Bezugspreis: Monatlich Mk. 39.— ohne Träger- lohn; Einzelnummer Mk.2.—. Anzeigenpreise; Die 33 mm breite Zeile Mk. 5.—; Finanzinserate M.S.—: Reklame (68 mm breit) Mk. 12.—. Inserate, auch laufende, werden nur zum jeweiligen Tagespreise berechnet. — Oifertengebühr Mk. 2.—.
General-Anzeiger
AmMches Organ sür Slaöl- und Landkreis Kanan K^ z " • yur Piatzvorfchrtft u. wricheinunüstage der Anzeigen
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierlage
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teil« Sanau a. M. — Im Falle höherer Gewalt hat der
Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nach-
wird keine Gewähr geleistet.
Nr. 191
Mittwoch den 16. August
1922
Das Neueste.
— Die deutsche Regierung hat gestern den vierten Teil der fälligen Ausgleichszahlung, also 10 Millionen Goldmark, an die Entente abgeliefert.
— Die französische Delegation wurde bei ihrer gestrigen Ankunft aus London von einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt.
— Die Gerüchte von einer Erkrankung des Papstes entbehren jeglicher Grundlage.
— Der wilde Streik der Landarbeiter im Kreise Oberbarnim hat sich auf 35 Güter ausgedehnt. Die Notstandsarbeiten werden bis auf zwei Güter verrichtet. Technische Nothilfe ist überall eingesetzt.
Nach dem Abbruch der Londoner Konferenz.
Was nun? Das ist die bange Frage, die nach dem Abbruch der Londoner Konferenz für uns und die gesamte Welt aufsteigt. Nach einem Londoner Telegramm sieht die dortige Regierung die nächsten normalen Schritte in der Entscheidung des Wiederherstellungsausschusses über den Zahlungsaufschub, ist aber auf alles gefaßt. Das heißt also, die englische Regierung ist auch darauf gefaßt, daß Frankreich sogar die Form zerschlagen und ohne weitere Rücksicht auf die Verbündeten handeln werde. Damit ist, schon gesagt, daß auch das deutsche Volk auf alles gefaßt sein muß. Die Entscheidung liegt in Paris, wo der Ministerrat wahrscheinlich heute die Absichten Poincarès zu begutachten haben wird. In welchem Sinne Herr Poin- caré die öffentliche Meinung zu beeinflussen unternimmt, geht aus seinen Aeußerungen her- aor.^d>c wir weiter unten abdrucken. Wenn er darin behauptet, daß Deutschland sich der Kriegsentschädigung entzogen und daß es seinen MaMurs planmäßig entwertet und so eine Bankrottpolitik betrieben habe, so ist das nicht nur von deutscher Seite oft genug zurückgewiesen worden, sondern wir haben auch ausländische Zeugnisse genug gegen diese falsche Darstellung. Wir brauchen die Anklagen des Herrn Poincarè gegen unseren angeblichen bösen Willen nicht mehr gelten zu lassen, als seine eigenen Verbündeten es tun. Und ebenso wenig brauchen wir die schwarzen Pläne richtig zu stellen, mit denen wir nach Poincares angeblicher Befürchtung den Siegermächten die Vorherrschaft wieder entreißen möchten, die wir vor dem Krieg in der Welt ausgeübt hätten — wovon Herr Poincarè offenbar mehr weiß als wir und seine Verbündeten. Es bleibt abzuwarten, wie weit die öffentliche Meinung Frankreichs sich von Herrn Poincarè in dieser verhängnisvollen Richtung weiter führen läßt. Gestern ist der Dollar bereits auf über 1000 gestiegen; wird man sich in Frankreich von Herrn Poincarè weiter glauben machen lassen, daß die deutsche Regierung es ist, die planmäßig diese heillose Entwertung der Mark betreibt! Wird der Wiederherstellungsausschuß die vorsätzliche Verfehlung Deutfchlands feststellen, die Poincarè braucht, um nach seiner Auslegung des Versailler Vertrages eigenmächtig gegen Deutschland vorgehen zu können? Wir wissen es nicht, zweifelos werden Poincarè und Genossen, denen ja in Wirklichkeit nichts an der Zahlung durch Deutschland liegt, die selbst eine Katastrophe des Frankkurses in Kauf nehmen, wenn nur der „Erbfeind" Deutschland darüber in die Brüche geht, alles daran fetzen, um das Abstimmungsergebnis nach ihrem Wunsche zu gestalten.
