diese Enthaltung als negative Stimme zu zählen, woraus sich dann durch das Ueber- gewicht der Präsidentenstimme wieder eine Mehrheit zugunsten Frankreichs ergebe. Jeden­falls wird in einem anscheinend französischen Kommunique desTemps" die vorgestern von diesem Blatte aufgestellte Behauptung, daß die Reparationskommission das Moratorium, das in Wirklichkeit eine Reduktion der deutschen Schuld bedeute, nur einstimmig gewähren dürfe, offen widerrufen. Es wird erklärt, daß es sich bei der vorliegenden Frage um den in Art. 13 des Nachtrages 2 zum 8. Teil des Frie­densvertrages vorgesehenen Fall handelt, für den ein einstimmiger Beschluß erforderlich wäre. Die Mehrheit genüge, da die Stundung nicht über das Jahr 1930 hinaus verlangt worden ist. Besonders hervorzuheben ist folgende Stelle in der offiziösen Erklärung:Die Reparationskom- mifsion kann das Stundungsgesuch entweder annehmen oder ablehnen oder teilweise akzep tieren, indem sie eine Anzahl der zukünftig fälligen Zahlungen stundet."

In diesem Zusammenhang möge ein vom Jntransigeant" wiedergegebener

Vermittelungsvorschlag des belgischen Minister- präsidenlen Theunis

Erwähnung finden, den dieser in der Mora­toriumsfrage in London gemacht hat. - Theunis soll vargeschlagen haben, von Deutschland an­statt Goldmark auf 6 Monate laufende Mechsel zur Begleichung der Reparations­raten anzunehmen. Auf diese Weise würde man Deutschland in Wirklichkeit eine sechs­monatige Zahlungsfrist gewähren; die Alliier­ten hätten gleichzeitig die Genugtuung, ihre Forderungen von Deutschland zu erhallen. Der Jntransigeant" will wissen, daß Poincarè sich mit diesem Vorschläge einverstanden erklärt hat, allerdings mit der Bedingung, daß für den Fall Deutschland einen dieser Wechsel nicht völlig einlöse, Sanktionen Platz greifen würden. Es scheint nach den Pariser Blätterstimmen nicht unwahrscheinlich, daß in dieser Richtung ein Ausweg gefunden wird. Aller Wahrschein­lichkeit nach wird die Reparationskommission zunächst über diese Kompromißlösung beraten und erst dann, wenn man zu keiner Einigung kommt, über die Annahme oder Ablehnung des gesamten Stundungsgesuches entscheiden. Daß der belgische Kompromißvorschlag für uns keine Rettung bedeutet, dürfte jedermann klar fein, zumal im Hintergrund bereits wieder Sanktio­nen auftauchen. Wir werden auf diesen Vor­schlag noch zurückkommen. R. H.

Mimskerra! in Rambouillet keine Einberufung der französischen flammet.

Paris, 17. Aug. Der französische Minister­rat, der gestern in Rambouillet zusammenge­treten ist, hat in der Frage der Einberufung des Parlaments im Verlauf des Nachmittags durch den Innenminister die unzweideutige Er­klärung abgeben lassen, daß nicht die Rede da­von fei, das Parlament zu einer außerordent­lichen Sitzung einzuberufen. Damit ist die Öffentlichkeit über die Frage aufgeklärt, die sie zunächst am meisten interessierte. Die Mini­ster haben im übrigen von vormittags 10 Uhr mit einer Stunde Unterbrechung für das Früh­stück bis in den Abend hinein beraten. Die von Paris abwesenden Minister wurden telegra­phisch zur Teilnahme an den Verhandlungen aufgefordert. So muhte z. B. der Marinemini­ster Raiberty von Nizza nach Paris reisen und, da er nicht rechtzeitig vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof anlangte, sich im Automobil nach dem Schlosse des Präsidenten der Republik be­geben. Ueber die Vormittgssitzung wurde folgendes Kommunique an die Presse ausgegeben:

Der Ministerpräsident hat eine vollstän­dige Darlegung der Verhandlungen in Lon­don gegeben und auch der Gründe, die eine Verständigung unmöglich machten. Der Ministerrat hat einstimmig die Hal­tung des Ministerpräsidenten g e b i l l i g t und sich mit ihm f o t i d a r i s ch erklärt.

Ueber die Nachmittagsverhandlungen, die, wie gesagt, bis abends dauerten, enthalten die Abendblätter keinerlei Mitteilungen. Wir er­fahren jedoch, daß der an die Presse gerichtete

Sitzungsbericht dahin lautet, daß die Minister wieder eingehend über die Lage beraten und alle Eventualitäten durchgesprochen haben, die die Entscheidung der Reparationskommission für Frankreich zur Folge haben könnte. Selbst­verständlich werden Einzelheiten über die ver­traulichen Beratungen erst in den kommenden Tagen durchsickern, wenn die Verhandlungen der Reparationskommission dazu Veranlassung geben.