Unsere Lage ist deshalb furchtbar ernst — °hne daß wir Ursache haben zu verzagen. Es heißt nur, diesmal eine geschlossene Nation zu bilden und bei dem endlich einmal gesprochenen Rein zu bleiben. Es darf kein Schwanken geben. Was der Franzose bis heute erreicht hat, mar ihm in der Hauptsache nUr durch unsere Schuld, durch den Zwiespalt innerhalb der deutschen Reihen möglich. Das deutsche Volk braucht keine Furcht zu haben, wenn es einig ist. Aber es muß sich dessen bewußt werden, daß die kommenden Tage starke Nerven, eisernen Willen »es Zusammenhaltes erfordern.
Erklärungen Poincarès.
Paris, 15. Aug. Am Schluffe der gestrigen Vollsitzung der Konferenz gab Poincarè den Pressevertretern eine längere Erklärung über me Lage ab. Er wies zunächst auf die Geduld französischen Delegation gegenüber den putschen Ausflüchten wegen der Zahlung hin. Deutschland habe durch eine absichtlich herbei- Lftührte Markentwertung (!?) eine systema- "iche Bankrottvolitik verfolgt. Es wolle nicht
mehr als 20 Millionen Goldmark bezahlen, um nachher wieder die Weltmachtstellung auf wirtschaftlichem Gebiete öinzunehmen, die ihm durch den Krieg entrissen worden ist. Die Note Balfours habe die Gesamtregelung der Reparationsfrage unmöglich gemacht. Die englische Regierung sei von vornherein für die Gewährung eines Moratoriums eingetreten, ohne daß sie dazu der französischen Forderung auf Ergreifung produktiver Pfänder habe zustimmen wollen. Alle französischen Vorschläge seien entweder entstellt oder glatt abgelehnt worden. Lloyd George habe nur Genugtuung in der Frage der Reichsbank gegeben. Nach anfänglicher Zustimmung habe er sich der Uebersiede- lung des Garantiekomitees nach Berlin widersetzt. Er habe die Kontrolle der Einfuhrbewilligungen abgelehnt und die Kontrolle der Ausfuhr habe nach feiner Ansicht nur vorübergehend fein sollen Die Kontrolle der Zölle sei dadurch bedeutungslos geworden, da man dem Garantiekomitee die Uebersiedelung nach Berlin habe verweigern wollen. Bezüglich der Kapitalflucht habe Lloyd George jede ernsthafte Kontrolle abgelehnt und sich an die deutschen gesetzlichen Bestimmungen auf diesem Gebiete halten wollen. Die größte Meinungsverschiedenheit habe jedoch in der Frage der produktiven Pfänder bestanden. England habe die Errichtung einer Rheinzolllinie und einen Zollkordon im Ruhrgebiet sowie die Beteiligung an den deutschen Farbfabriken und die Beschlagnahme der staatlichen Wälder und Gruben abgelehnt. Lloyd George habe vorgeschlagen, die Streitfrage über die Pfänder dem Schiedsspruch des Völkerbundes zu unterbreiten. Diesen Vorschlag habe Frankreich ablehnen müssen, weil es nicht angängig sei, die Reparationsangelegenheit einem Organismus zu unterbreiten, m Ann neutzâMâ â treten feien und dem später auch Deutschland angehöre. Poincarè behauptete dann nochmals, daß Deutschland bezahlen könne. Es habe eine Milliarde in der Reichsbank liegen und es wäre ihm möglich, davon 150 Millionen Goldmark zu entnehmen, ohne daß der Marksturz beschleunigt würde. Zum Schlüsse erklärte Poin- carè, daß die Delegationen freundschaftlich auseinander gegangen seien, daß aber Frankreich sich das Recht vorbehalte, in souveräner Weise über die Folgen der Uneinheitlichkeit der Alliierten zu beraten. Man könne nicht von einemBruchederEntentesprechen. Er werde alles tun. um einen Bruch zu verhüten, ohne aber die Interessen Frankreichs zu opfern. Ein Bruch zwischen Frankreich und England wäre ein großes Unglück.
Verlorene Liebesmühe Lloyd Georges.
London, 15. Aug. In seiner gestrigen Schlußrede bemühte sich Lloyd George nochmals mit allen Kräften, eine Verständigung zwischen Frankreich und den übrigen Alliierten herbeizuführen. Er schlug nochmals vor, den Antrag Italiens auf Vertagung anzunehmen und die Moratoriumsfrage der Reparationskommission zu überweisen, wie es von Anfang an England wollte. Ferner wollte er anerkennen, daß besondere Maßnahmen von der Garantiekommission festzustellen und unverzüglich zu ergreifen seien, und, daß bis zur nächsten Zusammenkunft der Alliierten gegen Ende dieses Jahres auf Vorschlag Italiens, dem sich England gefügt hat, von England und feiner alliierten Schuldner keinerlei Ansprüche bezüglich Zinszahlungen erhoben wird. Dieser Punkt wurde von allen Delegierten, mit Ausnahme von Frankreich, angenommen. Lloyd George wies nochmals nachdrücklich darauf hin, daß der Garantieausschuß die vollkommene Selbständigkeit der deutschen Reichsbank gewährleistet. Die Maßnahmen, die getroffen werden sollen, seien folgende: Beaufsichtigung des deutschen Budgets durch den Garantieausschuß; die Verhinderung weiterer Papiergeldausgaben; der Versuch, den deutschen Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen und Ueberschüsse zu sichern; Beaufsichtigung der deutschen Zölle und Verbrauchssteuern und der Erlaß von Gesetzen zur Verhinderung der Kapitalsflucht ins Ausland. Ferner die Aufhebung der Subsidien. Der französische Premier erklärte, daß ihm diese Maßnahmen läng st nicht hart genug seien und verlangte weitere, bedeutend schärfere Maßnahmen, stieß aber dabei auf den entschlossenen unüberwindlichen Widerstand der ganzen Versammlung. Von einer Kontrolle der deut - schen Bergwerke u. Forsten wollte keineMachtetwaswissen. Alle Delegierten waren einstimmig der Ueberzeugung, daß die deutschen Kohlenbergwerke unter deut- scher Aufsicht "bedeutend mebr leisten werden.
als unter der der alliierten. Was die Einnahmen aus den Forsten betreffen, so sei es den Alliierten unmöglich, sich mit den Eigentümern, den Einzelstaaten, zu befassen, ohne neue große Schwierigkeiten in dem Verhältnis des Reiches zu den Landesregierungen hervorzurufen. Neue Garantiemaßnahmen im Sinne von Sanktionen, die eine Einmischung des Auslandes in die deutsche Wirtschaftsmaschinerie bedeuten würde, müßten auf die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands nachteilig wirken, was eine Verringerung der Aussichten zur allmählichen Erlangung genügender Reparationen gleich käme. Die Lage, so führte Lloyd George aus, hänge jetzt zu allererst von Frankreich ab. Im übrigen führte Lloyd George den Alliierten die Bestimmungen des Versailler Vertrages vor Augen, der die Frage eines Moratoriums der Reparationskommission zur Behandlung überläßt- Sie allein hat d i e M a ch t, mit Mehrheitsbeschluß Maßnahmen in dieser Angelegenheit zu b e st i m m e n.
Die Abreise der Franzosen.