Dr. Wirth gegen Pvinearè.

Berlin, 17. Aug. Reichskanzler Dr. Wirth machte gestern abend vor einer Anzahl Vertreter der ausländischen Presse Ausführungen über den Stand des Reparationsprob­lems und wies hierbei auf die Unsinnigkeit der von Poincarè betriebenen Politik hin; ferner widerlegte der Reichskanzler Behauptungen des französischen Ministerpräsidenten, die dieser in seiner letzten Rede immer widerholte, so in Be­zug auf die Errichtung deutscher Banken im Auslande usw. Dr. Wirth führte aus:

Die Konferenz in London ist unter Umstän­den zu Ende gegangen, die nicht nur die drin­gend nötige Klärung der europäischen Lage nicht gebracht haben, sondern vielmehr eine noch größere Unsicherheit zurückgelassen, als sie vorher bestanden hat. Vor der ersten Drohnote der franz. Regierung vom 26. Juli 1922 stand der Dollar noch auf 450, nachher stieg er bis auf 800; nach der zweiten Drohnote vom 5. August stieg er fast bis auf 900 und nach dem ergebnislosen Abbruch der Londoner Konferenz auf 1050 Mk. Wenn auch der franz. Minister­präsident demgegenüber in seiner Rede an die Presse in London versucht, Deutschland die Schuld an dein Marksturz zuzuschieben und be­hauptet, Deutschland habe den Beweis geliefert, daß es eine systematische Entwertung der Mark 'vekfolge, so wird er wenige außerchâöer, Grenze Frankreichs finden, die ihm das glauben und auch in Frankreich gibt es viele Einsichtige, die solche unwahrscheinliche Behauptungen nicht mehr ernst nehmen. Hat doch selbst derTemps" erst vor wenigen Tagen festgestellt, daß die deutsche Regierung erst vor kurzem eine ernst­hafte Anstrengung gemacht hat, um den Mark­kurs zu befestigen. Allerdings knüpfte der Temps" daran die unrichtige Befürchtung, daß die deutsche Regierung zu dieser Stützungsaktion unberechtigterweise Devisen verwendete, die sie der Reparationskommission entzogen habe.

Welche Folgen dieser Marksturz für Deutschland hat,

liegt auf der Hand: Weitere Verelen­dung breiterVolksschichten und Zer­störung des Budgetgleichgewichts, Absperrung der nötigsten Lebensmittel und Rohstoffzufuhr, Ausverkauf der Lagerbestände, Hungersnot, Verzweiflungsausbrüche der Massen, Unterhöh­lung jeder Regierungsautorität und speziell für die deutsche Industrie Vernichtung des Betriebs­kapitals und Erlahmung der Produktion. Daß angesichts dieser Folgen eine Regierung oder die Führer der Privatwirtschaft auf den Sturz der Mark hinarbeiten sollten ist so unsinnig, daß der franz. Ministerpräsident damit bei niemand, der die Wahrheit sehen will, Glauben finden wird. Er hat bei dieser Gelegenheit auch be­hauptet, Deutschland hätte der T s ch.e ch o s l o - wakei eine Anleihe von 4 Milliarden Mark angeboten; daran ist kein wahres Wort. Weder von der Regierung, noch von der Reichsbank, noch von den deutschen Banken, die für ein so großes Geschäft in Betracht kommen könnten, ist ein solches Angebot gemacht worden. An keiner dieser Stellen ist auch nur von Verhandlungen darüber etwas bekannt. Die Unrichtigkeit dieser Behauptungen ergibt sich für jeden, der die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Deutschlands erkennt, von selbst aus der gegenwärtigen Kapitalknappheit und Kreditnot Deutschlands, die sich am deutlichsten darin aus­drückt, daß die Reichsbank zur Diskonterhöhung gezwungen ist, während in allen übrigen Län­dern die Notenbanken ihren Diskontsatz immer weiter herabsetzen. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß Deutschland in Dänemark, Rumänien und Holland Banken gegrün­det hat, mit der Absicht den Verkauf der Mark im Auslande zu erleichtern. In Dänemark, Rumänien und Holland sind Banken von deut­scher Seite nicht gegründet worden. Wenn die deutsche Finanzwelt sich in Holland an einigen Bankunternehmungen beteiligt hat, so lag für Deutschland einfach der Zwang vor, nachdem es fünf Jahre von dem Wirtschaftsverkehr mit dem Auslande abgeschnitten war und seine Bank­niederlassungen in den Ländern der Alliierten liquidiert und geschlossen waren, auf diesem Wege wieder den Anschluß an die internationale

Wirtschaft wiederherzustellen. Wenn bk deutsche Regierung wirklich die arglistige Ab­sicht gehabt hätte, durch einen systematischen Markverkauf im Auslande den Markkurs zu vernichten, so wäre es wirklich recht naiv ge­wesen, dies durch zu diesem Zweck besonders errichteten deutschen Auslandsbanken zu tun. Wenn der französische Ministerpräsident be­hauptet,

Frankreich brauche eine bvprozenlige Be­teiligung an der chemischen Industrie, um die Herstellung von Giftgas zu verhüten, ss muß ihm gegenüber darauf hingewiesen werden, daß der Friedensvertrag den alliierten Mächten Möglichkeiten genug gibt, diese Betriebe daraus zu kontrollieren, daß' kein Giftgas hergestellt werde und daß von dieser Kontrollmöglichkeit wahrhaftig mehr als genug Gebrauch gemacht wird. Diese Behauptung ist einfach der V o r» wand dafür, um in das Geschäftsver­fahren ber deutschen Industrie ein- zudringen und ihre Konkurrenz zu beseiti­gen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird auch vor dem sonst noch so heilig gepriesenen Privat­eigentum nicht Halt gemacht, dessen Nichtan­erkennung man andern Ländern als ein Ver­brechen gegen die europäische Tradition an­rechnet. Herr Poincarè hat es abgelehnt, den Völkerbund zur Entscheidung einer juristischen Streitfrage anzurufen, wie dies Herr Lloyd George vorschlug. Wieviel Zutrauen kann das deutsche Volk schließlich zu der Unparteilichkeit eines Völkerbundes haben, dem der französische Ministerpräsident selbst die Autorität zur Ent­scheidung abspricht, weil in ihm neutrale Mächte vertreten sind. Heute ist die Mark auf l/iw ihres Friedenswertes gesunken. Diese Tatsache macht es möglich, für Barzahlungen an die Alliierten ausländische Zahlungsmittel auf dem i^Wk^ Ä einem vernünftigen Ergebnis und zu dem un­umgänglichen Moratorium geführt, dann stände der Dollar heute nicht auf 1500, sondern viel­leicht auf 400 oder 500 und das Vertrauen der Welt in die deutsche Kreditfähigkeit wäre zum Teil wieder hergestellt.

So aber ist zunächst auch die internationale

Anleihe zerschlagen, die allein Frankreich schnell in den Besitz großer Barmittel hätte bringen können. Durch eine solche Politik treibt Frankreich selbst das Ziel, von Deutschland Barleistungen zu erhalten, immer weiter hinaus. Nach allen negativen Erfahrungen der letzten drei Jahre hat der fran­zösische Ministerpräsident den Beweis erbracht, daß mit Drohungen und wirtschaftlicher Knech­tung das europäische Problem nicht gelöst wer­den kann, unter dessen Druck Deutschland und Oesterreich am meisten, mit ihnen aber auch die andern Länder Europas leiden. Dafür gebe es einen Weg, auf den der Minister Rathenau in seiner letzten Rede in Genua verwiesen hat s,Den Weg der freien und gutwilligen Verständigung von Volk zu Volk."

Berlin, 17. Aug. Dem Berliner Bericht­erstatter desDaily Chronicle" erklärte der Reichskanzler über die künftige Politik der deutschen Regierung befragt:

Während der allernächsten Monate können und werden wir unsere Verpflichtungen nur so weit durchführen, als die Sicherung der Brol- versorgunq für die Existenz des Volkes dies zuläßt. Erst Brot für das Volk, dann Wieder­herstellung. Was wirtschaftlich unmöglich ist, muß von selbst zusammenbrechen.

Steile unverschömke poln. Forderungen

Berlin, 17. Aug. Nach hier vorliegenden amtlichen Meldungen hat der polnische Kom­missar der Grenzkommission für Oberschlesien neuerdings folgende Forderungen vorgelegt:

Zuteilung der Delbrück-Schächte an Polen, Zuteilung des Fiedlers-Glück-Schacht mit dem Ost- und Westfeld des Zinkbergwerks Wilhelms- Glück an Polen, Zuteilung des vorgerichteten Steinkohlenfeldes der Razionkaugrube an Po­len, eine Erweiterung des Geländes nördlich und östlich des Carnals-Freuden-Schachtes, Zu­teilung des Ostfeldes der Königin Luife-Grvbe an Polen, ferner zahlreiche andere Aenderun­gen der Demarkationslinie zugunsten Polens, z. B. Zuteilung eines für die Stadt Beuthen lebenswichtigen Straßen- und Kleinbahnnetzes bei Roda-Hammor.

Dieser polnische Vorschlag zur Feststellung der definitiven Grenze ist für Deutschland, wie halbamtlich erklärt wird, völlig unan­nehmbar. ________

Dollar (10 Ahr vorm.) 1050