Paris, 16. Aug. Die französische Delegation ist gestern von London abgereist, ohne daß Lloyd George ihr das Geleit bis zum Bahnhof gegeben hätte. Der Ministerpräsident und die übrigen französischen Persönlichkeiten trafen um 6 Uhr 35 Min. in Paris auf dem Nordbahnhof ein und wurden von einer großen Menschenmenge am Bahnhöfe begeistert begrüßt. Für den weiteren Verlauf der Dinge kann noch nichts vorausgesagt werden. Alles wird von den Entscheidungen des M i n i st e r r a t s abhängen, der heute unter dem Vorsitze Millerands in Rembouillet stattsindet. Poincarè wird mit seinen Regierungskollegen 8 Uhr 40 Min. .nachdem. Landsitz des Präsidenten der Republik 1 fahren und am Abend nach S Uhr in die «Stadt zurückkehren. Er wird im Ministerrat über die Londoner Verhandlungen zu berichten haben. Die Minister werden sich über die Haltung des französischen Delegierten bei der Reparations- kommission dem deutschen Moratorium gegenüber aussprechen. Diese Aussprache wird zweifellos negativ sein. Weiterhin wird aber der Ministerrat heute über die Notwendigkeit der Einberufung des Parlaments entscheiden, dessen Unterstützung, wie viele Blätter behaupten, der Ministerpräsident sicher sein will, bevor er Frankreichs Geschicken eine neue Richtung gibt.
Vorläufig keine Einberufung des französischen Parlaments?
Paris, 16. Aug. Die französische Presse interessiert heute vor allem, ob der Ministerrat, der heute abgehalten werde, die Einberufung des Parlaments verfügen werde oder nicht. Die außerordentliche Sitzung der Kammer, die gestern bereits von verschiedenen Blättern als sicher angekündigt wurde, begegnet heute verschiedenen Einwendungen. Es wird geltend gemacht, daß die französische Regierung schließ-- lich allein die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müsse und es eigentlich nicht nötig habe, die Kammer angesichts dieses Ereignisses zu befragen. Die Einberufung des Parlaments könne erst dann geschehen, wenn in der Frage der Reparationszahlungen mit Berlin oder mit der Reparationskommission Differenzen entstanden seien, d. h. wenn z. B. Frankreich einem Beschluß der Reparationskommission sich nicht fügen und allein vorgehen wolle. In diesem Falle wäre mit einer Kammersitzung zu rechnen und diese würde im Verlaufe der nächsten Woche stattfinden.
Die nächste Konferenz in Brüssel.
London, 16. Aug. Nach einer Reutermeldung wurden sich gestern morgen die alliierten Ministerpräsidenten darüber einig, daß die nächste Konferenz im November in Brüssel stattfinden soll.
Die amerikanische Auffassung.
Newyork, 16. Aug. In amerikanischen finanziellen und politischen Kreisen wird der Fehlschlag der Londoner Konferenz tief bedauert, weil dadurch die für Amerikas Wohlfahrt ebenfalls nötige Wiederherstellung des Gleichgewichts in Europa verzögert wird. Die Geschäftsleute erkennen an, daß Deutschland zunächst in die Lage versetzt werden müsse, den Markkurs wieder zu heben, ehe es an eine höhere Besteuerung denken könne. Zu diesem Zwecke aber müsse Deutschland eine größere Außenanleihe erhâlten, die es wiederum nicht auf Grund des heutigen Standes der Reparationsforderungen aufnehmen könne. Das wisse Poincarè ebenfalls so gut wie Lloyd George. Bedeutende Finam- und Wirtkckastsiachverktän-
dige sind der Ansicht, daß mittels eines Moratoriums für die Barzahlungen bis Ende des Jahres und der Abgabe von 26 Proz. auf die Ausfuhr, die Lloyd George vorgeschlagen hat, diese Anleihe wahrscheinlich zustande kommen könne.
Die fälligen 10 Millionen Goldmark bezahlt
Die deutsche Regierung hat gestern die in ihrem Stundungsgesuch in Aussicht gestellte Zahlung von 500 000 Pfund, also den vierten Teil der gestern fälligen Ausgleichs- summe, an die Entente abgeführt. Wie es in einer amtlichen Mitteilung heißt, ist an amtlicher Stelle von einem Beschluß, wonach für die Ausgleichszahlungen auf Vorschlag der Finanzkommission der Londoner Konferenz die Gewährung einer Frist von 4 Wochen von der Vollsitzung gebilligt worden sein soll, nichts bekannt.
Die Note, die die deutschen Botschafter in London, Paris und Rom und die Gesandschaft in Brüssel den beteiligten Regierungen gestern übergeben haben, hat folgenden Wortlaut:
In geichlautenden Roten vom 14. Iuli hatte die deutsche Regierung die Regierungen Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens unter Hinweis auf den an die Repara- tionskommifsion gerichteten Antrag auf Aufschub der Reparationszahlungen gebeten, eine neue Regelung für die Verpflichtungen Deutschlands aus dèm Ausgleichsverfahren und aus Abschnitt 6 von Teil 10 des Vertrages von Versailles zu treffen. Auf diesen Antrag ist der deutschen Regierung die von ihr erbetene gemeinschaftliche Entscheidung der beteiligten Mächte bisher nicht zugegangen. Die deutsche Regierung befindet sich hinsichtlich der Deckung
eingegangenen Privatverpflichtungen aus Getreidekäufen in einer sehr schwierigen Lage, die der Reparationskommission und dem Garantiekomitee näher bekannt ist. Seit dem 14. 3uli, dem Tage ihres Gesuches um anderweitige Re- gelung der Ausgleichszahlungen ist die Mark von ein Hundertstel bis aus ein Zweihundertstel ihres Friedenswertes weiter gesunken. Es ist der deutschen Regierung daher beim besten Willen nicht möglich, die aufgrund des Abkommens vom 10. 3 uni 1921 am 15. August fällige Rate von 2 Millionen Pfund den beteiligten Regierungen zur Verfügung zu stellen. 3n ihrer Rote vom 15. August hat die deutsche Regierung der französischen Regierung erklärt, sie werde auch für den Fall des Ausbleibens einer gemeinschaftlichen Entscheidung der beteiligten Regierungen bestrebt sein, ihre vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit zu erfüllen. In Uebereinstimmung hiermit und um eine Verständigung über die Frage der Ausgleichszahlung zu erleichtern, auf rvelche sie den größten Wert legt, wird die deutsche Regierung an der Zurückstellung der sich auf der Devisenlage ergebenden schweren Bedenken den von ihr in ihre Rote vom 14. Iuli unter günstigeren Verhältnissen angebo- kenen Betrag von 500 000 Pfund den beteiligten Regierungen zur Verfügung stellen. Sie hat die zuständigen Stellen mit entsprechenden Weisungen versehen.
(Die Zahlung der 10 Millionen Goldmark ist inzwischen erfolgt. D. Red.)
Der Eindruck der Zahlung in Paris.
Paris, 16. Aug. Die Blätter veröffentlichen heute morgen den Wortlaut der deutschen Note! hinsichtlich der Ausgleichszahlung. Im allgemeinen beschränken sich die Blätter daraus, diese Note komentarlos wiederzugeben. Das „Oeuvre" allein sagt dazu, die deutsche Regierung habe im Augenblick, da sie diese Zahlung vorgenommen habe, im Besitz des Beschlusses der Londoner Konferenz sein müssen, die von ihr die Zahlung der gesamten Summe von zwei Millionen Pfund Sterling verlangt habe. (Dieser Beschluß ist auch in unsere Hände bisher nicht gelangt. Im Gegenteil, wir berichteten gestern von einer Stundung der fälligen Ausgleichszahlungen auf vier Wochen. D. Red.) Das Reich habe sich also geeilt, den vierten Tell der von ihm verlangten Summe zu leisten. Es, sei klar, daß es durch dieses Manöver der vollkommenen Zahlung entgehen wolle. Matt könnte allerdings die Annahme dieser Zahlung verweigern, um das Manöver zu vereiteln, aber immerhin fei es besser, von Deutschland wenigstens das anzunehmen, was es anbiets.
Dollar (19 Uhr vorm.) 980-1009